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BASSENGE Kunst-, Buch- und Fotoauktionen

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Catalogo Manuscritti, incunaboli » Dipartimento Libri
Manuscritti, incunaboli Prezzo del catalogo EURO 15,00
Data dell'asta Mar, 16. Apr., 16:00


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In die palmarum
Einzelblatt aus einer hochmittelalterlichen Geb...

Lotto 801

HANDSCHRIFTEN UND EINZELBLÄTTER, INKUNABELN
"In die palmarum". Einzelblatt aus einer hochmittelalterlichen Gebetsbuchhandschrift. Lateinische Handschrift in schwarzbrauner Tinte auf Pergament. 1 Doppelblatt. Schriftspiegel: 8,5 x 7 cm. Blattgröße: 13,4 x 19,8 cm. Möglicherweise Mittelitalien um 1280.

Hübsches, sauberes Blatt aus einem hochmittelalterlichen Laienbrevier mit Passagen aus zeitgenössischen und biblischen Texten, dem Anfang von Gebeten für den Palmsonntag "In die palmarum", aus dem Stabat mater: "O vos omnes qui transitis per viam, attendite, et videte si est dolor sicut dolor meus" oder "Iehus crucifixus et in montem calvariae ... Jesus crucifixus est in [hora] sexta ..." und vieles mehr. Der Text ist in schwarz-brauner, sehr feiner Minuskelschrift auf blassen Zeilenlinien und in bester Lesbarkeit - freilich mit zahlreichen mittelalterlichen Abkürzungen - geschrieben. Oben rechts verso sind die Blätter zeitgenössisch foliiert, wonach das vorliegende Blatt aus einer Lage stammt, die Fol. "161" bis Fol. "166" umfasste. – Sehr sauber und wohlerhalten, die Haarseite leicht dunkler durch die Porenstruktur des Pergaments. Eindrucksvolles Beispiel einer Gebetbuch-Handschrift in bemerkenswert kleinem Oktav-Format, was für ein Laienbrevier spricht - und zu den eher seltenen Genres des hochmittelalterlichen Schriftwesens gehört.

Stima
€ 350   (US$ 398)


Aggiudicato per € 270 (US$ 307)

Ius Canonicum
Einzelblatt aus einer kirchenrechtlichen Hands...

Lotto 802

Ius Canonicum. Einzelblatt aus einer kirchenrechtlichen Handschrift des frühen Spätmittelalters. Lateinische Handschrift in schwarzbrauner und brauner Sepiatinte auf Pergament. Text umgeben vom Kommentar. Text: 29 Zeilen, Kommentar: 81 Zeilen (85 sind regliert). Mit 6 größeren, 2-zeiligen Initialen in Rot und Blau mit Federwerk und zahlreichen kleineren Initialen, Absatzmarken bzw. Rubrizierungen, teils mit Federwerk. Schriftspiegel Text: 14 x 12 cm, Kommentar: 32 x 24 cm. Blattgröße: ca. 45,6 x 29,2 cm. Italien um 1320.

Einzelblatt einer juristischen Handschrift wohl aus dem ersten Viertel des 14. Jahrhunderts in feinster mittelalterlicher Textura rotunda. Sorgsam umfließt der ausführliche Kommentar die beiden Textkolumnen, die mit schwärzerer Tinte von einer anderen Hand geschrieben wurden. Mit der ausgezeichneten Präzision der Schrift und der Exaktheit der Kalligraphie kann das Fragment als ein eindrucksvolles Beispiel mittelalterlicher Paläographie gelten. – Das extrem breitrandige, große Blatt minimal wellig, unten mit leichten Knickspuren und zweifach gestempelt. Das Blatt stammt aus der "Kupferstich- u. Holzschnittsammlung Leop. Langer" und ging dann über in den Privatbesitz des "Franz Ferdinand v. Österreich-Este" mit dessen Stempel. Franz Ferdinand Carl Ludwig Joseph Maria von Österreich-Este (1863-1914) war als Erzherzog ab 1896 der Thronfolger des Reiches Österreich-Ungarn, der am 28. Juni 1914 in Sarajevo erschossen wurde, was zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts führen sollte.

Stima
€ 300   (US$ 341)


Aggiudicato per € 750 (US$ 854)

Folia liturgica
Konvolut von 11 Handschriften-Einzelblättern au...

Lotto 803

Folia liturgica. Konvolut von 11 Handschriften-Einzelblättern. Lateinische Handschrift in schwarzer und roter Tinte auf Pergament und Choralnotation in romanischen Quadratnoten auf vier roten Linien, mit zahlreichen roten und blauen Initialen, mit Federwerk und Rubrizierung. Folioformat: zwischen ca. 50 x 30 und 55 x 40 cm. Frankreich, Italien 15.-16. Jahrhundert.

Material aus mindestens zwei bis drei verschiedenen Handschriften, fein gegerbt mit weiß gekalkten Fleischseiten und etwas milchig-elfenbeinfarbeneren bzw. gelb-braun gedunkelten Haarseiten, beschrieben in feiner Rotunda bzw. Fractura und geziert mit zahlreichen hübschen Federwerk-Initialen, einer großen Schlingwerk-Initiale, mehreren großen roten Initialen einer Minuskelschrift auf Schlingwerk-Knollenblütengrund in Violett sowie mehreren kleineren Initialen in Rot und Blau. – Wellig, etwas knittrig, teils mit Randläsuren und Montageresten, ein Blatt mit kleinem Ausriss unten, sonst kaum Läusuren oder Einrisse, wenige Oberflächenbereibungen, meist auf sehr festem Pergament.

Stima
€ 1.000   (US$ 1.140)


Prezzo post-asta
€ 500   (US$ 570)


Horae B.M.V.
Französisches Stundenbuch-Fragment. Lateinische...

Lotto 804

Horae B.M.V. Französisches Stundenbuch-Fragment. Lateinische Handschrift auf Pergament. 64 Bl. 25 Zeilen. Schriftraum: 12,8 x 7,5 cm. Format: ca. 18 x 13 cm. Text in schwarzer und roter spätmittelalterlicher gotica textura. Mit mehreren 4-6-zeiligen großen Initialen in Gold auf rotem und blauen, mit weißem Federwerk gehöhten Grund, zahlreichen 2-zeiligen Goldinitialen und Hunderten von 1-zeiligen Initialen in Gold, Rot oder Blau mit rotem und blauem Federwerk, Zeilenfüllern und durchgehender Rubrizierung. Halbleder um 1900 (Rücken fehlt, stark lädiert, Bindung teils lose). Frankreich um 1460.

Reich illuminiertes Texfragment eines französischen Stundenbuchs ohne die Miniaturen. Vorhanden sind vier Blätter aus dem Kalendarium (ebenfalls in lateinische Sprache), die Monate März-April (mit Ausschnitten oben, Textverlust), Mai-August und Novenber-Dezember. Es folgen die Heiligengebete des "Commune Sanctorum" mit "Oratio ad sanctam trinitatem", "ad Johannem baptistam", "ad sanctam katherinam", "ad beatam annam viduam", "ad mariam magdalenam" etc., Gebete zur Passion, es folgen Teile aus der marianischen Antiphon "Salve Regina", ferner das "Officium parvum beatae Mariae virginis" mit dem Incipit: "Quicumque hec septem gaudia in honore beate Marie virginis...", Fragmentstücke aus den Psalmen etc.

Im Calendarium werden u. a. die Heiligen Gordianus und Epimachus, Gervasius und Protasius und viele andere verehrt, meist mehrere Märtyrer an einem Tage, allerdings sind auch einige Tage freigelassen. Möglicherweise entstand das Stundenbuch in Lothringen, der Gegend um Straßburg, was aber weiter noch wissenschaftlich erforscht werden sollte. – Einige Rissfalze vorhanden, wenige Seite mit etwas stärkeren Flecken, feucht-, spor- und braunfleckig, insgesamt sind die vorhandenen Blätter jedoch sehr frisch und wohlerhalten, nur wenige minimal berieben. Bei der Vergoldung handelt es sich ausschließlich um grandios schimmerndes Blattgold, Initialen, Federwerk und weitere illluminatorische Ausstattung zeugt von großer Qualität. Handschriftliche Nennung eines Jean de Brienne im Buch und auf einem am Anfang vorhandenen Pergamentstück "à Jean Lanpelisse ... prêtre de Brienne 1206", wohl in Bezug auf den französischen Kreuzritter Johann von Brienne (1169-1237), der in Konstantinopel gefallen war.

Stima
€ 1.800   (US$ 2.052)


Aggiudicato per € 2.200 (US$ 2.508)

Kreuzigung
Holzschnitt auf pergament.

Lotto 805

Kreuzigung. Fragment eines Holzschnitts auf Pergament, möglicherweise als Innendeckelbekleidung eines spätmittelalterlichen Buchkastens. 3 Fragmentstücke unterschiedlicher Größen: ca. 16,5 x 7; 32 x 6,5; 33 x 5,5 cm. Zusammen montiert auf festen Karton. 38 x 26 cm. Deutschland um 1460.

Für uns in Bartsch und Hollstein, Schreiber, Muther etc. nicht weiter nachweisbarer, offenbar sehr seltener, wenn nicht unikatärer Einzelblattholzschnitt mit der Darstellung einer Kreuzigung in claire-obscure Akanthusblattrahmen mit den vier Evangelistensymbolen in Tondos in den Ecken (links oben fehlt wohl Matthäus). Während die Figur der Maria nur im unteren Gewand erhalten ist, ist Johannes rechts unter dem Kreuz am besten erhalten und sichtbar. Christus post mortem gebeugt am Kreuze hängend mit geschlossenen Augen. Um den Rahmen florales Rankenwerk, unten die fragmentarische Beischrift: "[...] Et fa[mulum tuum Principem] nostrum cum omnibus sibi commissis ab omni adv[ersitate custodi, & pacem tuam nostris concede temporibus]. – Gebräunt, fleckig, teils stärker gedunkelt, mit mehreren kleinen Ausbrüchen und einigen Löchern, die Ränder sehr unterschiedlich, meist unregelmäßig beschnitten, so dass sich eine gestaffelte Kontur ergibt. Fest montiert auf den Karton, dieser gebräunt und säurehaltig. Für die einstige Verwendung als Innendeckelbekleidung eines spätmittelalterlichen Buchkastens spricht die vertikalen Bruchlinien sowie vertikale, gedunkelte Knickspuren, die möglicherweise der Holzmaserung folgten (genaue Untersuchungen stehen noch nach Lösen des Fragments vom Bildträger aus).

Stima
€ 1.000   (US$ 1.140)


Aggiudicato per € 850 (US$ 968)

Biblia latina
Lateinische Handschrift auf Papier. Süddeutschl...

Lotto 806

Vom Rubrikator datiertes vollständiges Vulgata-Manuskript
aus der Bibliothek der Grafen zu Schönborn-Buchheim

Biblia latina. (Biblia Sacra juxta Vulgatam versionem, Vetus et novum Testamentum). Lateinische Handschrift auf Papier. 2 Bände. 317; 354 nn. Bl. 2 Spalten. 50 Zeilen. Bastarda als Textschrift und Textura gotica als Auszeichnungsschrift. Schriftraum: 21 x 15 cm. Format: 29,5 x 21 cm. Mit 1 farbigen Initiale in Rot und Türkisgrün, mit über die Kolumne ausgreifenden Ranken in Grün und Blau am Textanfang (Prologus) sowie einigen großen Schmuckinitialen in Blau mit rotem Knollenblattwerk und überaus phantasievollem, reichem Federwerk, oft über die gesamte Kolumne greifend, vollständige Rubrizierung mit Hunderten von roten und blauen Lombarden, roten Kapitalüberschriften sowie Kapitalstrichelung, roten Kolumnentiteln und marginalen Konkordanzverweisen. Reich blindgeprägtes Kalbsleder des 19. Jahrhunderts (kaum berieben). Süddeutschland-Österreich 1475-1500.

In sich abgeschlossene 2-bändige lateinische Bibelhandschrift des deutschen Spätmittelalters, wohl aus Bayern oder dem westlichen Österreich. Geschrieben in einer sauberen braunschwarzen Bastarda-Schrift von mehreren Händen, mit großen kalligraphischen Überschriften der einzelnen Kapitel und Bücher des Pentateuch, der historischen Bücher und der Propheten. Auffallend ist im ersten Band die ungewöhnliche Abfolge der Texte: auf den Pentateuch folgen das Buch Ruth und Baruch, erst dann Josua, Richter und die weiteren historischen Bücher des Alten Testaments. Enthalten sind auch apokryphe Schriften wie das dritte Buch Esra - und eben die Pseudepigraphie Baruch, das dann an seiner ursprünglichen Stelle im Kanon der Prophetenbücher wiederholt wird.
Interessant ist die Handschrift vor allem auch durch die Datierungen des Schreibers (bzw. auch Rubrikators, möglicherweise von derselben Hand) auf das Jahr 1475 (Band II, Blatt 320recto) sowie die Angabe der Vollendung des Magnum Opus Manuscripti 1500 (Band I, Blatt 354verso): "Finit Anno domini 1500 in dominica letare".

Die zweibändige, in flüssiger Bastarda geschriebene Bibel muss als Gebrauchshandschrift angesehen werden; auch die Ausstattung des biblischen Textes durch Rubrizierung und einfache Initialen entspricht diesem spätmittelalterlichen Standard. Lediglich einige Buchanfänge sind mit minierten Initialen im süddeutschen, gotischen Stil des späten 15. Jahrhunderts ausgezeichnet worden. Die Bibel gliedert sich, wie folgt:

Band I.
Beschreibung des Textes: Band I: fol. 1r-5rb: Hieronymus: Epistola ad Paulinum presbyterum: fol. 5va-30vb: Genesis; fol. 31r-52rb: Exodus; fol. 52va-66vb: Leviticus; fo. 67ra-87rb: Numeri; fol.87va-105rb: Deuteronomium; fol. 105va-107rb: Ruth; fol. 107va-111ra: Baruch (mit Argumentum): fol. 111va-125ra: Josue (mit 2 Prologen); fol. 125ra-138ra: Liber iudicum (ohne Titel); fol. 138rb-139rb: Prologus in libros Regum; fol. 139rb-157va: I. Regum: fol. 157vb-172va: II. Regum; fol. 172vb-190rb: III. Regum: fol. 190vb-207ra; IV. Regum; fol. 207rb-222vb: I Paralipomenon (mit Prolog) - fol.222vb-242.rb: Paralipommon: fo1.242va-248rb: I. Esdras (mit Prolog) und II. Esdras (Nehemias); fol. 248va-264vb: Esdras II (= Esdras III, apokryphes Buch); fol. 265ra-270va: Tobias (mit Prolog); fol. 270vb-278rb: Judith (mir Prolog); fol.278va-285va: Esther (mit Prolog); fol. 285vb-304rb: I. Machabaeorum (mit Prolog); fol. 304va-317ra: II. Machabaeorum; fol. 317rb-317v: leer.

Band II.
Fol. 1ra-1va: Hieronymus: Prologus ins translationem scundum hebraicam veritatem; fol. 1va-35rb: Psalterium iuxta hebraeos; fol. 35v: leer; fol. 36ra-47vb: Proverbia; fol. 48ra-51va: Ecclesiastes; fol. 52rb-54rb: Canticum canticorum; fol. 54va-62vb: Sapientia (Prolog); fol. 62vb-85va: Ecclesiasticus; fol. 85vb-99vb: Job; fol. 100ra-125vb: Isaias; fol. 126ra-155vb: Jeremias (mit Prolog); fol. 155vb-158rb: Lamentationes Jeremiae; fol. 158rb-161va: Baruch (mit Argumentum); fol. 161vb-187vb: Ezechiel (mit zwei Prologen); fol. 188ra-199vb: Daniel (mit zwei Prologen); fol. 199vb-200ra: Hieronymus: Prologus in duodecim prophetas minores; fol. 200ra-204ra: Oseas (mit 2 Prologen); fol. 204ra-205vb: Joel (mit 2 Prologen); fol. 206ra-209rb: Amos (mit 2 Prologen); fol. 209rb-210ra: Abdias (mit 2 Prologen); fol. 210rb-211va: Jonas (mit 2 Prologen); fol. 211vb-214ra: Michaeas (mit Prolog und Argumentum); fol. 214ra-215rb: Nahum (mit Prolog und Argumentum); fol. 215rb-217ra: Habacuc (mit Prolog und Argumentum); fol. 217rb-218vb: Sophonias (mit Prolog und Argumentum); fol. 218vb-219vb: Aggaeus (mit Prolog); fol. 219vb-224rb: Zacharias (mit Prolog); fol. 224rb-225vb: Malachias (mit 2 Prologen); fol. 226ra-242vb: Matthaeus-Evangelium (mit 2 Prologen); fol. 243ra-253rb: Markus-Evangelium (mit Prolog); fol. 253va-271rb: Lukas-Evangelium (mit Prolog); fol. 271va-284rb: Johannes-Evangelium (mit Prolog); fol. 284va-320rb: Corpus Paulinum (mit Argumenta zu den einzelnen Briefen); fol. 320va-338rb: Actus Apostolorum (mit Prolog und Argumentum); fol. 338rb-346rb: Septem Epistolae Catholicae (mit Prolog); fol. 346rb-354va: Apocalypsis. – Die ersten elf Blätter des ersten Bandes mit starken Feuchtigkeitsspuren, die Schrift oftmals unleserlich verwischt, ebenso die farbige Initiale. Band II durchgehend etwas wasserrandig, ab etwa der Mitte bis in den Text reichend, auch hier ist der Text teils verschwommen und unleserlich. Sonst nur hier und da leicht fleckig. Vollständige handschriftliche Bibel sind am Ende des 15. Jahrhunderts von großer Seltenheit, gab es schon einige Drucke, die inzwischen - nach Gutenbergs B-42 erschwinglich waren. Die unendliche Mühe einer gesamten Handschrift, die - wie hier eindrucksvoll aufgrund der Datierung - nachvollzogen werden kann, mindestens zwölf Jahre dauerte, wurde nur noch selten unternommen. Insofern handelt es sich um ein Manuskript von höchstem wissenschaftlichen Interesse, das der detaillierten textkritischen Erfassung noch harrt (Vulgata-Vorbilder der Abschrift, genauere Datierung, Lokalisierung, Rubrikator, Schreiber etc. - können als offene Fragen formuliert werden).

Provenienz: Das Exemplar stammt aus der aufgelösten fürstlichen Bibliothek derer Grafen zu Schönborn-Buchheim mit deren Bibliothekschildchen und Signatur (roter schreitender Löwe): "Manuscr. 13", deren Stempel "Gräfl. Schönbornsche Bibliothek" und gestochenem Wappenexlibris: "Bibliotheca Domini Comitis a Schönborn Buchheim" auf dem Innendeckeln.

English: First 11 leaves of vol. I with strong water stains, letters and coloured initial blurred and mostly unreadable. Starting in the middle part, vol. II throughout with slight damp stains in the margins, text also partly blurred and unreadable. Otherwise only some minor stains. - Provenance: Copy from the dissolved baronial library of the Counts of Schönborn-Buchheim with their bookmark and shelfmark (red lion).

Stima
€ 15.000   (US$ 17.100)


Aggiudicato per € 15.000 (US$ 17.100)

Frisket-Fragment
Manuskriptstreifen einer frühneuzeitlichen Hand...

Lotto 807

DRUCKE VOR 1600

Einblick in die Technik der Inkunabeldrucker

Frisket-Fragment. Manuskriptstreifen einer frühneuzeitlichen Handschrift auf Pergament in schwarzer Tinte und rotem Frisket-Überdruck. Ca. 15 x 3 cm. Deutschland um 1480.

Eines der äußerst seltenen, sogenannten "Manuscript frisket sheet fragments", eines Kuriosums der frühen Druckkunst. Die ersten gedruckten Bücher seit Gutenberg zeichneten sich durch das Miteinander von schwarzen und roten Textpassagen auf einer Druckseite aus. So wurde das ursprüngliche Ziel, nämlich mit dem Druck die Handschrift zu ersetzen, auch darin angestrebt, dass man nämlich die eigentlich dem Rubrikator anvertraute Arbeit in das Druckverfahren mit aufnahm - und somit Titel, Kolumnentitel, Überschriften, Druckvermerke, Interlinear-Einsprengsel und ähnliches in roter Typographie einsetzte.

Dieses erforderte allerdings ein etwas komplizierteres Verfahren, wobei jede Seite zunächst in schwarzer Farbe bedruckt wurde, um dann die als ausgezeichnete Passagen vorgesehenen Texte in einem zweiten Arbeitsschritt mit roter Druckerfarbe zu drucken. Dabei mussten dann die schon gedruckten schwarzen Textteile abgedeckt werden, wozu meist zerschnittene Makulaturstücke von älteren Pergamenthandschriften benutzt wurden. Die Stücke nahmen dann die nicht in Rot zu druckenden Überhangtexte auf, wobei das Pergamentstück erst durch ein "neues" ausgetauscht wurde, wenn eine Anzahl von Exemplaren (meist bis zu 10-20) gedruckt worden war.

Das vorliegende winzige Fragmentstück stammt aus einer wohl französischen Handschrift des frühen 15. Jahrhunderts, wohl einer Urkunde o.ä., es enthält allerdings keine sichtbaren Druckbuchstaben, sondern nur einen großen roten Streifen, so dass das Frisket-Stück wahrscheinlich als Keil oder Randstück verwendet worden ist.

Vgl. Margaret M. Smith, Fragments used for 'Servile' Purposes: The St Bride Library Frisket for Early Red Printing, in Linda L. Brownrigg and Margaret M. Smith (Hrsg.): Interpreting and Collecting Fragments of Medieval Books (Los Altos Hills, CA, Red Gull Press, 2000), S.177-188 sowie dieselbe in: The St. Bride Journal 'Ultrabold 3' (2007), The Red-Printing Frisket at St. Bride Library. Elizabeth Savage, Red Frisket Sheets, c.1490-1700, The Earliest Artefacts of Colour Printing in the West (Papers of the Bibliographical Society of America 108, Nr. 4 (Dezember 2014), S.477-522. "This complex object, a manuscript leaf that was re-used first as a frisket sheet for printing selected text in red in one book and then in the pasteboard in the binding of another, is the earliest artifact of any color printing process in the West." – Rechts mit schmalem Falz und 2 zeitgenössischen Hanfspuren einer einstigen Bindung, oben und unten etwas braun leimschattig, leicht gewellt, die rote Mennige in kraftvollem, erhabenen Mehrfachdruck. Frisket-Fragmente gehören zu den überaus seltenen "Hilfsmitteln" der Inkunabelzeit, von denen weltweit nur eine Handvoll nachweisbar ist.

Stima
€ 300   (US$ 341)


Aggiudicato per € 150 (US$ 170)

Einblattholzschnitt
Neujahrsgruß "Ein Gut Jahr Dit Hich (d. i. heut...

Lotto 808

[*] Einblattholzschnitt als Neujahrsgruß: "Ein gut jar". Geflügelter Löwe mit Nimbus als Symbol für den Evangelisten Markus. Kolorierter Holzschnitt auf Papier. Darstellungsgröße: 17,5 x 11 cm. Blattgröße: 21 x 12,5 cm. Undatiert, im Stil des späten 15. Jahrhunderts.

Vgl. Bartsch 163, 771-795. – Seltener Neudruck eines Einblattholzschnitts aus dem späten 15. Jahrhundert mit dem bekannten Motiv des Markuslöwen. Das Schriftband mit dem Neujahrsgruß "Ein Gut Jahr Dit Hich (d. i. heute) beginne". – Verso mit leichten Montagespuren.

Stima
€ 350   (US$ 398)


Prezzo post-asta
€ 250   (US$ 285)


Horae Beatae Mariae Virginis
Stundenbuch. Handschrift auf Pergament. Bourges...

Lotto 809

Hochzeitsgeschenk von dem "Procurateur Général" des Königs von Bourbon
Horae Beatae Mariae Virginis. Lateinische Handschrift mit Kalender in französischer Handschrift auf Pergament. 114 Bl. 23 Zeilen. Schriftraum: 10,3 x 6,2 cm. Format: 17,3 x 11,2 cm. Mit hunderten 1-2-zeiligen Schmuckinitialen in blau- und rotgefüllten Kästen aus Pinsel- und Blattgold, zahlreichen Zeilenfüllern in Rot-blau mit weißem Federwerk, Kalendarium in roter, blauer und brauner Tinte, 5 Seiten mit reichen ornamentalen, floralen und grotesk-belebten breiten Schmuckbordüren in Gold und Farben sowie 5 kleinen und 11 ganzseitigen Miniaturen in Gold und Farben, diese jeweils mit dreiseitigen, überaus reich gestalteten belebten Bordüren. Pergament der Mitte des 17. Jahrhunderts (nur minimal abgegriffen, kaum fleckig) mit spanischen Kanten und 4 (erneuerten) Lederlitzen als Bindebänder. Bourges, Val de Loire, Ende des 15. Jahrhunderts.

Vollständiges, hübsch illuminiertes Stundenbuch aus der Gegend um Bourges im Val de Loire, worauf einige der im Calendarium aufgeführten lokalen Heiligen verweisen, beispielsweise Perpétue und Félicité, die in Saint-Georges-sur-la-Prée verehrt werden oder Saint Blanchard aus Nesle-la-Reposte, ferner Saint Boutoul, Saint-Thibault, Saint Famboux, Saint Hilaux, Saint Policarpe etc. Auch der Margeneintrage (s. u.) des Henry de Lapelin deutet auf diese Gegend und das Tal der Loire hin.

Inhalt

Blätter 1-12 Kalender mit traditionellem Heiligenbestand der Livres d’heures der Zeit in Rot-Blau-Braunschrift, 13-18 Evangelienlesungen aus Johannes, Lukas, Markus und Matthäus sowie den Orationes Mariae. Es folgen die Stundengebete.

Buchkünstlerische Ausstattung und Illumination
Das Kalendarium wurde mit brauner, roter und brauner Tinte in französischer Sprache geschrieben, wobei die Farben jeweils den Heiligen nach ihrer Hierarchie zugeordnet wurden (Bl. 1-12).
Es folgen die fünf kleinen 6-7-zeiligen Miniaturen mit den vier Evangelisten und Maria, jeweils im Rechteck (ca. 3,3 x 2,6 bzw. 3,6 cm). Diese Seiten sind jeweils mit einer reich geschmückten Bordüre begleitet, mit zahlreichen Blumen, Blüten, Ranken und Girlanden sowie 2 Vögeln und 3 apotropäischen Monsterchen.

Die 11 ganzseitigen Miniaturen sind jeweils in einem rot- oder goldlinigen Korbbogen gezeichnet, der die Szene, je nach ihrer Bedeutung umfängt. Eingefasst werden die jeweils ca. 9,2 x 6,4 großen szenischen Darstellungen von einer breiten Bordüre mit rot-blau-goldenen Akantusschlingen und verschiedenen Blumen auf goldenem Pinselgrund, jeweils im Wechsel als schräg versetzte Bänder gestaltet oder als Wellenbänder, als wuchernde Hecke, mit großen Goldpunkten- bzw. -blasen etc. In diesen köstlichen Bordüren finden wir neben dem floralen Ornament auch Vögel und phantasievolle Fabelwesen in amüsanten Farbverläufen, von Dunkel- über Hellblau zu Orange oder ein Monster in blauem Hermelin-Zottelpelz mit Reißern, Mähne und Goldborsten. Ein marineblaues Wesen mit goldenem Rücken, gelbgrünen Bauch und ins Azurblau changierenden Hals züngelt, den weiten Hals gereckt, nach einer rot-goldenen Rose, während ein erdfarbenes unten ein mit goldenen Nieten besetztes rotes Halsband trägt und sich zum Grasen anschickt.
Die Miniaturen sind bemerkenswert fein und nuanciert gemalt, wobei der Maler nicht nur mit seinen leuchtenden Gouachefarben, sondern auch mit den unterschiedlichen Arten des Goldauftrags geschickt jongliert: So benutzt er meist Pinselgold, mit dem er Höhungen der Gewänder, Heiligenscheine und Details räumlich herausgearbeitet, während er teils im selben Bild die Nimben der Maria und des Jesusknaben beispielsweise mit Blattgold unterlegt.

Kleine Miniaturen
1) Johannes auf Patmos, in der Natur auf seiner Insel.
2) Lukas mit dem Stier im Gehäuse
3) Markus mit dem Löwen im Gehäuse.
4) Matthäus mit dem geflügelten Menschen.
5) Die Jungfrau Maria mit dem Kinde als Eleusa.

Ganzseitige Miniaturen
1) Verkündigung Mariae
, stehend im Gehäuse, der Engel kniet, darüber die bemerkenswert große weiße Taube vor gotischem Maßwerkfenster.
2) Heimsuchung. Maria und Elisabeth stehen vereint in einer weiten Berg- und Seenlandschaft ohne weitere Vegetation.
3) Geburt Christi in einem kahlen Hof, der von einer braunen Mauer umgeben wird. Auch das die Gottesmutter schützende Gehäuse sieht eher nach dem Schilderhaus einer Kaserne aus, während der Heiland auf dem harten Boden liegt.
4) Verkündigung an die Hirten durch einen roten Engel, der der Luft vor einer Wasser-, Fels- und Burgenlandschaft schwebt und die drei Hirten blendet, während die weißen Schafe ruhig weitergrasen.
5) Epiphanias mit der Anbetung der Drei Könige, die dem Jesusknaben, kostbare Geschenke darbringen. Die breite Bordüre hier besonders hübsch mit einem orange-blauen Monster und einem hübschen gold-blauen Vögelchen.
6) Darbringung im Tempel. Vor drei farbig marmorierten Säulen in Blau, Rosé und Braungrau wird das Jesuskind dem Hohepriester überreicht. Auch hier ist die breite florale Bordüre bemerkenswert hübsch ausgestaltet, unten mit einem blauen Ungeheuer mit schwarzgoldnem Pelz.
7) Flucht nach Ägypten. Maria hält das streng gewickelte Jesusknäblein mit Kreuzesnimbus in ihren Armen, während sie schrägt auf dem Esel sitzt, der von Joseph vorangeführt wird. In der Bordüre ein phantasievolles graues Monster mit rotem Goldreif und oben ein hellblaues Monster mit gelb-grün-blauem Bauch.
8) Krönung Mariae. Blau gewandet kniet die Muttergottes mit großer Goldkrone vor Gottvater und Christus, die in roséfarbenen, schweren Mäntel in einer Halle mit goldenen Wänden und goldenen Maßwerk-Triforien sitzen. Jesus hat die Kreuzkugel als himmlischen Reichsapfel in der Hand, die ebenso wie die Nimben in schillerndem Blattgold gehalten sind.
9) Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes, im Hintergrund die Türme der hochgebauten Stadt Jerusalem, in der Bordüre ein orangefarbenes Ungeheuer und ein prächtiger radschlagender Pfau.
10) Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes: Maria führt die Schar der Jünger Jesu an. Im Rand ein Pfau und ein braunes Ungeheuer.
11) Betender König David im Hof seines Palastes. Die Mauer ist dieselbe der Geburtsszene, links der mächtige Palast mit Türmen und Toren. Oben schwebt der Engel mit dem Schriftband.

Die Miniaturen stammen von einem noch näher zu bestimmenden Meister oder aus einer noch zu identifizierenden Schule der Gegend um Bourges. Sie fallen durch ihre malerische Qualität und überaus nuancierte Farbigkeit auf, etwa in den abwechslungsreichen Gesichtern mit verschiedenen Bärten und Haaren, die oftmals goldgehöht sind oder mit mehreren schwarzen, grauen und braunen Haarpinselstrichen akzentuiert wurden (z. B. bei der Darbringung, der Marienkrönung, der Flucht). Auch die Gestaltung der Hintergründe mit Landschaften, Architekturen und Innenräumen verdient besondere Betrachtung. Die Farbpalette weitet sich von satten roten, blauen, grünen Tönen zu zahlreichen Mischfarben, wie Purpurrot, Altrosa, Rosé, Gelb, einem leuchtenden Orange, alles immer wieder mit Pinselgold gehöht. Besonders schön sind die Einsprengsel des reflektierenden, schimmernden Blattgoldes, mit dem die Heiligenschein, aber auch der Reichsapfel und anders ausgezeichnet sind.

Auf den letzten 9 weißen Blättern am Schluss finden sich noch Texte von Gregorianischen Chorälen, von einer anderen Hand: der "Versus alleluiaticus" mit dem "Canta Laurentius bonum opus operatus est, qui per signum crucis caecos illuminavit...", ferner "Salva Regina": "Omnipotens sempiterne Deus, qui gloriosae Virginis Matris Mariae corpus et animam", auch die Antiphona "Deus, propitius esto mihi peccatori..." findet sich sowie "Amicus Dei Nicolaus pontificali decoratus insula omnibus se amabilem". Es folgen weitere Gesänge "De sancta magdalena": "Maria ergo accepit libram unguenti nardi pistici pretiosi unxit pedes Iesu et extersit capillis suis pedes eius et domus impleta est ex odore unguenti", "De sancto Sebastiano", "De Sancto rocho", "De sancta barbara", "De sancta margaretha". Auf dem letzten Blatt recto: "Orationes beati gregorii pape".
– Nur vereinzelt minimal gebräunt oder braunfleckig, insgesamt sehr sauber und frisch erhalten, unwesentliche Farbabplatzungen oder Oberflächenläsuren, alt beschnitten (wenige zeitgenössische Einträge teils leicht überschnitten). Das pergamentene Vorsatzpapier mit Sepiaeinträgen des 18. Jahrhunderts mit französischen Gebetversen und einem ligierten Monogramm des Henry de Lapelime & Susanne de Laval. Das Stundenbuch wurde wohl schon 1650 stilvoll eingebunden in einen schlichten Pergamentband, um einem hohen französischen Adelingen als Hochzeitsgeschenk zu dienen. So findet sich auf Seite 8verso des Calendariums ein 21-zeiligem Randeintrag in Sepiatinte aus dem Jahre 1650, in dem eine Hochzeit angekündigt wird, bei der der oberste Gerichtsvorsteher, der Procurateur Général des Königs von Bourbon, Henry de Lapelin sich mit Susanne Delaval vermählt:. Dieser Eintrag ist die Marge ausnutzend, nicht wie die wenigen älteren Einträge überschnitten, d. h. dass er sicherlich direkt nach der Neubindung geschrieben wurde:
„Le 21. Aoust mil-six cents et cinquant furent accordés et fiancés Henry de Lapelin proc[ureu]r g[é]n[éra]l[e] du Roy en Bourbonoys et Susanne Delaval le contract passé … en la maison du sieur de Laval cap[itai]ne du parc les moulins, où astoient mon[sieu]r de Masaron senechal du diet par le sieur de Laubuspin lieutenant sul audict pays oncle du diet sieur du lapelin quy porta la parolle les s[ieu]re coyffiers, oncle Bardon … et autres“.

Stima
€ 18.000   (US$ 20.520)


Aggiudicato per € 17.000 (US$ 19.380)

Heures a lusage de Paris
Paris, Guillaume Eustache, 1509

Lotto 810

"Heures a lusage de Paris toutes an long sans riens requerir: imprimez nouvellement pour Guillaume eustache demourant a Paris en la rue de la iuifrie au deux sagitteres: ou au pallaiz au troysieme pillier". Spätmittelalterliches gedrucktes Stundenbuch auf Pergament. 123 (statt 128) Bl. Satzspiegel 12,8 x 8,2 cm. Format 16,4 x 10,8 cm. Mit großer kolorierter und goldgehöhter Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel, Hunderten von 1-3-zeiligen Initialen in Gold auf blauem oder rotem Grund, Zeilenfüllern und jeweils einer individuell gestalteten breiten Zierleiste sowie 14 (statt 19?) ganzseitigen Miniatur-Holzschnitten und 12 viertelseitigen Holzschnitten, alle reich illuminiert in deckenden Farben und mit Gold, teils auch mit Silber. Schwarzes Maroquin vom Anfang des 17. Jahrhunderts (Rücken mit wenigen winzigen Fehlstellen, leicht bestoßen) mit reicher floraler RVergoldung, dreifachen goldgeprägten Deckelfileten und feinsten Eckfleurons. (Paris, Guillaume Eustache, 1509).

Sehr seltenes, für uns nicht in öffentlichen Bibliotheken nachweisbares gedrucktes und überaus reich illuminiertes Stundenbuch nach dem Gebrauch von Paris. Die prachtvolle Druckermarke des Guillaume Eustache zeigt zwei mit Schilden und Bogen gewappnete Kentauren, die unter einem Baum mit goldenen Früchten, den Wappenschild mit der ligierten Marke des Druckers "GE" präsentieren.
Auch wenn Brunet die zumeist fehlende Bordüren- und Randleistenausstattung der späteren, vor allem der gedruckten Stundenbücher bedauert ("Quoiqu'elles soient presques toutes dépourvues de bordures, les heures de ce librairie sonst encore justement recherchées ..."), so bildet das unsrige eine prachtvolle Ausnahme - und gibt ein Beispiel dafür, dass die hohe Kunst der Illumination, auch der eigenständigen (denn hier sind die Bordüren nicht als Holz- oder Metallschnitte eingefügt) Illumination immer noch perfekt beherrscht wurde.

Den Stundengebeten geht der Heiligenkalender auf 14 Jahre ("Almanach pour xiiii ans"voraus (fol. 1v-7v)
Vom Text her interessant sind vor allem die "Quatrains" zum Kalendarium und eine "Orayson de saint fiacre" am Schluss. Vor einem Pariser Gasthaus, das mit dem Bilde dieses Stadtheiligen geschmückt war, pflegten sich die ersten Pariser Mietsdroschken aufzustellen, woher der Namen Fiaker rührt, der sich dann europaweit ausbreitete. Der heilige Fiacrius von Meaux (auch Fiacrius von Brie, Fiacre, Fèfre, Fèvre, Fiachra, Fiachrach) lebte ungefähr von 590 bis 670 als Einsiedler, der im 7. Jahrhundert aus Irland nach Frankreich gekommen war um dort zu missionieren und das sog. „grüne Martyrium“ zu finden.

Die illuminierten Holzschnitte im Einzelnen:
Verlegermarke (fol. 1r), Martyrium Johannes des Täufers (8v), Verrat Christi mit dem Judaskuss (11v), Verkündigung Mariae (16v), Augustinus und die tiburtinische Sybille (26v), Geburt Christi (34v) Verkündigung an die Hirten (38v), Anbetung der Heiligen Drei Könige (41v), Darbringung im Tempel (44v), Krönung Mariae (51v), David und Uria (54v), David und Bathseba (55r), Jesus und Lazarus (63v), Trinität (84r),
Die kleineren Holzschnitte mit Szenen aus den Vitae Sanctorum, dem Kampf des heiligen Michael mit dem Teufel (91v), Enthauptung Johannes des Täufers durch Salomé (92r), die heilige Barbara mit Turm und Kelch (92r), Ahasver for David? (92v), Enthauptung des Apostels Jakob (93r), heiliger Nikolaus (94r), heiliger Claudius (94v), heiliger Antonius (95r), heilige Anna mit der kleinen Maria (96r), Maria Magdalena (96v), heilige Margarete (97r), heilige Barbara (97v),

Über die Seltenheit des vorliegenden Drucks vgl. schon einen Eintrag der Revue des sociétés savantes: "M. Lhuillier, dans un travail court et substantiel, a fait connaître un livre d'heures imprimé en 1509 sur vélin en liettres gothiques, dont l'exemplaire, conservé à Melun chez un particulier, est peut-être unique. Ce livre a une date, il port un nom d'éditeur (Guillaume Eustache, demeurant à Paris, rue de la Juiverie), mais il manque de nom d'imprimeur" (Revue des sociétés savantes de la France et de l'étranger Band V, 1867, S. 161). – Es fehlen vermutlich fünf Blätter (C8, D1, E8, M1-2), sicherlich mit weiteren ganzseitigen Miniaturen. Im Kanon der Gebetsbuchillustrationen fehlen Mariae Heimsuchung, Kreuzigung, Grablegung, Beweinung und Auferstehung, zentrale Szenen des Heilsgeschehens. Blatt 26 (Sybille) mit winzigem Loch (im blauen Gewand des Augustinus), kaum fingerfleckig oder mit Gebrauchsspuren, lediglich etwas knapp beschnitten im 17. Jahrhundert (leichte Randverluste der Bordürenleisten), insgesamt sehr sauber und frisch und mit den Illuminationen in leuchtenden Farben und feinstem Pinselgold (kaum Abplatzungen). Blatt 26r ein wohl zeitgenössischer handschriftlicher Besitzeintrag einer bürgerlichen (!) Dame "Clemence Cordier femme de ysaac basille marchant de provins". Ein weiterer Besitzvermerk findet sich auf dem Titel: "A. Grillon D. M. 1678". Vor den Block vorne sind noch zwei weitere Pergamentblätter eingebunden mit vier Seiten liturgischen Gesängen auf rotem Vierliniensystem mit schwarzer Quadratnotation zum Osterfest: "In die Sanctissimo Pascha", hinten entsprechend weitere 12 Pergamentblätter und folgend noch 4 Papierblätter, darauf weitere liturgische Gesänge für den Advent, zum Officium des Heiligen Theobald, der "Missa Sancti Rochi" und Vespergesängen, alles aus dem 16. Jahrhundert. Die vier Papierblätter enthalten zusätzliche Stundengebete in französischer und lateinischer Sprache. Auch die marmorierten Vorsätze sind auf den weißen Rückseiten als Textträger gebraucht. Interessant ist hinten auf den Pergamentblättern 8 und 9 ein hs. Bericht über eine Prozession, die in Provinz (einer Gemeinde im heutigen Département Seine-et-Marne in der Region Île-de-France) am 14. VII. 1675 stattfand, und bei der ein "Eustache Grillon Medecin" genannt wird. Ein dritter Besitzer, eine "Citoyen Piar", hat einen Kaufvermerk vom 13. IV. 1793 auf dem 7. Pergamentblatt eingetragen. Modernes Exlibris auf dem hinteren Innendeckel.

English: Very rare printed and richly illuminated book of hours, never recorded in any public library. With larg coloured and gilt woodcut printers device on title page, some hundres of 1-3 line gold initials, illuminated line filler bars, broad ornamental strips and 14 (instead of probably 19?) full-page miniatures in woodcut, furthermore 12 quarter-page woodcuts, all lavishly illuminated in beautiful colours, partly with gilding and silver. Bound in black Morocco of the beginning of the 17th century (back cover with few minimal losses, slightly scuffed). With rich floral gilt spine, threefold golden cover fillets and corner fleurons.
Five leaves are probably missing (C8, D1, E8, M1-2), presumably on which we once met further full page miniatures, as compared with the usual sequence of mediaeval book of hours there is no depiction of the St. Mary’s Visitation, Crucifixion, Entombment, Lamentation and Resurrection. Leaf 26 (Sybille) with small hole, hardly any fingerstains of signs of wear. In the 17th century, the block seems to be cut a little bit narrowly to edge (minimal loss of marginal borders), altogether a very clean, fresh and beautiful copy with the wonderful, shiny illustration in luminous colouring and finest brush gold (hardly any rubbing).

Leaf 26r with an autograph entry of a bourgeois lady "Clemence Cordier femme de ysaac basille marchant de provins". Another entry on title page: "A. Grillon D. M. 1678". On two, at beginning bound-in parchment leaves we find four pages with liturgical chants: "In die Sanctissimo Pascha", at the end some more 12 parchment leaves with further vocals, e. g. for the “Officium of Saint Theobald, "Missa Sancti Rochi" and vesper chants of the 16th century Jahrhundert. Added are some additional prayers for the hours. On leaf 8 and 9 we find a report about a procession in the provinz of today’s Département Seine-et-Marne in the region Île-de-France), which took place the 14th July 1675, mention among others a certain "Eustache Grillon Medecin". A third owner is the "Citoyen Piar" with a buyer’s entry of 13th April 1793 (leaf 7).

Stima
€ 8.000   (US$ 9.120)


Prezzo post-asta
€ 19.000   (US$ 21.659)



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