Los 6701

Géricault, Théodore
(1791 Rouen - 1824 Paris)Tableau mit 5 Zeichnungen: Selbstportrait während seiner letzten Krankheit; Junge mit Hut; Studie für das Bildnis von Louise Vernet als Kind; Studie einer Hand; Studie für das Bildnis von Olivier Bro de Comères als Kind mit Hund

Schätzung
15.000€ (US$ 17,241)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 27.11.2026

Lot 6701, Auction  128, Géricault, Théodore, Tableau mit 5 Zeichnungen: Selbstportrait während seiner letzten Krankheit; Junge mit Hut; Studie für das Bildnis von Louise Vernet als Kind; Studie einer Hand; Studie für das Bildnis von Olivier Bro de Comères als Kind mit Hund

Tableau mit 5 Zeichnungen: Selbstportrait Géricaults während seiner letzten Krankheit; Junge mit Hut; Studie für das Bildnis von Louise Vernet als Kind; Studie einer Hand; Studie für das Bildnis von Olivier Bro de Comères als Kind mit Hund.
5 Zeichnungen: Feder in Braun und Bleistift, je an den Ecken auf ein blaues Papier aus einem Album mit Goldschnitt montiert (wohl Seite aus dem Album Violet). Je ca. 4,5 x 3 cm bis 7,3 x 6,2 cm. Auf dem Rahmenrückdeckel diverse Etiketten, Stempel und handschriftl. spätere Annotationen in schwarzer Feder und Bleistift.

Das außergewöhnliche Arrangement von fünf Zeichnungen Théodore Géricaults auf einem Passepartout beinhaltet das einzigartige Selbstbildnis des Künstlers im Krankenbett vor seinem Tod. Nur wenige eigenhändige Selbstbildnisse des Künstlers sind überliefert, umso bedeutungsvoller ist die Bleistiftzeichnung, die Géricault trotz seiner Krankheit anfertigte. Das berührende Gefühl, den Künstler in seiner letzten Lebensphase zu erblicken, wird durch das intime Format unterstützt. Bekannte Porträts des Künstlers von seinen Freunden, die ihn am Totenbett besuchten, zeigen zumeist das ausgezehrte Gesicht des Kranken. Ganz anders dagegen ist die Wirkung der vorliegenden Bleistiftzeichnung, die den Künstler friedvoll auf seinem Bett liegend wiedergibt.
Bekanntermaßen war Géricault mit Oberst Louis Bro und der Familie Bro de Comères eng verbunden (vgl. Sophie Bostock: An Inspired Soldier. The Algerian Album of Olivier Bro de Comères 1833-1840, London 2025, S. 2-3). Nicht nur porträtierte Géricault Mitglieder der Familie, er schenkte Louis auch mehrere Zeichnungen. Die Blätter fanden ihre Aufbewahrung in den Skizzenbüchern von Louis Sohn, Oberst Baron Olivier "Dominique" Bro de Comères, der selbst auch als Künstler tätig war. Nach der Farbe ihrer Einbände werden diese Alben als Album Violet, Album Jaune etc. bezeichnet. Nach dem Tod von Claire Le Page, der Frau Oliviers, im Jahr 1908 werden die Werke Géricaults unter den drei Kindern aufgeteilt. Auf einem Etikett des Kunsthändlers Adolphe Wüster mit der Adresse "4, Rue Belloni", das 1930 bis 1941 Verwendung fand, sind handschriftlich die Nummern "13" und "18" annotiert, die mit jenen im Entwurf zur Nachlassaufteilung des Besitzes von Oliviers Bros de Comères Witwe übereinstimmen (vgl. Bazin 1987, Bd. I, Doc. 385).
Das oben beschriebene Selbstporträt Géricaults während seiner letzten Krankheit, an der der Künstler mit nur 32 Jahren verstarb, wird bereits bei Charles Clément im ersten Werkverzeichnis des Künstlers erwähnt (vgl. Clément 1866-67, Nr. 162), zusammen mit anderen Skizzen von Kühen, Pferden und Familienmitgliedern. Die Maße sind allerdings falsch angegeben. Statt 55 x 50 mm schreibt Clément 550 x 500 mm. In den darauffolgenden Ausgaben des Œuvrekatalogs wird dieser Fehler nicht korrigiert, jedoch im Ausstellungskatalog des Hôtel Jean Charpentier im Jahr 1924 (vgl. Ausst.Kat. Exposition d’Œuvres de Géricault, Nr. 296). In keiner dieser Publikationen findet sich eine Abbildung, jedoch immer der Verweis auf die Sammlung der Familie Bro de Comères.
Nach der Ausstellung bei Charpentier 1924 müssen das Selbstbildnis und die anderen neun Skizzen, die unter dieser und folgender Losnummer angeboten werden, den Familienbesitz verlassen haben. Die Werke gelangten wohl über Adolphe Wüster (siehe oben) in den Besitz des Kunsthändlers und Sammlers Maurice Gobin, der sie 1935 in einer der jetzigen Präsentation ähnlichen Form in seiner Galerie ausstellt (vgl. Ausst. Kat. Exposition de Dessins [...], 1935, Nr. 74 und 75). Er identifiziert das Selbstbildnis mit jenem bei Clément gemeinten Blatt. Dass es sich dabei um das hier wiederentdeckte Blatt handelt, bestätigt sich durch die Reproduktion des Selbstporträts in Maximilien Gauthiers kleinem Band zu Géricault (vgl. Gauthier [1935], Nr. 1). Dort wird es als "Géricault malade" betitelt und der Sammlung Gobin zugeordnet. Germain Bazin war es nicht möglich die Skizzen aus der Sammlung Gobin ausfindig zu machen, weshalb er das Selbstbildnis versehentlich zwei Mal katalogisierte: unter Nr. 2 mit einer falschen Abbildung und unter Nr. 3 als Werk eines unbekannten Künstlers (vgl. Bazin 1987, Bd. I, S. 205 und Bd. II, Nr. 2 und Nr. 3). Es ist nun endlich möglich anhand des Originals diese Nummern unter der Autorschaft Géricaults zusammenzuführen.
Die Zuschreibung wird auch darin bestätigt, dass die mittlere Skizze von Bazin als eigenhändiges Werk angenommen wird (vgl. Bazin 1992, Bd. V, Nr. 1738). Es handelt sich um einen ersten Entwurf für das als Gemälde ausgeführte Porträt des Olivier Bro de Comères als Kind mit Hund (Harvard Art Museums, Inv.-Nr. 2021.192). Links neben dieser befindet sich eine weitere Entwurfskizze für das Bildnis der Louise Vernet, Tochter von Géricualts und Louis Bros Künstlerfreund Horace Vernet (vgl. das Gemälde im Musée du Louvre, Inv.-Nr. RF 1938 92).

Provenienz: Geschenk des Künstlers an Oberst Louis Bro, Paris (1781-1844).
Im Erbgang an dessen Sohn Oberst Baron Olivier "Dominique" Bro de Comères, Paris (1813-1874).
Dessen Witwe Claire Le Page, Paris (1817-1908).
Im Erbgang an Baron Henri Louis Bro de Comères, Paris (1863-1925), bis mindestens 1924.
Kunsthandel Adolph Wüster, Paris (Galerieetikett verso auf der Rahmenabdeckung).
Spätestens 1935 Galerie Maurice Gobin, Paris (Kunsthändler und Sammler, 1883-1962).
Gallery Tooth & Sons, London (1939).
Seit spätenstens 1960er Privatsammlung Düsseldorf.
Seither in Familienbesitz.

Ausstellung: Paris, Hôtel Jean Charpentier, Exposition d’Oeuvres de Géricault, 24. April bis 6. Mai 1924.
Paris, Galerie Maurice Gobin, Exposition de Dessins, Aquarelles & Gouaches par Géricault 1791-1824, 5. bis 21. Dezember 1935.

Literatur: Charles Clément: "Catalogue de L'Œuvre de Géricault", in: Extrait de la Gazette des Beaux-Arts, Paris 1866-1867, Nr. 162 ("Portait de Géricault").
Charles Clément: Géricault. Étude Biographique et Critique, avec le Catalogue Raisonné de L'Œuvre Du Maitre, Paris 1868, Nr. 178 ("Portait de Géricault").
Ausst. Kat. Exposition d’Œuvres de Géricault, Hôtel Jean Charpentier, Paris 1924, Nr. 296 ("Profil de Géricault").
Ausst. Kat. Exposition de Dessins, Aquarelles & Gouaches par Géricault 1791-1824, Galerie Maurice Gobin, Paris 1935, Nr. 75 ("Cinq croquis divers (dans un même cadre) [...] le portrait de Géricault par lui-même [...]").
Maximilien Gauthier: Géricault (= Les Maitres), Paris [1935], Nr. 1 ("Géricault malade").
Charles Clément/Lorenz Eitner: Géricault. Étude Biographique et Critique, avec le Catalogue Raisonné de L'Œuvre Du Maitre, Paris 1973, Nr. 178 ("Portait de Géricault").
Germain Bazin: Théodore Géricault. Étude critique, documents et catalogue raisonné, Bd. II, Paris 1987, Nr. 2 ("Portrait de Géricault malade", mit falscher Abbildung) und Nr. 3 ("Portrait d'homme dans un lit", fälschlicherweise unter unbekannter Autorschaft erfasst) und Bd. V, Paris 1992, Nr. 1738 ("Croquis pour le portrait d'Olivier Bro Enfant).

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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