Los 5056

Deutsch
1. Hälfte 16. Jh. Der Gesang der Schlemmer

Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 5056 - Deutsch - 1. Hälfte 16. Jh. Der Gesang der Schlemmer - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 25.11.2026

Lot 5056, Auction  128, Deutsch, 1. Hälfte 16. Jh. Der Gesang der Schlemmer

1. Hälfte 16. Jh. Der Gesang der Schlemmer. Holzschnitt. 22,8 x 33 cm. Wohl Geisberg 936, Amelie Roper, "German Music Broadsheets, 1500 to 1550: Production, Persuasion and Performance", in: Andrew Pettegree (Hrsg.), Broadsheets. Single-sheet Publishing in the First Age of Print, Leiden, Boston 2017, S. 432-437, Abb. 17.8. Wz. Kreuz im Kreis (Briquet 2949, 2961).

In diesem leicht humoristischen Holzschnitt singen ein Mönch, eine Frau, ein Apotheker und weitere Figuren nach einem Liedflugblatt Das Gesang der Schlemer, dessen Text sich auf die Laster Völlerei und Gier bezieht: „Ich bin zu frü geboren, / Wo ich hewt hin kumb, / Mein glück ist noch davornen, / Het ich das Keisertumb, / Darzu den Zoll am Rein, / Und wer Venedig mein, / So wer es als verloren, / Es müst verschlemmet sein.“ Als Symbol der Gier wird auch das Eichhörnchen auf dem Kopf der Frau verstanden. Amelie Roper interpretierte die Figur des Mönches als Martin Luther, die Frau als Katharina von Bora, wodurch die karikierte Darstellung eine amüsante zeitkritische, religionspolitische Note erhält (Roper, S. 433 f.). Die Gier der Schlemmer, die von "Kaisertumb" und Venedig träumen, könnte dann als Machthunger der Reformationsbewegung verstanden werden.
Das Blatt ist oben links alt in brauner Feder monogrammiert "HB", möglicherweise eine alte Zuschreibung an Hans Melchior Bocksberger, ein Holzschneider mit ähnlich versierter Technik und Porträtqualität. Abzüge des außerordentlich seltenen Holzschnittes befinden sich in der Sammlung der Albertina in Wien (Inv. DG1937/339) wo es unter Hans Schäufelein verzeichnet ist, sowie in der Veste Coburg (Inv. xiii,41,68, abgebildet bei Roper, Abb. 17.8). Verso ein Holzschnitt mit drei Ziersäulen. Ausgezeichneter Druck, auf die Einfassungslinie geschnitten. Geringfügige Erhaltungsmängel und Ergänzugen an den Ecken, in Anbetracht der extremen Seltenheit des Blattes jedoch gutes Exemplar. Mit der Federsignatur von Naudet, 1815 Paris (Lugt 1937).


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