Dürer, Albrecht
Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes
Los 5090
Schätzung
7.500€ (US$ 8,621)
Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes. Holzschnitt, wohl alt koloriert und partiell aufgefrischt. 21,4 x 13,7 cm. (1493). Nicht bei Bartsch, Meder 179, Schoch/Mende/Scherbaum 264.
Der außerordentlich seltene Holzschnitt fand erstmals als Kanonblatt im 1493 gedruckten "Opus Speciale missarum" (Johann Grüninger, Straßburg) Verwendung und stellt den wichtigsten Anhaltspunkt für den angenommenen Aufenthalt Dürers in Straßburg während seiner Gesellenwanderung dar. Das Blatt wurde erst 1905 als Werk Dürers in die Forschung eingeführt und gilt seither nahezu einhellig als einer der frühesten Buchholzschnitte des Meisters. Ausgezeichneter, wenngleich leicht trockener Druck mit schmalem Rand um die Einfassung, diese unten im Druckstock fehlend. Leicht gebräunt, verso entlang der Ränder umlaufend Montierungsreste, diese sich schwach recto markierend, winzige Randläsur links und oben, sonst in sehr guter Erhaltung. Wir konnten lediglich ein weiteres Exemplar auf dem Auktionsmarkt nachweisen.
Der kleine Kalvarienberg. Holzschnitt auf zart gestrichenem (?) Bütten. 21,6 x 14,9 cm. 1503-04. B. 59, Meder 180 II.
Das Einzelblatt in einem ausgezeichneten Druck verso mit zartem Druckrelief. Etwas fleckig und vor allem verso leicht angeschmutzt, links mit Leinen hinterlegter Randausriss, weitere geringe Alters- und Gebrauchsspuren, sonst gut und original erhalten.
Die Jungfrau auf der Mondsichel. Holzschnitt aus dem Marienleben, wie auch die folgenden fünf Losnummern. 30 x 21,5 cm. B. 76, Meder 188, lateinische Buchausgabe von 1511. Wz. Dreieck mit Blume (Meder 127).
Die Madonna auf der Mondsichel ist das Titelblatt der insgesamt 20 Blatt umfassenden Folge „Das Marienleben“, das erzählerisch die wichtigsten Lebensstationen, angefangen bei Mariens Geburt, über Szenen aus ihrer Jugend und der Kindheit Jesu bis hin zu Mariens Krönung wiedergibt. Die ersten Blätter schuf Dürer noch vor seiner zweiten Italienreise 1505, zwei Blätter sowie das vorliegende Titelblatt wurden 1510 ausgeführt und ein Jahr später als Buch mit lateinischem Text veröffentlicht. Die entscheidenden Textquellen lieferten Dürer hierbei nicht die Bibel, sondern apokryphe Erzählungen. Bereits zu Lebzeiten Dürers erfreute sich der Marienzyklus großer Beliebtheit und wurde sowohl in kompositioneller als auch ikonographischer Hinsicht Vorbild für viele Künstler. Ganz ausgezeichneter Druck, recto mit dem Text oben und unten, dort die letzten vier Zeilen unten fehlend. Etwas angestaubt, leicht fleckig, minimaler Kratzer auf der linken Quaste, verso Montierungs- und Kleberückstände, sonst im Gesamteindruck schönes Exemplar. Aus der Sammlung Alfred Seymour (Lugt 176).
Joachim auf dem Felde. Holzschnitt. 29,8 x 20,8 cm. B. 78, Meder 190, lateinische Textausgabe von 1511. Wz. Dreieck mit Blume (Meder 127).
Blatt 2 der Folge. Prachtvoller Druck mit sehr feinem bis winzigem Rändchen um die Einfassung. Unbedeutend angestaubt, vornehmlich verso, isolierte Stockflecken, hellbrauner Fleck rechts in der Einfassung im Bereich der Lücke, sonst in sehr schöner und unberührter Erhaltung. Aus der Sammlung Alexandre Evguenievitch Marine (Lugt 152).
Die Heimsuchung. Holzschnitt. 29,8 x 20,8 cm. Um 1503. B. 84, Meder 196, lateinische Textausgabe von 1511.
Blatt 8 der Folge. Ausgezeichneter, kräftiger Druck mit schmalem Rand oben, sonst mit feinem bis sehr feinem Rändchen um die Einfassung, unten Spuren der Kustode sichtbar. Vereinzelt minimale Flecken, kaum merkliche horizontale Mittelfalte verso, ebenda Spuren alter Montierung entlang der Außenränder, sonst in sehr schöner Erhaltung.
Die Darstellung im Tempel. Holzschnitt. 29,5 x 20,9 cm. Um 1505. B. 88, Meder 200, vor dem Text. Wz. Hohe Krone (Meder 21).
Blatt 13 der Folge. Prachtvoller, satter und tiefschwarzer Frühdruck, an die Einfassung geschnitten mit Spuren eines Rändchen, unten rechts minimal knapp geschnitten. Minimal angestaubt und leicht stockfleckig, oben links leichte Knickspur, zarte Trockenfältchen, sorgsam ausgebesserte Läsuren vor allem entlang der Ränder, teils mit unauffälligen Ergänzungen, weitere geschlossene Randeinrisse, verso Montierungsreste, weitere Gebrauchsspuren, sonst im Gesamteindruck gut erhalten.
Aufenthalt in Ägypten. Holzschnitt. 30 x 20,9 cm. B. 90, Meder 202, lateinische Textausgabe von 1511. Wz. Dreieck mit Blume (Meder 127).
Blatt 15 der Folge. Prachtvoller Druck, Darstellung angeschnitten bzw. teils an die Einfassung geschnitten. Ganz leicht angestaubt, kleines Fleckchen auf der Decke des Christuskindes, auf dem rechten Unterarm Mariens kleine, unauffällige Papierverletzung, fachgerechte Ausbesserungen sowie Federergänzungen des Textes verso unten, unauffällige Mittelfalte, sonst gut erhalten.
Christi Abschied von seiner Mutter. Holzschnitt. 30 x 20,9 cm. Nach 1507. B. 92, Meder 204, lateinische Textausgabe von 1511.
Blatt 17 der Folge. Ganz ausgezeichneter, prägnanter Druck mit feinem Rändchen, rechts näher an die Einfassung geschnitten. Geringfügig fleckig, leichte horizontale Mittelfalte mit zarter Quetschfalte mittig, die recto in Erscheinung tritt, dünne Stellen dort partiell ausgebesserte bzw. verso angefasert, sonst sehr schönes Exemplar.
Dürer, Albrecht
Die Heilige Sippe mit zwei musizierenden Engeln
Los 5098
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
Die Heilige Sippe mit zwei musizierenden Engeln. Holzschnitt. 20,6 x 21,1 cm. 1511. B. 97, Meder 216 a (von d).
Der letzte Einser noch vollkommen klar. Ganz ausgezeichneter, klarer Abzug knapp in die Darstellung geschnitten, partiell mit Spuren der Einfassung. Schwach stockfleckig, von rechts ein größerer, jedoch unauffällig geschlossener Randeinriss bis ins Kleid Mariens, weitere unmerkliche Ausbesserungen, etwa in der Haube und dem Halstuch Annas und in den äußeren Rändern, vereinzelt dünne Stellen, unten links Spuren eines verblassten Dürer-Monogramms in brauner Feder, kleine Montierungsreste verso, sonst gut erhalten.
Dürer, Albrecht
Der hl. Franziskus, die Wundmale empfangend
Los 5099
Schätzung
3.500€ (US$ 4,023)
Der hl. Franziskus, die Wundmale empfangend. Holzschnitt. 21,9 x 4 cm. Um 1503/04. B. 110, Meder 224 a (von c).
Prachtvoller, leuchtender Druck an die Einfassungslinie, unten links knapp auf diese geschnitten. Minimale Altersspuren, oben rechts sorgfältig geschlossener bzw. hinterfaserter Randeinriss, vereinzelt kleine hinterfaserte Läsuren, so in der oberen linken Ecke, in den Vögeln und unten links und rechts, sonst schön erhalten. Aus der Sammlung Pierre Sentuc (Lugt 3608).
Hieronymus in der Zelle. Holzschnitt. 23,6 x 15,9 cm. 1511. B. 114, Meder 228 a-b (von e).
Mit dem unversehrten Rand. Ganz ausgezeichneter, kräftig schwarzer Druck bis an die Einfassungslinie beschnitten, links partiell auf diese. Minimal angestaubt, sorgsam ausgebesserte Läsuren im Papier, etwa im Bereich von Kopf und Vorderpfote des Löwen, dort eine geschlossene und retuschierte Fehlstelle, eine weitere Fehlstelle im Kissen auf der Truhe, ein ausgebesserter Haarriss in der Kapuze des Heilgen, weitere kleinere Risschen und Fehlstellen mit gelegentlichen Retuschen vor allem entlang der Ränder, Leimreste verso, im Gesamteindruck dennoch von sehr guter und harmonischer Wirkung.
Dürer, Albrecht
Der große Triumphwagen Kaiser Maximilians
Los 5101
Schätzung
18.000€ (US$ 20,690)
Der große Triumphwagen Kaiser Maximilians. Holzschnitt von 8 Stöcken, sämtlich montiert. 45,8 x 229,6 cm. 1522. B. 139, Meder 252, 1.-5. Stock: 5. Ausgabe 1589, hrsg. von Jacobus Chinig, Venedig, jeweils Wz. Achteckiger Schild mit Monogramm SCG (Meder 338), 6.-8. Stock: 2. Ausgabe, mit lateinischem Text, 1523, jeweils Wz. Einfaches Kreuz mit Dreifuß (vgl. Meder 146).
Vorliegende, aus acht Stöcken zusammengesetzte Darstellung sollte Hauptteil des 1512 vom Kaiser Maximilian selbst angeregten Triumphzugs werden, von Dürer gezeichnet und von Hieronymus Resch geschnitten. Er erschien jedoch nie mit in den vier Ausgaben des Gesamtwerkes. 1519 verstarb der Kaiser während der Ausführung der Blöcke und die Arbeit stockte zunächst. Dürer, im Besitze der Formstöcke, beendete jedoch das Projekt schließlich selbst und auf eigene Kosten. Das vollständiges Exemplar des von 8 Stöcken gedruckten Riesenholzschnitts, hier in Abzügen der 5. und der 2. Ausgabe, jeweils lateinische Ausgaben. Ausgezeichnete und kräftige Drucke, insbesondere die Abzüge der 2. Ausgabe auch herrlich klar, mit Rand, sonst an die Darstellung bzw. an die Einfassung unten geschnitten. Etwas fleckig und vereinzelte Gebrauchsspuren, stockfleckig, horizontale Knick- und Falzspuren entlang der drei Bugfalten, teils berieben und mit einigen Ausbesserungen und geschlossenen oder fixierten Randeinrissen an den Verbindungsstellen, die äußerste linke Ecke ergänzt, so auch die rechte Ecke und mittig oben, über die gesamte Fläche auf sehr dünnem Leinen aufgezogen, weitere Handhabungsspuren, sonst jedoch sehr schön erhalten. Selten.
Dürer, Albrecht
Das Wappen des Reichs und von Nürnberg
Los 5102
Schätzung
3.000€ (US$ 3,448)
Das Wappen des Reichs und von Nürnberg. Holzschnitt. 24,7 x 16,9 cm. 1521. B. 162, Meder 285, wohl 1. Ausgabe (von 5).
Der seltene Holzschnitt in einem ausgezeichneten, transparenten Druck, wie von Meder beschrieben in den Schatten ein wenig unrein, an bzw. auf die Einfassung geschnitten. Angestaubt und fleckig sowie verso leicht stockfleckig, dort Spuren alter Montierung, unten links montierungsbedingt berieben und dünne Stelle in der Ecke, weitere Gebrauchsspuren, sonst gut erhalten.
Dürer, Albrecht - nach
Der Schmerzensmann und der Landsknecht
Los 5103
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
nach. Der Schmerzensmann und der Landsknecht. Holzschnitt. 26,5 x 22,1 cm. Heller 1827, 1112, Meder 113 II, TIB (Commentary) .204 C3.
Vorliegender Holzschnitt entstand nach Dürers Titelblatt zur Großen Holzschnittpassion (Meder 113). Dürer verschmolz in der für die Folge programmatischen Darstellung die Szene aus der Passion, in der einer der Schergen Jesus zum Hohn einen Zweig als Zepter überreicht, mit dem in der Kunst zur Dürerzeit verbreiteten Bildtypus Jesus in der Rast, der den Schmerzensmann sitzend mit seinen Leidenswerkzeugen zeigte. Christus schaut mit gefalteten Händen aus dem Bilde. Während Dürer die Szene mit einer Wolkengloriole umgab, hat unser Künstler sie in einen Innenraum mit einer Bogenarchitektur und getäfeltem Fußboden gesetzt. In den Figuren folgt der Künstler Dürer detailgetreu, auffällig ist jedoch das Fehlen der Wundmale Christi an Hand und Füßen sowie die Anbringung des Dürer-Monogramms auf dem Stein unten. Heller und Strauss bezeichneten den Innenraum als Gefängnis, doch könnte es sich auch um eine kirchliche Umgebung handeln. Die Schnitttechnik ist höchst verfeinert und präzise, und lässt auf einen versierten Holzschneider schließen.
Das Blatt ist außerordentlich selten. Uns sind je nur ein Exemplar in Bamberg (Staatsbibliothek Bamberg, Signatur I E 3a) und im Louvre (Inv. L 36 LR/36) bekannt. Ausgezeichneter, nur stellenweise minimal auslassender Abzug mit der Einfassungslinie und verso mit delikatem Druckrelief. Horizontale Mittelfalte und wenige Knitterfältchen, an drei Ecken unmerkliche fachmännisch ausgebesserte Einrisse, einige kleinere Randläsuren, sonst in sehr guter Erhaltung.
Die verkehrte Welt. Kupferstich. 36,9 x 50,4 cm. Nicht bei Robert-Dumesnil und IFF. Wz. Tulpen im Schild mit sechszackigem Stern darüber (vgl. Woodward 24).
Und die Welt steht Kopf! Das kuriose Flugblatt zeigt in fünf übereinander angeordneten Reihen unterschiedliche Darstellungen mit humorvollen Szenen einer verkehrten Welt, die selbst oben mittig angebracht wurde. Tiere und Menschen tauschen ihre Plätze, tierische Wesen werden bedient, Esel reiten auf krabbelnden Menschen, Land und Meer wechseln ihre Positionen, und die Rollen von Eltern und Kindern ebenso wie die von Herrschern und Dienern sind vertauscht, alles mit italienischen Sentenzen erläutert.
Das Motiv der verkehrten Welt zählt zu den faszinierenden, vielschichtigen Bildthemen der frühen populären Druckgrafik und eröffnet vielfältige ikonografische Deutungsmöglichkeiten. Hier zeigt es die Mehrdeutigkeit und Ambivalenz des gewöhnlichen Alltags und seiner unwahrscheinlichen Umkehrung. Die kleinen Szenen entwerfen eine Welt, in der gewohnte Zeichen und Bedeutungen ins Wanken geraten. Indem sie konventionelle Ordnungen auf den Kopf stellen, regen sie gleichsam dazu an, gesellschaftlichen Normen und Werte zu hinterfragen, die unsere alltägliche Wirklichkeit prägen oder strukturieren. Zugleich machen sie deutlich, dass Gegebenes niemals endgültig festgeschrieben ist, sondern stets neu ausgelegt werden kann.
Ganz ausgezeichneter, teils kräftiger Druck an die Plattenkante geschnitten, teils mit sehr feinem Rändchen. Leichte vertikale Mittelfalte mit zarten Trockenfältchen und verso Rückstände einer alten Albummontierung, in ein Fensterpassepartout montiert, weitere geringe Altersspuren, sonst sehr gut erhalten. Von großer Seltenheit., wir konnten lediglich ein Exemplar im Rijksmuseum in Amsterdam nachweisen.
Dupérac, Etienne - zugeschrieben
Landschaft mit Anglern und Fischern
Los 5105
Schätzung
2.400€ (US$ 2,759)
zugeschrieben. Landschaft mit Anglern und Fischern. Radierung. 23,6 x 37,3 cm. Le Blanc 87, IFF 80, Kat. Le Beau Style. Gravures Maniéristes de la Collection Georg Baselitz, hrsg. v. Nathalie Strasser et al., Genf 2002, S. 220, Nr. 94. Wz. Kreis.
Ganz ausgezeichneter Druck mit feinem Rand, links knapp bis an die sichtbare Plattenkante geschnitten. Verso leichte Mittelfalte, dort etwas fleckig, schwache Trockenfältchen mittig, kleine Montierungsreste in den Ecken verso, sonst sehr gut erhalten.
Die Beweinung. Radierung nach Antonio da Correggio. 20,7 x 28,5 cm. Andresen II, S. 794, 1, Massimo Mussini, Correggio tradotto. Fortuna di Antonio Allegri nella stampa di riproduzione fra Cinquecento e Ottocento, 1995, S. 141, Nr. 179. Wz. Initialen im Kreis.
Das als "La vierge à l'échelle" bekannte Gemälde Correggios, das als Vorlage diente und zahlreiche Wiederholungen wie hier auch im Gegensinn erfuhr, befindet sich heute in der Galleria Nazionale in Parma. Über den enigmatischen Radierer Francesco Dus sind nur spärliche Informationen bekannt, er war wohl in Spanien tätig und Heller-Andresen erinnert seine Nadel an Ribera. Sowohl dort als auch bei Massimo Mussini sind lediglich zwei Radierungen von seiner Hand bekannt, und diese sind von großer Seltenheit. Ausgezeichneter, minimal trockener, jedoch wunderbar experimentell anmutender Druck mit zahlreichen, atmosphärischen Wischkritzeln und einem feinem Rändchen um die Facette. Geringfügige Gebrauchsspuren, zwei geringe vertikale Knickspuren, wohl montierungsbedingt dünne Stellen oben, oben links winzige und sehr sorgsame Ausbesserung nahe des Randes, sonst schön erhalten.
Das große Dorffest. Radierung. 26,6 x 34,9 cm. 1685. B. 16, Dutuit 16, Hollstein 16 II (von III). Wz. Leiter im Kreis.
Das Hauptblatt des Haarlemer Meisters in einem prachtvollen Abzug mit schmalem bis feinem Rändchen um die Plattenkante; die Ätzflecke im Himmel noch deutlich sichtbar. Minimale Altersspuren, ein Fleck im Himmel, kleine Montierungsreste verso oben, sonst sehr gut erhaltenes Exemplar.
Dyck, Anthony van
Iconography - Icones Principum Virorum Doctorum Pictorum
Los 5108
Schätzung
4.000€ (US$ 4,598)
und verschiedene Stecher. Icones Principum Virorum Doctorum Pictorum [...]. 99 (von 104) Kupferstiche, teils mit Radierung. 4to. Sämtlich gebunden in einem Lederband d.Z. mit marmorierten Deckeln und mit reichverziertem goldgeprägtem Rückenschild (leicht berieben und bestoßen). Gillis Hendricx, 1645, Turner (New Hollstein, Van Dyck) 1 IV-V, 2-3, 5, 7, 10-38, 40-104. Wz. Neungliedrige Schellenkappe, Wappen mit Posthorn, Bekröntes Wappen mit Vierfüßler, Buchstaben CC.
Nach dem Erfolg seiner Porträtgemälde in der Tradition italienischer und flämischer Bildserien beschloss van Dyck, eine Druckausgabe mit den Bildnissen der bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Zeit zu gestalten, die in drei Kategorien unterteilt waren: Fürsten, Politiker und Soldaten, Staatsmänner und Gelehrte sowie Künstler und Kunstkenner. Van Dyck selbst stach nur einige wenige Tafeln, während er renommierte Stecher wie Lucas Vorsterman, Paulus Pontius, Schelte Adamsz. Bolswert oder Pieter de Jode für die anderen beauftragte. Van Dyck muss in den 1630er Jahren bis zu seinem Tod 1641 in Zusammenarbeit mit dem Verleger Maarten van Enden an dem Projekt gearbeitet haben, wobei die Drucke in regelmäßigen Abständen erschienen - möglicherweise bereits als Satz von achtzig Abzügen. Spätestens aber nachdem die Platten in den Besitz des Verlegers Gillis Hendricx übergingen, erschienen die Abzüge ab 1645 als Edition. Hendricx führte das Projekt mit Erfolg weiter und gab darüber hinaus weitere Platten in Auftrag. So stieg die Zahl der Abzüge zu seiner Zeit auf 104 (Zählung nach New Hollstein). Aber auch spätere Verleger des 17./18. Jahrhunderts erweiterten die Serie um zahlreiche Porträts, wodurch die Anzahl der zur Icones zählenden Blättern auf 178 anstieg - in der Forschung gab es jedoch immer wieder Diskussionen über die Anzahl der Platten und ihre Entstehungszeit (New Hollstein, Introduction p. xxxii-xxxiv).
Hier vorliegend die beinahe vollständige Folge aus der Auflage des Verlegers Gillis Hendricx: gestochen von Anthony van Dyck (14 Blatt), Schelte Adamsz. Bolswert (8 Blatt), Willem Jacobsz. Delff (1 Blatt), Cornelis Galle d. Ä. (1 Blatt), Willem Hondius (2 Blatt), Pieter de Jode d.Ä. oder d.J. (12 Blatt), Nicolaas Lauwers (1 Blatt), Jacob Neeffs (2 Blatt), Paulus Pontius (30 Blatt), Robert van Voerst (4 Blatt) und Lucas Vorsterman d.Ä. (24 Blatt). Ganz ausgezeichnete bis prachtvolle Abzüge, teils mit leichtem Plattenton, zarten Wischkritzeln und den noch sichtbaren Hilfslinien, mit Rand. Geglättete horizontale Knickspur verso, teils zarte Trockenfältchen, vereinzelt schwache Quetschspuren vom Druck, Spuren von Rotschnitt, meist nur minimal angestaubt und fingerfleckig, vereinzelt unten und rechts wasserrandig und mit schwachen Stockfleckchen, die ersten Blätter im weißen Rand etwas stockfleckiger und mit kleinen Randbestoßungen, H. 64 untere rechte Eckspitze ergänzt, weiter kleine Handhabungsspuren, sonst in sehr schöner Erhaltung. In dieser einheitlichen, nahezu vollständigen Gruppe sehr selten.
Falda, Giovanni Battista
Il terzo libero del' novo teatro delle chiese di Roma
Los 5109
Schätzung
1.200€ (US$ 1,379)
Il terzo libro del' Novo teatro delle chiese di Roma. 37 (von 38) Radierungen. Quer-8vo. Sämtlich gebunden in einem Lederband d.Z. mit goldgeprägtem Rückenschild (berieben, bestoßen, Deckel gelockert). Um 1669-70. B. 134-176, TIB 47, part 2 (Commentary) .140-176, Berliner Ornamentstichkatalog 2666, 3. Wz. Fleur-de-lis im Doppelkreis.
Die fast komplette Folge - nur das Titelblatt fehlt - mit den Nummern unten rechts. Ganz ausgezeichnete, klare Drucke mit Rand. Etwas fleckig bzw. stockfleckig, vornehmlich im weißen Rand, Dedikationsblatt etwas stärker angeschmutzt, die Ecken bestoßen, weitere kleine Erhaltungsspuren, sonst sehr schön erhalten. Beigebunden von Alessandro Specchi "Il quarto libro del Nuovo teatro delli palazzi in prospettiva di Roma moderna", 47 (von 52) Radierungen mit Titelblatt und Dedikation (Berliner Ornamentstichkatalog (Falda) 2666, 4). Aus der Sammlung des Klosters Val-Dieu "Bibliotheca Abbatiae Vallis Dei" (mit deren Stempel und Exlibris, nicht in Lugt).
Schule von Fontainebleau
um 1540-50. Römische Soldaten und Pferde
Los 5110
Schätzung
4.500€ (US$ 5,172)
um 1540-50. Römische Soldaten und Pferde. Radierung. 15,6 x 10,6 cm. TIB (Anonymous Prints of the School of Fontainebleau), 79 (407).
Die Radierung eines anonymen Künstlers der Schule von Fontainebleau gibt ein Detail eines Reliefs aus der Sala degli Stucchi im Palzzo Te in Mantua wieder, das von Francesco Primaticcio nach einem Entwurf Giulio Romanos ausgeführt wurde. Dargestellt ist ein Fragment eines römischen Triumphzuges, dessen Ikonografie von den Reliefs der antiken Trajanssäule in Rom inspiriert wurde. Der derbe, archaisch anmutende Radierduktus des kleinen, suggestiven Blattes ist charakteristisch für die Stilsprache der Schule von Fontainebleau. Die Radierung ist äußerst selten: Wir konnten lediglich zwei Exemplare in der Albertina, Wien und dem British Museum, London nachweisen. Ausgezeichneter, toniger Druck mit feinem Rändchen um die Plattenkante. Verso etwas fleckig und mit vereinzelten kleinen Kleberesten, sonst sehr gut erhalten.
Die Kreuztragung. Radierung und Kupferstich. 32,8 x 27,2 cm. B. 12. Wz. Adler.
Der Maler, Zeichner und Kupferstecher Giovanni Battista Fontana wurde in seinen Anfangsjahren in Verona maßgeblich von Tizian, Veronese und Giulio Romano beeinflusst. Seit 1562 war Fontana in Wien und anschließend in Innsbruck tätig, wo er 1575 zum Hofmaler des Erzherzogs Ferdinand von Österreich ernannt wurde. Etwas mehr als siebzig Blatt haben Bartsch und Passavant Fontana zugeschrieben, die vorwiegend als Radierungen ausgeführt und mit dem Grabstichel überarbeitet wurden. Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen um die Einfassungslinie, unten mit der noch stellenweise sichtbaren Einfassungslinie. Minimale Altersspuren, sonst sehr gutes Exemplar. Selten.
Franco, Giovanni Battista
Melchisedek bietet Abraham Brot und Wein an
Los 5112
Schätzung
750€ (US$ 862)
Melchisedek bietet Abraham Brot und Wein an. Radierung und Grabstichel. 27 x 42 cm. B. XVI, S. 120, 5 I (von II). Wz. Leiter (?) im Kreis mit sechszackigem Stern.
Prachtvoller, kräftiger Druck vor dem Namen des Künstlers meist knapp in die Darstellung geschnitten, unten mit der sichtbaren Plattenkante. Nur geringfügig fleckig, verso leichte geglättete Mittelfalte, entlang der Ränder minimale Leimspuren, sonst sehr schön erhaltenes Exemplar. Selten. Aus der Sammlung Dr. Volkmar Reichmann (Lugt 6224).
Französisch
um 1600. Merkur mit Hermesstab zu Pferd, nach links reitend
Los 5113
Schätzung
1.800€ (US$ 2,069)
um 1600. Merkur mit Hermesstab zu Pferd, nach links reitend. Radierung. 19,2 x 16 cm. Wohl unbeschrieben.
Ausgezeichneter, klarer Druck mit teils leichtem Wischton, an die sichtbare Plattenkante geschnitten, oben knapp innerhalb. Leichte Handhabungsspuren, Klebereste verso oben, kurzes Randeinrisschen oben rechts, unten rechts kurze Knickspuren, sonst gut erhalten.
Das Gleichnis vom Sämann. 4 Kupferstiche nach Gerard van Groeningen. Je ca. 20,5 x 24,5 cm. 1568. Schuckman (New Hollstein, Groeningen) 92-95 I (von II), Leesberg (New Hollstein, De Jode Dynasty) 260-263 I (von II). Wz. Krüglein.
Pieter Furnius war Schüler Lambert Lombards in Lüttich. In den Jahren 1563-1571 arbeitete er als Kupferstecher in dem berühmten Antwerpener Verlagshaus Christopher Plantijns und war auch für den Verleger Hieronymus Cock tätig. Furnius hat während der Blütezeit des Antwerpener Manierismus eine Reihe von Kupferstichen nach Vorlagen von Pieter Bruegel, Michel Coxie, Johannes Stradanus und anderen namhaften Meistern seiner Zeit angefertigt und außerdem mehrere Blätter nach eigener Erfindung gestochen. Ausgezeichnete, gleichmäßige Drucke mit dem vollen Rand. Minimale Altersspuren, sonst vorzüglich erhalten.
Die Vier Elemente. 4 Kupferstiche. Je ca. 19,1 x 24,2 cm. 1564. TIB 56, .086, Hollstein 365-368, Sellink/Leesberg (New Hollstein) 365-368, je II. Wz. Malteser Kreuz mit zwei Dreiblättern darüber.
Die vorliegende Folge der Vier Elemente, die auf dem ersten Blatt Terra 1564 datiert ist, zählt zu den frühesten Arbeiten des Philips Galles, die er im eigenen Verlag in Haarlem verlegte. Das Thema der "Vier Elemente" gehört ebenso wie etwa die Motive der „Vier Jahreszeiten“, „Der Planeten“ oder der „Zwölf Monate“ zum gängigen ikonographischen Vokabular der Zeit. Für seine allegorische Darstellung hat Galle die Götter Kybele (Erde), Jupiter (Feuer), Juno (Luft) sowie Neptun (Wasser) gewählt. Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Folgen der Elemente, in denen die Gottheiten häufig mit zahlreichen Staffagefiguren und ausführlicher Symbolik dargestellt werden, verzichtet Galle, abgesehen von den jeweils zugehörigen Symbolen und Elementen, auf ikonographisches Beiwerk. Diese reduzierte Auffassung ist kennzeichnend für die Kupferstichkunst Galles. Ausgezeichnete, gleichmäßige Drucke mit breitem Rand, Terra mit feinem Rändchen unten. Leichte Alters- und Gebrauchsspuren, geringfügig fingerfleckig, leichte Randläsuren, sonst in einheitlicher und sehr guter Erhaltung.
und Zacharias Dolendo (um 1561- um 1604, Leiden). Die Passion Christi. 14 Kupferstiche nach Karel van Mander. Je ca. 15,5 x 10,6 cm. Um 1596/98. Hollstein (Dolendo), aus 10-22, Filedt Kok/Leesberg (New Hollstein, Gheyn) 37-49, je I (von II), Leesberg (New Hollstein, Van Mander) 57-69, je I (von II). Wz. Bandenwappen, Basilisk mit Wappen mit Basler Stab, Schild mit Buchstaben 4-CW.
Die komplette Folge in der ersten, von de Gheyn II selbst verlegten Auflage in meist ganz ausgezeichneten, klaren Drucken, überwiegend mit feinem Rändchen um die Plattenkante, einige wenige Blatt teils bis an diese geschnitten, unten mit dem leeren Schriftrand, Blatt Nr. 10 bis zur Ziffer beschnitten. Geringe Gebrauchsspuren, teils unbedeutend fleckig, einige wenige Blatt mit unmerklichen ausgebesserten Läsuren in den äußeren Rändern, geringe Handhabungsspuren, zwei Blatt mit winzigem Wurmloch unten rechts, sonst in sehr schöner und originaler Erhaltung.
Thales Milesius. Radierung. 29,9 x 18,9 cm. 1616. Hollstein 11, Filedt Kok/Leesberg (New Hollstein) 5. Wz. Kleine Rollwerkkartusche mit Posthorn.
Das erste Blatt aus der Folge "Die sieben Weisen von Griechenland". Ausgezeichneter, gegensatzreicher Druck mit Rändchen um die Plattenkante, unten minimal knapp innerhalb beschnitten. Geringe Knick- und Knitterspuren, unauffällige Horizontalfalte unten, zwei geschlossene Randeinrisse links mit Spuren von weißer Farbe, hinterlegtes Löchlein im Schriftrand rechts, ein Sammlerstempel ebenda schwach durchschlagend, weitere minimale Gebrauchsspuren, sonst in sehr guter Erhaltung. Aus einer unbekannten Sammlung (nicht bei Lugt).
Gheyn III, Jacques de
Triton auf einer Muschel blasend
Los 5118
Schätzung
2.400€ (US$ 2,759)
Triton auf einer Muschel blasend. Radierung. 19,9 x 16,4 cm. 1616-1620. Hollstein (de Gheyn II) 30, Filedt Kok/Leesberg (New Hollstein) 19 I (von II).
Vor der Adresse des Verlegers Hondius. Ausgezeichneter Druck mit feinem Rändchen um die Einfassungslinie, rechts oben knapp in die Darstellung geschnitten. Geringfügig angestaubt, sorgsam ausgebesserte Stelle im Bereich des Oberarms und in der aufgewölbten Schuppenpartie, schwache geglättete Mittefalte mit Trockenfältchen verso, winziges geschlossenes Löchlein auf dem Rücken, ausgebesserte Randläsuren, rechts angerändert und die Darstellung sorgfältig mit Feder ergänzt, weitere Gebrauchsspuren, sonst gutes Exemplar. Unten rechts mit der Sammlersignatur von Florent Despesches (Lugt 668e und 668f).
Das Parisurteil. Kupferstich nach Giovanni Battista Bertani. 39,3 x 52,2 cm. 1555. B. 60, Lewis/Lewis 16 III. Wz. Kleiner bekrönter Doppelkopfadler (vgl. Lewis/Lewis 15, ca. 1552-1585).
Ganz ausgezeichneter, gleichmäßiger und samtig wirkender Druck, bis auf die Plattenkante beschnitten, stellenweise minimal knapp an die Darstellung. Ohne die separat gedruckte Schriftplatte. Von dem ersten und zweiten Druckzustand ist jeweils nur ein Exemplar nachweisbar.
Verso vertikale Mittelfalte, diese unten leicht gesprungen, kleinere Bereibungen etwa in den Genitalien der beiden Figuren links, einzelne ausgebesserte Erhaltungsmängel, die recto nicht in Erscheinung treten, oben rechts geschlossener Randeinriss, unten links alte, leicht verblasste Federannotation sowie ein weiteres Feder-Monogramm rechts, sonst sehr schönes Exemplar. Die Sammlerparaphe wohl von Florent Despesches (Lugt 668e und 668f).
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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