Ukiyo-e Sammlung
Konvolut von ca. 50 Farbholzschnitten verschiedener Künstler mit Darstellungen von u. a. Kriegern, Schauspielern, Legenden und Schlachten
Los 655
Zuschlag
950€ (US$ 1,092)
Ukiyo-e Sammlung. Konvolut von ca. 50 Farbholzschnitten verschiedener Künstler mit Darstellungen von u. a.Kriegern, Schauspielern, Legenden und Schlachten. Formate vorwiegend ôban. Edo (Tokio) 19. Jahrhundert.
Umfangreiche Gruppe figürlicher japanischer Farbholzschnitte mit breitem ikonographischem Spektrum zwischen Theaterdarstellungen, Kriegerbildern, Historienepisoden, Bijin-Darstellungen und mythologischen Szenen. Vertreten sind unter anderem Drucke von Utagawa Kunisada, Utagawa Kuniyoshi, Toyohara Kunichika und weiteren Meistern der Utagawa-Schule. Dargestellt sind Schauspieler, legendäre Gestalten und Gottheiten in Porträts sowie Gruppen- und Genreszenen, darunter auch dramatische Kampf- und Schlachtendarstellungen. – Unterschiedlich erhalten, teils mit Montierungsspuren, Randläsuren, kleinen Fehlstellen, Flecken oder Bereibungen; einige Blätter aufgezogen. Insgesamt dekoratives Sammlungskonvolut.
Weiqi-Spieler
Chinesisches Tuschemalerei in Aquarellfarben auf Papier
Los 659
Zuschlag
400€ (US$ 460)
Weiqi-Spieler. Chinesisches Tuschemalerei in Aquarellfarben auf Papier. 126 x 65 cm. Mit Goldbordüre aufgezogen auf festen Pappgrund und Spanholzplatte mit Leinenbezog recto, gerahmt in teilprofilierter Holzleiste 150 x 90 cm. China Ende 19. Jahrhundert.
In der chinesischen Tuschmalerei "Shuimo Hua" ist das am höchsten geschätzte Sujet die Landschaft, meist bizarre Bergwelten mit mächtigen Bäumen, mit Wasserfällen, Seen und Flüssen, die enge Schluchten durchschneiden. Figürliche Zusätze bilden meistens nur Staffagen, auch wenn sie oft titelgebend sind. Alles genannten Elemente finden sich hier: Die dargestellte Berglandschaft wirkt auch daher so gewaltig, weil die Staffagen, ein winziges Segelboot, kleine Häuser am Ufer, aber auch die Weiqi-Spieler im Bildmittelgrund eine Relation herstellen. Unten erscheinen zwei Landarbeiter, wohl damit beschäftigt, Reis zu dreschen, während auf einer Bergwiese zwei Spieler das berühmte Weiqi- bzw. Go-Brettspiel spielen, während zwei Zuschauer, einer mit langer Pfeife, ihnen Gesellschaft leisten. – Mehrere, jedoch meist nur kleinere Flecke, hier und da Oberflächenbereibungen, allenthalber kleine Randläsuren, fest auf Kartonpappe montiert, sehr dekorativ und kontemplativ. - Schön gerahmt, nicht ausgerahmt, Versand jedoch nur ohne Rahmen.
Ausländische Reiter. 2 Yokohama-e Farbholzschnitte verschiedener Künstler von Reitern. Format ôban tate-e. Ca. 37 x 25 cm. 1860-1861.
Vorhanden sind:
I. Utagawa Yoshitora. England - Darstellung eines englischen Reiters, signiert "Yoshitora-ga". 37,3 x 25 cm. Verlegt bei Yama-shi 1861.
II. Utagawa Yoshimori. Russland - Reiter aus Russland, Einzelblatt aus der Serie Gokakoku no uchi wo Roshiya (japonice: "Aus fünf Ländern"), signiert "Ikkôsai Yoshimori-ga". Verlegt bei Otaya Takichi1860. – Der Holzschnitt Yoshimoris randbrüchig, gebräunt und mit kleinen Fehlstellen im unteren Randbereich.
Yokohama-e und Humoristische Szenen
4 Farbholzschnitte mit Darstellungen westlicher Persönlichkeiten und technischer Neuerungen
Los 663
Zuschlag
200€ (US$ 230)
Yokohama-e. - Satirische Szenen. 4 Farbholzschnitte mit Darstellungen westlicher Persönlichkeiten und technischer Neuerungen. Format jeweils ôban tate-e- Ca. 35 x 24 cm. Ca. 1850-1900.
Vier Holzschnitte der sogenannten Yokohama-e-Gattung. Die Blätter zeigen europäische und amerikanische Persönlichkeiten in alltäglichen und humorvollen Szenen.
Vorhanden sind:
I. Utagawa Yoshiiku. Gaikoku jinbutsu zuga (japonice: "Bilder von Menschen aus dem Ausland"). Darstellung eines Franzosen und seines chinesischen Dieners aus Nanking, signiert "Ikkeisai Yoshiiku ga". Verlegt bei Maruya Tetsujiro, 1861.
II. (Utagawa-Schule). (Der amerikanische Ornithologe John James Audubon). Szene, in der Audubon die Zerstörung seiner Zeichnungen durch Mäuse entdeckt. Ca. 1850-1900. - Vgl. Yonemura 74.
III. (Utagawa-Schule). (Der schottische Historiker Thomas Carlyle). Darstellung der Anekdote um die verbrannten Manuskripte Carlyles nach einem Missgeschick mit einem Hund. Ca. 1850-1900.
IV. (Utagawa-Schule). (Darstellung des Robert Peel - Leinweberei in Belgien). - Illustration des technologischen Fortschritts d. Z. durch neue Verfahren in der Textilindustrie. Ca. 1850-1900. – Papierbedingt etwas gebräunt. Altersgemäß gut erhaltene, farbkräftige Drucke. Mit Alters- und Lagerspuren.
Yokohama-e und John Heathcoat und seine Frau
Farbholzschnitt mit der Darstellung des Erfinders der Nähmaschine, John Heathcoat
Los 664
Zuschlag
90€ (US$ 103)
Yokohama-e. Farbholzschnitt mit der Darstellung des Erfinders der Nähmaschine, John Heathcoat und seiner Frau. Format ôban tate-e, ca. 34 x 23,5 cm. Unter Kartonpassepartout. Japan, Meiji-Zeit ca. 1850-1900.
Die Darstellung zeigt den englischen Erfinder John Heathcoat (1783-1861) im Gehrock und Zylinder, wie er seiner sitzenden Frau in einem Interieur ein grünes Band, das Erzeugnis seiner neu erfundenen Maschine, der Nähmaschine, präsentiert. Im Hintergrund ist ein kleiner Hund zu sehen. Oben erläuternder Text in Kanji. – Im unteren weißen Rand sehr winziger Randeinriss. Papierbedingt nur leicht gebräunt, insgesamt sehr gut erhalten und farbfrisch.
Nobukazu, Yosai
Yokohama-e Farbholzschnitt der kaiserlichen Hochzeit
Los 665
Zuschlag
100€ (US$ 115)
Nobukazu, Yosai. Yokohama-e Farbholzschnitt der kaiserlichen Hochzeit. Koi go-kekkonshiki (japonice: Die allerhöchste [kaiserliche] Hochzeit). Farbholzschnitt der Vermählung von Kronprinz Yoshihito mit Kujo Sadako. Signiert "Yosai Nobukazu". Format ôban tate-e. 36,7 x 25,2 cm. Japan, bei Kodama Yakichi, Meiji 33 (1900).
Das Blatt zeigt die Hochzeit von Kronprinz Yoshihito (dem späteren Taishô-Kaiser) mit Kujô Sadako, der späteren Kaiserin Teimei, die dem Fujiwara-Clan entstammte. Die Darstellung im westlich beeinflussten Stil der späten Meiji-Zeit zeigt das Paar in prachtvoller höfischer Kleidung vor einem traditionellen Wandschirm. – Mit winzigen Randeinrissen, insgesamt von sehr guter Erhaltung.
Watanabe Nobukazu
Zeremonie zur Silberhochzeit des Kaisers. Yokohama-e Farbholzschnitt
Los 666
Zuschlag
100€ (US$ 115)
Nobukazu, Watanabe . Zeremonie zur Silberhochzeit des Kaisers. Yokohama-e Farbholzschnitt. Einzelblatt aus einem Triptychon. Format ôban tate-e. 37 x 27 cm. Um 1894.
Der Holzschnitt von Watanabe Nobukazu (1872 - 1944) zeigt das Kaiserpaar während der Festlichkeiten anlässlich ihrer Silberhochzeit. Wohl ein Einzelblatt eines Triptychons. – Ein Blatt aus einem Triptychon. Mit kleinem Einriss am oberen Rand sowie kleinen Randläsuren, sonst von guter Erhaltung in besonders kräftigen Farben.
Yoshitora, Utagawa. Amerikajin ("Amerikaner"). Yokohama-e Farbholzschnitt zweier US-Marinesoldaten mit Musketen. Aus der Serie Gaikokujin yuko no zu (japonice: Lebenswandel der Ausländer), signiert "Yoshitora-ga". Format ôban. 33,4 x 20,4 cm. Japan, bei Yamadaya Shojiro, 1861.
Dargestellt sind zwei bärtige Soldaten des United States Marine Corps, von dem eine 200 Mann starke Einheit Commodore Perry 1853 auf seiner Expedition nach Japan begleitet hatte. In den Händen halten die Soldaten ihre langen Springfield-Musketen, rechts mit aufgesetztem Bajonett. – Papierbedingt leicht gebräunt. Wohlerhalten.
Yoshikazu, Utagawa
Deckszene mit Saloninterieur eines amerikanischen Dampfschiffs. (Amerika-koku. Jokisen-chu no sha)
Los 670
Zuschlag
300€ (US$ 345)
Westliche Lebensart an Bord eines amerikanischen Dampfschiffs
Yoshikazu, Utagawa. Amerika-koku. Jokisen-chu no sha (japonice: Das Land Amerika. Skizze aus dem Inneren eines Dampfschiffs). Triptychon. 3 Blatt-Farbholzschnitte, signiert "Issen Yoshikazu-ga". Jeweils Format ôban tate-e. Zusammen ca. 37 x 75 cm. Unter Kartonpassepartout. Japan, bei Maruya Jinpachi (Enjudô), 1861.
Dambmann 19. – Ein Yokohama-e-Triptychon von Utagawa Yoshikazu (1833-1904), einer Bildgattung, die Darstellungen westlicher Motive und Ausländer im Japan der Öffnungszeit bezeichnet, zeigt eine Deckszene sowie ein Saloninterieur eines amerikanischen Dampfschiffs mit zahlreichen Passagieren in westlicher Kleidung. Einige sitzen gesellig bei Speis und Trank beisammen, während andere auf Deck promenieren. – Winzig kleine, kaum sichtbare Einstiche im Papier innerhalb der Darstellung. Insgesamt von sehr guter Erhaltung.
Yoshitora, Utagawa
Shamisen-Spielerin im Interieur mit zwei Begleiterinnen
Los 672
Zuschlag
100€ (US$ 115)
Yoshitora, Utagawa. (Shamisen-Spielerin im Interieur mit zwei Begleiterinnen). Farbiger Holzschnitt. Format ôban tate-e. 36,5 x 25 cm. Unter Passepartout. Japan spätes 19. Jahrhundert.
Überaus anschauliche Interieurszene mit drei eleganten Damen. Im Vordergrund sitzt eine Shamisen-Spielerin. Das Zimmer ist mit gemustertem Teppich, einer Vase mit rosafarben blühenden Zweigen sowie zwei Kakemono-Bildern ausgestattet. Die Japanerinnen sind fein gekleidet in gemusterten Kimonos, aufwendig frisiert und mit zahlreichen Haarnadeln geschmückt. – Sehr farbintensiv erhalten. Knapp beschnitten, insgesamt in sehr guter Erhaltung.
Yoshitoshi, Tsukioka
Yakusha-e Farbholzschnitt eines Kabuki-Darstellers mit Schwert und grauem Umhang
Los 673
Zuschlag
80€ (US$ 92)
Yoshitoshi, Tsukioka. Yakusha-e Farbholzschnitt eines Kabuki-Darstellers mit Schwert und grauem Umhang. Format chûban tate-e. 25 x 18 cm. Unter Passepartout. Edo (Japan) zweite Hälfte 19. Jahrhundert.
Der Holzschnitt zeigt einen Kabuki-Darsteller in Ganzfigur vor schwarzem Grund. Er ist in einen weiten, grau-gepunkteten Umhang gehüllt, darunter trägt er einen blauen Kimono. Aus den Falten seines Gewandes ragt der Griff seines Katana hervor. – Auf Japan aufgezogen. Überaus farbkräftig.
Rennewart-Fragment
Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament.
Los 1004
Zuschlag
1.900€ (US$ 2,184)
Rennewart-Fragment. Fragment einer deutschen Handschrift auf Pergament. Schriftraum hier ca. 24 x 3,6 cm. Format 27,8 x 4,3 x 4,6 cm. Mit roter Kapitalstrichelung und einer 2-zeiligen Initiale "S" als rote Versalie mit blauem Federwerk. Nürnberger Raum um 1345.
Bedeutendes, nicht im Handschriftencensus erfasstes Fragment einer Nürnberger Rennewart-Handschrift aus dem 14. Jahrhundert. Erhalten als Einbandmakulatur sind beiseitig 39 Zeilen wohl einer wie üblich 40-zeiligen Handschrift auf Pergament. "Fragmente mit 40 Zeilen sind nicht ganz selten", schreibt Klaus Graf (Archivalia 59205764) und zählt einige ähnliche Fragmente auf: in Berlin (Census 1780), Dillingen (23753), Graz (1781), Klosterneuburg (1130), München Cgm 5249/7k (1774) etc. Das vorliegende ist besonders interessant, da es nicht nur fast eine ganze Kolumne (es fehlt oben wohl nur eine einzige Zeile) der Zeilenanfänge mit bis zu 3-4 Wörtern und 12-16 Buchstaben umfasst, sondern auch verso die flatternden Zeilenenden enthält mit den Reimpaaren wie "missesaget - wol behaget", "nit twingen - gedingen", "gar den líp - reínez wip" etc. Vgl. hier Uolrich's von Türheim. Rennewart. Deutsches Gedicht des 13. Jahrhundertes. Hrsg. und erl. von Dr. Karl Roth. 1856. Mit der bezüglichen Textpassage "[...] wol in gant / und die enpristen stille stant / da mit wir den lip ernern / daz wir uns des ymmer gewern / swaz nu dem prise wol behaget / nit wolt des tauffes segen / so enwil iz iuch niht twingen / ein ding wil ich gedingen [...]". (Deutsche Texte des Mittelalters XXXVIII, S. 171).
Der Dichter Ulrich von Türheim (um 1195-1250) war als Fortsetzer des Tristan-Epos’ des Gottfried von Straßburg in die hochmittelalterliche Literaturgeschichte eingegangen. Mit seiner zweiten großen Versdichtung, der dem "Rennewart" knüpfte er an den Willehalm Wolframs von Eschenbach an. Paläographisch ist das Fragment wohl in die erste Hälfte des 14. Jahhunderts zu verorten, was allerdings die Forschung erst noch bestätigen muss.
Ludwig von Brandenburg
Urkunde des Markgraphen. Deutsche Handschrift auf Pergament
Los 1005
Zuschlag
550€ (US$ 632)
Pergamenturkunde des Markgrafen Ludwig von Brandenburg und Herzogs von Bayern und Grafen von Tirol
Ludwig Markgraf von Brandenburg. Lehensverleihung. Urkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 17 Zeilen. Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 9 x 22 cm. Blattgröße 23,5 x 30,5 cm. Tirol 1353.
Zeitgenössische Abschrift einer Lehensurkunde, die verliehen wurde von Ludwig der Brandenburger (1323-1361), der seit 1323 als Kurfürst von Brandenburg und seit 1342 als Herzog von Bayern und Graf von Tirol regierte, in Zorneding starb und ein Fürstengrab in der Münchner Frauenkirche bekam. "Wir ludwig von gotz gnadn margraff von brandenburg und zu lusytz dez heiligen Römischen reich oberster chammer pfaltzgraff pei dem rein hyrtzog zu payrn und zu charendn Graff zu Tyrol [...] bechennen offenlych mytt dem bryeff das für uns cham unßer truyer merln der mareyder [?] als ain procurator myt volm gewalt anstat ulrychs und ramprechts peyd prüder von wyrwerg daz wir solen ulrichen und rampirchen Lehenn verleyhenn [...] dytz bryeffs der geben yst auf Tyrol nach xpws [Christus] gepurt drewtzehem hondt jar dar nach Im dem drew und L jar am sand Erhartz Tag etc. etc. etc." – Kleiner Randausriss links und zwei etwas größere rautenförmige Ausrisse im Schriftspiegel mit einigem Textverlust, etwas angestaubt, mit Plica und Pergamentlitz (ohne Siegel). Aus dem Besitz des Germanisten und Mediaevisten Gerhard Eis (1908-1982). Siehe Gerhard Eis, Eine unbekannte Urkunde Herzog Ludwigs des Älteren vom Jahre 1353, in: Ostbairische Grenzmarken vol. 14 (1972) S. 304. – Beigegeben eine weitere Urkunde: Peter von Lemis (?). Zoll-Erbschaftsurkunde in deutscher Handschrift auf Pergament. 1 Bl. 1 S. 28 Zeilen. Süddeutsche Kanzleitextura in Schwarzbraun. Schriftraum 14,5 x 22,5 cm. Blattgröße 18,8 x 25,8 cm. Rothenburg ob der Tauber (?) 1385. - Anerkennende Beurkundung einer Vererbung des Zollrechts von Lemis (?), wohl bei Rothenburg ob der Tauber an den Kürschner Peter: "Ich Peter der Kürsn[er] von Lemis und ich Margret sein Hausfraw [...] mit dem offen prieff für uns und für all unser erben, daz der Erber Edelherre her chumrat von Rotenburg ... uns glazzen hat sein tail des zolls zu Lemis [...]". - Mit stärkeren Braunflecken, kleinen Ausbrüchen in der Plica, Text vollständig. Dabei ein Blatt mit einer vollständigen (wenn auch vielfach irrigen) Transkription von Gerhard Eis in blauer Tinte.
Chapelle de Chambon
2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament
Los 1006
Zuschlag
240€ (US$ 276)
Blois. - Chapelle de Chambon. 2 mittelalterliche Urkunden. Französische Handschrift auf Pergament. Ca. 11 x 27 bzw. 6 x 26,5 cm. Mit Resten von Wachssiegeln am Plica-Streifen. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 20 x 30 cm. Blois 11. Februar 1359 und 17. Januar 1360.
Datiert am 11. Februar 1359 "Etienne Gobillon Conseiller de Comte de Blois reçoit de Gillet Boivin Garde de la récolte de Blois pour Perrault Lergaut à cause de sa Chapelle der Notre Dame de l'Hôtel à Chambon appartenant de Mr. de Blois ce qué lui est donné à cause de sa chapelle" (Text einer späteren Regeste, verso). Und die zweite Urkunde vom 17. Januar 1360: "Frère Etienne de Vauconcourt à reçu du Pierre de Boulogne de Blois 40 annés de Bureau 20 Royaux d'or en rabat de Compte de plus grande somme d'années de burea à lui donnés par le Comte pour cause de Vente à Noel [...]" (etwa: "Bruder Etienne de Vauconcourt erhielt von Pierre de Boulogne de Blois 40 Jahre Amtszeit 20 königliche Goldmünzen als Ausgleich für die größere Summe der Jahre, die ihm der Graf aufgrund des Verkaufs zu Weihnachten gewährt hatte [...]").
Womöglich handelt es sich um eine heute nicht mehr existente Kapelle "Chapelle der Notre Dame de l'Hôstel à Chambon", wohl in der Nähe von Blois. Nachweisen konnten wir einzig die bedeutende romanische "Chapelle funéraire de Chambon-sur-Lac" am Puy-de-Dôme in der Auvergne. – Kleine Montagespuren und Löchlein, gering fleckig. – Beiliegt: Ein weiteres Schriftstück. Französische Handschrift auf Papier. Unter Glas in einfacher Holzrahmenleiste 29,5 x 22,5 cm. Frankreich 15. Jahrhundert.
Iunianus Iustinus, Marcus
Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament
Los 1007
Zuschlag
4.600€ (US$ 5,287)
Sie warfen Gold und Silber in den See zur Buße
Iunianus Iustinus, Marcus. Fragment aus den Historiarum Philippicarum libri XLIV des Pompeius Trogus. Lateinische Handschrift auf Pergament. Gotica textualis. 1 Bl. Mit 29 (von 32?) Zeilen und 3 kleineren Fragmentteilen, teils mit Schrift. Schriftraum verbleibend 18,2 x 11,6 cm. Format 19,3 x 13,6 cm bzw. ca. 1 x 3 oder 1,5 x 14 cm (Schnipsel). Norditalien (?) um 1360.
Großes, textreiches Fragmentblatt aus einer der wenigen erhaltenen Handschriften des 14. Jahrhunderts, die Teile der "Epitoma historiarum Philippicarum" des Marcus Junianus Iustinus, eines römischen Historikers des 2.-3. Jahrhunderts überliefern. In seinen Texten bezieht sich Iunianus auf die "Historiae Philippicae" des Pompeius Trogus, die dieser zu Zeiten des Augustus verfasste, die er aber zu einem eigenen Œuvre komplilierte. Das vorliegende Fragment enthält eine bedeutende Passage, die vor dem Hintergrund des Verfalls des Römischen Weltreichs den Untergang verschiedener italienischer Stämme durch die Pest als Prophezeiung skizziert: "Testosagi autem cum in antiquam patriam tolosanam venissent, comprehentique pestifera lue effent, non priùs sanitatem recuperavere, quàm aruspicum responsis moniti , aurum argentumque bellis sacrilegiisque quæsitum in Tolosensem lacum mergerent, quod omne magno post tempore Caepio, Romanus consul, abstulit [...]" - übersetzt etwa: "Als die Testosagi jedoch in ihre alte Heimat Toulouse zurückkehrten und von einer verheerenden Seuche befallen wurden, hatten sie sich noch nicht von ihrer [vorigen] Krankheit erholt. Da warfen sie, gewarnt durch die Prophezeiungen der Wahrsager, das Gold und Silber, das sie durch Kriege und Sakrilege erworben hatten, in den See von Toulouse. Alles wurde nach langer Zeit von Caepio, dem römischen Konsul, wieder eingesammelt [...]".
Die Überlieferung und Lesarten des Fragments müssten wissenschaftlich überprüft werden, sie geben sicherlich interessantes Material zu neuen Erkenntnissen. – Einbandmakulatur mit entsprechenden Gebrauchsspuren, etwas gebräunt, fleckig, der Spiegel der Kolumne oben und rechts abgeschnitten, der Hauptkorpus des Textes jedoch ohne wesentliche Fehlstellen. Knickspuren, leichter Abrieb, aber insgesamt gut lesbar, mit einigen Marginal- und Interlinearglossen.
Graduale-Fragment
Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen.
Los 1008
Zuschlag
850€ (US$ 977)
Graduale-Fragment. Französische Handschrift auf Pergament. 13 nn. Bl. mit 26 S. 23 Zeilen. Gotische textura in Schwarzbraun mit Auszeichnungen in Rot und 7 großen 4-zeiligen Schmuckinitialen in Rot und Blau, zahlreichen 2-zeiligen Initialen im Wechsel rot und blau sowie romanische Quadratnotation. Schriftraum 21 x 13 cm. Format 29 x 18,5 cm. Lagen mit Fadenheftung aus einistigem Einband gelöst. Frankreich Ende des 14. Jahrhunderts.
Ein recht umfangreiches Fragment mit 26 Seiten aus einem handlichen Graduale mit hübscher Rubrizierung und romanischer Quadratnotation auf vierlinigem System. Das Graduale Romanum diente im Spätmittelalter als Chorbuch, das die Gesänge mit Texten und Noten für die für die Heilige Messe enthält. Der Text gliedert sich dabei in "Introitus", der Gesang zum Einzug der Priester zum Altar, der "Oratio", bei der die Scola, die Sängergemeinde nach den Noten intoniert und das "Responsorium", der liturgische Wechselgesang. Während das Antiphonale oder Messbuch in Händen der den Gottesdienst leitenden Priester lag, war das Graduale den Chorsingern vorbehalten.
Die angerufenen und verehrten Heiligen des Kalendariums im Kirchenjahr deuten auf eine Entstehung wohl im Norden Frankreichs hin: "Ludovici regis francorum introitus" (Ludwig der Heilige, Schutzpatron Frankreichs), "In festo visitationis beatae mariae introitus", "Anne matris marie introitus", "In conceptione beatae mare totum sicut in nativitate", "De sancto domnolo oratio" (Heiliger Domnolus von Le Mans, gallischer Bischof und Abt des 6. Jahrhunderts) etc. Der Text endet mit "Frater franciscus de mazeres feat me anima eius requiescat in pace". – Wenige blaue Initialen leicht ausgewaschen, sonst kaum fleckig, gut erhaltene Pergamenthandschrift in interessantem Groß-Oktav-Format.
Canticum canticorum
2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohenlied Salomonis. Mittelniederländische Handschrift auf Pergamen
Los 1009
Zuschlag
300€ (US$ 345)
Canticum canticorum. 2 Fragmente aus einem Kommentar zum Hohelied Salomons. Mittelniederländische Handschrift auf Pergament. 4 S. auf 2 Bl. 2 Spalten. 2 Kolumnen mit Resten von jeweils 5-6 Zeilen der oberen Blatthälfte. Schriftraum ca. 2,5 x 10,2 cm. Fragmentgrößen ca. 3,2 x 16,6 cm. Bastarda in schwarzer Tinte mit wenigen roten Auszeichnungen. Westliche Niederlande (Holland oder Utrecht), um 1400.
Fragmente aus einem Kommentar zum Hohelied der Bibel in seltenem mittelniederländischen Idiom. Der Germanist und Mediävist Gerhard Eis identifizierte den Text in einem Aufsatz: "Wiewohl nur sehr wenig Text erhalten ist, konnte der Inhalt genau bestimmt werden. Allein schon eine Stelle wie Dijn borsten sijn beter dan wijn (BI. 2ra) ist eindeutig als Zitat aus dem Hohenlied zu erkennen (Cant. I,1 quia meliora sunt ubera tua vino). Es handelt sich aber nicht um eine reine Übersetzung, sondern um eine Erklärung des Hoheliedes". So Gerhard Eis, Fragment einer mittelniederländischen Erklärung des Hohenliedes, in: Studia neophilologica 34 (1951-1952), S. 59-62 (mit einer Edition der Fragmente).
Der in diesen Fragmenten überlieferte Text ist die mittelniederländische Bearbeitung einer anonymen Erläuterung des Hohelieds mit dem Titel Glossa tripartita super Cantica (13. Jh.). Diese Bearbeitung ist als Bedudinghe op Cantica canticorum in 43 mittelniederländischen Handschriften überliefert. Unsere Fragmente stammen aus dem Anfang von Buch 4, Kap. 10. S. Kees Schepers, Bedudinghe op Cantica canticorum. Vertaling en bewerking van ‘Glossa Tripartita super Cantica’, Leuven 2006, Bd. 1, S. 365-366, Bd. II, S. 228-230 (Edition, in der Hs. mit erheblichen Varianten). – Text teils etwas berieben, kaum fleckig, gut leserlich. Gerhard Eis erhielt diese Fragmente 1951 als Geschenk des Münchener Antiquars Adalbert Lauter. In seiner Sammlung erhielten sie die Signatur Hs. 49. Ein Brief von Lauter an Eis liegt dem Fragment bei.
Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift
einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau,
Los 1010
Zuschlag
900€ (US$ 1,034)
Da tat sich die Erde auf "da rect sich dz ertrich uff"
Spätmittelhochdeutsche Pergamenthandschrift. 2 Fragmente aus Einbandmakulatur mit Teilen von 4 Kolumnen. Gotica textura. Jeweils ca. 13,2 x 15,6 cm. Mit Auszeichnungen, Kapitalstrichelung und großen Absatzmarken in Rot und Blau. Süddeutschland Ende 14. Jahrhundert.
Zwei Fragmente einer spätmittelhochdeutschen Pergamenthandschrift mit Auszeichnungen in Rot und Blau, einst verwendet als Einbandmakulatur mit entsprechenden Fehlstellen und Überklebungen, die restauratorisch gelöst werden sollten, um den Text zuzuordnen. Möglicherweise handelt es sich um ein Erbauungsbuch mit verschiedenen Texten aus der Vita Christi, der Bibel o.ä., man liest u. a.: "[...] spricht sant jeronimus dz den psalmen chore sün einer hab gemaht der und den anderen brüdern der turst [Durst?] sig gewesen der chore wz ungereht und wolt sinem sun nit volgen. da rect sich dz ertrich uff und chore fiel zu tal mit allen den die ym geulud da bekerten [...] ding hin zu [...] und wissagte [...]". – Einstige Umschläge zweier Kopertbände mit aufmontierten alten Bibliotheksschildern (textverdeckend), einem hs. Rückentitel des 15. Jahrhunderts "Speculum morale de Sacramentis", Bereibungen, Flecken, Anschmutzungen und kleinen Löchlein, Leim- und Montagespuren. – Beiliegt: 1 weiteres Fragment einer mittelalterlichen Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Minuskelschrift auf regliertem System. Als Umschlagmakulatur gefaltet, ca. 19 x 14 cm (ohne die Falzränder gemessen). Anfang des 14. Jahrhunderts. - Teils stärker gebräunt, mit Löchern, Rissen, Flecken und Gebrauchsspuren.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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