Christus in Emmaus (Große Platte). Radierung auf Velin (?). 21,1 x 16,1 cm. B. 87, White/Boon (Hollstein) 87 II (von III), Nowell-Usticke 87, Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 283 IV (von V).
Vor Verlängerung der Linien im Tischbein. Ganz ausgezeichneter, leuchtender Druck mit der vollen Darstellung, punktuell Spuren der Facette. Minimal angestaubt, zwei winzige Randausbesserungen in der Ecke oben links, die unteren Eckenspitzen hinterfasert, womöglich weitere unmerkliche Hinterfaserungen, sonst in schöner Erhaltung.
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes
Los 5181
Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes. Radierung. 15,7 x 13,6 cm. 1636. B. 91, White/Boon (Hollstein) 91, Nowell-Usticke 91 I (von IV), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 159 I (von III).
Vor allen späteren Arbeiten, etwa den Horizontalen links auf der unteren Stufe. Ganz ausgezeichneter, klarer Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante, an wenigen Stellen teils minimal innerhalb geschnitten. Verso Annotationen in Bleistift, minimal fleckig sowie stockfleckig, drei kleine ausgebesserte Papierschäden rechts und unten, punktuelle Ausbesserung unter dem Torbogen, weitere Papierläsuren entlang der äußeren Kanten, teils bestoßen, dünne Stellen, verso geglättete diagonale Knickspur, sonst schön.
Der hl. Hieronymus im Gebet. Radierung. 11,6 x 8,1 cm. (1635). B. 102, White/Boon (Hollstein) 102, Nowell-Usticke 102 I (von III), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 142 I (von II).
Das "R" von Rembrandt noch erkennbar. Ganz ausgezeichneter, harmonischer und wirkungsreicher Abzug auf zeitgenössischem Bütten mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Diese unten gebrochen und sorgsam hinterlegt, etwas angestaubt vornehmlich dort, weitere unmerkliche dünne bzw. teils ausgebesserte Stellen in den Rändern und in der oberen rechten Ecke, sonst in vorzüglicher Erhaltung.
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die wandernden Musikanten
Los 5183
Schätzung
3.500€ (US$ 4,023)
Die wandernden Musikanten. Radierung. 14,2 x 11,7 cm. Um 1635. B. 119, White/Boon (Hollstein) 119 II, Nowell-Usticke 119 II (von III), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 141 II (von III).
Vor den Vertikalen unter der Hand des Musikanten. Ganz ausgezeichneter, leuchtender Druck mit sehr feinem Rändchen um die Plattenkante. Winzige unauffällig ausgebesserte Läsur in der oberen rechten Ecke außen, unten rechts dünne Stelle, verso kurze leichte Quetschspur, sonst tadellos schön erhalten.
Die Pfannkuchenbäckerin. Radierung. 10,9 x 7,7 cm. 1635. B. 124, White/Boon (Hollstein) 124 II (von III), Nowell-Usticke 124 I (von VI), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 144 vor III (von VII).
Noch vor den Überarbeitungen am Korb rechts, jedoch späterer Abzug des ersten Zustandes. Ganz ausgezeichneter Druck mit schmalem Rändchen um die Plattenkante, unten innerhalb dieser geschnitten. Geringfügig angestaubt, schwach fleckig, verso zarte vertikale Knickspur, leichte Gebrauchsspuren, sonst sehr gut erhalten. Verso mit einer unbekannten Sammlerparaphe (nicht bei Lugt).
Juden in der Synagoge. Radierung. 7,1 x 13 cm. 1648. B. 126. White/Boon (Hollstein) 126 III, Nowell-Usticke 126 III-IV (von IV), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 242 V (von IX).
Nowell-Usticke: "C1 Rather uncommon". Vor den leichten Horizontalen unter Rembrandts Signatur. Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Etwas fleckig, sonst sehr schön erhalten. Aus den Sammlungen Theodor Falkeisen und Johann Friedrich Huber (ehemals Heinrich Füssli, Lugt 1008) und Samuel Scheikevitch (Lugt 2264).
Der Zeichner. Radierung. 9,4 x 6,3 cm. Um 1641. B. 130, White/Boon (Hollstein) 130 I (von III), Nowell-Usticke 130 III (von V), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 192 I (von VI).
Frühdruck vor allen Überarbeitungen. Ganz ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck mit sehr feinem Rändchen um die scharf zeichnende Plattenkante. Geringfügig angestaubt, unten mittig Federnummerierung "128", dünne Stellen links mittig und unten links, geringfügige Montierungsreste und kleine Bleistiftannotationen verso, sonst in sehr schöner Erhaltung.
Der Perser. Radierung. 10,9 x 7,7 cm. 1632. B. 152, White/Boon (Hollstein) 152, Nowell-Usticke 152 I (von IV), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 110 I (von III).
Nowell-Usticke "C1+ A rather uncommon print". Vor Verstärkung der Außenlinie des Stockes. Ausgezeichneter, feinzeichnender Druck mit der vollen Darstellung, knapp innerhalb der Plattenkante geschnitten. Leicht angestaubt, unten zarte Spuren von Trockenfältchen, in den beiden oberen Ecken aufgelegt, sonst tadellos schön erhalten.
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die Landschaft mit dem Zeichner
Los 5188
Schätzung
24.000€ (US$ 27,586)
Die Landschaft mit dem Zeichner. Radierung und Kaltnadel. 12,1 x 20,8 cm. Um 1641. B. 219, White/Boon (Hollstein) 219, Nowell-Usticke 219, Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 201.
Die Landschaftsradierungen Rembrandts zählen innerhalb des graphischen Œuvres zu den selteneren Druckgraphiken des Künstlers; Rembrandt stellte nur verhältnismäßig wenige Abzüge her. Dies gilt auch für vorliegendes Blatt: Da die Platte bereits früh verloren ging, existieren keine Spätdrucke. Rechts im Vordergrund sitzt ein Mann mit hohem Hut und zeichnet mit Stift und Block die vor ihm gelegene, typisch holländische Bauernkate, eine Art „Stolpboerderij“. Die Figur des Zeichners wird gemeinhin als ein Selbstbildnis Rembrandts gedeutet. Der Künstler soll gerne in der Umgebung von Amsterdam nach der Natur gezeichnet haben.
Ausgezeichneter, ausgewogener Druck überwiegend mit feinem Rändchen um die Plattenkante, oben und links teilweise auf diese geschnitten. Das Papier insgesamt leicht unregelmäßig gebräunt, ein hellbrauner Fleck im Himmel, ein geschlossener diagonal verlaufender Riss in der oberen linken Ecke, die Ecke oben rechts mit Sorgfalt wieder angesetzt, vereinzelt dünne Stellen in den der äußersten Rändern mit punktuell winzigen Läsuren, dezent akzentuierende Einzeichnungen, etwa in den Ästen der Bäume, dem Schornstein, dem Wagen rechts im Mittelgrund und der Bogenöffnung links davon, der Sammlerstempel unten rechts schwach durchschlagend, weitere geringere Gebrauchsspuren, sonst ein gut erhaltener Abzug des nicht häufig vorkommenden Sujets. Aus einer bislang unbekannten Sammlung "Ligierte Initialen im Kreis" (nicht bei Lugt).
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Het Spelonkje" - Der Kahn unter den Bäumen
Los 5189
Schätzung
7.500€ (US$ 8,621)
"Het Spelonkje" - Der Kahn unter den Bäumen. Radierung. 12,7 x 13,4 cm. 1645. B. 231, White/Boon (Hollstein) 231, Nowell-Usticke 231 III, Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 220 II. Wz. Fünfzackige Schellenkappe (Fragment, oberer Teil).
Nowell-Usticke: "RRR A very are plate". Ausgezeichneter Druck mit sehr feinem Rändchen um die teils gratig zeichnende Plattenkante. Geringfügig stockfleckig, im Passepartoutausschnitt minimal lichtrandig, schwache vertikale Knickspur, unbedeutende Gebrauchsspuren, sonst original und tadellos schön erhalten. Aus den Sammlungen J. E. de Wit (Lugt 1451) und Alexander John Godby (Lugt 1119b).
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Greis im weiten Samtmantel
Los 5190
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Greis im weiten Samtmantel. Radierung. 14,6 x 12,7 cm. Um 1631. B. 262, White/Boon (Hollstein) 262 II, Nowell-Usticke 262 wohl I-II (von III), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 92 II (von III). Wz. Fünfzackige Schellenkappe mit drei Kugeln.
Vor weiteren Arbeiten. Ganz ausgezeichneter, feinzeichnender Druck knapp innerhalb der Plattenkante geschnitten, die Darstellung kaum angeschnitten. Geringfügig angestaubt, oben mittig kurzer Einschnitt im äußersten Rand, links des Dargestellten sehr sorgsame, wesentlich von verso wahrnehmbar ausgebesserte Stelle, verso schwach fleckig, auf ein Fensterpapier montiert, weitere Gebrauchsspuren, sonst sehr gut.
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Mann mit Schnurrbart und turbanartiger Mütze
Los 5191
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
Mann mit Schnurrbart und turbanartiger Mütze. Radierung. 10,4 x 8,5 cm. 1630. B. 321, White/Boon (Hollstein) 321 II, Nowell-Usticke 321 IV (von VI), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 57 IV (von VI).
Ganz ausgezeichneter Druck vor weiteren Arbeiten mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Lediglich ganz geringfügige Altersspuren, winzige dünne Stelle oben links außen, sonst ganz vorzüglich und tadellos schön erhalten. Aus der Sammlung Otto Hermann Pauly (Lugt 4830 und Lugt 5880).
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Rembrandts Mutter mit schwarzem Schleier
Los 5192
Schätzung
2.400€ (US$ 2,759)
Rembrandts Mutter mit schwarzem Schleier. Radierung. 12,5 x 13 cm. Um 1631. B. 343, Seidlitz 343 III (von IV), White/Boon (Hollstein) 434 II (von III), Nowell-Usticke 343 II (von III), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 91 II (von III). Wz. Nebenmarke.
Nowell-Usticke R: "A very uncommon print of a most desirable subject". Vor der Veränderung der Platte ins Oval. Ganz ausgezeichneter Druck mit der sichtbaren Plattenkante, oben ohne Darstellungsverlust beschnitten (ca. 2 cm). Schwach angestaubt sowie geringe Gebrauchsspuren, sonst tadellos. Aus den Sammlungen Nicolas Vassiliévitch Basnine (Lugt 1960) und Semen Nicolaevitch Mossoloff (Lugt 2362) sowie dem Staatlichen Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin (vgl. Lugt 5367).
Rembrandt Harmensz. van Rijn - Nachfolge
Drei Männerköpfe im Profil
Los 5193
Schätzung
750€ (US$ 862)
Nachfolge. Drei Männerköpfe im Profil. Radierung. 1,5 x 4,7 cm. Unverzeichnet.
Dieses kleine Blatt im Stil der frühen Radierungen Rembrandts stellt eine außerordentlich seltene Trouvaille im Bereich der Rembrandt-Rezeption dar. Bislang konnten wir lediglich eine gezeichnete, maßgleiche Kopie im British Museum nachgewiesen (Inv.-Nr. 1848,0911.192). Die Londoner Zeichnung gehört zu einer interessanten Gruppe präziser Nachzeichnungen nach Druckgrafiken Rembrandts und seiner Schule aus der bedeutenden Sammlung des Earl of Aylesford. Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen um die Einfassung. Etwas verbräunt, punktuell montiert, sonst gut. Aus den Sammlungen Sir Joshua Reynolds (lt. Federannotation verso auf dem Untersatzpapier) und H. G. Gutekunst (seither in Familienbesitz).
Die Buße des hl. Petrus. Radierung. 32,3 x 24,8 cm. 1621. B. 17, Brown 6 I (von II). Wz. Lilie im Kreis mit Krone darüber.
Ganz ausgezeichneter, klarer, nur minimal trockener Frühdruck vor der Adresse von Frans van Wyngaerde, mit zartem Plattenton und feinem bis sehr feinem Rändchen um die Einfassung, die Facette stellenweise leicht gratig. Vereinzelt sehr unauffällig ausgebesserte Randläsuren sowie winzige geschlossene Läsur in der Schraffur hinter Petrus sowie punktuelle Ausbesserungen in der unteren linken Ecke, unten mittig kleiner Kleberest, sonst in sehr schöner und originaler Erhaltung. Aus der Sammlung Juan Jorge Peoli (Lugt 2020).
David mit dem Haupt des Goliath. Radierung. 24,9 x 18,4 cm. 1649. B. 1, TIB (Commentary), 001 I (von II), Nagler 1 I (von II). Wz. Lilie im Kreis mit aufgesetzter Krone.
Der Maler und Radierer Ferrantes Rosati war um 1650 höchstwahrscheinlich in Rom tätig und hinterließ ein kleines druckgraphisches Werk von lediglich sechs Radierungen, die durch Adam von Bartsch beschrieben und allesamt von großer Seltenheit sind. Die Auflagen waren vermutlich sehr klein und nur von dem vorliegenden Blatt existiert ein zweiter Druckzustand, der von dem römischen Verleger Vincenzo Billy herausgegeben wurde. Bei der Mehrzahl dieser Blätter handelt es sich um graphische Nachbildungen nach Werken anderer Künstler, darunter Agostino Carracci, Simone Cantarini und Domenico Cerrini. Die vorliegende Radierung dürfte hingegen wohl auf eine eigene Invention des Künstlers zurückgehen. Ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Minimale Altersspuren, sonst vorzüglich erhalten. Aus der Sammlung der Fürsten d'Arenberg (Lugt 567).
Der Zinsgroschen. Kupferstich nach Tizian. 27,7 x 23,4 cm. B. 5, TIB 5 I (von II). Wz. Meerjungfrau im Kreis mit sechszackigem Stern (ähnlich Briquet 13899-13901).
Der Kupferstich gibt Tizians Gemälde Der Zinsgroschen wieder, über das Tizian selbst im Oktober 1568 berichtete, dass er es kürzlich vollendet hätte. Wird im Allgemeinen von einer Entstehung des Gemäldes zwischen etwa 1560-68 ausgegangen, so zeigen neuere Forschungen, dass Tizian, möglicherweise assistiert von Werkstattmitarbeitern, möglicherweise bereits seit den 1540er oder 1550er Jahren an dem Bildwerk arbeitete. Zwischen der finalen Fassung des Gemäldes und der graphischen Übersetzung Rotas lassen sich mehrere Unterschiede ausmachen, die darauf hinweisen könnten, dass Rota das Gemälde noch vor den endgültigen Überarbeitungen Tizians reproduziert hat - unter anderem gehören dazu die prominente Aureole um den Kopf Christi, die im Gemälde nur noch minimal angedeutet ist, sowie verschiedene Details in den Gewändern der Abgebildeten. Auch zeigt der Kupferstich noch einen größeren Bildausschnitt als das Gemälde (siehe Nicholas Penny, The Sixteenth Century Italian Paintings, Volume II: Venice 1540-1600, Ausst. Kat. London 2008, Kat. NG 224). Das Blatt liegt hier im ersten Druckzustand mit der Adresse von Luca Guarinoni vor. Ganz ausgezeichneter, fein differenzierter Frühdruck mit schmalem Rand. Etwas angestaubt, winziges Nadellöchlein in den Gewändern Christi, vereinzelte dünne Papierstellen, unauffällige Horizontalfalten, weitere geringe Altersspuren, sonst sehr schön. Selten.
Allegorie des Todes (Drei Skelette in einer Landschaft mit Äxten und Sanduhren als Attribute). Radierung. 17,8 x 11,7 cm. Um 1560. Wz. Krüglein.
Die Radierung diente als Frontispiz für die Opera Spiritualia des Hieronymus Drexel, die 1636 von Balthazar Dellère in Douai veröffentlicht wurden (siehe Alphons Hamer: "Pierre Rucholle: A Franco-Flemish artist rediscovered", in: Delineavit & Sculpsit, 47, 2020, Nr. 29). Ausgezeichneter Druck mit Rand. Selten.
Ruina, Gaspare
Ruderboot mit einer Gesellschaft auf bewegtem Meer
Los 5198
Schätzung
7.500€ (US$ 8,621)
Ruderboot mit einer Gesellschaft auf bewegtem Meer. Holzschnitt. 20,7 x 14,8 cm. Antony de Witt, "Un incisore ferrarese del ‘500", in: Bollettino d'Arte, Bd. 28, 1934-1935, S. 241-250.
Biographische Informationen über Gaspare Ruina sind spärlich. Der Architekt und Holzschneider diente in Ferrara unter Alfonso I. als Vorsteher des Festungswesens und der Pietre-dure-Fabrik und stand ab 1533 in Diensten der Republik Venedig. In Ferrara erbaute er den Palazzo Postaccia. Wenige Holzschnitte sind von ihm erhalten, darunter die großformatige Geburt Adams nach Michelangelo. Die vorliegende Darstellung eines Ruderbootes auf dem Meer gehört zu einer wahrscheinlich neunteiligen Folge von Holzschnitten, die de Witt 1934 beschrieben und aufgrund der Signatur in einem der Holzstöcke dem Œuvre Ruinas zugeordnet hat. Vor einem felsigen Ufervorsprung, neben dem ein Schiff mit gerefften Segeln auf den Wellen liegt, bewegen zwei Ruderer kraftvoll ein kleines Boot über die unruhige See. Mittig im Boot sitzt ein Liebespaar und blickt sich an, zwei weitere Passagiere sind im Bug zu erkennen. Im Zusammenhang der anderen Darstellungen der Folge, von denen Exemplare im British Museum und in weiteren Sammlungen erhalten sind, erscheint de Witts Annahme überzeugend, dass es sich um Illustrationen zu einer Geschichte in der Art von Ariosts Orlando Furioso handelt. Die besonders in den Gesichtern und den Details in Schiffs- und Meeresdarstellung verfeinerte Technik zeigt Ruina als versierten Holzschneider. Ruinas Holzschnitte sind allesamt selten, von unserem Blatt ist nur ein weiteres Exemplar im British Museum bekannt (Inv. Nr. 1860,0414.166), ein deutlich späterer Abzug vom abgenutzten, breit druckenden Stock mit einer großen Fehlstelle im linken unteren Bereich der Darstellung. Das Blatt liegt hier in einem ausgezeichneten frühen und in den Details fein druckenden Abzug vor, stellenweise minimal auslassend, aber mit markantem Druckrelief verso. Mit der Einfassungslinie, die stellenweise minimal angeschnitten ist. Minimale Altersspuren, sonst sehr gut erhalten.
Die Hl. Familie mit der hl. Anna und zwei Engeln. Kupferstich nach Hans von Aachen. 30,1 x 22,2 cm. Hollstein 79.
Ganz ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Minimale Altersspuren, sonst vorzüglich erhalten.
Die drei Parzen. Kupferstich nach Joris Hoefnagel und Hans von Aachen. 28,5 x 26,5 cm. 1589. Hollstein 113. Wz. Monogramm in ornamentaler Kartusche (vgl. Heawood 3181: Köln, 1593).
Das seltene Blatt in einem ausgezeichneten, gleichmäßigen Druck, oben mit dem Text, links bis an oder innerhalb der Einfassung der Zwickel beschnitten, rechts mit schmalem Rändchen um dieselben, unten ebenso, jedoch ohne den Text. Etwas gebrauchsspurig, am linken Rand drei hinterlegte Risse sowie in der oberen Zwickelecke eine ergänzte Fehlstelle mit Bleistifteinzeichnung, drei kürzere Randeinrisschen rechts, einige Hinterfaserungen, vor allem am linken Rand, verso geglättete Falt- und Knickspuren, sonst in guter Erhaltung.
Die Geschichte von Adam und Eva. 6 Kupferstiche nach Abraham Bloemaert. Je ca. 27,6 x 19,8 cm. 1604. B. 13-18, Hollstein 1 II (von V), 2-6 je I (von II bzw. III). Wz. Bekröntes, viergeteiltes Wappen; zweigeteiltes Wappen; Bekröntes Wappen mit Schägbalken.
Die vollständige Folge, das Titelblatt mit der Adresse von Robert de Baudous, sonst vor den Adressen und weiteren Arbeiten. Ganz ausgezeichnete, gleichmäßige Drucke sämtlich mit sehr feinem Rändchen um die teils deutlich zeichnende Plattenkante. Geringe Alters- und Gebrauchsspuren, verso leichte geglättete Mittelfalte, Blatt 2 mit winzigem Wurmlöchlein unten, Blatt 6 mit unbedeutenden Randläsuren links, winzige Montierungsreste verso, sonst vollkommen und sehr einheitlich erhaltene Exemplare.
Die Bestrafung der Niobe. 8 Kupferstiche, auf acht Bögen, nach Hendrick Goltzius. Je ca. 26 x 38,5 cm. 1594. B. 33, Hollstein 113 IV, Leesberg (New Hollstein, Goltzius) 628, je letzter Zustand. Wz. Bekröntes Lilienwappen.
Die vollständige Folge, die in detailliert erzählenden Einzelsequenzen die Bestrafung der Niobe beschreibt, setzt sich aus insgesamt acht gleich großen Kupferstichplatten zu einem langen Friesband zusammen. Die Folge entstand nach heute nicht mehr erhaltenen Zeichnungen von Hendrick Goltzius, der diese nach Polidoro da Caravaggios Fresken an der Fassade des Palazzo Milesi (später Palazzo Cesi) in Rom auf seiner Italienreise geschaffen hat. Der Palazzo ist heute nur noch teilweise erhalten. Ganz ausgezeichnete, gleichmäßige Drucke mit feinem Rand um die Plattenkante. Sämtlich montiert auf größeren Untersatzbögen des 18. Jahrhunderts mit Einfassungen in schwarzer Tinte, diese bei Blatt 4 unten links minimal auf den weißen Rand ragend. Minimal gebräunt, weitere geringe Altersspuren, sonst sehr schöne, einheitliche Exemplare. Aus der Sammlung der Fürsten zu Oettingen-Wallerstein (ohne Stempel).
zugeschrieben. Salvator Mundi. Kupferstich nach Hendrick Goltzius. 19,6 x 14,3 cm. 1597. B. III, S. 180, 195, nicht in Hollstein, Leesberg (New Hollstein) 449 I (von III). Wz. Wappen mit Basler Stab.
Noch mit der Adresse von Goltzius. Das ehemals Jacob Matham zugesprochene Blatt in einem prachtvollen, harmonischen und zarttonigen Abzug meist an die sichtbare Plattenkante geschnitten, teils mit Spuren eines Rändchens. Geringfügig fleckig, verso geglättete Mittelspur, dünne Stellen in den beiden linken Ecken (wohl montierungsbedingt), auf ein Fenster-Passepartout montiert, sonst in sehr schöner Erhaltung.
Bildnis Joachim von Sandrarts, links eine Büste der Pallas Athena. Kupferstich. 33,2 x 22,7 cm. Wz. Wappenkartusche (?).
Ganz ausgezeichneter Druck mit schmalem Rand um die markant zeichnende Plattenkante. Insgesamt etwas stockfleckig, schwache horizontale Mittelfalte, sonst sehr schön und in unberührter Erhaltung. Beigegeben zwei Radierungen von Bartholomäus Ignaz Weiss "Älter Mann mit Turban" und "Bildnis der Beatrice Cenci".
Savery, Salomon
Vier stehende Frauen in barocker Kleidung
Los 5205
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Vier stehende Frauen in prunkvoller, modischer Kleidung. 4 (von 6) Radierungen nach Dirck Hals. Je ca. 15,6 x 10,4 cm. Hollstein 48 ff. Wz. Krüglein mit Halbmond.
Der aus Amsterdam stammende Kupferstecher Salomon Savery - Sohn des flämischen Malers Jacob Savery - zeigte in seinen Stichen häufig zeitgenössische Kleidung à la mode und Genreszenen aus dem Alltagsleben. Die vier in ganzer Figur dargestellten Frauen tragen kostbare Kleider, die charakteristisch sind für die Mode in Flandern und den Niederlanden um 1620. Die Radierungen sind Teil einer Serie von insgesamt 6 Blatt. Die einzelnen Blätter sind selten, nur in Kopenhagen wird laut Hollstein eine vollständige Folge aufbewahrt. Prachtvolle, kräftige Drucke, leicht tonig und mit schöner Facettenschwärze entlang der Plattenkante und mit schmalen Rändchen. Minimal gebräunt, sonst vorzüglich erhalten.
Die Gefangennahme Christi. Kupferstich. 16,7 x 11,9 cm. B. 10, Lehrs V, S. 128, 20, Hollstein 20. Wz. Hohe Krone (Lehrs 18).
Ganz ausgezeichneter, zart toniger Druck, vor allem in den Schattenpartien schön kräftig. Bis auf bzw. teils minimal knapp innerhalb der Plattenkante beschnitten. Unbedeutend angestaubt, die Einfassunglinie teilweise in schwarzer Feder nachgezogen, unmerkliche Ausbesserungen in den unteren Ecken, womöglich eine weitere kleine Ausbesserung im Bereich der Einfassungslinie unterhalb des Handgelenks des liegenden Schergen, verso Spuren eines Gegendruckes, ebenda Montierungsreste in den Ecken, sonst sehr schönes Exemplar. Aus den Sammlungen Peter Birmann & Söhne (Lugt 2110), Heinrich Anton Cornill-d'Orville (Lugt 529) und Siegfried Barden (Lugt 218).
Schongauer, Martin
Von einem Engel gehaltenes Wappenschild mit einem Löwen
Los 5207
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
Von einem Engel gehaltenes Wappenschild mit einem Löwen. Kupferstich. D. 7,3 cm. B. 96, Lehrs V, S. 341, 95.
Aus der Folge der "Wappenbilder", vorliegendes Blatt von Lehrs irrig als "Wappenschild mit Leopard ..." bezeichnet. Ausgezeichneter Druck mit Spuren der inneren Einfassungslinie, sonst mit der vollen Darstellung. Schwache Altersspuren, von rechts ein zarter geschlossener Randeinriss bis über das Schild, dünne Stellen, oben mittig in ein Passepartout montiert, die Ränder schwach bestoßen und oben mittig winzige Fehlstelle, sonst sehr gut.
Ecce Homo. Holzschnitt. 33,5 x 32,5 cm. Um 1597. Basseggio 6 (als Domenico dalle Greche nach Tizian), Passavant 31 (idem), Muraro/Rosand 109. Wz. Buchstaben PG.
Die eindrucksvolle, mit religiösem Pathos aufgeladene Darstellung steht stilistisch ganz in der Tradition der venezianischen Holzschnittproduktion des frühen Cinquecento. Aus diesem Grund schrieb Basseggio die Invention Tizian zu und schlug, wie auch Passavant, als ausführenden Formschneider Domenico dalle Greche vor. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um ein spätes Werk des Giuseppe Scolari, das auf exemplarische Weise die Stilmerkmale seiner Holzschnittmethodik veranschaulicht. Muraro und Rosand bemerken diesbezüglich: "In questa stampa lo Scolari raggiunge il suo più puro linguagio silografico" (Tiziano e la silografia veneziana del Cinquecento, Vicenza 1976, S. 109). Die emotionsgeladene Szene ist in einem breiten, wuchtigen und ungemein expressiven Duktus ausgeführt. Auf subtile Weise hat der Künstler den dramatischen Gegensatz zwischen dem leidenden Christus und der derben, physischen Gewalt der Henkersknechte dargestellt. Scolari demonstriert hier eine souveräne Beherrschung des Mediums, für Muraro und Rosand ein triftiger Grund um das Blatt dem Spätwerk zuzuordnen. Es ist überdies eine zeitgenössische, gegenseitige Kopie von anderer Hand überliefert (Muraro/Rosand 110), die jedoch gröber in der Ausführung ist und die Qualität des Originals Scolaris vermissen lässt. Ausgezeichneter, gleichmäßiger und kraftvoller Druck mit der Einfassungslinie. Minimale Erhaltungsmängel, verso unauffällige geglättete Hängefalte, sonst sehr schönes, gültiges Exemplar. Selten.
nach. "Teniers-Galerie": Theatrum pictorium, in quo exhibentur ipsius manu delineatae, [...]. 245 (von 246) Kupferstiche u.a. von Coryn Boel,
Wenzel Hollar, Theodor van Kessel, Jan van Troyen, Lucas Vorstermann II. inkl. Widmungsblatt sowie 8 Blatt mit gestochenen Titelvignetten und Text in lateinischer und französischer Sprache. Sämtlich gebunden in orig. geprägtem Pergamentband d.Z. mit goldgeprägtem Rückenschild "Teniers Theatru. Pictoru." (leicht fleckig, berieben und bestoßen). Folio. (1660). Antwerpen, 2. Auflage 1673. Wurzbach II, 695, Hollstein (Boel) 1-29, Hollstein (Eynhoudts) 1-2, Hollstein (De Hoey IV) 1, 5, 10, Hollstein (Van Kessel) 139-165, Hollstein (Van Liesbetten) 7, Hollstein (Van Ossenbeek) 65-75, Hollstein (Johannes Popels) 2, Hollstein (Van Troyen) 46-101, Hollstein (Van der Steen) 3, 11, 13-14, 16, 18, 24, 33, 40, 54, Hollstein (Vorstermann) 164-214, Siehe: E. Vegelin van Claerbergen, David Teniers and the Theatre of Painting, Ausst.Kat. London 2006, Nr. 5. Wz. Straßburger Bandenwappen mit Nebenmarke.
"Als Galerie-Direktor des Erzherzogs Leopold Wilhelm veröffentlichte Teniers das unter dem Namen 'Teniers-Galerie' bekannte Kupferstichwerk, welches die hervorragendsten Gemälde italienischer Meister der erzherzoglichen Galerie in Radierungen reproduzierte. Für dieses Werk kopierte Teniers selbst 244 Bilder der Galerie, welche als Vorlagen für die Kupferstecher [...] dienten" (Wurzbach). Erstmals erschien die Zusammenstellung der bedeutendsten Künstler der italienischen Renaissance und ihrer Werke 1660. Es finden sich darin u. a. Kupferstiche nach Gemälden Jacopo Bellinis, Leonardo da Vincis, Antonio da Correggios, Paolo Veroneses, Tizians, Raffaels, Michelangelos und vieler mehr. Neben den Stechern Jan van Troyen, Lucas Vorstermann II und Coryn Boel, arbeiteten auch Pieter van Lisebetten, Theodor van Kessel, Jan van Ossenbeeck, Frans van der Steen, Nicolaus de Hoey IV, Remoldus Eynhoudts, Conrad Lauwers, Dominicus Claessens und Jan Popels an der Ausführung der Stiche. Die beinahe vollständige Ausgabe - es fehlt lediglich "Susanna und die beiden Alten" Nr. 233 von Van Lisebetten - in ausgezeichneten bis ganz ausgezeichneten, teils kräftigen Abzügen mit feinen Wischkritzeln und Rand. Stockfleckig, etwas gebräunt und die äußeren Ränder angeschmutzt bzw. teils mit kleinem Wasserrand, vereinzelt Knick- bzw. Quetschsspuren, partiell winzige Rostfleckchen, weitere kleine Erhaltungsspuren, sonst in schöner Erhaltung. Exlibris "Boekerÿ van Pieter Tjebbes".
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