Portrait einer Frau im Profil.
Pastell und Kohle über Spuren von Bleistift, weiß gehöht, auf Velin. 25,7 x 19,5 cm. Unten links signiert und mit Widmung "Herrn Franz Eder zur Erinnerung. E: Veith.".
Beigegeben eine weitere Zeichnung mit Goldhöhung: Zwei Frauen auf einer Wippe, daneben ein Putto (27,5 x 33 cm. Unten rechts signiert (?) "E. Veith").
Provenienz: Sammlung Prof. Ernst Fuchs, Wien.
Försterling, Otto
"Elfen, den Morgenthau ausgiessend"
Los 6791
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
"Elfen, den Morgenthau ausgiessend".
Aquarell und farbige Stifte, an drei Kanten ein feines vergoldetes Papier als Bordüre aufgelegt, auf festem Velin. 70,5 x 109,5 cm. Unten links signiert "Otto Foersterling" und verso vom Künstler eigenh. betitelt, datiert und signiert "fec. Otto Foersterling Dresden 1872/73, 429".
Das märchenhafte Motiv geht auf eine Vorstellung aus der keltischen und germanischen Mythologie zurück, derzufolge der funkelnde Morgentau ein Werk von Naturgeistern, Elfen und Feen ist, die in den frühesten Morgenstunden den Tau aus einer Quelle abschöpfen und dann die Bäume, Blumen und Gräser damit benetzen. Besonders im 19. Jahrhundert in der Romantik und etwas später in der viktorianischen Malerei und im Jugendstil erlebte das Sujet seine Blüte. Otto Försterling, der seine Ausbildung an der Berliner Akademie erhielt, war ab 1867 als selbständiger Künstler erst in Dresden und ab 1890 in Leipzig tätig. Er widmete sich vornehmlich der Landschaft, die er oft durch biblische oder mythologische Staffage belebte, oder sie wie hier um Szenen aus der Märchendichtung erweiterte. Boetticher (Malerwerke) kennt neben unserem Aquarell auch eine Fassung in Öl, die 1876 auf der 50. Akademischen Kunstausstellung in Berlin gezeigt wurde.
Ausstellung: Kassel, Kunstverein 1874.
Literatur: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des 19. Jahrhunderts, Zeichnungen Nr. 3 ("Morgentau, Aquarell").
Rothaug, Alexander
Studienblatt mit dem Kopf eines Kentauren
Los 6792
Schätzung
450€ (US$ 517)
Studienblatt mit dem Kopf eines Kentauren.
Graue und weiße Kreide auf blaugrauem Velin. 30,4 x 23,4 cm. Unten links signiert "Alexander Rothaug".
Provenienz: Privatsammlung Wien.
Studienblatt mit Kinderköpfen.
Schwarze und weiße Kreide auf grau-grünem Velin. 32,4 x 25,3 cm.
Beigegeben zwei weitere Zeichnungen des Künstlers "Studienblatt mit tanzendem Knaben" und "Studienblatt mit Armen".
Provenienz: Sammlung Prof. Ernst Fuchs, Wien.
um 1900. Der Frühling (Knospende Kastanien).
Bleistift, teils gewischt, mit separater Rahmenzeichung, ebenfalls in Bleistift, diese auf ein Passepartout aufgezogen. 30,2 x 24,2 cm (Zeichnung); ca. 38,7 x 31,8 cm (Rahmenzeichnung).
Selbstbildnis im Profil nach rechts.
Kohlestift auf festem Velin. 49 x 39,2 cm. Unten links signiert "Fidus 13 II (18)91".
Der deutsche Maler und Lebensreformer Fidus befand sich zu Beginn der 1890er Jahre in einer entscheidenden Phase der künstlerischen und persönlichen Selbstfindung. Prägend war zunächst der Einfluss des Naturpropheten Karl Wilhelm Diefenbach, bei dem er von 1887 bis 1889 lernte, bevor er seine Ausbildung an der Münchener Akademie fortsetzte.
Das eindringliche Bildnis zeigt den gerade erst 22-jährigen Künstler im Profil. Das lange, nach hinten gestrichene Haar fällt über die Schultern auf die schlichte schwarze Jacke mit schmalem Stehkragen, unter dem lediglich ein schmaler Streifen des weißen Hemdes sichtbar wird. Der junge Künstler erscheint konzentriert und ganz in sich selbst ruhend; sein fester Blick ist nach vorn gerichtet. In der strengen Reduktion der Darstellung liegt eine bemerkenswerte Geschlossenheit, als scheint Fidus bereits ein Bild von sich und seiner Zukunft zu haben.
Nur einen Monat später zeichnet Fidus ein zweites Mal sein Konterfei mit Kohle auf Papier, das sich in der Daulton Collection, Los Altos Hills, CA befindet. Der Künstler trägt dieselbe schwarze Jacke, doch an Stelle der Ansicht im Profil, wendet sich Fidus dem Betrachter frontal und mit fragendem Blick zu. Auch äußerlich zeigt sein Erscheinungsbild eine bemerkenswerte Veränderung: Das lange, wilde Haar ist einem kurzen Haarschnitt gewichen.
Gerade in der unmittelbaren zeitlichen Nähe zueinander gewinnen die beiden Bildnisse besondere Aussagekraft. Die Veränderung von Blick, Haltung und Erscheinung lässt sich als sichtbarer Ausdruck eines Prozesses der Selbstbefragung lesen. In diesen Selbstbildnissen scheint Fidus nicht allein sein äußeres Erscheinungsbild festzuhalten, sondern sich über die Darstellung des eigenen Ichs auch seiner künstlerischen und persönlichen Identität zu vergewissern.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers, zunächst Fidus-Haus.
1991-1996 Verwahrung in der Berlinischen Galerie.
1996 bis Februar 2026 Dauerleihgabe ans Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein (Inv. Nr. 591).
Literatur: Janos Frecot, Johann Friedrich Geist und Diethart Kerbs: Fidus, 1868-1948. Zur ästhetischen Praxis bürgerlicher Fluchtbewegungen, München 1972, S. 312: 1891, Nr. 10 ("Selbstbildnis, Profil, Blei").
Iphigenie, stehend in einer Nische.
Schwarze und rote Kreide, Pinsel in Braunrot und Schwarz, stellenweise weiß gehöht. 57,6 x 38,1 cm. Verso mit alten Sammlerannotationen. Wz. PM.
Kopie nach einer Zeichnung, die Hans von Marées im Winter 1886/87 für eine unvollendet gebliebene plastische Arbeit Tuaillons geschaffen hatte (Meier-Graefe, a.a.O., Kat.-Nr. 985 und Abb. S. 593). Tuaillon arbeitete von 1885 bis 1892 in Horn unter Marées' Anleitung.
Provenienz: Kornfeld und Klipstein, Bern, Auktion 121, 1966, Los 1039 mit Abb.Taf.16.
Sammlung Walter Bauer, Fulda.
Literatur: Julius Meier-Graefe: Hans von Marées, Sein Leben und sein Werk. Bd. II, München/Leipzig 1909, Notiz zu Kat. Nr. 985.
Der Tod als rastender Totengräber.
Feder in Schwarz, grau laviert, auf Zeichenkarton. 23,7 x 15,6 cm. Unten rects bezeichnet und signiert "Z.[ur] E.[rinnerung] / JSattler".
Josef Sattler, der an der Münchner Kunstakademie studierte, wurde als Künstler für seine Ex-Libris und Illustrationen u. a. für die Zeitschrift Pan bekannt und gilt als einer der führenden Wegbereiter des Jugendstils. Das Thema des Todes findet sich häufig in seinem Werk, so wurden z.B. seine bekannten und eindringlichen Jugendstil-Bilder zum „Tanz des Todes“ erstmals 1893 auf dem Berliner Salon gezeigt und 1894 als 13 farbige Heliogravuren veröffentlicht. 1912 erschienen sie dann erneut in vermehrter 2. Auflage bei Stargardt in Berlin als "Ein moderner Totentanz in 16 Bildern". 1917 wurde Sattler zum Professor in Straßburg ernannt.
Die Trauer.
Schwarze Kreide, Aquarell und Gouache auf Papier, auf Karton kaschiert. 49,7 x 65 cm. Unten rechts signiert "H. NÄGELI".
"Ufergasse".
Feder in Schwarz über Spuren von Bleistift, auf festem Velin. 24,5 x 32,7 cm. Unten rechts monogrammiert "H". Verso eigenhändig in schwarzer Feder betitelt, bezeichnet und datiert "'Ufergasse' Zeichnung von Josef Humplik. 1918".
Josef Humplik besuchte 1905 bis 1909 die Wiener Kunstgewerbeschule, ab 1910 dann die Akademie der bildenden Künste Wien. Er beschickte häufig Ausstellungen der Wiener Secession und des Hagenbundes, bei beiden Institutionen war er Mitglied und Funktionär. Im Ersten Weltkrieg wurde Humplik Anfang des Jahres 1915 zur Artillerie eingezogen, er meldete sich aber im März 1915 freiwillig zu den k.u.k. Luftfahrtruppen. Bei einem Übungsflug stürzte er ab und überlebte verletzt. Nach dem Krieg spezialisierte sich Josef Humplik auf Porträtbüsten und schuf u.a. solche von Arnold Schönberg, Anton Webern, Alban Berg, Gustav Klimt, Karl Kraus und Grete Wiesenthal.
Pirchan, Emil
Komposition in Mauve, Malachitgrün und Rot
Los 6800
Schätzung
4.500€ (US$ 5,172)
Komposition in Mauve, Malachitgrün und Rot.
Wasserfarben aufgebracht im Tunkpapierverfahren (Marmoriertechnik), mit glänzendem Firnis (Gummi Arabicum?) auf festem Velin. 42 x 40 cm. Um 1906/07.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Seither im Besitz der Nachfahren.
Pirchan, Emil
Komposition in Mauve, Grün und Korallenrot
Los 6801
Schätzung
4.500€ (US$ 5,172)
Komposition in Mauve, Grün und Korallenrot.
Wasserfarben aufgebracht im Tunkpapierverfahren (Marmoriertechnik) auf Velin. 42 x 34 cm. Um 1906/07.
Der Maler, Gebrauchsgraphiker, Architekt, Bühnenbildner und Schriftsteller Emil Pirchan wurde 2019 im Museum Folkwang, Essen durch eine Ausstellung wiederentdeckt, die anschließend im Leopold Museum in Wien zu sehen war. Als besondere Überraschung der Ausstellung galten die Tunkpapiere des Künstlers. Sie sind eng mit „Wien um 1900“ verbunden, wo der aus Brünn gebürtige Künstler ab 1903 Meisterschüler des berühmten Architekten Otto Wagner wird. Mit der pulsierenden Künstlerszene im Herzen der österreichisch-ungarischen Monarchie ist er auch durch seinen Großcousin Josef Hoffmann aufs Engste verbunden, der 1903 als einer der Mitbegründer der Wiener Werkstätte Berühmtheit erlangt. Ohne die Wiener Secession und deren Experimentierfreudigkeit sind die Tunkpapiere Pirchans nicht denkbar.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Seither im Besitz der Nachfahren.
"Marabu mit Lorbeerzweigen".
Schwarze Tusche und Feder in Schwarz auf Fabriano-Velin. 35,8 x 29,2 cm. Unter der Darstellung signiert, datiert und betitelt "Willi Geiger Florenz Aug 1909 'Marabu mit Lorbeerzweigen'".
Willi Geiger studiert von 1902 bis 1905 an der Münchener Akademie bei Franz von Stuck und Peter Halm. Bereits 1903 fällt er mit der Tuschzeichnungs-Serie "Seele" und 1904-05 mit dem Radierzyklus "Liebe" auf. Der junge Künstler erhält den Staatspreis und das Schackstipendium, das ihm zwei Schaffensjahre in Spanien und Italien ermöglicht. Seine 1905-06 in Rom entstandenen Werke provozieren wegen ihres satirisch-sexuellen Inhalts einen Skandal bei ihrer Veröffentlichung. Nach München zurückgekehrt widmet er sich der Gestaltung von Exlibris, Buchschmuck und Illustrationen. 1908 wird sein Sohn, der Architekt, Maler und Bildhauer Rupprecht Geiger geboren. 1909-10 erhält Willi Geiger durch Max Klinger den Villa Romana Preis. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg lebt und arbeitet der Künstler in Berlin.
Wackelpagode und Goldregen.
Bleistift, farbige Kreiden, Gouache und Tusche. 40,4 x 24,8 cm. Unten rechts signiert und datiert "ANTON HANSEN 1912".
Heine, Thomas Theodor
Präsident Roosevelts Alpdrücken: Die Japaner kommen!
Los 6804
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Präsident Roosevelts Alpdrücken: Die Japaner kommen!
Feder und Pinsel in Schwarz über Bleistift, teils weiß gehöht auf Karton. 29,2 x 23,1 cm. Links in der Zeichnung mit dem Künstlersignet "TTH", im Unterrand mit Anweisungen an den Drucker in Bleistift, verso mit dem Etikett des Simplicissimus-Verlags, dort (von fremder Hand bez. "Nr. 120 Kater" sowie mit weiteren Angaben an den Drucker. (1907).
Thomas Theodor Heine zeigt den schlafenden amerikanischen Präsidenten Roosevelt, der sich in seinem Albtraum der schier unendlichen "gelben" Gefahr in Form von einer Katzeninvasion ausgesetzt sieht. Wunderbar satirische Zeichnung, welche die Titelillustration der politisch-satirischen Wochenzeitschrift Simplicissimus darstellt, entsprechend dem Klebeetikett des Simplicissimus Verlags verso veröffentlicht in: Jahrgang XI, No. 50, erschienen am 11. März 1907. Heine war seit 1896 an der Konzeption der Zeitschrift beteiligt und prägte sie mit seinem markanten Zeichenstil bis 1933 entscheidend mit. Ein Exemplar der Zeitschrift ist beigegeben.
Antiker Held mit Lorbeerkranz.
Aquarell über Bleistift, auf Karton kaschiert. 15,7 x 11,9 cm. Um 1905.
Beigegeben drei weitere Aquarelle des Künstlers "Engel vor Wolken stehend", "Figur mit Aureole" und "Der Träumer".
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Privatsammlung Franken.
An der Küste von Nervi.
Aquarell und Gouache über Bleistift auf dünnem Karton. 54,8 x 35 cm. Unten links bezeichnet "Nervi".
Beigegeben von demselben Künstler eine Illustration zur Oper "Marino Falieri" sowie von einem Monogrammisten CW eine "Hafenszene", verso mit einer Zuschreibung an William Callow.
Allers, Christian Wilhelm
Amor auf Wolken thronend in einem Kranz aus Rosen
Los 6807
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Amor auf Wolken thronend in einem Kranz aus Rosen.
Aquarell über Graphit und grauem Stift , teils weiß gehöht, auf Papier, entlang der äußeren Kanten auf Karton montiert. 102,5 x 73 cm. Unten rechts signiert und datiert "C. W. Allers 1913 Christchurch N 3", unten links mit dem Prägestempel des Papierherstellers Schoellershammer, auf der Rückseite des Kartons mit dem gestempelten (?) Künstlersignet.
Nicht jede Reise ist freiwillig. Nicht jeder Reisende sucht Erholung und Vergnügen. Denn manch eine Reise ist Flucht und manch ein Reisender ein Getriebener. Als 1902 der Krupp-Skandal das wilhelminische Kaiserreich erschütterte, befand sich der Hamburger Künstler Christian Wilhelm Allers inmitten des Sturms. Die Berliner Zeitung Vorwärts hatte nämlich behauptet, dass nicht nur die Villa Krupp sondern auch die Villa Allers auf Capri "Schauplatz wilder Orgien" gewesen sei. Um sich der Verurteilung in Italien wegen Homosexualität zu entziehen, verließ Allers Capri fluchtartig und reiste in den nächsten 10 Jahren ganze neunmal um die Erde. Im Jahr 1913 lag auch Christchurch in Neuseeland auf Allers Reiseroute. Ein großes Aquarell "Rauchende Knaben" mit annähernd gleichen Maßen wie unser Blatt, das wir im Jahr 2020 in unserer Auktion (vgl. Bassenge, Auktion 115, Los 6854) angeboten haben, entstand ebenfalls im Jahr 1913 in Christchurch.
Provenienz: Privatsammlung Baden-Württemberg.
Der dreiste Freier.
Bleistift. 79,4 x 62,7 cm. Signiert und datiert oben rechts "Rich. Müller / 1913 -".
Das Jahr 1913, in dem auch unser Blatt entstand, markiert einen Höhepunkt im zeichnerischen Schaffen Richard Müllers. Sowohl in technischer als auch in inhaltlicher Hinsicht erreichte der Künstler eine Meisterschaft, die selbst von seinen späteren Werken kaum mehr übertroffen wurde. Unsere grandiose Zeichnung aus dieser bedeutenden Schaffensphase zählt nicht nur zu den frühesten herausragenden Darstellungen der von Müller bevorzugten Weib-Tier-Thematik, sondern ist zugleich deren bekanntestes Beispiel.
Das Motiv des Marabus entwickelte Müller in Anlehnung an zeitgenössische Darstellungen von Geheimräten im Frack, mit Zylinder, Handschuhen und Gehstock. Neben einer mit Arroganz gepaarten Einfältigkeit schrieb Müller dieser Figur vor allem einen weiteren negativen Charakterzug zu: die sexuelle Begierde. Der Geheimrat, hier in Gestalt eines alten, beinahe kahlen und wenig ansehnlichen Marabus, wirbt um junge Frauen. In unserem Blatt nähert sich der liebestolle Vogel einer jungen, schönen Frau, die nackt auf dem Boden kniet. Als Liebesgabe trägt er Rosenzweige im Schnabel, deren Blüten bereits abgerissen sind; ihre Blütenblätter liegen verstreut auf dem Boden. Die Angebetete hat eine Hand schützend vor das Gesicht erhoben, während sie in der anderen einen Schuh hält, mit dem sie das aufdringliche Tier abzuwehren bereit ist. Müller widmete sich dem Motiv des Freiers wiederholt in unterschiedlichen Variationen. Die besondere Faszination der vorliegenden Darstellung liegt dabei in ihrer außergewöhnlichen Skurrilität.
Auch in technischer Hinsicht stellt Müller mit Der dreiste Freier einen Höhepunkt seines Schaffens dar, insbesondere in der illusionistischen Wiedergabe unterschiedlicher Materialien und Oberflächen. Nie zuvor und auch in keinem späteren Werk hat er ein Gefieder von vergleichbarer Feinheit geschaffen, in dem Flaum- und Schwungfedern in ihrer jeweiligen Beschaffenheit so präzise voneinander unterschieden sind. Ebenso beeindrucken die detailgetreue Wiedergabe des Leders der Handschuhe und Schuhe sowie der Samt des glänzenden Zylinders mit seinem seidigen Innenfutter.
Durch die Verbreitung als Kunstpostkarte und durch gemalte Varianten (Wodartz M 1916.06, M 1921.02, M 0000.72) erlangte das Blatt große Bekanntheit. Zehn Jahre nach seiner Entstehung veröffentlichte Müller das Motiv 1923 zudem als verkleinerte Radierung im Format 29,6 x 24,0 cm (vgl. Rolf Günther: Richard Müller: Leben und Werk mit dem Verzeichnis der Druckgraphik, Dresden 1995, S. 212, Kat. Nr. 124).
Provenienz: Privatsammlung Dresden-Blasewitz.
Galerie Arnoldi-Livie, München 1986.
Privatsammlung Süddeutschland.
Literatur: Franz Hermann Meißner: Das Werk von Richard Müller, Dresden 1921, S. 68 f., Abb. S. 93.
Galerie Arnoldi-Livie: 70 Zeichnungen und Bilder. 1590-1913, Kat. 13, München 1986 , S. 86, Kat. Nr. 51 (Abb. S. 87).
Corinna Wodarz: Symbol und Eros. Die Bildwelten Richard Müllers (1874-1954) mit dem Katalog des Gesamtwerks, Göttingen 2002, S. 206 f., Abb. 131, Kat. Nr. Z 1913.03.
Müller, Richard
"Modeneuheit": Männlicher Akt mit Pfauenfeder
Los 6809
Schätzung
3.500€ (US$ 4,023)
"Modeneuheit": Männlicher Akt mit Pfauenfeder.
Bleistift. 45 x 24,1 cm. Unten rechts signiert und datiert "Rich. Müller 1917 -", verso eigenhändig bezeichnet "Modeneuheit / Ironie auf fremde Kunstrichtungen, die der / Deutsche gern nachahmt.".
Bereits im Mittelalter galt der Pfau als Sinnbild der Eitelkeit. In Richard Müllers satirischer Zeichnung „Modeneuheit“ erhält die Pfauenfeder eine ebenso groteske wie entlarvende Bedeutung. Corinna Wodarz (op. cit., S. 245) bezeichnet sie zunächst zurückhaltend als „extravagantes Kleidungsstück“. Eine ausführlichere Deutung liefert Franz Hermann Meißner, der das Blatt 1921 vor dem Hintergrund der damaligen kunst- und kulturkritischen Debatten interpretiert. Die „Ironie auf die verschiedenen Moderichtungen“, wie der Autor die Zeichnung betitelt, zeigt einen kräftigen Männerakt in Rückenansicht, ohne Kopf, aber mit einer Pfauenfeder im Allerwertesten. Damit werde die deutsche Sucht der Nachahmung fremder Moden verspottet. Der Spott zielt dabei offenbar auch auf gewisse Kunstrichtungen der Neuzeit, die dem standhaften Künstler als lächerlich erscheinen müssen.
Meißners Interpretation ist deutlich von den kunstästhetischen Überzeugungen seiner Zeit geprägt. Die Zeichnung verspottet nicht allein modische Extravaganzen, sondern lässt sich zugleich als bissiger Kommentar zu einer Kunstwelt lesen, deren neue Strömungen Richard Müller mit ausgeprägtem Misstrauen begegnete. Bereits um 1910 hatte er das Experimentieren mit künstlerischen Techniken weitgehend aufgegeben. Während Impressionismus, Expressionismus und Abstraktion ihren Einfluss ausweiteten und die Klassische Moderne zunehmend Anerkennung fand, hielt Müller unbeirrt an einer naturalistischen, handwerklich perfektionierten Auffassung von Kunst fest. Was die Avantgarde als Aufbruch zu neuen Ausdrucksmöglichkeiten verstand, erschien ihm vielfach als Abkehr von den Grundlagen des künstlerischen Könnens.
Auch in seiner Lehrtätigkeit an der Akademie vertrat Müller diese Haltung mit Nachdruck. Seine Schüler wollte er vor einem vermeintlich allzu einfachen Weg des „Schmierens“ und „Kleckselns“ bewahren, der seiner Überzeugung nach nicht zu künstlerischer Freiheit, sondern in Dilettantismus und Anarchie führte. Wie nachdrücklich er seine Vorstellungen vertrat, schildert sein Schüler George Grosz, mit dem ihn lebenslang ein freundschaftliches Verhältnis verband, in seiner Autobiografie Ein kleines Ja und ein großes Nein (Reinbek bei Hamburg 1955). Mit ironischem Respekt erinnert er sich: „Professor Müller regierte mit militärischer Strenge, Malstock und einem Dutzend tödlich spitzer Kreidestifte.“
Vor diesem Hintergrund gewinnt die kopflose Gestalt unserer Zeichnung eine besondere Schärfe. Das männliche Modell, das sich mit einer fremden Feder schmückt, scheint körperlich fest auf den eigenen Beinen zu stehen, hat jedoch im übertragenen Sinne den Kopf verloren. Die groteske Platzierung der Pfauenfeder steigert die Satire ins Absurde: Aus dem Zeichen von Schönheit, Stolz und Eitelkeit wird ein Sinnbild gedankenloser Nachahmung. Wer sich fremden Moden kritiklos anschließt, so ließe sich Müllers Haltung zusammenfassen, gibt nicht nur seine Eigenständigkeit auf, sondern setzt sich zugleich der Lächerlichkeit aus.
Provenienz: Nachlassinventar Richard Müller.
Lempertz, Köln, Auktion 605 im Dezember 1984, Los 869.
Privatsammlung Süddeutschland.
Literatur: Franz Hermann Meißner: Das Werk von Richard Müller, Dresden 1921, S. 70, Abb. 120, S. 119 (als "Ironie auf die verschiedenen Moderichtungen").
Corinna Wodarz: Symbol und Eros. Die Bildwelten Richard Müllers (1874-1954) mit dem Katalog des Gesamtwerks, Göttingen 2002, S. 245, Abb. 131, Kat. Nr. Z 1917.26 (als "Ironie auf die verschiedenen Moderichtungen").
Klinger, Max
Studie zu einem stehenden weiblichen Akt
Los 6810
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
Studie zu einem stehenden weiblichen Akt.
Graue und weiße Kreide auf hellbraunem Papier, verso: Draperiestudien, ebenfalls in weißer und grauer Kreide. 49,5 x 31,5 cm. Unten rechts signiert "M. Klinger".
Provenienz: Helmut Theisen Alter Schmuck, München (1983).
Prof. Eberhard Müller, St. Augustin.
Seither in Familienbesitz.
Tritt mit drapiertem Malermantel.
Feder in Dunkelbraun auf mit Graphit grundiertem Bütten. 21,1 x 17,2 cm. Unten mittig signiert und datiert "Edm. St. 1921.", oben links schwer leserlich bezeichnet "Brügger Bütten ...".
Nachtschatten.
Aquarell und Gouache über brauner Feder auf Bütten. 29,5 x 21 cm. Rechts mittig signiert und datiert "Ed. St. / 1915", unten links bezeichnet "Nachtschatten".
Kapuzinerkresse.
Aquarell über schwarzer Feder auf Velin. 38,6 x 27,8 cm. Oben rechts monogrammiert.
Knorriger Weidenstumpf.
Feder in Braun auf Bütten. 21,9 x 17,7 cm. Unten rechts signiert und datiert "Edm. St. 6.5.1918".
Zeugnisse für den künstlerischen Willen in Bäumen, Wolken, Steinformationen und anderen Gebilden der Natur Gesichter oder gar ganze Wesen zu sehen, kommen in der Kunst der Neuzeit seit dem 15. Jahrhundert vor. Von Leonardo und Dürer über die Romantiker bis hin zu den Surrealisten wie Max Ernst haben die Künstler immer wieder Menschliches oder Kreatürliches in Naturformationen hineingedeutet. In dieser Tradition steht auch das Baum-Ungetüm von Steppes, das mit körperhaft-menschlicher Anmutung an das Unterbewusste des Betrachters appelliert. Dieser erahnt in den kahlen, sich windenden Ästen die greifende Arme einer fallenden Figur. Steppes thematisiert in solchen Zeichnungen Transformation und unaufhaltsame Formungsprozesse der Natur als Lebensgesetz.
Herbstliche Seelandschaft.
Aquarell über Spuren schwarzer Kreide auf Bütten. 47,1 x 63 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert "FS[ligiert] 1922".
Kranz, Wilhelm
"Winternacht": Sternenhimmel über verschneitem Dorf, im Vordergrund Tannenwald
Los 6816
Schätzung
750€ (US$ 862)
"Winternacht": Sternenhimmel über verschneitem Dorf, im Vordergrund Tannenwald
Gouache und Spritztechnik, auf Karton aufgezogen. 35,6 x 47,7 cm.
Provenienz: Aus der Familie des Künstlers.
Privatbesitz Berlin.
Ca. 27 Blatt des 16.-20. Jh.
Darunter von und zugeschrieben an: Christoph Ludwig Agricola, Delkeskamp, Johannes Heinrich Mogk, Giovanni Paolo Pannini, Giovanni Battista Pittoni, Antonio de Porta, Samuel Prout, Michael Probener, Johannes van Somer, Josephus de Stubenrauch, Paulus Ströbel d. Ä., John Varley, Valentin Wagner, George Augustus Wallis, Benjamin West.
Ca. 25 Blatt des 17.-19. Jh.
Von und zugeschrieben an: Karl Heffner, Anna Höchstädt, Carl Rudolf Huber, Arthur Hutschenreuther, Johann Nepomuk Muxel, Heinrich Paul, Carl Peschek, Ernst Platz, Carlo Pozzi, Friedrich Preller d. J., Friedrich Preller d. Ä., Johann Heinrich Roos, Friedrich Voltz, Johann Michael Voltz, Ludwig Voltz, Ferdinand Georg Waldmüller, Carl Wagner, Ludwig Wagner, Prof. Warnken, Anton Weber, Ernst Welker, Ludwig Willroider.
Ca. 36 Blatt des 18.-20. Jh.
Darunter von, zugeschrieben an und nach: Effenberger, Frölich, Hörmann, Kauffmann, Kiesling, Labbé, Primavesi, Wülfing.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge