Los 5148
Meckenem, Israhel van
(um 1440 Meckenheim (?) -1503 Bocholt)Der Greif
Schätzung
15.000€ (US$ 17,241)
Abgabe von Vorgeboten möglich
Aus dem Katalog
Druckgraphik des 15. bis 19. Jahrhunderts
Auktionsdatum 25.11.2026


Der Greif. Kupferstich nach Martin Schongauer. 12,8 x 9,2 cm. B. 193, Lehrs IX, S. 386, 494, Hollstein 494. Wz. Gotisches P (vgl. Lehrs 21).
Im 15. Jahrhundert kam der mythischen Figur des Greifs, dessen Ursprünge bis in die Antike zurückreichen, eine ambivalente Bedeutung zu. Aufgrund der majestätischen Erscheinung galt das Mischwesen mit Adlerhaupt und Löwenrumpf als königliches Symbol und fand sich als Verkörperung von Wachsamkeit und Stärke auf vielen Wappen. In der höfischen und religiösen Literatur begegnet man dem Greif dagegen häufig als gewalttätiges Monstrum, dessen unnatürliche Gestalt als teuflisches Machwerk beschrieben wird. In der Darstellung Israhel van Meckenems, die auf einem Stich Schongauers im Gegensinn beruht, verbinden sich beide Deutungen. Die gespannte Schrittstellung und die feurigen Augen des in streng heraldischer Profilansicht wiedergegebenen Tieres vermitteln einerseits Wehrhaftigkeit, andererseits sind seine dämonischen Eigenschaften sorgfältig herausgearbeitet. Aus dem gekrümmten Adlerschnabel schnellt hinter scharfen Reißzähnen eine Reptilienzunge hervor; der hintere Teil des Rumpfes gleicht dem eines abgemagerten Rindes. Diese tierischen Einzelheiten sind genau beobachtet und naturalistisch wiedergegeben. Im Mittelalter hielt man den Greif für ein real existierendes Lebewesen - auf die Zeitgenossen dürfte diese Darstellung daher absolut überzeugend gewirkt haben.
Ausgezeichneter, gleichmäßiger Druck mit leichtem Plattenton und zarten Wischritzeln, so wie auch viele Exemplare in Museen innerhalb der Plattenkante beschnitten, rechts beinahe bis an die Darstellung, links unter minimalem Verlust der Flügelspitze. Unauffällige horizontale Mittelfalte, minimal angestaubt und fleckig, die äußersten Ränder kaum merklich hinterfasert, sonst in schöner Erhaltung. Von allergrößter Seltenheit. Doublette der Albertina, Wien (Lugt 5d).
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