Fünf Wanderer
5 Teile. Gips, beige gefasst. 1922.
Je bis ca. 25 x 10 x 7 cm.
Die komplette Gruppe der Gipsmodelle für Fehlings Figurinen zum Marionettenspiel "Fünf Wanderer zwischen den Welten", konzipiert für die Rundbühne am Bauhaus 1922. Die frühen abstrakten Skulpturen aus ihrer Zeit am Bauhaus zeigen sich als blockhafte Gestalten, wie kleine Stelen statisch stehend auf ihren flachen Podesten, dabei geometrisch abstrahiert und vielfältig verschachtelt. Zu Fehlings Konstruktion der Rundbühne, die 1922 patentiert wurde, vgl. Lot 7088. Wohl Unikate.
Provenienz: Nachlass der Künstlerin
Literatur: Galerie Bernd Dürr, Ausst.-Kat. München, 1990, Nrn. 18, 20, 22, 24 und 26 (dort datiert 1922)
Halbjapaner
Gips, farbig gefasst, auf Holzsockel. 1922.
32,5 x 18 x 22,5 cm.
Weiß und in ganz zartem Rosa gefasste, feinsinnig gestaltete Portraitbüste eines jungen Mannes. "Auf politischen Druck der Nazis - sie erteilten ihr Ausstellungsverbot – minimierte Fehling ihr bildhauerisches Oeuvre und konzentrierte sich primär auf Kostüm- und Bühnenbildproduktionen für Film und Theater. (...) Während des Krieges verlor Ilse Fehling einen Großteil ihrer Skulpturen durch Bombenangriffe und der Beschlagnahmung ihrer Wohnung im Jahre 1943." (bauhauskooperation.de, Zugriff 12.09.2026). Gesamthöhe mit Sockel: 38,5 cm.
Provenienz: Nachlass der Künstlerin
Ruhende Figur
Roter Ton, leicht patiniert.
Ca. 31,5 x 26 x 26 cm.
Fließende Linien und vereinfachte Formen verleihen der Figur eines sitzenden Mannes eine zeitlose Monumentalität und fast archaische Wirkung. Weich geschwungen liegen die schlanken Arme auf den von einem großen Tuch verhüllten Beinen, während der Oberkörper unbekleidet bleibt. Fehling, die 1927 ihre erste Einzelausstellung in der Galerie Fritz Gurlitt in Berlin hatte, verlor während des Zweiten Weltkrieges, in dem ihr Schaffen als "entartet" galt, ihr Atelier, und in zwei Depots wurden ihre Arbeiten zerstört.
Provenienz: Nachlass der Künstlerin
Tanzfigurine
Zinkdraht auf schwarzem Karton, in hölzernen Kastenrahmen montiert. 1922/um 1950.
32 x 27,4 cm (34,5 x 29,3 cm, Rahmen).
Aus verlöteten Zinkdrähten setzt Brockmann zwei schematisierte Figuren zusammen, montiert die beiden Drahtgestalten mittig übereinander und lässt die stereometrischen Grundformen einander variabel überschneiden, weil die obere Figur an einer zentralen Achse drehbar ist. So spielen seine tanzenden Figurinen mit konstruktivistisch-realistischen Raumkonzepten, geistreich und mit motivischer Ironie. In den 1920er Jahren zählte Brockmann zur Gruppe der Kölner Progressiven, besonders verbunden mit den Malern Franz Seiwert, Heinrich Hoerle und dem Fotografen August Sander, und seine Kunst gewann eine zunehmend politisch-soziale Ausrichtung. "Brockmanns anonymisierte Gliederpuppe verweist zudem auf einen polemischen Aspekt, der in der Gruppe Progressiver Künstler dominierte: er umfasst die Vorstellung einer auf den Menschen übergreifenden Mechanisierung." (Joachim Heusinger von Waldegg, in: Gottfried Brockmann 1903-1983, Ausst.-Kat. Remmert und Barth, Düsseldorf 2006, S. 23).
Provenienz: Nachlass des Künstlers
Kunsthandel Jörg Maaß, Berlin
Privatbesitz Großbritannien
Ausstellung: Gottfried Brockmann und der magische Realismus, Kunsthandel Jörg Maaß, Berlin 2024
Quad, A. Squire, London 2024
Literatur: Archie Squire, A Postscript: Quad, in: Modern Dance Journal, Nr. 3, Dezember 2025, Abb. S. 185
Studie zum mechanischen Ballett
Tempera, Tusche und Bleistift auf bräunlichem Velin. 1923.
24 x 34 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Kurt Schmidt" und datiert.
Geometrisch durchgestaltete Figurinen, die nur entfernt an Menschen erinnern, organisieren sich mit den abstrakten Bühnenbildern zu einem farbig geschichteten Bildgeschehen. Die einzelnen Elemente wurden während der wenigen Aufführungen nach einer wohl spontan improvisierten Choreographie von dahinterstehenden Menschen bewegt, so dass sich immer neue abstrakte Bildfindungen ergaben. Kurt Schmidt wechselte nach seinem Studium an der Kunstgewerbeschule Hamburg 1920 an das Bauhaus in Weimar, wo er bei Johannes Itten, später bei Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer studierte. Bekannt ist er insbesondere für seine Entwürfe und Bühnenbilder sowie Choreographien rund um das Thema der Mechanischen Bühnen. Anlässlich der Bauhaus-Ausstellung 1923 gestaltete er eine Fensterwand und entwickelte zusammen mit Georg Teltscher und F.W. Bogler das Mechanische Ballett, das im Jenaer Stadttheater 1923 aufgeführt wurde. Die fast konstruktivistisch wirkenden, abstrakten Formen emanzipieren sich durch Bewegung und Tanz zu eigenständigen Marionetten. Vgl. auch E. Ditsch und U. Rüdiger, Kurt Schmidt - Leben und Werk, Gera 1990, Farbabb. 55 (Variante in etwas größerem Format).
Provenienz: Privatbesitz Österreich
Poelzig, Hans
Architekturskizzen und Entwürfe aus dem Nachlass
Los 7095
Schätzung
150.000€ (US$ 172,414)
Architekturskizzen und Entwürfe aus dem Nachlass
Ca. 103 Bl. und 10 Skizzenhefte. Verschiedene Techniken (Kohle, Bleistift, farbige Kreiden und Farbstifte) auf unterschiedlichen Papieren. 1916-30.
Bis ca. 40 x 27 cm.
Teils datiert.
Ein schillerndes Panorama der expressionistischen Architektur und wichtiger Projekte Poelzigs wie auch seiner vielfältigen Phantasiegebäude offenbart die vorliegende Sammlung: Kristalline Bauvisionen und -silhouetten, ikonische Zeichnungen für das einflussreichste Gesamtkunstwerk in seinem Schaffen, das Große Schauspielhaus Berlin, Entwürfe für Dresden und die Bauten der I.G. Farben in Frankfurt am Main treten in Erscheinung. Dazu enthalten Poelzigs Skizzenbücher nicht nur eine Vielzahl an architektonischen Ideen, sondern auch die eigenhändige Niederschrift seiner bedeutenden Werkbundrede. Dieser maßgebliche Teil des künstlerischen Nachlasses tangiert alle bedeutenden Projekte Poelzigs, seine charakteristisch schwingenden Bogenformen, schwellende organisch-vegetabile Elemente und andererseits die klare Sachlichkeit seiner Entwürfe für öffentliche Bauten und Industriearchitektur, und er offenbart auf vielfältige Weise die Eigenheit und experimentelle Kraft seiner Formvarianten, die virtuose Gedankenfülle und rhythmische Grundmelodie seiner Architektursprache, eine geradezu barocke Schöpferlust. Die kristallin durchscheinenden Formen, wie sie ähnlich auch Bruno Taut, Wassily Luckhardt und Hans Scharoun für ihre Festbauten oder Monumente entwickelten, zeigen sich auch in Poelzigs Schaffen immer wieder und verdeutlichen seine eminente Bedeutung innerhalb der zeitgenössischen Architekturbewegung. Insbesondere bei den Entwürfen zum Großen Schauspielhaus Berlin lassen sich die Arbeiten Poelzigs kaum von denen Marlene Moeschkes, seiner Ehefrau und Mitarbeiterin, trennen. Beigegeben: Eine Inventarliste und komplette fotografische Dokumentation der Sammlung.
Provenienz: Nachlass Hans und Marlene Poelzig, Hamburg
Bassenge, Berlin, Auktion 103, 30.05.2014
Privatbesitz Berlin
Literatur: Vgl. Heike Hambrock, Bauen im Geist des Barock. Hans und Marlene Poelzig. Architekturphantasien, Theaterprojekte und moderner Festbau (1916-1926), Delmenhorst/Berlin 2005
Vgl. Wolfgang Pehnt und Matthias Schirren (Hrsg.), Hans Poelzig 1869 bis 1936. Architekt Lehrer Künstler, Ausst.-Kat. Akademie der Künste, Berlin 2007
Vgl. Julius Posener, Hans Poelzig. Sein Leben, sein Werk, Wiesbaden 1994
Vgl. Hans Poelzig 1869-1936. Bauten, Entwürfe, Gemälde, Ausst.-Kat. Kaiser-Wilhelm-Museum, Krefeld, 1951
Vgl. Hans Poelzig, Dessins d’Architecture, Ausst.-Kat. Centre Pompidou, Paris 1986
Entwurf für einen Grabstein
Bronze mit goldbrauner Patina. 1929/1931.
22,3 x 13,6 x 4,8 cm.
Verso rechts auf der Plinte signiert "F. W. SEIWERT" sowie links datiert.
Bohnen 397.
Der „Entwurf für einen Grabstein“ ist von Constantin Brancusis berühmter Skulptur „Der Kuss“ beeinflusst, deren Motiv Seiwert in seine eigene, streng reduzierte Formensprache überführt. Nach dem Tod seiner Mutter entwarf Seiwert 1929 den Grabstein für seine Eltern auf dem Kölner Nordfriedhof. Der Künstler war seit seiner Kindheit durch die schweren Folgen einer Röntgenbehandlung gesundheitlich beeinträchtigt und starb 1933 im Alter von nur 39 Jahren noch vor seinem Vater. So erhielt der ursprünglich für die Eltern bestimmte Entwurf eine unerwartet persönliche Bedeutung. Seiwert selbst wurde neben seiner Mutter unter dem von ihm geschaffenen Grabmal beigesetzt.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
"Eros"
Linolschnitt auf Velin. 1919/75.
67,5 x 41,5 cm (74 x 48 cm, Passepartoutausschnitt).
Signiert "Ewald Dülberg", datiert und betitelt. Auflage 30 num. Ex.
In einer eigenwilligen, geometrisch abstrahierenden Formensprache gestaltet der Künstler die hochgewachsenen, dicht beieinanderstehenden Figuren. Dülberg, Gründungsmitglied der Darmstädter Sezession, lehrte Graphik und Weberei an der Staatlichen Kunstakademie Kassel, bevor er 1926 an die Staatliche Bauhochschule, die Nachfolgerin des Bauhauses, in Weimar ging. 1937 wurden zahlreiche seiner Arbeiten als „entartete Kunst“ diffamiert, in Museen beschlagnahmt und vernichtet. Prachtvoller Druck aus der posthumen Auflage der großformatigen Komposition, mit Rand.
"Das Eisenwalzwerk"
Aquarell, Feder und Kreide in Schwarz, Bleistift und farbige Papiere, collagiert, auf grauem Velin. 1918/24.
31,8 x 39,8 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Haklo" und datiert, unten links monogrammiert "JH" und datiert "1919" sowie verso auf der Rahmenabdeckung mit Feder in Schwarz später signiert (oder evtl. von fremder Hand) bezeichnet, datiert und betitelt.
Ameisenkleine Menschen halten die Maschinerie des Eisenwalzwerks am Laufen, alles vom Künstler in reliefhafter Plastizität collagiert. Mit bemerkenswerter Feinheit und Liebe zum Detail fasst er das industrielle Geschehen in der begrenzten Bildfläche dicht gedrängt zusammen, arrangiert Schicht über Schicht, lässt dazwischen das Metall silbrig schimmern und gestaltet eine beeindruckende Collage menschlicher Schwerstarbeit und industrieller Abläufe, die wie Zahnräder ineinandergreifen.
Provenienz: Geschenk des Künstlers an die Vorbesitzer
Seitdem Familienbesitz Hessen
Baigneuse IV
Gips, elfenbeinfarben patiniert, auf Gipsplinthe. 1928.
Ca. 37,3 x 15 x 12 cm.
Hinten auf der Plinthe signiert "George Minne" und datiert.
Vgl. van Puyvelde 97, S. 119 (dort die Bronze).
George Minne studierte zunächst in seiner belgischen Heimatstadt Gent und wurde 1891 Mitglied der Künstlergruppe "Les XX", der u.a. James Ensor angehörte. Im gleichen Jahr ging er nach Paris, um Schüler von Auguste Rodin zu werden, der ihn jedoch ablehnte. Darauf gründete er in Sint-Martens-Latem mit den Malern Albinus Van den Abeele, Valerius De Saedeleer, Albert Servaes und Gustaaf Van de Woestijne eine eigene Künstlerkolonie, die "Latemse School". Die anmutige Pose der Badenden mit elegant überkreuzten Armen verleiht der bildhauerisch anspruchsvollen Komposition eine besondere Wirkung, die Minne in dieser Version überzeugend umsetzte. Gipsfiguren Minnes finden sich nur selten auf dem internationalen Auktionsmarkt.
Provenienz: Ehemals Sammlung Josefina Cardenas
Weiblicher Akt, gebeugt
Aquarell, Bleistift, Kreide und Feder in Schwarz auf Ingres d'Arches-Bütten. 1927/28.
45,5 x 29 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Bleistift signiert "A. Breker".
Geschwungene schwarze Linien konturieren die mit feinen Schattierungen aquarellierte Gestalt. Das Blatt gehört zu einem Zyklus von 14 Arbeiten, die in Paris entstanden und von Breker seiner späteren Ehefrau Minima gewidmet wurden. Mit einer Fotoexpertise von Joe F. Bodenstein, Museum Europäische Kunst, Schloss Nörwenich, vom 04.05.2012.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Malerei und Musik
Farblithographie auf festem Velin. 1919.
75 x 65 cm (82,5 x 68 cm).
Signiert "Mopp". Auflage 50 num. Ex.
Nicht bei Stix/Osborn, Pabst L 14.
Die Künstlerhände stehen im Mittelpunkt der Darstellung, umgeben von Utensilien der beiden Künste Malerei und Musik: eine Violine mit Bogen und Noten sowie Pinsel, Palette und Werkzeug. Hochdynamisch und expressiv verlaufen die Kompositionslinien strahlenförmig von der Bildmitte nach außen. Oppenheimer studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Wien sowie an der Prager Kunstakademie. Nach Studienreisen in Europa lebte er ab 1911 in Berlin, wo er vom Verleger Paul Cassirer gefördert wurde. Die renommierte Münchner Galerie Thannhauser widmete „MOPP“, wie sich Oppenheimer ab 1912 verkürzt nannte, eine Einzelausstellung. 1915 verlegte er seinen Wohnsitz in die Schweiz, danach wieder nach Berlin und Wien, wo er im Hagenbund ausstellte. Von den Nationalsozialisten als "entarteter" Künstler diffamiert, emigrierte er 1938 in die Schweiz, dann nach New York. Hier lebte er bis zu seinem Tod in großer Zurückgezogenheit. In Auseinandersetzung mit Kokoschka und Schiele entstanden expressive, teils kubistisch und futuristisch beeinflusste Arbeiten. Internationale Ausstellungen machen ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit. Prachtvoller, farblich sehr schön abgestimmter Druck mit Rand. Eines der Hauptblätter im graphischen Schaffen Max Oppenheimers.
Gehender Akt
Aquarell und Bleistift auf Velin. Wohl um 1925.
Ca. 48 x 32,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "G Bouzianis", unten links und oben rechts (unlesbar) bezeichnet, verso monogrammiert "GB".
Die expressive Zeichnung des griechischen Künstlers zeugt von immenser Sicherheit und Freiheit im Umgang mit Linie und Farbe. Seine Ausbildung erfuhr Bouzianis in Athen sowie München, ab 1907 an der Akademie der Bildenden Künste, wo er den etwas jüngeren Athener Studienkollegen Giorgio de Chirico traf, mit dem er sich zeitweise ein Atelier teilte. 1909 ging er nach Berlin zu Max Liebermann. Die Münchner Galerien Ritthaler und Thannhauser stellten seine Bilder aus. Ab 1914 war er Mitglied der Münchner Künstlergenossenschaft, später der „Münchner Sezession“. Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs wandte er sich 1917 dem Expressionismus zu; zahlreiche Portraitarbeiten und Akte, hauptsächlich von Frauen, dienten ihm dazu, die psychologischen Erschütterungen des Menschen abzubilden. "Busianis gilt heute in Griechenland als einer der bedeutendsten Vertreter der griechischen Gegenwartsmalerei und einer der ersten griechischen Expressionisten." (vgl. Clara Westendorff, Jorgos Busianis, in: Alexandros-Andreas Kyrtsis und Miltos Pechlivanos (Hrsg.), Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen, 16.11.2020, zit. nach comdeg.eu, Zugriff 05.09.2026). Unter den Nationalsozialisten wurde seine Kunst als "entartet" verfemt, und er zog 1934 zurück nach Griechenland.
Provenienz: Privatbesitz Griechenland
"Autoportrait"
Aquarell und Tusche, auf Papier, auf Velin aufgezogen. 1931.
23,9 x 16,7 cm.
Unterhalb der Darstellung mit Bleistift signiert "G Bouzianis", datiert, betitelt und bezeichnet.
Das 1931 während Bouzianis’ Pariser Aufenthalt entstandene Selbstbildnis zeigt den Künstler in einer für sein expressionistisches Werk charakteristischen Formensprache. Mit locker gesetzten, ineinanderfließenden Farbflächen und wenigen prägnanten Konturen konzentriert sich Bouzianis weniger auf physiognomische Ähnlichkeit als auf den unmittelbaren Ausdruck der dargestellten Persönlichkeit.
Provenienz: Privatbesitz Niederlande
Winterlandschaft
Aquarell und Kreide in Schwarz auf genarbtem Velin. 1925.
50,8 x 35,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Bargheer" und datiert.
1924 fasst Bargheer den Entschluss, freier Künstler zu werden, nachdem er eine Lehrerausbildung abgeschlossen hatte. In dieser schwungvollen frühen Komposition des Künstlers erfasst er die schneebedeckten Bäume mit lockerem Pinselstrich und ergänzt sie mit dynamischen Kreidezügen.
Provenienz: Privatbesitz Brandenburg
"Siena"
Aquarell über Bleistift auf Velin. 1929.
30 x 37 cm (Passepartoutausschnitt).
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert "Helmuth Macke", datiert und betitelt.
Expressionistisch abstrahiert zeigt Helmuth Macke, Cousin von August Macke, die effektvoll komponierte, sicher aquarellierte Landschaft bei Siena. Schwer verwundet kam der Künstler nach dem Ersten Weltkrieg aus Frankreich zurück. Macke hatte in den Jahren 1906 bis 1909 bei dem niederländischen Künstler Jan Thorn-Prikker an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Krefeld studiert, unter anderem zusammen mit Heinrich Campendonk. 1909 lernte er Franz Marc am Tegernsee kennen und hatte in den Jahren 1910 bis 1911 Kontakt zum Kreis des Blauen Reiters, sowie 1912 in Berlin über Erich Heckel zu den Mitgliedern der Brücke. Seine Werke galten während der NS-Zeit als "entartet" und wurden teilweise vernichtet. Ein Großteil seiner Ölbilder und Aquarelle verbrannte 1943 bei einem Bombenangriff auf Krefeld.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Bronx im Winter
Öl auf Leinwand. 1925.
61,3 x 75,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Braun monogrammiert "HP" (ligiert) und datiert, sowie unten links signiert "Holmead", verso mit Kreide in Schwarz signiert "Holmead", datiert, betitelt "Winter" und bezeichnet "HPinx" (ligiert).
Frühe Arbeit des Künstlers aus der Werkgruppe der "Häuser im Winter" harmonisch ausgewogen und von bemerkenswert delikater Farbigkeit. Die Arbeit entstand im Winter 1925, als Holmead zwischen seinen Reisen und Aufenthalten in Europa bei seiner Mutter verweilte und sich ein Atelier in New York mietete.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland
Literatur: Rainer Zimmermann, Holmead, Leben und Werk des Malers, Stuttgart 1987, Abb. S. 30
Herbstlandschaft
Öl auf Holz. 1974.
92 x 76 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Hellbraun signiert "Holmead" und verso mit Faserschreiber in Schwarz nochmals signiert, datiert und bezeichnet "HPinx" und "ciré".
Holmead lebte seit 1956 in Brüssel, wo er bis zu seinem Tod tätig war. In seinem Spätwerk entwickelte er eine zunehmend expressive Bildsprache, die durch einen pastosen Farbauftrag und den dynamischen Einsatz des Spachtels geprägt ist. Seine Landschaften entfernten sich dabei immer weiter von der naturgetreuen Wiedergabe und näherten sich der Abstraktion. In unserer 1974 entstandenen „Herbstlandschaft“ verdichtet Holmead die Baumgruppen mit breiten, kraftvollen Spachtelzügen zu einer bewegten Komposition. Leuchtende Gelb- und Ockertöne kontrastieren mit dem kühlen Blau des Himmels und den dunklen Erdfarben des Vordergrunds. Der reliefartige Farbauftrag verleiht der Landschaft eine besondere Plastizität und expressive Dynamik. Im Entstehungsjahr unseres Gemäldes, nur wenige Monate vor seinem Tod, widmete ihm die Galerie Albert 1er in Brüssel seine letzte Einzelausstellung ob auch unser Bild dort gezeigt wurde wissen wir nicht.
Provenienz: Privatbesitz Belgien
"Abend am Haff"
Öl auf Leinwand.
81 x 100 cm.
Verso auf dem Keilrahmen mit Faserstift in Schwarz betitelt, dort mit dem Nachlaßstempel.
Die immens große Bedeutung der ostpreußischen Landschaft in Degners Werk zeigt diese Szenerie: Hier zehrt er von seinen frühen Studien an der samländischen Küste und der kurischen Nehrung. Die motivischen Elemente sind die denkbar einfachsten, und damit eben die existenziellen: Mensch. Baum. Haus. Feld. Himmel. Die auf ihre charakteristischsten Elemente reduzierte Hafflandschaft, für Degner ein damals nahezu unerreichbarer Ort der Sehnsucht, umschließt die Figur im Bild geradezu mit ihrer Wärme. Mit breitem Pinsel und Spachtel trägt der Künstler die leuchtenden Farben kraftvoll auf; das abendlich-warme Licht lässt die Bildgegenstände lange Schatten in der flachen Landschaft werfen.
Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin
Bassenge, Berlin, Auktion 99, 02.06.2012, Lot 8079
Privatbesitz Berlin
Berglandschaft
Öl auf Leinwand. 1934/35.
65,8 x 81,5 cm.
Unten rechts monogrammiert "H.H." (in die Farbe geritzt), verso auf dem Rahmen mit Filzstift in Schwarz von Höch nachträglich datiert "1934-35".
Hannah Höch gilt heute als eine der vielseitigsten und prägendsten deutschen Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Von ihren zahlreichen Reisen brachte sie die unterschiedlichsten Eindrücke und Anregungen, aber auch malerische Erinnerungen mit. Auch deshalb entzieht sich ihr umfassendes Gesamtwerk jeder starren Stilzuordnung. Höch bewegte sich kontinuierlich zwischen Figürlichkeit und Abstraktion, ließ beides miteinander verschmelzen oder bezog auch stoffliche Elemente mit ein und schuf Gemälde, Zeichnungen und Collagen. Bei der vorliegenden Landschaftsdarstellung könnte es sich um eine Ansicht des Schluchsees im Schwarzwald handeln. 1973 erwähnt Höch in ihrem Terminkalender, dass sie ihrer Ärztin Frau Dr. Klesse, die im Schwarzwald ein Feriendomizil besaß, ein Bild mit dem Titel des Sees zur Ansicht präsentiert habe. Einen eindeutigen Beleg dafür, dass damit dieses Gemälde gemeint ist, liefern Höchs Aufzeichnungen jedoch nicht. Sollte sich Höch bei der nachträglichen Datierung des Werkes von 1934/35 nicht getäuscht haben, fällt die Entstehung der Arbeit in eine für sie politisch wie gesundheitlich äußerst schwierige Zeit. Eine Schilddrüsenerkrankung zwang sie zu einer großen Operation und einer langen Erholungsphase zwischen Hörselgebirge in Thüringen und anschließender Rekonvaleszenz in den Dolomiten, wo sie ihren späteren Ehemann Kurt Heinz Matthies kennenlernte. Möglicherweise entstand das Gemälde unterwegs, während eines dieser Aufenthalte, oder doch erst 1939 auf einer gemeinsamen Reise mit Matthies. Es zeigt eine hügelige Berglandschaft mit einem breiten Fluss bzw. dem Ausläufer eines Seeufers im Vordergrund und den dahinter streng aufgereihten Bäumen im Mittelgrund. Wie viele Werke aus den Jahren nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ist auch Höchs Landschaftsdarstellung vergleichsweise klassisch und vor allem unpolitisch. Doch die Bedeutung des Bildes steckt in der mächtigen, symbolisch aufgeladenen Sonne, die alles in ein hoffnungsvolles, rosafarbenes Licht mit all seinen farblichen Brechungen und Nuancen taucht, das sich aus keilförmigen Strahlen in der Anordnung eines Fächers über den Himmel ergießt und dem Bild einen melancholischen Zauber verleiht. Wir danken Dr. Ralf Burmeister, Berlinische Galerie, für freundliche Hinweise vom 06.10.2026.
Provenienz: Ehemals Sammlung Dr. Maria Magdalena Klesse, Heiligensee (Ärztin und Nachbarin von Hannah Höch)
Seitdem in Familienbesitz
Wollheim, Gert Heinrich
Früchte (Portrait Carla Boucneau, geb. Berger)
Los 7110
Schätzung
4.500€ (US$ 5,172)
Früchte (Portrait Carla Boucneau, geb. Berger)
Öl auf Hartfaser. 1928.
100 x 80,5 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "Wollheim" und datiert, verso unten links mit Pinsel in Schwarz bezeichnet "362".
Euler-Schmidt/Osterhof 171.
Gert Wollheim, ein vielseitig begabter Künstler aus Loschwitz bei Dresden, gehörte zu den Denkern und Propagandisten der neuen Kunst im Rheinland. Nach Studien bei Egger-Lienz in Weimar und Lovis Corinth in Berlin wurde er in den „wilden Jahren“ zwischen 1919 und 1925 bekannt. Er war Mitglied des „Jungen Rheinland“ und schloss sich 1925 der Berliner Novembergruppe an. Im Nationalsozialismus als „entartet“ diffamiert, floh er 1933 nach Frankreich und emigrierte 1947 in die USA. Über die Dargestellte, Carla Boucneau (geb. Berger), ist wenig bekannt. In der Biografie des Widerständlers Otto John wird sie als Freundin Margot Sauerbruchs beschrieben, sowie als Sympathisantin des Widerstands gegen Hitler. Demnach warnte sie Hans John davor, seine politische Haltung in Gegenwart Wilhelm Wohlgemuths, des Assistenten Ferdinand Sauerbruchs, zu offenbaren, um keinen unnötigen Verdacht auf sich zu ziehen: "[...] Carla Boucneau, eine Freundin von Dr. Margot Sauerbruch, hatte meinen Bruder ermahnt, in Gegenwart von Wohlgemuth vorsichtig zu sein. Er könnte uns wegen seines leichtfertigen Schimpfens auf den NS-Staat gefährlich werden [...]" (Otto John, Zweimal kam ich heim: vom Verschwörer zum Schützer der Verfassung, Düsseldorf 1969). Hans John gehörte zum Widerstand und wurde nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet. Auch Otto John stand mit Widerstandskreisen in Verbindung; seine spätere Rolle in der sogenannten „John-Affäre“ ist bis heute umstritten. Wohlgemuth stellte sich später als Agent des KGB heraus. Boucneau erscheint damit als eine Frau, die in den Kreisen des deutschen Widerstands verkehrte und mit guter Menschenkenntnis Gefahren früh erkannte. Wollheim, der nach seiner Rückkehr nach Berlin sowohl in der künstlerischen Bohème als auch der gehobenen Gesellschaft verkehrte, stellt sie hier in warmen, erdigen Tönen in einer an den französischen Impressionistischen erinnernden Manier als modische junge Dame im modern-lockerer Gartenkleidung einen Fruchtkorb präsentierend dar.
Provenienz: Van Ham, Köln, Auktion 01.12.2005, Lot 662
Lempertz, Köln, Auktion 30.05.2014, Lot 544
Privatsammlung Hessen
Frauenportrait
Pinsel in Schwarz, Gouache und Deckweiß auf Velin. Um 1925.
30,5 x 40,3 cm.
Oben rechts mit Bleistift signiert "Hoerle".
Unser Frauenporträt gehört zu einer Gruppe von Frauen- und Mädchenköpfen, mit denen sich Heinrich Hoerle Mitte der 1920er Jahre intensiv beschäftigte. Charakteristisch sind die stark vereinfachte Gesichtsform, die großen, mandelförmigen Augen und der kleine, pointiert gesetzte Mund. Während das Gesicht nahezu unmodelliert und von großer Helligkeit bleibt, fasst Hoerle das dunkle Haar in weich auslaufenden schwarzen Flächen zusammen. Der sparsame rosa Akzent der Lippen steigert die eindringliche Wirkung des Blattes. Wir danken Dirk Backes, Aachen, für freundliche Hinweise vom 07.10.2026.
Provenienz: Privatsammlung Thüringen
"Blumenvase mit Zitronen"
Öl auf Hartfaser. Wohl vor 1930.
66,5 x 59 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz monogrammiert "TW", verso auf dem Rahmen mit Farbstift in Blau signiert "Th. Werner" und betitelt sowie mit diversen Numerierungen.
Blumenstilleben und Landschaftsmotive, stilistisch von Cézanne beeinflusst, bestimmten das Frühwerk Theodor Werners, dem das vorliegende Gemälde zuzuordnen ist. 1930 zog er für fünf Jahre nach Paris und schloss sich der Gruppe „Abstraction-Création“ um Theo van Doesburg, Naum Gabo, Auguste Herbin, Antoine Pevsner und Georges Vantongerloo an. Zur Zeit des Nationalsozialismus galt sein Schaffen als „entartet“, und er erhielt Ausstellungsverbot.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Peiffer-Watenphul, Max
Blumenstilleben mit chinesischer Vase
Los 7113
Schätzung
3.500€ (US$ 4,023)
Blumenstilleben mit chinesischer Vase
Aquarell und Bleistift auf Ingres-Bütten. 1936.
44,3 x 35,6 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Watenphul", datiert und bezeichnet "März".
Pasqualucci A 215.
Lebendig gestaltet Peiffer den Umraum der zarten, schwebenden Komposition mit Pinseltupfern und senkrechten Bleistiftstrichlein und vertieft damit die heitere, lebendige Wirkung des Blumenstillebens. Leuchtende Nuancen von Rosarot, Gelb, Blau und Grün stehen auf dem flirrenden hellen Grund und lassen die Komposition sprühen vor Lebensfreude und Sensibilität. Nach seiner Lehrtätigkeit an der Folkwang-Schule in Essen entschied sich Max Peiffer-Watenphul 1933, Deutschland zu verlassen, um in Italien ansässig zu werden. Auf der Mittelmeerinsel Ischia lernte er die ebenfalls emigrierten Maler Werner Gilles und Hans Purrmann kennen. Die Werke, vorwiegend Blumenstilleben, die in den folgenden Jahren in Süditalien entstanden, verfügen über eine fast barock-üppige Farbpalette, die nahezu einer Explosion von Farben gleichkommt und sich vielmehr dem Leben als der Vergänglichkeit widmet.
Provenienz: Venator & Hanstein, Köln, Auktion 29.03.2025, Lot 1045
Privatsammlung Dortmund
"Der Zopf"
Öl auf Malpappe. 1925.
49,5 x 41 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "DRESSLER" und mit dem Künstlersignet, verso nochmals signiert "A.W. Dressler", betitelt, bezeichnet "Berlin W35 Potsdamerstr 81D" sowie mit Farbstift in Rot "19".
Mit verträumtem Blick flicht die junge Frau ihr langes Haar zu einem Zopf. Der dunkel gehaltene Innenraum verleiht der intimen Szene eine stille, beinahe entrückte Atmosphäre. In ihrer starren, beinahe puppenhaften Erscheinung zeigt sich bereits eine Bildsprache, die für Dresslers Figuren charakteristisch werden sollte. Das Werk gehört zu seinem frühen Schaffen und zeigt sein Interesse an der Darstellung stiller, alltäglicher Momente in einer eigentümlich verdichteten Atmosphäre. Dressler, einer der stilprägenden Vertreter der Neuen Sachlichkeit, studierte 1906-13 an den Akademien in Dresden und Leipzig. Anschließend zog er als freischaffender Künstler nach Berlin und schloss sich der Novembergruppe an.
Provenienz: Galerie Nierendorf
Privatbesitz Berlin (dort 2007 erworben)
Privatbesitz Rheinland-Pfalz
Literatur: August Wilhelm Dressler. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, Ausst.-Kat. Kunstblätter der Galerie Nierendorf 12, Berlin 1967, Kat.-Nr. 6
Kinderakt
Kaltnadel auf festem Velinkarton. 1929.
32,6 x 24,7 cm (35,3 x 31,7 cm).
Signiert "Nesch" und bezeichnet "Probedruck".
Helliesen/Sørensen 359.
Reizvoller Rückenakt eines sitzenden Mädchens mit Lockenkopf, eingebettet in ein ornamental gestaltetes Interieur. Bei dem dargestellten Mädchen handelt es sich vermutlich um Schirse, der Tochter des Majors von Esslingen. Hervorragend schöner, kräftiger Probedruck, stellenweise mit intensiv samtigen Schwärzen des Grates, oben und unten mit schmalem, in den Seiten mit breiterem Rand. Selten.
Weihnachten
Öl auf Leinwand. Wohl vor 1920.
81 x 102 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot monogrammiert "St.", verso signiert "Stückgold".
Bunt blühende Blumen, bemalte Krippenfiguren und ein mit Spielzeug geschmückter Weihnachtsbaum bilden mit ihren leuchtenden Farbwerten den Rahmen für die familiäre Szene. Beide Figuren scheinen von einem liebevollen Zauber umgeben zu sein. Vermutlich dienten dem Künstler seine Tochter, deren Behinderung er nicht verschleiert, und seine Frau Elisabeth Veress-Stückgold als Modelle. Nachdem Stückgold, Chemiker und Ingenieur, 1905/06 die erfolglose Revolution in Polen unterstützt hatte, begann er ein Kunststudium in Warschau, besuchte die Malschule des Ungarn Simon Hollósy und im Sommer 1908 die Malerkolonie in Nagybánya. Bald darauf zog Stückgold nach Paris und wurde Schüler von Henri Matisse, lernte Henri Rousseau kennen und stellte im Salon des Indépendants aus. 1913 siedelten Stückgold und seine Frau nach München über und traten in die Anthroposophische Gesellschaft ein. Stanislaus Stückgold galt als geachteter Maler in den Pariser und Münchner Künstlerkreisen vor dem Ersten Weltkrieg. 1920 trennte sich das Ehepaar, Elisabeth zog mit dem befreundeten Anthroposophen Albert Steffen nach Dornach zu Rudolf Steiner. Bereits Ende 1933 fand eine umfassende Gedächtnisausstellung bei Bernheim-Jeune in Paris statt. Verso Fragment einer größeren Komposition.
Provenienz: Privatbesitz Rumänien
Liegende
Öl auf Leinwand. Wohl 1930er Jahre.
65,3 x 100,4 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "RONGET".
Die 1899 in Konitz in Westpreußen geborene Elisabeth Ronget wuchs in Hannover auf. Anfang der 1930er Jahre ging sie nach Paris, wo sie an der Académie de la Grande Chaumière studierte. Prägend wurde für sie die Begegnung mit André Lhote und dessen gemäßigter Form des Kubismus. In den 1930er Jahren entwickelte Ronget eine eigene Bildsprache, in der sie kubistische Formzerlegung mit einer weichen Farbigkeit verband.
Auch in unserer „Liegenden“ übersetzt Ronget Figur und Raum in ein Gefüge aus gegeneinander gesetzten Flächen. Die entspannte Haltung der aufgestützten Frau steht dabei in einem Kontrast zu dem streng geometrischen Aufbau der Komposition. Körper und Interieur greifen nahezu nahtlos ineinander, während gedämpfte Blau-, Grün- und Rosatöne auf kräftiges Rot, Orange und Gelb treffen. So verbindet Ronget ihre kubistisch geprägte Formensprache mit einer lebendigen, warmen Farbigkeit und verleiht der ruhenden Szene eine spannungsvolle Dynamik.
Provenienz: Privatbesitz Florida
William Doyle, New York, Auktion 21.12.2022, Lot 70
Privatbesitz Slowenien
Cancan-Tänzerin
Gouache auf Velin.
54 x 48,8 cm.
Unten links mit Kreide in Blau signiert "Scheiber".
Mit hochgezogenem Bein im Tanz eingefangen, hält Scheiber die Cancan-Tänzerin schwungvoll im Moment der Bewegung fest. Das wallende Kleid nimmt die Dynamik der Figur auf und fügt sich in den charakteristischen Formenkanon geschwungener Linien ein, während der angedeutete Bühnenraum den tänzerischen Charakter der Darstellung unterstreicht. Die expressive Linienführung und die bewegte Komposition verleihen der Szene eine rhythmische Dynamik. Ausgebildet in Budapest, wandte sich Scheiber nach 1900 zunehmend dem deutschen Expressionismus und dem Futurismus zu. Über die ungarische Künstlerschaft in Wien, zu der auch der mit ihm befreundete Schriftsteller und Maler Lajos Kassák gehörte, fand Scheiber Anschluss an die avantgardistischen Künstlerkreise seiner Zeit. Eine Gemeinschaftsausstellung mit Béla Kádár in Wien verschaffte ihm 1919 einen ersten größeren Erfolg. Ab 1921 wurde Scheiber von Herwarth Walden in Berlin gefördert, der seine Arbeiten in seiner Zeitschrift Der Sturm präsentierte. Zwischen 1924 und 1930 war Scheiber mit insgesamt neun Ausstellungen in der Sturm-Galerie vertreten, gemeinsam mit Béla Kádár, Adolf Küthe, László Moholy-Nagy, Oskar Nerlinger, Boriska Polgar, Kurt Schwitters und Arnold Topp. Durch Waldens Förderung erlangte Scheiber auch international zunehmend Bekanntheit. Seine Werke wurden im Brooklyn Museum, beim Wiener Hagenbund und auf der Mostra Nazionale d’Arte in Rom ausgestellt. Die vorliegende Darstellung der Cancan-Tänzerin zeigt exemplarisch Scheibers Interesse an Bewegung und Rhythmus und seine Verbindung von figürlicher Darstellung mit den dynamischen Bildsprachen der europäischen Avantgarde.
Provenienz: Leo Spik, Berlin, Auktion 13.12.2001, Lot 229
Privatbesitz Berlin
Masjutin, Wassili Nikolajewitsch
Kostümentwurf für eine Dame, rückenfrei
Los 7119 [*]
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Kostümentwurf für eine Dame, rückenfrei
Aquarell und Bleistift auf Skizzenbuchpapier. 1930.
19,3 x 12,4 cm.
Verso wohl eigenhändig datiert "30.12.30".
Gewagter, reizvoller Kostümentwurf, der den Oberkörper ganz freizulassen scheint. Mit schwarzen Ellipsen und Kreisformen spielt der russische Künstler ebenso wie mit klaren Schwarzweißkontrasten. Der schwungvoll stilisierte Entwurf, entstanden nur einen Tag vor dem Silvesterfest des Jahres 1930, zeigt den Einfluss von Art déco auf Masjutins Schaffen und scheint den Rausch des Jahreswechsels vorwegzunehmen.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.
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