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Homann, Johann Baptist
Neuer Atlas bestehend in einig curieusen Astron...

Lotto 7

Homann, Johann Baptist. Neuer Atlas bestehend in einig curieusen Astronomischen Mappen und vielen auserlesenen allerneuesten Land-Charten über die Gantze Welt. 2 Bl. (Titel und Register). Mit koloriertem Kupfertitel, gestochener TVignette und 100 doppelblattgroßen (davon sind 4 zu 2 mehrfach gefalteten zusammenmontiert) grenz- und flächenkolorierten Kupferstichkarten und Tafeln (Globen, Salzburg, Schlaguhr). 51 x 31,5 cm. Halbleder d. Z. (Rücken und Gelenke brüchig, mit Einrissen und Fehlstellen, stärker beschabt und bestoßen). Nürnberg, Selbstverlag "In Verlegung des Auctoris", 1711.

VD18 12988286-n03. Vgl. Phillips 577 und Sandler 58. – Der bedeutende, von Johann Baptist Homann (1664-1724) selbst bearbeitete und herausgegebene "Atlas Major", der "Große Atlas der ganzen Welt", der erstmals 1707, dann 1711 und 1712 erschien. Der Kupfertitel mit dem Kartuschentext: "Atlas novus terrarum orbis imperia, regna et status exactis tabulis geographice demonstrans, operâ Johannis Baptistae Homanni Norimbergae.", ohne Jahreszahl, da dieser Titel allen Ausgaben beigebunden werden konnte. Die Kupferplatten wurden von dem niederländischen Kupferstecher Caspar Luiken (1672-1708) gestochen.

Vorhanden sind die Sphärenkarten mit den drei Standgloben, sieben Sternkarten, die Weltkarte in zwei Hemisphären, zwei Europakarten, Asien, Afrika, Amerika, Nordamerika, 21 europäische Länderkarten mit England, Irland, Schottland, Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und der Schweiz, 37 Karten der deutschen Gebiete mit Österreich, ferner 23 Karten der Niederlanden mit Holland, Belgien, Luxemburg, Braband und Flandern, Grafschaft Hennegau, Griechenland, Kreta, Türkei, Ungarn, Skandinavien mit Norwegen, Schweden und Finnland, Dänemark, Ostpreußen, Polen, Russland und dem Heiligen Lande.

Alle Karten sind, laut Untertitel "Erstlich vorgestellt Nach Copernicanischen Grund-Satz der Bewegung des Himmels in dem Systemate Solari, und Ephemeridibus motuum Caelestium Geometricis Des Hochgelehrten Herrn Johann Gabriel Doppelmayrs allhier Nach der natürlichen Beschaffenheit und Geographischen Eintheilung der mit Wasser umgebenen allgemeinen Erd-Kugel in ihre besondere Monarchien, Königreiche, Staaten und Länder etc. Mit Anmerckung Aller bissher an denen eussersten Welt-Enden geschehenen neuen Land-Entdeckungen aus denen vortrefflichsten Geographis und Auctoribus dieses Seculi zusammen getragen und ausgefertiget von Johann Baptista Homann". – Kupfertitel gelöst und mit größerem Riss, komplett hinterlegt, typogr. Titel mit Wasserrand, dieser, das Register und mehrere Karten mit älteren Randverstärkungen, hinterlegten Ein- und Ausrissen (wenige Stellen auch mit Klebestreifen fixiert, meist aber ohne Darstellungsverlust), die ersten Himmelskarten sowie die Hemisphärenkarte mit mittlerem Falzriss, einige Karten neu angefalzt, die Karten 63 und 64 sowie 66 und 67 "Ducatus Wurtenbergensis" bzw. "Franconia", bestehend aus "partes orientalis et occidentalis" sind jeweils zu einer vielfach gefalteten Karte zusammenmontiert (diese mit mehrfachen Falzrissen und gravierenderen Einrissen, wenig Verluste), Gebrauchsspuren wie Fingerfleckig, Sprenkelflecke, Braun- und Feuchtränder, meist aber sind die Karten wohlerhalten, frisch und in überzeugenden, leuchtenden Farben, teils sogar mit Eiweißglanz sorgsam koloriert. – Begebunden zwischen Karte 54 und 55 ist eine zusätzliche Karte aus der Homannschen Offizin: "Prospect und Grundris der Keiserl. Freyen Reichs- und Ansee Stadt Hamburg, samt ihrer Gegend" mit dem Stadtplan als Grundriss und den ganzen Elbearmen sowie der grandiosen großen Stadtvedute "Prospect der Stadt Hamburg gegen Mittag anzusehen". Ferner am Schluss beigebunden ist die ebenfalls doppelblattgroße Tafel mit den "Flaggen aller seefahrenden Potenzen und Nationen in der gantzen Weldt".

Stima
€ 12.000   (US$ 13.679)


Aggiudicato per € 7.000 (US$ 7.979)


» Geografia
Ortelius, Abraham
Theatrum orbis terrarum

Lotto 10

Ortelius, Abraham. Theatrum orbis terrarum. Tabulis aliquot novis vitaq. auctoris illustratum. Editio ultima (mit Parergon und Nomenclator Ptolemaicus). 3 Teile in 1 Band. 22 Bl; 4 Bl., 2 (zwischengeb. XII, XVI) Bl.; 30 S. Mit fast blattgroßem Titelkupfer, Kupfertitel (beide in Pag.) und gestochener TVignette, blattgroßem gestochenen Wappen, Holzschnitt-Epitaph und gestochenem Porträt, mehreren Münz-Holzschnitten sowie 154 (statt 156) doppelblattgroßen Kupferstichkarten (inklusive 3 Ansichten und 2 Trachtentafeln). 43 x 29 cm. Pergament des 18. Jahrhunderts (unteres Kapitel abgeplatzt, Gelenke teils offen, leicht geworfen, beschabt und bestoßen) mit goldgeprägtem Rückentitel. Antwerpen, Joan Baptist Vrients, 1603.

Koeman III.A 31:053. Philips-Le Gear 419. – Die seltene "Editio ultima", in der gesamten Editionsreihe die vierzehnte und drittletzte, um sechs Karten erweiterte lateinische Ausgabe, die zweite bei de Vrients Erschienene. 1601 hatte der Drucker Jan (Johann) Baptist Vients die originalen Kupferplatten gekauft und damit 1602 eine spanische und 1603 eine erste lateinische Ausgabe herausgebracht. "This is the most advanced Latin edition published by Vrients" (Koeman).
"The unique position held by Ortelius' 'Theatrum' in the history of cartography is to be attributed primarily to its qualification as 'the world's first regularly produced atlas' ... Shape and contents set the standards for later atlases" (Koeman 1969, III, 29).

Das "Theatrum" enthält im Hauptteil 117 (statt 118) Karten: Welt, 4 Kontinente u. Pazifik, Europa (97 statt 98), Amerika (3), Asien (6) und Afrika (4). Im Parergon 32 (statt 33) Karten der Alten Welt, 2 Tafeln mit den Trachtendarstellungen und Wappen der Kaiser, Kurfürsten und Fürsten des Heiligen Römischen Reiches sowie 3 Ansichten ("Tempe Thessalica", "Daphne Antiochiae Suburbium" und eine Vogelperspektive des "Escorial"). – Es fehlen die Karte 114 Terra Sancta (Koeman 31:053,114) und im Parergon Karte V Abrahami Patriarchae Peregrinatio (Koeman 31:053,119). Die Weltkarte mit kleinem Falzausbruch und 2 winzigen Wurmlöchlein sowie minimalen flecken und mit kleiner Bugverstärkung im weißen Rand unten. Wenige Karten mit winzigen Dünnstellen oder kleinen, teils hinterlegten Randeinissen, teils alt hinterlegt (ca. 8 Karten mit unwesentlichen Läsuren, darunter eine mit geschlossenem Durchriss, winzigen Randlöchlein, Tintenfleck oder etwas stärker fleckig etc.) nur die Europa-Karte mit leicht gewölbtem Knickfalz, sonst durchgehend im Papier gut bis hervorragend gut erhalten, wie üblich papierbedingt gleichmäßig leicht, selten etwas mehr gebräunt, kaum Finger-, Braun- oder Stockflecke, im Block nahezu durchgehend sauber und frisch, die Karten überall in starkem, kontrastreichen und gratigen Abdruck von hervorragender Qualität und bester Detailliertheit.

Stima
€ 36.000   (US$ 41.040)


Aggiudicato per € 28.000 (US$ 31.919)


» Geografia
Seutter, Matthäus
Atlas novus indicibus instructus, Oder Neuer mi...

Lotto 14

In prachtvoller Frische und bester Erhaltung - mit dem originalen Pergament-Griffregister
Seutter, Matthäus. Atlas novus indicibus instructus, Oder Neuer mit Wort-Registern versehener Atlas, Bestehend in 50. Seutterisch-Geographischen Haupt- und Special-Tabellen ... heraus gegeben von Matthaeo Roth. 7 typographischen Bl., (Titelblatt in Rot und Schwarz, Widmung und 5 Textbl.) und 50 (43 doppelblattgroße) typographische Tabellen. Mit koloriertem Kupfertitel, doppelblattgroßer kolorierter gestochener Widmung sowie 53 doppelblattgroßen kolorierten Kupferstichkarten. 53,6 x 34,2 cm. Leder d. Z. (etwas stärker abgeschabt und bekratzt, Gelenke brüchig, Rücken und Deckel mit Bezugsfehlstellen, stärker bestoßen) mit goldgeprägtem Rückenschild. Wien, Johann Peter van Ghelen, 1730.

Der "Neue Atlas Mayor" von dem großen Kartografen, Kupferstecher und erfolgreichen Verleger Matthäus Seutter (1678-1757), der neben den höchst detailliert gestochenen und daher äußerst zuverlässigen und besonders begehrten Karten auch noch die typographischen Legenden als "Alphabetische Indices, Worinnen angezeiget wird, wie alle die jenige Oerter und Wörter, so in der von Matthaeo Seütter ... gedrucktet seynd, also gleich gefunden werden können". Seutter führte ein Koordinatensystem aus Groß- und Kleinbuchstaben auf den Rahmen der Detailkarten ein, die das schnelle Auffinden der einzelnen Orte ermöglicht.
Gegenüber allen anderen der zahlreichen, auf dem Markt befindlichen Atlanten, von den großen Niederländern über die Franzosen bis hin zu Johann Baptist Homann zeichtete sich der "Seutter" durch den größten praktischen Gebrauchsswert aus.

Enthalten sind je eine Himmels- und eine Weltkarte, 4 Erdteilkarten, Gesamt- und Detailkarten der europäischen Länder, darunter Deutschland (12), Österreich (7), Schweiz, Italien (7), Frankreich (3), Skandinavien u. v. m. Der Fehler im Inhaltsverzeichnis, wo unter Position 32 und 33 zwei Frankenkarten angegeben sind, ist hier mittels einem kleinen, in derselben Type neu gedruckten und sauber aufmontierten Zettelchen korrigiert, so dass es nun richtig heißt: "32. Luxemburgicus Ducatus" und "22. Franconicus Circulus".
Von Himmels- und Weltkarte abgesehen wird jede Karte durch ein nachfolgendes "Particular-Register" (so im Kartenverzeichnis genanntes Indexblatt) erschlossen, das in 43 Fällen doppelblattgroß ist.

Das am Ende des Vorspanns abgedruckte Karten-Verzeichnis gibt 50 nummerierte Karten an; hierbei bleiben die anfangs eingebundene Himmelskarte und die Weltkarte in der Nummerierung jedoch unberücksichtigt; die Rußlandkarte ist in dem vorliegenden Exemplar wegen ihrer Übergröße (60,5 x 101 cm!) eingefaltet (in anderen Explaren ist sie auf zwei Doppelblättern aufgeteilt, so dass sich eine abweichende Kollation ergibt). Ein eigener Generalregisterband sollte später noch separat erscheinen, hier nicht vorhanden. – Mit kleinem alten Sammlerstempel, ganz vereinzelt minimale Braun- oder unwesentliche Feuchtfleckchen, kaum irgend gebräunt, wenige kleine Randstege mit Ausriss, ohne jeglichen Darstellungsverlust, lediglich die mehrfach gefaltete Russlandkarte mit Falzrissen, sonst kaum je ein Riss, einige wenige Tafeln mit kleinem Wurmgang im weißen Rand.
Mit dem originalen Griffregister, das der Verlag in derselben Typographie und auf Pergament gedruckt zur Verfügung stellte. Es mussten nur die Streifen geschnitten werden, zu Laschen gefaltet und an die Karten einmontiert werden. Auf den Laschen ist die Zahl der jeweiligen Karte und eine bis Abkürzung bis zu vier Buchstaben gedruckt: "2. Asia.", "3. Afri.", "4. Amer.", "5. Por.", "6. Hisp.", "7. Gal.", "Bel.C.", "9. Bel.F.", "10.Ang.", "11.Dan.", "12.Suec.", "13.Mosc.", "14.Tur." und so weiter.
Insgesamt ein bemerkenswert schönes Exemplar in außergewöhnlicher guter Erhaltung, zeitgenössisch gebunden und mit den herrlichen Karten, die durchgehend auf festem, starkem und fast kartonmäßigen Büttenpapier abgezogen wurden. Alle Karten in minutiös ausgeführtem, exakten zeitgenössischen Grenz- und Flächenkolorit, in leuchtenden Farben, in Rot, Rosé, Orange und Hell- wie Dunkelgrün, Hell- und Dunkelrot, Gelb und so fort.

Stima
€ 14.000   (US$ 15.959)


Aggiudicato per € 8.000 (US$ 9.120)


» Geografia
Odenheim im Kraichgau
Gebetbuch. Deutsche Handschrift auf Papier

Lotto 503

Odenheim im Kraichgau. - Gebetbuchhandschrift. Deutsche, rheinfränkische Handschrift auf Papier. Zusammenstellung von 10 Faszikeln aus verschiedenen Oktav-Gebetbücher vom Ende des 15. Jahrhunderts, zum Teil datiert: 1478-1480. 206 Bl., gez. S. 1-408. Mit zahlreichen, in Rot eingemalten hübschen Initialen, Lombarden, Überschriften und Textzeilen. Kl.-8°. 11,5 x 9,5 cm. Neubindung (Ende 15. Jh.) über Pappdeckel, bezogen mit Pergamentfragment aus einer neumierten (Quadratnotation) Antiphonalehandschrift des 14. Jahrhunderts in 2° mit Pergamentfalzen in den Deckeln aus einem Gebetbuchkalendar aus dem 14. Jahr. Buchblock beschnitten mit geringen Textverlusten, Schnitte gesprenkelt. Alle Faszikel üblich rubriziert, zum Teil größere Initialen mit Sonnenemblemen (S. 1, 316, 331). Rheinfranken, wohl Kloster Odenheim 1478-1480.

Interessante Zusammenstellung deutscher Texte aus mehreren spätmittelalterlichen Handschriften, die in Klöstern im rheinfränkischen Raum entstanden - und hier als Sammlung zusammengebunden wurden. Die Texte sind eindeutig dem rheinfränkischen Dialekt zuzuordnen, was eine Lokalisierung der Handschrift auch noch ins Kraichgau zuließe. Mehrere der Faszikel deuten auf eine möglicherweise noch präziser zu lokalisierende Herkunft hin. So wird in Faszikel 2 ein "Ditherus Odenheyn" und in Faszikel 5 ein "Vlricus episcopus" erwähnt, Namen die unter den Äbten des heutigen Ritterstifts Odenheim im rheinfränkischen Kraichgau vorkamen. So stand ein Ulrich von Finsterlohe dem damaligen Benediktinerkloster Odenheim just in den Jahren 1472-1491 vor, der Text ist auf 1480 datiert. Das um 1110-1118 auf dem Wigoldesberg gegrünete Kloster wurde noch vor 1150 in ein Tal bei Odenheim umgesiedelt, erst 1494, also nach dem Entstehen der Handschrift, wurde es dann in ein weltliches Chorherrenstift umgewidmet, 1507 wanderte dieses nach Bruchsal, während die Klostergebäude im Bauernkrieg im Jahre 1525 geschleift wurden. Die Handschrift gliedert sich in 10 Faszikel:

1. Faszikel. S. 1-97 Passion, Auferstehung, Himmelfahrt Jesu als Kompilation der 4 Evangelientexte (Evangelienharmonie). Da Jesus disse wort gesprochen hatte do gieng er mit sinen jungeren in ein dorf Das hieß Gethsemane ... Amen. 148[0]. Nach Mt 26,36-56.

2. Faszikel. S. 99-125 'Dis sind die hundert ermanunge vnd begerunge ...' Der do begeret kurtzlich ...Amen. Ditherus Odenheyn. etc (14)80. Im zwischen 1110 und 1118 gegründeten Benediktinerkloster zu Odenheim auf dem Wigoldesberg trugen drei Äbte den Namen Dieter bzw. Dietrich: Dieter von Helmstatt (1377-1398), Dietrich III. von Venningen (1398-1424) und Dieter II. von Angelach (1424-1445), von denen der Text stammen kann.

3. Faszikel.
S. 127-137 Gebete zur Non, Gedanken an die Todesstunde Christi. 'Dise gebet sprich zu non zit ...' O lieber Herre Jhesu Crist ich ermane dich dines bittren vbertreffenlichen lidens ... Amen. Sabbatho ante Michaelem 1478. Hora secunda.

4. Faszikel S. 141-150 Fronleichnamsgebete. Caro mea vere est cibus ...Wyr lesent hüt in dem heilgen evangelio ... (S. 147). Anschließend: Von der heilgen messe. Sant Peter spricht das got von allen dingen ... Fier ding sint die man eren soll ...

5. Faszikel.
S. 151-201 Über die heilige Messe. Wussent das die heylige messe ...dry teile hat ... Amen. Bitte für den schriber durch Jhesus. etc. lxxx Vlrici. (S.179) am Rand: 1480 Vlrici episcopi. Möglicherweise handelt es sich um Bischof Ulrich von Finsterlohe, der als Abt dem Kloster Odenheim von 1472 bis 1491 vorstand.

6. Faszikel.
S. 207-228 Gebete zum Empfang des Sakraments 'Hie wiil ich dir sagen wiie sich der mensch ... sol zu dem heilgen Sacrament bereitten ...' 'E du zu dem Sacrament gest ...' (S. 228 Text bricht ab). S. 229-239 Passionsgebete an Maria.

7. Faszikel.
S. 245-308 Über die rechte Beichte. Es sint vil menschen die ir bichte wenig oder gancz mit (=nit) hilffet ... zu abloß der sunden dies gehort Das ist das die ruwe recht sige mit Berufung auf Bonaventura und Bernhardus ... (Blattverlust nach S. 282). Amen.

8. Faszikel.
S. 309-356 Verschiedene Gebete an Maria zum Sakramentsempfang und zu Fronleichnam: S. 338 Disses sind zwelff nütze so ein yeklich mensche hat ... der verdienet grosen bäpstlichen opplaß. Amen. S. 352-356 kursive Nachträge: Ain hochgelerter doctor hat geprediget im concilio zu Basel ... und Mariengebete. ... Amen 'Frater Sigismundus regule sancti Francisci'.

9. Faszikel.
S. 357-382 5 Gebete zu Fronleichnam und weitere Gebete: O Herre ich wil hütte dinen heiligen schön licham empfohen ...

10. Faszikel.
S. 383-408 Ermahnungen zum klösterlichen Leben und zum Leiden. Es ist ouch nit alwegen zu schelten wan ein yeglicher mensch der bewäre sich ... vnd solt In ein closter gen das beschlossen sy ... (S. 395) Hye nach merck etsliich stücke von lyden ... Got mache gut dem schriber sin end. Amen. 1480 Magdalene. Am Ende der meisten Faszikel Federproben und Alphabete von kursiver kritzelnder Hand. – Kleine Gebrauchsspuren, wenige Blätter etwas rissig oder beschabt, einige Faszikeln etwas stärker beschnitten, andere aber sehr breitrandig, mit Finger- und Tintenfleckchen sowie -wischern, hin und wieder alte Verstärkungen und Überklebungen, nur vereinzelt unwesentliche Feuchtfleckchen, alle zehn Faszikel in unterschiedlichen, mal groberen, mal feineren Bastarda-Schriften, meist sehr sauber und gut lesbar.

Stima
€ 8.000   (US$ 9.120)


Aggiudicato per € 11.000 (US$ 12.539)


» Libri del Cinquecento
Madonna mit Kind
Initialminiatur "C" einer Antiphonale-Handschrift

Lotto 510

Madonna mit Kind. Initialminiatur "C" einer Antiphonale-Handschrift. Miniaturmalerei in farbiger Gouache und reichem rahmenden Blattwerk mit Blattgold auf Pergament. Initialgröße ca. 16 x 13 cm, Balken 28 cm. Bildgröße ca. 14 x 9 cm im Oval. Blattgröße ca. 30 x 20 cm. Norditalien, 1. Viertel des 15. Jahrhunderts.

Miniaturmalerei in höchster Qualität von einem mittelitalienischen Meister, ganz in der Tradition der berühmten Madonnendarstellungen seit Pietro Perugino und Raffaello Sanzio: Die mit bestickter, mauvefarbener Tunika in einen hellen blauen Mantel gekleidete Muttergottes faltet anbetend ihre Hände über dem vor ihr auf einem Tuch liegenden Christuskind, das sie mit leicht nach unten gebeugten Kopf liebevoll anschaut. Ihre hellbraun gewellten Haare werden von einer weißen Bänderhaube gehalten, über ihrem Kopf der goldene Nimbus.

Das Jesuskind ist in ein durchscheinendes Tuch gewickelt, der Oberkörper ist nackt, die Händchen sind verspielt an Bäuchlein und Kinn gelegt, so schaut es neugierig aus dem Bild heraus. Dargestellt ist die Szene in einer orientalischen Landschaft mit vier mächtigen Palmen im Hintergrund, die zusammen mit einem angedeutenten Zickzackzaun den "Hortus conclusus" begrenzen. Dahinter eine Berglandschaft mit einem breiten Fluss. Die Rasenfläche (mit allerhand phantasievollen grünen Gräsern) bricht vorne vor dem Kind als Scholle schroff ab.

Der Himmel über der Szene ist nachtblau und mit einigen wenigen weißen Wolkenstreifen versehen. Die gekonnte Figurendarstellung in ihrer überzeugenden Körperlichkeit mit vollendeten Proportion, die vornehme, fast zurückhaltende Farbigkeit, die Konzentration auf die Hauptszene, die gekonnte Modellierung der Gesichter ebenso wie die überaus feine Detailzeichnung - beispielsweise in der Goldborte des Mantels Mariens, der zarten Weißhöhung an den Ärmeln, die Darstellung von transparenten, schleiermäßigen Tüchern auf dem Kopf und am Hals der Madonna sowie in der Wickelung Jesu und nicht zuletzt die grandios schönen, schlanken Hände Mariens - all das spricht für die Urheberschaft der Miniatur durch einen Meister, der die großen Vorbilder der italienischen Kunstgeschichte eingehend studiert und auf geniale Weise umzusetzen verstanden hat.

Eingepasst ist die Miniatur in einen voluminösen Rahmen aus üppigem Akanthus in Blau, Rot und Grün. Der C-Balken in schimmerndem Gold, der Schwungbalken in zartem Gelb mit einem Kymation oder Perlstab in Rotbraun. Links wächst sich die Bordüre in einem blauen Abhänger mit weißer Binnenzeichnung aus, an dem drei Distelblüten wie Troddeln hängen, umspielt von feinstem grünen Feder- und Blattwerk. Akzentuiert und umgeben wird der Akanthusrahmen mit zahlreichen punkt- und tropfenförmigen "guttae", reliefartig ausgearbeitet in leuchtendem Blattgold und teils mit schwarzer Konturhöhung.

Es handelt sich wohl um eine spätmittelalterlich-frühneuzeitliche liturgische Handschrift. Unter der romanischen Quadratnotation auf vierfachem roten Liniensystem finden sich das Textfragment "piscatores. Nec...", wobei es sich möglicherweise um eine Stelle aus den Miraculis S. Martini handelt ("Sed quid timeo rusticitatem meam, cum dominus redemtor et Deus noster ad destruendam mundanae sapientiae vanitatem non oratores, sed piscatores, nec philosophos, sed rusticos praelegit?"). Die rote Lombarde "N" ist ebenfalls mit reichem, diesmal blauen Federwerk geschmückt. – Pergament minimal wellig, kaum angestaubt oder gebräunt, verso wenige Montagereste, zwei fast unsichtbare, winziges Löchlein sowie unter dem C-Stab rechts ein kleiner zeitgenössisch genähter Einriss. Vereinzelte, ganz wenige Retuschen, teils wurde auch das Blattgold geschickt erneuert, die Rotfarbe stellenweise leicht oxidiert, sonst in außergewöhnlich frischer und leuchtender Farbigkeit, die Miniatur selbst in insgesamt bester Erhaltung.

Stima
€ 8.000   (US$ 9.120)


Aggiudicato per € 5.000 (US$ 5.699)


» Libri del Cinquecento
Karsthans mit vier Personen
under inen selbs ain gesprech und red Halten

Lotto 554

Karsthans mit vier Personen under inen selbs ain gesprech und red Halten. 16 Bl. (d. l. w.) Mit großem Titelholzschnitt. 20 x 15 cm. Pappband um 1900 (bestoßen, Rücken etwas lädiert). (Augsburg, Melchior Ramminger, 1521).

VD16 K 129. Böcking IV, 617. Burkhardt, Karsthans S. 56, Ausgabe H. Panzer DA II, 1005b. Proctor-Isaac 10946. Schottenloher, Flugblatt S. 81. Weller 1438. Nicht bei Adams und Knaake. – Augsburger Druck einer der frühesten deutschsprachigen Flugschriften in Dialogform, das VD 16 verzeichnet insgesamt neun Drucke aus dem Jahr 1521. Erschien "etwa gleichzeitig mit Huttens 'Gesprächsbüchlein', dessen Vorrede 1. 1. 1521 datiert ist, während gegen den 'Karsthans' bereits am 13. 1. 1521 von Murner beim Kanzler der Stadt Straßburg (Sebastian Münster) schriftlich Beschwerde wegen Verleumdung eingelegt wurde" (Rosen, Neufforge, 50). Der anonym erschienene Reformationsdialog Karsthans bildet die wirkungsvollste und meistgelesene Flugschrift der Zeit, wofür u. a. die Tatsache verantwortlich ist, dass er gleich in deutscher Sprache erschien und daher auch von der breiten Bevölkerungsschicht gelesen und rezipiert werden konnte. Erstmals wird hier der Typus des Bauern als ehrbare und ernstzunehmende Person ins Zentrum des Geschehens gerückt, was nicht zuletzt den Ansporn für die Bauernaufstände ab dem Jahr 1524 gab. Der schöne Titelholzschnitt zeigt die vier Gesprächspartner Mercurius (als vornehmer alter Mann), Murner (mit Katzenkopf), Studens und Karsthans (mit gegürtetem Schwert und der typischen Hacke, dem Karst, über der Schulter). Die Verfasserschaft ist bis heute umstritten, als mögliche Autoren gelten Matthias Zell, Johann Sapidus, Nikolaus Gerbel und Martin Bucer. – Etwas finger- und braunfleckig, stellenweise im Bug mit bräunlichem Feuchtigkeitsrand. Innenspiegel mit verblasstem Stempel.

Stima
€ 6.000   (US$ 6.839)


Aggiudicato per € 8.500 (US$ 9.690)


» Libri del Cinquecento
Ptolemaeus, Claudius
Geographicae Ennarationis, Libri Octo.

Lotto 579

In prachtvollem Altkolorit
Ptolemaeus, Claudius. Geographicae Enarationis, Libri Octo. Ex Bilibaldi Pirckeymheri tralatione, sed ad Graeca & prisca exemplaria à Michaele Villanovano (d. i. Servetus') secundò recogniti, & locis innumeris denuò castigati. 149 S., 1 Bl., 48 Bl. Mit großer kolorierter Holzschnitt-TVignette, 2019 (8 11-zeilige, 2000 6-zeilige und 11 3-4-zeilige) Metallschnitt-Initialen, 6 (2 ganzseitige) kolorierten Textholzschnitten und 50 (49 doppelblattgroße) kolorierte Holzschnittkarten (in Pag.). 40,5 x 28,5 cm. Halbleder d. 19. Jahrhunderts (Rückenleder teils etwas stärker berieben, leicht bestoßen) mit goldgeprägtem RTitel, RVergoldung, Blindprägung und goldenen Deckelfileten. (Vienne, Gaspar Trechsel, für) Lyon, Hugo a Porta, 1541.

STC 367. Adams P 2226. Phillips 366. Mortimer 450 Anm. Sabin 66485. Sanz 23 (auch S. 187). Alden-Landis 541/9. Baudrier XII. Shirley T.PTOL-7g. Stevens 49. Fulton, Servetus 10 (auch S. 32f.). – Die zweite Servetus-Ausgabe der "Geographicae enarrationis" in der Bearbeitung des spanischen Mediziners, humanistischen Gelehrten und Theologen Miguel Serveto y Reves (latinisiert zu Michael Servetus; 1511-1553), für dessen Brandmarkung als Ketzer sich vor allem Johannes Calvin eingesetzt hatte. Neben Medizin und Theologie hatte sich Servetus auch für Mathematik, Geographie und Astrologie interessiert, woraus die Kommentierung des großen Ptolemaeus-Atlas hervorging, die erstmals 1535 gedruckt wurde. Servetus war 1540, kurz vor der Drucklegung der vorliegenden Ausgabe als Leibarzt des Erzbischofs nach Vienne berufen worden, von wo aus er in einen Disput mit Calvin trat, der drohte, „sollte Servetus einmal nach Genf kommen, würde er nicht lebendig weggehen“ (Brief vom 26. Februar 1546 : "si venerit, modo valeat mea autoritas, vivum exire nunquam patiar"). 1553 wurde Servetus dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt, zusammen mit zahlreichen Exemplaren des 'Ptolemaeus': "The part this book played in the condemnation of its editor, Servetus, has given it fame; and since many copies were burnt by order of Calvin, it has become rare" (Winsor 17).

"Eine besondere Leistung des Ptolemaios bestand darin, für die Darstellung einer Weltkarte eine neue Projektionsmethode beschaffen zu haben. Es ging dabei um das Problem, wie eine Kugeloberfläche sinnvoll auf eine Ebene übertragen werden kann. Ptolemaios erkannte die Schwächen der seit Eratosthenes (3. Jh. v. Chr.) geläufigen Zylinderprojektionen, nach welcher sein Vorläufer Marinos in einem rechtwinkligen Koordinatensystem die Orte eingetragen hatte und die bekanntlich mit zunehmendem Abstand vom Äquator zu grossen Verzerrungen führt. Demgegenüber propagiert er eine neue, höchst geniale Methode, welche die Proportionen der Kugeloberfläche ungleich viel wahrheitsgetreuer wiedergibt: die Kegelprojektion" (Alfred Stückelberger, Der geographische Atlas des Ptolemaios).

Die Holzschnitt-Karten stammen von den originalen Stöcken der Straßburger Ausgaben von 1522 und 1525. 27 der Karten sind 'ptolemäische', also in der Interpretation des spätantiken Autors sowie 23 dem Forschungsstand der Zeit angeglichene, neuere Karten, in die die Entdeckung Amerikas mit einbezogen wurde (vgl. Burden 4), "with account of Columbus on the back" (Sabin).

Das Ende des ersten 'ptolemäischen' Teils bildet die große Weltkarte (27), am Schluss (49 und 50) dann die beiden 'modernen' Weltkarten "Tabula nova totius orbis - Tabula orbis cum descriptione ventorum" (allesamt verso ohne Text). Wie üblich ist die Lothringen-Karte verso auf die "Tabula nova Provinciarum Rheni" gedruckt worden. Albrecht Dürers Entwurf der "Armillarsphäre mit dem bewohnten Erdkreis" (Meder 262) war die Vorlage für die ganzseititige Textabbildung, die erstmals 1525 erschienen war: "Die im 6. Kapitel des 7. Buches wiedergegebene Armillarsphäre ragt an Präzision der Darstellung heraus ... Sie zeigt, wie die humanistischen Kosmographen beim Studium des Ptolemäus konsequent auf eine Vervollkomnung der kugelförmigen Projektion der Erde hingeleitet wurden. Sie erweist sich so als nachträgliche Rechtfertigung der Dürer-Stabius-Weltkarte" (Schoch 275). – Titelblatt mit geringen Randläsuren (rundum sauber im Steg verstärkt), sonst kaum Risse oder Papierläsuren (wenige Knicke und Knautschungen, zwei Blätter, S. 147-150 mit winzigem alt hinterlegten Bugausriss, winziger Marginalverlust), wenige alte Falz- bzw. Bugverstärkungen, Karten teils wohl bei Bindung säurefrei angefaltzt, gelegentlich etwas stärker braunfleckig und gebräunt, doch nur vereinzelt gering fingerfleckig, Grünfarbe wie üblich leicht durchgeschlagen, teils auch überdeckend, aber völlig ohne Farbfraß, insgesamt ein bemerkenswert gutes, vollständiges Exemplar in ausgezeichneter zeitgenössischer Farbigkeit:

Die für die Zeit typischen leuchtenden Karmesinrot, Gelb, Altgrün und Orange- sowie Roséfarben sind überall kraftvoll und sorgsam aufgetragen, die umgebenden Koordinatenrahmen jeweils in rot-gelbem Wechsel, das Meer in laviertem Blaugrün, Flüsse in minutiösen Blaustrichen, Berge in Jagdgrün etc. Hübsch sind auch die zahlreichen kleinen figürlichen Vignetten, die in die Holzstöcke der Karten eingefügt wurden, mit Wappenschildern, Zeltlagern, Königen und Prinzen, wilden Tieren wie Bär, Elephant, Naßhorn, Rindvieh. Ferner dargestellt ist ein Schlachtfest bei den Menschenfressern, ein Homme sans tête, eine indische Brautverbrennung, wilde Unholde und vieles mehr, die ebenfalls ganz im Stil der Mitte des 16. Jahrhunderts koloriert wurden.

Auf dem Kolophonblatt verso eine hübsche Bleistiftzeichnung nach dem Christo Giustiniani von Michelangelo sowie die Zeichnung eines Gesichts. Das Titelblatt unten mit einem großen Wappenexlibris in einer farbigen Gouachezeichnung: Zwei steigende Löwen halten ein vierteiliges Wappenschild mit drei Flügeln auf blauem Grund sowie zwei Flügeln auf wechselndem Gold- und Weißgrund, ferner ein Scherenband auf Roséfarbenem und ein gescheckter Windhund auf gelbem Grund.

Stima
€ 22.000   (US$ 25.079)


Aggiudicato per € 90.000 (US$ 102.599)


» Libri del Cinquecento
Sammelband
mit drei der bedeutendensten Werke zur Abmessung

Lotto 595

Vermessung. - Sammelband mit drei der bedeutendensten Werke zur Abmessung, Vermessung, Perspektive und den entsprechenden Instrumenten aus der Zeit der Dürernachfolge von Petrus Apianus, Hieronymus Rodler und Johannes Stöffler. 3 Werke in 1 Band. Mit zahlreichen, teils zweifarbig gedruckten oder ankolorierten Holzschnitten. 29,6 x 20 cm. Halbpergament des 18. Jahrhunderts (beschbt, berieben, leicht fleckig). Ingolstadt, Simmern bzw. Frankfurt 1533-1536.

1) Petrus Apianus. Instrument Buch. Durch Petrum Apianum erst von new beschriben. 54 Bl. Mit großem teilkolorierten Titelholzschnitt, ganzseitigem kolorierten Wappenholzschnitt verso Titel und 80 (davon 16 ganzseitigen bzw. fast ganzseitigen) Textholzschnitten. Ingolstadt, (Selbstverlag), 1533. - VD 16 A 3111. IA 106.417. Ornamentstichsammlung 1697. Stalla 77. Van Ortroy 104. Schottenloher, Apian, 35. Erste deutsche Ausgabe des "Quadrans astronomicus", einer von zwei Drucken, der vorliegende mit dem in Rot und Schwarz gedruckten Titel. Behandelt werden zahlreiche Methoden zum Messen von Höhen, Tiefen, Weiten mit der Beschreibung und Abbildung von zahlreichen astronomischen, geodätischen und anderen Instrumenten: "Zum Ersten ist darinne begriffen ein newer Quadrant, dardurch Tag und Nacht, bey der Sonnen, Mon, vnnd anderen Planeten, auch durch ettliche Gestirn, die Stunden, und ander nutzung gefunden werden, Zum Andern, wie man die höch der Thürn, und anderer gebew, des gleichen die weyt, brayt, und tieffe, durch die Spigel und Instrument, messen soll. Zum Dritten, wie man das wasser absehen oder abwegen soll, ob man das in ein Schloß oder Statt füeren möge, und wie man die Brünne suchen soll. Zum Vierden, sindt drey Instrument, die mögen in der gantzen welt bey Tag und bey Nacht gebraucht werden: ;unnd haben gar vil und manicherlay breuche, und alle geschlechte der Stunden, behalten alle zu gleich ire Lateinische namen. Zum Fünfften, wie man künstlich durch die Finger der Hände, die Stund in der Nacht, on alle Instrument erkhennen soll. Zum Letzten, ist darinn ein newer Meßstab, des gleichen man nendt den Jacobsstab, dadurch auch die höch, brayt, weyt, und tieffe, auff newe art gefunden wirt" (Titel). - Titel ankoloriert in Grün, Wappen in Grün und Gelb, Titel knittrig und fleckig, nur winzige Einrisse, wenige alte Anmerkungen und Unterstreichungen, nur leicht gebräunt bzw. braun- oder fingerfleckig, einige Blätter neu angefalzt, insgesamt sehr schön erhaltenes Exemplar aus der berühmten Bibliothek des protestantischen Theologen und Philologen Gottfried Olearius (1672-1715), von dem ein sich hs. auf dem Titel nennender J. C. Fulda es auf der großen Leipziger Auktion erwarb, die nach dem Tode Olearius' in Leipzig veranstaltet worden war. Besitzvermerk: "J. C. Fulda Lips ... 1716 ex auctione D. Godfr. Olearii".

2) Hieronymus Rodler. Eyn schön nützlich büchlin und underweisung der kunst des Messens mit dem Zirckel, Richtscheidt oder Lineal. 45 nn. Bl. (ohne d. le. w.). Mit Titelholzschnitt und 57 Textholzschnitten, Titel in Schwarz und Rot. (Simmern, Selbstverlag, 1531). - VD16 S 3672. Adams R 652. STC 164. Fairfax Murray 1784. Ornamentstichsammlung 4681. Muther 1784. Nagler III, 391 und 1039. Bonnemann, Rodler, 3. Cantor II, 449. Sehr seltene erste Ausgabe. Im Vorwort nimmt der Verfasser auf Dürers "Underweysung der messung" Bezug und betont, dass er vorhabe, mit seinem Werk "die kunst Perspectiva schlechter (= schlichter, einfacher) und begreifflicher dann Dürers Bücher aussweisen zuzeygen ... leichtlich und mit kleyner mühe ...".
Der Titelholzschnitt zeigt die Handwerksberufe, für die das Werk u. a. konzipiert wurde: Eisen- und Goldschmiede, Maler und Seidensticker. Die ganzseitigen Textholzschnitte mit architektonischen Details, Anleitungen zur Perspektive, wobei die strenge, aus der italienischen Renaissance von Dürer adaptierte, fluchtpunkt zentrierte Zentralperspektive meist durch rot eingedruckte Linien angegeben wurde.
Ferner finden sich die Ansichten von mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Straßenzügen, Kirchenräume und Wandelhallen, Interieurs reicher Bürgerstuben, verschiedenen Künstlerberufen mit Baudetails wie Wendeltrappen, Fußbodenpavimente, Gewölbekonstruktionen mit Kreuz- und Tonnengewölben, Brücken, Landschaften bis hin zu Einrichtungsgegenständen wie Stühlen, Tischen, Truhen, Schemeln, Helmen, Wappenadlern, Harnischen und vieles mehr. Es folgen Berufe wie Bildhauer, Steinmetz, Zimmermann, Holzbaumeister, Maler, Goldschmied, Seidensticker in ihren Werkstätten und zum Schluss Anleitungen zur Darstellungen von Gesichtern und Personen im Raum und in der Perspektivansicht.
Zu den Illustrationen schreibt Neufforge auf S. 548: "Die nichtsignierten, künstlerisch hochstehenden Holzschnitte schreibt man dem Meister "H. H." zu, der auch den Rüxner und die 4 Haimonskinder schmückte" und auf S. 239: "... Das Signum "H. H." deutet darauf hin, da für den Fürsten (Johann II. von Simmern) auch der Name Herzog Hans von Hunsrück überliefert ist".
- Ohne das letzte weiße Blatt, dafür ist hier eine der (wdhl.) Tafeln zu Pos. 1 Apianus eingebunden (diese fleckig, geknickt), einige Blätter im 18. Jahrhundert neu angefalzt. Ganz vereinzelte, minimale Anstreichungen, kaum fingerfleckig oder mit Gebrauchsspuren, hier und da blass, selten stärker gebräunt, insgesamt jedoch in hervorragendem Zustand, frisch und sauber, die Holzschnitt in bestem, kraftvollen und kontrastreichen Abdruck.

3) Johannes Stöffler. Von Künstlicher Abmessung aller grösse, ebene oder nidere, in die lenge, höhe, breite unnd tieffe, Als gräben, Cisternen und brunnen. Allen werckleutenn ... nützlich zugebrauchen. 16 (statt 17) nn. Bl. Mit figürlicher Holzschnitt-Initiale. 18 Textholzschnitten, davon 2 von Hans Sebald Beham. Frankfurt, Christian Egenolff d. Ä., 1536. - VD16 S 9196. STC 834. Zinner 1649. Ornamentstichsammlung 1685. Benzing, Egenolff, 112. Pauli, Beham, 1239f. Erste deutsche Ausgabe des Vermessungshandbuchs (1452-1531) aus der Feder des bedeutenden Astronomen, Mathematikers und Astrologe Johannes Stöffler (1452-1531), des ersten Inhaber des Lehrstuhls für Astronomie an der Universität Tübingen. Stöffler hatte zunächst als Pfarrer gearbeitet, war dann aber vor allem durch seine geschickte Herstellung von astronomischen Instrumenten und Himmelsgloben bekannt geworden.
Beschrieben und mit detaillierten Holzschnitten illustriert sind zahlreiche Messgeräte, "Mann mög darzu kommen oder nit, Mit eim Astrolabio und Quadranten, oder meßleiter. Auß warem grund der Geometrei, Perspectiua und Arithmetic. Allen werckleutenn, Bawleutenn, Büchsenmeistern, Feldtmessern, unnd iedermann nützlich zugebrauche. Durch den Hochberümbtenn Mathematicum Joannem Stöfflern vonn Justingenn beschribenn. Ein gar Künstlich Sonnuhr, Horarium bilimbatum genannt. Alle stunden des Sonnenschein nach gründtlich zuersehen ..." (Titel).
Das Werk war zunächst in lateinischer Sprache als Supplement zu Stoefflers astronomischem Hauptwerk, die 1512 erschienene "Elucidatio astrolobii" mit Anleitungen zum Gebrauch der komplizierten Astrolabien. Die beiden kleinen Titelfiguren zeigen einen Astronomen und einen Baumeister, beide stammen von Hans Sebald Beham. - Es fehlt ein Blatt mit 1 Holzschnitt (A4), an der Stelle ist ein weißes zeitgenössische Blatt eingebunden und ohne das letzte weiße Blatt, stellenweise etwas fleckig, geringe Knick- und Knitterspuren, etwas gebräunt, sonst wohlerhalten. –


Vorsätze stärker gebräunt, mit Einträgen "Rom Juli 1921 Campo dei Fiori" etc., und Exlibris "Friedrich Dobe".

Stima
€ 12.000   (US$ 13.679)


Aggiudicato per € 7.000 (US$ 7.979)


» Libri del Cinquecento
Child, Josiah
Brief observations concerning trade + A short a...

Lotto 1111

C(hild), J. Brief observations concerning trade, and interest of money. 38 S. 20 x 15,5 cm. Moderner Umschlag. London, Mortlock, (1668). - (Derselbe). A short addition to the observations concerning trade and interest of money. 1 Bl., S. 5-14 (so komplett). 18,5 x 13,5 cm. Moderner Umschlag. Ebenda 1668. Zusammen in moderner Leder-Kassette mit goldgeprägtem RTitel.

I. und II. Wing C 3852 und 3864. Kress 1212-1213. Goldsmiths 1870-1871. – Sehr seltene erste Ausgabe. Hauptwerk von Joshua Child und ein Klassiker der englischen Nationalökonomie und des Merkantilismus. Vorliegendes Exemplar mit einer möglicherweise unbekannten Variante: Druckvermerk auf dem Titel nur mit Angabe des Verlegers Mortlock (sonst Calvert und Mortlock). Nach 1668 erschienen mehrere "Additions", wovon hier die sehr seltene erste vorliegt. – I. Teilweise angestaubt und etwas fleckig, Titel stärker betroffen, einige Seiten teilweise schwach im Abdruck. - II. Gering stockfleckig, leicht gebräunt, etwas knapper beschnitten.

English: Very rare first edition. Present copy likely an unknown variant as the imprint in the title only states Mortlock as publisher (not Calvert and Mortlock, as usual). Vol. 1 partly dusty and slightly stained (espescially in the title), printing somewhat weak on some pages. Vol. 2 slightly foxed and browned, cut into the margin.

Stima
€ 5.000   (US$ 5.699)


Aggiudicato per € 4.700 (US$ 5.357)


» Economia Nazionale
Helvétius, Claude Adrien
De l'esprit. Erste Ausgabe im ersten Druck

Lotto 1268

(Claude Adrien. Helvétius). De l'esprit. 2 Bl., XXII, 643 S.; 40 Bl. ("Kartonblätter" des 2. Druckes). Mit großer Holzschnitt-TVignette. 28,5 x 20,5 cm. Marmoriertes hellbraunes Leder d. Z. (unter Verwendung des ursprünglichen Materials komplett neu aufgebunden, Leder unterfüttert) mit (erneuertem) goldgeprägten RSchild, reicher RVergoldung und Goldfileten sowie Rotschnitt in moderner dunkelbrauner Maroquin-Kassette (signiert: "A. Lobstein"). Paris, Durand, 1758.

Kress 5710. Smith 332. Tchemerzine VI, 187-189. Higgs 1871. Vgl. INED 2243bis (nur 2. Druck). – Erster Druck der ersten Ausgabe des wichtigsten Buches der französischen Aufklärung "Vom Geiste", dem Hauptwerk aus der Feder des großen französischen Philosophen und Kritikers des Sensualismus und Materialismus der Aufklärung. Vorliegt hier die ursprüngliche, noch unüberarbeitete Textfassung, vorabgedruckt auf extrem schweren, festen Papier. Wohl nur etwa vier Exemplare überhaupt wurden davon hergestellt, die unter den Freunden und Gönnern des Autors verteilt wurden. Zusätzlich finden sich hier noch die 40 Kartonblätter, die erst im zweiten Druck erschienen waren - und hier beigebunden wurden.

Claude Adrien Schweitzer (1715-1771), bekannt unter seinem latinisierten Namen "Helvétius" stammt aus Paris, unterhielt fruchtbare Beziehungen zu anderen wichtigen Protagonisten der Aufklärung wie Jean Baptiste le Rond d’Alembert, Denis Diderot, Paul Heinrich Dietrich von Holbach oder Charles de Secondat, Baron de Montesquieu. Seine Frau war die berühmte Pariser Salonnière Anne-Catherine de Ligniville Helvétius. Der erste Druck seines Werkes "De l'esprit" erschien anonym und mit dem Hinweis "Avec approbation et privilè du Roi" auf dem Titel. Helvétius dedizierte ein Exemplar der ersten "Tirage" auf ebenso schwerem, festen Papier seinem König Ludwig XV., und dennoch wurde der Text dann zeitverzögert von der Zensur geprüft, verboten und Helvétius die Druckerlaubnis entzogen. Der Staatsrat beschlagnahmte die gesamt Auflage und zwang den Autor zum Widerruf. Auch die konterreformatorischen Jesuiten setzten sich gegen das als allzu frei empfundene Werk ein, und so setzte Papst Clemens XIII. es am 30. Januar 1759 auf den Index.

"De L'esprit" ist eines der Hauptwerke zur Entwicklungsgeschichte des Materialismus. Als Gegenstück zu Montesquieus "L'esprit de lois" konzipiert, erregte das Werk die Anfeindung des Klerus und des Dauphin, der das Werk offiziell verbrennen ließ. "Helvetius ist ein Vertreter der französischen Aufklärung. Als Philosoph ist er Sensualist und Utilitarist. Alle Vorstellungen entspringen aus der Sinneswahrnehmung. Das Denken (Urteilen) als Vergleichen von Empfindungen ist sinnlichen Ursprungs und erfaßt nur die Relationen der Dinge. Den Impuls zum Denken geben die Gefühle. Der Mensch ist ein hedonistisches Wesen, er strebt nach Lust und nach Vermeidung von Unlust, so daß in diesem Sinne der Egoismus die Quelle alles Handelns ist. Was in der physischen Welt das Bewegungsgesetz, ist in der geistigen Welt das Interesse. Dem sittlichen Handeln liegt aber das 'wohlverstandene Interesse' (l'intérét bien entendu) zugrunde, die Verbindung des Eigenwohles mit der Förderung des Gesamtwohles. Die Leidenschaften sind nicht zu unterdrücken, sondern zu regeln und gemeinnützig zu machen. Eine Beschränkung der Arbeitszeit, ein Recht auf Eigentum, Verbreitung von Bildung und dgl. sind soziale Forderungen" (Eisler, Philosophen-Lexikon, 1912, S. 249f.).

Der vorliegende Erstabdruck nach dem originalen Manuskript des Helvétius war schon Ende 1758 erschienen. Der zweite Druck, die sogenannte "édition cartonnée", gelangte dann erst am 27. Juli 1758 zur Auslieferung: in ihm waren 40 Blätter mit beanstandeten Stellen neu gesetzt und gedruckt worden, die hier zum Vergleich an den Schluss gebunden sind, und zwar die Seiten 1-16, 35-38, 59-62, 67-70, 75-78, 139-142, 145-154, 159-160, 169-176, 187-190, 227-230, 233-234, 239-240, 459-462, 547-550 und 603-606. – Nur ganz vereinzelt minimal stockfleckig oder gebräunt, Titel mit Braunstelle, blasser Rasur und 2 älteren Stempelchen (am Schluss wiederholt: "Le Marquis de Courtanvaux; vgl. Hoefer XII, 220), einige Seiten der Kartonblätter sowie die entsprechenden Seiten des Originaldruckes mit meist nur kurzen Bleistift-Anzeichnungen der jeweiligen Abweichungen im Zeilensatz. Sehr schönes Exemplar dieses bemerkenswert seltenen Werkes, von dem sich kaum ein Exemplar in öffentlichem Besitz befindet (vgl. KVK), gebunden in einen meisterhaft restaurierten zeitgenössischen Franzband mit reicher Vergoldung.

English: First print of the first edition of the most important work of the French Enlightenment "On Mind" (with 40 supplementary leaves of the second print). Only some very minor foxing or browning. Title browned, faint traces of scratch marks, and two small older stamps (again in the back: "Le Marquis de Courtanvaux", cf. Hoefer XII, 220). Some of the supplementary leaves as well as the corresponding pages of the original print with short pencil underlinings, marking the respective differences. Very rare work, hardly any copy in public possession (cf. KVKI). Contemporary marbled light brown calf (fully new bound, using the original material) with renewed gilt label on spine, richly gilt and red edge. Boxed in modern dark brown morocco cassette. Altogether very fine condition.

Stima
€ 9.000   (US$ 10.260)


Aggiudicato per € 8.500 (US$ 9.690)


» Economia Nazionale

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