"Ernte"
Öl auf Leinwand. 2002.
100 x 80 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Blau undeutlich monogrammiert "BS" und datiert, verso signiert "Bernard Schultze", datiert und betitelt.
Großformatiges Gemälde, in harmonisch leuchtender Farbigkeit und mit freier malerischer Geste gestaltet. Seit den 1950er Jahren entstanden Schultzes erste informelle Arbeiten, die bedeutend die internationale Nachkriegskunst mitprägten. Sein Stil, bei dem lyrische Abstraktion auf lebendiges Kolorit und eine filigrane Formensprache treffen, lässt sich in der vorliegenden Arbeit wiederfinden. Schultze erschafft einen Bildraum, dessen Interpretation aufgrund der Gegenstandslosigkeit rein auf persönlichen Assoziationen und Emotionen basiert. Anspielungen und Zitate aus der Natur allerdings gibt Schultze hier, wie vielfach in seinem Schaffen, als Ausgangspunkt vor. Bernard Schultze, Teilnehmer der documenta II, der documenta III, und der documenta 6, behauptet mit seinem lyrisch abstrakten und unverkennbaren Stil eine eigenständige Position in der Kunstgeschichte und unter den Künstlern seiner Zeit.
Literatur: Bernard Schultze 1915-2005. Eine Retrospektive, Ausst.-Kat. Samuelis Baumgarte Galerie, Bielefeld 2011, S. 51 (mit Farbabb.)
Gästebuch
Gästebuch der Galerie Lietzow Berlin 1971-1991
Los 7271
Schätzung
20.000€ (US$ 22,989)
Gästebuch der Galerie Lietzow Berlin 1971-1991
101 Aquarelle und Zeichnungen unterschiedlicher Künstler in verschiedenen Techniken, teils collagiert, auf 128 Bl. Bütten, teils einmontiert, in Gästebuch mit schwarzem Ledereinband. 1971-91.
28,5 x 24 cm (Buch).
Die Zeichnungen allesamt signiert, datiert und teils mit Widmungen oder Text.
Mit der Galerie Lietzow entstand 1970 eine weitere legendäre Galerie und Begegnungsstätte in Berlin (vgl. auch Lot 7164 und 7184). Gegründet von Godehard Lietzow und Karl-Horst Hartmann, galt sie als Ort künstlerischer Freiheit und prägte die Westberliner Kunstszene vor allem in den 1970er und 1980er Jahren. Die Galerie Lietzow bot insbesondere jüngeren und damals noch weitgehend unbekannten Künstlern ein Forum und stellte ihre Arbeiten einem öffentlichen Publikum vor. Ab 1971 führte die Galerie ein Gästebuch, in dem sich über einen Zeitraum von 20 Jahren 53 unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler - viele davon mehrfach - mit Zeichnungen und vollwertigen Kunstwerken verewigten, oft ergänzt durch persönliche Zeilen an die Galeristen. Mit der Fülle an unterschiedlichen Arbeiten stellt das Buch eine besondere Form kollektiver Produktion als Gesamtkunstwerk dar. Enthalten sind Arbeiten von: Peter Ackermann (4), Frederic Amat (2), C.E. Beck (3), Wolfgang Bier, Lutz Brockhaus, Holger Bunk, Luis Caballero (6), Martin Dittberner, Jörg Eberhard (2), Erwin Eisch, Paul Eliasberg, Stephan Elsner (2), Lothar Fischer, Ulrich Fleig (2), FOTIS, Klaus Fußmann, Horst Haack, Anke Holfeld, Alfred Hrdlicka, Werner Knaupp, Fritz Köthe, Oskar Koller, Henning Kürschner (4), Yuri Kuper, Karl-Ludwig Lange, Luis Lemos, Godehard Lietzow, Finn Lyngaard, Guiseppe Madonia (4), Bernhard Maroscyk, Marwan (3), Albert Merz (6), Klaus Moje, Kunito Nagaoka, Heinrich Richter (4), Jürgen Sage (3), Salomé (2), Axel Sander (3), Hella Santarossa, Hermann Schenkel (10), Joachim Schmettau, Paula Schmidt (2), Thomas A. Schmidt (2), Michael Schoenholtz, Joachim Senger, Roger David Servais, Vladimir Titov, Klaus Vogelgesang, Peter Vogt (2), Ann Wärff, Mathias Wild (2), Peter Wittmann und Ron Wood.
Provenienz: Irene Lehr, Berlin, Auktion 45, 29.10.2016, Lot 313
Privatsammlung Berlin
Kopf eines Jungen
Öl auf Leinwand. 1975.
55,3 x 38,2 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert "Marwan" und datiert.
Das 1975 entstandene Portrait nimmt innerhalb von Marwans Werk eine besondere Stellung ein. Während sich der Künstler in dieser Zeit intensiv mit dem menschlichen Antlitz auseinandersetzte und seine Köpfe sich zunehmend zu verdichteten, über das individuelle Portrait hinausgehenden Seelenlandschaften entwickelten, bleibt unsere Darstellung nah an ihrem Modell. Dargestellt ist der Sohn einer mit Marwan befreundeten Familie. Mit leicht geneigtem Kopf und wachem Blick erscheint der Junge zugleich präsent und in sich gekehrt. Die weichen Farbübergänge und die bewegte Kontur lösen die physiognomischen Formen kaum auf, wie es sonst in seinen Darstellungen häufig der Fall ist. Die Nähe zum Dargestellten verleiht dem Portrait seinen besonderen Charakter.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland
Gesichtslandschaft V
Kaltnadel in Schwarzbraun auf festem Velin. 1975.
68 x 98 cm (72 x 102 cm).
Signiert "MARWAN" und datiert. Auflage 30 num. Ex.
Merkert 139.
Ganz prachtvoller, tiefdunkler und ausdrucksstarker Druck mit dem vollen Rand, unten mit dem Schöpfrand.
"Badeanstalt (Lübars)"
Öl auf Leinwand. 1976-77.
170 x 200 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "M. KOEPPEL" und datiert, verso auf dem Keilrahmen mit Bleistift nochmals signiert "Matthias Koeppel", datiert, betitelt, mit der Künstleradresse sowie Adressaufkleber, den Maßangaben und bezeichnet "Öl a Leinwand".
Bikinis verrutschen, enthüllen rosaweiße Berliner Blässe, und erhitzte Bäuche strecken sich über Hosenbünde. Braungebrannt ist hier niemand auf der Liegewiese im Strandbad am Reinickendorfer Ziegeleisee. Vorne rechts auf der Wiese sitzt der Maler selbst und schaut aufs Wasser, und der einzige Schwimmer blickt wiederum aus sicherer Distanz wohlwollend auf die dicht gedrängte Schar sonnenbadender Berliner, die sich ohne jede Prüderie vom Zwang der täglichen Lohnarbeit erholen. Prägnant akzentuiert Koeppel, der immer wieder die deutsche Zeitgeschichte thematisiert, in dem Gedränge die Westberliner Lage der 1970er Jahre: In der eingeschlossenen Stadt gab es nur eine begrenzte Zahl von Strandbädern, was an Sommertagen dort stets zu Gedränge führte. Bei dem allein unter dem Schild "Nur für Schwimmer" badenden Mann handelt es sich um den bedeutenden, streitbaren Journalisten Dieter Gütt, der bei der ARD den Weltspiegel moderierte, zwischen 1977 und 1980 die Tagesschau leitete und dort die Tagesthemen begründete. Nachdem Koeppels etwas größere (200 x 200 cm) erste Fassung des Motivs zerstört wurde, schuf er diese zweite, in der Höhe etwas komprimiertere Version. Zusammen mit Johannes Grützke, Manfred Bluth und Karlheinz Ziegler hatte Koeppel 1973 die Künstlergruppe "Schule der neuen Prächtigkeit" gegründet, die sich gegen die abstrakte Malerei wandte und für einen neuen, von Ironie und Satire geprägten Realismus stand. Etwa zeitgleich bezog er ein Atelier im 13. Stockwerk eines Hochhauses im Märkischen Viertel, unweit des Strandbads, und der Blick von dort inspirierte ihn nachhaltig zu den charakteristischen Stadtlandschaften mit weitem Himmel.
Provenienz: Sammlung Dieter Gütt, Frankfurt/Main
Privatbesitz Hessen
Literatur: Matthias Koeppel. Bilder und Zeichnungen, Ladengalerie, Berlin 1980, mit Abb. (o.S.)
Begegnung beim Graben
Pastell auf braunem Packpapier. 1983.
130 x 100 cm.
Unten rechts mit Pastellkreide in Rot signiert "Johannes Grützke" und datiert.
Nicht mehr bei Holeczek.
Ist es ein Grab oder ein harmloses Erdloch? Der Mann - es ist Grützke selbst - hebt in der typischen weißen Malerhose die tiefe Grube aus. Bis über die Hüfte steht er bereits im Erdreich und blickt, den Spaten erhoben, die Hose von der schweren Arbeit leicht geöffnet, in expressiv verzerrter, übersteigerter Mimik nach oben zu der Frau. Von ihr sind jedoch nur die Füße am Grubenrand und der Saum des geblümten langen Kleides sichtbar. Diese in ihrer Bedeutung rätselhafte Szene zeichnet Grützke in intensiven Farben, erfasst mit den charakteristischen Gitterschraffuren der Kreide alle Bildgegenstände souverän und gut erkennbar, er bietet uns aber keine Interpretation an. Immer wieder nutzt Grützke historische Szenerien für seine zeitgenössisch gestalteten Bildbühnen, mischt historische mit zeitgenössischen Figuren, verknüpft Realität und Fiktion. Hier ist es der Anklang an Grablegungen, mit dem der Künstler spielt. 1979 beginnt die langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Zadek, für dessen Inszenierungen er Bühnenbild- und Prospektentwürfe fertigt.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Ausstellung: Johannes Grützke. Menschenbilder, Kallmann-Museum, Ismaning 2013 (Abb. in: kallmann-museum.de, Zugriff 07.03.2024)
Im Watt
Farbige Kreiden auf braunem Packpapier. 1978.
100 x 160 cm.
Unten rechts mit Kreide in Schwarz monogrammiert "J.G." und datiert.
Im schier endlosen Watt aus Unrat und Schlamm sitzt die Frau, vom Pfeil der Sehnsucht getroffen, zwischen drei lemurigen Gestalten. In Grützkes allegorischem Büchlein gleichen Titels sind es die Personifikationen von Ernst, Drang, Kraft und Stolz, die die Leiterin mit ihrem Pfeil erwecken. Technisch virtuos modelliert Grützke die Figuren mit geschwungenen Bogenlinien und Wischungen in Schwarz, Weiß und Blau auf dem braunen Untergrund des von ihm bevorzugten Packpapiers.Trotz ihres Realitätsbezuges ist Grützkes Darstellung in jeder Hinsicht verfremdet, ein künstliches, gestelltes und verzerrtes Arrangement, das gerade dadurch eine exemplarische Bedeutung gewinnt. Theatralisch und von bühnenhafter Wirkung ist die Komposition, entsprechend ihrem Entstehen für Grützkes Vorspiel "Im Watt", und die Figuren erscheinen im Ausdruck dramatisch intensiviert. "Hinter der Ironisierung von Bedeutung sucht er Sinn, hinter der gefrorenen Grimasse eine ungebrochene und ungehemmte Kraft." (E. Schenk zu Schweinsberg, Versuch zur Bildsprache von Johannes Grützke, in: Holeczek, S. 17).
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen
Literatur: Johannes Grützke, Im Watt. Ein Vorspiel, Hamburg 1978, Abb. S. 8
Ohne Titel
Radierung mit Kaltnadel und Aquatinta auf BFK Rives-Bütten. 1965/83.
31,5 x 24 cm (62,5 x 44,5 cm).
Signiert "Baselitz" und datiert. Auflage 15 num. Ex.
Jahn 29.
Druck des 6. (von 6) Zustands in Schwarz mit der ergänzten Kaltnadel, gedruckt 1983. Prachtvoller, gratiger Druck mit Rand.
Kuh abwärts
Radierung mit Kaltnadel auf Velin. 1969.
18 x 24,5 cm (67 x 51 cm).
Signiert "Baselitz" und datiert. Auflage 15 num. Ex.
Jahn 76.
Blatt 5 (von 7) der Mappe "Kühe". Erschienen 1974 bei Heiner Friedrich in München. Im Werkverzeichnis der Verweis "Alle Blätter dieser Mappe sind irrtümlich mit 67 datiert). Prachtvoller, gratiger Druck mit Rand, rechts mit dem Schöpfrand.
Graphik mit Kakau
Farbserigraphie und Kakaopulver auf Karton in transparenter Plastiktasche. 1968.
70 x 100 cm.
Unten rechts auf der Tasche (verblasst) signiert "DITER ROT" und datiert, oben rechts undeutlich bezeichnet. Auflage 50 num. Ex.
Dobke 100.
Herausgegeben und hergestellt von Hartmut Kaminski, Düsseldorf, in einer Auflage von insgesamt 60 Exemplaren, von denen jedes durch das Kakaopulver und seine beabsichtigte Metamorphose im Laufe der Jahre Unikatcharakter hat. Der langsame Zersetzungsprozess lässt die Oberfläche des Materials sich verändern, Fett tritt aus und dringt in den Karton ein, so dass sich nach der Eigengesetzlichkeit organischen Zerfalls ganz neue, unvorhersehbare Effekte in der Darstellung ergeben. Jedes Exemplar wurde zudem von Roth mit einem handgeschriebenen Satz versehen (hier verblasst). Alle diese Sätze ergeben, in der Reihenfolge der Numerierung hintereinander gelesen, eine Geschichte von Dieter Roth. Prachtvolles Exemplar.
Provenienz: Galerie Levy, Frankfurt/Main (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)
Privatsammlung Nordrhein-Westfalen
Teydelandschaft
Farboffset auf leichtem Maschinenbüttenkarton. 1971.
33,4 x 47,8 cm (45,4 x 59,9 cm).
Signiert "Richter" und datiert. Auflage 150 num. Ex.
Butin 41.
Nach einer Fotografie Richters des Teydekraters auf Teneriffa, aufgenommen im Jahr 1969. Erschienen als Jahresgabe des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen, Druck F. W. Rhoden, Essen, hier eines der bei Butin erwähnten Exemplare mit einem geringeren Rotanteil als in der dort gezeigten Abbildung. Ausgezeichneter Druck mit dem vollen Rand.
Kerze I
Offset auf Velin, auf Karton kaschiert. 1988.
89,5 x 94,5 cm.
Butin 64.
Nach dem Ölgemälde "Kerze" von 1982 in seitenverkehrter Darstellung. Ursprünglich verwendete Richter das Motiv für das Plakat seiner Einzelausstellung im Mönchehaus-Museum für Moderne Kunst in Goslar 1988. Statt der weiß gedruckten Schrift mit den Museumsangaben setzte er für die Auflage von 250 Exemplaren eine große, handschriftliche Signatur quer über die Graphik. Hier ein Druck des Plakats avant la lettre, eines der wenigen Exemplare ohne Signatur, von denen Butin zwei bekannt waren. Prachtvoller Druck der formatfüllenden Darstellung. Wir danken Hubertus Butin, Berlin, für freundliche Hinweise vom 29.09.2026.
Neun Gouachen
9 Kompositionen. Gouache auf schwarzem Baumwollstoff, jeweils auf Velin aufgelegt. 1980-83.
30 x 21 cm (Blattgröße).
Auf dem Unterlagepapier jeweils unten mittig mit Bleistift signiert "Natalia LL" und datiert sowie (nicht fortlaufend) numeriert.
Zeichenhaft, wie Notationen von Bewusstseinszuständen, leuchten die linearen Kompositionen auf dem tiefschwarzen Grund. "Art, which is unusual product of man, charming independent galaxies of spirit out of elements of matter, is simultaneously the place where all intuitions and longings of man appear with exceptional suggestiveness." (Natalia LL, 1984, zit. n. nataliall.com, Zugriff 31.08.2026). Ihre Arbeiten gelten als Meilensteine der polnischen Konzeptkunst sowie der neo-avantgardistischen feministischen Kunst in Osteuropa. In den Medien Fotografie, Zeichnung, Performance und Videokunst analysierte und kritisierte sie ästhetische und erotische Aspekte der Konsumgesellschaft. 1970 gründete sie zusammen mit Andrzej Lachowicz, Zbigniew Dłubak und Antoni Dzieduszycki die PERMAFO-Galerie und Künstlergruppe in Wrocław (Breslau), die bis 1981 bestand. Beigegeben: Ein Portraitfoto der Künstlerin.
Provenienz: Privatbesitz Norddeutschland
Ohne Titel
Plotterzeichnung auf Druckerpapier. 1975.
47 x 36 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "M" und datiert.
Molnár, die Grande Dame der Computerkunst, verschiebt mit Hilfe ihrer Programmierung am Rechner innerhalb der quadratischen Grundform aufgrund geringer Abweichungen im Arbeitsprozess die Linien zunehmend hin zu unregelmäßigen, flirrenden und scheinbar chaotischen Mustern hin. Mit der Zeichenmaschine, wohl einem Trommelplotter, konstruiert Vera Molnár ihre Quadratkomposition.
Provenienz: Privatbesitz Brandenburg
Ohne Titel
Plotterzeichnung auf Druckerpapier. 1975.
47 x 36 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "M" und datiert.
In ihrer Kunst untersuchte Molnár, "was mit einer geometrischen Form geschieht, wenn ein Merkmal minimal verändert wird. Dafür nutzte sie ab 1959 ihre 'machine imaginaire'. Mit Hilfe dieser imaginären Maschine kalkulierte sie ihre Kompositionen Schritt für Schritt weiter - in ihrem Kopf. 1968 konnte Molnár dann erstmals mit einem Computer arbeiten." (kunstmuseumbasel.ch, Zugriff 15.09.2026). Mit ihren konstruktiv-konkreten Arbeiten gilt sie als bedeutende Pionierin der Computerkunst bzw. der generativen Kunst. 1976 fand in der Galerie des London Polytechnic ihre erste Einzelausstellung statt, und sie war in internationalen Ausstellungen u.a. im Centre Pompidou in Paris, im Museum Haus Konstruktiv in Zürich sowie im MoMA in New York vertreten.
Provenienz: Privatbesitz Brandenburg
Ohne Titel
Plotterzeichnung auf Druckerpapier. 1975.
47 x 36 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "M" und datiert.
Frühe Arbeit der Künstlerin, eine zersplitterte Quadratkomposition auf dem charakteristischen dünnen Druckerpapier mit den Transportlöchern an den beiden seitlichen Rändern. Seit 1968 nutzte Vera Molnár Computerprogramme als künstlerisches Medium, um formale Systeme zu entwickeln, die als bestimmende Syntax den Formen, Linien und Farbwerten ihres zeichnerischen und malerischen Werks zu Grunde liegen. Zwischen 1974 und 1976 entwickelte sie selber, gemeinsam mit ihrem Mann, dem Künstler François Molnár, das Computerprogramm MolnArt.
Provenienz: Privatbesitz Brandenburg
"SIEBLABYRINTH"
Computergraphik (Laserdruck) auf Maschinenpapier. 1986.
18 x 25,8 cm (21 x 29,7 cm).
Kristalline Raumkonstruktion, Motiv Nr. 4 aus der Serie "construct / decor". Im Unterrand im Druck bezeichnet "CONSTRUCT / DECOR (4) - SIEBLABYRINTH 8-APR-86 11:16:54 GEORG NEES". Georg Nees, Pionier der Computerkunst und der Generativen Graphik, zeigte als Erster weltweit mit einem Digitalrechner erstellte Graphiken als Kunstwerke in einer Galerie: Diese frühe Ausstellung, „computer graphik“, fand im Februar 1965 in den Räumen der Studiengalerie der TH Stuttgart statt.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen (Geschenk des Künstlers)
"SURSUM CORDA"
Computergraphik (Laserdruck) auf Maschinenpapier. 1986.
17,7 x 25,8 cm (21 x 29,7 cm).
Sursum corda: Erhebet die Herzen, der Aufruf an die Gläubigen, ihren Geist und ihre Gedanken vom Irdischen abzuwenden und sich auf Gott auszurichten. Motiv Nr. 5 aus der Serie "construct / decor". Im Unterrand im Druck bezeichnet "CONSTRUCT / DECOR (5) - SURSUM CORDA 15-APR-86 11:57:02 GEORG NEES". Nees, Industriemathematiker und Physiker in Erlangen, studierte seit 1964 Philosophie bei Max Bense in Stuttgart und war 1970 auf der Biennale in Venedig vertreten. Seine Dissertationsschrift zur Generativen Computergraphik stellte damals weltweit die erste Doktorarbeit über dieses Thema dar. Alle seine künstlerischen Arbeiten entstanden als Serien, ebenso wie seine ersten Filme zur Ausstellung in Hannover und später zur Biennale in Venedig.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen (Geschenk des Künstlers)
"DOPPELSYSTEM"
Computergraphik (Laserdruck) auf Maschinenpapier. 1986.
17,7 x 25,7 cm (21 x 29,7 cm).
Der Schwerelosigkeit einer Spielwelt scheint das Motiv Nr. 6 aus der Serie "construct / decor" zu entspringen. Im Unterrand im Druck bezeichnet "CONSTRUCT / DECOR (6) - DOPPELSYSTEM 14-APR-86 11:10:07 GEORG NEES". In der Münchner Galerie der Künstler fand im Oktober 1986 die von Alex Kempkens initiierte Gruppenausstellung zur Computerkunst "Bilder Images Digital" statt, dazu ein Symposium u.a. mit Frieder Nake und Georg Nees. Für diese Ausstellung schuf Nees die Graphikserie "construct / decor". Diese Arbeiten nehmen eine Sonderstellung in seinem Œuvre ein, da er zu ihrer Erzeugung einer KI-Maschine sowohl einfache Kommandos als auch philosophische und sogar mythische Befehle erteilte.
Provenienz: Privatbesitz Nordrhein-Westfalen (Geschenk des Künstlers)
Beckmann, Otto
Olympisches Feuer. Elektronische Computergrafik
Los 7289
Schätzung
300€ (US$ 345)
Olympisches Feuer. Elektronische Computergrafik
Graphik auf Aluminium, auf Karton montiert. 1971.
30,5 x 20 cm (51 x 33 cm).
Signiert (geritzt) "Otto Beckmann" und auf dem Karton später nochmals datiert und bezeichnet "2 Exemplare vorhanden".
Otto Beckmann, Bildhauer und Pionier der Verwendung von Computertechnologie in den Künsten (vgl. zkm.de), schuf Plexiglasskulpturen, die im polarisierten Licht bewegt wurden. Vorlagen für diese UV-Choreografien stammten von Frieder Nake, der 1966 von Otto Beckmann gebeten wurde, Algorithmen und Choreografie-Abläufe am Computer zu generieren. Von diesen Abläufen und Filmen wurden Fotos bzw. Stills aufgenommen und auf Offset-Druckplatten übertragen. Die „Elektronische Computergrafik“ ist kein Unikat, aber da diese Art von Druck damals sehr kostspielig war, existieren nur sehr wenige Abzüge. Sehr selten. Wir danken Irene und Albert Beckmann, Archiv Otto Beckmann, Sollenau, für freundliche Hinweise vom 16.10.2026.
Beckmann, Otto
Architektonisches Projekt am Meer; Abbildung 32 zu Lied 57
Los 7290
Schätzung
500€ (US$ 575)
Architektonisches Projekt am Meer; Abbildung 32 zu Lied 57
2 Bl. Farbige Fotografien (Handabzüge) auf Fotopapier. 1980/81.
30 x 40,5 bzw. 40,5 x 30 cm.
Beide signiert "Otto Beckmann", 1 Bl. verso mit dem Wiener Adreßstempel des Künstlers.
Seine 1980 entstandene Serie von virtuellen, architektonischen Objekten, die er in einer realen Landschaft platziert, nannte Beckmann „Metropolis 2080“; eines der Blätter entstammt dieser Serie. Das andere ist ein experimentelles Foto (Beckmann nannte die Technik „Cinematrix“) im polarisiertem Licht und ist eine graphische Umsetzung vom Lied „Ain mensch von achtzehen jaren klüg“ von Oswald von Wolkenstein. Wir danken Irene und Albert Beckmann, Archiv Otto Beckmann, Sollenau, für freundliche Hinweise vom 16.10.2026.
Abwehrgerät
Skulptur. Knochenfragmente, verleimt, verschraubt und geschnitzt, und Metall, auf Holzsockel. Wohl um 1980
37,5 x 14 x 14 cm.
Seitlich unten links mit dem geritzten Künstlersignet.
Die komplex konstruierte Knochenskulptur mit ornamentalen Schnitzereien und technischen Details erscheint mit dem in ihr verbauten Mechanismus wie ein versponnenes, magisch-rituelles Kultobjekt. "Seine Werke bewegen sich zwischen Technik und Vision, zwischen Magie und Mathematik, zwischen Irrationalität und Rationalität." (Peter Weibel, 2008, zit. n. archiv-otto-beckmann.com, Zugriff 18.09.2026). Wir danken Irene und Albert Beckmann, Archiv Otto Beckmann, Sollenau, für freundliche Hinweise vom 28.09.2026.
Provenienz: Privatbesitz Österreich
Ausstellung: Neumagische Objekte Textgenerierte Maschinen, Ausst.-Kat. NÖ Landesmuseum, Blau-Gelbe Galerie, Wien 1983
"Die infernalische Maschine"
Skulptur aus Fundstücken. Verschiedene Metalle, Holz, Kunststoff und Knochen auf Holzplinthe und -sockel unter Plexiglassturz. 1982.
28 x 20 x 20 cm.
An der oberen Metallstrebe zweifach mit dem geritzten Künstlersignet und datiert, an der Unterseite der Holzplatte mit Faserstift in Schwarz mit dem Künstlersignet, datiert und betitelt.
"Es sind Idole und fiktive Kultobjekte der Magie, die oft zu rätselhaften Szenen gruppiert, künstlerisch verdichtet wurden. Neben Knochen fanden auch technische Versatzstücke Anwendung." (archiv-otto-beckmann.com, Zugriff 18.09.2026). Das Werk stammt aus einer Reihe, die Otto Beckmann „Textgenerierte Maschinen“ nannte. Diese Skulpturen aus Fundobjekten basieren auf literarischen Vorlagen, Mythen und auch eigenen Gedichten. Wir danken Irene und Albert Beckmann, Archiv Otto Beckmann, Sollenau, für freundliche Hinweise vom 28.09.2026.
Provenienz: Privatbesitz Österreich
Schamanisches Objekt (Knochenfigur)
Skulptur. Knochenfragmente, verleimt, auf Holzsockel. Wohl um 1980.
24 x 7,5 x 8 cm.
Wie die Figur eines Schamanen steht die vom Künstler arrangierte, äußerst fragile Knochengestalt auf dunklem Holzsockel. Wir danken Irene und Albert Beckmann, Archiv Otto Beckmann, Sollenau, für freundliche Hinweise vom 28.09.2026.
Provenienz: Privatbesitz Österreich
"L'Atelier René Tazé"
Radierung auf Velin. 1979.
67,5 x 52 cm (74,5 x 56,3 cm).
Signiert "Erik Desmazières", datiert und betitelt. Auflage 90 num. Ex.
Fitch 40.
Das eindrucksvolle, großformatige Blatt gibt das Interieur des Pariser Meisterdruckers René Tazé wieder, der seine Ausbildung im Atelier Leblanc und bei den Brüdern Crommelynck erhielt, bevor er 1978 seine eigene Werkstatt eröffnete. Zahlreiche prominente graphische Künstler der Gegenwart, wie Jim Dine, Jean-Baptiste Sécheret und auch Érik Desmazières lassen ihre Arbeiten bei Tazé drucken. Der 1948 in Rabat geborene Desmazièrs gilt als einer der bedeutendsten französischen Graphiker seiner Generation. Der Künstler absolvierte zunächst ein Studium am renommierten Institut d'études politiques de Paris (Sciences Po) und widmete sich ab 1971 ganz der Radierkunst. Seine technisch virtuosen Radierungen zeigen räumlich verschachtelte, oft imaginäre Architekturen, detailgetreue Stadtansichten, Wunderkammern sowie Bibliotheken. Auch die vorliegende Interieurdarstellung ist von großem ästhetischen und kompositorischen Reiz. Das Rad und die arabeskenhafte Mechanik einer Radierpresse dominieren die Komposition und verleihen dem Motiv eine bemerkenswerte visuelle Prägnanz und schöpferische Originalität. Bei dem vorliegenden Blatt handelt es sich um die erste Fassung dieses Motivs. Ausgezeichneter Druck mit Rand.
Sirene; Vespero; Poeta occidentale
Triptychon. 3 Bl. Aquatinta, Karborundum und Kaltnadel sowie Blattgold auf Velin. 1995.
Je 200 x 124 cm (Blattgröße).
Jeweils signiert "M Paladino" und datiert. Auflage 28 num. Ex.
Die großformatigen, abstrakten Radierungen von Mimmo Paladino stehen beispielhaft für die italienische neoexpressionistische Bewegung, die vielfach in den Kompositionen Emotionen und Bewegung zum Ausdruck bringt. Monumentales Triptychon des italienischen Vertreters der Transavantgarde, erschienen in kleiner Auflage bei der Alan Cristea Gallery, London; Druck Grafica Uno, Mailand. Ganz prachtvolle, tiefdunkle und kontrastreiche Drucke der großformatigen Kompositionen mit dem vollen Rand.
Beuys, Joseph
Manifest - Europa-Parlament - Wählt die Grünen
Los 7296
Schätzung
2.400€ (US$ 2,759)
Manifest - Europa-Parlament - Wählt die Grünen
3 Bl. Autographen als Triptychon, 2 Bl. Feder in Braun auf Notizblockpapier und 1 Bl. mit Bleistift auf Notizblockpapier des "Hotel Monaco & Gran Canal/ Venezia" und mit Beuys' Hauptstromstempel bzw. dem Blattstempel für die Europawahl. 1979.
17x 32 cm (Triptychon) bzw. 2 Bl. des Triptychons je 17 x 10 cm und 1 Bl. 12 x 8 cm; 39 x 55,5 cm (Untersatzkarton).
Jeweils signiert "Joseph Beuys".
Die zu einem Triptychon zusammengestellten Notizzettel sind bedeutende programmatische Schriftstücke für Beuys' politische Entwicklung: Im Jahre 1979 kandidierte Joseph Beuys für die Partei "Die Grünen" bei der Wahl zum Europaparlament. Beuys war dabei nicht nur einer der Spitzenkandidaten, sondern gestaltete auch die Kampagnen der Partei. In seinem dazu entworfenen Aufruf hieß es damals: "Ich trete für die Grünen ein, denn es ist klar geworden, dass alles, was wir in unser Leben einbeziehen, sinnlos wird, wenn das Leben selbst bedroht ist. Ich arbeite für die Grünen, denn sie sind mehr als das schlechte Gewissen der Parteien, und ich kandidiere für sie, denn nur die Grünen in aller Welt wollen mit ihren schöpferischen Kräften eine wirkliche Neugestaltung unseres Lebens bewirken. Darum ist die Stimme, die Sie den Grünen geben, eine Stimme, die Sie sich selbst für eine bessere Welt geben." (Joseph Beuys - Wahlaufruf, in: Wahlkampfzeitung der Sonstigen Politischen Vereinigung (SPV) DIE GRÜNEN zur Wahl des Europäischen Parlaments, Bonn/Düsseldorf 1979). Die damals neu entstandene Partei setze sich für Basisdemokratie, Ökologie, Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit ein. Die vorliegenden Blätter enthalten zahlreiche Notizen zu einigen für Beuys wichtigen politischen Themenfeldern, Programmpunkten und Ideen wie "Westen-Sozialisierung / Demokratisierung / Osten-Liberalisierung > Mischung", sowie offensichtlich im Prozess entstandene Sentenzen wie "Was richtige Wissenschaft und richtige Kunst, was falsche Wissenschaft und falsche Kunst ist bestimmt der Staatsanwalt" oder "Kunst verstehen - Kunst gestalten". Beuys beendete seine politische Karriere im Jahre 1982, blieb aber bis zu seinem Tod Mitglied der Grünen.
Provenienz: Privatbesitz Österreich
STRENGTH
Farblithographie auf Velin. 1983,
56 x 43 cm (75 x 56,5 cm).
Signiert "Edw. Ruscha" und datiert. Auflage 21 num. Ex.
Engberg 133.
Das Wort "Strength" isoliert Ruscha in markanter Typographie, befreit es von jedem Zusammenhang und setzt es kontrastierend und flächig in ein abstrakt-räumliches Setting von illusionärer Tiefe. Als Ed Ruscha nach der Fülle an Text in seinen Werken gefragt wurde, erklärte er: "I just happened to paint words like someone else paints flowers." (moma.org, Zugriff 09.09.2026). Ed Ruscha, Pionier der Pop Art und der Konzeptkunst, stellt in den Mittelpunkt seines ikonischen Œuvres die Kombination von Text/Sprache und Bild, mit der er spielerisch auf visuelle und sprachliche Klischees der Populärkultur abzielt und unsere Seh- und Denkgewohnheiten demontiert. So eröffnet er dem Betrachter neue Assoziationsmöglichkeiten. Herausgegeben von der University of Houston, Texas, mit deren Blindstempel unten rechts. Erschienen in einer Gesamtauflage von 24 Exemplaren. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.
Egg, from: Domestic Tranquility
Farblithographie auf Velin. 1974.
21 x 48 cm (41,5 x 66,3 cm).
Signiert "Edward Ruscha" und datiert. Auflage 65 num. Ex.
Engberg 76.
Herausgegeben von Multiples, Inc., New York, und Castelli Graphics, New York, in einer Gesamtauflage von 89 Exemplaren. Druck Cirrus Editions, Los Angeles. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.
Plate, from: Domestic Tranquility
Farblithographie auf Velin. 1974.
21,6 x 48,3 cm (45,8 x 66,5 cm).
Signiert "Edward Ruscha" und datiert. Auflage 65 num. Ex.
Engberg 73.
Alltägliche Haushaltsgegenstände schweben isoliert in einem leeren Raum und erhalten dadurch eine kontemplative Ausstrahlung. Herausgegeben von Multiples, Inc., New York, und Castelli Graphics, New York, in einer Gesamtauflage von 89 Exemplaren. Druck Cirrus Editions, Los Angeles. Ganz prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.
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