Eilender Mann mit Zeitung
Aquarell auf bräunlichem Velin. Um 1910/12.
Ca. 22,5 x 15,8 cm.
Unten links mit Pinsel in Grau monogrammiert "CR".
Flüchtige, aber pointierte, fast schon karikatureske Pinselzeichnung eines leicht nach vorne gebeugten Mannes, eiligen Schrittes mit Zeitung unter dem Arm. Verso mit dem Fragment einer weiteren Pinselzeichnung, "Pferdekutsche auf Brücke". Bei beiden Zeichnungen handelt es sich um Fragmente aus Rohlfs Münchner Skizzenbuch von 1910/12. Das Blatt mit den exakt passenden anschließenden Fragmenten recto und verso befindet sich heute in der Kunsthalle zu Kiel (vgl. Überwältigend kühn - der ganze Rohlfs in Kiel, Ausst.-Kat. Kunsthalle zu Kiel, Kiel 2012, S. 275, Abb. 319v und 319r) und zeigt auf der Vorderseite als Ergänzung zum eilenden Mann einen Spaziergänger mit Hund, rückseitig ist das Fragment mit dem fehlenden rechten Brückepfeiler zu sehen. Mit einer schriftlichen Echtheitsbestätigung des Christian Rohlfs Archivs, Osthaus Museum, Hagen, vom 21.09.2026. Die Arbeit ist in dem Archiv unter der Nummer CRA 307/26 verzeichnet. Wir danken Dr. Birgit Schulte, Hagen, für freundliche Auskünfte vom 22.09.2026.
Provenienz: Privatbesitz Süddeutschland
"Ruhende"
Radierung und Kaltnadel auf Bütten. 1913.
9,8 x 19,7 cm (24,5 x 28,5 cm).
Signiert "W. Lehmbruck" und betitelt.
Petermann 58 I (von II).
Äußerst seltener Frühdruck des I. Zustandes, noch vor der zarten Binnenmodellierung und den horizontalen Strichlagen im Hinter- und Untergrund. Ausgezeichneter Druck mit kräftigem, überwiegend gleichmäßig dunklem Plattenton und mitdruckender Facette, wohl mit dem vollen Rand, oben und rechts mit dem Schöpfrand.
"Verzweifelnde Mutter"
Kaltnadel auf Van Gelder Zonen-Bütten. 1910.
11,9 x 15,7 cm (24,5 x 30,2 cm).
Signiert "W. Lehmbruck" und betitelt (schwach lesbar).
Petermann 5 I (von III).
Einer von nur sehr wenigen Frühdrucken des I. Zustandes, hier auf Bütten, vor den Binnenschraffuren, den Strichlagen im Hintergrund und der Ausarbeitung des Kinderkörpers. Daneben vermutet Petermann weitere 20 Exemplare auf Japan. Prachtvoller, in der Kaltnadelzeichnung kräftiger Druck mit gleichmäßigem Plattenton und breitem Rand, links und unten mit dem Schöpfrand. Wie alle frühen, signierten Zustandsdrucke Lehmbrucks von großer Seltenheit.
Provenienz: Ehemals Sammlung Richard Jung, rückseitig zweifach mit dem Sammlerstempel (Lugt 3791)
"Schlafende"
Bleistift auf Elepa-Velin. 1944.
29,5 x 22,2 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert „Heckel“, datiert und betitelt.
Diese zarte Portraitzeichnung Siddi Heckels steht in engem Zusammenhang mit der Lithographie "Schlafende" von 1945 (Ebner/Gabelmann 874 L). Die Zeichnung ist im Werkarchiv des Nachlasses Erich Heckel, Hemmenhofen, dokumentiert. Wir danken Renate Ebner, Hemmenhofen, für freundliche Hinweise vom 17.09.2026.
Provenienz: Galerie Rosenbach, Hannover (Ausst. 1978, Kat.-Nr. 44)
Seitdem Privatbesitz Norddeutschland
"Hedi"
Farbholzschnitt in Rot auf weichem Hadern-Bütten. 1905.
14,5 x 9 cm (34 x 20,7 cm).
Signiert "E Heckel" und betitelt.
Ebner/Gabelmann 26 H II.
Noch unter dem Einfluss des Art Nouveau entstandener früher Holzschnitt aus dem Gründungsjahr der Brücke. Kräftiger, farbintensiver Abzug mit dem vollen Rand. Sehr selten. Ebner/Gabelmann führen insgesamt lediglich 9 bekannte Exemplare auf, allesamt Frühdrucke in Rot.
Mädchen
Radierung in Blauschwarz auf festem Velin. 1906/07.
9,9 x 4,9 cm (31,4 x 22,5 cm).
Signiert "E Heckel" und datiert "07" sowie bezeichnet "5 Dr.".
Ebner/Gabelmann 113 R.
Mit wenigen, zügigen Linien in das kleine, schmale Format eingespannter Frauenakt aus den frühen Dresdner Brücke-Jahren, wohl im Winter 1906/07 entstanden. Kräftiger, gratiger Druck mit tief eingeprägter Plattenkante und fein gewischtem Plattenton, mit dem vollen Rand. Äußerst selten, Ebner/Gabelmann ist neben unserem Exemplar lediglich ein weiterer Frühdruck bekannt, dieser nachträglich auf "06" datiert und mit späterer Signatur.
Provenienz: Sammlung Hermann Lange
Ehemals Galerie Kornfeld, Bern, Autkion 17.06.2004, Lot 413
Kirchner, Ernst Ludwig
Zwei Mädchen bei der Toilette
Los 7036
Schätzung
50.000€ (US$ 57,471)
Zwei Mädchen bei der Toilette
Farbige Kreiden auf festem Velin. Um 1909.
Ca. 32,4 x 25,5 cm (Blattränder unregelmäßig).
Verso mit dem Nachlaßstempel (Lugt 1570 b), darin mit Feder in Schwarz handschriftlich bezeichnet "FS Dre/Bi 25".
Prächtige Farbzeichnung, wohl um das Dresdner Brückejahr 1909 entstanden. Mit sicherem, dynamischem Strich setzt Kirchner die Primärfarben Gelb, Blau und Rot sowie Grün nebeneinander und umreißt in schnellen Zügen zwei junge Frauen mit nacktem Oberkörper an einem Waschtisch bei der Toilette. Zwei gleichförmige Fenster verweisen auf die Verortung im Badezimmer und fungieren zugleich als kompositorisches Pendant der beiden sich in Physiognomie, Kleidung und Haltung fast entsprechenden jungen Frauen. Kirchner geht es hier nicht um die präzise Wiedergabe des Gesehenen, sondern um die unmittelbare Erfassung von Bewegung und Augenblick, wie er sie in diesen Jahren insbesondere in seinen Viertelstundenakten erprobte. Neben den schwungvollen Konturen und der kontrastierenden Flächigkeit durch den breiten Farbkreideauftrag lockert Kirchner die Komposition mittig in besonderer Weise mit einem floralen Muster aus kurzen, kräftigen Akzenten in Rot und Gelb auf, sodass sich eine fröhlich-heitere Stimmung ausbreitet, in der unvermittelt der Einfluss des französischen Malers Matisse auf den jungen Kirchner anklingt. Kirchners Zeichnung hat nichts Skizzenhaftes, nichts Vorbereitendes, wenn auch manches in der Kürze der Zeit nur angedeutet wird, sondern sie ist als eigenständiger künstlerischer Ausdruck des Moments zu verstehen.
Provenienz: Fischer Kunsthandel & Editionen, Berlin
Seitdem Privatbesitz Berlin
Ausstellung: Ernst Ludwig Kirchner. Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle, Fischer Kunsthandel & Editionen, Berlin 2015, mit farb. Abb. (unpag.)
David Müller
Holzschnitt auf gelblichem Velinkarton. 1919/20.
34 x 29,6 cm (48 x 40 cm).
Mit dem Signaturstempel "EL Kirchner".
Gercken 1094 IV B 2, Dube 409 II B, Söhn HdO 105-6.
Kirchners kleinteilige, splittrige Schnittführung im Holzschnitt "David Müller" formt ein differenziertes Bild des langgestreckten Männerkopfes mit der Kappe. Figur und Hintergrund sind mit Hilfe der zumeist linearen Strukturen komplex miteinander verzahnt. Die feinen Linien schnitt Kirchner mit dem Geißfuß. David Müller war der dritte Sohn der Eigentümer der Hofgruppe "In den Lärchen" in Frauenkirch. "Kirchner war die Darstellung so wichtig, dass er sie 1921, aufgefordert sich an den Bauhaus-Mappen zu beteiligen, in einer Auflage von 110 hierfür zur Verfügung stellte." (staatsgalerie.de, Zugriff 23.09.2024). Exemplar aus der Auflage mit dem Monogramm im Druckstock, gedruckt für Bauhaus Drucke, Neue Europäische Graphik, 5. Mappe: Deutsche Künstler, Weimar 1921. Es muss sich um einen der nach 1920 entstandenen Drucke handeln, da erst ab diesem Jahr Kirchners Signaturstempel Verwendung fand. Ausgezeichneter Druck mit breitem Rand.
Segelboot auf dem Müggelsee
Kohle auf dünnem Velin. Um 1912.
19,8 x 15,3 cm.
Unten mittig mit Kohlestift (später) signiert "ELKirchner", verso mit dem Karlsruher Nachlaßstempel "E.L. KIRCHNER NACHLASSDRUCK" (Lugt 15470 d).
Kirchner skizziert hier eine Szene am Berliner Müggelsee: Im Vordergrund sind zwei Badende zwischen kleineren Büschen zu sehen, rechts führt ein Steg ins Wasser, auf dem ein Segelboot liegt. Im Hintergrund erstrecken sich die Müggelberge. Zur genaueren Verortung hat Kirchner bei seinen Ansichten vom Müggelsee häufig auch den Müggelturm dargestellt, auf den er in dieser flüchtigen Skizze jedoch verzichtet. Das kleine Blatt wirkt wie ein Ausschnitt aus einer größeren Komposition. Die Signatur wurde offenbar erst mit zeitlichem Abstand auf das Papier gesetzt. Der Karlsruher Nachlaßstempel lässt zudem vermuten, dass das Blatt im Zuge der Nachlaßregelung zunächst an die Kunsthalle Karlsruhe gelangte.
Provenienz: Schops-Turowski, Krefeld, Auktion 19.11.2022, Lot 361 (dort als Lithographie beschrieben)
Privatsammlung Rheinland
Pechstein, Hermann Max
Fischerboote an der Kurischen Nehrung
Los 7039
Schätzung
12.000€ (US$ 13,793)
Fischerboote an der Kurischen Nehrung
Farbige Fettkreiden auf dünnem Schreibpapier (verso mit Aufdruck "Kaiserl. Postamt, Aurich"). 1911.
16,6 x 20,3 cm.
Oben rechts mit Bleistift monogrammiert "HMP" (ligiert) und datiert.
Die Kreidezeichnung entstand während Pechsteins zweiter Reise nach Nidden an der Kurischen Nehrung. Nur wenige Jahre zuvor hatte der Brücke-Künstler den kleinen Fischerort als Refugium für sich entdeckt und verbrachte dort von 1908 bis 1912 die Sommermonate, um der Großstadt zu entfliehen und im Einklang mit der Natur sowie im Rhythmus des Alltags der ansässigen Fischer zu leben. Fortan malte und zeichnete Pechstein unermüdlich das Meer, die Dünen, die Wellen und die Gischt, die Sonne und den Sturm - vor allem aber die Fischer in ihrer täglichen Umgebung sowie ruhende Kähne und Kutter mit ihren steilen Masten. Skizzenhaft, fast schon an der Grenze zur Abstraktion, öffnet Pechstein den Blick von einer Anhöhe über die Holzdächer der Fischerhütten hinaus auf das offene Meer bis zum Horizont und setzt mit sicherem Gespür teils großflächige farbige Akzente in Orange, Blau und Grün. Alles verweist auf den nahenden Herbst: Kräftige schwarze Schraffuren markieren die raue See, während weiße Kreidestriche die Schaumkronen der Wellen imitieren. Zusammen mit den komplementären Kontrasten entsteht so eine leidenschaftlich-expressive Dynamik und lebendige Harmonie. Eine schriftliche Echtheitsbestätigung von Alexander Pechstein, Dobersdorf, vom 08.12.2017, liegt in Kopie vor.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
Doyle, New York, Auktion 15.11.2017, Lot 11
Privatsammlung Rheinland
Ausstellung: Der junge Pechstein, Hochschule für Bildende Künste in Gemeinschaft mit der Nationalgalerie der ehemals Staatlichen Museen Berlin-Charlottenburg, Ausst.-Kat. Berlin 1959, Kat.-Nr.123
Erlegung des Festbratens
Kolorierter Holzschnitt auf bräunlichem Zeitungspapier. 1911.
22,5 x 26 cm (49,5 x 32,3 cm).
Signiert "Pechstein" und datiert. Auflage 100 Ex.
Krüger H 131.
Pechsteins Holzschnitt wurde benutzt für die Titelseite der Zeitschrift "Der Sturm", Nr. 93, Januar 1912. Die 100 Exemplare der Vorzugsausgabe dieser Auflage wurden alle vom Künstler in Rot, Grün und Gelb koloriert, signiert und numeriert (hier die Nummer fehlend). Prachtvoller, stellenweise etwas trockener Druck mit lebhafter Kolorierung.
Dirne
Kaltnadel, Vernis mou und Aquatinta auf dickem Hadernbütten. 1908.
15,7 x 9,1 cm (18,9/20,1 x 12,1/12,8 cm).
Krüger R 30.
Neben der großen Natursehnsucht gehörte die moderne Großstadt zu den bevorzugten Themen aller Expressionisten: Bordelle, Café-, Varieté- und Zirkusszenen. Als erster seiner Brücke-Kollegen tauchte Pechstein 1908 in das Berliner Großstadtleben ein, angeregt von vorherigen Aufenthalten in Italien und Paris. Noch wirkt die Darstellung der Dirne etwas befangen und hölzern, was dem großen Hut, den sie auf dem Kopf balanciert, geschuldet sein mag. Das Gesicht nur vage angedeutet, legt Pechstein sein Augenmerk auf den weiblichen Körper bis zum Rand der aufreizenden Strümpfe. Die höchst seltene Graphik in einem prächtigen, in den Grauabstufungen der Flächenätzung nuancierten Druck, wohl mit dem vollen Rand. Krüger bildet im Werkverzeichnis ein weiteres Exemplar ab, seit dem Jahr 2000 kein Abzug mehr in internationalen Auktionen nachweisbar.
Provenienz: Ehemals Sammlung Heinrich Neuerburg, unten links mit dem Blindstempel (Lugt 1344a)
Weiblicher Kopf
Kreide- und Pinsellithographie auf genarbtem SLG-Bütten. 1914.
28 x 21 cm (51 x 33,5 cm).
Signiert "S.Rottluff", datiert und mit der Werknummer "1417".
Schapire L 91.
Das stark stilisierte, nach dem Vorbild afrikanischer Masken gestaltete Portrait in einem prachtvollen, differenzierten Abzug, mit feinzeichnender Steinkante, mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.
Provenienz: Ehemals Sammlung Wilhelm Niemeyer
Drei Mädchen vor dem Spiegel
Lithographie auf weichem Japan. Um 1922.
35,1 x 25,5 cm (48,3 x 36 cm).
Signiert "Otto Mueller". Auflage 50 num. Ex.
Karsch 124.
Karsch bezeichnet das Papier als Bütten. Der Verleger der Lithographie konnte Karsch zufolge noch nicht festgestellt werden. "Manche der Lithographien Muellers wirken wie Stenogramme - und dabei sind sie doch keine mageren Reduktionen, sondern sie haben auch in der Kurzschrift ihre Ausdrucksfülle, den ganzen Reichtum graphischer Feinheit bewahrt." (Lothar-Günther Buchheim, Otto Mueller, Leben und Werk, Feldafing 1963, S.174). Prachtvoller, herrlich klarer Druck mit dem vollen Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
Akt ("Akt auf dem Divan")
Holzschnitt auf China. 1914/15.
22,3 x 18,5 cm (27 x 19 cm, Passepartoutausschnitt).
Signiert "C. Felixmüller", datiert "1914" und betitelt.
Söhn 80 a (von b).
Einer von lediglich fünf bei Söhn notierten Handabzügen, vor dem Auflagendruck im Sonderheft "Felix Müller Dresden" der Zeitschrift "Die Aktion", Heft 7/8, 1917. Söhn datiert den Holzschnitt auf 1915. Ganz prachtvoller Handabzug mit kleinem Rand. Rarissimum, im internationalen Auktionshandel ist kein weiteres Exemplar nachweisbar.
Holzschnitte
22 (4 farbige) Holzschnitte auf handgeschöpftem Büttenpapier mit Wasserzeichen "GB 1980" bzw. Symbolen Christuskopf und Hand mit Ärmelansatz sowie 5 Doppelbl. Titel, Text nach Franz Marc, Inhaltsverzeichnis und Impressum. Lose in Orig.-Halbleinenkassette. 1911/12 bzw. 1984.
6 x 7,8 cm bis 26,4 x 29,8 cm (40 x 52,7 bzw. 52,7 x 40 cm).
Einzeln mit Bleistift numeriert. Auflage 30 num. Ex.
Lankheit 825-846 (jeweils letzter Zustand nach allen Auflagen).
Posthume Neuauflage sämtlicher Holzschnitte von Franz Marc aus den Jahren 1911/1912-14, in teils 2. bzw. 3. von Jansen beschriebener Edition als Handabzüge von den originalen Holzstöcken, in dieser Edition erstmals in einer Mappe zusammengefasst. Neben 2 römisch numerierten Exemplaren in einer limitierten Auflage von 30 arabisch numerierten Exemplaren erschienen. Herausgegeben vom Nachlaßverwalter Otto Stangl, München, Juni 1984, in der Mitte jeweils mit dessen Trockenstempel "Handdruck/vom Originalholzstock/bestätigt/Otto Stangl". Druck Gerhard Köhler, Baden-Baden.
Das Märchen
Holzschnitt auf feinem Japanbütten. 1917.
22 x 22 cm (45 x 38,2 cm).
Signiert " Campendonk" und datiert.
Engels/Söhn 23.
Ganz ausgezeichneter, intensiver Druck mit dem vollen, sehr breiten Rand. Laut Engels/Söhn existieren lediglich 15 Handdrucke dieses sehr seltenen Holzschnitts.
Spaziergänger
Holzschnitt auf hauchdünnem Japanbütten. 1918.
37 x 29,5 cm (48,3 x 34 cm).
Signiert "Lyonel Feininger". Auflage 100 Ex.
Prasse W 113, Söhn HdO 101-2.
Blatt 2 der Ersten Bauhausmappe: Bauhaus Drucke. Neue europäische Graphik. Erste Mappe. Meister des Staatlichen Bauhauses in Weimar, Verlag Müller & Co., Potsdam 1921. Unten links mit dem Blindstempel des Bauhauses (Lugt 2558b). Schemenhaft wie Gespenster erscheinen die Figuren in der kristallinen, in kleine Splitter zerfallenden und kontrastreichen Komposition, die auf Feiningers Anfänge als Karikaturist verweist. Gedruckt in der Druckerei des Staatlichen Bauhauses. Die Gesamtauflage betrug 130 Exemplare. Prachtvoller, tiefdunkler Handdruck mit der wunderbar sichtbaren Struktur des Holzstockes und mit Rand.
Leuchtturm
Holzschnitt auf hauchdünnem Japan. 1933.
6,1 x 6,8 cm (12,9 x 15 cm).
Signiert "Lyonel Feininger" sowie mit der Werknummer "3307".
Prasse W 278 III (von IV).
Vor der Löschung der zweiten Horizontlinie und den Ausbrüchen. Ausgezeichneter, teils minimal trockener Druck mit breitem, teils etwas unregelmäßig geschnittenem bzw. gerissenem Rand.
Parklandschaft
Farbkreiden auf graubraunem Velin. 1920.
38,3 x 33 cm.
Nicht bei Drenker-Nagels/Malcomess.
In leuchtender, sommerlicher Farbigkeit und kantig-geschwungenen Formen zeichnet Nauen hier eine Partie aus dem Park von Schloss Dilborn bei Brüggen, wo der Künstler von 1911 bis 1931 gemeinsam mit seiner Frau seine glücklichsten und künstlerisch ertragreichsten Jahre verbrachte. Immer wieder fand er hier neue Motive mit häufig ausgesprochen lebensbejahender Ausstrahlung. Seit 1911 widmete sich Nauen in seiner Landschaftsmalerei sogar "ausschließlich dem Park und der weiten Landschaft um Schloss Dilborn, die ihm mit ihren Bäumen und Büschen, glitzernden Teichen, den Blumen und Blüten eine Fülle verschiedenartigster Motive bot." (Klara Drenker-Nagels, Heinrich Nauen, Köln 1996, S. 62). Die dort entstandenen Werke sind eindrucksvolle Beispiele für den farbenprächtigen Expressionismus Nauens, der sich hier bereits in der deutlich härteren und kantigeren Formensprache seines späten expressionistischen Stils zeigt. 1918 war Nauen schwer erschüttert aus dem Ersten Weltkrieg heimgekehrt. Seit 1921 lehrte er an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1937 wurden einige seiner Bilder in der Ausstellung "Entartete Kunst" in München präsentiert, zudem verlor Nauen sein Lehramt an der Düsseldorfer Kunstakademie.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland
Badende Frauen in Landschaft
Farbmonotypie auf dünnem Velin, auf Unterlagepapier aufgelegt. Wohl um 1915.
47,3 x 33,5 cm (48,3 x 34 cm).
Signiert "Melzer".
Nicht bei Leistner.
Melzers expressive Bildsprache vereint naiv poetische Elemente, die an Arbeiten des Blauen Reiters denken lassen, mit konstruktivistischen und kubistischen Einflüssen. Als Mitbegründer der Novembergruppe widmete er sich mit Raffinesse der Technik der Monotypie. Er kam durch die Bekanntschaft mit dem Maler und Graphiker Georg Tappert mit dem farbigen Linoleumschnitt in Berührung, den er selbst als "indirektes Malverfahren" bezeichnete. Melzer malte mit Ölfarbe auf den Grund der Platte, die dann meist auf Japanpapier übertragen wurde. Ganz prachtvoller Druck mit kleinem Rändchen.
Waldlandschaft mit Spaziergängern
Aquarell auf Aquarellkarton. 1926.
33,7 x 24,7 cm.
Unten rechts mit Feder in Grün monogrammiert "P.G." und datiert, verso dreifach gestempelt "Grunwaldt".
Prismenartig strahlt das Sonnenlicht wie ein Scheinwerferkegel durch die hochgewachsenen Bäume und beleuchtet ein junges Paar auf einer Lichtung mit Blick auf den See. Als Mitglied der Novembergruppe war Paul Grunwaldt in den 1920er Jahren mit den verschiedensten Kunstströmungen und Stilrichtungen vertraut und formte aus den unterschiedlichsten Elementen des Kubismus, des Expressionismus und der Neuen Sachlichkeit seine eigene, idyllische Bildwelt. Die hier vorliegende, von Farbflächen und vereinfachten Formen geprägte Waldlandschaft reiht sich in eine Gruppe ähnlicher Motive aus den 1920er Jahren ein. Verso mit Fragmenten eines weiteren Aquarells "Blüten". Frühe Arbeiten von Paul Grundwaldt aus der Zeit der Novembergruppe sind auf dem Kunstmarkt sehr selten.
"Alt Reddevitz"
Aquarell auf genarbtem Aquarellpapier. 1921.
26,2 x 35 cm.
Unten rechts mit Feder in Braun monogrammiert "P.G." und datiert, darunter mit Pinsel in Braunrot betitelt und unleserlich bezeichnet, verso zweifach mit dem Adreßstempel des Künstlers, mit Feder in Schwarz numeriert "No 20" und mit Bleistift von fremder Hand bezeichnet.
Die von flächig-prismatischen Formen und leuchtenden Farben geprägte Küstenlandschaft zeigt im Mittelpunkt einen einsamen, dunkel silhouettierten Fischer, der sich farblich in die ihn umgebende Natur einfügt. Über ihm bricht das Sonnenlicht in breiten, keilförmigen Streifen durch die Wolken und verleiht der Szenerie eine eigentümlich entrückte Atmosphäre. Die Tendenz zu einer flächigen, stark farbigen und vereinfachten Landschaftsauffassung zeigt sich auch in weiteren Aquarellen des Künstlers aus diesen Jahren und verweist auf Grunwaldts Auseinandersetzung mit den avantgardistischen Tendenzen des Berliner Kunstlebens der frühen 1920er Jahre.
Böckstiegel, Peter August
Bergkirchen am Steinhuder Meer
Los 7053
Schätzung
7.000€ (US$ 8,046)
Bergkirchen am Steinhuder Meer
Aquarell und Tuschpinsel auf Aquarellpapier. 1924.
54,5 x 75 cm.
Oben mittig mit Pinsel in Schwarz signiert "P.A. Böckstiegel".
Wedel A 251.
Tiere spazieren frei und ungezwungen durch das Dorf, da und dort geht ein Mensch, Bäume spenden mit ihren buschigen Kronen Schatten. Der lockeren Bewegtheit des Motivs entspricht Böckstiegels zeichnerische Umsetzung der ländlichen Szenerie: Schwingende klar-schwarze Konturlinien umfassen die großzügig aquarellierten Farbzonen und stehen in effektvollem Kontrast zum Glühen der rot-orangen Tonwerte. Der westfälische Expressionist erfüllt das Bild seiner Heimat mit einer arkadischen Heiterkeit, einem von Vertrautheit getragenen, fast übersinnlichen Leuchten. "Gerade seine Aquarelle beweisen die stete Suche nach Adäquatheit von Form und Inhalt. (...) Der Künstler fügt naturwahre, scharf charakterisierende Wiedergabe der äußeren, sichtbaren Wirklichkeit in der Zeichnung mit expressiv überhöhter Farbgebung als Visualisierung empfundener, innerer Wahrheit zusammen." (Ernst W. Uthemann, in: P. A. Böckstiegel, Ausst.-Kat. Münster 1989, S. 52f.).
Provenienz: Hauswedell & Nolte, Hamburg, Auktion 325, 24.05.1997, Lot 775
Privatbesitz Berlin
Weide XXVIIB ("Weide")
Farbholzschnitt in Schwarz, Rot und Grau auf feinem Japanbütten. 1928.
20,3 x 26,4 cm (30 x 40 cm).
Signiert "Ewald Mataré" und betitelt. Auflage 25 Ex.
Mataré/de Werd 157.1 (von 2).
Fasziniert von der Würde und Ruhe der Rinder auf der Weide, widmete sich Mataré diesem Motiv in den Jahren seiner Sommeraufenthalte auf Römö in Dänemark. Die Auflage von insgesamt 125 Exemplaren erschien in: Die Schaffenden, VII. Jahrgang, 2. Mappe. Prachtvoller Druck der Vorzugsausgabe auf Japanbütten, mit sehr breitem Rand.
Studie zu "Drei Weiber"
Zimmermannsbleistift auf gelblichem Transparentpapier. Um 1924-26.
Ca. 34 x 18,5 cm.
Unten rechts mit Zimmermannsbleistift signiert "DIX".
Lorenz NSK 7.1.30.
Es brauchte eine ganze Reihe von flüchtigen Skizzen und Studien, bis er sich der endgültigen Bildidee und Komposition seines Gemäldes "Drei Weiber" (Löffler 1926/1) von 1926 näherte, einem Gemälde, das Otto Dix nur einmal zu seinen Lebzeiten ausstellte. Zu sehr scheute er sich vor einem weiteren Prozess wegen "Unzüchtigkeit". Drei Prostituierte der unterschiedlichsten Typen verkörpern zugleich sexuelles Begehren und Vergänglichkeit, symbolisiert durch die drei Lebensalter. Die hier vorliegende Bewegungsstudie weicht noch entschieden von der finalen Konzeption ab und beschränkt sich zunächst auf zwei Figuren in einem üppig ausstaffierten Interieur. Die Zeichnung ist Dr. Ulrike Lorenz bekannt und wird im Werkverzeichnis unter der Nummer "Lorenz NSK 7.1.30" geführt.
Provenienz: Sotheby's, Mailand, Online-Auktion 18.02.2020, Lot 46
Privatbesitz Rheinland
Wolff, Gustav Heinrich
La grosse Juliette (Kokotte auf dem Sessel vor dem Ofen)
Los 7056 [*]
Schätzung
2.400€ (US$ 2,759)
"La grosse Juliette" (Kokotte auf dem Sessel vor dem Ofen)
Gouache, Feder in Schwarz und Bleistift auf Karton. 1910.
29 x 31 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarzbraun monogrammiert "GHW" und datiert, verso oben mit Bleistift betitelt und bezeichnet "No. 7, vgl. Ölgemälde bei Frau Lüders" sowie mit Annotationen.
Paris, die Stadt der Liebe, inspiriert den jungen Künstler Gustav Heinrich Wolff zu einer sinnlichen Darstellung der Kokotte Juliette. Lebenserfahren, gelassen und bei aller körperlichen Sinnlichkeit vor allem in natürlicher Pose sitzt sie am wärmenden Ofen, den Blick etwas müde nach links gerichtet. Die Üppigkeit ihrer zart konturierten Erscheinung verstärkt der luxuriös ornamentierte Sessel, dessen Rot sich in den Frauenlippen und dem zarten Hauch auf ihren Wangen wiederfindet. Von 1900 bis 1905 lebte Wolff in Rom, wo er in der Bildhauerwerkstatt von Arthur Volkmann arbeitete, und unternahm anschließend Studienreisen nach Russland und auf den Balkan. Ab dem Jahr 1908 begann er, nun in Paris, sich der Malerei zu widmen. Während dieser Zeit entstand die vorliegende Zeichnung. Wolff "verdankte seinen tragfähigen Sammlerkreis in erster Linie seinem Freund und Mäzen Max Sauerlandt, dem Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Jener sammelte nicht nur privat Arbeiten von Wolff, sondern richtete für ihn eine Einzelausstellung in seinem Museum aus (...)" (galerie20.smb.museum, Zugriff 28.07.2026).
Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Norddeutschland
Beckmann, Max
Selbstbildnis von vorn, im Hintergrund Hausgiebel
Los 7057
Schätzung
8.000€ (US$ 9,195)
Selbstbildnis von vorn, im Hintergrund Hausgiebel
Kaltnadel auf Velin. 1918.
30,9 x 25,8 cm (53,6 x 37,7 cm).
Unten rechts mit Bleistift signiert "Beckmann". Auflage 30 num. Ex.
Hofmaier 125 II B b.
In der langen Reihe von Selbstbildnissen Beckmanns ist dieses sicherlich das psychologisch eindringlichste: In frontaler Haltung als Schulterstück dem Betrachter direkt zugewandt, seine Stirn in Falten gelegt, ist Beckmanns Blick eindringlich, streng, beinahe verbittert. Es scheint, als konfrontiere Beckmann den Betrachter mit den Erfahrungen und Ängsten, die der Krieg in ihm hinterlassen hat. Zugleich vermitteln sein fest geschlossener Mund und seine Haltung Entschlossenheit und Selbstbehauptung. Das geöffnete Fenster und der wehende Vorhang im Hintergrund verstärken die spannungsvolle Wirkung des Bildes. Prachtvoller, feiner Druck mit samtigem Grat und dem vollen Rand, an zwei Seiten mit dem Schöpfrand.
Provenienz: Privatsammlung Berlin
Schlangendame
Kaltnadel auf Velin. 1921.
29,1 x 25,6 cm (52 x 38,3 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 125 Ex.
Hofmaier 200 B b (von C b).
Erschienen als Blatt 10 der Folge "Jahrmarkt", herausgegeben vom Verlag der Marées Gesellschaft, München 1922, mit dem Blindstempel unten rechts. Eines von 125 Exemplaren auf Velin neben weiteren 75 auf Japan. Prachtvoller, kräftiger Druck mit dem vollen Rand.
Kleines tanzendes Paar
Holzschnitt auf blass hellrosa Similijapan. 1923.
17 x 9,9 cm (32,5 x 25 cm).
Signiert "Beckmann".
Hofmaier 267 B b.
Einer der bei Hofmaier erwähnten Drucke auf etwas größerem Bogen Similijapan, neben der Auflage von 180 Exemplaren, erschienen in der Vorzugsausgabe von Curt Glaser, Julius Meier-Graefe, Wilhelm Fraenger und Wilhelm Hausenstein, M. Beckmann, München 1924 (nach S. 44). Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, links und unten mit dem Schöpfrand.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge
Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr
Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com
Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge