Los 1031
Zemirot Israel
Zemirot Israel. Hebräische Handschrift auf Papier.
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2.500€ (US$ 2,841)
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Alte Drucke und Handschriften
Auktionsdatum 14.4.2026

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Auktionsdatum 14.–15. April, 2026


Seltenes Judaicum: "Zemirot Israel" - ein handschriftliches Gesangbuch mit Hymnen und Liedern zum Sabbat
Zemirot Israel (hebraice: Gesänge Israels). Hebräische Handschrift mit Luach (Kalenderteil). 83 num. Bl. mit 159 beschriebenen S. 12 Zeilen. Italienisch-jüdische Quadratschrift mit kursiven Elementen. Schriftraum 11,5 x 8,5 cm. Format 15 x 11,2 cm. Pergament d. Z. (kleiner Kratzer, beschabt und Kanten etwas berieben, bestoßen). Ferrara / Norditalien ca. 1750-1760.
"Zemirot Israel" sind traditionelle jüdische Lieder und Gesänge, wie es auf dem Titelblatt-Incipit heißt: "zmirot ysrael yom za yom za mikal yom mechuvar ae hashivt [...]", womit der Text des ersten Sabbatliedes anhebt: "Dieser Tag ist ehrenvoller als alle Tage, denn er ist der Sabbat des Schöpfers der Welten. Sechs Tage sollst du arbeiten, aber der siebte Tag ist ein Sabbat für deinen Gott. Du sollst an ihm keine Arbeit tun".
Die "Zemirot Israel"-Lieder werden gemeinhin vor und während der Sabbat-Mahlzeiten zu Tische angestimmt. Die meisten der Texte stammen aus jüdischen Quellen des Mittelalters, sie feiern den Sabbat, die Schöpfung und auch die sinnlich-kulinarische Genüsse nach den jüdischen Riten. Dabei wird der Esstisch zu einem Altar Jehovas, der die Mahlzeit mit einem privaten Gottesdienst verbindet. Stark war hier auch der Betrag der sephardischen Liedtradition, die sich hier mit aschkenasischen Überlieferungen vermischt, woraus vermutlich die Lokalisierung (die sich durch Papierqualität, Kalzierung, Einband, Kalligraphie zu bestätigen scheint) nach Norditalien ergibt, auch wenn freilich eine wissenschaftlich fundierte Bewertung noch aussteht. Zu den bekanntesten Gesängen zählen "Adon Olam", "Tzur Mishelo", "Yah Echsof"oder das "Anim Zemirot (Shir Hakavod)".
Auf der letzten Seite ein Besitzvermerk eines italienischen Juden "Garo Finzi" in hebräsicher Schrift und italienischer Bezeichnung "questo Zimirot Ysrael è del Sig: Garo Finzi", einzelne hebräische Einträge werden von italienischen Randvermerken begleitet. Damit gehört die Handschrift eindeutig in den Kontext der berühmten jüdischen Familie Finzi aus Ferrara und Norditalien - eine Gelehrten- und Rabbinerfamilie von hoher kultureller und sozialer Bedeutung innerhalb der italienisch-jüdischen Welt des 18. Jahrhunderts. In der Handschrift erscheinen mehrfach Namens- und Besitzvermerke der Familie Finzi, darunter der Name Elisha / Ben Elisha Finzi, was die Überlieferung als Familienexemplar überzeugend stützt und der Handschrift einen ausgeprägt personal-historischen Charakter verleiht.
Die Familie brachte zahlreiche Rabbiner und Talmudgelehrte, Prediger und Gemeindeleiter, Ärzte und Humanisten sowie Bankiers und wirtschaftlich einflussreiche Persönlichkeiten hervor. Einige Finzis waren im 15.-18. Jahrhundert zentrale Figuren des jüdischen Geisteslebens Norditaliens. Besonders hervorzuheben sind etwa: Mordechai Finzi (Mantua, 15. Jh.), Arzt, Mathematiker und Astronom; Hizkija ben Benjamin Finzi (Ferrara), bedeutender Talmudist; Gur Aryeh Finzi, Herausgeber rabbinischer Werke; oder Isaac Raphael ben Elisha Michael Finzi (1728-1813), berühmter Prediger, später Mitglied und Vizepräsident des Pariser Sanhedrin (1806).
Die paläographischen Merkmale, das Papier und die Schriftform sprechen für eine Entstehung um die Mitte des 18. Jahrhunderts (ca. 1750-1760) - zeitlich gut vereinbar mit der Generation der in Ferrara belegten Finzi-Schreiber- und Rabbinerfamilie. Die Zuschreibung an den Familienkreis ist aufgrund der Autornennungen und der internen Eigennotizen auf überzeugende Weise plausibel und macht die Handschrift zu einem kultur- und familiengeschichtlich hochbedeutsamen Zeugnis.
Zum Inhalt:
Die Handschrift enthält eine umfangreiche Sammlung von Zemirot, Pijjutim und liturgischen Gesängen für Sabbat, Festtage und den religiösen Jahreslauf. Zemirot Yisrael (oder: Zemirot Yisra’el) ist der Titel einer traditionellen Sammlung hebräischer Melodien und liturgischer Lieder, die sowohl im synagogalen Kontext als auch im familiären Hausgebrauch gesungen wurden. Die Texte verbinden religiöse Dichtung, Andachtslyrik und gemeinschaftliche Ritualpraxis. Hervorzuheben ist am Ende der Handschrift ein Luach - ein kurzer Kalenderteil, der der praktischen religiösen Orientierung im Jahreslauf diente. Er ist in tabellarischer Form ausgeführt und spiegelt den pragmatischen Gebrauch der Handschrift im Familien- und Gemeindeleben wider. Auch wenn es sich um einen nicht datierenden, immerwährenden Kalender handelt, unterstreicht er den funktionalen Charakter des Buches. So steht die Handschrift in enger Traditionslinie zu jener Gruppe italienisch-jüdischer Zemirot-Manuskripte, die seit dem frühen 18. Jahrhundert - besonders in Ferrara und dem oberitalienischen Raum - nachweisbar sind (vgl. etwa: Sotheby’s, New York, 2025 - Kitzur Zemirot Yisrael, Ferrara 1840, dekorierte Titel- und Familienhandschrift (Victor-Klagsbald-Collection). – Nur wenige Gebrauchsspuren, hin und wieder saubere, alte Papierergänzungen (meist nur unwesentlicher Textverlust), kaum Fingerfleckchen oder sonstige Flecken, in feinster, sauberster Kalligraphie auf bemerkenswert festem, weißen Büttenpapier einer italienischen Mühle mit breitem Siebraster geschrieben. Jüdische "Zemirot"-Handschriften um 1600 sind von großer Seltenheit.
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