Bildnis "Reinnier V.H. MXXV". Kupferstich im Rund. D. 6,8 cm. (15)25. B. VIII, S. 296, 94, Passavant IV, S. 90.
Über die Ausbildung des Malers, Kupferstechers und Medailleurs Jakob Binck ist nur wenig bekannt. In seinen Jugendjahren wurde er wohl von der Nürnberger Dürerschule, insbesondere den Brüdern Beham maßgeblich beeinflusst und soll sich um 1529 in den Niederlanden aufgehalten haben. Anfang der 1530er Jahre lebte Binck als Hofmaler Königs Christian III. in Kopenhagen, war anschließend in Schweden, Königsberg, Antwerpen und erneut in Kopenhagen tätig. 1553 trat er in die Dienste des preußischen Hofes in Königsberg. Der Dargestellte auf diesem kleinen Rundbildnis scheint der Schreibweise seines Namens nach niederländischer Herkunft zu sein. Bartsch beschrieb die Arbeit als eigenhändige Bincks, Passavant hielt das Blatt dagegen wohl irrigerweise für eine Kopie und beschrieb ein qualitativ unterlegenes Blatt. Ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck mit der Einfassungslinie. Einwandfrei erhalten.
Biscaino, Bartolomeo
Die mystische Vermählung der hl. Katharina
Los 5031
Schätzung
750€ (US$ 862)
Die mystische Vermählung der hl. Katharina. Radierung im Oval. 15 x 11,9 cm. B. 33, TIB (Commentary) .033.
Der Genueser Maler und Radierer Bartolomeo Biscaino schuf in der nur kurzen Dauer seiner künstlerischen Aktivität neben einem Dutzend Gemälden und zahlreichen Zeichnungen ein umfangreiches graphisches Werk von etwa fünfzig Radierungen. Stilistisch zeigen sich darin nach dem anfänglichen Einfluss seines Lehrers Valerio Castello die Orientierung an Castiglione und den Werken Parmigianinos. Auch das vorliegende Blatt ist stilistisch durch das Vorbild Parmigianinos geprägt. Die Leichtigkeit des Duktus und die Anmut der Darstellung sind charakteristisch für die Handschrift Biscainos. Ganz ausgezeichneter, früher Abzug mit feinem Plattenton und mit schmalem Rand um die Plattenkante. Minimale Alters- und Gebrauchsspuren, sonst in sehr schöner Erhaltung.
Brustbildnis eines bärtigen Greises im Oval. Radierung. 7,2 x 5,4 cm. B. (Rembrandt) 295, Hollstein (Bol) 17 III.
Die Radierung wurde von Bartsch Rembrandt zugeschrieben, stammt jedoch von der Hand seines Schülers Ferdinand Bol. Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen. Etwas fleckig nur, sehr dezente und kaum wahrnehmbar ausgebesserte Papierläsur, sonst sehr schön.
Boldrini, Niccolò
Der hl. Franziskus empfängt die Stigmata
Los 5033
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Der hl. Franziskus empfängt die Stigmata. Holzschnitt nach Tizian. 29,5 x 44 cm. Passavant VI, 235, 59, Oberhuber 173, Dreyer 18, Muraro/Rosand 30.
Der Holzschnitt wird Boldrini zugeschrieben, Tizians Autorschaft als inventor der Komposition ist durch die Erwähnung eines heiligen Franziskus bei Vasari gesichert. Muraro und Rosand verweisen überdies auf die stilistische Nähe zu dem Altarstück des hl. Petrus von Verona, das Tizian zwischen 1526-30 für die Kirche S. Giovanni e Paolo in Venedig ausgeführt hat. Ganz ausgezeichner, kräftiger und gegensatzreicher Druck mit gleichmäßigem Rändchen bzw. Rand unten. Wie häufig, die Lücken in der Einfassungslinie stellenweise mit schwarzer Feder nachgezogen, sonst in vorzüglicher Erhaltung. Selten.
Der Triumph der Liebe. Kupferstich. 28,3 x 40,5 cm. B. XV, S. 141, 106, Massari 47, TIB (Commentary) .106 S2. Wz. Pilger im Kreis.
Mit der Adresse. Prachtvoller, prägnanter Druck, an die Einfassungslinie geschnitten. Etwas angestaubt, verso schwache Leimspuren vornehmlich entlang der Ränder, geringfügig stockfleckig, vertikale Mittelfalte, diese teils ausgebessert, unten links geschlossener Randeinriss bis zum liegenden Paar, weitere ausgebesserte Erhaltungsmängel, Altersspuren, sonst sehr schön erhalten.
Bonasone, Giulio
Saturn in Gestalt eines Pferdes bei der Nymphe Philyris
Los 5035
Schätzung
750€ (US$ 862)
Saturn in Gestalt eines Pferdes bei der Nymphe Philyris. Kupferstich nach Giulio Romano. 32,6 x 43,4 cm. B. XV, S. 142, 108, Massari 219, TIB (Commentary) .108. Wz. Justitia im Oval (Massari 128).
Ausgezeichneter, gleichmäßiger und dabei präziser Druck mit Plattenton und feinem Rändchen um die Einfassung, teils mit Spuren der Plattenkante bzw. unten eines Rändchens um dieselbe. Geringfügig angestaubt, geglättete vertikale Mittel- und Trockenfalte, ein geschlossener Diagonalriss in der Ecke links oben (ca. 12 cm), zwei kürzere Randeinrisse oben, einer davon hinterlegt, die oberen Ecken teils leicht berieben, die unteren marginal bestoßen, unmerklich hinterfasert, sonst in schöner Erhaltung. Sehr selten. Aus der Sammlung Paul Davidsohn (Lugt 654).
Der Raub der Europa. Kupferstich. 29 x 43,5 cm. B. XV, S. 142, 109, Massari 68 a (von d), TIB (Commentary) .109 S1 (von S2). Wz. Leiter in Wappen mit Kreuz (vgl. Woodward 255, 1559-1566).
Vor der Verlegung der Adresse nach links unten. Prachtvoller, kräftiger Frühdruck mit feinem Rändchen, teils an die Plattenkante geschnitten. Etwas angestaubt und vereinzelt stockfleckig, verso geglättete vertikale Mittelfalte, diese recto nicht sichtbar, oben links ein Knickfältchen, kleine, unwesentliche Randläsuren, sonst schön erhalten. Aus der Sammlung Claude-Augustin Mariette, Paris, 1694 (Lugt 1786).
Boyvin, René - nach
Bärtiger Mann mit einem Mit Masken verziertem Helm
Los 5037
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
nach. Bärtiger Mann mit einem mit Masken verziertem Helm. Kupferstich. 14,6 x 10,8 cm. Robert-Dumesnil vgl. 82.
Wiederholung nach einem Motiv aus der 12-teiligen Suite mit männlichen und weiblichen Kopfstudien mit fantastischem Kopfschmuck. Prachtvoller, prägnanter und klarer Druck knapp an die Darstellung geschnitten. Etwas fleckig, dünne Stellen verso oben von alter Montierung, sonst tadellos.
nach. Die Auferstehung. Kupferstich von Philips Galle. 40,1 x 30,4 cm. Um 1562-63. Bastelaer 114, Hollstein 114, Riggs 30, Orenstein (New Hollstein) 5 I-III (von III), Bassens/Grieken 29 I-III (von III).
Die Vorzeichung befindet sich in Rotterdam. Ganz ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck an die Rahmung geschnitten, links unten knapp an die Darstellung, entlang des unteren Randes ca. 5 cm unter Darstellungsverlust beschnitten. Deshalb lässt sich der Druckzustand nicht eindeutig bestimmen. Alters- und Gebrauchsspuren, die Ecken jeweils ausgebessert und ergänzt, dort mit feinen, teils sehr detaillierten Federretuschen, weitere Randläsuren und Gebrauchsspuren, aufgezogen, sonst gleichwohl gut. Sehr selten.
nach. Fides. Kupferstich von Philips Galle, aus der Folge der Sieben Tugenden, wie auch die folgende Losnummer. 22,3 x 29,3 cm. (1559). Bastelaer 132, Hollstein (Bruegel) 132, Riggs 32, Orenstein (New Hollstein, Bruegel) 13 I (von II), Sellink/Leesberg (New Hollstein, Galle) 309, Bassens/Grieken 13a I (von II). Wz. Hohe Krone.
Noch mit der Adresse von Hieronymus Cock. Ganz ausgezeichneter, ausgewogener Druck an drei Seiten mit feinem bis sehr feinem Rändchen um die Plattenkante, links partiell minimal knapp innerhalb. Lediglich minimale Gebrauchsspuren, ein Fleck mittig in einer Figur rechts von Fides, ein winziges Rostfleckchen im Kreuzstamm, isoliert kaum merklich geschlossene Randenrisschen, drei Eckenspitzen wieder angesetzt bzw. unten links partiell wohl erneuert, sonst in sehr schöner Erhalung.
Bruegel d. Ä., Pieter - nach
Iusticia - Gerechtigkeit
Los 5040
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
nach. Iusticia. Kupferstich von Philips Galle. 22,1 x 28,5 cm. (1559). Bastelaer 135, Hollstein 135, Riggs 32, Orenstein (New Hollstein, Bruegel) 16, Sellink/Leesberg (New Hollstein, Galle) 312, Bassens/Grieken 13d II. Wz. Gotisches P (?).
Blatt 4 der Folge. Ausgezeichneter Druck mit teils feinem Rändchen um die Plattenkante, oben bis an die Einfassungslinie geschnitten. Altersspurig sowie verso etwas angeschmutzt, vor allem unten links sowie mittig rechts etwas fleckig (ölhaltig?), oben links im Mittelgrund zarte Rötelspuren, verso geglättete Vertikalfalten, eine zarte Quetschspur im mittleren Bildbereich oben wenig störend, weitere Gebrauchsspuren, sonst gut. Aus der Sammlung des Kupferstichkabinetts der Staatlichen Museen zu Berlin (Lugt 1606, mit deren Veräußerungsstempel Lugt 2482).
Bruegel d. Ä., Pieter - nach
Die Hochzeit von Mopsus und Nisa
Los 5041
Schätzung
15.000€ (US$ 17,241)
nach. De vuyl bruit - Die schmutzige Braut, oder: Die Hochzeit von Mopsus und Nisa. Kupferstich von Pieter van der Heyden. 22,3 x 29 cm. 1570. Bastelaer 216, Hollstein 216 I (von IV), Riggs 51, Orenstein (New Hollstein) 45 I (von IV), Bassens/Grieken 22 II (von V). Wz. Gotisches P mit Vierblatt und Nebenmarke Posthorn.
Die bemerkenswerte Darstellung stellt eine Gruppe von Straßenkünstlern dar, die anlässlich der Fastnachtszeit - den drei Tagen vor Aschermittwoch - ein komisches Volksspiel mit dem Titel „Die schmutzige Braut“ (De vuyle bruit) aufführen. Wie auch der Holzschnitt "Die Maskerade von Urson und Valentin" (Hollstein 215) steht vorliegendes Blatt im Zusammenhang mit dem in Wien verwahrten Gemälde "Der Kampf zwischen Karneval und Fasten". Bei der derben, zerlumpten Braut, die aus einem ärmlichen Hochzeitszelt geführt wird, handelt es sich um Nisa, während der sie herausführende, tänzelnde Bräutigam Mopsus ist. Die Geschichte ihrer Vermählung stammt aus der achten Ekloge des römischen Dichters Vergil, fand aber auch den Weg in zahlreiche, zeitgenössische Sprichwörtersammlungen, und diente als Sinnbild für eine verkehrte Welt. Bei dem auf Bruegels Zeichnung basierenden Druck - gestochen von Pieter van der Heyden und 1570 von Hieronymus Cock verlegt - wurde unter der Darstellung von Cock eine lateinische Inschrift hinzugefügt: „Mopsus heiratet Nisa - was dürfen wir Liebenden da nicht alles hoffen?“, womit zum Ausdruck gebracht wird, dass wirklich alles möglich scheint. Das zeitgenössische, gebildete Publikum wusste die Verknüpfung des antiken Zitats mit einem zeitgenössischen Volksbrauch der Fastnachtszeit sicherlich zu würdigen. Ob Bruegel den Sinnspruch im Sinne hatte oder nicht, muss fraglich bleiben. Es war jedoch ein gewitzter Schachzug Hieronymus Cocks, der damit auch auf ein gelehrtes Publikum abzielte.
Die wohl um 1566 entstandene Vorlage, die von Bruegel selbst auf einen weiß gestrichenen Holzstock gezeichnet wurde, ist im Metropolitan Museum in New York erhalten (Inv. 32.63) und war demnach interessanterweise ursprünglich als Vorlage für einen Holzschnitt vorgesehen, ebenso wie der eingangs erwähnte, verwandte Holzschnitt; aus unbekannten Gründen wurde die Bearbeitung des Holzblocks jedoch abgebrochen, lediglich der obere linke Bereich wurde bereits geschnitten. Vermutlich gelangte der Entwurf erst nach Bruegels Tod im Jahr 1569 in die Hände des Antwerpener Verlegers und wurde schließlich als Kupferstich realisiert.
Mit der Adresse von Hieronymus Cock. Prachtvoller, prägnanter und kräftiger Frühdruck mit zartem Plattenton und gleichmäßig schmalem Rand um die Plattenkante. Verso leichte geglättete Mittelfalte sowie eine horizontale Falzspur, rechts im oberen Teil des äußeren Baumstumpfs eine nahezu unsichtbar ergänzte Fehlstelle, dort mit sehr dezenten und versierten Federretuschen, oben mittig sehr sorgsam ausgebesserte Läsur, einzelne winzige Löchlein bzw. Wurmlöchlein, unten links sehr zarte vertikale Quetschspur, unmerklich hinterfasert, sonst sehr schönes und vorzügliches Exemplar. Sehr selten.
Die Sieben Todsünden. 7 Radierungen. Je ca. 7,7 x 5,9 bzw. 5,4 cm. Meaume 158-163, Lieure 354 II (von IV), 355-360, je I (von II).
Die komplette Folge in ausgezeichneten Drucken mit dem Namen Callots auf dem Blatt "Superbia" und vor Hinzufügung der Nummern, meist mit sehr feinem Rändchen um die Facette, teils mit Spuren, Avaritia knapp innerhalb dieser geschnitten. Nur geringfügig angestaubt, kleine Montierungsreste verso oben, sonst einheitlich und schön erhalten.
Callot, Jacques
Le Parterre de Nancy ou Jardin de Nancy
Los 5043
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
Le Parterre de Nancy ou Jardin de Nancy. Radierung. 26 x 38,6 cm. 1625. Meaume 622, Lieure 566 I (von II).
Vor der Adresse Israël Henriets. Ganz ausgezeichneter Druck mit leichtem Plattenton und schmalem Rändchen um die Plattenkante. Geglättete vertikale Mittefalte, entlang dieser zarte Trockenfältchen, weitere unauffällige vertikale sowie eine horizontale Faltspur verso, vereinzelt kleine Rostfleckchen, zwei ausgebessert, davon eines unten mittig die Darstellung mit Feder retuschiert, kleiner geschlossener, dreieckiger Einriss im Gebäude links im Hintergrund, geschlossenes Löchlein im Himmel mittig, insgesamt leicht fleckig, der Gesamteindruck sehr schön. Aus einer bisher wohl nicht identifizierten Sammlung "VB im Oval" (nicht in Lugt).
Les exercices Militaires. 12 Radierungen zzgl. Titel. 6,2 x 8,2 cm. 1635. Meaume 582-594, Lieure 1320 II, 1321-1332, je I (von II). Wz. Fragment der Krone eines Posthorn-Wappens "Cornet et Huchet" (ein Blatt, vgl. Lieure Nr. 47).
"Charmante suite de 12 petites estampes nous montrant des soldats faisant l'exercice ... sont fièrement campés dans l'élégant costume de l'époque, admirablement dessiné par Callot". Die vollständige Folge vor den Nummern in ausgezeichneten bis ganz ausgezeichneten Drucken mit breiteren Rändern. Dort etwas stockfleckig sowie altersspurig, im oberen Rand mittig und in den Ecken teils braune Flecken, unten mittig alte Federpaginierung, kleine Montierungsreste verso oben, sonst einheitlich und gut.
Les Grandes Misères de la guerre. 17 (von 18) Radierungen inkl. Titel auf gelblich-goldener Seide. Je ca. 8 x 18,3 cm. Sämtlich gebunden bzw. montiert in einem eleganten roten Lederalbum des 19. Jh., geglättetes Maroquin (etwas berieben, mit leichten Kratz- und Schabspuren), mit reicher ornamentaler Rückenvergoldung und goldgeprägten Rückentitel "J. Callot / Les miseres et les mal-heurs de la guerre / Paris 1633", 3-fach Deckelfileten, großes goldgeprägtes Deckelornament, doppelte Stegkantenfilete, breite Innenkantenbordüre über marmorierten Buntpapier-Vorsätzen, Goldschnitt. 1633. Meaume 564-578, 580-581, Lieure 1339 III, 1340-1353, 1355, je II (von III), 1356 III (von IV).
Die bedeutendste Folge Callots hier in einer beinahe vollständigen Zusammenstellung - es fehlt lediglich Blatt 16, Lieure 1354 -, in einer eminent seltenen Prachtausgabe auf gelblich-goldschimmernder Seide gedruckt. Ausgezeichnete bis ganz ausgezeichnete, naturgemäßg partiell minimal ungleiche bzw. auslassende Abzüge, mit den Nummern, jedoch vor der Löschung der Adresse von Israël Henriets, meist mit der vollen Darstellung, die äußeren Ränder durch die Albummontierung verdeckt. Vereinzelt geringfügig und kaum störend fleckig, stellenweise minimal berieben und nur wenige Stellen materialbedingt marginal zerschlissen, Blatt 10 lose, sonst in sehr schöner und originaler Erhaltung. Aus der bibliographischen Sammlung von Léon Rattier, mit dessen Exlibris.
Callot, Jacques
Vita et Historia Beatae Mariae Virginis Matris Dei
Los 5046 [*]
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Vita et Historia Beatae Mariae Virginis Matris Dei - Das Marienleben. 14 Radierungen inkl. Titelblatt. Je ca. 6,9 x 4,5 cm. 1633. Meaume 76-90, Lieure 1357 II, 1358-1370 I (von II). Wz. Nebenmarke (Fragment).
Die komplette Folge vor den Nummern in ganz ausgezeichneten, durchgehend präzisen Drucken mit je ca. 2 cm breiten Rändern um die markant zeichnenden Facetten. In den Ecken bräunliche Flecken von durchschlagenden Montageresten, geringe Stockflecken, je eine alte Federnummerierung in der Ecke unten rechts, sonst harmonische und einheitliche Exemplare. Aus der Sammlung Sir Peter Lely (Lugt 2092) sowie mit bislang unidentifizierter Sammlermarke (Lugt 2338a).
Callot, Jacques
La Tentation de St. Antoine (Die Versuchung des hl. Antonius)
Los 5047
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
La Tentation de St. Antoine (Die Versuchung des hl. Antonius). Radierung. 35,5 x 46,7 cm. 1635. Meaume 139 IV, Lieure 1416 V. Wz. T Dupvy.
Lieure: "Cette estampe [...] est une des plus curieuses de l'œuvre de Callot". Ganz ausgezeichneter, kontrastreicher Druck mit Rand um die deutlich zeichnende Plattenkante. Geringfügig angestaubt, verso minimal fleckig, die obere Ecke wellig, kleiner, geschlossener Randeinriss unten rechts bis an die Plattenkante, beriebene Stellen im rechten Teil des großen Dämons, teils mit grauer Farbe, verso unten links geglättete Knickspur, ebenda oben Montierungsreste, weitere Handhabungsspuren, sonst gut erhalten.
Der hl. Hieronymus in der Wildnis. Kupferstich und Radierung. 25,4 x 18,8 cm. Um 1591. B. 14, Bohlin 13 IV, TIB (Commentary) .015 S4.
Bereits Bartsch erwähnte lobend dieses Hauptblatt Annibale Carraccis: "Cette pièce est gravée à l'eau-forte avec esprit et légereté, l'expression et le dessein y sont admirables" (B. XVIII, S. 190). Das Blatt übte großen Einfluss auf italienische und nordeuropäische Künstler aus, unter ihnen Rembrandt, der die Radierung sehr bewunderte. - Ausgezeichneter, noch lebendiger, jedoch partiell auslassender Druck mit einigen Wischkritzeln, meist mit der vollen Darstellung, links mit Spuren der Plattenkante oben. Etwas angestaubt und berieben, leichte Ausbesserung oben rechts im Ausblick der Berge und im Baumstamm, rechts geschlossener Randeinriss, verso geglättete Mittelfalte, weitere geringe Erhaltungsmängel, sonst gleichwohl gut.
Castiglione, Giovanni Benedetto
Die Geburt Christi mit Gottvater und den Engeln
Los 5049
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Die Geburt Christi mit Gottvater und den Engeln. Radierung. 20,6 x 40,2 cm. Um 1647. B. 7, Bellini 22, TIB (Commentary) .007. Wz. Buchstaben FL.
Ganz ausgezeichneter, toniger Druck mit zarten Wischkritzeln, oben und unten mit feinem bis sehr feinem Rändchen um die Einfassung, rechts und links bis an bzw. minimal knapp innerhalb dieser beschnitten. Vornehmlich verso etwas angeschmutzt, ein blasser, ölhaltiger Fleck oben über den Köpfen der Engel, montierungsbedingt dünne Stellen in den Außenrändern, dort punktuelle Einrisschen, schwacher Diagonalknick in der Ecke oben rechts, weitere Gebrauchsspuren, im Gesamteindruck gleichwohl schönes Exemplar.
Claesz., Allaert - zugeschrieben
Herkules besiegt Cacus
Los 5050
Schätzung
900€ (US$ 1,034)
zugeschrieben. Herkules besiegt Cacus. Kupferstich. 8,3 x 5,8 cm. B. App. V, Mielke (New Hollstein, Aldegrever), rejected prints S. 236.
Das seltene Blatt in einem ganz ausgezeichneten, markanten Druck mit sehr feinem Rändchen um die Einfassung. Minimal angestaubt, partiell dünn, sonst in sehr schöner Erhaltung. Aus der Sammlung Friedrich August II. von Sachsen (Lugt 971).
Collaert, Adriaen
Christus, die Jungfrau und die zwölf Apostel
Los 5051
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Christus, die Jungfrau und die zwölf Apostel. 13 (von 15) Kupferstichen nach Maarten de Vos. Je ca. 42,3 x 27,5 cm. 1592. Hollstein (Vos) 789-803, Diels/Leesberg (New Hollstein, Collaert Dynasty) 709-710 je I (von III), 711-713, 715-718, 720-723 je I (von II). Wz. Herzförmiges Wappenschild.
Die beinahe vollständige Folge - es fehlen die Apostel Jacobus Maior und Judas Thaddeus - in ausgezeichneten, teils prachtvollen und prägnanten Drucken meist auf die volle Darstellung bzw. an die Einfassungslinie geschnitten. Etwas angestaubt und vereinzelt fleckig, teils kleinere, auch ausgebesserte Randschäden, geschlossene Randeinrisse, Maria mit Federretusche im Gewand und Ausbesserung oben mittig, Petrus mit einer vertikalen Läsur, dort mit Ausbesserungen und Retuschen, vereinzelt kleinere, ausgebesserte Erhaltungsmängel wie dünne Stellen, kleine Wurmgänge und Läsuren, sonst sehr schöne und überwiegend einheitlich erhaltene Exemplare.
Collaert, Adriaen
Die vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer
Los 5052
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Die vier Elemente: Erde, Wasser, Luft, Feuer. 4 Kupferstiche nach Maarten de Vos. Je ca. 18,8 x 23,5 cm. Um 1582. Hollstein (de Vos) 1349-1352, je II (von III), Diels/Leesberg (New Hollstein, Collaert Dynasty) 1286-1289, je II (von III). Wz. Bekröntes Lothringerkreuz mit doppeltem C mit Nebenmarke Wappen.
Vollständiges Exemplar der zweiten Ausgabe verlegt von Theodoor Galle in Antwerpen, mit den Ergänzungen der Lünette und den Nummern. Prachtvolle, kräftige Drucke mit breitem Rand um die Plattenkante. Teils unbedeutend altersspurig und punktuell minimal stockfleckig, am linken Blattrand Spuren alter Fadenbindung, teils mit Papierverlust, geglättete vertikale Mittelfalte, weitere geglättete Knickchen im Rand, "Erde" mit kleiner Bestoßung und Risschen an der unteren Blattkante, "Feuer" mit vertikaler Falte links, geglätteten Knickspuren im rechten Rand und verso leicht fleckig, sonst gut erhalten. Selten. Beigegeben Wiederholung der Serie "Vier berühmte Herrscher der Antike" nach Maarten de Vos (New Hollstein 1174-1177, copy b).
Coornhert, Dirk Volkertsz.
Je größer das Glück, desto größer die Sorgen
Los 5053
Schätzung
750€ (US$ 862)
Je größer das Glück, desto größer die Sorgen ("hoe hoogher fortuijn, zo meerder sorghe"). Kupferstich mit Radierung. 20 x 24,2 cm. Nicht in Hollstein, TIB (Supplement) .069.4. Wz. Krüglein.
Aus der sechsteiligen Folge "Sinnsprüche über das Glück". Möglicherweise war Coornhert selbst der auctor intellectualis der Serie über die Unbeständigkeit des Glückes, denn ihre didaktisch-moralische Aussage stimmt eng mit dem Inhalt seiner Schriften überein. Ausgezeichneter, überwiegend markanter Druck mit sehr schmalem Rand an drei Seiten, unten bis an die Schrift beschnitten. Vereinzelt geringe Knitterspuren, blasse Flecken, der Rand unten links lädiert und mit hinterlegten Fehlstellen, dort Retuschen in den ersten beiden Wörtern, die rechte Plattenkante oben mit hinterlegtem Bruch, darüber im weißen Rand ein Riss ebenso, Montierungsreste und minimale Leimfleckchen verso, sonst in guter Erhaltung. Selbst einzelnen Blätter der Folge sind sehr selten.
Coriolano, Bartolomeo
Sibylle mit einer Tafel auf den Knien, rechts ein geflügelter Putto
Los 5054
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Sibylle mit einer Tafel auf den Knien, rechts ein geflügelter Putto. Clair-obscur-Holzschnitt in Schwarz und Lindgrün, nach Guido Reni. 28 x 19,3 cm. Um 1640. B. XII, S. 88, 4, Takahatake (in: Print Quarterly, XXVII, 2, 2010) Nr. 15.
Prachtvoller, kräftiger Druck mit den Spuren eines Rändchens um die Einfassung, unten mit dem häufig fehlenden, schwarz gedruckten Rand. Leicht stockfleckig und fleckig, vereinzelte kleine Löchlein, die Ränder marginal bestoßen, teils punktiert (recto nicht wahrnehmbar), an drei Punkten fest auf ein Untersatz-Passepartout montiert, wohl einige Federeinzeichnungen, sonst im Gesamteindruck sehr schön. Mit einem wohl unbekannten Sammlermonogramm FP (nicht bei Lugt).
Diana bei der Hirschjagd. Radierung nach Francesco Primaticcio. 29,7 x 35,3 cm. (1547). B. XVI, S. 325, 49, Zerner L.D.78 I (von wohl II), Jenkins LD 78 I (von II). Wz. Kleines Wappen mit Intialen.
Aus einer dreiteiligen Folge. Vor der späteren Adresse von Rossi. Ausgezeichneter Druck an die bzw. oben und unten knapp in die ovale Einfassungslinie geschnitten, daher fehlen unten Monogramm und Datum. Leicht angeschmutzt, Randläsuren und ausgebesserte Randschäden, oben hinterlegte Fehlstelle sowie unten weitere, dünne Stellen oben mittig und unten rechts, drei Löchlein auf dem Oberarm der rechten Nymphe mit dem Köcher, weitere Handhabungsspuren, insgesamt jedoch gut.
1. Hälfte 16. Jh. Der Gesang der Schlemmer. Holzschnitt. 22,8 x 33 cm. Wohl Geisberg 936, Amelie Roper, "German Music Broadsheets, 1500 to 1550: Production, Persuasion and Performance", in: Andrew Pettegree (Hrsg.), Broadsheets. Single-sheet Publishing in the First Age of Print, Leiden, Boston 2017, S. 432-437, Abb. 17.8. Wz. Kreuz im Kreis (Briquet 2949, 2961).
In diesem leicht humoristischen Holzschnitt singen ein Mönch, eine Frau, ein Apotheker und weitere Figuren nach einem Liedflugblatt Das Gesang der Schlemer, dessen Text sich auf die Laster Völlerei und Gier bezieht: „Ich bin zu frü geboren, / Wo ich hewt hin kumb, / Mein glück ist noch davornen, / Het ich das Keisertumb, / Darzu den Zoll am Rein, / Und wer Venedig mein, / So wer es als verloren, / Es müst verschlemmet sein.“ Als Symbol der Gier wird auch das Eichhörnchen auf dem Kopf der Frau verstanden. Amelie Roper interpretierte die Figur des Mönches als Martin Luther, die Frau als Katharina von Bora, wodurch die karikierte Darstellung eine amüsante zeitkritische, religionspolitische Note erhält (Roper, S. 433 f.). Die Gier der Schlemmer, die von "Kaisertumb" und Venedig träumen, könnte dann als Machthunger der Reformationsbewegung verstanden werden.
Das Blatt ist oben links alt in brauner Feder monogrammiert "HB", möglicherweise eine alte Zuschreibung an Hans Melchior Bocksberger, ein Holzschneider mit ähnlich versierter Technik und Porträtqualität. Abzüge des außerordentlich seltenen Holzschnittes befinden sich in der Sammlung der Albertina in Wien (Inv. DG1937/339) wo es unter Hans Schäufelein verzeichnet ist, sowie in der Veste Coburg (Inv. xiii,41,68, abgebildet bei Roper, Abb. 17.8). Verso ein Holzschnitt mit drei Ziersäulen. Ausgezeichneter Druck, auf die Einfassungslinie geschnitten. Geringfügige Erhaltungsmängel und Ergänzugen an den Ecken, in Anbetracht der extremen Seltenheit des Blattes jedoch gutes Exemplar. Mit der Federsignatur von Naudet, 1815 Paris (Lugt 1937).
Christus am Ölberg. Kupferstich aus der Kupferstichpassion, wie auch die folgenden vier Losnummern. 11,4 x 7 cm. 1508. B. 4, Meder 4 d-e (von e).
Blatt 2 der Folge. Ganz ausgezeichneter Druck knapp an bzw. in die Darstellung geschnitten. Etwas angestaubt und gebrauchsspurig, kleine Ausbesserung hinter Christus im Mittelgrund am Rand, dort etwas fleckig, weitere leichte Ausbesserungen überwiegend nahe der Ränder und in den Wolken oben links sowie in der stützenden Hand des links Schlafenden, kleine Montierungsreste verso, sonst noch gut.
Christus vor Pilatus. Kupferstich. 11,7 x 7,4 cm. 1512. B. 7, Meder 7 b (von c). Wz. Hohe Krone oder Reichsapfel (Fragment).
Blatt 5 der Folge. Prachtvoller, markanter Druck mit feinem Rändchen um die scharf zeichnende Facette. Unbedeutend fleckig, die weißen Eckenspitzen angeschrägt, weitere minimale Altersspuren, sonst in tadelloser Erhaltung. Mit einer Colnaghi-Lagernummer verso.
Die Geißelung. Kupferstich. 11,7 x 7,3 cm. 1512. B. 8, Meder 8 c-d (von e).
Blatt 6 der Folge. Mit der Horizontalen auf dem Oberschenkel Christi. Ganz ausgzeichneter, partiell leicht toniger Druck mit regelmäßig 7 mm breitem Rand. Schwach gegilbt und lichtrandig, der weiße Rand unten links und unten rechts partiell verschmutzt, kleine Bereibung mit Faserspuren im Boden zwischen den Füßen des rechten Schergen, verso Montierungsreste entlang der Ränder, sonst in schöner Erhaltung. Mit den Resten einer Sammlermarke.
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