Los 6069

Blechen, Carl
(1798 Cottbus - 1840 Berlin)Wegkreuz an einem steinigen Hang

Schätzung
30.000€ (US$ 34,483)

Abgabe von Vorgeboten möglich

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Aus dem Katalog
Gemälde Alter und Neuerer Meister mit Portraitminiaturen
Auktionsdatum 26.11.2026

Lot 6069, Auction  128, Blechen, Carl, Wegkreuz an einem steinigen Hang

Wegkreuz an einem steinigen Hang.
Öl auf Papier, auf Leinwand kaschiert. 17,8 x 20,5 cm. Unten links datiert "d 15. März 1823", verso auf dem Keilrahmen von alter Hand bezeichnet "Blechen".

Datiert auf den 15. März 1823, ist diese Landschaftsstudie ein seltenes Zeugnis von Carl Blechens malerischem Frühwerk. Sie entstand nur wenige Monate nach seinem Eintritt in die Zeichen- und Landschaftsklasse der Berliner Akademie, also noch vor dem Aufenthalt in Dresden und der alles entscheidenden Reise nach Italien. Blechens vordergründiges Interesse scheint der Ergründung der chromatischen Farbakkorde des Erd- und Steinreichs gegolten zu haben. Die spontane, flüssige Modellierung der Landschaft aus der Farbe heraus sowie das wunderbar atmosphärische Austarieren von Licht und Schatten in warmen Braun- und Grünvaleurs zeugen dabei von seinem außergewöhnlichen künstlerischen Talent. Schon hier wird deutlich: Carl Blechen denkt weniger in Konturen und Formen als in Farben und ihren Nuancen. Mehr als dieser einen Arbeit bedarf es kaum, um nachzuvollziehen, weshalb er an der Akademie mit der von dem Hackert-Eleven Peter Ludwig Lütke propagierten Landschaftsauffassung gefremdelt haben dürfte.
Rund drei Viertel der Bildfläche nimmt eine felsige Landschaft ein. Nach links öffnet sich der Blick auf den Himmel und eine Bergkette, die so fern liegt, dass ihre Konturen bereits zu verschwimmen beginnen. Ein Weg schlängelt sich vom unteren linken Bildrand an einer steilen Felswand entlang und verliert sich in der Bildmitte hinter einer Biegung. Dort, am Scheitelpunkt des Pfades, setzt Blechen mit wenigen präzisen Pinselstrichen einen Jäger mit geschulterter Flinte, ein Wegkreuz und eine davor kniende Figur ins Bild. Offenkundig greift er damit auf ein romantisches Motivrepertoire zurück, ohne jedoch dessen religiöse oder geistige Anliegen auf inhaltlicher Ebene zu transportieren. Die Natur scheint, obgleich tief empfunden, sich selbst zu genügen.
Die Arbeit gehört zu einer kleinen Gruppe datierter Studien, die in engem zeitlichem Zusammenhang entstanden. Am Vortag, dem 14. März 1823, malte Blechen eine klassisch komponierte, antikische Ideallandschaft mit Tempel in ähnlich kleinem Format (Rave 62); am 16. März folgten die beiden Ölbilder „Badendes Mädchen“ (Rave 63) und „Kinder auf einer Wiese“ (Rave 64). Diese „kleine Sequenz“, schreibt Helmut Börsch-Supan in seinem Gutachten, „gibt einen Einblick in die Sprunghaftigkeit seines Arbeitens“. Eine gewisse Heterogenität, die bereits von seinen Zeitgenossen bemerkt wurde, sollte ein Merkmal seines weiteren künstlerischen Schaffens bleiben. Zugleich wird deutlich, dass sich Blechen schon in seinen frühesten Jahren der Landschaftskunst mit einem höchst individuellen Zugang näherte: Er selektierte und paraphrasierte unterschiedliche inhaltliche und formale Register künstlerischer Vorbilder und gelangte auf diese Weise zu einem neuartigen Landschaftsidiom. Mit seiner freien Malweise und seinem ausgeprägten Gefühl für Realitätsnähe wies er dabei über die eigene Zeit hinaus.
Das Gutachten von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan vom 20. August 2024 in Kopie vorhanden.

Provenienz: Privatsammlung Hamburg.

Wir bitten darum, Zustandsberichte zu den Losen zu erfragen, da der Erhaltungszustand nur in Ausnahmefällen im Katalog angegeben ist.


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