Alexis, Willibald (d. i. Wilhelm Haering), Berliner Schriftsteller und Publizist, erfolgreicher früher Vertreter des realistischen Romans (1798-1871). Eigh. Brief m. U. "W. Haering". 2 S., eng beschrieben. Gr. 8vo. Berlin 4.V.1855.
An den ihm befreundeten Schauspieler, Bühnenautor und Vortragskünstler Carl von Holtei. Bedankt sich für die Zusendung eines Manuskripts von Holtei, das er zum Abdruck befördern werde. "... Sie hat mir recht gefallen, wird aufgenommen u. wahrscheinlich bald abgedruckt werden. Nur bitte ich zu bemerken, dass ich nur Redacteur bin u. mit dem Honorarpunkt nichts zu thun habe; da einige Dich, wenn Du es nicht schon hast, mit Herrn Barthel. - Hoffentlich wirst Du per 1856 nicht in übler Gesellschaft erscheinen ...". Geht dann ausführlich auf eigene Arbeit ein und nennt mancherlei Schwierigkeiten. "... Hätte ich, als ich anfing, gewußt, wohin Preußen einst kommen würde, hätte ich wohl auch einen andern Weg eingeschlagen ...". Behandelt schließlich noch familiäre Nachrichten.
Archenholtz, Johann Wilhelm von
Brief an den Verleger Camesina in Wien. 1799
Los 2502
Zuschlag
180€ (US$ 207)
Archenholtz, Johann Wilhelm von, preuß. Offizier, Historiker, Schriftsteller und Publizist (1743-1812). Brief m. U. "Ihr ergebenster v. Archenholtz". 21/2 S. Doppelblatt mit Adresse. 4to. Hamburg 15.VIII.1799.
An den Buchhändler Joseph Albert Camesina in Wien, dem er diverse Restbestände seiner Zeitschriften und Reihenwerke mit 50 % Rabatt anbietet. "... Da mein Journal Minerva als das größte Magazin der wichtigsten Schriften und Dokumente zur Geschichte der Revolutions-Epoche anerkannt ist, und also auch noch nach Jahren gelesen werden wird, so glaube ich eine respectable Handlung wie die Ihrige auf diesen Umstand aufmerksam machen zu müssen; da die meisten Jahrgänge dieses Werks jezt noch leicht zu ergänzen sind, und manchen Subscribenten damit gedient wäre, wenn es mit nicht grossen Kosten geschehn könte. Diese zu erleichtern ist meine Absicht. Ich trage Ihnen daher die Jahrgänge 1794, 1795, 1796 und auch 1797 ... mit 50 % Rabat an, Fr: Leipzig, wobey der Zahlungs-Termin nach der Ostermesse 1800, oder auch noch später bestimmt werden kann ...". Bietet dann weitere Restauflagen an: die Brittischen Annalen, die Miscellen zur Geschichte des Tages und Select Pieces in Prose and Verse, "das leztere zum Gebrauch derjenigen, die Englisch lernen ... Im Fall Sie ein compl. Exempl: der Minerva für einen Bücherfreund verlangen, oder auch für Ihre eigne Handlung, die doch wohl ein Ex: eines solchen Werks aufs Lager haben solte, so würden wir uns um den Preis wohl verstehen. - Dieser Brief bleibt übrigens unter uns ...". - Ausrisse mit geringem Buchstabenverlust durch das Öffnen der Versiegelung.
Assing, Ludmilla
Brief an eine Dame wegen Varnhagens Nachlass. 1859
Los 2503
Zuschlag
240€ (US$ 276)
Assing, Ludmilla, Schriftstellerin, Biographin, Übersetzerin, Herausgeberin, Journalistin und Künstlerin, Nichte Karl August Varnhagens, Herausgeberin seines und anderer Personen Nachlässe (1821-1880). Eigh. Brief m. U. "Ludmilla Assing". 1 S. Blaues Papier mit weißen Einsprengseln. 8vo. Berlin 20.IV.1859.
An eine Dame, die um bestimmte Briefe unter Varnhagens Papieren gebeten hatte. "... Es freut mich sehr, sie jetzt gefunden zu haben, und ich beeile mich, sie Ihnen zu übersenden. Möchte doch eine geeignete Feder eine Lebensskizze von Doctor Frank entwerfen und dadurch das Andenken an einen so ausgezeichneten und eigenthümlichen Mann in unserer Literatur erhalten bleiben! - Ich sage Ihnen nichts von der traurigen Zeit, die ich durchlebt habe. Für ein so glückliches Zusammenleben, wie es mir eine Reihe von Jahren zu Theil geworden, giebt es keinen Ersatz, und die Erinnerung ist das Beste was übrig bleibt ...". - Ludmillas Oheim Karl August Varnhagen von Ense war am 10. Oktober 1858 verstorben.
Beaumarchais, Pierre Augustin Caron de
Brief an einen Redakteur. 1780
Los 2504
Zuschlag
600€ (US$ 690)
Beaumarchais, Pierre Augustin Caron de, franz. Schriftsteller, Autor des "Barbier de Seville" und "Le Mariage de Figaro" (1732-1799). Eigh. Brief m. U. "Caron de Beaumarchais". 1 S. 4to. (Paris) 13.I.1780.
Wohl an einen Redakteur. Beaumarchais schreibt im Auftrag des Londoner Publizisten Samuel Swinton, Herausgeber des "Courrier de l'Europe" (erschienen von 1776 bis 1792). Swinton als Beaumarchais' Freund "désire obtenir votre avis par Ecrit sur un mémoire à consulter qu'il aura l'honneur de vous presenter et Il pense que si je joins mon instance à la Sienne Il obtiendra plutôt de vous cette consultation qui le presse un peu ...". Er, Beaumarchais, freue sich, auf diese Weise den Kontakt zu dem Adressaten erneuern zu können. - Am unteren Rand knapp beschnitten; 1 kleiner Einriss.
Béranger, Pierre-Jean de
Brief an Mad. Roland in Paris. Um 1850
Los 2505
Zuschlag
100€ (US$ 115)
Béranger, Pierre-Jean, franz. Lyriker und Chansondichter (1780-1857). Eigh. Brief m. U. "Béranger". 1 S. Doppelblatt mit Adresse und vorphilatelistischen Stempeln. 8vo. O. O. (wohl um 1850).
An eine Madame Roland in Paris, der er in einer "affaire" behilflich sein soll. "... Dans les affaires, il faut être précis. Si je n'etais toujours retenu à la chambre j'aurais été causer de cela avec vous. Ayez donc la complaisance de me donner quelques détails bien claires ... s'il m'est possible de vous être utile, je le ferai avec empressement. Mais à dire vrai, il me semble que vous avez plus appuis qu'il n'enfaut pour soulever ce brin de paille ...".
Biester, Johann Erich
2 Schreiben über Buchhandel an Daniel Fr. Parthey. 1813-1814
Los 2506
Zuschlag
170€ (US$ 195)
Biester, Johann Erich, Berliner Popularphilosoph, mit Kant befreundet, Bibliothekar, Schriftsteller und Publizist, neben Nicolai und Gedike Hauptvertreter der Berliner Spätaufklärung, Mitherausgeber der "Berlinischen Monatsschrift" und der "Berlinischen Blätter", Direktor der Königlichen Bibliothek in Berlin (1749-1816). 2 Schreiben m. U. "Biester". Zus. 2 S. Kl. 4to. (Berlin) 9.IV.1813 und 4.VI.1814.
An die von Daniel Friedrich Parthey geleitete Nicolaische Buchhandlung, wegen Problemen bei der Abrechnung von Bücherkäufen. "Mein Departement ist sehr förmlich, und darum muß ich Sie noch einmal beschweren. Von den 2 Büchern, die ich aus Halberstadt erhielt, war eines für mich selbst, das andere für die Bibliothek verschrieben. Bei meiner Rechnung über das letztere wird nun verlangt: Daß Sie darauf bemerken mögen, daß Ihnen die 4 (Taler) 6 (Groschen) durch mich bezahlet sind ..." [9.IV.1813]. - Auf eine Mahnung Partheys antwortet Biester: "Ich bitte Ihre eigenhändige Berechnung der zensirten Bücher, nebst dem Betrage der (mir damals geschickten) Gebühren nachzusehen, vom 23 Mai, welche ich quitirt zurückgesandt habe; darunter hatten Sie Selbst bemerkt, daß ich nächstens das Exemplar vom Phädon erhalten solle, welches itzt noch nicht erfolgen könne mit den andern Büchern, und seitdem nicht erfolgt ist. Daß ich nunmehr zwei Exemplare der neuen Ausgabe des Phädon richtig erhalten habe, wird hiedurch bescheinigt ..." [4.VI.1814]. - Die Neuausgabe von Moses Mendelssohns "Phädon oder Über die Unsterblichkeit der Seele" war 1814 im Verlag Nicolai erschienen.
Dahn, Felix
Signiertes Manuskript eines Festspiels zu Ehren Moltkes. 1890
Los 2509
Zuschlag
580€ (US$ 667)
Dahn, Felix, Rechtshistoriker, Erzähler und Dramatiker, leidenschaftlicher Erforscher der germanischen Frühgeschichte, Professor in Würzburg, Königsberg und Breslau (1834-1912). Eigh. Manuskript mit Namenszug "Felix Dahn" beim Titel. 24 lose Bl., davon 25 S. beschrieben. Quer-gr. 8vo. O. O. (1890).
"Festspiel zur Feier des neunzigsten Geburtstags des Feldmarschalls Grafen Hellmuth Moltke." Vollständiges Roh-Manuskript eines dreiteiligen Festspiels, dessen Hauptfiguren Hermann der Cherusker, Kaiser Friedrich Barbarossa, Friedrich der Große und Feldmarschall Blücher sind. Mit zahlreichen Änderungen, Streichungen und Verbesserungen, meist von Hand des Autors. Schwärzliche Fingerspuren lassen darauf schließen, dass dieses Manuskript auch als Druckvorlage diente.
Dahn, Felix (1834-1912). Porträtfoto-Postkarte mit eigh. Text und Unterschrift "Felix Dahn" unter dem Bild. 14 x 9 cm. (Breslau 31.XII.1905).
"Ja, er ist es. Felix Dahn". Erfüllung eines Autogramm-Wunsches für eine Verehrerin in Purkersdorf bei Wien. Unter dem Foto (Orig.-Abzug) befinden sich, sehr klein gedruckt, 3 Sentenzen des Autors: "Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk. Das höchste Gut des Volkes ist sein Staat. Und seine Seele lebt in seiner Sprache." - Leichte Knick- und andere Gebrauchsspuren. - Beiliegend ein eigh. Albumblatt mit dem fast immer verwendeten Spruch Dahns: "Das höchste Gut des Mannes ist sein Volk. Felix Dahn". - Der von der Literaturgeschichte meist unterschätzte Verfasser von "Ein Kampf um Rom" starb nicht in Wroclaw, wie es bei Wikipedia heißt, sondern in Breslau. Von den zahllosen Werken des unglaublich fleißigen Gelehrten gehören seine rund 3000 Seiten umfassenden Memoiren zu den lesenswertesten. - 3 weitere Beilagen: Friedrich Spielhagen, Schriftsteller, erfolgreicher Romancier, Publizist und Literaturtheoretiker (1829-1911). 3 eigh. Briefe m. U. "Friedrich Spielhagen". Zus. 31/2 S. Gr. 8vo. Berlin und Frankfurt a. M. 1875-1890. - An verschiedene Adressaten, über die Aufführung von zwei seiner Stücke sowie ein Treffen wegen eines literarischen Projekts.
Dehmel, Richard
Brief und Postkarte an eine Verehrerin. Mit 2 Beilagen. 1906-1911
Los 2511
Zuschlag
120€ (US$ 138)
Dehmel, Richard, Dichter, von großem Einfluß auf die Lyrik seiner Zeit (1863-1920). Eigh. Brief m. U. „Dehmel". 3 S. Doppelbl. 8vo. (Hamburg-Blankenese) 11.X.1911.
An eine Verehrerin in Hamburg. "... Entschuldigen Sie, daß ich Ihnen erst heute den 'Michel' für Ihre Moskauer Freunde schicke; ich hatte kein Exemplar mehr hier, musste mir erst eins schicken lassen. Im Buchhandel erscheint die Dichtung übrigens erst am Tag der Première; ich bitte Sie deshalb, Herrn Kowalsky zu schreiben, er möchte den fraglichen Aufsatz keinesfalls vor dem 12.-15. November deutschen Datums veröffentlichen. Es würde doch einen wenig angemessenen Eindruck machen, wenn gerade dies Buch in einer russischen Zeitschrift früher besprochen würde als in Deutschland. Vielleicht wird es Herrn Kowalsky auch interessieren, daß nächstens eine russische Übersetzung meiner 'Gesammelten Werke' von Lydia Lepaschkin zu erscheinen beginnt ...". - Dehmels Komödie "Michel Michael", die 1911 bei S. Fischer erschien, wurde am 11. Nov. im Hamburger Deutschen Schauspielhaus uraufgeführt. - In der Postkarte teilt Dehmel mit, dass er soeben aus Bingen zurückgekehrt sei, wo er den 70. Geburtstag seines Schwiegervaters gefeiert habe. Die Karte an seine Frau konnte noch nicht beantwortet werden, weil "Frau Iri" gleich nach Schwalbach weitergereist sei. "... nun müssen Sie vorkäufig mit mir Einsiedler vorliebnehmen." [22.V.1906]. - Beiliegend ein eigenhändiger Briefumschlag Dehmels, gerichtet an den Wiener Schriftsteller und Burgtheaterdirektor Anton Wildgans, sowie eine Orig.-Photographie (10,8 x 16 cm), die laut rückseitigem Vermerk Richard Dehmel als Leutnant im Schützengraben bei Autrêches im Januar/Februar 1915 zeigt, wie er Eintragungen in ein Notizbuch schreibt. - Zus. 4 Teile.
Dumas (fils), Alexandre
10 Briefe, meist an Madame oder Monsieur Laroche. Ca. 1875
Los 2512
Zuschlag
500€ (US$ 575)
Dumas (fils), Alexandre, franz. Erzähler und Dramatiker, Verfasser der "Dame aux Camélias", Mitglied der Académie Française und der Ehrenlegion (1824-1895). 10 eigh. Briefe bzw. Briefkarten m. U. "A. Dumas". Zus. 21 S. Verschied. Formate. O. O. (wohl ca. 1875).
Meist an Madame bzw. Monsieur Laroche gerichtet, in verschiedenen Angelegenheiten und Verabredungen, z. B. die Vermittlung von Autographen für die Sammlung ihrer Tochter. - Manche Abweichungen in der Handschrift könnten darauf hindeuten, dass bei einigen Briefen nur die Unterschrift von Dumas' Hand stammt und es nicht ganz auszuschließen ist, dass hier der übrige Text vom Sekretär geschrieben wurde.
Förster, Paul
9 Briefe und eine Karte an Rosa von Gerold. 1884-1905
Los 2513
Zuschlag
460€ (US$ 529)
Förster, Paul, antisemitischer Publizist und Politiker im Deutschen Kaiserreich und Vorsitzender des "Internationalen Vereins zur Bekämpfung der wissenschaftlichen Thierfolter - Verein gegen die Vivisektion" (1844-1925). 9 eigh. Briefe und 1 Postkarte m. U. Zus. 32 S., teils Doppelblätter. Meist gr. 8vo. Berlin-Friedenau und Wien 1884-1905.
Großenteils umfangreiche Schreiben an die Salonnière Rosa von Gerold (1829-1907) in Wien, teils persönlicher, teils fachlicher Natur. Ein Kondolenzschreiben zum Tod ihres Gatten (des bekannten Verlegers) aus dem Jahr 1884 schließt Förster mit den Worten: "… in der Hoffnung aber, daß es Ihnen gelinge, mit dem eigenen Reichtum an geistiger Kraft über die Schwere des Verlustes hinwegzukommen, verbleibe ich in vorzüglicher Hochachtung - Ihr ganz ergebener ...". Zwei Briefe auf Papier mit gedrucktem Briefkopf des "Internationalen Vereins zur Bekämpfung der wissenschaftlichen Thierfolter (Deutsche Hauptstelle des Weltbundes gegen die Vivisektion)", Dresden, Cranachstraße 18, beziehen sich auf von der Adressatin übersandte Bücher, zu denen Förster Anmerkungen übermittelt. Er bietet an, im Gegenzug eigene Schriften zur Durchsicht zu übersenden - "eine Gegengabe, die ich Ihnen darbieten könnte". In einem weiteren Schreiben (Friedenau, 9. I. 1905) sendet er Neujahrsgrüße, in denen er Zeilen aus Schillers Ode an die Freude ("Freude, schöner Götterfunken") aufgreift und über den Heiligen Geist "Spiritus Sanctus" und den "Spiritus vini" reflektiert, ferner beruft er sich auf eine geistige "Waffenbrüderschaft". – Mit üblichen Faltspuren und vereinzelten Einrissen.
Gaudy, Franz Frhr von, preuß. Offizier, Dichter und Novellist, befreundet mit Chamisso und vielen anderen Schriftstellern (1800-1840). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Franz Freiherr Gaudy". 5 S. auf 2 Bl. 12mo. 10,3 x 8,5 cm. O. O. (wohl um 1837).
"Sarmatische Monologe". 16 Strophen zu je 4 Zeilen. Scherzgedicht, in dem der Autor am Fenster vergeblich auf die angebetete Dame wartet, so dass ihm der "Versucher" zum Trost ein Viertel frisch eingetroffenen Ungarweins empfiehlt. "An dem Fenster sitzt der Dichter, / saugend an der Pfeifenspitze ...". Am Schluß heißt es: "... Aber nein! ich meide glücklich / Des Versuchers list'ge Schlingen; / Und zum Lohn der Tugend laß ich - / Eine ganze Flasche bringen."
Goethe, Johann Wolfgang von
Signierte Visitenkarte mit einer Einladung. 1828
Los 2516
Zuschlag
3.800€ (US$ 4,368)
Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter und Staatsmann (1749-1832). Visitenkarte mit eigh. Signatur "Goethe" und Datum. Rosa Karton mit Blumenschmuck in Blindprägung. 5,3 x 8,5 cm. (Weimar), 21.III.1828.
Von Sekretärshand sehr zierlich geschriebene Einladung: "Herr L. Dir. Rath Toepfer wird auf Morgen, Sonnab. d. 22. März zum Mittagsmahle freundlichst eingeladen." Darunter vom Gastgeber geschrieben: "1828. Goethe". - Der Jurist Martin Christian Victor Toepfer war Landesdirektionsrat in Weimar. - Minimal fleckig; rückseitig geringfügige Spuren ehemaliger Montage. - Sehr hübsches Beispiel für den Weimarer Stil der Goethezeit.
Grimm, Friedrich Melchior
Brief aus Gotha an den Ästhetiker J. H. G. Heusinger. 1797
Los 2517
Zuschlag
550€ (US$ 632)
Grimm, Friedrich Melchior Baron von, Schriftsteller, Journalist, Theater- und Musikkritiker sowie Diplomat in Paris (1723-1807). Eigh. Brief m. U. "le Bon de Grimm". In franz. Sprache. 11/2 S. Doppelblatt mit Trauerrand. 4to. Gotha 8.IV.1797.
An den Pädagogen und Philosophen Johann Heinrich Gottlieb Heusinger (1766-1837), der die Verspätung von Grimms Antwort verzeihen möge, denn er kenne Grimm ja bereits seit 23 Jahren. Er habe Heusingers Brief an Alexander Kourakin, Vizekanzler des Russischen Reiches, geschickt; der Brief enthielt den Wunsch Heusingers, eine Professur an der Universität Mitau zu erhalten. Er, Grimm, werde sich bald wieder an seinen Posten in Hamburg begeben. - Heusinger veröffentlichte in diesem Jahr ein zweibändiges "Handbuch der Ästhetik", das in Gotha erschien. - Grimm wurde vor allem berühmt als Herausgeber der
"Correspondence littéraire philosophique et critique", die 38 Jahre erschien und eine Literatur-, kultur- und zeitgeschichtliche Quelle ersten Ranges darstellt. Als hervorragender Opernkenner spielte Grimm in Paris auch eine wichtige musikhistorische Rolle.
Über Stadt- und Burgtheater in Wien
Gutzkow, Karl, bedeutender liberaler Schriftsteller, Dramatiker, Kritiker und Publizist, dem Jungen Deutschland nahestehend, Förderer Georg Büchners (1811-1878). 4 eigh. Briefe m. U. "Gutzkow". Zus. 11 S. Gr. 8vo. Weimar, Kesselstadt, Berlin und Wieblingen 1863-1874.
Zumindest drei der Briefe an einen hochrangigen Wiener Schauspieler. Zunächst über Abdruck eines Artikels, dann über die Tantièmen- und Spielplanpolitik des Wiener Stadttheaters unter Heinrich Laube, die vom Adressaten angegriffen wurde. Gutzkow geht ausführlich darauf ein und beklagt die Missachtung seiner Dramen und Lustspiele. "... Da ich mir in meiner ländlichen Zurückgezogenheit die Neue Fr.[eie] Pr.[esse] halte, so bin ich mit allen Vorgängen am Stadttheater vertraut, lese aber, durch Erfahrung belehrt, Manches zwischen den Zeilen. Was? kann ich nicht sagen. Denn ich will nicht gegen Laube polemisiren. In den letzten Monaten seiner Direktion hat er sich meiner mit Wärme erinnert ... Daß ich die Gunst (d. h. die Existenzmittel) am Burgtheater durch meinen Contrakt mit dem Stadttheater verscherzte! Anderthalb Jahre ignorirte mich Dingelstedt. Erst jetzt hat er mich bei Probegastspielen einmal wieder angesetzt. Warum gieng Laube nicht an Zopf u. Schwert, selbst 'Werner oder Herz u. Welt', eine immer gefüllte Burgtheatervorstellung, könnte versucht werden. Am Burgtheater werden Stücke von Mosenthal, Weilen, Bauernfeld conservirt, die längst an den übrigen deutschen Bühnen nicht mehr existieren. Bei gutem Willen könnte nach Ella Rose oft manches Andre dort wiederholt werden, womit Sie sich freilich nicht beschweren mögen. Die ganze dramatische Periode von meinem Wullenweber an bis ich es müde wurde, ward mir durch Küstner u. die Birchpfeiffer [sic], durch Laube u. die Censur ruinirt. Ewige Ablehnung u. die Birchpfeifferei aus jedem neuen Roman - wer wollte da noch mitmachen? Ihr geniales Darsellungstalent ist meinem La Roquette zugute gekommen. Schade, eine Figur wie Wallmuth im Ottfried (aber neuste Ausgabe bei Costenoble!) wäre so recht geeignet für einen Darsteller, der nicht wie La Roche alles ins leere Possenhafte hinüberzieht, sondern in der Komik noch einen Kern zu bewahren versteht, einen quasi ernsten Charakter. Schade, daß sich kein entschlossener fester Wille je an meine 'Komödie der Besserungen' gewagt hat ...".
Henckell, Karl
3 Briefe an den Schriftsteller Alfons Petzold. 1914-1918
Los 2520
Zuschlag
550€ (US$ 632)
Henckell, Karl, Schriftsteller, den sozialistischen und naturalistischen Bewegungen nahestehend, lebte zunächst in der Schweiz, ab 1902 in Berlin, ab 1908 in München (1864-1929). 3 eigh. Briefe m. U. "Karl Henckell". Zus. 7 S. Gr. u. kl. 4to. München 1914-1918.
Schwärmerische Briefe an den österr. Schriftsteller Alfons Petzold, der Henckell 1914 in einem Artikel gelobt hatte. Henckell antwortet beglückt. "... Sie haben mir einfach eine menschlich-künstlerische Offenbarung, ein persönliches Bekenntnis geschenkt, das mir auf einmal wie ein lebendiges Licht in die Seele fiel und all mein Sehnen und Dichten vom Anfang bis heute liebend verklarte und vor mir selbst wundersam erhöhte. Wie man es sich wohl träumt in tiefen Wunschmomenten als Blüte letzten Lebensverlangens, das haben Sie mir gegeben - es ergriff mich so, daß sich mir die Thränen mit Gewalt hervorpressten, und ich sagte zu meiner Frau, das sei nun doch der schönste Lohn meines ganzen Dichtens und Wollens ..." [6.V.1914]. Die folgenden Briefe beschäftigen sich ausführlich mit zwei Gedichtbänden von Alfons Petzold, die Henckell begeisterten Betrachtungen unterzieht, auch vor dem Hintergrund des Weltkriegs.
Hesse, Hermann, Dichter, Nobelpreisträger (1877-1962). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Hermann Hesse". 1 S. Auf Karton (11,5 x 9 cm). O. O. (wohl circa 1901).
Das 1901 entstandene Gedicht "Pilger", hier ohne Titel, wohl eine frühe Niederschrift. Zwei Strophen zu je 4 Zeilen: "Und weiter gehn die Tage / Sie werden schnelle alt; / Vielleicht kommt schon der letzte bald, / Indeß ich steh u. frage. - Sie sind mit mir gegangen / Wie Brüder Hand in Hand / Sie trieb und mich von Land zu Land / Dasselbe Heimverlangen."
Hesse, Hermann (1877-1962). 3 Autographen. Circa 1941.
I. Masch. Brief m. U. "H. Hesse". 11/3 S. Doppelblatt mit Holzschnitt im Briefkopf nach einem Aquarell des Autors. Gr. 8vo. O. O. (wohl um 1941). - An einen Herrn Joseph Delz, der vergeblich nach Hesses Gedicht "Im Nebel" gesucht hatte. "... Wenn ich nicht ein kranker alter Mann wäre, der ohnehin mit seiner Arbeit nicht fertig wird, so würde ich Ihnen einen langen Brief schreiben, denn Ihr lieber Brief hat mich gefreut und interessiert ...". Er könne ihm aber zu dem Gedicht verhelfen: "... es war leicht zu finden. Es steht in dem Büchlein, das ich Ihnen als ein kleines Geschenk beilege. Statt Worte zu machen, will ich Ihnen noch ein andres Gedicht aufschreiben, es ist noch ziemlich neu und ist mehr als dreißig Jahre später als das Nebelgedicht entstanden ...". - II. Dieses Gedicht-Typoskript mit eigh. Unterschrift "Gruss von H. Hesse". 1 S. Auf der Rückseite eines Briefbogens des Hotels "Verenahof-Ochsen" in Baden bei Zürich. Kl. 4to. O. O. (wohl um 1941). - "Flötenspiel". 3 Strophen zu je 4 Zeilen. - Das Gedicht entstand 1940. - III. Eigh. Widmung "Herrn Jos. Delz mit Grüssen von H. Hesse". Auf dem Vorsatz des Insel-Bändchens "Vom Baum des Lebens. Ausgewählte Gedichte." 41.-50. Tsd. Leipzig, Insel-Bücherei Nr. 454, (wohl um 1940).
Hitzig, Julius Eduard
Brief mit 3 Beigaben an A. M. Schlesinger. 1821
Los 2523
Zuschlag
280€ (US$ 322)
Hoffmann-Umkreis. - Hitzig, Julius Eduard, Berliner Jurist, Kriminalist, Verleger und Schriftsteller aus jüdischer Familie, schrieb E. T. A. Hoffmanns Biographie und verkehrte mit vielen Autoren der Romantik (1780-1849). Eigh. Brief m. U. "Hitzig". 1 S. 4to. Berlin 9.II.1821.
An den (nicht genannten) Musik- und Belletristik-Verleger A. M. Schlesinger, mit dem Angebot eines Manuskripts. "Das Publikum hat sich seit einiger Zeit in seiner Vorliebe für Darstellung ernster Wahrheiten im Gewand des Romans entschieden. Was, aus diesem Gesichtspunkte, der Verfaßer von Wege und Führung, Strauß in den Glokkentönen, Jakobs in Rosaliens Nachlaß und Frauenspiegel u.s.w. mit theologischen Ansichten versuchte, ist von dem Verfaßer des Manuskripts, von den, in beikommendem Pakete, Proben vom Anfang, aus der Mitte und des Endes befindlich, weit pädagogischer ausgeführt worden. Ich habe es wegen unsrer alten freundschaftlichen Verbindung, Herrn Reimer angeboten, da der Verfaßer es mir übersandt, um in Berlin einen Verleger zu suchen. Wie er (Herr Reimer) sich darüber geäußert, bitte ich Ew. Wohlg. aus der Anlage zu sehen. Jetzt frage ich bei Ihnen an, ob Sie es vielleicht drukken wollen. Über die Bedingungen werden Sie sich leicht verständigen ...". Nennt noch einen anderen interessierten Verleger und weist auf seine (Hitzigs) neue Adresse hin: "Ich wohne jetzt Friedrichsstraße No 242 nahe am Hallischen Thor". - Beigegeben je 1 Autograph der Schriftsteller Wilhelm Häring (Willibald Alexis), K. G. Th. Winkler (Theodor Hell) und Franz Horn.
Holtei, Carl von, aus Breslau stammender Dichter, Erzähler, Bühnenautor, Schauspieler, Regisseur, Rezitator und Theaterleiter (1798-1880). Sammlung von 9 eigh. Briefen und 1 eigh. Gedichtmanuskript. Zus. 17 S. Gr. 4to und gr. 8vo. 1823-1873.
An verschiedene Adressaten (Bühnenleute, Generalin von Zilinska, Baron von Humbracht, den Theaterkritiker Max Kurnik u. a.) über diverse Themen, vor allem Beiträge für Zeitschriften und Theateraufführungen, oft in launigem Tonfall. Die Verse sind ein Gelegenheitsgedicht für ein Pärchen "Bernhard und Luise". - 3 Briefe gebräunt.
Kipling, Rudyard
Signierte Tombola-Karte des Vereins Berliner Journalisten. 1909
Los 2525
Zuschlag
240€ (US$ 276)
Kipling Rudyard, britischer Schriftsteller und Lyriker, Nobelpreisträger (1865-1936). Eigh. Signatur "Rudyard Kipling". Auf einer bedruckten Karte des Vereins Berliner Journalisten. 10 x 16 cm. (Berlin) 4.XII.1909.
Wahrscheinlich Gabe zu einer Tombola für das "Winterfest des Vereins Berliner Journalisten zum Besten seiner Unterstützungskassen am 4. Dezember 1909" (Aufdruck). Bei solchen Gelegenheiten wurden häufig Autogramme berühmter Persönlichkeiten verlost.
Kopisch, August
Signiertes Gedichtmanuskript "Das Politisieren". 1833
Los 2526
Zuschlag
1.200€ (US$ 1,379)
Kopisch, August, Lyriker, Novellist, Dramatiker, Übersetzer und Maler, lebte in Rom, Neapel, Berlin und Potsdam, entdeckte 1826 die Blaue Grotte an der Insel Capri (1799-1853). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Aug. Kopisch". 1 S. 4to. O. O. (wohl um 1833).
"Das Politisieren". 12 Zeilen: "Politisieret immerzu und wer es trifft der schreie: Pasch! / Das übertolle Kunterbunt, mir wirbelt es fürwahr zu rasch! / Es wendet wie die Erde sich: bald wird es Tag, bald wieder Nacht! / Begonnen wird unendlich viel, viel weniger zu Stand gebracht ...". - Das Gedicht erschien zuerst in Chamissos "Deutschem Musenalmanach für das Jahr 1834". - Unser Exemplar, vielleicht die erste Reinschrift (mit 3 Korrekturen), scheint ebenfalls zum Druck bestimmt gewesen zu sein: am oberen Rand mit roter Tinte der Hinweis (vielleicht von Chamissos Hand?) "Darf nicht mehr als 1 Seite einnehmen".
Raabe, Wilhelm, der bedeutende Erzähler des Realismus (1831-1910). Eigh. Brief m. U. " Wilh Raabe". 1 S. Doppelblatt. 8vo. Braunschweig 12.IV.1905.
An einen Herrn Weil, der seiner Frau ein Autogramm Wilhelm Raabes zum Geburtstag schenken möchte. "... Mit Vergnügen erfülle ich Ihren Wunsch, auch meinen Gruß für den Geburtstagstisch Ihrer Frau Gemahlin zu erhalten. Möge ihr das neue Lebensjahr nur Erfreuliches bringen! ...".
Rilke, Rainer Maria
Brief an seinen Verleger Bonz mit der Bitte um Vorschuss. 1898
Los 2528
Zuschlag
2.200€ (US$ 2,529)
Rilke, Rainer Maria, Dichter und Übersetzer (1875-1926). Eigh. Brief m. U. "Rainer Maria Rilke". 1 S. Doppelblatt. Gr. 8vo. Schmargendorf bei Berlin, Villa Waldfrieden, 14.IX.1898.
An seinen Verleger Alfred Bonz in Stuttgart, dem er für die Mitteilung dankt, dass seine "Zwei Prager Geschichten" im Frühjahr 1899 erscheinen werden. Zugleich bittet der 23jährige Dichter wegen akuten Geldmangels um Vorschuss. "... Durch das unerklärliche Ausbleiben von zwei Zeitschriftenhonoraren bin ich plötzlich so arg in Verlegenheit gerathen, daß ich mich mit meinem Vertrauen an Ihre Liebenswürdigkeit wenden muß. Wollen Sie mir bis in die ersten Tage des October 30 M.- vorstrecken? Ich erwarte Ihre gütige Antwort bald, denn ich bin, wie gesagt, ganz auf dem Trockenen, was doppelt störend ist, da ich in der neuen größeren Arbeit stehe ...". - "R. bezieht ein Zimmer in der Villa Waldfrieden, Berlin-Schmargendorf, Hundekehlestr. 11 ... R. hilft bei täglichen Hausarbeiten, hackt Holz, macht barfuß weite Wald- und Wiesenwege. R. raucht nicht und meidet Alkohol, hat eine Vorliebe für Tee später auch Kaffee" (Schnack, Rilke-Chronik, wo dieser frühe Brief nicht erwähnt wird).
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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