Hostauer Judeneid
Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen
Los 1034
Zuschlag
800€ (US$ 920)
"So ein Jud einen Ayd schwören wil"
Hostauer Judeneid - Taufzettel. Deutsche Handschrift auf Papier. 7 S. auf 4 Bl. 14-18 Zeilen. Schrift: Deutsche Kurrentschrift. Format: 10,8 x 7 cm. Moderner Pergamentumschlag (unter Verwendung älteren Materials). Hostau in Böhnen 1659-1662.
Sehr kleine, aber sehr gehaltvolle, umfangreiche und engbeschriebene Handschrift, die wohl einem Geistlichen, einem Gerichtsschöffen o. ä. als Vademecum diente. Auf Fol 1v nennt er sich als Wenzeslaus Adelbert Miller aus dem westböhmischen Hostau, dem heutigen tschechischen Hostoun auf halber Strecke zwischen Pilsen und Amberg. Zunächst ein:
"Verzeichnus der Hochlöbl. Bistumümer der Röm. Reichs. Annotiert von mir Wencelslao Adalberts Miller der Zeit wohhafft in der Stadt Hostau: im Königreich Böheimb: am fest s. gregorijy Anno 59". Es folgt Fol 1v ein Register mit Nennung einiger Bistümer des Heiligen Römischen Reichs wie "Straßburg", "Maytz", "Treyer" (Trier), "Cöln".
Hauptteil der kleinen, aller Wahrscheinlichkeit in sich vollständigen Handschrift ist ein ausrührliches Iuramentum Iudaeorum, ein seltener deutscher Judeneid, der ganze vier engbeschriebene Seiten umfasst (Fol 2r-3v). Der Judeneid, auch "More Iudaico", war eine von Stadtherren, Richtern und Kirchenobersten den Juden obligatorisch auferlegter Schwur auf die Gebote Moses und besiegelt mit dem höchsten Gebet "Höre Israel", mit dem sich Juden einer Anklage oder einer Beschuldigung gegenüber zur Wehr setzen konnten. Für Betroffene hatte der Judeneid, der Zwange, sich vor seinem eigenen Gott und dem Propheten Moses zu verantworten eine klar diskriminierende Konnotation und steht somit meist in Verbindung zu Herabwürdigung, Einschüchterung, Verfolgung, Hetze und Pogromen gegen die jüdische Bevölkerung
"Eines Juden Aydt. So ein Jud einen Ayd schwören wil, so sol er bey ihm haben Herrn Moyses buch, darin die Zehen gebot geschrieben stehen, und sol sie rechter Hand bis auf oder an die Knorren auf die Zehen gebot Legen. Und sol ihm der eyd schriefftlich vorgelegt werden, den sol er selbst lesen mit lauter stim: das hab ich nit gethan, und bin des gantz unschuldig, also helf mir gott, der himmel und erden erschaffen hat: und also helf mir die Ee, die gott gebott, die die gab Hern Moysi auf den berg Sinai in Zweiyen Stainen tafeln, mir und aller Juden zu trost:
Es folgt das wichtigste Gebet des Judentums "Schma Jisrael" ("Höre Israel"): "Schem Adanai elohecha laschane ... escher issa et schmo Laschane", gewissermaßen als höchste jüdische Schwurformel.
Der zweite Text (Fol 6, 7r), datiert 1662 in schwarzer Tinte hinzugefügt worden, offenbar war das kleine Heft bis dahin in Gebrauch. Es enthält einen "Taufzettel", datiert "den iij. May 1662" mit einem Taufmahngedicht, ebenfalls in deutscher Sprache, gereimt in 8 Versen zu 16 Zeilen: "Jetz und hir angezaiget ist / daz schöne kindlein Jesu Christ / Bevreyt bist du nun von Sünd / und von den gottes Liebes Kind / So wachs nun auf mit gutem vleis, Sey deinen eltern ehr und preis / ein erb der frohen Seligkeit / Welche hier allzeit ist bereit ..." (ungefähre Lesart mit Fehlern).
Der schon im frühen Mittelalter nachweisbare Judeneid wurde nahezu überall in Europa angewendet und erst im 19. Jahrhundert abgeschafft bzw. verboten (in den preußischen Erbländern am 15. März 1869). – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 94. Vorderer Innendeckel mit Signatur "Hs. 94" und Stempel "Prof. Dr. Gerhard Eis". Fliegender Vorsatz am Schluss mit eigenhändigen Einträgen der bibliographischen Angaben: "Veröffentlicht: G. Eis. Judeneid aus Hostau in Böhmen, Journal of English and Germanic Philology LII, 1953, S. 86-89", "G. Eis, Mitteilungen aus altdeutschen Handschriften aus dem Sudentenländern, Stifter-Jahrbuch VIII (1964), S. 174-178" und weiteres.
Fogaccia, Gaetano
Conclusiones physico-metaphysice plurium auctorum
Los 1035
Zuschlag
240€ (US$ 276)
Fogaccia, Gaetano. "Conclusiones physico-metaphysice plurium auctorum Soc. Jesu Auditore Caietano Fogaccia Bergomate convictore Collegij Nobilium S. Antonij. Brixiae Anno Domini MDCCVIIII". Lateinische Handschrift auf Papier. Ca. 320 nn. Bl. 20 x 14,5 cm. 29 Zeilen. Kurrent in schwarzbrauner Sepia mit kalligraphischen Auszeichnungen. Braunes Kalbsleder d. Z. (stärker beschab, berieben, nur kleine Fehlstellen) mit Resten von RVergoldung und sprenkelmarmorierter Schnitt. Brescia 1709.
Umfangreiche Kompilationen der wichtigsten Erkenntnisse aus Physik und Metaphysik nach mehreren Autoren der Jesuitenforscher, angefertigt von dem Studenten Gaetano Fogaccia aus Bergamo, der am dortigen St. Antonius-Kolleg "Convictor" war, also "convitto", Student, der in einem jesuitischen Internat (dem Convict oder Kolleg) wohnt. Sein Studium führte ihn dann nach Brescia, wo die vorliegende Mitschrift entstand. – Leicht gebräunt, vereinzelt ein wenig Tintenfraß, geringe Fleckchen, insgesamt sehr sauber und gut lesbar.
Laertius, Diogenes. Ex Läertio de vitis philosophorum Anno 1719. Lateinische Handschrift auf Papier. 124 num. S. 16 Zeilen. Schrift: lateinische Kurrent. Format: 10,2 x 8 cm. Pergament (abgegriffen, fleckig) unter Verwendung von Material d. Z. Wohl Tiroler Raum, datiert 1719.
Kleines Breviarium philosophorum, eine Taschenkompilation aus den Viten der Philosophen nach den Schriften des Philosophiehistorikers und Doxographen Diogenes Laertius (3. Jahrhundert n. Chr.), der die Biographien der bedeutendsten antiken Philosophen und deren Lehren zusammenfasste und damit eine unerschöpfliche Quelle für unser heutiges historisches Wissen bildete.
Das interessante an dem Kompendium ist die thematische Zusammenfassung nach alphabetischen Stichwörtern wie "Admonitio", "Adolescens", "Adversa", "Aequanimitas", "Amicitia", "Amare et amor", "Arcana", "Avaritia", "Aulico", "Aurum", um allein den Buchstaben "A" zu zitieren. – Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis (1908-1982), Heidelberg, Hs. 27, mit eigenhändigem Besitzvermerk des Sammlers und dessen Stempel.
Arnhold, Christian
Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des
Los 1038
Zuschlag
650€ (US$ 747)
Arnhold, Christian. Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des menschlichen Leibes zu stossenden Schwachheiten und Krankheiten, bewerthe Mittel. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl., 342 hs. num. S., 7 nn. Bl. Schrift: Kalligraphie und deutsche Kurrent. Text in Sepia mit einigen Unterstreichungen in Rotbraun. 19,5 x 16 cm. Halbleder d. Z. (Rücken mit größeren Fehlstellen, Bezug teils abgeschabt, Gebrauchsspuren, stärker bestoßen). Deutschland (Kohren bei Leipzig) 1725.
Im Jahre 1721 begonnenes, bis 1725 weitergeführtes Arzneibuch aus einer Hand, wohl Autograph von einem Schuldiener mit Namen Christian Arnhold, der über Geburts-, Tauf- und Sterberegister in die sächsische Kleinstadt Kohren zu verorten ist, das heutige Kohren-Sahlis, ein Ortsteil der Stadt Frohburg im Süden des Landkreises Leipzig.
Enthalten sind Hunderte von wertvollen Ratschlägen und Rezepten der Gesundheitsfürsorge und Humanmedizin, darüber hinaus auch ein eindrucksvolle Sprachzeugnis des Barock, das von zahlreichen Germanisten sprachlich und inhaltlich wissenschaftlich bearbeitet wurde:
"Artzeney Buch Vor vile Jinnerliche, und eusserliche, des menschlichen Leibes zu stossenden Schwachheiten und Krankheiten, bewerthe Mittel. Theils aus Eigenerfahrung, und Probä Theils auch aus erfahren, und gelehrter Leute Schrifften zusammen getragen und auffgezeichnet. Vor allein nur arme und Preßhaffte und sehr kränckliche Menschen aus Liebe bemerket, und eingetragen. Benebst einen Vollständigen Register von Christian Arnhold. Derzeit Kirch- und Schull-diener In-Jahrshayn Anno Christi 1725" (Titel).
Veröffentlichungen bzw. Teilveröffentlichung und Nenneng bei:
Gerhard Eis. Späte Paracelsus-Exzerpte aus unbekannten Handschriften, in: Eis, Vor und nach Paracelsus (1965) S. 74-93. - Karl-Heinz Weimann. Paracelsus-Bibliographie 1932-1960 (1963), S. 86. Volker Wendland, Die Gräfin von Mansfeld, eine Verfasserin spätmit-telalterlicher Rezepte, in: Medizinische Monatsschrift 23 (1969), S. 544- 548. – Etwas gebräunt, vereinzelter Durchschlag, insgesamt sehr sauber und kaum Gebrauchsspuren. - Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 46, mit dessen Fiche mit eigenhändigem Eintrag in Tinte auf dem vorderen Innenspiegel: "Handschrift 46 Christian Anrholdt Rezeptbuch, 1725 im Besitz Doz. Dr. Gerhard Eis" und hs. "Gekauft am 12. Juni 1940 in Dresden bei Paul Alike, lt. Kat. 236, Nr. 1297". Beiliegen mehrere eigenhändige Transkriptionszettel von Eis, ferner 4 gestempelte und unterschriebene Auszüge aus dem "Geburts-, Tauf-, Sterbe-, Aufgebots- und Begräbnisregister der ev.-luth. Kirche zu Kohren", die sich auf den Autor Christian Arnhold beziehen (von 1940).
Rönisch, Carl Ernst
"Einige Anmerkungen" - Chronik von Hubertusburg, Dt. Handschrift auf Papier
Los 1042
Zuschlag
5.500€ (US$ 6,322)
Witterung, Moritaten und politisches Weltgeschehen - die unveröffentlichte Chronik von Hubertusburg
Rönisch, Carl Ernst. "Einige Anmerkungen und Beobachtungen gesammlet von Carl Ernst Jänisch in Hubertusburg, bis zu Ende des 1807ten Jahres" [und:] "Fortsetzung der Anmerkungen und Beobachtungen von 1808 an gesammlet", 2 Teile in 1 Band. Deutsche Handschrift in schwarzbrauner und roter Tinte auf Papier. 48 nn.; 26, 2 w. Bl. mit zus. 148 dicht beschriebenen Seiten in deutscher Kurrent. Schriftraum ca. 28 x 18 cm. Format 35 x 22 cm. Mit kleiner Federzeichnung. Halblederalbum d. Z. mit 4 Bindebänder, Deckelbezügen in Kleisterpapier (beschabt, bestoßen, berieben) und montiertem leeren Titelschild. Hubertusburg 1770-1813.
Unveröffentlichte, sehr umfangreiche und überaus detaillierte Chronik der Güter, Ländereien und Gegenden um den Weiler Hubertusburg bei Wermsdorf und Oschatz in Sachsen, ungefähr auf halbem Wege zwischen Leipzig und Dresden. Das Jagdschloss, auf dem der sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs August III. temporär residierte, war als barocker Prachtbau ab 1720 errichtet worden, der Autor der Handschrift Carl Ernst Rönisch war als Gärtner und Landwirt zunächst als Adjunkt, später als Verwalter der Güter tätig und begleitete diese Tätigkeiten in seinen Aufzeichnungen, wobei er minutiös das Wetter, die Witterung, das Klima, was sich alles auf die Landwirtschaft auswirkte, dokumentiert. Zur Chronik gehören aber auch alle historischen Ereignisse der näheren Umgebung, die Rönisch in den weltpolitischen Zusammenhang stellt, was die Chronik zu einer geradezu einzigartigen Quelle der Geschichtsforschung macht. Beispielsweise werden alle Truppenbewegungen der Russen, Habsburger, der Preußen und Franzosen taggenau genannt, aber auch sämtliche sich im näheren sächsischen Raum zugetragenen Moritaten, die der Autor wie folgt kennzeichnet:
"+ Ein Kreutz, auf der linken Rande bedeutet natürliche Todes Fälle; ++ Zwey Kreutz, Gemordete und Selbstentleibte; +++ drey Kreutz, durch die Justiz Hingerichtete."
Vor allem auch für die Paläoklimatologie dürfte die Chronik von unschätzbarem Wert sein, lässt sich hier doch ein nahezu lückenlos dokumentiertes Klimabild über mehr als 40 Jahre verfolgen. Rönisch schreibt u. a.:
"Im Jahre 1762 den 15 Febr: verließ ich meinen Geburts-Ort Cölln, wo mein Vater damals auf dem Königl. Jagd-Hause Hallali, als Gärtner und Hausmann diente, und begab mich auf Reisen. 1763, den 15 Febr. ist der Friede wegen des 7jährigen Krieges zu Hubertusburg geschlossen worden. In dem näml. Jahr ist mein Ehrherr, der Hofgärtner Starke in Meissen Salzverwalter worden, und mein Vater in seiner Stelle zu Hubertusburg eingerückt, jedoch mit Beybehalt des Collenschen Gartens [...]. Nach Achthalbjährigen Reisen kam ich 1769 den 11 Junii glücklich in Hubertusburg an [...]".
"1771 war ums neue Jahr die angenehmste Witterung, viele Landleute die wegen grosser Nässe vor Winters nicht hatten bestellen können, säeten jetzt ihr Winterkorn. Den 25 Januar: wurde der bekannte Kirchen Räuber Eulitz, zu Oschatz an den dortigen Raths-Galgen gehängt. Gegen Ende Januar stellte sich Frost und Schnee genug ein [...]. In diesem Monate erhielt ich auch mein Adjunctur-Decret von Dresden.", "1772 [...] Den ganzen Sommer hindurch war die Witterung vermischt mit Gewittern und fruchtbar, den 13 Sep. der erste Reiff, den 25 Sept. wurde der Mordbrenner Namens Bäumler aus Lanpertswalde, welcher 1769 in Calbitz den großen Brand verwahrlost hatte, in Großböla [Großböhla] auf einem Scheiderhaufen verbrannt.", "1774. [...] Den 27 Mart. war der Palm-Sonntag, geschahe hier zu Wermsdorf eine fast unerhörte Mordthat: Ein Weib, namens Grüblerin, erschlug mit einer Holzaxt zu erst ihren Ehemann, hernach ihres Mannes Bruders Sohn, einen Menschen von 19 bis 20 Jahren, den sie an Kinds Statt angenommen hatten, beyde schlafend und in Betten liegend. Ihre vorher geäußerte Melancholie brachte sie nach Waldheim unter die Wahnwitzigen, wiewohl sie eine härtere Strafe verdient hätte."
"1791 [...] In diesem Jahr war die bekannte Zusammenkunft des Kaisers Leopolds, und des Königs von Preußen Friedrich Wilhelm II. in Pillnitz, wo sie sich gegen die in Rebellions Stande befindlichen Franzosen verbanden, auch würklich mit ganzer Macht gegen dieselben marchierten, sich aber um die Eroberungen zankten, und darüber, so wie über den Rang selbst uneins wurden, wodurch die Franzosen nicht nur Luft bekamen, sondern die Preussen so gar auf ihrer Seite zogen. Die Kaiserin von Rußland räumte Preussen Danzig und Thoren [Thorn] ein, und es bey der Coalition zu erhalten, aber Preussen brauchte keinen Ernst mehr, ob es gleich noch ein Jahr die Campagne mit machte".
Die ständige Bedrohung durch die napoleonischen Truppen wird ebenfalls ausfühlich für den Landstrich protokolliert. So heißt es "Anno 1813 [...] den 4 [April] sehr kühl, an diesem Tage rückten in Mutzschen und umliegender Gegend viel Russische Cavallerie ein, aus dem hiesigen Magazin holten sie Hafen und Heu, in Reckwitz hatte jeder Bauer [Dienst?], den 5 hatten sie Rasttag, und gingen den 6 mit 12 Stücken Geschütz hier durch Wermsdorf nach Luppa zu, die Pferde waren schön, nicht so ihre Aufführung, den ganzen Tag heftiger Wind, den 9 ein wahrer Sommertag, abends querelten die Frösche [...]". Die kleine Randzeichnung mit einer ekliptischen Wetterskizze, die einen Regenbogen darstellt. – Vollständig, Bindung teils gelockert oder Lagen etwas ausgebunden, vereinzelte kleine Gebrauchsspuren und Braunfleckchen, teils etwas gebräunt, insgesamt sehr saubere, bemerkenswert gut lesbare Handschrift. Beiliegt ein weitere Blatt "Witterungsbeobachtung" von 1841.
Chur und Graubünden
Stadtrecht. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1044
Zuschlag
550€ (US$ 632)
Das Graubündner Stadtrecht von 1676
Chur. - Stadtrecht. Deutsche Handschrift auf Papier. 2 Teile in 1 Bd. Bl., 163 S., 8 w. Bl.; 1 Bl., 40 S. Ca. 36-46 Zl. Format 17,5 x 11 cm. Mit 2 hübschen Federwerk-Vignetten und kalligraphischen Auszeichnungen. Schlichter Pappband d. Z. (unteres Kapital fehlerhaft, beschabt). Chur 1774.
Graubündener Codex mit dem ausführlichen Stadtrecht für die Stadt Chur, der heutigen Hauptstadt des ostschweizerischen Kantons Graubünden, geschrieben in feinster deutscher Kurrentschrift mit Auszeichnungen in kalligraphischer Fraktur und zwei hübschen Vignetten, davon eine Blume in Federzeichnung: "Stadtrecht" (Teil I) und "Ordnungen Eines Hoch und Wohlweisen Raths, Vogtgerichts, Ehegerichts, Stadtgerichts, Avvellatz-, Kundschaffts, Offenrechts, Arrests und Prefectengerichts, Erneuert und verbessert im Jahr 1676 Abgeschrieben 1774" (Teil II). Tatsächlich markiert das Jahr 1676 einen wichtigen Zeitpunkt in der Rechtstradition der Stadt Chur, die als älteste Stadt der Schweiz gilt. Stadtrechte waren in dieser Epoche von zentraler Bedeutung für die Organisation des städtischen Lebens und die Zentralität des Ortes. Sog. "Avvellatz-Gesetze" wurden vertreten durch Avvellatz-Richter (auch Avellaz-Richter), die v. a. im 17. und 18. Jahrhundert in den "Drei Bünden" (einem Vorläuferstaat des heutigen Graubünden in der Schweiz) tätig waren, was das Stadtrecht von 1676 kodifizierte.
"Ordnung Wieder das Gotteslästern", "Ordnung des Kirchgangs halber", "Ordnung Wieder die Kupplerey", "Ordnung in Churbündischen Erbfällen", "Ordnung wegen den Pferden vor den Hirten zu treiben", es folgen zahlreiche Gewerbeordnungen, etwa: "Ordnung der Metzgereyen", "Ordnung der Pfisteren", "Ordnung der Mülleren", "Ordnung der Wagneren", "Ordnung der Flözern" und vieles mehr, mit ausführlichem Register. – Kaum größere Gebrauchsspuren, meist sehr sauber und frisch und in feinster Schönschrift sauber auf Papier gebracht.
Wilhelm V. von Oranien. Gedicht. Niederdeutsche Handschrift auf Papier. 8 nn. Ca. 20-28 Zeilen. Schrift: Niederländische Kurrent. Schriftraum: Format: 20 x 15 cm. Mit Titelkalligraphierung in Sepia. Moderner loser Umschlag. Niederlanden (Delft?) um 1806.
Zeitgenössische Abschrift einer Nänie auf Wilhelm V., Prinz von Oranien-Nassau (1748-1806): "Op de verzaardag van Willem, Den 5de Prince van Orange en Nassau, Plegtig??? geriert den 8. Maart 1787" (Am Begräbnistag von Willem, dem 5. Prinzen von Oranien und Nassau). Das Gedicht beginnt: "Zoo bliefst willem met ons Leven ...". – Saubere Handschrift, gut lesbar, Ränder teils etwas knickspuring und brüchig, nur leicht gebräunt, kaum fleckig. Provenienz: Sammlung Prof. Dr. Gerhard Eis, Heidelberg, Hs. 209.
Gebett Büchlein
aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier.
Los 1049
Zuschlag
400€ (US$ 460)
Reich illuminiertes Gebetbuch aus Lindenhau im Egerland
"Gebett Büchlein" aus Lindenhau im Egerland. Deutsche Handschrift auf Papier. 1 Bl., 154 hs. num. S., 2 w. Bl. 16-22 Zeilen. Schriftraum 12,4 x 7,2 cm. Format 16,6 x 10,2 cm. Sepiabraune Handschrift mit kalligraphischen Fraktur-Auszeichnungen in Rot und Blau, Textrahmungen in doppelter Federlinie, illuminiert mit 55 große Zierinitialen "O", Bordüren, Kopf- und Schlusstücken mit floralen Darstellungen, üppiger farbiger Buchschmuck in feiner Gouache sowie 11 ganzseitigen, farbig gouachierten Miniaturen. Schwarzer, strukturgeprägter Kalbslederband d. Z. (bestoßen, leicht beschabt, Bezug mit winzigen Fehlstellen und leicht wellig) mit oxidierter Goldprägung Eckfleurons, Palmettenbordüre und Initialen "A.G. 1834". Lindenhau 1834.
Sehr hübsches, reich illustriertes Gebetbuch zum privaten Gebrauch einer Betschwester mit Initialen "A.G." aus Lindenhau im Egerland, das heutige Lipová u Chebu im Okres Cheb mit wiederholten, vielfach farbig gestalteten Initialen "O" für "O Gott allmächtiger himmlischer Vater", "O liebste barmhertzig Jungfrau Maria", "O liebster güthigster Herr Jesu", "O sanftmüthiges Lämmlein" etc. Die Miniaturen zu den einzelnen Gebetsabschnitten zeigen den Heiligen Franziskus, das Kreuz mit den Arma Christi und den symbolischen Darstellungen der Geburts- und Grabeskirche, Christus mit dem Engel und Kelch in Gethsemane, "Vor der Beicht" mit Darstellung des Heiligen Paulus, ferner "St. Felix", Kelch und Hostie "Dieß ist wahrhaftig mein Leib nehm ihn hin und esset", Christus als Infans mit Kugel und Kreuz, Marienmonogramm mit Krone etc. Am Ende: "In Lindenhau ist mein Vaterland! Wo ich sterben werde ist Gott bekant - Die Römisch Jahrszahl MDCCCXXXIV 1834". – Abgesehen von üblichen Gebrauchsspuren wie Fingerfleckchen, wenigen Bräunungen und Flecken, vereinzelten Farbwischern sehr schön erhalten.
Ge'ez Gebetbuch
Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament
Los 1056
Zuschlag
200€ (US$ 230)
ORIENTALIA
Ge’ez Gebet- und Liederbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 180 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot, hin und wieder mit Buchschmuckornamentik in Rot und Schwarz. 11,8 x 10 cm. Lagenbindung über drei Knüpfbünde und 2 kantigen Holzdeckeln mit Ritzornamentik, in intaktem Lederetui mit Laschenklappe (minimal eingerissen) und Trageband (übliche Abreibungen und Gebrauchsspuren). Äthiopien zwischen 1840-1880.
Sehr suggestives, hübsches Gebetbuch in altäthiopischer Ge'ez-Schrift mit zahlreichen Gebeten, Liedtexten, aber auch Beschwörungsformeln für alle möglichen Lebenslagen und zur Abhilfe von Krankheiten, Bösem Blick und anderen Gefahren.
Wie üblich wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche vorgegeben und die Linien dann mit dem Griffel regliert. Die wenigen hübschen Flecht-, Schlingwerk- und Knollenbänder und floralen Friese sind in Schwarz und Rot eingemalt.
Geschrieben in schwarzbrauner Tinte mit roten Überschrift- und Verszeilen wurde hier eine Auswahl von Gebeten und Lobgesängen versammelt. Das Amharische bzw. Tiginya wurde in der Abugida-Schrift Ge'ez geschrieben, die sich aus der dem altsüdarabischen Duktus entwickelt hatte und im Gegensatz zum Arabischen selbst und im Gegensatz zu zahlreichen weiteren semitischen Schriften von links nach rechts geschrieben wird. Zum Gebrauche der äthiopischen Wüsten- oder Steppennomaden waren oftmals Gebets- und Andachtsbücher in kleinen Formaten hergestellt worden, die in entsprechenden Futteralen mit Bändern am Sattelknopf des Kamels oder am Gürtel des Beduinen befestigt werden konnten.
Die Ritzornamente auf den Deckeln zeigen das abstrahierte Symbol des Engels der vier Himmels- bzw. Windrichtungen. – Gebrauchsspuren, nur vereinzelte Fleckchen, wie üblich mit einigen späteren Zusätzen und Erweiterungen, wohl vollständige, sehr pittoresk in dem orginalen Etui.
Ge'ez Erbauungs- und Andachtsbuch. Amharische bzw. Tigrinya Handschriften im Ge'ez Duktus auf Pergament. 142 nn. Bl. Schrift in Schwarz und Rot. Mit 3 (1 kolorierten in Rot und Schwarz) Federwerk-Teilbordüren als Kopfstücke, ganzseitiger Bleistift-Skizze des Heiligen Georg und halbseitige Federzeichnung der Muttergottes zwischen Seraphimen. 20,2 x 13,2 cm. Rotbraunes geglättetes Kalbsleder über kantigen Holzdeckeln mit reicher ornamentalen Blindgeprägung (nur minimal berieben, kaum abgegriffen). Äthiopien um 1820.
Bemerkenswert sauber und ordentlich geschriebenes, umfangreiches Andachts-, Gebets- und Erbauungsbuch eines äthiopischen Christen, dessen Kirche sich mit der von Armenien und Georgien auf eine der ältesten Formen des Christentums überhaupt gründet. Schon im 4. Jahrhundert wurde das Königreich von Aksum christianisiert, der Sage nach von der Königin von Saba und David bzw. Salomon. So spielt hier auch in den Texten das Judentum, dessen Riten, Bräuche wie Fastenregeln oder die Verehrung der Bundeslade eine zentrale Rolle.
Oft wurden die Bücher mit Miniaturen geschmückt: Hier findet sich nur eine hübsche Vorzeichnung des den meisten Büchern vorangestellten Heiligen Georgs mit Lanze zun Pferde. Georg gilt im äthiopischen Christentum als Nationalheiliger, der göttlichen Schutz sowie nationale Identität symbolisiert. Seine Verehrung ist tief in der Geschichte und Kultur verwurzelt, was sich etwa in der berühmten Felsenkirche in Lalibela und der St.-Georgs-Kathedrale in Addis Abeba widerspiegelt. Ein historisches Ereignis, das die Bedeutung des Heiligen unterstreicht, ist der Sieg der äthiopischen Streitkräfte in der Schlacht von Adwa, bei dem Kaiser Menelik II. angeblich den Heiligen Georg um Hilfe gebeten hatte, die ihm gewährt wurde. – Erste und letzte Seiten mit Farbabklatsch des Einbandleders, sonst nur vereinzelte Gebrauchsspuren, nur wenige Fleckchen, wohl vollständige, sehr schöne Handschrift.
Firdousi, Abu l-Qasim
Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei
Los 1059
Zuschlag
1.500€ (US$ 1,724)
Firdousi, Abu l-Qasim. Mogul-Miniaturmalerei. 16 Blätter in farbiger Deckfarbenmalerei auf Papier. Verschiedene Formate. Spätes 19. bis frühes 20. Jahrhundert.
Fein gearbeitete und dekorative Miniaturen in der Tradition des späten Mogul-Stils. Dargestellt sind Szenen des höfischen Lebens, Reiter- und Jagdszenen, darunter eine Wildschweinjagd, ein Porträt eines Gelehrten sowie. Mehrere Blätter thematisieren Liebesszenen und Darstellungen von Tempeltänzerinnen.
Eine geschlossene Folge von sechs Miniaturen zeigt wohl mythologische Szenen aus der Krishna-Verehrung: Krishna und Radha erscheinen hier in verschiedenen Momenten des Zusammenseins in einem Palastgarten mit Lotusblütenteich.
– Ein Blatt mit (Reiter bei der Jagd) mit großem Einriss.
Firdousi, Abu l-Qasim
Schahname. Indo-Persische Miniatur. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert
Los 1060
Zuschlag
300€ (US$ 345)
Firdousi, Abu l-Qasim. Schah-Name. Der Prinz hält Hof unter dem Baumdach. Indopersische Miniatur. Größe 31,5 x 18 cm. Mit Rahmen 35 x 21 cm. Mit Goldblumenbordüre auf Karton montiert 40,8 x 27 cm. Indopersischer Raum wohl Mitte 19. Jahrhundert.
Hübsche Szenen wohl aus dem Firdousi oder anderen indo-persischen Erzählungen. Dargestellt ist der Prinz unter einem großen Dach, in dessen Mitte ein mächtiger Baum wächst. Höflinge huldigen ihm, während eine Kapelle mit sechs Musikern eine Tänzerin begleiten, die um einen kleinen Springbrunnen tanzt. – Kleine Knickspuren. Nur wenige Gebrauchsspuren, kaum Farbabrieb. Sehr dekorativ.
[*]: Regelbesteuert gemäß Auktionsbedingungen. [^]: Ausgleich von Einfuhr-Umsatzsteuer.
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