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Gutzkow, Karl
19 Briefe

Lotto 2056

Gutzkow, Karl, bedeutender liberaler Schriftsteller, Dramatiker, Kritiker und Publizist, dem Jungen Deutschland nahestehend, Förderer Georg Büchners (1811-1878). Konvolut von 19 eigh. Briefen m. U. "Gutzkow". Zus. ca. 38 S. Meist gr. 8vo. 1845-1877.

Wertvolle Briefsammlung, meist an den Verleger J. J. Weber in Leipzig, bei dem die Gesamtausgabe seiner "Dramatischen Werke" (1842 ff.) erschien, bzw. an die Redaktion der "Novellen-Zeitung", die er ebenso wie Webers "Theaterzeitung" mit Beiträgen belieferte. Zur Sprache kommen einige seiner Theaterstücke und Romane, seine Zeitschrift "Unterhaltungen am häuslichen Herd" und auch seine Tätigkeit als Sekretär der "Schiller-Stiftung" (1861-1864). - Dabei: eine Postkarte von Bertha Gutzkow sowie 2 Stahlstich- und 2 Holzstich-Porträts Gutzkows und weitere gedruckte Beilagen.

Stima
€ 1.800   (US$ 2.052)


Aggiudicato per € 2.400 (US$ 2.735)


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Jünger, Ernst
Vollständige Korrekturfahnen zu "Gärten und Str...

Lotto 2075

Jünger, Ernst, Schriftsteller (1895-1998). Die vollständigen Original-Korrekturfahnen zur Erstausgabe von "Gärten und Straßen". Mit zahlreichen Korrekturen, Streichungen und Zusätzen von der Hand des Autors. 218 nummer. Bl. (eigentlich 217, das erste nummeriert 1-2), einseitig bedruckt. Festes, Bütten-ähnliches Papier. 25 x 20 cm. Lose Bl. in grün marmor. Halbleder-Decke d. Z. (Rücken ausgeblichen und etwas berieben) mit vergold. Rückentitel, in passendem marmor. Papp-Schuber. (Oktober 1941).

Korrekturfahnen der 1942 bei E. S. Mittler in Berlin erschienenen Erstausgabe von Ernst Jüngers "Gärten und Straßen" mit dem Untertitel "Aus den Tagebüchern von 1939 und 1940". Mit hellblauer Tinte und großer Sorgfalt vom Autor durchkorrigiert. Satzfehler-Korrekturen finden sich phasenweise fast auf jeder Seite; Text-Änderungen und Streichungen kommen weniger, aber immer noch sehr reichlich vor. Einige Beispiele: Auf Seite 37 ("15. Juni 1939") heißt es: "Beendet: Spengler, 'Zur Weltgeschichte des zweiten vorchristlichen Jahrtausends', eine seiner letzten Schriften, in der die Drähte recht derb gezogen sind. Die Wirkung dieses Autors liegt in der Sprache, und deren Geheimnis liegt darin, daß sie Herz besitzt. In seiner Prosa steckt ein Zug, der an die Hürden geht." Dieser Passus ist komplett gestrichen. - Auf Seite 40 kommentiert er einen Roman von Léon Bloy und schreibt: "Auf Seite 169 ein Bild, das ich als schief empfinde." Diese subjektive Wendung ersetzt Jünger durch eine sehr viel objektivere Feststellung: "ein Beispiel für ein Bild, wie man es vermeiden soll". - Seite 79 heißt es: "Lektüre: Hasper, 'Über die Krankheiten der Tropenländer', Leipzig 1831, der seit langem unter meinen Büchern seht." Jünger fügt handschriftlich hinzu: "Derartiges kaufte ich damals gern". - Seite 81 wird eine Zugfahrt nach Rastatt erwähnt: "In den Nichtraucherabteilen ist es immer ein wenig leerer - so schafft schon eine Askese niederen Ranges den Menschen Raum". Diese Erhöhung der Beobachtung ins Philosophische erfährt durch einen handschriftlichen Zusatz eine weitere Steigerung: "Wenn wir als Heilige leben, ordnet sich uns das Unendliche zu." - Bei der Lektüre von Georg Altmans Ludwig-Devrient-Biographie (Seite 85) beschäftigt er sich mit der Kunst des Sprechens und dem Wort im Moment der höchsten Leidenschaft: "... es löst sich im reinen Äther auf. So schmilzt es gleichermaßen an den extremen Graden des Sinnlichen und Geistigen dahin." Hier fügt er handschriftlich hinzu: "Wir erfassen mit ihm nur die mittlere Lage; es ist Münze, die unter Menschen gilt." - Unter verschiedenen Aphorismen aud Seite 99 heißt es: "Der Glaube ist gleich dem Sauerstoff ein Hinzutretendes. Daher geschehen Wunder nicht jedem und nicht überall." Jünger fügt ein biblisches Beispiel hinzu: "Der flammende Busch". - Ein andermal (S. 137) erscheint ihm eine Mitteilung zu prahlerisch: "In meinem Zimmer trank ich noch die Flasche Châteauneuf-du-Pape und dachte dabei an Burckhardt, dessen Lieblingswein das war." Hier schiebt er ein: "die mir ein Mann in Sedan geschenkt hatte". - In Laon erregt die Kathedrale seine höchste Bewunderung. "Heute ergriff mich eine Ahnung von den Kathedralen als Werken, als Lebenswerken, fern von den toten Maßen der musealen Welt." Jünger fügt handschriftlich hinzu: "Auch wirkte der Gedanke mit, dass diese Kirche meinem Schutze unterstand; ich drückte sie, als ob sie ganz klein geworden wäre, an meine Brust." Oft sind einzelne Wörter durch treffendere Versionen oder Begriffe ersetzt. Noch aufschlußreicher, weil nicht im Buch erschienen, sind zuweilen jedoch die Streichungen. Eine sei noch zitiert: Seite 174 berichtet er seine Erlebnisse mit einem Gutsbesitzer Sp., von dem er schreibt: "Gute Bemerkungen in bezug auf alles Konkrete, so etwa: 'Habe immer bemerkt, daß Frauen, die gut gewachsen sind, sich im gegebenen Augenblicke weniger sträuben als die häßlichen, wenn man ihnen den Büstenhalter abnehmen will.'" Diese Beobachtung erschien Jünger offenbar im Nachhinein doch zu vulgär, um sie öffentlich als "gute Bemerkung" hervorzuheben: sie ist komplett gestrichen. - Über die Provenienz der Korrekturfahnen gibt ein Aufkleber auf der Innenseite der Einbanddecke Aufschluss: "Geschenk von Ernst Jünger an mich gelegentlich seines Wochenendbesuches in meinem Haus in Fontainebleau. Siehe Tagebuchaufzeichnung in den 'Strahlungen' vom 24.I.42. - Edgar Röhricht."
Der Infanterie-General und Ritterkreuzträger Röhricht gehörte zum Hitler-kritischen Teil des Offizierskorps. Er hielt Verbindung zu Carl Friedrich Goerdeler und wurde mehrmals aufgefordert, sich aktiv am Widerstand zu beteiligen, lehnte dies jedoch schließlich als aussichtslos ab. Vom Oktober 1940 bis zum Juni 1942 war Edgar Röhricht Generalstabschef beim Oberkommando der 1. Armee im besetzten Frankreich. In dieser Zeit entstand seine Freundschaft zu Ernst Jünger. Im "Ersten Pariser Tagebuch" erzählt Jünger unter dem Datum des 24. Januar 1942 von seinem Besuch bei Röhricht in Fontainebleau, wo er auch übernachtete. - Die Anfangs- und Schlussblätter mit leichten Läsuren; sonst gut erhalten. - Wertvolle Quelle zur Entstehung eines Schlüsselwerkes im Verhältnis Ernst Jüngers zu Erlebnis und Katastrophe des Krieges.


Stima
€ 9.000   (US$ 10.260)


Aggiudicato per € 13.000 (US$ 14.819)


» Autografi
Jünger, Ernst
Korrektur-Exemplar von "Afrikanische Spiele"

Lotto 2076

- Korrektur-Exemplar seines Buches "Afrikanische Spiele" (1936) für die "durchgesehene und erweiterte" Neuausgabe (1951). Ausgebundenes Exemplar der Erstausgabe aus der Hanseatischen Verlagsanstalt. 220 S. Mit sehr zahlreichen handschriftlichen Korrekturen, Änderungen, Streichungen und Einschüben in roter und dunkelblauer Tinte sowie Kugelschreiber im gedruckten Text und auf 12 eingelegten Zetteln. Lose Bl. in der Orig.-Einbanddecke. (Wilfingen 1951).

Außerordentlich interessantes Dokument der akribischen Arbeit Jüngers an seinem Text, das durch den krassen Gegensatz der politischen und geistigen Epochen (Vorkriegs-, Nachkriegszeit) in ihrer Einwirkung auf das Buch noch an Bedeutung gewinnt. Für die Neuausgabe seines Werkes hatte Jünger den jungen Verleger Günther Neske in Pfullingen gewonnen. Eine Umarbeitung erschien jedoch unerläßlich, und so hatte sich der Autor 1951 ein Exemplar der Original-Ausgabe von 1936 vorgenommen, um es einer gründlichen Revision zu unterziehen. Dies geschah offenbar nicht kontinuierlich in einem Zuge, denn es kamen drei verschiedene Schreibwerkzeuge zur Verwendung: Feder mit roter Tinte, Feder mit dunkelblauer Tinte und (wohl zuletzt) blauer Kugelschreiber. Der Kugelschreiber-Duktus wirkt zuweilen etwas runder, leicht abweichend von Jüngers üblichem Schriftbild. Da jedoch die mit Kugelschreiber ausgeführten schwerwiegenden Text-Änderungen und Einschübe durchweg die gleiche Qualität aufweisen wie die mit Tinte geschriebenen, so ist mit Sicherheit davon auszugehen, dass nur die mehr Druck erfordernde Handhabung des Kugelschreibers das zuweilen etwas abweichende Schriftbild verursachte. Der Erbe des Neske Verlags versichert, dass weder seine Eltern, noch andere Personen irgendwelche Änderungen an Jüngers Texten vorgenommen haben.
Jüngers Eintragungen in unserem Exemplar beginnen auf dem Vortitel mit dem gewünschten Text für die Titelrückseite der Neuausgabe, mit Kugelschreiber, aber in Jüngers typischem Schriftduktus: "Erschienen ... Auflage, ... Tausend. Durchgesehen im Mai 1951 in Wilfingen. Eine französische Übersetzung erschien unter dem Titel 'Jeux Africains' bei Gallimard". Fast jede der nun folgenden Seiten weist mehrere Änderungen auf, und zwar nicht, wie bei Korrekturfahnen üblich, Fehler-Korrekturen, sondern Textänderungen in kleinem und großem Maße. Stilistische Glättungen und Verbesserungen vieler Art wechseln mit teils umfangreichen Einschüben, die nicht nur an den Rändern, sondern auch auf beiliegenden Zetteln notiert sind. Ein solcher Zettel, ausnahmsweise maschinenschriftlich, erweitert auf S. 6 Jüngers Schülerträume von Afrika. Jünger schreibt ursprünglich: "So war ich bereits dazu übergegangen, mich am Unterricht nicht mehr zu beteiligen und mich statt dessen in afrikanische Reisebeschreibungen zu vertiefen, die ich unter den Pulten [verbessert: unter dem Pult] durchblätterte". Hier fügt er die schöne Verdeutlichung ein: "Wenn eine Frage an mich gerichtet wurde, mußte ich erst all jene Wüsten und Meere überwinden, bevor ich ein Lebenszeichen gab. Ich war im Grunde nur als Stellvertreter eines fernen Reisenden anwesend." Wie weit eine solche Umarbeitung zuweilen geht, mag eine Passage auf S. 32 zeigen, wo Jüngers Traum-Begegnung mit der rätselhaften Dorothea geschildert wird. Der ursprüngliche Text lautet:
"Das Gefühl der Erheiterung, mit dem ich erwachte, war außerordentlich. Während der erste Besucher immer tiefer in den Traum zurückgewichen war, trat Dorothea immer deutlicher aus ihm hervor. Dennoch blieben ihre Züge unbestimmt, aber dies erhöhte ihre Anziehung. Es ging ein Hauch der unbedingen Jugend und der wälderhaften Frische von ihr aus, und es kam mir vor, als ob sie zum Bernstein eine besondere Beziehung besaß. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kobold war sie von einer knisternden Intelligenz. Ich hatte ein Gefühl des Zutrauens zu ihr, das sich schwer beschreiben läßt; es war, als ob man eine gefährliche Landschaft mit einem Gefährten durchwanderte, der über eine solche Sicherheit verfügte, daß man die Bedrohung vergaß. Allmählich gelang mir immer dichtere Annäherung ...".
Der neue Text lautet: "Das Gefühl der Erheiterung, mit dem ich erwachte, war außerordentlich. Es gibt ja in diesen Jahren eine Art der Trunkenheit, als ob die Luft berauschend sei. Während der erste Besucher immer tiefer in den Traum zurückgewichen war, trat Dorothea immer deutlicher aus ihm hervor. Zwar blieben ihre Züge unbestimmt, doch das erhöhte ihre Anziehung. Es ging ein Hauch der grossen Jugend und der wälderhaften Frische von ihr aus, und es schien mir, als ginge ein Knistern wie von Bernstein von ihr aus. Im Gegensatz zu dem schwerfälligen Kobold war sie von sprühender Intelligenz. Ich hatte ein starkes Zutrauen zu ihr. Es war, als ob man auf gefährlicher Wanderschaft von einem Kameraden begleitet würde, der über eine Sicherheit verfügte, vor der man die Bedrohung ganz vergass. Allmählich gelang mir eine immer dichtere Annäherung ...". - Zur Schmetterlingsjagd heißt es ursprünglich: "Diese kleinen Wesen spielten also wohl die Rolle des Talismans. Aber nicht sie allein, sondern das Schöne überhaupt, gleichviel, ob es sich als Landschaft darstellte, oder als Gegenstand, rief diese anziehende Wirkung hervor". Jünger ändert dieses Bekenntnis in: "Die Falter spielten also die Rolle des Talismans. Aber nicht sie allein, sondern das Schöne überhaupt, gleichviel in welche Formen und Gegenstände es sich kleidete, rief diese Anziehung hervor." Hier wie an vielen anderen Stellen scheint es, als sollte der ursprünglich poetische Ausdruck einer kühleren, klareren und knapperen Sprache weichen. Andernorts färbt er eine wenig spannende Passage durch eine kleine Anekdote bunter: Auf Seite 58 beschreibt er einen Artisten, der seine Muskeln spielen läßt, "wie man es zuweilen vor den Zirkusbuden sieht. Dann führte er uns einige seiner Glanznummen vor ...". Hier fügt Jünger eine kleine Pikanterie hinzu: "Besonders imponierte mir, dass dabei eine auf den Bizeps tätowierte ganz nackte Dame sich so sinnreich mitbewegte, dass sie den Bauchtanz zu zeigen schien. Paul führte uns dann einige seiner Glanznummern vor ...". - Seite 105-112 sind komplett gestrichen und mit dem Hinweis versehen: "Hier folgt Einschub S. 1-11". Die Handschrift dieses Textes ist hier jedoch nicht mehr vorhanden. - Auch der Beginn des Nachwortes auf der letzten hier vorhandenen Seite (220) ist komplett gestrichen, mit dem Vermerk: "Fällt aus! Folgt Verzeichnis der Bücher : 'Von E. J. erschienen ...". - Der Band, den der Autor für die "Durchsicht" aus seiner Bibliothek entnahm, trug und trägt noch seinen alten Stempel "E. Jünger. Archiv" auf dem (beschnittenen) Vorsatzblatt, doch Jünger, ein enger Freund und Förderer des jungen Verlegers Neske und seiner Familie (auch sein Hochzeitsgast), überließ diesem das Exemplar nach Erscheinen der neuen Ausgabe, so dass es nach Auflösung des Neske Verlags im Familienbesitz verblieb und schließlich an die Erben überging. - Der vorliegende Band bietet faszinierende Einblicke in den Prozeß der gründlichen Umarbeitung eines autobiographischen Werkes, den einer der führenden Schriftsteller des 20. Jahrhunderts nach 15 Jahren der Diktatur, des Krieges und Nachkriegs auf sich genommen hat.

Stima
€ 9.000   (US$ 10.260)


Aggiudicato per € 10.000 (US$ 11.399)


» Autografi
Humboldt, Alexander von
Brief an Geoffroy St. Hilaire

Lotto 2168

- Eigh. Brief m. U. "Al Humboldt". In franz. Sprache. 4 S. auf 2 Bl., sehr eng beschrieben. Gr. 4to. Potsdam 6.IV.1837.

Außerordentlich umfangreicher Brief an den bedeutenden französischen Zoologen Étienne Geoffroy St. Hilaire (1772-1844), den er mit "illustre confrère" anredet. In der Ruhe und Einsamkeit seines Potsdamer Aufenthalts ("dans la solitide de mon Exile") kann sich Humboldt viel Zeit lassen, um sehr ausführlich auf die physiologischen Erkenntnisse des Adressaten einzugehen und mit zahlreichen wissenschaftlichen Anmerkungen, Erläuterungen und Betrachtungen zu versehen. "... Si j'avais le bonheur d'ętre à Paris au lieu de jouir du spectacle des neiges qui couvrent les terrasses du classique Sans-Souci, je voudrais ętre assis sur Vos bancs, Vous entendre parler des phénomènes de la vie ... La race de ceux qui pensent comme Mr. Moulinié forme aussi peuple en Allemagne, cependant une nouvelle génération est dans la route que Vous avez eu le grand mérite de tracer dès Votre début en Physiologie. Votre nom est placé bien haut parmi nous ...". Schreibt u. a. über die Aktion der Kapillargefäße, die Produktion örtlicher Wärme, die Schwingbewegung von Purkinié und Valentin. "... Il est d'autres phenomenes qu'on peut classer et expliquer à la fois, car expliquer veut dire alors: pour Vous et pour moi, reconnaitre l'analogie avec ce qui se passe dans le monde inorganique ...". - Empfiehlt ihm neue Veröffentlichungen, darunter H. Müllers Physiologische Erkenntnisse über den Mechanismus der Stimme, F. Webers Mechanismus der Bewegung und dessen Versuche im luftleeren Raum einer Glocke. - Erwähnt ferner Jean-François Champollion, Johann Christian Poggendorff, François Arago, Christian Gottfried Ehrenberg, Joseph-Louis Gay-Lussac und andere hervorragende Naturwissenschaftler. - Sehr eindrucksvoller Brief, der den weiten Horizont und gleichzeitig das erstaunliche Spezialwissen Humboldts auf vielen Gebieten spiegelt, während er bescheiden schreibt: "... le gaz oxigène et l'acide carbonique, les alcali et l'hydrogène sulfuré, ce sont les antiques souvenirs de ma première jeunesse laborieuse et avide de savoir, qui dans mon ignorance et dans mon imbécillité actuelle me rendent très attraquants des découvertes comme les Votres ...". - In einer der Anmerkungen bittet er, alle Lieferungen über die preussische Botschaft gehen zu lassen, da die französischen Buchhändler Sendungen an die "pays barbares" sehr nachlässig behandelten. - Der französische Zoologe Geoffroy Saint-Hilaire begründete zusammen mit dem deutschen Anatomen Johann Friedrich Meckel d. J. (1781 Halle-1833) die Teratologie (Lehre von Fehlbildungen meist pränatalen Ursprungs), ein Fachgebiet, dessen allgemeine Bedeutung man sich erst in der 2. Hälfte des 20. Jh. voll bewußt werden sollte. Saint-Hilaire untersuchte als Erster, welche Umwelteinflüsse Fehlbildungen in der Keimentwicklung von Wirbeltieren auslösten. Meckel erkannte sie bei
menschlichen Embryos. - Etwas gebräunt; Faltenrisse, z. T. unauffällig unterlegt.

Stima
€ 1.800   (US$ 2.052)


Aggiudicato per € 4.000 (US$ 4.560)


» Autografi
Melanchthon, Philipp
Manuskript 1522 mit Namenszug

Lotto 2174

Melanchthon, Philipp (eigentl. Ph. Schwartzerdt), als Reformator Martin Luthers engster Mitarbeiter, Altphilologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter, galt als "Praeceptor Germaniae" (1497-1560). Eigh. Manuskript mit Namenszug "philippi melanchtonis" am Kopf. In latein. Sprache. 1 S. (22 Zeilen). Auf ein neueres Blatt montiert. 8vo. O. O. 1522.

Fragment einer Abhandlung über die Syrinx, die altgriechische Hirtenflöte ("Panflöte"), ihren Namen und ihr Vorkommen in der griechischen Mythologie (Bacchus, Telemachos) sowie ihr Verhältnis zur Vokalmusik; wohl niedergeschrieben im Rahmen einer Schrift über neuere Kirchenmusik. - Etwas braunfleckig; kleine Montagespuren; 1 kleiner Eck-Abriss alt restauriert.

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€ 12.000   (US$ 13.679)


Aggiudicato per € 9.500 (US$ 10.829)


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Friedrich II., Markgraf und Kurfürst von Brande...
Urkunde 1439 in seinem Namen

Lotto 2201

"vor unser stat Spandow"
Brandenburg. - Friedrich II., Markgraf und Kurfürst von Brandenburg (1413-1471). Urkunde in seinem Namen. Deutsche Handschrift auf Pergament. 1 S. Mit angehängtem Siegel in Wachsschale. Schmal-quer-4to. Trebbin (Kreis Teltow-Fläming) "am myttenvochen nach dem Sontage als man singet In der heiligen krechen Cantate" (22.IV.) 1439.

Bestätigung einer Stiftung Ottos V., der "vor Zeiten ... zu gedechteniß vnd seiner seelen selickeit drey stucke Jerlicher zinse vnd Rente Im dorffe zu wustermarcke von dem Hove vnd von tzelberen Huben, die zu der zyt geackert vnd besessen hatt Nicklawß Ladow, den armen lewten zu Sente Jorgen [St. Georg], vor vnser Stat Spandow yz in dem Closter gelegen, vmb gotes willen vereygent hatt ... befesten vnde bestetigen den auch In Crafft disses briefes also das die obingeschriben Jerlichen Zinse vnd Rente den guten armen lewten vnd iren nachkamen ... ewiglichen bleiben sollen ...". - Friedrich VI., Burggraf von Nürnberg und seit 1415 auch Markgraf Friedrich I. von Brandenburg, hatte 1437 die Regierung über die Mark an seinen Sohn Friedrich II. übergeben. - Einige kleine Wurmlöcher; sonst einschließlich des schönen Siegels frisch erhaltene, frühe märkische Urkunde aus den Anfängen der Hohenzollern-Herrschaft in Brandenburg. - Sehr selten.

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€ 3.000   (US$ 3.419)


Aggiudicato per € 5.500 (US$ 6.269)


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Metternich, Ernst Graf von
40 Briefe + Beilage

Lotto 2281

Regensburger Reichstag. - Metternich, Ernst Graf von, preuß. Geheimer Staatsrat und Diplomat, Gesandter beim Immerwährenden Reichstag in Regensburg (1657-1727). Sammlung von 40 eigh. Briefen m. U. "Metternich". In deutscher und französ. Sprache. Zus. 214 S. 4to und folio. Regensburg 1698-1707.

Wertvolle Brieffolge eines hohen preußischen Diplomaten, Sohn des Begründers der neumärkischen Linie der Metternichs aus Chursdorf. Ernst von Metternich wurde für wichtige Aufgaben eingesetzt; so verhandelte er in Wien mit Kaiser Leopold über die Königswürde des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. und agierte ab 1713 bei den Friedensverhandlungen in Utrecht. Die hier vorliegenden Briefe sind aus Regensburg an den Grafen Ferdinand Joseph Maria von Tattenbach in St. Martin (Innkreis) gerichtet, den er auch seinen "Herrn Bruder" nennt. Über einen Zeitraum von rund 10 Jahren berichtet und kommentiert Metternich im Plauderton Neuigkeiten aus seinem Alltag und vom Reichstag, teils deutsch, teils französisch, teils gemischt und mit zahllosen Zitaten in Latein und anderen Sprachen geschmückt, die seine Gelehrsamkeit zum Ausdruck bringen sollen. Als geübter Diplomat drückt sich Metternich immer vorsichtig aus, wenn er auf die Tagespolitik und die Vorgänge auf dem Reichstag zu sprechen kommt. So kommen in vielen Briefen Andeutungen vor, die zuweilen dem heutigen, nicht eingeweihten Leser schwer verständlich sind, für seinen Adressaten aber aufschlußreich waren. Als Beispiel mag ein Brief vom 23. August 1698 dienen, in dem von den endlosen Verhandlungen über Zeremonialfragen die Rede ist. Das Schreiben Tattenbachs vom 16. August sei ihm ausgehändigt worden. "... Die Politici in hiesigen Revieren werden schon gute sorge tragen, daß Regensburg nicht gar bei denen, so dem Landleben nachhängen, vergeßen werde. Der ehrliche Chur-Bayerische Secretarius ist darüber in große noth gerathen. Ich habe dazu lachen müßen, und dazu nichts andres gesaget, als daß die worte so Er in materia Ceremoniale ad protocollum gegeben, in terminis labilibis et favis prioribus, mithin dahin zuverstehen wären, daß Ew. Exce einen weg wie den andern zu der bekannten gemeinsahmen Relation concurriren wolten, ja daß wan auch hierunter nicht zu reüssiren wäre, daß Sie das werk darumb nicht für verlohren geben, sondern mit andern auf mehrere expedientia denken könten. Ich neide übrigens Ew. Exce wegen des Landlebens gar nicht; dan ich glaube Sie seyn bey demselben mehr distrahiret als ich bey meinem Stadtleben. Worumb ich mich nach dem Lande sehne ist allein einer retraite halber. Wan ich dort sowol im fracas leben mus [wie] alhier, bin ich deßen nichts gebeßert. Unser größestes unglück seynd die distractiones oder die desapplication von unserm einigen Zweck, von dem uno necessario. Wer solches noch nicht fühlet oder empfindet, der ist halbtod ... Ew. Exce Erklärung aber wird heute erwartet und allem unwesen abhelffen. Man hätte an seiten des Secretarii denen Politicis nicht die Freude machen und so große Kleinmüthigkeit bezeigen sollen. Was das Ceremoniel an sich selbst anlanget, so habe ich Hoffnung, es werde Se. Churf. Durchl., mein gnädigster Herr, sich der Relation nicht entziehen; für mich aber, und als der arme Metternich, bin und bleibe ich der Meinung, daß wan man etwas erdenken solte, umb das ganze werk aufzuhalten, und Sr Kayl. Mst. einen undienst hiebey zuthun, man es nicht künstlicher anfangen könte. Der eventus muß zeigen, ob ich mich betriege. Es mag aber dem seyn wie ihm wolle, so bin ich deswegen ganz ohne bekümmernüß, dan ich habe in Herrn Sachen meinen eigenen willen längst abgeleget ...". - Andere Briefe enthalten vielerlei Klatsch und Andeutungen zu allen möglich Ereignissen; oft werden die anderen (kurkölnischen, kursächsischen, kurtrierischen, kurmainzischen etc.) Gesandten und ihr Verhalten in den Streitigkeiten geschildert. Fast alle Briefe sind großenteils politischen Inhalts.
Am 27.XII.1701 bekennt Metternich resigniert: "... Sie können nun unsere Schwachheiten und den elenden Zustand unsres lieben Vaterlandes von weitem ansehen und bestrachten. Unsere krumme sprünge alhier werden die sache nicht ausmachen. Wer das Protestirende Corpus zufrieden stellen, und die Protestirende begütigen könte welches beydes mir noch sehr mißlich deucht, der könte endlich wol die hiesige berathschlagungen wieder in den gang, vieleicht auch eine Krieges Declaration per majora herausbringen, aber damit ist es noch lange nicht ausgerichtet ... Mancher wird froh seyn, daß der Herr Cardinal wieder weg ist. Einige sagen, Er werde bald wieder kommen. Ich kans nicht glauben. Die alliance zwischen dem Kayser, England und Holland werden Ew. Excellenz schon gesehen haben ...". - So wird sehr viel angedeutet, was hier in "small talk" eingebettet zur Sprache kommt, dem Kenner der Reichstagsgeschichte aber eine Fülle von Informationen aus erster Hand bietet. - Einige französische Briefe ohne Unterschrift, aber vollständig; 1 Schreiben nur Postskriptum. - Beiliegend ein 8seitiger lateinischer Brief ohne Anrede, Unterschrift oder Datum, aber gleichfalls in Metternichs Handschrift. - Teilweise Transkriptionen beiliegend, die allerdings nicht fehlerfrei sind. - Die vorliegende Korrespondenz, die unerforscht aus einem Antiquariatsbestand des 19. Jahrhunderts stammt, stellt eine Quelle ersten Ranges zur europäischen Geschichte um 1700 dar.

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€ 6.000   (US$ 6.839)


Aggiudicato per € 8.200 (US$ 9.348)


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Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen
Schriftwechsel mit Fritz Steinbach

Lotto 2355

Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen, der "Theaterherzog" (1826-1914). Schriftwechsel mit seinem Hofkapellmeister Fritz Steinbach, bestehend aus 3 eigenhändigen und signierten Schreiben des Herzogs und 2 eigenhändigen und signierten Schreiben Steinbachs. Zus. 4 S. auf einem zweispaltig beschriebenen Doppelblatt. Folio. Meiningen 18.-19.XII.1895.

Fritz Steinbach, hervorragender Dirigent und Generalmusikdirektor der Meininger Hofkapelle (1855-1916) wendet sich am 18.XII.1895 an den Herzog mit der Bitte, für Kammermusik-Aufführungen des von ihm nebenbei geleiteten Meininger Singvereins in Hildburghausen den dortigen Theatersaal benutzen zu dürfen. "Da sich bei dem Musikfeste der Theaterraum als für Kammermusikaufführungen sehr günstig erwiesen hat, und ich versuchen möchte, den passiven Mitgliedern des Singvereins statt der Chorkonzerte mit Orchester Kammermusikaufführungen mit Chorvorträgen a capella zu bieten, erlaube ich mir die unterthänigste Anfrage, ob Eure Hoheit für drei Abende (und zwar Hildburghäuser Theaterabende) ... dem Singverein die Benutzung des Hoftheaters gnädigst genehmigen wollen. Die Einnahmen kommen dem Streichquartett & sonstigen mitwirkenden Hofkapellmitgliedern zugute ...". - Darauf erfolgt noch am selben Tag eine ausführliche Antwort des Herzogs: "Zu Vermeidung eines Kriegsgeplänkels zwischen Ihnen und Zezschwitz [Intendant der Hofkapelle], bei dem auch ich unnütz Zeit u. Laune verlieren würde, wollen Sie so gut sein, diese Eingabe (in Abschrift) durch Letztern an mich gelangen zu lassen. Würde er merken, daß er in seiner Stellung als Intendant der Kapelle übergangen wurde, würde er jedenfalls sich bei mir beklagen; denn Niemand hat Gefallen daran, neben hinausgeschoben zu sein. Die Stellung von Z ist ja nicht beneidenswerth, er klagt auch immer darüber, daß er nichts zu thun habe und hält nun selbstverständlich mit Argusaugen Wache, daß das Wenige, was ihm amtlich zukommt, ihm nicht auch noch abgebröckelt werde. Eine andere Stellung als die des Intendanten habe ich absolut aber nicht für ihn und so muß es dabei bleiben ... Meinen Sie, daß Beleuchtung, Heizung und Vorhalten der Billeteurs aus der Hofkasse bestritten werde? ... Einstweilen kann ich Ihnen sagen, daß ich gegen diese 3 Kammermusiksoireen an u. für sich nichts einzuwenden habe ...". - Auf dieses Schreiben des Herzogs sucht sich - ebenfalls noch am selben Tag - Steinbach zu rechtfertigen: "Gesuche des Singvereins, die ich als Director des Singvereins an Eure Hoheit richtete, gingen bis jetzt von mir immer direct an Eure Hoheit. Da die vorliegende Angelegenheit auch nur Singvereins-Angelegenheit ist und mit der Herzoglichen Hofkapelle nur insofern zu thun hat, als das Streichquartett für die beabsichtigten Konzerte vom Singverein engagiert wird, gab ich das Gesuch wie bisher an Hoheit ab. Da es mein Bestreben ist, Herrn v. Zezschwitz nicht den geringsten Anlaß zur Vermuthung zu geben, als ob ich seine dienstliche Stellung übergehen wolle, so lag mir daran, die vorliegende Sache vor Hoheit richtig zu stellen ... Ich erlaube mir noch die unterthänigste Bemerkung, daß ich nicht einen Fall weiß, in dem ich in dienstlichen Angelegenheiten die Intendanz übergangen hätte ...". Darauf erwidert der Herzog: "Sie haben recht! Veranstaltungen des Singvereins brauchen Sie dem Intendanten zum Voraus nicht mitzutheilen ...". - Er fügt aber hinzu: "Immerhin rathe ich dem Intendanten post festum von dem Vorhaben Mittheilung zu machen honoris causa. Auf meine Frage wegen der Bezahlung der Beleuchtung etc. habe ich noch nicht Antwort. Georg." - Vorsichtshalber wendet er sich aber auch selbst noch an Herrn von Zezschwitz: "An die Theaterintendanz. Das wird wohl keinen Anstand haben. Georg [Paraphe]". - Statt des Herrn von Zezschwitz meldet sich indessen sein Stellvertreter, der Dramatiker, Kritiker und Publizist Paul Lindau: "Mit Herrn Gen. Musikdirektor Steinbach habe ich mich darüber bereits geeinigt. Von unserer Seite ist durchaus keine Schwierigkeit vorhanden. Paul Lindau". - Hübscher Einblick in die Betriebs-Probleme eines kleinen, wenn auch berühmten Hoftheaters.

Stima
€ 800   (US$ 911)


Aggiudicato per € 2.600 (US$ 2.963)


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Dósnyai, Carl
Album für Franz Liszt

Lotto 2368

- Dósnyai, Carl, ungarischer Maler und Bildhauer, lebte 1848 bis Ende 1850 in Weimar (1813- nach 1850). Skizzenbuch mit 8 Orig.-Bleistiftzeichnungen, die sehr sorgfältig und fein ausgeführte Porträts von Weimarer Musikern und Schauspielern zeigen, sowie mit einem Textbeitrag eines der Dargestellten. 30 Bl., davon 11 S. illustriert oder beschrieben. 22,5 x 18 cm. Dunkelgrüner Leinenband d. Z. mit Blindprägung im sog. "Romantiker-Stil". (Weimar, wohl Okt. 1850).

"Seinem edlem [!] Wohlthäter Herrn Doctor Franz Liszt widmet Carl Dósnai, Maler und Bildhauer" (Titelseite). Auf dem folgenden Blatt zitiert er das von Ovid stammende Wort: "Ut desint vires, tamen est laudanda voluntas" ("Wenn auch die Kräfte fehlen, so ist doch der Wille zu loben"). Das Album enthält 8 ganzseitige Porträts von wichtigen Künstlern des Weimarer Hoftheaters und der Hofkapelle, jeweils rückseitig (vielleicht von anderer Hand) mit Bleistift bezeichnet: 1. Eduard Genast, bez. "Eduard Genast Regisseur und Hofschauspieler" (1797-1866; Schauspieler, Sänger und Komponist). Frühes Porträt. Aus dieser Zeit ist eine weitere Porträtzeichnung von Friedrich Preller ("nach 1850") bekannt. - 2. Franz Götze, bez. "Tenorist Götze" (1814-1888; Violinist und Sänger). Frühestes der bisher bekannten Porträts. Ein Holzstich von Adolf Neumann (1825-1884) zeigt Götze viele Jahre später. - 3. Joseph Joachim, bez. "Joseph Joachim" (1831-1907; Violinvirtuose und Komponist). Joachims äußere Erscheinung ist zwar durch Photographien, Künstlerzeichnungen und Gemälde bekannt. Doch Dósnays Zeichnung dürfte das allerfrüheste Porträt des später weltberühmten Künstlers sein. - 4. Bernhard Cossmann, bez. "Bernhard Cossmann" (1822-1910; Cellist und Komponist). Frühestes bekanntes und einziges Jugendbildnis. Das zeitlich Nächste ist ist ein Photo aus den 1870er Jahren. - 5. Hans Feodor von Milde, bez. "Feodor von Milde" (1821-1899). Frühestes der bisher bekannten Porträts des vortrefflichen Baritons, das zeitlich nächste zeigt ihn im Jahre 1857. - 6. Joachim Raff, bez. "Joachim Raff" (1822-1882; Komponist und Musikpädagoge). Frühestes der bisher bekannten Porträts; das zeitlich nächste zeigt ihn erst 1856. - Auf dem folgenden Blatt ein schriftlicher Eintrag von Raff selbst: "Wenn die Selbstironie den Humor eines Menschen bekundet, so wird man mir nachsagen müssen, daß ich ihre bittersten Forderungen nicht zurückgewiesen habe. - Weimar am 29. October 1850 Joachim Raff". - 7. Georg Winterberger, bez. "Hofschauspieler Winterberger" (1801-1866; Mitglied des Weimarer Hoftheaters). Es gibt ein Jugendbildnis als Lithographie nach Kriehuber. Dosnyais Porträt ist das einzige im reifen Mannesalter. - 8. Alexander Winterberger, bez. "Alexander Winterberger" (1834-1914; Pianist, Organist und Komponist). Bekannt ist nur ein Porträtphoto und ein verwandter Holzstich des älteren Mannes. Dosnyais Porträtzeichnung des Siebzehnjährigen dürfte das einzige erhaltene Jugendbildnis des begabten Liszt-Schülers sein.
Károly Dósnyai, der sich in Deutschland Carl Dósnai nannte, hatte bereits 1839 in Pest die Gips-Statue Franz Liszts modelliert, wodurch er dessen Unterstützung für eine Studienreise nach Italien gewann. 1846 hatte er Liszt in Pest aufgesucht und war ihm 1848 nach Weimar gefolgt. Die Tätigkeit
Joseph Joachims als Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle unter Liszts Leitung begann laut Vertrag am 13. Oktober 1850, und wenn Joachim Raff seinen Eintrag im Album mit 29. Oktober 1850 datiert, so läßt sich dessen Entstehungszeit mit "Oktober 1850" annehmen. Falls Dósnyai geplant hatte, seinem Gönner den Band zum Geburtstag am 22. Oktober zu überreichen und bis dahin möglichst viele Bildnisse von Weimarer Künstlern darin zu sammeln, so konnte dieses Vorhaben nicht vollendet werden: Schon der Aufwand, den solche sorgfältigen Porträts "nach der Natur" bedeuteten, war nicht leicht und schnell zu bewältigen. Und Liszt befand sich an seinem Geburtstag nicht in Weimar, sondern hatte bereits Mitte Oktober Fürstin Carolyne von Sayn-Wittgenstein und ihre an Typhus erkrankte Tochter Marie zu einem Kuraufenthalt nach Bad Eilsen begleitet. Er kehrte erst Ende Januar 1851 nach Weimar zurück. Da hatte der Künstler, ohne neue Aufträge und ohne die Nähe seines Wohltäters, Weimar bereits verlassen, um sich über Hamburg nach London zu begeben. Das erklärt, warum sich das Album nicht in Liszts Nachlaß befand. Dósnyai ließ das erst zu einem Drittel gefüllte Album vielleicht in Hamburg zurück; dort kam es zu Beginn der 1990er Jahre erstmals zum Vorschein. - Das Album ist ein Dokument für die hohe Begabung Carl Dósnyais, erinnert aber auch an das selbstlose soziale Engagement von Liszt, der sich für viele angehende Künstler eingesetzt hat. Ungarn hat im 19. Jahrhundert eine beachtliche Anzahl hervorragender Künstler hervorgebracht, die aber aufgrund ökonomischer oder politischer Verhältnisse oft wenig Entfaltungsmöglichkeiten fanden, so daß Mancher sein Glück im Ausland suchte. Dabei hatten nicht alle so viel Erfolg wie der aus Kittsee bei Preßburg (damals ungarisch) stammende Joseph Joachim, dessen Bildnis kurz nach seinem Antritt als 19jähriger Konzertmeister mit gutem Gehalt an einer ranghohen Hofoper bereits von einem so talentierten Landsmann wie Carl Dósnyai festgehalten wurde.

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Reger, Max
Brief an Herzog Georg II. von Meiningen

Lotto 2375

Stalking in Meiningen
Reger, Max, Komponist und Dirigent, Generalmusikdirektor in Meiningen (1873-1916). Eigh. Brief m. U. "Reger". 11 S. Gr. 8vo. Meiningen 25.V.1913.

Sehr umfangreicher Brief an seinen Brotherrn, Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen (1826-1914), den berühmten "Theaterherzog", der ihm die abfällige Kritik eines Reger-Konzertes aus der Feder Otto Neitzels übersandt hatte. Der Komponist nutzt die Gelegenheit, über Verschiedenes ausführlich sein Herz auszuschütten. "... Die betreffende Kritik habe ich übersehen; dieselbe stammt aus der Kölnischen Zeitung u. ist geschrieben von Dr. Otto Neitzel, welcher Herr uns allen als ein oberflächlicher Musiker bekannt ist; derselbe hat noch nie sich Zeit genommen, sich mal ernsthaft mit Reger zu beschäftigen; er hörte in Bonn die beiden Werke zum 1. Male. Ich hätte nicht die Courage, nach einmaligem Hören eines moderneren ernsthaften Werkes, darüber ein Urtheil in der Zeitung loszulassen; aber das ist ja der Krebsschaden unserer gesammten Kritik. Mit welcher grandiosen Oberflächlichkeit dieser Herr Neitzel urtheilt, geht wohl am Besten daraus hervor, daß er vorigen Winter in Eisenach gelegentlich eines Vortrages äußerte, daß man Joh. Brahms' Klavierquartette doch eigentlich nicht mehr spielen könnte. (Ich machte darauf die treffende Bemerkung: 'Neitzel kann sie noch nicht spielen!'). Seit diesem Ausspruch ist Neitzel für mich u. sehr viele andere als Musiker u. Kritiker endgültig erledigt. Im Übrigen fühlt der ernsthaft schaffende Künstler viel eher als die Kritik, wo die Schwächen seines Werkes liegen. Ich selbst gestehe offen, daß es seit Jahren mein Bestreben ist, mich so klar und plastisch, wie es möglich ist, musikalisch auszudrücken, was bei mir schwerer ist, da ich sozusagen an 'Überfülle' der Einfälle leide. Wenn jemand meine Entwürfe u. dann die druckreife Arbeit sähe, würde er sehr erstaunt sein, wie viel, wie viel ich ganz rücksichtslos rauswerfe; ich predige meinen Schülern immer: Kürze, Plastik! ...".
Ferner meldet er dem Herzog, daß er soeben die Leitung des Meininger Singvereins niedergelegt habe, weil der ihn schlecht behandele, obwohl er, Reger, ohne jedes Honorar seit langem viel Zeit und Geld für den Verein und dessen Volksspiele geopfert habe. Reger schildert ausführlich seine Differenzen mit dem Verein und versichert schließlich: "... ich für jeden Fall dirigiere diesen Verein nicht mehr". - Es folgen diverse weitere Themen, darunter
die Konzerte der Meininger Hofkapelle in Hildburghausen. Reger bittet um die Erlaubnis, "daß die Konzerte ... immer um 33/4 Uhr (statt 4 Uhr) beginnen dürfen; die Besucher aus Coburg u. Sonneberg haben dann sehr gute Reise-Verbindung heimwärts; wenn wir um 4 Uhr beginnen, erreichen sie den Zug nicht mehr, müssen bis nachts 1 Uhr aufbleiben, während sie schon um 8 Uhr zu Hause sind in Sonneberg, wenn wir um 33/4 Uhr beginnen ... Nun muß ich Ew. Hoheit noch eine ganz wunderliche Geschichte melden. Ich habe in Leipzig eine Schülerin am Conservatorium gehabt; Russin, merkwürdiges Geschöpf; vor 6 Monaten taucht sie plötzlich in Meiningen auf, wird aber so arg zudringlich, daß ich sie aus dem Kreise meiner Schüler entfernte; seit dieser Zeit - 1/4 Jahr - verfolgt mich das Mädchen mit Briefen derart unverschämter Natur, daß ich mir die Sache nicht mehr länger gefallen lassen konnte, insbesondere, da sie mir drohte, sie wollte mich erschießen. Ich habe die Briefe an die Polizeidirektion Leipzig gesandt, welche das Mädchen vor 10 Tagen als lästige Ausländerin ausgewiesen hat. Nun ist das Mädchen wieder in Rußland, schreibt mir aber gleichwohl die total verrücktesten Briefe weiter ... Meine Wohnung gleicht demnächst einem Museum; von allen Seiten bekomme ich die kostbarsten seltensten Kunstraritäten geschenkt. Es sind da Dinge von größtem Musikhistorischem Werte dabei - meistens Originale. Augenblicklich weilt eine Bildhauerin aus Berlin hier, der ich zu einer Büste sitze; die Büste wird sehr gut ...". - Schöner, sehr inhaltsreicher Brief, interessant auch durch den vertraulichen Ton, den der Herzog im Umgang mit seinen Künstlern pflegte. - 2 Bl. mit Faltenriss.

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