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BASSENGE Kunst-, Buch- und Fotoauktionen

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Immagine Principale Descrizione Stato
Niederländisch
Darbringung im Tempel

Lotto 6001

um 1510. Darbringung im Tempel.
Öl auf Holz. 44,5 x 49 cm. Verso eine weitere fragmentierte Darstellung mit sitzenden Figuren in einem gefliesten Innenraum.

Szene aus dem Lukasevangelium, nach der das neugeborene Christuskind am achten Tag nach seiner Geburt von seinen Eltern den Hohepriestern vorgeführt wurde, wobei Josef zwei Opfertauben - hier in einem Käfig an seiner Hand - darbringt. In der gedrängten, von kerzenhaltenden Begleitfiguren gefüllten Komposition, tritt Maria von links an den Tisch heran, auf dem das nackte Christuskind aufrecht steht und dem prächtig gekleideten Geistlichen entgegenblickt. Als Teil eines Retabelflügels gehörte die Tafel vielleicht zu einem Antwerpener Schnitzaltar, wofür auch die bemalte Rückseite spricht. Wir danken Dr. Stephan Kemperdick, Berlin, für die wertvollen Hinweise.

Stima
€ 4.800   (US$ 5.280)


Aggiudicato per € 10.000 (US$ 11.000)


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Rottenhammer, Johann
Perseus und Andromeda

Lotto 6003

Perseus und Andromeda.
Öl auf Holz. 40,5 x 29,3 cm. Unten rechts signiert und datiert "Io. Rottenham[...] / 1613".

In einem anmutigen Bogen schmiegt sich der sinnliche Körper Andromedas an den Felsen, die angeketteten Arme verrenkt und den Blick verzweifelt gen Himmel erhoben. Erst auf den zweiten Blick wird man des Seeungeheuers gewahr, das links aus dem aufgewühlten Gewässer emporsteigt und dessen feurige Augen bereits den herannahenden Retter in der Gestalt des Perseus erfasst haben. Das kleinformatige Kabinettbild stammt von der Hand Hans Rottenhammers und ist durch die eigenhändige Datierung (1613) in das Spätwerk des Künstlers einzuordnen. Entstanden ist es, nachdem der Künstler sich 1606 im Anschluss an einen fünfzehnjährigen Aufenthalt in Italien in Augsburg niedergelassen hatte.
Rottenhammer war als 26-jähriger wie so viele Künstler seiner Generation Richtung Süden aufgebrochen, wo er sich mit Ausnahme eines kurzen Aufenthalts in Rom in den Jahren 1594/95, in Venedig niederließ. Zwischen 1591 und 1606 studierte er in der Lagunenstadt die Werke Tizians, Veroneses und Tintorettos und etablierte sich vor Ort mit einer florierenden Werkstatt, die erfolgreich den Markt für kleinformatige Kabinettbilder bediente, welche auf die Bewunderung von Malerkollegen und Kunstkennern stießen und von zahlkräftigen Kunden wie Kardinal Francesco Borromeo und Kaiser Rudolf II. begehrt waren.
Der Einfluss der venezianischen Erfahrung ist in Rottenhammers Werk und besonders in seiner farbmäßig feinfühligen Figurenauffassung nicht zu übersehen, doch entwickelt sich sein Stil gerade nach der Rückkehr in den Norden zu einem Manierismus internationaler Prägung weiter. Die Gegenüberstellung unseres Gemäldes mit einer Zeichnung aus seiner Frühphase (Dessau, Anhaltinische Gemäldegalerie) illustriert dies besonders prägnant: Ist auf der Dessauer Zeichnung der Körper der Andromeda in heftiger Bewegung erstarrt, wird die Dramatik im späteren Gemälde zugunsten einer eleganten, die Körperschwingung akzentuierenden Kontrapoststellung aufgegeben, bei der die innere Erregtheit durch Details wie das zart gearbeitete Gesicht und die unnatürliche Verrenkung des rechten Armes vermittelt wird. Die sinnliche Pose der Gefangenen ist inspiriert von einer 1583 entstandenen druckgraphischen Vorlage aus der Werkstatt von Hendrick Goltzius (Hollstein, after Goltzius, 507), wobei Rottenhammer das Zitat mit feinmalerischer Zartheit und einer konzentrierten Komposition exquisit anzureichern weiß.

Stima
€ 15.000   (US$ 16.500)


Aggiudicato per € 18.000 (US$ 19.800)


» Dipinti
Flämisch
Merkur und Argus

Lotto 6006

Mitte 17. Jh. Merkur und Argus.
Öl auf Leinwand. 74,5 x 98 cm.


Stima
€ 1.800   (US$ 1.980)


Aggiudicato per € 9.000 (US$ 9.900)


» Dipinti
Füger, Heinrich Friedrich
Bildnis des Friedrich Karl Joseph Reichsfreiher...

Lotto 6031

Bildnis des Friedrich Karl Joseph Reichsfreiherrn von Erthal (1719-1802), Kurfürst und Erzbischof von Mainz, mit Pektoralkreuz und Brustkreuz des Deutschritterordens.
Öl auf Leinwand. 61,3 x 51,4 cm.

Der Dargestellte, der von 1774 bis zu seinem Tode 1802 Kurfürst und Erzbischof von Mainz war, herrschte im Stil und mit Hofhaltung des Absolutismus. 1789 durfte Füger fünf Monate am kurfürstlichen Hof verbringen, wo er Kurfürst und Hofstaat sowohl in großformatigen Gemälden, als auch en miniature porträtierte.
Fügers zugehörige Miniatur ist Los 6400 unserer Portraitminiaturenauktion vom 28. November 2019 (siehe Abbildung).

Provenienz: Nachlass des Künstlers.
Versteigerung des Füger Nachlasses, Wawra, Wien, 3. März 1879, Los 44.
Wien, Sammlung Freiherr Albert von Rothschild (1844-1911).
Spätestens von 1925 bis 1938: Wien, Sammlung dessen zweiten Sohnes, Dr. Alphonse Freiherr von Rothschild (1878-1942) und dessen Gattin Clarice Adelaide von Rothschild geb. Sebag-Montefiore (1894-1967).
1938, nach dem "Anschluß", bei Dr. Alphonse und Clarice von Rothschild in Wien konfisziert (als Nr. AR 769), zum Katalogisieren ins Wiener Kunsthistorische Museum gebracht und dann im Zentraldepot beschlagnahmter Kunstgegenstände, Neue Burg, Wien, gelagert.
Laut Liste vom 20. Oktober 1939 von Hans Posse für die Österreichische Galerie Wien (Belvedere) vorgesehen.
Laut Inventar vom 31. Juli 1940 von Adolf Hitler mittels seines "Führervorbehalts" für sein "Führermuseum" in Linz reserviert.
1941 in das Stift Kremsmünster und danach ins Salzbergwerk Altaussee (Steiermark) ausgelagert.
1945 von den Alliierten geborgen.
München, Central Collecting Point Nr. lv 1163 (Kreidenummer auf Rückseite des Gemäldes noch sichtbar).
Am 16. Oktober 1947 durch die Republik Österreich zurückgegeben an Clarice von Rothschild, New York.
Besitz Bettina Looram de Rothschild (1924-2012), Tochter des Dr. Alphonse Freiherr von Rothschild und seiner Gattin Clarice.
Versteigert in London, Christie’s, Auktion am 30. September 2014: "European Noble & Private Collections Including Fine Tapestries Part I", Los 134 mit Abb. (ohne Angabe der Füger-Nachlaß Provenienz, als ‘school of’ Füger).
London, Privatsammlung.

Ausstellung: Wien, Künstlerhaus, Heinrich Friedrich Füger, 2. Februar - 28. Februar 1879, im Künstlerhaus "Einlaufbuch" unter Nr. 264, Kat.-Nr. 158, als: “Füger Heinrich Friedrich (1751-1818): Ölgemälde. Kurfürst von Cöln [sic], Grossmeister des deutschen Ordens. Nachlass des Künstlers.”

Literatur: Jean de Bourgoing: Miniaturen von Heinrich Friedrich Füger und anderen Meistern aus der Sammlung Bourgoing, Zürich/Leipzig/Wien 1925, S. 42 (“ein kleineres Ölporträt besitzt Baron Alfons Rothschild in Wien“).
Sophie Lillie: Was einmal war: Handbuch der enteigneten Kunstsammlungen Wiens, Wien 2003, S. 1029 Nr. 769.
Birgit Schwarz: Hitlers Museum. Die Fotoalben Gemäldegalerie Linz: Dokumente zum “Führermuseum”, Wien 2004, abgebildet S. 202 Nr. I/37.
Felicitas Kunth: Die Rothschild’schen Gemäldesammlungen in Wien, Wien 2006, S. 270-271.
Robert Keil: Heinrich Friedrich Füger 1751-1818, Wien 2009, S. 407 (in Abteilung "Verbleib unbekannt", irrtümlich als "Kurfürst von Köln, Grossmeister des deutschen Ordens").

Stima
€ 8.000   (US$ 8.800)


Aggiudicato per € 8.000 (US$ 8.800)


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Schröder, Johann Heinrich
Königin Luise von Preußen im blau-weißen Chemis...

Lotto 6035

Königin Luise von Preußen im blau-weißen Chemisenkleid mit weißem Turban.
Pastell. 51,5 x 43 cm. Verso auf der Rückabdeckung ein altes Klebeeticket "827. Friederike v. Mecklbg. Strel. / Königin von Hannover" sowie ein Inventaretikett der königlichen Sammlung im Schloss Marienburg bei Hannover. Um 1800.

Als die mecklenburgische Prinzessin Luise 1793 als Verlobte des preußischen Kronprinzen in Berlin ankam, war der Grundstein zu ihrer bis heute anhaltenden verklärten Popularität, ja kultischen Verehrung, gelegt. Allzu oft überstrahlt der Mythos jedoch die Wirklichkeit. Denn über ihren fesselnden Charme hinaus, zeichnete sich Luise ihrem zaudernden, uneinsichtigen Manne zum Trotz als bemühte, weitsichtige Politikerin aus. In den Jahren napoleonischer Expansion und preußischer Zögerlichkeit setzte sie sich entschieden für ein Bündnis mit Russland und Österreich ein, suchte und verhandelte mit Bundesgenossen und förderte besonders nach der schmachvollen Niederlage Preußens maßgeblich fortschrittliche Reformer.
Aufgrund ihrer Schönheit, ihrem Liebreiz und tugendhaften Weiblichkeit entbrannte über alle Stände hinweg eine große Nachfrage nach Porträts. Am Hofe erkannte man, dass sich mittels einer gesteuerten Bildproduktion die Außenwirkung des preußischen Königshauses beeinflussen ließe. Einfache, lebensnahe Inszenierungen und der Verzicht auf Herrschaftszeichen sollten das Bild einer bürgernahen, progressiven Monarchie zeichnen. Unzählige Künstler konkurrierten um Sitzungen bei der jungen Schönheit. Als besonders erfolgreich stach der Meininger Maler Johann Heinrich Schröder hervor, der Luise zwischen 1796 und 1806 mindestens fünfmal porträtierte und in der Folge diese Bildnisse mehrmals wiederholte (vgl. Spangenberg 1995, S. 56f, Kat. 251-268; Gerrit Walczak: „Luise von Preußen und ihre Porträtisten: Kunstmarkt, Hof und Publikum in Berlin um 1800“, in: Wallraf-Richartz-Jahrbuch, 65 (2004), S. 229). Ihren Höhepunkt erreichte Schröders Produktion in den Jahren 1799 und 1800. Von dem vorliegenden Werk sind insgesamt vier eigenhändige Fassungen überliefert: Neben unserem Pastell aus der Sammlung des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, finden sich die weiteren in Berlin (Schloss Charlottenburg, SSGPS, GK I 41250, vgl. Spangenberg Kat. 265), Utrecht (Huis Doorn, HuD 74, vgl. Spangenberg Kat. 264) sowie ehem. im Weimarer Wittumspalais (vgl. Spangenberg Kat. 267). Die samtige Wirkung des Pastells nutzte der Porträtist, um die ebenmäßige Feinheit und Frische von Luises Antlitz wiederzugeben. Mit weichen Konturen, jedoch stets klar umrissen, hält er die Königin im Dreiviertelprofil im weißen Empirekleid mit blauem, goldbesticktem Mittelstreifen fest. Eine einprägsame Requisite stellt der weiße Turban mit herabfallenden, schalartigen Stoffbahnen dar, der bis auf wenige Stirnlocken ihr Haar bedeckt. Die Schals mit perlenbesetzten Fransen verlaufen in den anderen Fassungen parallel zum blauen Mittelstreifen des Kleides, nur in unserem Exemplar löst Schröder die streng-vertikale Komposition durch das geschickte Aufraffen der linken Bahn auf. Das lockere Ergreifen des feinen Stoffes mit der linken Hand verleiht Luises Pose eine gezierte Natürlichkeit, die jene der anderen Fassungen übertrifft.

Provenienz: Aus der Sammlung des Herzogs von Braunschweig-Lüneburg, später königliches Haus Hannover, Schloss Marienburg, Zimmer 72, Inv.-Nr. 409 (vgl. Inventaretikett verso).
Seitdem durch Erbübergang in Familienbesitz verblieben.

Literatur: Alexander Dorner: Hundert Jahre Kunst in Hannover, München 1932, S. 56, die Dargestellte dort fälschlicherweise als Luises Schwester Therese Fürstin von Thurn und Taxis bezeichnet.
Marieluise Spangenberg: Der Meininger Porträtmaler Johann Heinrich Schröder: (1757 - 1812). Monographie und Werkverzeichnis, Meiningen 1995, Kat. 268.
Neil Jeffares: Dictionary of pastellists before 1800. Online Edition (zuletzt aktualisiert am 26. August 2019), Kat. J.665.1558.

Stima
€ 24.000   (US$ 26.400)


Aggiudicato per € 20.000 (US$ 22.000)


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Schnorr von Carolsfeld, Veit Hanns
Selbstbildnis im grünen Malermantel

Lotto 6044

Selbstbildnis im grünen Malermantel.
Öl auf Leinwand. 82 x 65 cm. Unten rechts monogrammiert und datiert "VHS / 1820", verso auf dem Keilrahmen mit lädiertem Ausstellungsetikett, sowie Klebeetiketten mit Angaben zum Werk und Besitzern.

Auf einer wunderbar detailliert gemalten Ansicht vom Atelier des Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld aus dem Jahr 1832 ist zu erkennen, dass an der Wand gegenüber dem Arbeitstisch des Malers ein Selbstbildnis hing. Blickte Schnorr von Carolsfeld, an diesem Tisch sitzend, empor, so traf sein Blick unweigerlich auf das eigene Antlitz. Das Bild seines Schülers Carl Werner, das in unserer Auktion im Dezember 2017 versteigert wurde (Losnummer 6077, mit mehreren Abbildungen), bezeugt dieses tagtägliche Tête-à-Tête und gibt uns eine genaue Vorstellung von den Gegebenheiten und der Atmosphäre in den Räumen der Pleißenburg, die der Akademiedirektor für seine Arbeit bezogen hatte. Der betagte, gleichwohl unermüdlich arbeitende Künstler sitzt dort versunken über einer Zeichnung, in einen grünen Malermantel gehüllt - wohl eben dem Mantel, den er bereits zwölf Jahre früher in unserem Selbstbildnis trug, jenem Porträt, das in Werners kleinformatigem Gemälde an der genannten Stelle erscheint. Das einfache Kleidungsstück hat Symbolwert: Es steht für Schnorr von Carolsfelds bereits von Nagler unterstrichenen Bescheidenheit, die er auch in seiner gehobenen Stellung in der Akademiedirektion beibehielt. Der Verzicht auf „verkünstelte Bedürfnisse“ (Allgemeines Künstlerlexikon, S. 394) war charakteristisch für einen im Geiste des Biedermeier erzogenen Mann - eine Haltung, die auch in der ehrlichen Unaufgeregtheit zu spüren ist, mit der er sich 1820 vor schlichtem Hintergrund und ausschließlich mit seinen Berufswerkzeugen festhielt. Lediglich die Pelzverbrämung an Kragen und Ärmelsaum zeugen von einem durch beharrliche Arbeit erworbenen Wohlstand.
Für den 1764 in Schneeberg als achter Sohn eines Ratsherren geborenen Schnorr von Carolsfeld war das 1816 erlangte Direktorat der Leipziger Akademie der krönende, dauernde Sorglosigkeit verheißende Abschluss einer bewegten Künstlerkarriere. Nach einem vom Vater gewollten Jurastudium konnte er sich erst nach dessen Tod ganz der Kunst verschreiben. Seine ersten Schritte führten ihn ins preußische Königsberg, wo er näheren Umgang mit Theodor Gottlieb von Hippel und Immanuel Kant pflegte, den er 1789 in mehreren Zeichnungen portraitierte. Bereits 1790 fiel die Entscheidung, nach Leipzig zurückzukehren, um sich dort weiter in der Zeichenkunst ausbilden zu lassen. Er wurde Schüler von Adam Friedrich Oeser und übernahm Aufträge als Portraitist, Buchillustrator und Theatermaler. 1801 brach er mit Johann Gottfried Seume, zu dessen Freundeskreis er zählte, nach Syrakus auf, in Weimar machten die beiden Männer ihre Aufwartung den Berühmtheiten Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Schiller, Johann Gottfried Herder und Karl August Böttiger, bevor sie über Prag nach Wien weiterzogen. Dort musste Schnorr von Carolsfeld seine Reise unterbrechen, aus Rücksicht auf seine Pflichten als Familienvater, denn die heute ungleich bekannteren Söhne Julius und Ludwig waren bereits geboren. Über mehrere Stationen führten ihn daraufhin seine „artistischen Wanderschaften“, wie er die folgende Studienreise bezeichnete, über Paris und Straßburg 1802 nach Leipzig zurück. Dort übernahm er wenige Monate später die Stelle eines Unterlehrers an der Akademie. 1816 schließlich wurde er Nachfolger Johann Friedrich August Tischbeins im Direktorenamt, das er bis zu seinem Tod 1841 bekleidete.
Seine wahre Berufung fand er in der Lehrtätigkeit, eine Neigung, die sein Enkel auf das Talent für „einsichtsvolles, feinsinniges Kunsturtheil, Vielseitigkeit in Würdigung der Rechte künstlerischer Individualität und mannigfaltige Geschicklichkeit im Technischen der Kunst“ zurückführte (vgl. Franz Schnorr von Carolsfeld: "Schnorr von Carolsfeld, Veit" in: Allgemeine Deutsche Biographie, 32 (1891), S. 192). Für die Bewunderung und Achtung, die ihm seine Schüler entgegenbrachten, spricht nicht zuletzt auch die Atelieransicht Werners und die Tatsache, dass Veit Hanns Schnorr von Carolsfeld durch die Präsentation unseres Selbstbildnisses auf der Jahrhundertausstellung 1875 in Berlin, mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Tod, gewürdigt wurde.

Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers, an dessen Sohn Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872).
Seitdem durch Vererbung im Besitz der Familie.

Ausstellung: Berlin 1906: Ausstellung deutscher Kunst aus der Zeit von 1775-1875 in der Königlichen Nationalgalerie Berlin.

Literatur: Katalog: Ausstellung deutscher Kunst aus der Zeit von 1775-1875 in der Königlichen Nationalgalerie Berlin. Hrsg. vom Vorstand der Deutschen Jahrhundertausstellung. München 1906 (2 Bände), Kat. Nr. 1579.

Stima
€ 12.000   (US$ 13.200)


Aggiudicato per € 13.000 (US$ 14.300)


» Dipinti
Hennig, Gustav Adolph
Die Kinder von Eduard von Nostiz und Jänckendorf

Lotto 6069

Die Kinder von Eduard von Nostiz und Jänckendorf.
Öl auf Leinwand. 158 x 117 cm. Verso auf dem Keilrahmen ein Klebezettel mit Angaben zur Provenienz "Schloß Oppach / Krs. Löbau / Letzter Eigentümer / v. Nostitz u. Jänkendorf / Inv,-Nr. 7" sowie ein Stempel der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit Inventar-Nr. der "Schlösserbergung". Um 1830.

Um 1830 erteilte der sächsische Rittergutbesitzer, Jurist und Politiker Eduard Gottlob von Nostitz und Jänckendorf dem erfolgreichen Bildnismaler und späteren Leipziger Akademieprofessor Gustav Adolph Hennig den Auftrag, seine Kinder zu portraitieren. Vor der Gründung des Kaiserreichs wurde neben dem klassischen Familienportrait auch die repräsentative Darstellung von Kindern zu einem bevorzugten Mittel, um gesellschaftlichen Rang zu demonstrieren. Allein aufgrund des Formats darf dieser Anspruch auch bei vorliegendem Werk angenommen werden. Lebensgroß und in ganzer Figur sind die vier Kinder von Nostitz und Jänckendorf und seiner zweiten Frau Therese Freiherrin von Gutschmidt zu einem idyllischen Quartett gruppiert: Rechts die beiden Mädchen in hellen Kleidern aus feinem Musselin, Anna sitzend auf einer Gartenbank, hinter ihr stehenden ihre Schwester Helene Sophie Henriette mit einem Körbchen voll von Johannisbeeren und Kirschen, links steht fahnenschwenkende der Bruder Gottwalt Arthur in einem Russenkittel und blickt zum älteren Fürchtegott Richard im schottischen Rock mit Degen auf. Liebevolle Gesten unterstreichen den Eindruck von tiefer Verbundenheit. Die weitläufige Landschaft im Hintergrund zeigt wahrscheinlich den Park des 1829 erworbenen Schlosses Oppach in der Lausitz bei Spremberg mit Blick nach Südwesten auf die unweit gelegene Hügelkette an der nordböhmischen Grenze.
An dieser Darstellung lässt sich exemplarisch die ab der Aufklärung aufkommende und bis heute prägende Auffassung von Kindheit als eine Lebensphase der romantisierten Unschuld und unverdorbenen Reinheit nachvollziehen. Einen entscheidenden Einfluss auf diesen Paradigmenwechsel nahm im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert der Rückzug der Familien ins Private und die Besinnung auf die kleinste familiäre Einheit bestehend aus Eltern und ihren Sprösslingen. Wenn zuvor das Kind als ein noch unvollkommener, kleiner Erwachsener begriffen und demzufolge behandelt wurde, konnotierte man diese frühen Lebensjahre nun geradezu als Gegenentwurf zur verstandsorientierten Erwachsenenwelt. Dies spiegelt sich - wie etwa hier zu sehen ist - auch an der neuen Kleidung wider, die nicht mehr die Miniaturversion der Eltern war, sondern kindgerecht an die Bedürfnisse des Alters angepasst wurde.
Hennig gelingt mit diesem Gruppenportrait das bemerkenswerte Kunststück dem repräsentativen Anspruch der Auftraggeber gerecht zu werden und zugleich das Unschuldige im lebensnahen Ausdruck der pausbäckigen Kinder zu vermitteln. Der Erfolg des heute zu Unrecht etwas in Vergessenheit geratenen Malers zeigt sich nicht zuletzt in der berühmten Ausstellung „Die Leipziger Bildnismalerei von 1700-1850“ von 1912, in der der Künstler mit nicht weniger als 107 Portraits, darunter 59 Kinderbildnissen vertreten war. Ein Gutachten von Prof. Dr. Helmut Börsch-Supan, Berlin, vom 24. Februar 2019 ist in Kopie vorhanden.

Provenienz: Bis 1946 in Familienbesitz in der Sammlung Schloss Oppach (vgl. Klebezettel verso).
1946 Beschlagnahmung und Übergang an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (vgl. Stempel verso).
Nach 1990 Restitution an die Nachkommen der Eigentümer.
Leo Spik, Berlin, Auktion vom 25. März 1999, Los 141 (Zuschlag 40.000 DM).
Privatsammlung Norddeutschland.

Literatur: Horst Zimmermann, Helga Fuhrmann (Bearb.): Gemäldegalerie Dresden. Neue Meister 19. und 20. Jahrhundert. Bestandskatalog und Verzeichnis der beschlagnahmten, vernichteten und vermißten Gemälde, Dresden 1987, S. 320.

Stima
€ 24.000   (US$ 26.400)


Aggiudicato per € 20.000 (US$ 22.000)


» Dipinti
Wiegand, Martin
Adam und Eva am Baum der Erkenntnis

Lotto 6191

Adam und Eva am Baum der Erkenntnis.
Öl auf Leinwand. 60 x 128 cm. Unten rechts signiert "MWiegand" (die Anfangsbuchstaben ligiert), verso auf dem Keilrahmen mit Galerieaufklebern mit Nummern. Um 1900-1905.

Den aus Ilmenau in Thüringen geborenen Martin Wiegand zog es zum Studium an die Dresdener Kunstakademie, die er bis 1888 besuchte, bevor er sich als freischaffender Künstler in Dresden niederließ. Die monumentale, in einem gestreckten Querformat entwickelte Darstellung mit Adam und Eva bewegt sich stilistisch zwischen Jugendstil und Symbolismus. Die gesamte Szene präsentiert sich wie ein Blick durch ein Fenster in eine traumhafte Welt: Eva mit fließenden roten Haaren schmiegt sich an den Baum, die verbotene Frucht in der Hand, hinter ihrem Haupt der Kopf der Schlange. Ihr gegenüber steht Adam, der die angebotene Frucht noch abzulehnen sucht. Die in ein rosafarbenes Abendlicht getauchte Auenlandschaft strotzt vor fast beängstigender Fruchtbarkeit. Die prallen Rhododendronblüten im Vordergrund schaffen eine kleine Distanz zu den nackten Körpern, im Hintergrund blühen die durch ihren Duft betörenden Engelstrompeten, rosa Flamingos stolzieren am Flussufer. Dieses Werk ist nicht zu denken ohne den Einfluss des sechs Jahre älteren Ludwig von Hofmann, der zeitgleich mit Wiegand an der Dresdener Akademie studierte (1883-1889).

Stima
€ 12.000   (US$ 13.200)


Aggiudicato per € 12.000 (US$ 13.200)


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Skarbina, Franz
Nächtlicher Winterspaziergang vor dem Wachhäusc...

Lotto 6192

Nächtlicher Winterspaziergang vor dem Wachhäuschen in der Leipziger Straße am Potsdamer Platz in Berlin.
Öl auf Malkarton. 29,5 x 31,7 cm. Verso ein Klebeetikett bezeichnet "Franz Skarbina (Nachlass) / "Neue Wache" Unter den Linden / Berlin, wohl 19. Jh."



Provenienz: Aus dem Nachlass Franz Skarbinas (verso Vermerk auf dem Klebeetikett).

Errata: Es handelt sich hier nicht wie in unserem Printkatalog beschrieben um die Neue Wache Unter den Linden, sondern um das Wachhäuschen in der Leipziger Straße am Potsdamer Platz, das heute nicht mehr existiert.

Stima
€ 1.500   (US$ 1.650)


Aggiudicato per € 8.500 (US$ 9.350)


» Dipinti
Dinand, Inge
Portrait eines Mädchens mit Zöpfen und zwei Jungen

Lotto 6195

Portrait eines Mädchens mit Zöpfen und zwei Jungen.
Öl auf Leinwand. 60,4 x 35,3 cm. Signiert und datiert unten links "Dinand 29".

Die Malerin und Graphikerin Inge Dinand studiert ab 1925 an der Städelschule in Frankfurt am Main, 1927-29 in der Klasse von Peter Rasmussen. 1929-32 ist sie Meisterschülerin bei Max Beckmann. 1928 hat sie ihre erste Ausstellung bei dem Buchhändler Alfred Bodenheimer, dessen „Darmstädter Bücherstube“ in diesen Jahren ein wichtiger kultureller Treffpunkt der Stadt ist. Im gleichen Jahr zeigt sie in einer weiteren Einzelausstellung ihre Arbeiten in der Galerie Westheim in Berlin. Nach 1933 werden ihr und den anderen Beckmannschülern in Frankfurt Schwierigkeiten bereitet und sie sucht mit ihrem Mann Walter Hergenhahn zeitweise Zuflucht auf der Insel Sylt. Ab 1942 lebt Inge Dinand in Groß Luttom, Kreis Birnbaum (heute das polnische Lutom). Nach Evakuierung, Ausbombung, und dem Verlust aller ihrer Arbeiten flieht sie zunächst nach Hamburg, 1946 zieht sie nach Nierstein am Rhein, 1956 kehrt sie nach Frankfurt am Main zurück und wird Mitglied der "Neuen Gruppe Rheinland-Pfalz". Ferner beteiligt sie sich an den Mappen "Farbige Graphik" der Kestner-Gesellschaft, Hannover.
Das im ersten Jahr ihres Studiums bei Beckmann entstandene Gemälde besticht durch die Zartheit und in sich Gekehrtheit des Mädchens sowie den sehnsuchtsvollen Blick des Jungen mit dem auf die Hand gestützten Kopf. Zusammen mit dem Kinderbildnis von 1932/33 (Öl auf Leinwand, 50,5 x 31,2 cm), das sich heute im Städel Museum in Frankfurt am Main befindet, handelt es sich um eines der ganz seltenen Zeugnisse der Kunst Inge Dinands aus den Vorkriegsjahren.

Literatur: Vgl. Claus Netuschil (Hrsg.): Der weibliche Blick. Vergessene und verschollene Künstlerinnen in Darmstadt 1880-1950, Kat. Ausst. Darmstadt 2013, S. 118-121.
Vgl. Susanne Wartenberg: "Max Beckmann in Frankfurt 1915 bis 1933", S.189 ff., Kat.Nr.113, in: Kommen und Gehen. Von Courbet bis Kirkeby, Ausst.Kat. Frankfurt a.M., Museum Giersch der Goethe-Universität, 2016.

Stima
€ 4.500   (US$ 4.950)


Aggiudicato per € 14.500 (US$ 15.950)


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