Stehende Frau
Bronze mit dunkelbrauner Patina, auf schwarzen Steinsockel montiert. Ca. 1905.
Ca. 45,5 x 18 x 15 cm.
Hinten über dem Stand signiert "Carl Milles“ sowie mit dem Gießerstempel "H. Bergman Cire perdue".
Carl Milles zählt zu den bedeutendsten Bildhauern Schwedens und erlangte mit seinen monumentalen Skulpturen und Springbrunnen internationale Bekanntheit. Im Studium an der Pariser École des Beaux-Arts empfing er Einflüsse von Auguste Rodin. Er erhielt zahlreiche Aufträge in Europa und den USA, wo er ab 1931 in Detroit lebte. 1951 kehrte er nach Schweden zurück und lebte im sogenannten Millesgården bei Stockholm, das noch heute ein Kunstmuseum und Skulpturenpark ist. Seine Bronzen wie unsere Stehende Frau mit Huhn auf dem Arm ließ er in der ältesten Kunstgießerei Skandinaviens, der Herman Bergman Konstgjuteri AB in Stockholm, gießen. Prachtvoller Guss mit warmtoniger Patina. Gesamthöhe mit Sockel: ca. 51 cm.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Toulouse-Lautrec, Henri de
Mademoiselle Marcelle Lender, en Buste
Los 7001
Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)
Mademoiselle Marcelle Lender, en Buste
Farblithographie auf Velin. 1895.
32,4 x 24,2 cm (36,8 x 27,8 cm).
Adriani 115 IV b, Wittrock 99, Delteil 102 III, Adhémar 131 III.
Im spanischen Phantasiekostüm nimmt die französische Schauspielerin Anne-Marie Bastien, genannt Marcelle Lender (1862-1926), die Ovationen ihres Publikums entgegen. Eine Ikone des Jugendstils und eine der prominentesten Lithographien des Künstlers, erschienen in Pan I, Heft 3, 1895, in einer Gesamtauflage von 1211 Exemplaren, mit der typographischen Schrift unten links. Prachtvoller Druck mit schmalem Rand.
Redon, Odilon
Selon toute apparence, c'était une main de chair et de sang comme la mienne
Los 7002
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Selon toute apparence, c'était une main de chair et de sang comme la mienne
Lithographie auf festem Velin. 1896.
24,4 x 17,8 cm (44,7 x 31,3 cm).
Auflage 60 Ex.
Mellerio 164.
Mit seiner spirituell-geheimnisvollen Aura steht das Blatt exemplarisch für Redons Sujets der 1890er Jahre. Tafel 4 der 6-teiligen Folge von freien Illustrationen und Visualisierungen Redons zu "La Maison Hantée", der Geistergeschichte des britischen Autors Edward Bulwer-Lytton. Herausgegeben von René Philipon, Druck Clot, Paris, mit dem gedruckten Titel unten links. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.
Silberschale mit Pfingstrosen
Öl auf Leinwand.
60 x 75 cm.
Unten links mit Pinsel in Violett signiert "George Mosson", verso auf dem Keilrahmen mit einem alten Atelier- oder Ausstellungsetikett, dort bezeichnet und mit der Werknummer "2164".
Ein Bild der Üppigkeit: Voll aufgeblühte Pfingstrosen, kurz geschnitten und als rosa-weiß schimmernde Blütenwolke in einer glänzend polierten flachen Silberschale arrangiert. Mit lockerem Duktus modelliert Mosson die pastos aufgetragenen Farben und verleiht der Oberfläche eine reliefhafte Lebendigkeit. "Vor allem die Blumenstillleben hatten Mosson am Anfang des Jahrhunderts bekannt gemacht: 'Welche neuen Farbensensationen […] durch diese auf den Reiz als solchen sich zurückziehende, impressionistische Kunst in reinen Stilleben gewonnen wurden, kennt man aus den farbigüppigen Blumenstücken Mossons'" (Richard Hamann, Die deutsche Malerei im 19. Jahrhundert, Leipzig/Berlin 1914, S. 302, zit. n. smb.museum, Zugriff 11.09.2026). George Mosson erhielt seine Ausbildung an der Berliner Akademie bei Carl Steffeck und Hermann Freese. Er gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Vereinigung der XI und der Berliner Sezession, die sich gegen die deutsche Akademiekunst wandte. Im Jahr 1914 schloss er sich der Freien Berliner Sezession an.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland-Pfalz
Blumenstrauß in weißer Vase
Öl auf Leinwand.
82 x 74 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Braunviolett signiert "George Mosson".
Mit geschwungenem, lockerem Duktus führt der Künstler die Farbflecken der Blütenköpfe als Gestaltungselement im Hintergrund fort und verstärkt damit die lebendige Ausstrahlung des in leuchtenden Farbakkorden strahlenden Stillebens. Mosson, einer der wenigen aus Frankreich stammenden Berliner Maler, war lange Jahre regelmäßig auf den Berliner Akademieausstellungen vertreten, vor allem mit Portraits, während er in großbürgerlichen Kreisen, impressionistische Tendenzen zurückhaltend aufnehmend, vornehmlich als Maler von Blumenstilleben gefragt war (vgl. Berlin-Brandenburgisches Künstlerlexikon, kl-bb.de, Zugriff 22.09.2026). Mit seinen Arbeiten war er in der Nationalgalerie Berlin vertreten, sie wurden jedoch nach 1939 aus der Ausstellung entfernt: "Die Bilder von George Mosson (Mosessohn), als Sohn eines deutsch-jüdischen, in England aufgewachsenen Vaters geboren, schienen dem Kultusministerium nun nicht mehr ausstellbar." (Angelika Wesenberg, museum-digital.de, Zugriff 22.09.2026).
Provenienz: Privatbesitz Rheinland-Pfalz
Straßenszene
Pastell auf grauem Velin. 1913.
24,8 x 32 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz signiert "Orlik" und datiert sowie (schwer lesbar) bezeichnet.
Die lebendige Straßenszene fängt in heller Tonalität die turbulente Menschenmenge und die heitere Stimmung des Ortes ein. Wohl auf einer seiner Reisen zeichnete Orlik die fernöstlich wirkende Szenerie.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland
"Capri"
Aquarell auf Velin. 1927.
38 x 51,4 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "K. Gorbatoff" und datiert, verso auf dem Schutzkarton mit Bleistift signiert "Gorbatoff", datiert und betitelt.
In leichten, transparenten Farben schildert Gorbatoff seine Ansicht von Capri. Dicht gestaffelte Häuser säumen die ansteigende Straße, während sich im Hintergrund die markanten Felsformationen der Insel erheben. Einzelne Figuren beleben die Szenerie. Die lockere Pinselführung und das Wechselspiel von Licht und Farbe verleihen der Darstellung eine heitere, südliche Atmosphäre. Capri nahm im Werk Gorbatoffs einen besonderen Stellenwert ein. Bereits 1912 kam der Künstler mit einem Stipendium erstmals auf die Insel und kehrte auch später immer wieder dorthin zurück. Nach seiner Emigration aus Russland ließ er sich 1926 in Berlin nieder. Italien und insbesondere Capri blieben bevorzugte Motive seiner Malerei. Das vorliegende Aquarell ist ein schönes Beispiel seiner zahlreichen Darstellungen der Insel und verbindet die charakteristische mediterrane Architektur mit der eindrucksvollen Landschaft Capris. Wir danken Olga Roth-Sugrobova, Düsseldorf, für freundliche Hinweise vom 01.10.2026.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Liebermann, Max
Skizze zweier Frauen auf einem Sofa sitzend; Entwurfsskizze zu Theodor Fontanes "Effi Briest"
Los 7007
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Skizze zweier Frauen auf einem Sofa sitzend; Entwurfsskizze zu Theodor Fontanes "Effi Briest"
2 Zeichnungen, recto/verso. Bleistift auf dünnem Velin.
18,2 x 14,3 cm.
Entwurfsskizzen zu verschiedenen Bildfindungen eines sitzenden Paares von Max Liebermann auf einem Blatt vereint. Vorderseitig der Entwurf zu einem Doppelbildnis zweier Frauen auf einem Sofa, rückseitig verschiedene Entwürfe zu Effi Briest und der Anordnung von Effi und ihrem Vater auf der Terrasse in Hohen-Cremmen (vgl. Achenbach L 135). Dr. Margreet Nouwen, Berlin, hat die Zeichnungen am 30.09.2022 mündlich bestätigt.
Provenienz: Ehemals Kunstkreis Berlin
Bassenge, Berlin, Auktion 122, 02.12.2023, Lot 8022
Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Liebermann, Max
Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern
Los 7008
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern
Kaltnadel auf Velinkarton. 1924.
17,5 x 24 cm (36 x 46 cm).
Signiert "MLiebermann" und bezeichnet "II/I".
Achenbach 87.
Achenbach unbekannter Zustandsdruck, vor der Auflage von 100 numerierten Exemplaren, erschienen im Verlag von Bruno Cassirer, Berlin. Das Blatt entspricht bis ins Detail motivisch weitgehend Liebermanns Gemälde "Allee im Tiergarten mit Reitern und Spaziergängern", 1923 (Eberle 1923/48). Ganz prachtvoller, kontrastreicher und gratiger Druck mit schön zeichnender Facette und mit breitem Rand. Selten.
Sieben Radierungen
7 Radierungen (davon 6 ganzseitig auf Van Gelder Zonen-Bütten und 1 auf gewalztem China), 23 S. mit Titel, Text und Impressum auf Velin. In Orig.-Pergamentband mit lithographiertem Vorderdeckel. 1909.
47,7 x 37 cm (Buchgröße).
Die Radierungen jeweils signiert "MLiebermann". Auflage 30 Ex.
Exemplar der signierten Vorzugsausgabe, hier ohne die beigegebene Folge von elf Lichtdrucken. Erschienen in einer Gesamtauflage von 230 Exemplaren, mit Text von Oscar Bie, im Verlag von Bruno Cassirer und Julius Bard, Berlin 1909. Enthält die Motive "Netzflickerinnen", "Rindermarkt in Leiden", "Simson und Delila", "Badende Knaben", "Die Judenstraße in Amsterdam", "Dorfstrasse" und "Nackter Reiter am Strande" (Schiefler 33 III b, 51 c, 55 b, 56 b, 57 b, 78 II b und 79 II). Durchweg hervorragende, kräftige, stellenweise herrlich gratige Drucke mit zartem Plattenton und dem vollen Rand.
Provenienz: Privatbesitz Frankreich
Das Konzert
Kaltnadel auf festem Kupferdruckpapier. 1922.
23,5 x 31 cm (36,3 x 46,8 cm).
Signiert "MLiebermann" und bezeichnet "II/2".
Schiefler 344 II (von III d).
Einer von nur zwei bei Schiefler erwähnten Abzügen des zweiten Zustandes, bereits mit den Schattenpartien in den Vordergrundfiguren und der deutlich sichtbaren Figur des Dirigenten, mit den noch gut erkennbaren horizontal gerichteten Strichen über dem Parterre und dem Orchester, vor der Überarbeitung des Dirigentenkopfes und der Karyatide. Liebermanns Zustandsdrucke veranschaulichen exemplarisch den Arbeitsprozess des Künstlers. Prachtvoller, tiefdunkler, gratiger und in den Schwärzen samtiger Abzug mit tief eingeprägter Facette und mit breitem Rand. Sehr selten.
Corinth, Lovis
Bühnenskizzen für Eugene O'Neills Kaiser Jones
Los 7011
Schätzung
1.500€ (US$ 1,724)
Bühnenentwürfe für Eugene O'Neills Kaiser Jones
5 Gouachen über Bleistift auf Velin, gemeinsam auf Untersatzkarton montiert. 1923.
Eine 5,8 x 6,8, sowie vier je ca. 6 x 8,5 cm (der Untersatz 26,5 x 23,3 cm).
Auf dem Untersatzkarton mit Pinsel in Rotbraun signiert "Lovis Corinth" und datiert sowie unten von fremder Hand mit Feder in Schwarz bezeichnet "Bühnenskizzen zu O'Neill, Kaiser Jones" und oben erneut datiert und mit Ortsbezeichnung "Nov. 1923 / Berlin".
Die Bühnenentwürfe belegen die frühe Beschäftigung Corinths mit der Inszenierung der deutschen Uraufführung von Eugene O'Neills Theaterstück Emperor Jones im Lustspielhaus Berlin mit Oscar Homolka in der Hauptrolle. Möglicherweise hatte Berthold Viertel, der Regisseur des Stückes, zunächst Lovis Corinth mit der Gestaltung des Bühnenbilds des Stückes beauftragt, sich aber später für Friedrich Kiesler als Bühnenbildner entschieden, weil ihm Corinths Entwürfe zu konventionell erschienen. Kiesler schuf schließlich ein völlig neuartiges und für die Geschichte der Bühnengestaltung bahnbrechendes konstruktivistisches Konzept. Die vorliegenden Skizzen präsentieren dagegen Corinths frühes expressiv-malerisches Konzept des Bühnenbildes. Corinth, der schon mehrfach für das Theater Entwürfe gestaltet hatte, stellt hier verschiedene waldige Umgebungen, sowie den Thronsaal als zentrale Handlungsorte des Stücks dar. Die Provenienz des Blattes lässt vermuten, dass der in der Kulturszene stark vernetzte Kunstsammler und Arzt Dr. Martin Flaum, der von 1923-1933 unter anderem an der Charité und dem Jüdischen Krankenhaus in Berlin beschäftigt war, die Zeichnungen möglicherweise entweder direkt von Corinth oder aus dessen Nachlaß erwarb und in einem Album sammelte. Flaum konnte aufgrund seiner jüdischen Herkunft ab 1933 nicht mehr offiziell praktizieren, behandelte privat aber viele seiner Patienten weiter. 1936 wurde er deshalb verhaftet und musste Berlin schließlich 1937 verlassen und mit der Familie in die Niederlande emigrieren. Während eine seiner Töchter in Auschwitz ermordet wurde, konnte der Rest der Familie 1941 nach Palästina fliehen und Flaum kehrte später als britischer Truppenarzt im Krieg mehrere Jahre nach Deutschland zurück, während seine Familie in Haifa verblieb. Seine Tochter Ursula siedelte später zum Studium wieder in die Niederlande über, heiratete dort und blieb Zeit ihres Lebens in Amsterdam.
Provenienz: Sammlung Dr. Martin Flaum, Berlin/Haifa
Cornelis Jacob Sint und Ursula Chaja Sint, geb. Flaum, Amsterdam (durch Erbschaft)
Privatbesitz Niederlande
Corinth, Lovis
Fridericus Rex: Verworfene Blätter und Zweitfassungen
Los 7012
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Fridericus Rex: Verworfene Blätter und Zweitfassungen
13 Bl. Lithographien auf dickem, leicht genarbtem Velin. 1921.
Ca. 33 x 25 cm (45 x 35 cm).
Alle signiert "Lovis Corinth".
Vgl. Müller 601, 606, 607, 608, 611, 614, evtl. 637 sowie 6 Bl. nicht bei Müller.
Paul Eipper, aus dessen prominenter Sammlung die Folge stammt, war damals Herstellungsleiter im Verlag von Fritz Gurlitt. Er verbarg die Blätter mit anderen Werken in seinem 1939 gebauten Haus in Kleinmachnow in Mauernischen, wo sie die Beschlagnahme des Hauses durch die Wehrmacht, Beschuss, Plünderungen und Requirierung durch die Rote Armee überstanden. Bei allen vorliegenden Blättern handelt es sich um Müller unbekannt gebliebene verworfene und zweite Fassungen, die nicht in die beiden endgültigen Mappen mit aufgenommen wurden. Zum Teil versah sie Corinth noch in der Darstellung mit der Lithokreide mit Farbangaben, worin wunderbar sein Arbeitsprozess erkennbar wird und woraus sich schließen lässt, dass diese Folge ebenso wie die beiden Mappen "Fridericus Rex" auch eine farbige Fassung erhalten sollte. Hier wurde das gleiche ungewöhnlich dicke Velin verwendet wie für die Suiten der Folge. Sechs Blätter stellen zweite Fassungen dar zu den Motiven "Hohenfriedberg", "Der Tod Schwerins bei Prag", "Friedrich bei Kolin (Kollin)", "Im Lager von Liegnitz", "Der König bei Leuthen" und "Torgau" sowie möglicherweise zu "Totenmaske" (Müller 601, 606, 607, 608, 611, 614 und 637), diese alle verso wohl von Paul Eipper gestempelt "Zweite Fassung"; sieben Blätter tragen verso den Stempel "Verworfenes Blatt", nämlich die Motive "Graf v. Brühl", "Zeughaus", "Portrait eines Adligen" (evtl. der Alte Dessauer), zwei Blätter "Männliches adeliges Portrait" und "Weibliches adeliges Portrait" (evtl. Luise Ulrike, Schwester Friedrichs des Großen und spätere Königin von Schweden). Die 13 Blätter sind, ebenso wie die beiden Suiten, von äußerster Seltenheit, da nahezu alle ihre Abzüge in der Druckerei von Hermann Birkholz in der Berliner Lützowstraße verbrannten. Ganz prachtvolle, kreidige Drucke mit dem vollen Rand. Rarissimum.
Provenienz: Fritz Gurlitt Verlag, Berlin
Sammlung Paul Eipper, Kleinmachnow, später Lochham / Veronika Eipper
Neumeister, München, Auktion 33, 15.05.2003, Lot 232
Privatbesitz München
"Hochzeit in der Kirche"
Farbige Kreiden auf Velin. 1920.
24,8 x 32,3 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Lovis Corinth", unten links betitelt.
Großzügig und mit schneller, leichter Hand umreißt der Künstler die figurenreiche Szenerie mit breiten Kreidestrichen und Schraffuren, die, charakteristisch für Corinths Zeichentechnik, meist schräg von links unten nach rechts oben verlaufen. Die skizzenhafte Auffassung der Zeichnung übernimmt Corinth in seiner Lithographie "Hochzeit in der Kirche", entstanden für den Zyklus "Turnier aus der Zeit Heinrichs des Achten", erschienen 1920 im Verlag Fritz Gurlitt, Berlin (Schwarz L 430 XV).
Provenienz: Karl & Faber, München, Auktion 205, 09.12.2003, Lot 275
Sammlung Henning Lohner, Berlin
Ausstellung: Kunsthalle Emden, Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo, DL 2008/5 (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort betitelt und bezeichnet)
"Volksgruppe mit Stadt"
Graphit, schwarze und farbige Kreiden auf Velin. 1920.
24,8 x 32,4 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Lovis Corinth" sowie mit Kreide in Schwarz betitelt.
Breite, locker geführte und geschwungene Kreidelinien schildern die Szenerie, deren Motiv im Umfeld des Zyklus "Turnier aus der Zeit Heinrichs des Achten", erschienen 1920 im Verlag Fritz Gurlitt, Berlin (Schwarz L 430 XV), anzusiedeln ist, jedoch nicht lithographisch umgesetzt wurde. In skizzenhafter Reduktion und mit leichter Hand lässt Corinth die Szenerie mit einem Reiter im Vordergrund entstehen und zeigt souverän, wie er gedanklich die vielfigurige Komposition erfasst und ordnet, ihre Idee mit wenigen Strichen notiert und dadurch für seine bedeutenden Zyklen aus einem schier unendlichen Reservoir an künstlerischen Einfällen schöpfen kann.
Provenienz: Sammlung Henning Lohner, Berlin
Ausstellung: Kunsthalle Emden, Stiftung Henri und Eske Nannen und Schenkung Otto van de Loo, DL 2012/1 (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite, dort betitelt und bezeichnet)
Sitzender Akt
Öl auf Leinwand. Um 1905.
101 x 77 cm.
Unten links mit Pinsel in Hellbraun signiert "Stekker", verso auf dem Keilrahmen mit dem Nachlaßstempel, dort mit Faserschreiber in Schwarz signiert "Ruth Kretschmer, geb. Stekker".
Stekker G 23.
Feinsinnig erfasst Stekker die junge, halb entblößte Frauenfigur, ihre natürliche, leicht nach rechts gewandte Haltung, den versonnenen Gesichtsausdruck und das Schimmern des hellen Inkarnats, das wunderbar mit der tiefen Dunkelheit der Decke über den Beinen im unteren Bildrand kontrastiert. Großzügig modellierend setzt er die kurzen, geraden Striche des breiten Pinsels neben- und übereinander, folgt mit ihrer Ausrichtung den anatomischen Gegebenheiten und lässt ein in Stimmung und Komposition beeindruckend intimes Aktbild entstehen. Kaum jemals signierte Stekker seine Gemälde - das tat er nur dann, wenn ein Werk, wie dieses, in seinen Augen perfekt geraten war.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin
Literatur: Poesie im Alltag. Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Hrsg. C. Gerner, Ausst.-Kat. Museum Reinickendorf, Berlin 2015, Abb. 82, S. 73
Mann mit Schimmel
Öl auf Leinwand. Um 1910.
44 x 66 cm.
Verso auf dem Rahmen mit dem Nachlaßstempel, dort mit Kugelschreiber in Schwarz signiert "Ruth Kretschmer, geb. Stekker".
Stekker G 53.
Ein Pferd und ein Mann nebeneinander: eine ganz unspektakuläre, zurückhaltende Szene, die jedoch durch die lichtdurchflutete Atmosphäre und die besinnliche, ruhige Stimmung einen besonderen Reiz entwickelt. Die von horizontalen Parallelen dominierte Komposition ist bestimmt von zumeist hellen, fein abgestimmten Farbnuancen. Stekkers Pinselduktus zeigt sich hier ganz dem Impressionismus verpflichtet, und die Flächigkeit der breiten Pinselzüge lässt die souverän modellierte Pferdegestalt ins Undeutliche verschwimmen - ein Phänomen, das häufig in den Gemälden des Künstlers zu beobachten ist.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin
Literatur: Poesie im Alltag. Der Zeichner und Maler Martin Stekker, Hrsg. C. Gerner, Ausst.-Kat. Museum Reinickendorf, Berlin 2015, Abb. 86, S. 77
Stekker, Martin
Sonntagsspaziergänger mit roter Mühle
Los 7017
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Sonntagsspaziergänger mit roter Mühle
Öl auf Leinwand, auf Hartfaser kaschiert.
35,5 x 41,3 cm.
Verso auf dem Rahmen mit dem Nachlaßstempel, dort mit Kugelschreiber in Schwarz signiert "Ruth Kretschmer, geb. Stekker".
Stekker G 2.
Martin Stekker war ein zu Unrecht vergessener Künstler, der erst posthum, nicht zuletzt durch die Bemühungen seiner Familie und angesehener Kunsthistoriker, die verdiente Anerkennung fand. Er wird kunsthistorisch als Impressionist klassifiziert; auf die "Poesie im Alltäglichen" legte er in seinem Schaffen viel Wert, was seine gleichnamige Retrospektive im Museum Reinickendorf 2015 veranschaulichte. 1901 nahm er sein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie auf und erhielt 1920 auf Empfehlung von Max Liebermann ein Meisteratelier an der Berliner Akademie der Künste bei Arthur Kampf.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin
Stekker, Martin
Hinterhöfe ("Mietskasernen in Schmargendorf")
Los 7018
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Hinterhöfe ("Mietskasernen in Schmargendorf")
Öl auf Leinwand. Um 1935.
44,5 x 66 cm.
Verso auf dem Keilrahmen mit Faserschreiber in Schwarz signiert "für Martin Stekker Ruth Kretschmer-Stekker" sowie betitelt.
Stekker G 83.
Wo heute in Berlin-Schmargendorf alles dicht bebaut ist, umgaben damals noch Wiese und Buschwerk die freistehenden Mietskasernen. Dennoch zeigt sich im eintönig grauen Himmel und dem stumpfen Braun der Häuser die bedrückende Stimmung der Zeit. Seit 1933 bis 1945 lebte und arbeitete Martin Stekker im Verborgenen, denn er wurde verfemt, da er fest zu seiner jüdischen Frau hielt. Wohl in dieser Zeit entstand das vorliegende Gemälde. Verso Fragment einer weiteren Komposition.
Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers
Privatbesitz Berlin
"Baltrum - Ostende"
Öl auf Holz. 1928.
43 x 63 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Poppe Folkerts" und unten links betitelt "Baltrum", verso mit Kreide in Blau nochmals signiert, datiert, betitelt sowie später bezeichnet "Weihnachten 1943".
Ein Stück Nordseeküste: Über den in der Sonne hell schimmernden Strand, die Dünen und die wenigen Häuser von Ostende schweift der Blick ins Weite. Das ruhige, naturbelassene Ostende liegt am östlichen Zipfel der kleinsten ostfriesischen Insel Baltrum. Poppe Folkerts, Seemann, Segler und einer der bedeutendsten Maler der friesischen Küste, studierte an der Berliner Akademie und war bis 1900 Schüler bei Carl Saltzmann, 1902 bis 1903 bei Friedrich Kallmorgen, anschließend Meisterschüler bei Ludwig Dettmann in Königsberg und schließlich auch noch an der Académie Julian in Paris. Die Empfehlungen seiner Lehrer und insbesondere Anton von Werners ermöglichten ihm Studienfahrten an Bord kaiserlicher Marineschiffe, auf denen er Nord- und Ostsee, die europäische Atlantikküste und das Mittelmeer bis nach Istanbul und Jerusalem bereiste.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Tjalk vor Leerort
Öl auf Leinwand. 1938.
60 x 80 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Braun signiert "Poppe Folkerts", verso auf dem Keilrahmen bezeichnet "Leerort".
Die Bewegung des Wassers in der sommerlichen norddeutschen Flusslandschaft mit hellem Licht und sonniger Stimmung hält Folkerts mit so kraftvoller Lebendigkeit und Intensität fest, dass das Plätschern der Wellen fast hörbar scheint. Sein pastoser Farbauftrag von impressionistischer Lockerheit, die treffende Lichtsetzung und klaren Farbwerte erzeugen räumliche Tiefe und Strahlkraft. Leerort, am Zusammenfluss von Ems und Leda in Ostfriesland gelegen, blitzt nur in Form weniger roter Dächer auf, während das Flussufer und die stramm segelnde Tjalk, ein Wattensegler für flache Gewässer, im Zentrum der Darstellung stehen. Folkerts, der malende Seemann, fuhr häufig die Ems flussaufwärts und blickt auch hier vom Wasser aus in die Landschaft.
Provenienz: Privatbesitz Berlin
Sitzende Dame im Park
Farbkreiden auf festem Skizzenbuchpapier, mittig gefaltet. Um 1907.
11,8 x 18,2 cm (geöffnet).
Links mit dem Nachlaßstempel (Lugt 1775 b), darin mit Kugelschreiber in Blau bezeichnet "Paris 1907", darüber mit Feder in Braun bezeichnet "Gemalt von August Macke/Paris, etwa 1909./Dr. Wilhelm Schmidtbonn B. Godesberg, 29.2.44.".
Nicht bei Heiderich.
Eine entscheidende Leistung Mackes war die Erkundung der Farbe. In dieser kleinen Zeichnung, die einer Klappkarte gleicht, kann man diesem Prinzip auf besondere Weise nachspüren, denn links vom Mittelfalz setzt Macke einige Farbproben aufs Papier, bevor er das Motiv rechts sorgsam damit ausgestaltet. Das Sujet ist ein entscheidendes und gängiges in Mackes Repertoire: Eine elegant gekleidete Dame im abgewandten Dreiviertelprofil sitzt auf einem klassischen Biergartenstuhl im Park. Sowohl motivisch als auch stilistisch fügt sich die Arbeit in eine Reihe skizzenhafter Zeichnungen, die Macke während seines Aufenthalts im Sommer 1907 in Paris anfertigte. Charakteristisch sind insbesondere die Schraffuren und der breite Strich zur Ausarbeitung des Umraums sowie die umrisshafte Andeutung der Figur. Mit dieser Art der Rückenfigur „gewann Macke ein Mittel, seine Empfindungs- und Gedankenwelt unter Wahrung des emotionalen Zusammenhangs in die Darstellung der äußeren Realität zu verlegen. Er hat diese […] Ansichten der menschlichen Gestalt während seiner ganzen Schaffenszeit bevorzugt, und im Bildthema des 'Schaufensters' wird die Entdeckung schließlich zum wesentlichen Teil der Bildaussage. Diese Entdeckung - von grundlegender Bedeutung für das gesamte Œuvre - eröffnet sich in den Wandlungen im zeichnerischen Werk.“ (Ursula Heiderich, in: August Macke. Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen, hg. von Ernst-Eberhard Güse, München 1986, S. 119). Die Arbeit stammt aus dem Nachlass des Schriftstellers Wilhelm Schmidtbonn, der zwischen 1906 und 1908 eng mit August Macke befreundet war.
Provenienz: Nachlass August Macke
Nachlass Dr. Wilhelm Schmidtbonn, Bad Godesberg
Privatbesitz Hamburg
"Azale[e] I"
Farbstifte und Bleistift auf kariertem Papier mit Perforationsrand. 1911 (12).
20,9 x 13,7 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel (Lugt 1775 b), darin mit Bleistift numeriert "23", datiert "1912", betitelt "Azale I" und bezeichnet "Farbige Stiftzeichnung" sowie mit dem roten Kreuz von Elisabeth Erdmann-Macke.
Heiderich 1993, Nr. 691.
Teils farblich präzise ausgearbeitete Skizze eines mit Blumenpapier umwundenen Azaleenstraußes, spontan auf kariertem Notizblockpapier festgehalten. Besonders angetan haben es dem Künstler der kompakt gebundene Strauß in der geschwungenen Vase sowie die ornamentale Formation der Blüten. Die daneben platzierte Schale mit weiteren Pflanzen und der übrige Umraum bleiben hingegen durch wenige Bleistiftlinien und Farbschraffuren nur vage angedeutet. Vermutlich im selben Jahr noch verarbeitet Macke dieses Arrangement in seinem Gemälde "Rosa Azalee II" (Vriesen 256). In der fertigen Ausarbeitung wendet er Vase mit Blumenstrauß etwas stärker dem Betrachter zu und positioniert sie zentral auf der Bildfläche. Die nun klar definierte weiße Schale mit grünen Pflanzen wird am linken Bildrand angeschnitten und erscheint weiterhin als beiläufige Randnotiz. Anders als unsere Zeichnung zunächst vermuten lässt gestaltet Macke den Umraum abschließend schlicht und mit leuchtend komplementären Farbflächen in Dunkelblau und Orange. Obwohl das Gemälde auf 1910 datiert ist, reiht Vriesen es in den Jahrgang 1911 ein - entsprechend Heiderichs Datierung der vorliegenden Zeichnung. Der Notizblock, von dem das Skizzenpapier stammt, wurde von Macke vor allem 1911, sporadisch auch noch 1912 verwendet. Auch ein weiteres Aquarell "Azalee II" (Heiderich 1997, Nr. 85 - dort als Mischtechnik, farbige Kreiden und Bleistift aufgeführt; Vriesen 204) dürfte ebenfalls in diesem Zusammenhang entstanden sein und muss dieser Werkgruppe zugeordnet werden.
Provenienz: Nachlass August Macke
Privatbesitz Hamburg
Ausstellung: Galerie Nierendorf, 24 Meister des 20. Jahrhunderts, Berlin 1968 (Kat.-Nr. 77, mit Abb.)
Mädchen mit Puppe
Öl auf Leinwand. 1912.
80 x 60 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Blau signiert "Leopold Durm" und datiert.
Wie eine kleine Königin sitzt das Mädchen mit seiner Puppe im Arm auf dem Art-Déco-Thron. Klare, graphische Muster aus Linien und Karos zieren Sitzfläche und Baldachin, während das helle Rechteck in der Mitte einen schimmernden Hintergrund für die Figur und das wache, lebhafte Kindergesicht bildet. Die bunte Schmetterlingsbluse unterstreicht dessen Ausdruck sprühender Energie. Die ruhige Zentralkomposition ist dank des lockeren Pinselduktus und der feinsinnig abgestimmten Farbpalette von einem zarten Vibrieren erfüllt. Der sehr geliebten, recht zotteligen Puppe fehlt ein Bein, und den ebenfalls fehlenden Arm ergänzt Durm durch den lebendigen Mädchenarm exakt an seiner Stelle. Diese liebevolle Verschränkung von Kind und Puppe lässt das aufmerksam beobachtete Bildnis zu einem sehr intimen, persönlichen Portrait werden. Als Mitglied der Künstlervereinigung "Scholle" und der Münchner Sezession nahestehend, befand sich der lange vergessene Arzt und Maler Durm, der in der Künstlerkolonie Holzhausen lebte, inmitten der Münchner Kunstavantgarde. Bereits damals beeindruckte seine Zeitgenossen Durms Präzisionsarbeit linearer Feinheiten und insbesondere die ausgewogene Balance zwischen Psychologisierung und Realismus in seinen Bildnissen (Hermann Esswein, in: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. 40, 1917, S. 326ff.).
Provenienz: Privatbesitz USA
"Hamburg"
Aquarell und Kreide in Schwarz auf Bütten, auf Karton kaschiert. 1909.
27 x 40,4 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "Ivo Hauptmann" und datiert, unten links betitelt, auf dem Karton später gewidmet an Erik Blumenfeld.
Frühes Aquarell. Von einem erhöhten Blickwinkel aus zeichnet Hauptmann seine Heimatstadt Hamburg. Lichtdurchflutet erscheint die Stadt, die Luft wie ein offener Raum, auch in der Ferne noch klar und transparent. Ein Vibrieren erfüllt die mit kurzen, leichten Pinselstrichen und klaren schwarzen Konturen gestaltete Stadtansicht. Hauptmann beschäftigte sich intensiv mit der Wirkung von Farbe und Licht, er war Mitbegründer der Berliner und der Hamburgischen Sezession.
Provenienz: Ehemals Sammlung Erik Blumenfeld, Hamburg (Verleger und Herausgeber u.a. von "Ivo Hauptmann. Bilder und Erinnerungen", Hamburg 1976)
Privatbesitz Hamburg
Sommerblumenstrauß
Öl auf Hartfaser. Wohl 1923.
100 x 70 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert "Degner" und (undeutlich) datiert.
Der üppige Blumenstrauß mit seinen zarten Blüten in hell leuchtenden Farben bestimmt die Bildfläche in seiner üppigen Fülle. Max Liebermann, der Arthur Degner früh förderte, und sein Landsmann Lovis Corinth, mit dem ihn eine gute Freundschaft verband, waren ihm neben manchem Meister der École de Paris künstlerische Vorbilder. Bereits 1945 wurde Degner als Professor an die Hochschule für Bildende Kunst Berlin berufen.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Gminska, Engelbert
Stilleben mit Teedose, Kanne und Vergissmeinnichtstrauß
Los 7026
Schätzung
3.500€ (US$ 4,023)
Stilleben mit Teedose, Kanne und Vergissmeinnichtstrauß
Öl auf Leinwand. 1910.
54 x 65 cm.
Oben links mit Pinsel in Rot signiert "Gminska", datiert und bezeichnet "Paris", verso mit Pinsel in Schwarz nochmals signiert.
Farbige Tücher durchziehen die charmante Komposition mit zarten Farben, und eine üppig bestickte russische Tischdecke bildet den lebendigen floralen Hintergrund für das Stilleben. Mit einem impressionistisch bewegten Duktus und pastosen Farbauftrag verleiht Gminska den Farbflächen durch feinste Abstufungen und kurze, dicht nebeneinandergesetzte Pinselzüge ein zartes, irisierendes Schimmern. Dadurch erfasst er subtil all die verschiedenen Materialien in ihrer jeweils ganz eigenen Oberflächenwirkung. Der Sammler Carl Hagemann zählte zu seinen bedeutendsten Förderern.
Provenienz: Privatbesitz Rheinland-Pfalz
Bildnis Leopoldine Konstantin
Öl auf Malpappe. 1911.
50 x 40 cm.
Unten links mit Pinsel in Hellgrau signiert "Thea Schleusner", datiert und bezeichnet "London".
Nicht nur die gelbe Feder am Hut sprüht vor Energie, sondern auch das ins Profil gedrehte anmutige Gesicht. Mit dem Ensemble von Max Reinhardt gastierte die Schauspielerin Leopoldine Konstantin im Jahr 1911 in London, wo sie das Stück "Sumrun" aufführten. Diese Pantomime nach orientalischen Märchenmotiven von Friedrich Freska brachte Reinhardt mit Musik von Victor Hollaender 1910 auf die Bühne der Berliner Kammerspiele. In ihrem Kostüm und mit lebhaftem Ausdruck portraitiert Schleusner die österreichische Schauspielerin, die 1907 bei Max Reinhardt am Deutschen Theater in Berlin debütiert hatte und bald eine bekannte Persönlichkeit der Berliner Salons wurde. Weltruhm allerdings erlangte sie durch ihre tragende Rolle in Hitchcocks Film "Notorious" (Berüchtigt). Thea Schleusner gehört als Malerin zur Verschollenen Generation. Ausgebildet an der Damenakademie des Vereins für Künstlerinnen und Kunstfreunde in Berlin, ging sie um 1898 für zwei Jahre nach Paris und besuchte die Académie Colarossi und die Académie Moderne von Eugène Carrière. Ihre Werke wurden zu einem großen Teil während einer Bombennacht im Zweiten Weltkrieg vernichtet; in jüngster Zeit erfährt ihr bildnerisches Schaffen zunehmende Anerkennung.
Provenienz: Privatsammlung Bayern
Privatbesitz Berlin
Pawlowa in Rondino
Aquarell auf dunkelgrauem Velin. Um 1916.
34,7 x 25,2 cm.
Unten links mit Pinsel in Dunkelblau signiert "E Oppler", verso auf dem Passepartout mit Feder in Braun (von fremder Hand?) bezeichnet "Ernst Oppler. Berlin W. 62 'Pawlowa in Rondino'" und mit Fragmenten eines alten Papieretiketts, darauf mit Farbstift in Blau schwer lesbar bezeichnet "Oppler Schwebende des Balletts" (?).
Legendär war die Aufführung der Ballets Russes in Berlin im Jahr 1909, gefördert von der Berliner Sezession und Paul Cassirer. Als „Inkarnation der Anmut“ beschrieb die Presse damals Anna Pawlowa, ein anderes Blatt titelte „Königin der Tanzkunst“. Von diesem Moment an bis zu seinem Tod wurde die Welt des Bühnentanzes zum wesentlichen Kern des künstlerischen Schaffens von Ernst Oppler. Unermüdlich malte, zeichnete und radierte er die Tänzerinnen und Tänzer - nicht im Studio, sondern als Momentaufnahmen im Zuschauerraum. So schwebt Pawlowa in der vorliegenden Ansicht wohl zur Musik von Beethoven in einem Solotanz „Rondino“ förmlich durch den Raum. Üppig auskragend ihr rosafarbenes Tüllkleid mit weißer Haube, die Position grazil und äußerst elegant mit einem farblich passenden Federfächer in ihrer linken Hand. Entgegen der leuchtenden Strahlkraft der Solistin gestaltet Oppler den Umraum den Gegebenheiten des Zuschauerraumes während der Aufführung entsprechend dunkel.
Provenienz: Privatbesitz Niedersachsen (seit Generationen in Familienbesitz)
Zwei Tanzende
Linolschnitt auf gelblichem Velin. Um 1913.
28,8 x 30,6 cm (37 x 38 cm).
Signiert "Chr. Rohlfs".
Utermann 84, Vogt 70, Söhn HdO 105-11.
Erschienen als Blatt 11 der V. Bauhausmappe: Bauhaus Drucke. Neue europäische Graphik. Deutsche Künstler, Verlag Müller & Co., Potsdam 1923. Aus einer Gesamtauflage von 110 Exemplaren, gedruckt von der Druckerei des Staatlichen Bauhauses Weimar, mit dem Blindstempel unten links (Lugt 2558 b). Entgegen Vogt und Utermann stellte Söhn zu Recht fest, dass es sich um einen Linolschnitt, nicht um einen Holzschnitt handelt. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand, oben mit dem Schöpfrand.
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