Los 6078

Nerly, Friedrich
(eigentl. Christian Friedrich Nehrlich, 1807 Erfurt - 1878 Venedig)Am Strand von Nettuno

Schätzung
6.000€ (US$ 6,897)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen
Auktionsdatum 26.11.2026

Lot 6078, Auction  128, Nerly, Friedrich, Am Strand von Nettuno

Am Strand von Nettuno.
Öl auf Papier, auf Pappe kaschiert. 31,8 x 54,4 cm. Unten rechts signiert "Nerly", verso alte Sammlerannotationen in dänischer Sprache, u.a. zur Provenienz und Ausstellung des Gemäldes in der Hamburger Kunsthalle "M. Grossels Dödsbo, har hængt paa Kunsthalle i Hamborg" sowie eine gedruckte Nummer "5476". (1830).

Es ist allseits bekannt, dass Friedrich Nerlys malerisches Genie von Carl Friedrich Rumohr erkannt und gefördert wurde. Rumohr war es, der den jungen Künstler 1828 mit nach Italien nahm. In Italien sollte Nerly dann bleiben, als einer der bekanntesten deutschen Maler, bis heute berühmt vor allem für seine venezianischen Ansichten.
Unser Werk steht am Anfang dieser Laufbahn, als Nerly noch dabei war, in Rom Fuß zu fassen. Er war im Januar 1829 dort angekommen und hatte dank seines ausgesprochen geselligen Naturells und des exzellenten Netzwerks seines Mentors schnell Anschluss an die deutsch-nordische Künstlerschaft gefunden. Während seiner ersten italienischen Sommer erkundete Nerly auf der Suche nach unverbrauchten Motiven die abgelegenen Küstenorte zwischen der Tibermündung und dem Monte Circeo bis nach Terracina. So kam er 1830 in Begleitung von August Hopfgarten nach Nettuno. Bis dorthin verirrte sich in jener Zeit kaum ein Fremder, denn das Örtchen lag fernab der gängigen Touristenrouten und jenseits der gefürchteten Pontinischen Sümpfe. Zudem dürfte der lange Sandstrand mit den flachen Dünen wohl kaum dem gängigen Bild der gerühmten südlichen Gestade entsprochen haben.
Gerade der Sand und die Dünen scheinen aber Nerly zum Festhalten vorliegender Ansicht bewegt zu haben. Vielleicht weckten sie in ihm Erinnerungen an die heimatlichen Küsten. Die kühlen Töne der Landschaft, mit dem fließenden Strich der frühen Naturstudien gemalt, bergen auf jeden Fall noch einen Hauch des Nordens in sich. Von diesem Aufenthalt ist in der Grafischen Sammlung des Angermuseums in Erfurt eine lavierte Pinselzeichnung erhalten, die den gleichen Strandausblick nach Süden zeigt (vgl. Natur & Antike. Der Romantiker Friedrich Nerly in Rom, Ausst. Kat. Bremen 2026, S. 165, Kat. 99). Sie unterscheidet sich von unserer Arbeit nur durch die Hinzufügung von Staffagefiguren und die Akzentuierung der antiken Ruinen im Mittelgrund.
Diese wiederentdeckte plein air-Studie stellt eine bedeutende Ergänzung in der Geschichte der künstlerischen Erschließung dieses wenig besuchten Ortes dar und erweitert gleichzeitig unsere Kenntnis über Nerlys Arbeitsweise und malerische Entwicklung während seiner frühen römischen Jahre.

Provenienz: Sammlung Martin Grosell, Kopenhagen (vgl. Bezeichnung verso).
Privatsammlung Kopenhagen.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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