Los 6087
Baade, Knud Andreassen
(1808 Skiold, Norwegen - 1879 München)Norwegische Fjordlandschaft mit Bautasteinen
Schätzung
18.000€ (US$ 20,690)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen
Auktionsdatum 26.11.2026


Norwegische Fjordlandschaft mit Bautasteinen.
Öl auf Leinwand, doubliert. 36 x 51 cm. Am linken Rand signiert "Baade 1844".
Mit der vorliegenden "Norwegischen Landschaft mit Bautasteinen" begegnet uns eine jener entrückten Landschaften, in denen Knud Andreassen Baade die norwegische Natur nicht als bloßes topographisches Motiv, sondern als Schauplatz von Erinnerung, Mythos und innerer Empfindung begreift. Zwischen den schroffen Felsen mit den tief liegenden Nebelbänken ruht unergründlich tief der Fjord. Einzig eine einzelne Möwe sowie einige Kormorane beleben die Szene. Die Aufmerksamkeit des Betrachters jedoch ziehen die schlanken Bautasteine, wie die Menhire in Norwegen und Dänemark genannt werden, auf sich. Sie sind archaische Zeichen menschlicher Präsenz, die in ihrer Monumentalität und Einfachheit an eine ferne, mythische Vergangenheit erinnern. So entsteht der Eindruck eines unwirklichen Ortes außerhalb der gemessenen Zeit - einer Landschaft, in der Gegenwart, Geschichte und nordische Sage ineinander übergehen.
Das besondere Interesse an der norwegischen Landschaft dürfte auch an der engen künstlerischen Verbindung Baades zu Johan Christian Dahl (1788-1857) liegen. Nach seiner Ausbildung an der Kopenhagener Akademie ging Baade nach Dresden, wo er von 1836-1839 Schüler von Dahl wurde. Anschließend bereisten beide Künstler gemeinsam Norwegen, bevor Baade von 1843 bis 1845 wieder nach Dresden zurückkehrte. Der aus Bergen stammende Dahl hatte die norwegische Landschaft im frühen 19. Jahrhundert zu einem eigenständigen romantischen Bildthema erhoben. Die Bedeutung Dahls für Baade erschöpft sich dabei aber nicht in der Übernahme einzelner Landschaftsmotive. Entscheidend ist vielmehr die Vorstellung, dass die Natur selbst zum Träger einer geistigen und nationalen Erinnerung werden kann. Während Dahl eher die geologische und landschaftliche Wirklichkeit Norwegens in den Mittelpunkt stellt, verwandelt Baade sie in eine visionäre Bühne. Besonders seine von Dämmerung, Mondlicht und Nebel bestimmten Landschaften besitzen jene eigentümliche Schwelle zwischen Wirklichkeit und Imagination, die für sein Werk charakteristisch wurde.
Unsere Landschaft entstand 1844, also während Baades zweitem Dresdener Aufenthalt nach seiner Norwegenreise mit Dahl und vor seinem endgültigen Umzug nach München im Jahr 1845. Das Gemälde verbindet die Einflüsse der Dresdener Romantik mit der Bildwelt Norwegens. Während die deutschen Künstler allen voran Caspar David Friedrich das Hünengrab als Motiv aus der eigenen Vorzeit entdecken, übernehmen bei dem Norweger Baade die Bautasteine diese Rolle. Sie sind menschliche Zeichen in der gewaltigen Natur, die für die Ewigkeit errichtet wurden, vor der unermesslichen Landschaft jedoch rätselhaft und klein erscheinen. Gerade hierin liegt die romantischen Dimension des Gemäldes.
Provenienz: Blomqvist, Oslo/Fornebu, Auktion am 31. Mai 2011, Los 216.
Sammlung Asbjorn Lunde (1927-2017), New York.
Ausstellung: Tromsø, Nordnorsk Kunstmuseum: Historien fremstilt i bilder, 15. Oktober 2011 - 15. Januar 2012.
Tromsø, Nordnorsk Kunstmuseum: Måneskinnsmaleren, 23. Juni - 30. September 2012.
Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.
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