Los 6606
Tiepolo, Giovanni Battista
(1696 Venedig - 1770 Madrid)Kopf eines bärtigen Mannes
Schätzung
30.000€ (US$ 34,483)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 27.11.2026


Kopf eines bärtigen Mannes.
Schwarze Kreide, weiß gehöht, auf blauem Papier, aufgezogen. 33,4 x 27,2 cm. Um 1751/53.
Der monumental wirkende Kopf eines bärtigen Greises stammt aus der bedeutenden Tiepolo-Sammlung des russischen Fürsten Alexis Orloff. Dieser besaß ein Album bestehend aus 96 Blättern von Giambattista Tiepolo und seiner Werkstatt, die 1920 bei einer denkwürdigen Auktion in Paris zur Versteigerung kamen. Als die Zeichnungen damit einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, staunte man weniger über deren Anzahl als vielmehr über die durchweg exquisite Qualität derselben. Die Sammlung wurde von einem offensichtlich trefflichen Kenner zusammengetragen, doch bleibt die genaue Genese bislang ein Rätsel. George Knox zufolge entstand das Recueil im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert und gehörte wahrscheinlich schon Alexis Vorfahre Grigori Vladimirovich Orloff, der sein Leben überwiegend in Europa verbrachte (vgl. Knox 1961, S. 269).
Viele der Blätter aus dem Orloff-Album befinden sich heute in musealem Besitz. Darunter auch die einzigen beiden anderen Köpfe aus der Sammlung: der eines bärtigen Orientalen in der Staatsgalerie Stuttgart (Inv. C 1991/GL U11) und der eines Soldaten in der National Gallery of Victoria in Melbourne (Inv. 1894-4), die ebenfalls in schwarzer und weißer Kreide auf blauem Papier ausgeführt sind. Unser Kopf ist somit der letzte aus dem Album, der sich noch in Privatbesitz befindet.
Knox geht von einer Entstehung während der Würzburger Jahre von Tiepolo aus. Die Arbeit diente dem Künstler als Vorlage für ein verschollenes Gemälde, das ehemals zur Sammlung Trotti in Paris gehörte und einen Gelehrten mit einer Lupe zeigt (Knox 1980, X.46). Eine Vorzeichnung zur Hand mit dem Vergrößerungsglas ist im Beurdeley-Album in der St. Petersburger Eremitage enthalten (Knox 1980, A.76). Zwar entspricht das Gemälde keinem der Köpfe, die Tiepolos Sohn Giandomenico in der druckgraphischen Serie Raccolta di Teste übernahm, dennoch stimmen die Maße und der Stil mit denen vieler Vorlagenwerke der Folge überein.
Provenienz: Womöglich Sammlung Grigori Vladimirovich Orloff (1777-1826), St. Petersburg/Paris.
Sammlung Alexei Nikolaievich (Alexis) Orloff (1867-1916), Paris.
Dessen Auktion bei Galerie Georges Petit, Paris, Dessins par G.-B. Tiepolo, Composant la Collection de Son Excellence feu le Prince Alexis Orloff, am 30. April 1920, Los 119 (mit Abb.).
Erworben durch "[Alexandre?] Doucet" (lt. annotiertem Auktionskatalog).
Edmond Lévy-Ditisheim (1896-1988), Basel.
Durch Erbfolge Privatsammlung Deutschland.
Literatur: George Knox: "The Orloff Album of Tiepolo Drawings", in: The Burlington Magazine, Bd. CIII, Nr. 699, Juni 1961, S. 275, Nr. 91.
George Knox: Giambattista and Domenico Tiepolo. A Study and Catalogue Raisonné of the Chalk Drawings, Oxford 1980, S. 238, Nr. M.219.
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.
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