Los 1067

Fridolin, Stephan
Schatzbehalter. Nürnberg, Koberger, 1491

Schätzung
80.000€ (US$ 90,909)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Alte Drucke und Handschriften
Auktionsdatum 14.4.2026

Aus dem Katalog
Wertvolle Bücher, Dekorative Graphik und Autographen
Auktionsdatum 14.–15. April, 2026

Lot 1067, Auction  127, Fridolin, Stephan, Schatzbehalter. Nürnberg, Koberger, 1491

Aus den Bibliotheken von J. P. Morgan und Renate König
Fridolin, Stephan. Schatzbehalter oder Schrein der wahren Reichtümer des Heils und ewiger Seligkeit. 353 (statt 354) nn. Bl. (ohne das letzte weiße). 2 Spalten. 40-43 Zeilen. Got. Typ. Schriftraum: 33,3 x 23,3 cm. Format: 31,5 x 21,8 cm. Mit 96 (5 wdhl.) ganzseitigen Textholzschnitten von Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff. Dunkelbraues Maroquin um 1880 (nur leichte Bestoßungen und Bereibungen, wenige Kratzer und Druckstellen, Gelenke etwas brüchig) über 5 Zierbünden mit goldgeprägtem RTitel und reicher RVergoldung, doppelten Deckelgoldfileten mit Dentelles und Eckfleurons, Stehkantenpunktierung und reicher Innenkantenvergoldung sowie Vorsätzen aus türkischem Marmorpapier, dreiseitiger Goldschnitt, in modernem Schuber aus dunkelbraunem Kalbsleder. Nürnberg, Anton Koberger, 18. XI. 1491.
Hain 6236. Hain-Copinger 14507. GW 10329. Goff S-306. Proctor 2070. Pellechet 10350. Polain 1521. BMC II, 434. BSB-Ink F-263. IDL 1868. IBE 2517. IGI 9165. Schramm XVII, Abb. 315-406. Schreiber 5202. Schäfer 134. Madsen 3786. Oates 1018. 1019. Ohly-Sack 1162. Walsh 715. 716. Fairfax-Murray 392. ISTC is00306000. Erste und einzige Ausgabe eines der prachtvollsten und bedeutendsten Drucke der Inkunabelzeit: der erste Nürnberger Druck mit Original-Illustrationen und eines der Hauptwerke der Wolgemut-Werkstatt, das in nur 150 Exemplaren gedruckt wurde.

"Auf Bitten der Schwestern des Nürnberger Klarenklosters und seiner Äbtissin Caritas Pirckheimer faßte der Franziskanerpater Stephan Fridolin seine erweiterten, bildhaften Predigten zu dem auch für Laien bestimmten Erbauungsbuch … zusammen; der Inhalt des Textes und die ihn veranschaulichenden blattgroßen Holzschnitte gehören eng zusammen. Wenn auch die Schlußschrift nicht wie bei der Weltchronik die Reißern nennt, so sind es doch eindeutig die gleichen wie dort.
Gegenüber der ruhigen Ausgewogenheit, ja Nüchternheit bei Wohlgemuth läßt Pleydenwurff dramatisierende Kraft des Ausdruckes und eine verlebendigende Anteilnahme spüren. Zwar können nur einige der Holzschnitte eindeutig für den einen oder anderen festgelegt werden, bei mehreren erkannte R. Bellm Wohlgemuths Hand im Entwurf und Pleydenwurffs bei der Übertragung auf den Stock, bei weiteren die Mitarbeit von Gesellen. Ungeachtet der Inanspruchnahme zahlreicher Exemplare und mancher Entlehnung von dem Baseler Heilsspiegel des Bernhard Richel von 1476 über Kupferstiche Schongauers oder die von Wolfgang Stammler und Richard Bellm benannte Bamberger Bildertafel … hat diese Holzschnittfolge mit ihrer bis dahin unbekannten Größe zukunftsweisende Bedeutung. Mit ihrer Fülle des bildhaft Dargebotenen bildet sie Vorstufe und Ausgang zu Dürers monumentalen Holzschnitten" (Katalog der Dürer Ausstellung, Nürnberg 1971, Nr. 115).

"Ein so reich illustriertes, mit so großen, sorgfältig durchgearbeiteten Holzschnitten versehenes Buch war bis dahin unerhört. Hatte Nürnberg seine Illustrationen seither größtenteils von auswärts her entlehnt, so liefert es hier ein Buch, das sich den Besten anderswo erschienenen würdig an die Seite setzt" (Muther 58).

Neben der szenischen Bedeutung der Illustrationen verdienen die Holzschnitte besondere Aufmerksamkeit wegen ihres unendlichen Detailreichtums bei der Darstellung von Kostümen, Waffen, Interieur, Landschaftsveduten, Sitten und Gebräuchen bis hin zu den Verkehrsmitteln im 15. Jahrhundert. – Kapitalspatien leer mit Hilfslettern, einige zeitgenössische und wenige spätere Marginalien in sepiafarbener Tinte sowie saubere Nummerierung, ein verblasster Eintrag auf aii, ganz vereinzelte Bräunungen oder Fleckchen (k6 l1-2) nahezu ohne Feuchtigkeitsspuren oder Fingerflecke oder Randläsuren, nahezu durchgehend außergewöhnlich frisch und sauber und in allerbester Erhaltung. Da unterschiedliche Papierchargen benutzt wurden, weicht die Schöpflinienbreite teils ab. Besonders bemerkenswert bei dem Druck ist nicht zuletzt die hohe Papierqualität, die bei verhältnismäßig dünnen Blättern dennoch weder bei Text noch Holzschnitten, kaum Durchschlag von den Versoseiten zeigen. Die Holzschnitte sind bis auf ganz wenige Ausnahmen fast durchgehend in kontrastreichem, kraftvollen und scharfem, gratigen Abdruck. Sie bilden bis heute ein interessantes Spektrum der spätmittelalterlichen Lebenswelt - ein nahezu unerschöpfliches Studienmaterial für die zeitgenössische Architektur, die Innenausstattung, das Meublement, die Mode bis hin zu den zahlreichen dargestellten Akzessoirs.

Großartiges Exemplar und das letzte wohl noch im Handel befindliche aus exzellenter Provenienz: Der "Fridolin" stammt aus der Sammlung des Bibliophilen amerikanischer Unternehmers und bedeutendsten Privatbankiers seiner Zeit, John Pierpont Morgan (1837-1913), mit dessen goldgeprägtem Lederexlibris auf dem Vorsatz oben. Auf dem ersten weißen Blatt verso ein umrissbeschnittenes Holzschnitt-Wappen, wohl das Bücherzeichen des Wilhelm von Zell, der um oder nach 1500 nachweisbar ist mit einer Schenkung von Büchern an die Kartause Buxheim. Auf dem Vorsatz unten dann ein weiteres Exlibris der Kunstsammlerin und Mäzenin Renate König (1928-2024).


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