Los 6611

Guardi, Francesco
(1712-1793, Venedig)Blick durch den Arkadengang von Palazzo Ducale in Venedig

Schätzung
18.000€ (US$ 20,690)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 27.11.2026

Lot 6611, Auction  128, Guardi, Francesco, Blick durch den Arkadengang von Palazzo Ducale in Venedig

Blick durch den Arkadengang von Palazzo Ducale in Venedig.
Feder in Braun, Spuren schwarzer Kreide auf blauem Papier, verso: kleine Gebäudegruppe in brauner Feder, Figur- und Beinstudie in schwarzer Kreide. 25,5 x 19,8 cm. Verso der Freigabestempel zur Ausfuhr der Zentralstelle für Denkmalschutz, Wien. Wz. undeutlich.

Francesco Guardi hält in dieser wunderbar luftigen Zeichnunung den Blick vom Portikus der Westfassade des Dogenpalastes in Richtung Lagune fest. Durch die Bogenöffnung ist die angedeutete Kuppel von San Giorgio zu erkennen. Offensichtlich muss diese Ansicht für Guardi einen besonderen Reiz besessen haben, wiederholte und variierte er das Motiv doch mehrfach. Morassi erwähnt mehrere Gemälde, darunter eines ehemals in der Sammlung des Earl of Normanton, ferner zwei damit eng verwandte, bildmäßig ausgeführte Zeichnungen in Privatbesitz (Morassi 532 und 534), sowie eine skizzenhafte Version in der Sammlung des Statens Museum for Kunst in Kopenhagen (Inv. KKS18006, Morassi 533). Aus dieser Gruppe hebt sich unser Blatt durch die zeichnerische Unmittelbarkeit und die Verwendung blauen Papiers hervor.
Ebenso schnell wie brillant erfasst Guardi auf dem Blatt alle wesentlichen Details der architektonischen Vedute. Das zeichnerische Tempo hindert ihn dabei keineswegs daran, die Linien mannigfaltig zu modulieren. Die Konturen beschreibt er in einem gebrochenen Staccato, die Schatten ohne abzusetzen in einem flüssigen Zickzack. Mit derselben spontanen Präzision skizziert Guardi die Figuren. Nur wenige, aussagekräftige Federstriche genügen, um der sitzenden Gruppe links an der Mauer und dem Mann mit Kind rechts erkennbare Substanz zu verleihen.
Es ist unklar, ob die Komposition am Anfang eines Entwurfsprozesses steht und vielleicht sogar die prima idea für diese erfolgreiche Bildfindung darstellt. Für den Studiencharakter sprechen die Skizzenfragmente auf der Rückseite. Mit augenscheinlich derselben Tinte zeichnete Guardi dort über ältere Figurenstudien in schwarzer Kreide den Ausblick durch einen angedeuteten Bogen auf eine Gebäudegruppe.
Außer Frage steht jedoch, dass es sich hierbei nicht um eine jener Zeichnungen handelt, die Guardi nach dem Einsetzen seines Erfolges als autonome Werke für zahlungskräftige Sammler anfertigte und die mit ihrer wohlkalkulierten Skizzenhaftigkeit vor allem die bravura des Künstlers unter Beweis stellen sollten. Zwanglos und nur sich selbst verpflichtet, sondiert Guardi hier zeichnerisch einen Winkel seiner Stadt und offenbart sich gerade dadurch als einer der unbestritten größten Schilderer der Serenissima.

Provenienz: Sammlung Dr. Gottfried Eissler (1862-1924), Wien (Lugt 805b).
Kunsthandlung Gustav Nebehay, Wien (um 1927).
Wohl Sammlung S. Moeller, Budapest (vgl. Morassi 1975).
Edmond Lévy-Ditisheim (1896-1988), Basel.
Durch Erbfolge Privatsammlung Deutschland.

Literatur: Die Zeichnung, Heft 1: Italienische Handzeichnungen des XVIII. Jahrhunderts: aus dem Besitz der Kunsthandlung Gustav Nebehay, mit einem Vorwort von Max J. Friedländer, Wien o.J. [um 1927], o. S., Taf. 8.
Antonio Morassi: Tutti i disegni di Antonio, Francesco e Giacomo Guardi, Venedig 1975, S. 171, wohl unter Kat. 534: "Un disegno a penna con lo stesso soggetto (mm 260 x 205)".

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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