Das Schweißtuch der hl. Veronika. Kupferstich. 43 x 31,5 cm. 1649. Le Blanc 33 II, Montaiglon 25. Wz. Trauben mit Nebenmarke Schriftband mit Initialen COL.
Das zweifellos berühmteste Blatt Mellans, und eine der bahnbrechenden Druckgraphiken überhaupt. Kongenial in einer einzigen Linie ohne jede Kreuzschraffur gestochen, entsteht aus der Spirales heraus das Antlitz Christi, das sich auf dem sog. Schweißtuch der Veronika gezeigt haben soll. Den ersten Zustand, beschrieben nach einem Gegendruck ohne den Text, dürfte es wahrscheinlich nicht gegeben haben. Ausgezeichneter, gleichmäßiger Abzug mit leichtem Druckrelief auf der Rückseite, an die meist sichtbare Plattenkante geschnitten, partiell minimal knapp innerhalb dieser. Insgesamt leicht stockfleckig, verso leichte geglättete Mittelfalte, dünne Stellen, marginale Randläsuren und kurze, teils geschlossene Randeinrisschen, Montierungsreste verso, sonst in sehr schöner und orginaler Erhaltung. Aus der Sammlung George Ambrose Cardew (Lugt 1134).
Mellan, Claude
Der hl. Franz von Assis vor einem Kruzifix kniend
Los 5151
Schätzung
750€ (US$ 862)
Der hl. Franz von Assisi vor einem Kruzifix kniend. Kupferstich und Radierung. 44,5 x 29,3 cm. 1638. Le Blanc 65 II, Montaiglon 71, IFF 73. Wz. Trauben.
Prachtvoller, äußerst kräftiger und akzentuierter Druck mit sehr feinem Rändchen um die Plattenkante, unten knapp unterhalb des Datums geschnitten. Lediglich kleine Montierungsreste verso, oben mittig winzige dünne Stelle, sonst in sehr schöner originaler Erhaltung. Selten. Beigegeben von demselben der Kupferstich "Die hl. Therese in Anbetung des Kreuzes" (Le Blanc 115).
Mellan, Claude
Der hl. Johannes der Täufer in der Einöde
Los 5152
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Der hl. Johannes der Täufer in der Einöde. Kupferstich und Radierung. 39,2 x 27,3 cm. 1629. Le Blanc 73, Montaiglon 80 II, IFF 84 II (von III). Wz. Malteser Kreuz im Rosenkranz.
Bei vorliegendem Blatt handelt es sich in technischer Hinsicht um den ersten Stich, bei dem Mellan die Modellierung des Körpers fast vollständig mit Hilfe von ondulierenden Parallelschraffuren realisierte; eine Praxis, die später zur Handschrift des Künstlers wurde. Ausgezeichneter, gleichmäßiger, minimal trockener Druck mit dem Datum und vor Änderung des Textes, mit schmalem Rändchen um die Plattenkante. Insgesamt minimal angestaubt, in den Ecken Montierungs- und Klebereste, dort etwas fleckig, sonst sehr gut. Beigegeben von demselben der Kupferstich "Der Benediktinerbischof Claudius betend in einer Berglandschaft" (Montaiglon 64).
Das Jüngste Gericht. Kupferstich nach Luca Penni. 33,5 x 44,9 cm. Um 1550. Zerner JM 52a (von b), Jenkins JM 52 I (von II).
Die Originalkomposition wird traditionell Luca Penni zugeordnet. Zerner datiert alle Werke Mignons auf 1543/47, doch Suzanne Boorsch (The French Renaissance in Prints, Los Angeles 1994, S. 89-91) unterscheidet unter den nach Penni gearbeiteten Platten zwei Gruppen, von denen eine auf 1544 datiert wird, während die andere zu einem späteren Zeitpunkt, möglicherweise in der ersten Hälfte der 1550er Jahre, entstanden sein könnte. Zu letzterer Gruppe wird auch das Jüngste Gericht gezählt. Die vorliegende Radierung gehört zu einer Reihe von Druckgraphiken mit biblischen Motiven in ornamentalen Rahmen, die in ihrer Konzeption und ihren vergleichsweise großen Abmessungen an Entwürfe für Wandteppiche erinnern. Die Christusfigur geht zurück auf Dürers Holzschnitt selben Themas aus der Kleinen Passionsreihe (um 1509). Vor der Inschrift auf der Tiara des Papstes rechts. Ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck auf die Darstellung geschnitten, und wie viele der zehn, in öffentlichen Sammlungen verwahrten Exemplare ohne den Schmuckrahmen. Schwache vertikale Mittelfalz, dort zart beriebene Stellen, rechts weitere vertikale Falzspur, fleckig und altersspurig, vor allem verso etwas angeschmutzt und mit zarten Kratzspuren (?), weitere Erhaltungsmängel, sonst gleichwohl noch gut. Selten.
Die kleine Herde. Radierung. 11,7 x 19,2 cm. 1638. Van der Kellen 23, Hollstein 23 I (von II). Wz. Siebenzackige Schellenkappe.
Ganz ausgezeichneter, kräftiger Frühdruck vor der Nummer bis an die Einfassung beschnitten, unten mit sehr feinem Rändchen um dieselbe. Spur einer Vertikalfalte, blasse Stockflecken rechts, sonst in sehr schöner Erhaltung. Aus der Sammlung Friedrich August II. von Sachsen (Lugt 971).
Die Dornenkrönung. Kupferstich. 14,7 x 10,5 cm. B. VI, S. 347, 8, Lehrs VI, S. 108, 12 I (von III). Wz. Wappen mit gekreuzten Schrägbalken darüber die Schlange am Stab.
Aus der Passionsfolge, vor dem rückseitigen Text. Ausgezeichneter, nuancierter Druck mit Wischkritzeln, mit sehr feinem Rändchen, teils punktuell minimal knapp an die Einfassung geschnitten. Geringe Gebrauchsspuren, dünne Stellen, kleine Montierungsreste verso sowie nur kleine Handhabungsspuren, sonst schön. Aus der Sammlung Hans von und zu Aufsess (Lugt 5084), mit einem wohl nicht verzeichneten Dublettenstempel des Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (nicht bei Lugt) sowie mit dem Tilgungsstempel der Staatlichen Graphischen Sammlung München (Lugt 2397). Beigegeben nach demselben eine gleichseitige Wiederholung des Kupferstichs "Christus in der Vorhölle" (vgl. B. 16).
Orley, Richard van
Il pastor fido - Der getreue Hirte
Los 5156 [*]
Schätzung
750€ (US$ 862)
Il pastor fido - Der getreue Hirte. 11 (von 12) Radierungen. Je ca. 25,3 x 18,7 cm. Hollstein aus 48-59.
Il pastor fido ist ein tragikomisches Hirtenspiel in fünf Akten, das von Giovanni Battista Guarini zwischen 1580 und 1583 verfasst und erstmals 1590 in Venedig veröffentlicht wurde. Die elf Idyllen der beinahe vollständigen Suite in ausgezeichneten bis ganz ausgezeichneten Drucken, an die Einfassungslinie geschnitten, unten mit dem Namen im weißen Schriftrand. Etwas angestaubt und teils fleckig, sämtlich in den Ecken sowie teils in den Rändern montiert, ein Blatt geweißelt und aufgezogen, weitere Altersspuren, sonst einheitlich und gut. Selten. Aus der Sammlung der Fürsten zu Liechtenstein, in deren Montierung.
Der Bauer in der Haustür. Radierung. 10,1 x 9,1 cm. Um 1653. B. 9, Dutuit, Davidsohn, Godefroy, Hollstein 9 III (von IV), Giordani/Rutgers (New Hollstein) 40 wohl III (von IV).
Prachtvoller, kräftiger und harmonischer Druck wohl noch vor den abgerundeten Ecken, mit teils sehr feinem Rändchen um die Plattenkante, teils an diese geschnitten. Entlang des oberen Randes montierungsbedingt dünne Stellen mit unauffälligen, teils ausgebesserten Läsuren, unten rechts ebenfalls leicht dünn, links und rechts je ein kurzer Randeinriss, weitere marginale Randläsuren, kleine Bleistiftannotationen verso, sonst im Gesamteindruck sehr schönes Exemplar. Verso wohl mit einer alten Colnaghi-Lagernummer.
Die Sänger am Fenster. Radierung. 21,7 x 18,6 cm (Einfassungslinie). Um 1667. B. 19, Dutuit, Davidson, Godefroy, Hollstein 19 IV-V (von VII), Giordani/Rutgers (New Hollstein) 36 IV-V (von VI). Wz. Straßburger Bandenwappen (Fragment).
Noch vor dem Kratzer auf der Nase des Mannes. Prachtvoller, differenzierter Druck bis an die Plattenkante geschnitten bzw. links und oben mit schmalem Rändchen um die Einfassungslinie. Minimal angestaubt, sonst tadellos. Aus der Sammlung Johann Peter Maria Cerroni (Lugt 1432).
Die Scheune. Radierung. 15,7 x 19,3 cm. 1647. B. 23, Dutuit VI, Davidsohn, Godefroy, Hollstein 23 X, Giordani/Rutgers (New Hollstein) 5 VIII.
Ausgezeichneter Druck unten mit schmalem, links mit feinem Rändchen um die Plattenkante, oben und rechts auf diese geschnitten. Etwas angestaubt und fleckig, am linken Scheunenpfosten Rostflekchen, Alters- und Gebrauchsspuren sonst gut. Aus der Sammlung Auguste-Paul-Charles Anastasi, Schüler von Delaroche und Corot (Lugt 60).
Die Spinnerin. Radierung. 13,7 x 17,4 cm. 1652. B. 31, Dutuit III (von VI), Davidsohn IV (von VII), Godefroy IV (von VII), Hollstein 31 IV (von VII), Giordani/Rutgers (New Hollstein) 25 III (von VI).
Vor den Horizontalen im Fenster des Schweinestalls. Prachtvoller Druck mit teils sehr feinem Rändchen um die Plattenkante. Nur schwach angestaubt und minimal fleckig, unmerklich ausgebesserte Stelle mittig im linken Rand, verso entlang der äußeren Ränder kleine Montierungsreste, sonst tadellos. Aus der Sammlung Thomas Clutterbuck (Lugt 2424) sowie mit einem bisher unbekannten Sammlerstempel "ES im Rechteck" (Lugt 3498).
Der Familienvater. Radierung. 12,5 x 9,4 cm. 1648. B. 33, Dutuit, Davidsohn, Godefroy III (von V), Hollstein 33 IV (von VI), Giordani/Rutgers (New Hollstein) 15 III (von IV).
Vor den letzten Überarbeitungen. Prachtvoller, kontrastreicher Druck bis an die sichtbare, teils gratige Plattenkante geschnitten, nur unten minimal knapp innerhalb. Unbedeutend fleckig, geringe Klebe- und Montierungsreste verso, sehr dünn hinterlegt, sonst in schöner Erhaltung.
Die Gevatterinnen. Radierung. 10,3 x 9,1 cm. Um 1652. B. 40, Dutuit 40, Davidsohn, Godefroy, Hollstein 40 II (von V), Giordani/Rutgers (New Hollstein) 31 I (von III).
Vor der vollständigen Umrisslinie. Prachtvoller Frühdruck mit zahlreichen, zarten Wischkritzeln und leichtem Plattenton, mit gleichmäßig schmalem Rand um die Plattenkante. Jeweils eine winzige Ausbesserung in der oberen und unteren Ecke, sowie eine unauffällig ausgebesserte Stelle über der Signatur, schwach nur fleckig, verso kleine Montierungsreste, sonst tadellos schönes Exemplar. Aus der Sammlung Dr. Karl Herweg (Lugt 3974).
Die Bezahlung der Zeche. Radierung. 10,4 x 8,7 cm. Um 1652. B. 42, Dutuit V (von IX), Davidsohn V (von IX), Godefroy VI (von XII), Hollstein 42 VII (von XIV), Giordani/Rutgers (New Hollstein) 22 III (von XI).
Vor den dünnen Horizontalen am Kaminsims. Prachtvoller, warmtoniger und herrlich differenzierter Frühdruck mit dezentem Plattenton und sehr feinem Rändchen um die gratig und scharf zeichnende Facette, mit einigen Wischkritzeln im weißen Plattenrand um die Darstellung. Geringe Gebrauchsspuren, unbedeutende Klebespuren verso, verso oben links dünne Stelle zart hinterfasert, sonst vollkommenes und tadellos schönes Exemplar. In dieser frühen, atmosphärischen Druckhaltung von großer Seltenheit. Aus den Sammlungen Henry Brodhurst (Lugt 1296), Richard Gutekunst (Lugt 2213a, dessen Versteigerung bei Klipstein & Kornfeld am 23. Mai 1962, Los 276) und Paolo Giordani (Lugt 3688), schließlich das private Exemplar von Eduard Trautscholdt (nicht bei Lugt).
Der Tanz unter der Laube. Radierung. 12,6 x 17,4 cm. (1652 ?). B. 47, Dutuit II (von VI), Davidsohn VI, Godefroy VII, Hollstein VII, Giordani/Rutgers (New Hollstein) 28 VI.
Ganz ausgezeichneter Druck mit sehr feinem Rändchen um die Einfassungslinie. Etwas angestaubt und vereinzelt leicht stockfleckig, winzige Bestoßung links im Himmel, auf ein Fensterpassepartout montiert, weitere Alters- und Gebrauchsspuren, sonst gut erhalten. Aus einer bisher unbekannten Sammlung JJS (nicht bei Lugt).
Panderen, Egbert van
Die vier Tageszeiten: Morgen, Mittag, Abend, Nacht
Los 5165
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Die vier Tageszeiten. 4 Kupferstiche nach Tobias Verhaecht. Je ca. 19 x 22,5 cm. Hollstein 50-53. Wz. Bekröntes Lothringerkreuz mit doppeltem C mit Nebenmarke.
Die vollständige und seltene, von Theodoor Galle in Antwerpen verlegte Folge. Ganz ausgezeichnete, harmonische Drucke mit breitem Rand um die deutlich zeichnende Plattenkante. Nur vereinzelt minimal fleckig, an der linken Blattkante Spuren alter Fadenbindung, dort knittrig, verso geglättete Mittelfalte sowie weitere unscheinbare geglättete Knickspuren, Vespera mit schwacher Quetschspur rechts sowie beriebener, dünner Stelle in der Mittelfalte, weitere Knitter- und Gebrauchsspuren, sonst in einheitlicher und sehr schöner Erhaltung.
Die vier Erdteile. 4 Kupferstiche. Je ca. 5,2 x 10,3 cm. Hollstein 601-604.
Neben seiner bekannten großformatigen Serie der vier Kontinente (Hollstein 597-600) schuf Crispijn de Passe d. Ä. zu Beginn des 17. Jahrunderts eine zweite, kleinformatige Folge der vier Erdteile. Wie die größere Serie beruht auch sie auf eigener Erfindung und erschien im Selbstverlag des Künstlers. De Passe, seines Zeichens nicht nur ein begnadeter Kupferstecher sondern auch Begründer einer Dynastie äußerst erfolgreicher Graphikverleger, formuliert hierin eine komprimierte, ikonographisch vielschichtige Fassung des populären Erdteilmotivs. Deutlich erkennbar sind Anklänge an die 1594 entstandene Erdteilserie Adriaen Collaerts nach Entwürfen des Maarten de Vos (New Hollstein 1314-1317), die zu den einflussreichsten Bildschöpfungen des Themas zählt. Die kleinformatige Folge ist selten und fehlt unter anderem in den Beständen des Rijksmuseum Amsterdam sowie des British Museum. Ganz ausgezeichnete, kräftige Drucke, auf die Plattenkanten beschnitten, teils minimal knapp. Kleine Erhaltungsmängel in den Ecken und Rändern, ein Blatt mit kleinem Randeinriss, weitere geringe Altersspuren, sonst schön.
Parmigianino, Francesco
Die Heilung des Lahmen an der Tempelpforte
Los 5167
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
Die Heilung des Lahmen an der Tempelpforte. Radierung mit zwei Tonblöcken in Ocker und Hellbraun nach Raffael. 26,9 x 40,7 cm. B. XVI, S. 10, 7 II, Mistrali 1 III, Gnann 32, Takahatake 38, Jenkins (The Renaissance of Etching, Ausst.Kat. New York 2019) Nr. 58 IV (von V), Jenkins ("States of Francesco Parmigianinos Etchings: A New Catalogue", in: Print Quartely, XLIII, 2, 2026) Nr. 18 IV (von V).
In dieser experimentellen Arbeit kombiniert Parmigianino erstmals die beiden Medien Radierung und Holzschnitt miteinander. Insgesamt erscheint die Radiertechnik im Vergleich mit anderen Blättern des Meisters etwas summarisch und vereinfacht, was Jenkins und Takahatake aber dadurch erklären, dass von Beginn an eine Ergänzung des Tiefdrucks mit Farbblöcken geplant war. Die Tonblöcke wurden vermutlich von Antonio da Trento oder Ugo da Carpi geschnitten. Mit den Grabstichelarbeiten auf der Linienplatte, darunter die Vertikalen hinter dem Kopf der Frau mit Kind links und die verstärkten Schatten in Petrus' Gesicht. Ausgezeichneter, wie für diesen Zustand beschrieben farblich kräftiger und dabei ausgewogener Druck mit der vollen Darstellung. Leicht angestaubt, Risse und Läsuren vornehmlich in der linken Blatthälfte, etwa ein vertikaler Riss zwischen Petrus und Johannes sowie ein weiterer in der weißen Lichtpartie in der Säule, ferner mehrere Risse und kleinere Fehlstellen in der Figurengruppe links und dem darunterliegenden Randbereich, zwei weitere Randeinrisse rechts und eine kleine Fehlstelle neben der gedrehten Säule, Retuschen in all diesen Bereichen, aufgezogen und mit schwarzer Feder eingefasst, weitere Alters- und Gebrauchsspuren, im Gesamteindruck gleichwohl gut.
nach. Drei Amoretten tragen einen vierten Cupido mit Pfeil. Kupferstich. 31,9 x 21,7 cm. Um 1530. Nicht bei Bartsch. Wz. Wappen mit Taube auf Dreiberg (Briquet 12250: 1572).
Die Komposition geht auf eine verlorengegangene Zeichnung Parmigianinos zurück, von der eine alte Kopie im British Museum, London aufbewahrt wird. Die anmutige Szene spielt sich vor einer antikisierenden Landschaftskulisse ab, in der das Thema des Apoll und Daphne dargestellt ist. Phyllis Deaborn Massar schreibt den anonymen Kupferstich Enea Vico zu (Print Quarterly, 2007, 3, S. 282, Abb. 158). Ausgezeichneter, toniger Druck mit feinem Rändchen um die Einfassungslinie. Leichte Altersspuren, vereinzelte Montierungsreste verso, sonst sehr gutes Exemplar. Mit einem nicht identifizierten Sammlerstempel. Von großer Seltenheit.
Medea und Jason. Kupferstich. 11,6 x 7,2 cm. 1539. B. 71, Landau 48, Hollstein 121 I (von II).
Mit Datum und Monogramm. Ausgezeichneter Druck mit der vollen Darstellung. Geringfügig fleckig, schwach berieben nahe der Ränder, Handhabungsspuren und Bleistiftannotationen verso, sonst gut. Aus der Sammlung Frank Bensow (Lugt 982c). Beigegeben von demselben der Kupferstich "David und Bathseba" (B. 21, aus der Sammlung Vittorini Cavalli, Lugt 4608) sowie aus der Folge der Sieben Freien Künste "Grammatica" (B. 110).
Podestà, Giovanni Andrea
Bacchanal mit Altar, Faun und Silenus
Los 5170
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Bacchanal mit Altar, Faun und Silenus. Radierung nach Tizian. 26,4 x 39,3 cm. 1640. B. XX, S. 170, 3, TIB (Commentary) .003 S1 (von S3). Wz. Kreuz mit Initialen im Oval.
Das Blatt ist Paolo Giordano Orsini zugeeignet. Ausgezeichneter, gegensatzreicher Frühdruck vor Änderung der Jahreszahl von 1640 zu 1649 sowie noch mit der Adresse von Francesco Salucio rechts unten. Überwiegend mit feinem Rändchen um die teils gratig zeichnende Facette, teils an diese geschnitten. Unten rechts der Mitte kurze Quetschfalte vom Druck, verso leichte geglättete Knickspuren und kleine Bleistiftannotationen, nur schwach fleckig, kleine Montierungsreste verso, sonst sehr schön erhalten. Aus den Sammlungen Paul Lüttke (nicht bei Lugt) und Dr. Volkmar Reichmann (Lugt 6224). Beigegeben von demselben die beiden Radierungen "Bacchanal mit trunkenem Silen getragen von Faunen" und "Bacchanal mit trunkenen Satyrn und Kindern" (B. 2 und 4), diese beide aus den Sammlungen des Kupferstichkabinetts Berlin, in deren Montierung, sowie ebenfalls Dr. Volkmar Reichmann.
Christus in der Vorhölle. Kupferstich. 21,5 x 17,2 cm. B. XIV, S. 46, 41 I (von II), Delaborde 21 I (von II), nicht bei Shoemaker. Wz. Kardinalshut (um 1503).
Folgt man Delaborde entstand das Blatt entgegen früherer Vermutungen nicht nach einer Vorlage Francesco Francias, sondern ganz nach eigener Invention Raimondis. Es gehört zu den frühesten Arbeiten des Künstlers, in der sich bereits die spätere Meisterschaft andeutet. Vor der Wolke. Ganz ausgezeicheneter, klarer und kräftiger Frühdruck überwiegend mit der vollen Darstellung, teils minimal knapp. Insgesamt etwas fleckig, vor allem im oberen Bereich rechts des schwebenden Teufels, leichte horizontale Mittelfalte, dort mit leichten Ausbesserungen, die Ränder minimal bestoßen und mit verschiedenen, sorgsam ausgebesserten Stellen, weitere ausgebesserte Erhaltungsmängel, oben kleine Randläsur mit kurzem Randeinrisschen, sonst insgesamt gleichwohl gut. Sehr selten.
Raimondi, Marcantonio
Die Hl. Familie mit dem Johannesknaben
Los 5172
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Die Hl. Familie mit dem Johannesknaben (La Vierge à la longue cuisse - Die Madonna mit dem langen Schenkel). Kupferstich. 40,1 x 26,6 cm. B. XIV, S. 65 f, 57, Shoemaker 59. Wz. undeutlich.
Prachtvoller, leuchtender Druck auf die Darstellung beschnitten, teils mit der Einfassungslinie. Geringfügig fleckig, umlaufend kleine Randläsuren, oben geschlossene Randeinrisse, die Einfassungslinie dort mit schwarzer Feder nachgezogen, die obere rechte Ecke mit kleinem Randeinriss und auf einem Untersatzpapier verklebt, geglättete Mittelfalte mit kleinen Ausbesserungen, über dem Kopf der Jungfrau kleine ausgebesserte Läsur, dort dünne Stelle, der Gesamteindruck gleichwohl sehr schön.
Mars, Venus und Amor. Kupferstich. 29,8 x 20,9 cm. 1508. B. XIV, S. 257, 345 II, Delaborde 119 III, Shoemaker 13d.
Mit der vollendeten Insellandschaft im Hintergrund und dem Medusenhaupt auf dem Schild und der vollendeten Fackel. Ganz ausgezeichneter, leicht trockener Druck an die Einfassungslinie geschnitten. Schwache Altersspuren, verso geringe Leimspuren, sonst vorzüglich erhalten. Aus den Sammlungen des Martin von Wagner Museums der Universität Würzburg (Lugt 2541b, mit deren Doublettenstempel Lugt 2541c).
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Selbstbildnis am Fenster, zeichnend
Los 5174
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
Selbstbildnis am Fenster, zeichnend. Radierung. 15,6 x 12,9 cm. 1648. B. 22, White/Boon (Hollstein) 22 V, Nowell-Usticke 22 wohl V/VI (von VIII), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 240 VIII (von IX).
Vor den letzten Arbeiten. Ausgezeichneter, minimal ungleicher Druck mit feinem, unten mit schmalem Rändchen. Leicht angestaubt und vereinzelt fleckig, das Papier partiell dünn, Spuren von Bleistiftannotationen im weißen Rand unten, winzige Randausbesserungen, sonst in guter Erhaltung.
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Selbstbildnis mit der flachen Kappe
Los 5175
Schätzung
2.400€ (US$ 2,759)
Selbstbildnis mit der flachen Kappe. Radierung. 9,1 x 6,2 cm. Um 1642. B. 26, White/Boon (Hollstein) 26, Nowell-Usticke 26 III, Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 210 III.
Ausgezeichneter, lediglich leicht undeutlicher Druck mit sehr feinem Rändchen an drei Seiten, unten knapp innerhalb der Plattenkante geschnitten. Oben links winzige Läsur im weißen Rändchen, unten mittig kleine bestoßene Stelle, insgesamt etwas gegilbt, montierungsbedingt dünne Stellen in den oberen Ecken, weitere kleine Montierungsreste sowie Bleistiftannotationen verso, sonst gut.
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Die Flucht nach Ägypten, Nachtstück
Los 5176
Schätzung
7.500€ (US$ 8,621)
Die Flucht nach Ägypten, Nachtstück. Radierung. 12,7 x 11,1 cm. 1651. B. 53, White/Boon (Hollstein) 53 VI, Nowell-Usticke 53 V (von IX), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 262 VI (von X).
Mit der feinen Kreuzschraffur u. a. auf der Schnauze des Esels, noch vor der posthumen Überarbeitung der Platte. Ausgezeichneter Druck mit subtilem Plattenton und feinem Rändchen um die Plattenkante, teils knapp auf diese geschnitten. Verso Annotationen in Bleistift, geglättete Knickspur an der rechten oberen Eckspitze, dünne Stellen, verso links und rechts an den Blatträndern schwache Spuren alter Befestigung, sonst tadellos.
Der Zinsgroschen. Radierung. 7,4 x 10,3 cm. Um 1634. B. 68, White/Boon (Hollstein) 68 I (von II), Nowell-Usticke 68 I (von III), Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 138 I (von IV).
Vor weiteren Überarbeitungen und Parallelen nicht von der Hand Rembrandts, etwa neben Christus' Hand und Kopf. Ganz ausgezeichneter, feinzeichnender Druck meist an die Plattenkante geschnitten. Minimal angestaubt, verso schwache Montierungs- und Gebrauchsspuren, sonst tadellos. Aus den Sammlungen Bernhard Hausmann (Lugt 377), Hermann Detmold (Lugt 760) sowie Martin Wigand (Lugt 2623).
Rembrandt Harmensz. van Rijn
Christus am Kreuze (kleine Platte)
Los 5178
Schätzung
3.500€ (US$ 4,023)
Christus am Kreuze (kleine Platte). Radierung. 9,3 x 6,7 cm. Um 1635. B. 80, White/Boon (Hollstein) 80, Nowell-Usticke 80, Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 143 II (von III).
Vor den letzten Überarbeitungen. Ausgezeichneter Druck an drei Seiten bis an bzw. minmal knapp in die teils noch sichtbare Plattenkante beschnitten, oben bis an die zart sichtbare Signatur. Ebenda sorgsame Anränderung, minimal angeschmutzt, drei oberflächliche Diagonalkratzer im Himmel rechts von Christi, ebenda unmerkliche Faserspuren, sonst in sehr guter Erhaltung.
Die große Kreuzabnahme (2. Platte). Radierung. 52 x 41 cm. 1633. B. 81, White/Boon (Hollstein) 81 V, Nowell-Usticke 81 V, Hinterding/Rutgers (New Hollstein) 119 VI (von VIII). Wz. Buchstaben DG und AG.
Ganz ausgezeichneter, stellenweise schön kräftiger Druck bis an die Plattenkante beschnitten, unten bis an die Einfassungslinie. Horizontale Mittelfalte, der fehlende Schriftrand unten fachmännisch ergänzt, ein unauffällig geschlossener Riss in der Ecke oben links, ein ebenfalls geschlossenes Einrisschen unten im rechten Rand, weitere minimale Gebrauchsspuren, sonst in sehr schöner Erhaltung.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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