153050

Lose pro Seite


Lot 7063, Auction  127, Kirchner, Ernst Ludwig, Kohlenhandlung

Kirchner, Ernst Ludwig
Kohlenhandlung
Los 7063

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
1.500€ (US$ 1,724)

Details

Kohlenhandlung
Lithographie auf dünnem Velin, alt auf Karton kaschiert. 1907.
39,5 x 33 cm (41,8 x 34,3 cm).
Verso auf dem Karton mit Bestätigungsstempel von Walter Kirchner, Bruder des Künstlers, dort von diesem signiert, datiert "30.9.50" und bezeichnet "Katalog K 80".
Gercken 197, Dube L 43.

Eine der frühesten Lithographien Kirchners aus den Anfangsjahren der Brücke. Meist arbeitete der Künstler damals mit Feder, Pinsel oder Kreide direkt auf den Stein und experimentierte auch mit weiteren Techniken; seine Graphiken druckte er selber, mit der Hand oder auf seiner eigenen Presse, so dass die Exemplare sich fast immer unikatär voneinander unterschieden. Im Jahr 1907 entwickelte Kirchner die sogenannte "Terpentinätzung" als ganz eigene lithographische Technik, die es ihm erlaubte, Blätter mit der Hand, ganz ohne Presse, direkt vom Stein abzuziehen. "So sind Kirchners Lithographien sehr charakteristisch und leicht zu erkennen an den oft hauchzarten Tonflächen, die nur auf diese neue Art der Technik erzielt werden konnten." (Gustav Schiefler, Die Graphik Ernst Ludwig Kirchners, Berlin 1931, S. 34). Ganz prachtvoller, mit seinen tiefen Schwärzen und den zartgrauen Partien wunderbar differenzierter Druck, teils mit kleinem Rändchen. Gercken sind außer dem vorliegenden lediglich vier weitere Exemplare des Blattes bekannt. Rarissimum.

Provenienz: Galerie Matthias Hans, Hamburg

Lot 7064, Auction  127, Kirchner, Ernst Ludwig, Gewecke und Erna

Kirchner, Ernst Ludwig
Gewecke und Erna
Los 7064

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
1.250€ (US$ 1,437)

Details

Gewecke und Erna
Kaltnadel auf Velinkarton. 1913.
25,5 x 20,7 cm (39,2 x 34,4 cm).
Gercken 603 B, Dube R 169.

Hans Gewecke war einer der beiden Schüler Kirchners an seiner 1911 gegründeten Zeichenschule, dem MUIM-Institut in Berlin, und begleitete den Künstler 1913 zusammen mit Erna Schilling auf seine Reise nach Fehmarn. Die Berliner Tänzerin hatte Kirchner erst im Jahr zuvor, 1912, kennengelernt. Sowohl in Fehmarn als auch in Kirchners Berliner Atelier entstanden mehrere Zeichnungen von Gewecke und Erna. Aus der unsignierten Auflage von maximal 50 Exemplaren, erschienen im Verlag Graphisches Kabinett I. B. Neumann, Berlin 1913. Ganz prachtvoller, tiefdunkler und gratiger Druck mit breitem Rand.

Lot 7067, Auction  127, Beckmann, Max, Landschaft mit Ballon

Beckmann, Max
Landschaft mit Ballon
Los 7067 [*]

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
6.250€ (US$ 7,184)

Details

Landschaft mit Ballon
Kaltnadel auf kräftigem Bütten. 1918.
23,3 x 29,5 cm (29,7 x 36,8 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 60 Ex.
Hofmaier 134 II A b (von B b).

Exemplar des endgültigen Zustandes nach Verstählung der Platte, hier eines der bei Hofmaier erwähnten Blätter. Eines von 60 Exemplaren auf kräftigem Bütten, neben 40 Drucken auf Japan (diese vor Verstählung der Platte). Entstanden nach dem Gemälde "Landschaft mit Luftballon" von 1917 (Göpel 195), das in der Radierung seitenverkehrt und mit einigen Abweichungen wiedergegeben ist. Abgebildet ist vermutlich die Darmstadtstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen, dem Viertel, in dem Beckmann lebte. Erschienen als Blatt 14 der Folge "Gesichter", im Verlag der Marées-Gesellschaft, R. Piper & Co., München 1919, mit deren Blindstempel unten rechts. Ausgezeichneter, kräftiger Druck mit dem vollen Rand, rechts und oben mit dem Schöpfrand.

Provenienz: Ehemals Nachlass Günther Franke (1900-1976), München

Beckmann, Max
Stadtnacht
Los 7068

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
6.875€ (US$ 7,902)

Details

Stadtnacht
7 Bl. Lithographien auf hauchdünnem Japan. Einzeln in Orig.-Passepartouts montiert, lose in Orig.-Halbleinenmappe mit Titelvignette. 1920.
36,5 x 27 cm (Mappengröße).
Sämtlich signiert "Beckmann". Auflage 100 num. Ex.
Hofmaier 164-170.

Die komplette Folge aller sieben Lithographien (inklusive Titelblatt) der Deluxe-Ausgabe auf Japan, neben der gebundenen Buchauflage zu "Stadtnacht" mit zwanzig Gedichten von Lili Braunbehrens. Die Mappe mit den signierten Sonderabzügen wurde den 100 Exemplaren der Vorzugsausgabe des Buches beigegeben. Gedruckt von Dr. C. Wolf Sohn, München und erschienen im Verlag R. Piper & Co., München 1921. Max Beckmann und Lili von Braunbehrens lernten sich 1915 über das befreundete Ehepaar Battenberg in Frankfurt kennen und ihre Gedichte reizten den Künstler von Anfang an. So war es seine Idee, die bildstarken Verse zu „Stadtnacht“, die sie nach einem nächtlichen Ausflug mit ihrem Vater durch die verruchte Frankfurter Innenstadt verfasste, zu illustrieren. Beiden lag daran, die sozialen Gegensätze der Großstadt sichtbar zu machen: zum einen die dekadenten Ausschweifungen des neureichen Bürgertums (vgl. Trinklied; Stadtnacht), zum anderen die Kehrseite der Gesellschaft mit tiefer Not und Einsamkeit (vgl. Verbitterung; Die Kranke). Diese Kontraste zeigen sich, wie typisch für Beckmann, auch in der Vielfigurigkeit der dekadenten Szenen, während die Not und Hoffnungslosigkeit der Menschen in seinen isoliert betrachteten Protagonisten zum Ausdruck kommt (vgl. Verena Faber, Jede Woche ein Ei, Mentorship für die Dichterin Lili von Braunbehrens, in: Max Beckmann. Gute Freunde, Freiburg 2019, S. 89 ff.). In dieser kompletten Form selten.

Lot 7070, Auction  127, Beckmann, Max, Frauenbad

Beckmann, Max
Frauenbad
Los 7070 [*]

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
10.625€ (US$ 12,213)

Details

Frauenbad
Kaltnadel auf Velin. 1922.
44 x 29 cm (52,5 x 38 cm).
Signiert "Beckmann". Auflage 100 Ex.
Hofmaier 234 II B c (von d).

Aus der Auflage von 100 Exemplaren wurden 40 von Günther Franke auf x/40 numeriert, daneben erschienen weitere 50 Drucke auf Japan, zudem sind insgesamt elf Probedrucke im ersten und zweiten Zustand bekannt. Erschienen im Verlag R. Piper & Co., München 1922. Die Radierung ist eine Variation des gleichnamigen Gemäldes von 1919 (Göpel 202, Nationalgalerie, Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz Berlin), welches dasselbe Thema behandelt, wobei sich Graphik und Gemälde jedoch in der Komposition unterscheiden. Die Radierung verzichtet auf die beklemmende Raumsituation und verwandelt das Geschehen in eine eher grotesk-widersprüchliche Szenerie, die an Beckmanns frühere Varieté- und Kabarettdarstellungen erinnert. Prachtvoller, kontrastreicher und kräftiger Druck mit dem vollen Rand, an drei Seiten mit dem Schöpfrand.

Lot 7071, Auction  127, Beckmann, Max, Selbstbildnis

Beckmann, Max
Selbstbildnis
Los 7071

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
5.000€ (US$ 5,747)

Details

Selbstbildnis
Lithographie auf Velin. 1946.
31,5 x 26,3 cm (40 x 30 cm).
Signiert "Beckmann" sowie bezeichnet "I.". Auflage 10 Ex.
Hofmaier 357 B a (von B b).

Blatt I aus der Mappe "Tag und Traum", erschienen in einer Gesamtauflage von ca. 110 Exemplaren bei Curt Valentin, New York; hier eines von 10 unnumerierten Exemplaren für den Künstler, neben ca. 10 weiteren unnumerierten Drucken. 1946 stellte Max Beckmann im Auftrag von Curt Valentin dieses Mappenwerk speziell für den amerikanischen Markt zusammen. Ab 1937 im holländischen Exil lebend, bekam er von dem in New York ansässigen Verleger und Kunsthändler, den er noch aus Berliner Tagen kannte, das Angebot, eine Graphikmappe zu schaffen. So komponiert er als letzte große Rückschau auf sein Schaffen diese Folge seiner wichtigsten Themen, darunter als Eröffnungsblatt das vorliegende Selbstbildnis. Prachtvoller Druck mit kleinem Rand.

Lot 7072, Auction  127, Grosz, George, Zu vorgerückter Stunde

Grosz, George
Zu vorgerückter Stunde
Los 7072 [*]

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
18.750€ (US$ 21,552)

Details

Zu vorgerückter Stunde
Feder in Schwarz auf festem Velin. 1924.
49,5 x 36,8 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "GROSZ", verso mit dem Nachlaßstempel, darin mit Feder in Schwarz numeriert "3-75-5".

Gierig greifen die Männer nach der entblößten Frau. Sie aber wirft, anstatt die Hände der Alten abzuwehren, exaltiert ihren Arm in die Luft. Mit lebendig und kraftvoll geführter Rohrfeder, in seinem typischen Zeichenstil mit vereinfachten Formen und scharf gezogenen Konturen erfasst Grosz die erotisch aufgeladene Szene und setzt durch den verschachtelten Bildaufbau die Figuren eng zueinander in Beziehung. Die Neue Sachlichkeit prägt Grosz' Stil im Jahr 1924, und insbesondere die Schonungslosigkeit des veristischen Flügels dieser Kunstströmung findet ihren Widerhall in der vorliegenden Zeichnung.
Eine schriftliche Bestätigung der Echtheit von Ralph Jentsch, Berlin, vom 29.06.2025 liegt vor. Die Arbeit wird von ihm in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier aufgenommen.

Provenienz: Nachlass des Künstlers
Privatsammlung
William Louis-Dreyfus, Mount Kisco, New York (erworben 1993)
Ehemals Privatbesitz (2016 vom oben genannten als Geschenk erhalten)

Ausstellung: George Grosz, Marlborough Fine Art Ltd., London 1968, Nr. 33 (mit Abb.)
George Grosz in Germany: Works on Paper, 1913-1925, New York Studio School, New York 2013/14, Tafel 7 (Farbabb., dort betitelt "Untitled")

Literatur: Robert Cicetti, The Shock and Awe of George Grosz, in: Hyperallergic (online), 12.12.2013, mit Abb. (Detail)

Lot 7073, Auction  127, Grosz, George, Der Kapitalist (Illustrationsentwurf zu Brechts 'Die drei Soldaten')

Grosz, George
Der Kapitalist (Illustrationsentwurf zu Brechts 'Die drei Soldaten')
Los 7073

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
12.500€ (US$ 14,368)

Details

Der Kapitalist (Illustrationsentwurf zu Brechts 'Die drei Soldaten')
Rohrfeder und Bleistift auf dünnem Velin. Ca. 1930-32.
Ca. 60 x 45,5 cm.
Unten rechts mit Bleistift signiert "GROSZ" und gewidmet.

Ein korpulenter Kapitalist überragt beinahe gottgleich das Geschehen, während er sich am Leid der Armen ergötzt. Mit beißendem Zynismus schildert Grosz in dieser imposanten Zeichnung einen Industriellen, zu dessen Füßen unten links vier ärmliche Personen um Almosen bitten. Die Zeichnung gehört wohl zu einer Gruppe unveröffentlichter Entwurfsskizzen, die George Grosz für das antimilitaristische Kinderbuch „Die drei Soldaten“ von Bertolt Brecht schuf, das 1932 im Kiepenheuer-Verlag erschien. Grosz, der zu dieser Zeit selbst junger Familienvater war, steuerte daneben insgesamt 25 veröffentlichte Illustrationen zu Brechts Gedichten bei, in denen er dem Text folgend und in gewohnt pointierter Weise die soziale Ungleichheit anprangert. Der hier formulierte Typus des reichen, machtbewussten Kapitalisten taucht in Grosz' Œuvre auch in weiteren Varianten auf. Unter dem Titel „Der unvermeidliche Kreislauf der Krise“ erschien im Sammelwerk Interregnum (Dückers SII, 53) eine Darstellung, in welcher der rauchende Industrielle entrückt auf einer Wolke steht, während links im Bild - wohl ein Familienvater - als Anhänger der Roten Armee gewaltsam vor die Tür gesetzt wird. In einer weiteren nicht veröffentlichten Variante wiederum zeigt Grosz dieselbe Figur mit einem Hakenkreuz am Revers; zu seinen Füßen zieht ein Demonstrationszug hindurch, dessen Teilnehmer Plakate mit dem Aufruf „Deutschland Erwache!“ in die Höhe halten.
Eine schriftliche Bestätigung der Echtheit von Ralph Jentsch, Berlin, vom 27.05.2019 liegt in Kopie vor. Die Arbeit wird in das in Vorbereitung befindliche Werkverzeichnis der Arbeiten auf Papier aufgenommen.

Provenienz: Privatbesitz Berlin (1958, Geschenk des Künstlers siehe Widmung)
Privatbesitz Süddeutschland (durch Erbschaft vom Vorgänger)

Lot 7074, Auction  127, Grosz, George, Harem

Grosz, George
Harem
Los 7074

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.250€ (US$ 3,736)

Details

"HAREM"
Feder in Braun auf dünnem, leicht transparenten Velin. Um 1914.
19,6 x 23,2 cm.
Unten rechts mit Stempelsignatur "GROSZ", unten links mit Feder in Braun betitelt und verso mit Feder in Schwarz von fremder Hand wohl mit der Nachlassnummer "3 35 10".


Nach einem Jahr Zeichenunterricht an der Königlich Sächsischen Kunstgewerbeschule in Dresden zog es George Grosz mit neunzehn Jahren nach Berlin, wo ihn das vibrierende Leben der Metropole rasch in den Bann zog. Mit spitzer Feder hielt Grosz alles fest, was das urbane Leben für ihn als Beobachter zu bieten hatte: Theater- und Varietébesuche, Zirkusveranstaltungen und die erotische Halbwelt. Huren, Bordelle und Lustbarkeiten faszinierten den jungen Künstler. Für erotische Zeichnungen dieser frühen Jahre wählte Grosz oft die feine Feder, deren Striche und Schraffuren sich wie ein Netz auf dem Papier ausbreiten. Der kompositorische Aufbau der vorliegenden Arbeit erinnert an Edouard Manets „Olympia“, doch Grosz überzeichnet seine Figuren in seiner typischen Manier: Nicht schön, sondern mit herben, verbraucht wirkenden, nahezu grotesken Gesichtszügen räkelt sich eine halbentkleidete, shisharauchende Frau lasziv auf einem Divan. Die verschattete Figur im Hintergrund bleibt nur vage angedeutet, während Grosz den Raum mit einer Umrandung abschließt und dem Interieur mit diversen Requisiten einen typisch orientalischen Charakter verleiht.

Provenienz: Kunsthandel Wolfgang Werner, Bremen (verso auf Passepartout mit dessen Klebeetikett)
Privatbesitz Berlin

Lot 7075, Auction  127, Dix, Otto, Die Irrsinnige von St. Marie-à-Py

Dix, Otto
Die Irrsinnige von St. Marie-à-Py
Los 7075

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
2.750€ (US$ 3,161)

Details

Die Irrsinnige von St. Marie-à-Py
Radierung und Kaltnadel auf BSB-Bütten. 1924.
28,9 x 19,7 cm (48 x 35,8 cm).
Signiert "DIX" und bezeichnet "IV 5".
Karsch 104/II a (von b).

Blatt 9 aus der Mappe IV „Der Krieg“, in einer Gesamtauflage von 70 Exemplaren erschienen bei Karl Nierendorf, Berlin 1924, erschienen und gedruckt bei Otto Felsing. Unser Blatt außerhalb der Auflage ohne die Numerierung unten mittig und links. Das 50 Blätter umfassende letzte Radierwerk von Otto Dix ist unzweifelhaft der graphische Höhepunkt im vielfältigen Œuvre des Künstlers und entstand erst mit zeitlichem Abstand von sechs Jahren zum Kriegsgeschehen im Ersten Weltkrieg. In der hier vorliegenden Darstellung rückt weniger die unmittelbare Kriegshandlung in den Fokus, als vielmehr eine der vielen Folgen des Krieges, die Dix schonungslos wiedergibt. Kräftiger Druck mit dem vollen Rand, als Einzelblatt selten vorkommend.

Lot 7076, Auction  127, Dix, Otto, Gefunden beim Grabendurchstich (Auberive)

Dix, Otto
Gefunden beim Grabendurchstich (Auberive)
Los 7076

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.750€ (US$ 4,310)

Details

Gefunden beim Grabendurchstich (Auberive)
Radierung mit Aquatinta auf Bütten. 1924.
19,5 x 29 cm (32 x 36,8 cm).
Signiert "Dix" und bezeichnet "IX". Auflage 70 num. Ex.
Karsch 98 a (von b).

Dix, der selber als Artillerieschütze in den Gräben an der Somme und an der Ostfront gelegen hatte, konzentriert sich auf die Folgen der Schlacht: tote, sterbende und verwundete Soldaten, ausgebombte Landschaften und Gräber. Die Radierungen "breiten wie in 50 Momentaufnahmen die ganze Hölle des Ersten Weltkrieges aus, weniger die Kämpfe sondern mehr das Elend der Soldaten, (...) das hinter der Maske jener Dynamik liegende wahre Gesicht: die Folgen für die Menschen, das Verrecken, den Tod, das Verfaulen, die Gerippe." (Dietrich Schubert, Otto Dix, Die Radierungen 'Der Krieg' von 1924, in: Kunsthistorische Arbeitsblätter 2002, Heft 9, S. 40). Blatt 9 aus der Mappe III "Der Krieg", erschienen bei Karl Nierendorf, Berlin 1924, gedruckt bei Otto Felsing. Die Sammlung bestand aus 50 Graphiken, verteilt auf fünf Mappen mit je zehn Blättern. Prachtvoller, differenzierter Druck mit breitem Rand.

Lot 7078, Auction  127, Gramatté, Walter, Selbstbildnis

Gramatté, Walter
Selbstbildnis
Los 7078

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
1.188€ (US$ 1,365)

Details

Selbstbildnis
Lithographie auf Bütten. 1919/20.
49,6 x 30,4 cm (51,2 x 40 cm).
Signiert "Walter Gramatté" und datiert.
Eckhardt 73.

Direkt über dem Kopf des Künstlers strahlt die Sonne und erfüllt das Selbstbildnis mit kristalliner Transparenz. "Es ist immer wieder, Zeit seines Lebens, das eigene Ich, das er darstellt. Daher die vielen Selbstporträts. Sie zeigen, weit über das Formale und Technische hinaus, die außerordentliche Entwicklung seines Inneren, die Entwicklung einer Seele, die vom Chaos zum Kosmos, die vom zerrissenen zum geläuterten Selbst führt (...)" (Hermann Kasack, zit. nach: Walter Gramatté, Ausst.-Kat. Galerie Remmert und Barth, Düsseldorf 2005, S. 20). Ganz prachtvoller Druck mit kleinem Rand. Äußerst selten.

Lot 7079, Auction  127, Sintenis, Renée, Jagendes Shetlandpony

Sintenis, Renée
Jagendes Shetlandpony
Los 7079

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
10.625€ (US$ 12,213)

Details

Jagendes Shetlandpony
Bronze mit goldbrauner Patina und Bronzeplinthe, montiert auf Marmorsockel. 1937.
9,4 x 13,7 x 3 cm.
Am linken Hinterlauf hinten monogrammiert "RS", auf der Plinthe seitlich links mit dem Gießerstempel "H.NOACK BERLIN".
Berger/Ladwig/Wenzel-Lent 159.

Diese Darstellung eines galoppierenden Ponys ist eine von Sintenis’ charakteristischen kleinformatigen Tierplastiken. Dafür wählt sie meist Jungtiere, deren verspielte, dynamische Bewegungen sie meisterhaft einfängt. Die Arbeiten zeichnen sich zudem durch eine nahezu impressionistische Oberflächenstruktur aus. Neben den vielen Fohlenplastiken, die ihr als Pferdeliebhaberin besonders am Herzen lagen, zählt der Berliner Bär zu ihren bekanntesten Werken. Prachtvoller Guss mit schönem Relief und fein changierender Patina. Gesamthöhe mit Sockel: 11 cm.

Provenienz: Quentin, Berlin, Auktion 21.10.2023, Los 2017
Privatsammlung Berlin

Lot 7080, Auction  127, Echtermeyer, Curt, Tanzender Tod

Echtermeyer, Curt
Tanzender Tod
Los 7080

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
5.250€ (US$ 6,034)

Details

Tanzender Tod
Öl und Bleistift auf Holz.
61,3 x 41,1 cm.

Eine innere Vision lässt uns tief in die Nachtgesichte des Künstlers blicken, in das Reich seiner Kreativität und damit auch in den Ursprung seines Schaffensprozesses. Die Malweise ist pastos, mit feinem Pinsel sorgfältig ausgeführt und leicht stilisiert, zu den Rändern hin stellenweise auslassend, so dass die Konstruktionslinien sichtbar bleiben und dort eine Transparenz entsteht. "(...) der Maler Curt Echtermeyer malt Bilder, die ihn als einen der wenigen legitimen Surrealisten Berlins ausweisen (...) Das Zwischenreich bricht auf, Nachtgespenster, Spuk und Schimären geistern in die Bildfläche herein und manchmal ist es, als stocke dem Maler der Pinsel vor den Visionen, die ihn bedrängen. Laut seinem Geburtsschein ist der Maler ein Enkel des seinerzeit bekannten Bildhauers Carl Echtermeyer, in seinen surrealistischen Phantasien ist er jedoch ein Enkel Munchs und James Ensors." (Hellmut Kotschenreuther, in: Der Kurier, 08.12.1955, S. 3). Der Umfang von Curt Echtermeyers surrealem Frühwerk ist klein. Erst 2014 wurden die noch vorhandenen Arbeiten aus den 1920er Jahren mit einer Ausstellung in der Galerie Bassenge gewürdigt. Es war die erste Einzelausstellung mit Werken dieses Künstlers seit dem Zweiten Weltkrieg.

Provenienz: Nachlass Curt Echtermeyer
Privatbesitz Berlin

Ausstellung: Curt Echtermeyer, Ölbilder und Pastelle, Galerie Bassenge/Archiv Klaus Spermann, Berlin 2014 (Nr. 24, Abb. S. 29)

Meltzer-Karlsfeld, Johannes
Grotesken & Symbole
Los 7081

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
875€ (US$ 1,006)

Details

Grotesken & Symbole
12 Bl. Radierung mit Aquatinta auf chine-collé auf festem Kupferdruckpapier. Lose in Orig.-Kartonmappe mit Titelvignette. Um 1914.
40,2 x 29,8 (Blattgröße).
Je signiert "Meltzer-Karlsfeld" und betitelt.

Die vollständige Mappe ohne den auf der Titelvignette erwähnten Text, gedruckt bei Heinrich Wetteroth, München, die Radierungen mit dessen Blindstempel links. Mit großartigem handwerklichen Können und phantastischer Kreativität schafft Meltzer-Karlsfeld zwölf gesellschaftskritische Graphiken. Die satirischen Darstellungen mit Titeln wie „Eitelkeit“, „Dauerredner“, „Speichellecker“, „Streber“ u.a. zeigen vor allem vermenschlichte Tiere in Form von phantastisch-realistischen Fabelwesen. Stilistisch erinnert vieles an die grotesken Graphiken von Paul Klee, der zu dieser Zeit in München wirkte, vor allem aber auch an das Münchner Frühwerk Alfred Kubins, dessen mit Lavierung und Spritztechnik sorgsam ausgeführten Tuschfederzeichnungen Meltzer-Karlsfeld gekannt haben müsste. Über den Künstler selbst ist leider wenig bekannt. Lediglich ein weiteres Exemplar der Mappe befindet sich im Mead Art Museum, Amherst in Massachusetts aus einer Schenkung der französisch-amerikanischen Biochemikerin Claude Klee. Brillante, wunderbar atmosphärische, teils kräftige Abzüge mit facettierter Plattenkante über dem chine-collé. Rarissimum.

Lot 7082, Auction  127, Klee, Paul, Blick auf einen Fluss

Klee, Paul
Blick auf einen Fluss
Los 7082 [*]

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.125€ (US$ 3,592)

Details

Blick auf einen Fluss
Lithographie auf festem Similijapan. 1912.
19,8 x 28,5 cm (40 x 45 cm).
Signiert "Klee". Auflage 200 Ex.
Kornfeld 42 B b.

Erschienen als eine von 15 Steinzeichnungen in der SEMA-Mappe, Delphin-Verlag, München 1912, mit deren Stempel unten links sowie mit der Signatur, der Datierung und dem Titel im Stein. Prachtvoller Druck mit dem vollen Rand.

Lot 7083, Auction  127, Klee, Paul, Die erhabene Seite. Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung Weimar 1923

Klee, Paul
Die erhabene Seite. Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung Weimar 1923
Los 7083

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
13.750€ (US$ 15,805)

Details

Die erhabene Seite. Postkarte zur Bauhaus-Ausstellung Weimar 1923
Farblithographie auf Postkartenkarton.
14,4 x 7,4 cm (15,2 x 10,5 cm).
Verso mit dem Postkartenaufdruck.
Kornfeld 88 III b.

Von drei Farbsteinen in Blau, Rot und Gelb gedrucktes Motiv Klees, oben im Stein bezeichnet "Weimar Bauhaus Ausstellung 1923", unten mit dem Schriftzug "Staatliches Bauhaus Weimar Ausstellung". Bauhaus-Karte Nr. 4, das erste von zwei Motiven von Paul Klee (Karte Nr. 5 wurde ebenfalls von ihm gestaltet) für die Folge von insgesamt 20 realisierten Werbepostkarten, entstanden anlässlich der Ausstellung verschiedener Bauhauskünstler wie Bayer, Feininger, Kandinsky, Marcks, Moholy-Nagy, Schlemmer u. a. In der Ausstellung unter dem Motto "Kunst und Technik. Eine neue Einheit" wurden erstmals die Arbeiten der 1919 gegründeten Hochschule gezeigt. Paul Klee unterrichtete dort, von Gropius an das Bauhaus berufen, seit 1920 seine Formlehre in verschiedenen Werkstätten. Die als Werbematerial verbreitete Postkartenserie wurde bei Reineck & Klein in Weimar gedruckt. Prachtvoller Druck, unbeschrieben und ungelaufen.

Lot 7085, Auction  127, Thorn Prikker, Johan, Abstrakte Komposition (Heillige Drei Könige, Neuss)

Thorn Prikker, Johan
Abstrakte Komposition (Heillige Drei Könige, Neuss)
Los 7085

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
2.250€ (US$ 2,586)

Details

Abstrakte Komposition (Heilige Drei Könige, Neuss)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten in Holzrahmen. Um 1912.
72 x 52 cm.

Feinteilig und mit zart abgestimmter Farbigkeit strukturieren abstrahierte Elemente den Fensterentwurf für die Dreikönigskirche der gleichnamigen römisch-katholischen Pfarrgemeinde in Neuss. Der niederländische Künstler Johan Thorn Prikker wurde im Jahr 1911 damit beauftragt, alle sechs Chorfenster sowie die vier Fenster des Querschiffs der dreischiffigen Basilika zu gestalten. Bereits im ersten Halbjahr 1912 stellte er seine Auftragsarbeit fertig, der Einbau wurde jedoch vom Kölner Generalvikariat vorerst untersagt. Eine überwältigende Zustimmung der Kunstwelt erfuhren die Fensterentwürfe trotzdem, da sie 1913 auf der Kölner Ausstellung des Deutschen Werkbundes gezeigt wurden. Erst 1919 wurde der Einbau von der erzbischöflichen Behörde doch genehmigt. In den Jahren 1928-1929 folgten von Prikker neu geschaffene Fenster für das Langhaus, die 1945 durch eine Luftmine zerstört wurden. Die älteren Kirchenfenster waren 1940 vorsorglich ausgebaut worden.

Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer

Lot 7086, Auction  127, Thorn Prikker, Johan, Geometrische Komposition (Glasfenster)

Thorn Prikker, Johan
Geometrische Komposition (Glasfenster)
Los 7086

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
1.875€ (US$ 2,155)

Details

Geometrische Komposition (Glasfenster)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten im Orig.-Holzrahmen. Um 1928.
92 x 64 cm (mit Rahmen).

Geometrisch-abstrakte Fensterkomposition, symmetrisch angelegt und überzeugend mit einer ausgewogenen Harmonie von dunklen und hellen Elementen, von warmen und kühlen Farbwerten, von kleinen und großen Glaselementen. Das hier verwendete durchgefärbte Glas besitzt bei Lichteinfall eine besonders farbintensive Leuchtkraft. Der Künstler wurde 1926 auf Einladung Richard Riemerschmidts Leiter der Abteilung Mosaik, Glasmalerei und Wandschmuck an der Kölner Werkschule. Bald darauf, um 1928, entwarf er als Auftragsarbeit für die Romanische Basilika St. Georg in Köln einen Zyklus von insgesamt 40 Bleiglasfenstern. Seine "Fenster zeugen von einem tiefen Verständnis sowohl für die mittelalterliche Lichtmystik als auch für die moderne christozentrische Liturgie seiner Zeit und dies lässt sich besonders in der prächtigen Farbgebung sowie der reduzierten Symbol- und abstrakt-figürlichen Bildsprache nachvollziehen." (rheinische-geschichte.lvr.de, Zugriff 18.03.2026).

Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer

Lot 7087, Auction  127, Thorn Prikker, Johan, Abstrakte Komposition (Glasfenster)

Thorn Prikker, Johan
Abstrakte Komposition (Glasfenster)
Los 7087

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
2.250€ (US$ 2,586)

Details

Abstrakte Komposition (Glasfenster)
Bleiglasfenster. Farbiges Mosaik mit Bleiruten. Um 1928.
106 x 41,4 cm.

In hellem Blau und Grün schimmern die farbigen Glasfelder aus der dunkeltonigen abstrakten Komposition hervor. Die Bleiruten besitzen darin eine sowohl tragende als auch zugleich strukturierende Funktion. Das Spannungsverhältnis zwischen dem fragilen, transparenten Material Glas, den schimmernden metallischen Elementen und dem ständig wechselnden, die Farben zum Leben erweckenden Licht ist charakteristisch für die Glasmalereien und Mosaike des niederländischen Künstlers Johan Thorn Prikker. Während er in seinem Frühwerk mit expressionistischen und neoimpressionistischen Techniken experimentierte, nähert er sich schließlich künstlerisch dem späten Jugendstil an. So fand er zu seinem ganz eigenen Stil, der sich von den anfänglich intensiv genutzten figurativen Elementen zu einer streng geometrischen Formsprache hin entwickelte. Im Zentrum seiner Kunst stehen der Mensch und eine tiefe Religiosität. 1926 ließ sich Thorn Prikker, nach sechs Jahren Lehre für Glasmalerei an der Königlichen Kunstgewerbeschule in München und an der Kunstakademie Düsseldorf, in Köln als Professor nieder. In dieser Zeit fertigte er die vorliegende Arbeit an.

Provenienz: Sammlung Derix, Kevelaer

Lot 7090, Auction  127, Hirschfeld-Mack, Ludwig, Stadt

Hirschfeld-Mack, Ludwig
Stadt
Los 7090

Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
875€ (US$ 1,006)

Details

Stadt
Wohl Monotypie, aquarelliert, auf dünnem bräunlichen Velin. 1922.
Ca. 8,8 x 17 cm (11,4 x 19,4 cm).
Signiert "Ludwig Hirschfeld".

Zart aquarellierter Druck des wunderbar abstrahierten Motivs. Entstanden während Hirschfeld-Macks früher Zeit am Bauhaus in Weimar, zeigt das Blatt sich in der kristallinen Formensprache inspiriert von Lyonel Feininger. Prachtvoller, klarer Druck mit kleinem Rand.

Provenienz: Alma Siedhoff-Buscher, Frankfurt/Main
Joost Siedhoff, Potsdam
Privatbesitz Berlin

[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.

* Alle Angaben inkl. 25% Regelaufgeld ohne MwSt. und ohne Gewähr – Irrtum vorbehalten.


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge


Galerie Bassenge
Erdener Str. 5A
14193 Berlin

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag, 10–18 Uhr,
Freitag, 10–16 Uhr

Telefon: +49 30 8938029-0
Fax: +49 30 8918025
E-Mail: info (at) bassenge.com

Impressum
Datenschutzerklärung
© 2026 Galerie Gerda Bassenge