Rainer, Arnulf
Beitrag zur Psychologie des Genies
Los 6901
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
7.500€ (US$ 8,621)
"Beitrag zur Psychologie des Genies"
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
45 x 32 cm.
Unten rechts mit Bleistift betitelt, verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Kunstrebell und einer der ersten Hippies Österreichs: Rainer provozierte, mit seinem sozialen Verhalten, seiner äußeren Erscheinung und seiner Ablehnung jeder akademischen Regelhaftigkeit. So verbrachte er, auch weil 1949 seine Werke vom Rektor der Kunstakademie als „entartet“ bezeichnet worden waren, insgesamt nur vier Tage im Unterricht der Wiener Kunsthochschulen. Zwar war er Autodidakt ohne seriöse akademische Ausbildung, doch mit einem bedeutenden Vorteil: "jenem des nicht durch Institutionen korrumpierten, aus sich heraus schöpfenden Malers.“ (Klemens Leitner, Arnulf Rainer in Konkurrenz. Das Frühwerk Rainers und der Kampf um Anerkennung. Salzburg 2025, S. 68f.). Das Genie sitzt in wild gemustertem Anzug, fernab bürgerlicher Normen, im Schneidersitz auf dem Karoplaid wie auf einem fliegenden Teppich. Linien und Ornamente scheinen sich zu verselbständigen, ebenso wie die aufgeweichten, deformierten Körperproportionen. Verso eine weitere Bleistiftskizze des Künstlers.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 04, Abb. S. 24
Rainer, Arnulf
Rauchender Jüngling, Topfpflanzen, Bachlandschaft, Zeppelin
Los 6902
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
5.000€ (US$ 5,747)
Rauchender Jüngling, Topfpflanzen, Bachlandschaft, Zeppelin
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
36,5 x 23 cm.
Verso im Oberrand mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Traumhaftes, Absurdes und Unbewusstes kombiniert Rainer spielerisch in einer vergleichsweise heiteren Komposition. Neben dem Zeppelin, einer breiten Rauchsäule und dem auffliegenden Vogelschwarm beleben den Himmel die für Rainers frühe Zeichnungen charakteristischen, kompakt-körperhaften Wolken, die mit einer unheimlichen Präsenz über der Landschaft schweben. In rätselhafter Beziehung stehen die Bildgegenstände zueinander, eine Deutung bleibt offen. Der phantastische, metaphorische Charakter der sorgsam ausgeführten und entlang der Konturen fein abschattierten Zeichnung könnte die Distanzierung Rainers von der Geschäftigkeit der frühen Nachkriegsjahre illustrieren. Verso eine weitere Zeichnung des Künstlers, Stehende Figur am Tisch.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 53, Abb. S. 39
Rainer, Arnulf
Harmonikaspiel im Hühnerhof
Los 6903
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.750€ (US$ 4,310)
Harmonikaspiel im Hühnerhof
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
27 x 34,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Skurrile Mischung von ländlicher Szenerie und irritierend grundverschiedenen Elementen aus einer ganz anderen Welt, wie dem hochgerüsteten dreifachen Stacheldrahtzaun, dem Sonnenschirm am Schornstein oder dem Kostüm der Harmonikaspielerin mit merkwürdig verzerrter Anatomie. Dicke, glänzende Bleistiftkonturen schildern die erkennbaren ebenso wie die uneindeutigen Motive und formen ein kräftiges Relief auf der Rückseite.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 08, Abb. S. 14
Abstraktion
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
37-39,6 x 26,5 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Eine explosive Kraft sprengt die abstrakte Konstruktion, versetzt sie in eine dynamische Bewegung zu den Bildrändern hin, die zugleich aber erstarrt erscheint. Da und dort verlebendigen Anklänge an Gesichter oder Figuren die Formen. In der Gestaltung zeigen sich deutliche Einflüsse der Abstraktionen Wassily Kandinskys, und zudem eine Verdichtung von Energie in der Bildmitte, die bald auch Rainers Zentralisationen der frühen 1950er Jahre prägen sollte. "Das Bild entführt in eine Art kosmische Vision, zurück in die Anfangsgeschichte der Materie, in einen bildgewordenen Urknall. (...) Schon hier zeigt sich, was das spätere Werk prägen wird: die physische Handschrift, die Wiederholung des Strichs und der Druck, der sich ins Papier eingräbt.. Der Stift ist kein Werkzeug der Distanz, sondern der Berührung (...)" (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 22). Verso eine weitere Zeichnung, Frauenbüste (gestrichen).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 30, Abb. S. 23
Stuhl - Nachthimmel
Bleistift und Kohle auf Velin. Ende 1940er Jahre.
32,9 x 26,7 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, Besitz / E Fuchs" sowie mit dem (blassen) Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Wie auf einem fremden Planeten, in einer fast spirituell wirkenden Schwärze: Ein blasser Mond oder Stern sitzt am tiefdunklen Himmel, darunter erstreckt sich, magisch beleuchtet, ein weites helles Terrain voll kuppelförmiger Erhebungen, aus denen organische Wucherungen emporwachsen. Inmitten dieser wogend bewegten Kulisse steht, zentral und starr, das ikonographisch unbestimmbare, klinisch wirkende Stuhlgebilde. "Die Kraterlandschaft vergegenwärtigt das Nachkriegsparadox: Schock, Schuld, den Verlust von Sinn und Transzendenz bei gleichzeitiger Sehnsucht danach. (...) Und doch bleibt mit dem Lichtkreis am Himmel ein Punkt, der bündelt, den Walter Benjamin den 'messianischen Rest' nannte, eine minimale Spur von Hoffnung, ein Zeichen, das auf einen Ausweg verweist." (Thomas D. Trummer, in: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Wien 2025, S. 8). Unter den vehementen, fettig glänzenden Bleistiftschraffuren knittert und wellt sich das Papier, Textur und Materialität der Zeichnung gewinnen an Präsenz. Die Zeichnung gehörte zu den fünf Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6911, 6924).
Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)
Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 02, Abb. S. 9
Rainer, Arnulf
Liegende, Pferdegespann - Reise zu den Pyramiden (Maria Lassnig?)
Los 6909
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
4.500€ (US$ 5,172)
Liegende, Pferdegespann - Reise zu den Pyramiden (Maria Lassnig?)
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 40-44 x 31,6 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer, / Besitz E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ein extraterrestrisch wirkender Schauplatz. Das Fuhrwerk hält Kurs direkt auf die Öffnung in der flachen Pyramide, das Taschentuch der Liegenden flattert zum Abschied. In rabiater Verkürzung zeichnet Rainer die zentralperspektivisch angelegte Szenerie, über der ein kaltes, helles und doch von Dunkelheit umgebenes Gestirn am Himmel steht. Auffällig kontrastieren die klaren Geraden von Karren und Pyramide mit dem Eigenleben, das die verzerrt-aufgeblähten Arme der Frau mit ihren kompakt schattierten, weichen Konturen entwickeln. Bei der Dargestellten handelt es sich möglicherweise um Maria Lassnig. Verso eine verworfene Bleistiftzeichnung Arnulf Rainers, "Tier und Fabelwesen".
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 06, Abb. S. 13
Rainer, Arnulf
Liegender Frauenakt, Betrachterblick vom Kopf in die Tiefe
Los 6910
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
4.250€ (US$ 4,885)
Liegender Frauenakt, Betrachterblick vom Kopf in die Tiefe
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 21 x 31,3 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
In fast meditativer Versenkung widmet sich Rainer mit zahllosen Schwüngen und Kritzeln seines Bleistifts dem wirren, verfilzten Haarschopf der Frau, der in seiner tiefen Schwärze ein Eigenleben zu entwickeln scheint. Eine abgründige Dunkelheit zeigt sich auch im Schoß der Frau. Tief in die Kissen eingesunken, vom Betrachter abgewandt und dazu noch in drastischer Verkürzung ist der Frauenkörper nur in Kürzeln gezeigt, die Anatomie weich verzerrt und dennoch vollkommen lesbar. Die suchenden, kräftigen Konturlinien des Künstlers laufen zu den Bildrändern hin aus und werden hauchzart, der Akt scheint im Raum zu schweben.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 29 (ohne Abb.)
Rainer, Arnulf
Studie einer liegenden Frau mit angewinkelten Beinen
Los 6915
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
2.500€ (US$ 2,874)
Studie einer liegenden Frau mit angewinkelten Beinen
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
27 x 43 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
In kantige Fragmente zerlegt Rainer die Figur der liegenden, bekleideten Frauengestalt, die er auf der Rückseite des Blattes ein weiteres Mal skizziert. Beide Zeichnungen verdeutlichen mit der Heftigkeit der eckigen, vielfach verstärkten Linienführung, wie sehr der Akt des Zeichnens für Rainer eine aktiv bewegte, intensiv physische Tätigkeit war. Der unmittelbare, intime Charakter der Bleistiftzeichnung prädestiniert diese Technik zum Nukleus künftiger Entwicklungen, dem ebenso spontanen wie reflektierten Ausdruck eines künstlerischen Urgedankens. Verso eine weitere Studie, "Liegende Frau".
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 65 (ohne Abb.)
Rainer, Arnulf
Gesicht, darüber junge Frau stehend
Los 6916
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
4.375€ (US$ 5,029)
Gesicht, darüber junge Frau stehend
Bleistift, Gouache und Collage auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
30,1 x 20,5-22,9 cm.
Verso oben mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "Arnulf Rainer im Besitz Ernst Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Dem blutenden Kopf scheint oben am Scheitel ein Frauenakt zu entsteigen. Irritierend treffen die verschiedenen collagierten Motive aufeinander, verschachtelt und einander ergänzend. Die Gouachefarben kontrastieren weich und satt mit dem silberschimmernden Glanz der dichten Bleistiftlineaturen. „Für Otto Breicha waren die surrealistischen Arbeiten Rainers wesentlich radikaler, robuster und deftiger im Vergleich zu den immer sehr 'kultivierten' Provokationen Ernst Fuchs’. Rainer zeichnete stark empfundene Innenwelten und keinen gegenständlich inszenierten Surrealismus.“ Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 15). Verso eine weitere Bleistiftzeichnung des Künstlers, "Stehende Frau".
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 01, Abb. S. 7
Rainer, Arnulf
Weibliches Aktmodell, Tisch, Staffelei
Los 6917
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
5.000€ (US$ 5,747)
Weibliches Aktmodell, Tisch, Staffelei
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
40,5 x 31-32,4 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E. Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Ein Loch klafft im entblößten Rücken der Frau, die kräftige Kontur der Wirbelsäule platzt auf wie eine versehrte Naht. Auf einem einfachen, stabilen Tisch sitzt das Modell, neben sich einen liegenden Hocker, hat uns den Rücken zugedreht und blickt in Richtung des angedeuteten Wäldchens im Hintergrund, dessen gerade junge Baumstämme regelmäßig und undurchdringlich wie Gitterstäbe senkrecht emporstreben. Kleine Formen, möglicherweise Utensilien oder Kleidungsstücke, teils organisch wirkende Strukturen oder Körperchen, liegen verstreut auf der Wiese, in ihrer schwebenden Zufälligkeit nutzlos angesichts der Verletzlichkeit der menschlichen Existenz.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 31 (ohne Abb.)
Rainer, Arnulf
Drei Studien einer linken Hand
Los 6920
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
2.500€ (US$ 2,874)
Drei Studien einer linken Hand
Kugelschreiber in Schwarz auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
23 x 40,5 cm.
Verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Eine noch junge Künstlerhand, locker geschlossen, mit einem ausgeprägten Daumenballen. Um eine plastisch-räumliche Wirkung geht es dem Künstler hier kaum, vielmehr füllen die Hände flächig das Papier. Rainer zeichnet die eigene Linke mit den charakteristischen Linienbündeln, aus denen sich kräftige, fast stachelig-starre Konturen ergeben. "Für Rainer bietet das Äußere, das Ich, den Weg in die innere Welt. Und das Innere, das ist für ihn die echte Realität." (Diane Waldman, in: R.H. Fuchs, Arnulf Rainer, Ausst.-Kat. Historisches Museum der Stadt Wien 1990, S. 17). Verso eine Bleistiftstudie des Künstlers, "Drei Köpfe im Profil".
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 66 (ohne Abb.)
Monostatos
Bleistift, Gouache und Collage mit Offset auf Velin. Ende 1940er Jahre.
Ca. 38,2 x 27,1 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Eine irritierende Verwandlung: Mit tiefdunkel schattiertem Antlitz und Akzenten in intensiver Farbigkeit verzerrt Rainer die Figur des Monostatos aus Mozarts Zauberflöte. Der collagierte, übermalte Kopf sitzt auf spindeldürrem Stachelhals über dem massig-breiten Brustkorb einer transformierten menschlichen Gestalt, gelöst von gängigen Körpervorstellungen. Über ihrer linken Schulter schweben zwei amöbenhafte schwarze Formen, die ebenso Löcher in einer farbigen Bildwelt sein könnten und damit einen punktuellen Blick in die Schwärze des Nichts freigäben.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 50 (ohne Abb.)
Zeppelin
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
35,5 x 31-31,6 cm.
Mittig links in der Darstellung mit Bleistift monogrammiert "A.R." sowie verso oben rechts mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Vielfach verspannt in der Bildebene schwebt der Zeppelin. Die Gondel arrettiert Rainer zu allen Seiten: mit stacheligem Draht, Linien mit kugeligen Auswüchsen und schräg laufenden Geraden, die sich zu unfertigem Fluggerät materialisieren. Ein haarig-verfilztes, kugeliges Knäuel hängt am Luftschiff wie ein irritierender, fremdartiger Organismus. Die netzartige Gesamtkonstruktion ist vom Blattrand angeschnitten, der Eindruck fragmentarisch, ein Ausloten von Möglichkeiten, eine Einladung zum Weiterspinnen, so z. B. in der dicht verwobenen Lithographie Wasserwelt I (Los 6946).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 45, Abb. S. 36
Rainer, Arnulf
Surrealistische weibliche Halbfigur vor minimalistischer Landschaft
Los 6923
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.125€ (US$ 3,592)
Surrealistische weibliche Halbfigur vor minimalistischer Landschaft
Bleistift, partiell leicht gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
62,8 x 40 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Wie in Trance richtet die Frau ihren starren Blick ins Leere. Aus der kugelförmigen Basis wächst ihr armloser Torso empor, der ausgeprägte, detailliert ausgearbeitete Kopf trägt die Züge Maria Lassnigs, die damals zusammen mit Rainer im Atelier von Ernst Fuchs lebte. Hinter der Figur erscheinen am Himmel und in der weiten Ebene verschlüsselte, reduzierte Wesenheiten oder Formen. Es entsteht die Impression einer öden, ortlosen Welt, deren Räumlichkeit lediglich angedeutet ist. Schatten fehlen vollständig, ein omnipräsentes Licht erfüllt die Szenerie, in der die Wesen schwerelos zu schweben scheinen, wie an einem außerirdischen Traumort. Verso Fragment einer weiteren Komposition, wohl Akt.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 44 (ohne Abb.)
Getier
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
44,7 x 63,4 cm.
Verso oben rechts mit Bleistift von Ernst Fuchs bestätigt "A. Rainer / Besitz / E Fuchs" sowie mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Es spukt über der Ebene, makabres Getier kreucht und fleucht im Bildraum. Spielerisch spinnt Rainer seine übergroßen Phantasiewesen detailreich aus und erzeugt mit feinen Schraffuren Plastizität. Über kahlen Bäumen schweben in der Leere des Himmelsraumes zeichenhafte Körperchen, darunter die schattenlose Fläche mit wellenartigen Strukturen und tiefsitzendem Horizont. Diese Auseinandersetzung mit den Stilmitteln der Surrealisten nutzt der hochsensible Rainer nicht nur, um persönliche Ängste zu formulieren, sondern auch, um die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen zu lassen. Später, 1970, sagte er selbst dazu: „...meine ganze künstlerische Arbeit ist vom Surrealismus ausgegangen. Seine anarchischen und negativen Gestaltungsmomente haben mich besonders fasziniert... Ich war besessen vom Drang zu zerstören.“ (zit. nach Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 9). Die Zeichnung gehörte zu den wenigen Blättern, mit denen 1969 die Texte von Arnulf Rainer und Ernst Fuchs in dem Katalog der damals noch jungen Galerie Ariadne in Wien zu den frühen Zeichnungen Rainers illustriert wurden (vgl. Losnrn. 6905, 6908, 6911).
Ausstellung: Arnulf Rainer, TRRR. Zeichnungen 1947-51, Ausst.-Kat. Galerie Ariadne, Wien 1969, mit Abb. (o.S.)
Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 49, Abb. S. 35 und Einbandabb.
"Büste des Herakles"
Feder und Pinsel in Schwarz und Aquarell auf Velin. Ende 1940er Jahre.
43,1 x 30,6 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz betitelt, verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Noch ist es nicht die Übermalung, mit der Arnulf Rainer die Idee des griechischen Helden auslöscht, überdeckt oder verwandelt, sondern eine aggressive Fragmentierung: Er zerstückelt Herakles' Gestalt, setzt sie in absurd verzerrter Konstruktion zu einer phantastischen Figur neu zusammen und beraubt sie ihres Heroismus. Aus einem Netz feinster Federlinien entwickelt er sein Motiv, betont und verstärkt mit dem Pinsel die tiefen Schwärzen und setzt dezente farbige Akzente, die jedoch von sekundärer Bedeutung gegenüber der Linie und ihrer Dunkelheit erscheinen. „Diese dunkle, mit Angst, Aggression und Gewalt verbundene Seite des Surrealismus, ist in den Zeichnungen (und es sind immer Zeichnungen!) bedrohlich spürbar.“ (Christa Armann, Arnulf Rainer - Das Frühwerk, Wien 2010, S. 9).
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 3, Abb. S. 11
Rainer, Arnulf
Sommerfreuden (Am Badesteg)
Los 6928
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.250€ (US$ 3,736)
"Sommerfreuden" (Am Badesteg)
Bleistift auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
29,2 x 36,5-38,6 cm.
Unten rechts mit Bleistift betitelt sowie verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Sommerfreuden - der Titel öffnet ein breites Assoziationsfeld des lebendigen Treibens, die Szene am Badesteg (mit Maria Lassnig?) hingegen erscheint still, erstarrt, eingefroren. Titel und Darstellung entsprechen einander kaum, sondern stehen vielmehr wie im Vexierspiegel verzerrt nebeneinander. Verdickte Konturen, verdichtete und kurvig nebeneinanderliegende Bleistiftstriche treffen in der Binnengestaltung auf kleinteilige ornamentale Formen. Rainer konzentriert die zentralperspektivisch angelegte Komposition in der Bildmitte, lässt dort die Energie sich verdichten und seinen Strich zu den Rändern hin sich auflösen, so dass die Szene einen losgelösten Charakter erhält und den Hauch einer Idee von seiner bald folgenden Werkgruppe der Zentralisationen transportiert.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 28, Abb. S. 20
Rainer, Arnulf
Liegende Frau, lesend (Maria Lassnig?)
Los 6929
Ergebnis (inkl. Aufgeld) *
3.750€ (US$ 4,310)
Liegende Frau, lesend (Maria Lassnig?)
Bleistift, teils gewischt, auf bräunlichem Velin. Ende 1940er Jahre.
37,8 x 28 cm.
Verso mit dem Nachlaßstempel von Ernst Fuchs.
Schuhsohlen springen ins Auge, entblößte Schenkel und erhobene nackte Frauenarme. Dazwischen liegt der in drastischer Verkürzung zusammengedrängte, rabiat gestauchte Körper der Lesenden. Präzise, mit zarten Wischungen durchgestaltet und in gewagter perspektivischer Verkürzung zeichnet Rainer die liegende Frau, während die wohl landschaftliche Umgebung, mit nur wenigen vagen Linien und Kritzeln angedeutet, im Ungewissen bleibt. In der schwebenden Anmut, mit der sie räumliche Bezüge auflöst, geht die Zeichnung deutlich über eine reine Proportions- oder Perspektivstudie hinaus.
Ausstellung: Ernst Fuchs und Arnulf Rainer. "Mein Atelier ist verwaist". Gerettete Werke aus der Haasgasse 10, Ernst Fuchs Museum, Wien 2025, Kat.-Nr. 35, Abb. S. 26
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