Los 6555

Bellemare-Gruppe
(tätig in Paris und wohl Tours um 1520-1550)Die Geburt Christi

Schätzung
15.000€ (US$ 17,241)

Abgabe von Vorgeboten möglich

Los 6555 - Bellemare-Gruppe - Die Geburt Christi - 0 - thumb

Aus dem Katalog
Zeichnungen des 16. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 27.11.2026

Lot 6555, Auction  128, Bellemare-Gruppe, Die Geburt Christi

Die Geburt Christi.
Deckfarben, reiche Goldhöhungen, wohl spätere Einfassung in schwarzem Pinsel, auf Pergament, auf Holz kaschiert. 15,3 x 10,6 cm. Um 1545/50.

Die unter dieser und folgender Losnummer angebotenen Miniaturen sind herausragende Beispiele für die virtuose Finesse, die die Werke der Buchmaler aus der sogenannten Bellemare-Gruppe auszeichnet. Der Name geht auf den in Antwerpen ausgebildeten Künstler Nöelle Bellemare (gest. 1546) zurück, der im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts durch die Einführung neuer Bildmodelle die französische Buchmalerei revolutionierte. Im Zeitraum von ca. 1522 bis 1551 entstand unter Bellemares Leitung und Einfluss ein Corpus von mindestens 26 Manuskripten, die zu den Höhepunkten frühneuzeitlicher Malerei in Frankreich gehören. Bemerkenswert ist dabei deren stilistische Einheitlichkeit, wobei einzelne Maler wie der Meister der Getty Epistles, der Doheny-Meister und der Meister von Heinrich II. im Laufe der Zeit als eigenständige Künstlerpersönlichkeiten hervortraten.
In den 1520er Jahren waren die Darstellungen zunächst deutlich von Anleihen aus dem Antwerpener Manierismus und der Druckgraphik altdeutscher Meister geprägt, während sich in den nachfolgenden Jahrzehnten ein zunehmendes Interesse an italienischen Modellen vor allem der Schule Raffaels zeigt. Der Rückgriff auf Bildformeln nordischer Prägung ist auch in unseren beiden Einzelblättern evident. Die “Geburt Christi” ist in der für den Antwerpener Manierismus typischen Ruinenarchitektur eingebettet. Die Komposition ist eng verwandt mit zwei Geburtsszenen in einem Stundenbuch in der Universitätsbibliothek in Lüttich (Wittert MS 29, fol. 33r) und einem miniaturhaften Manuskript ehemals in der Sammlung Paul Durrieu (zuletzt Christie’s, London, 14. Dezember 2022, Los 47). Die Übereinstimmungen betreffen die Anlage der Figurengruppe, die auf dem Lütticher Blatt mit Ausnahme von Josef beinahe identisch ist, sowie Teile der Hintergrundarchitektur, die in der Durrieu-Miniatur eine Entsprechung finden. Malerisch ist unsere Miniatur den anderen beiden in der raffinierten Ausführung überlegen. Laut Myra Orth, der Autorin der grundlegenden Forschung zur Bellemare-Gruppe, adaptiert die Lütticher Miniatur, und folglich auch unsere, eine Komposition in einem Stundenbuch von ca. 1530 in der British Library (vgl. Myra Orth: French Renaissance Manuscripts. The Sixteenth Century, London 2015, Kat. 83, insb. S. 275, ausführlich hierzu auch Elizabeth L’Estrange: „Beyond the 1520s: A Bellmare Workshop Manuscript in Liège“, in: Reinventing Traditions. On the Transmission of Artistic Patterns in Late Medieval Manuscript Illumination, Frankfurt a. M. 2015, S. 195-216).
Einen neuen Weg beschreitet der Künstler dagegen bei der Rahmung. Hat die Einfassung in den oben erwähnten Vergleichsdarstellungen eine Tabernakelform, besteht sie hier aus elaboriertem Rollwerk mit Löwenmasken und Karyatiden im Stile der Schule von Fontainebleau. Das Blatt steht damit exemplarisch für die in den 1540er Jahren unter den Künstlern der Gruppe gängige Praxis, ältere Modelle aufzugreifen und die Mise en page durch manieristische Einfassungen dem zeitgenössischen Geschmack anzupassen (L’Estrange 2015, S. 202-204). Eine fast identische Rahmung findet sich auf einer Miniatur im Stundenbuch von Heinrich II. (auch Heures de Dinteville) in der Nationalbibliothek in Paris (BnF, MS lat. 1429, fol. 40r), eines der bedeutendsten Werke der Bellemare-Gruppe.
Wir danken Dr. Elizabeth L'Estrange, Birmingham, für wertvolle Hinweise.

Provenienz: Edmond Lévy-Ditisheim (1896-1988), Basel.
Durch Erbfolge Privatsammlung Deutschland.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge