Los 5253
Lasinio, Carlo
(1759 Treviso - 1838 Pisa)Bildnis Édouard Gautier-Dagoty
Schätzung
12.000€ (US$ 13,793)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 25.11.2026


Bildnis Édouard Gautier-Dagoty. Farbiges Schabkunstblatt von vier Platten nach Johann Ernst Heinsius, mit eigenh. Pinselüberarbeitungen und Weißhöhungen. 48,3 x 39,6 cm. Nagler 3, Le Blanc 149, Singer (Der Vierfarbendruck in der Gefolgschaft Jacob Christoffel Le Blons) 444 I (von II), Nicht in Ausst. Kat. Carlo Lasinio Incisioni, Florenz 2004. Wz. Große Wappenkartusche mit Inschrift "Colle in Toscana".
Carlo Lasinio darf als einer der letzten Künstler gelten, der die von Jakob Christoph Le Blon zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelte, kunstvolle Technik des Vierfarbendrucks anwandte und beherrschte. Wenn bis dahin das händische Einfärben der Druckplatten die einzige Möglichkeit gewesen war tonale, malerische Wirkungen auf druckgraphischem Wege zu erzeugen, bestand Le Blons revolutionäres Verfahren darin, zunächst drei, dann vier geschabte Platten, die jeweils mit den drei Primärfarben und später Schwarz eingerieben wurden, in transparenten Schichten übereinander zu drucken. Sein Schüler und später größter Konkurrent auf diesem Gebiet wurde Jacques-Fabien Gautier-Dagoty, der Vater des hier portraitierten Édouard. Nach Le Blons Tod 1741 erlangte dessen Familie eine regelrechte Monopolstellung in der Herstellung mehrfarbiger Blätter und es verwundert daher kaum, dass Edouard als Erfinder dieser bravourösen Technik galt, als er diese in Italien einführte. Von ihm erlernte sie auch Lasinio 1783, der seinen Lehrer auf dem vorliegenden Bildnis überschwänglich als den "inventeur de la gravure en couleurs" verewigt. Lasinios Hommage ist gleichzeitig eines seiner Hauptwerke und stellt sowohl in technischer als auch künstlerischer Hinsicht zweifellos einen Höhepunkt dieser virtuosen Schabkunsttechnik dar.
Das gesuchte Blatt in einem einem ganz prachtvollen, ungewöhnlich farbsatten und wunderbar malerischen Abzug; das reiche Kolorit durch die virtuose Abstufung blauer und rötlicher Töne vor allem das Inkarnat und den changierenden Stoff herrlich zur Geltung bringend. Die eigenhändigen Pinselarbeiten wie das blaue Schließband der Mappe oder die Iris in den Augen verleihen dem Blatt Unikatcharakter. Unten teilweise mit Spuren der Plattenkante, sonst bis 1,5 cm innerhalb derselben beschnitten. Geringfügig berieben und mit wenigen, oberflächlichen Kratzspuren, etwa duch die linke Hand und den Hut, ein diagonales Quetschfältchen rechts über den Pinseln, ein schwacher, vertikal verlaufender Fleck entlang des rechten Randes (Wasserrand?), blindgedruckte Haarlinien auf Hutkrone und am unteren Rand im Ärmel wohl original retuschiert, eine kurze horizontale Retusche im Oberrand, zwei Stockfleckchen im Kragen, weitere Stockflecken verso, weitere minimale Gebrauchsspuren, in der Gesamtwirkung sonst herrliches Exemplar. Ein Rarissimum von unnachahmlicher Farbpracht. Provenienz: 1892 C. G. Boerner (Bezeichnung verso), Sammlung Adalbert Freiherr von Lanna (Lugt 2773), dessen Auktion bei R. Lepke, Berlin, 22. Mai 1911, Los 1201 (mit Abb., "Prachtvolles und höchst seltenes Blatt"), für 2900 Mk. verkauft.
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