Los 6505
Henry, Suzette
(geb. Susanne Chodowiecka, 1763-1819, Berlin)Bildnis Daniel Nikolaus Chodowiecki
Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Daniel Nikolaus Chodowiecki zum 300. Geburtstag
Auktionsdatum 27.11.2026


Bildnis des Künstlers Daniel Nikolaus Chodowiecki am Tisch vor Zeichenblock und Zeichenstift, in der Hand ein Augenglas.
Öl auf Leinwand, auf Platte maroufliert. 80,5 x 66 cm. Unten rechts signiert " S. Henri geb. Chodo[...]". Um 1800.
Das vorliegende Portrait von der Hand Suzette Henrys, der zweitältesten Tochter Daniel Nikolaus Chodowieckis wurde erst kürzlich im Kunsthandel wiederentdeckt. Sowohl die Identität des Dargestellten als auch die Autorschaft waren verloren gegangen. Eine fachmännische Reinigung der Bildoberfläche brachte die Signatur zum Vorschein, die eine eindeutige Zuschreibung an die Künstlerin möglich machte.
Susanne Chodowiecka, genannt Suzette, verheiratete Henry, war ohne Zweifel die treueste Nachfolgerin ihres Vaters. Wie er schuf sie Folgen von moralisierenden Sittenbildern des bürgerlichen Lebens. Die Themen ‚Ehe‘ und ‚Erziehung‘ etwa, denen sie sich eingehend widmete, stammten aus dem Motivrepertoire des Vaters. Dieser hatte auch die Erzähllogik der Kontrastierung von Tugend und Laster in berühmt gewordenen Bilderserien vorgemacht.
Wie Daniel Chodowiecki ein hervorragender Porträtist war, was neben seinen Darstellungen des Lebens, Denkens und Fühlens der bürgerlichen Gesellschaft seiner Zeit sowie seinen zeitgeschichtlichen Bildern vielleicht nicht hinreichend beachtet wird, so leistete auch Suzette in diesem Fach höchst Respektables. Ihre Lehrer waren die denkbar besten: Nach der ersten Ausbildung durch den Vater wurde sie Schülerin von Johann Christoph Frisch, dem seinerzeit führenden Porträtisten Berlins, und schließlich von Anton Graff in Dresden, dem überragenden Bildnismaler in den deutschen Landen, mit dem der Vater eng befreundet war.
Auch nach ihrer Heirat mit dem hugenottischen Prediger und späteren Aufseher des Berliner Antiken- und Münzkabinetts Jean Henry setzte die Malerin ihre künstlerische Tätigkeit ungebrochen fort. Worin sie über ihren Vater hinausging, das war das Format. Chodowiecki ist der eminente Meister des kleinen Formats. Suzette dagegen schloss an den Standard der Porträtmalerei an und malte lebensgroß, wählte nicht selten den Ausschnitt weiter als das bloße Brustbild, bemalte für Familienbilder auch große Leinwände.
Ihren Vater hat Suzette Henry in dem vorliegenden Gemälde sowie in einem weiteren, wohl etwas früher entstandenem Porträt in der Sammlung des Berlin Museums in Halbfigur gemalt.
In Anbetracht des Ansehens Chodowieckis - Akademiedirektor, gefragter Stecher und seinerzeit wohlmeistgesammelter Druckgrafiker in Deutschland - in Anbetracht auch des regen Freundschaftslebens des Künstlers ist die Zahl der Porträtgemälde seiner Person bemerkenswert gering. Außer den beiden Bildnissen von der Hand der Tochter existierte ein Bildnis von Frisch, von dem eine Ausschnittkopie im Freundschaftstempel des Gleimhauses Halberstadt aufbewahrt wird, und ansonsten lediglich das hochstehende Bildnis von der Hand Graffs, das gemeinsam mit dem Porträt von Chodowieckis Gemahlin in mehreren Exemplaren erhalten ist.
Der Künstler sitzt in einem grauen Rock mit auffälligem Schulterkragen über einem Blatt Papier am Tisch. Das Gesicht ist aus der Profilstellung des Körpers dem Betrachter zugewendet, die Miene regsam, die Lippen nuanciert im Reden begriffen. Der Umfang von Chodowieckis Werk wird vielfach bestaunt. Ein früher Biograf des Künstlers berichtet, dass der Künstler während der vielen Besuche, die er empfing, seine Arbeit nicht unterbrach und doch gleichzeitig seine Aufmerksamkeit dem Besuch zuwenden und sich lebhaft unterhalten konnte. Eben dieses Moment scheint das vorliegende Altersporträt durch die betonte Wendung des Gesichts zu veranschaulichen. Hierin steht es dem im Januar 1800 entstandenen Meisterwerk Graffs nahe.
Als Arbeitsgeräte des Künstlers und zugleich Attribute des Künstlerporträts hat Chodowiecki Zeichenstift und Augenglas bei sich. So ist das Gemälde auch ikonografisch als Künstlerporträt anzusprechen, ebenso wie das andere Vaterbildnis von der Hand der Malerin. Jenes zeigt den Meister zurückgelehnt auf einem Stuhl sitzend, den Blick aus schweren Lidern auf den Betrachter, eine Hand auf einer Folio-Mappe lastend, die er auf dem Bein hält. In Gravität steht ihm das vorliegende Bildnis nach, an heiterer Zugewandtheit hat dieses ihm dagegen viel voraus. Vielleicht ist es das späteste der Gemäldeporträts des Künstlers.
Dr. Reimar Lacher
Literatur: Reimar F. Lacher: Sitten, Satire, Aufklärung. Kalenderkupfer von Daniel Chodowiecki. Göttingen, 2026, S. 19, Nr. I.1, mit Abb.
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.
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