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Immagine Principale Descrizione Stato
Felipe II
Marmolejo. Privilegio de la iuridicion y rentas...

Lotto 1092

Einziges bekanntes Exemplar
der seltenste spanische Druck

Felipe II. - Marmolejo. Privilegio de la iuridicion y rentas juridicionales y temporales de la villa Marmol, a Iuan Vazquez de Salazar secretario de su Magestad y de su consejo para desde principio del anno de 1577 en adelante. 1 nn., XLIII num. Bl. Mit Titelholzschnitt-Bordüre, großem Wappenholzschnitt verso Titel und 10-zeiliger Holzschnitt-Bordüre. Ca. 41 x 30 cm. Pergamentumschlag d. Z. (minimal abgegriffen und fleckig) in brauner Maroquin-Kassette mit goldgeprägtem RTitel und Blindfileten. O. O. und Dr. (d. i. Madrid, Imprenta Royal?), 1577.

Nicht bei Palau, Colmeiro, Goldsmiths, Kress etc. – Rarissimum auf Pergament: eine spanische Urkunde über die Verleihung von königlichen Privilegien an Juan Vazquez de Salazar, dem Bürgermeister, dem "Se˝or de la Villa de El Mármol", einer kleinen Stadt in der Nähe von Jaén in Andalusien. Gedruckt in einer kraftvollen, sauberen Gotica textura ist das Dokument am Ende vielfach von den Verantwortlichen, Notaren und Advokaten signiert, meist mit Zusatz des kalligraphischen Siegels.
Ein vergleichbares Dokument von 1576 wurde von Albi Rosenthal, Oxford, ca. 1953 in seinem Katalog "Books on Spain" unter der Nummer 872 beschrieben. Die Angaben bei Rosenthal zum Interesse des Drucks sind mutatis mutandis auch auf unseren Druck übertragbar.
Von größter Seltenheit, wahrscheinlich nur in kleinster Auflage gedruckt, ist das uns vorliegende weltweit das einzige bekannte Exemplar. Lediglich in der Archivbibliothek des "Ministerio de Educaciˇn, Cultura y Deporte. Biblioteca Virtual del Patrimonio Bibliográfico" findet sich ein Nachweis, der allerdings zu einer Kopie bzw. einem Digitalisat führt, für das wohl das vorliegende Exemplar die Vorlage (Pergamentexemplar - Piel) abgab (Biblioteca Virtual del Patrimonio Bibliográfico 1577 - mit dem Kommentar: "Es un traslado reconocido de la carta de privilegio original Hojas impresas por ambas caras. Digitalización. Vitoria-Gasteiz: Fundación Sancho el Sabio, 2008. Digitalización. Vitoria-Gasteiz : Archivos y Bibliotecas, Mayo 1995. Piel". – Leicht wellig, kaum gebräunt, gering und nur vereinzelt fleckig, jede Seite mit zwei kalligraphischen Schnörkelsiegeln zur Echtsheitsbestätigung von den Notaren Miguel Dearai und Diego de Honora. Bemerkenswert breitrandig. – Beiliegt eine weitere, auf Pergament gedruckte Urkunde: Privilegio de las Alcavalas de la villa de Marmˇl, y sus terminos y jurisdiction, a Iuan Vazquez de Salazar ... se˝or de la dicha villa. 1 nn., VIII num., 1 nn. Bl. Mit Titelholzschnitt-Bordüre, großem Wappenholzschnitt verso Titel und 10-zeiliger Holzschnitt-Initiale. 38 x 28 cm. Bindung mit roter und gelber Kordel d. Z. Ebenda 1577. - Titel mit kleiner hs. Nummer, Ränder knittrig und stärker angestaubt, etwas wellig, fleckig und eselsohrig, im Text aber sehr schön erhalten.

English: Extremely rare certificate (only printed in very small number) granting royal privileges to Juan Vazquez de Salazar, the mayor of a small town near Jaén, Andalusia. Only copy known, rarest Spanish print. Slightly wavy, hardly any browning, only few scattered stains. Each page with two calligraphy seals by the notaries Miguel Dearai and Diego de Honora. Remarkably wide margins. Contemporary vellum wrapper (minor signs of use and finger stains). Boxed in brown morocco cassette with gilt spine title and blind fillets.

Stima
€ 6.000   (US$ 6.600)



» Letteratura
Biblia germanica
Biblia das ist ... Teil III Die Propheten alle ...

Lotto 1162

Biblia germanica. - Die Propheten alle Teutsch. D. M. Luther. Mit Churf: Sächisch: Privilegio. 1 Bl., 590 S. Druck auf Pergament. Mit breiter Holzschnitt-Titelbordüre. 12 x 6,5 cm. 25 Lagen über 3 geflochtene Doppelbünde gebunden (ohne Einband). Lüneburg, Johann und Heinrich Stern, 1627.

VD17 23:673454R. STC B 1016 (Ex. auf Pgt.). Strohm E 741 (Ex. auf Papier). Graesse I, 379. Nicht bei Darlow-Moule. – Der dritte Teil der hübsch gedruckten Stern'schen Taschenbibel in der Übersetzung Martin Luthers (1483-1546), die 1627 unter dem Gesamttitel: "Biblia das ist Die gantze Heilige Schrifft Deutsch: D. Mart. Luthers" bei Johann und Heinrich Stern in Lüneburg erschienen war. Hier eines der wenigen Exemplare, die vollständig auf Pergament gedruckt wurden.
Tatsächlich sind bis dato nur zwei weitere Exemplare auf Pergament bekannt: dasjenige des Sammlers Lord Spencer, das dann in die British Library aufgenommen wurde: "Il en existe un exemplaire, tiré sur vélin, chez Lord Spencer. C'est le texte d'Osiander" (Graesse I, 379).
Neben dem Pergament-Exemplar der British Library ist nur noch ein vollständiges Pergament-Exemplar in der Königlichen Bibliothek von Dänemark nachweisbar. Die Titelbordüre in Holzschnitt zeigt eine Säulenädikula mit Putten und der Wappen-Druckermerke der Verleger mit dem Monogramm "HS" und dem Motto "Ad Astra per aspera". – Titelblatt und erste Lagen wellig, Titelblatt mit Einrissen von rechts und kleiner Fraßfehlstelle (kaum Darstellungsverlust), nur ganz vereinzelt etwas fleckig oder gebräunt, lediglich die letzte Seite stärker angeschmutzt, im Block sonst sehr sauber und frisch. Selten, ohne Fingerprints im VD17, das dort genannte Wolfenbüttler Exemplar ist nicht digitalisierbar (da wahrscheinlich zu streng gebunden: "Schlüsselseiten liegen noch nicht vor ... HAB Wolfenbüttel nicht digitalisierbar"), das vorliegende Exemplar wäre dafür perfekt geeignet, da es nicht im Einband ist und vollkommen leicht zu öffnen.

Stima
€ 6.500   (US$ 7.150)



» Letteratura
Pacelli, Eugenio
Teilnachlass von Autographen

Lotto 1212

Pius XII, Papst. - Pacelli, Eugenio. Teilnachlass von Autographen, Büchern, Devotionalien, Kleidungsstücken, Schuhen und persönlichen Gegenständen des jugendlichen wie erwachsenen, in Rom geborenen Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli. Rom ca. 1890-1958.

Eugenio Pacelli (1876-1958) gehört zu den umstrittensten Figuren auf dem Papstthron, verkörperte er doch in der politisch schwierigsten Zeit der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts als Stellvertreter Christi die höchste moralische Instanz der katholischen Christenheit. Ab 1917 war er für die Apostolische Nuntiatur in München tätig, als deren Nuntius er den Vatikan im gesamten Deutschen Reich vertrat. Er verhandelte mit Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und mit Kaiser Wilhelm II. selbst, bis er am 22. Juni 1920 zum Nuntius für die Weimarer Republik ernannt wurde. In zahlreichen Äußerungen kritisierte er die Jesuiten- und Judenverfolgungen durch die immer stärker werdenden rechten Kräfte, was er mit seiner Enzyklika "Mit brennender Sorge" vom 21. März 1937 bekräftigte.

Schon seit dem 18. August 1925 residierte er im Palais der Reichsnuntiatur im Berliner Bezirk Tiergarten (Rauchstraße 21). Er beherrschte die deutsche Sprache fließend, und konnte so in zahlreichen diplomatischen Auseinandersetzungen direkt ohne Dolmetscher verhandeln. Als Papst wurde seine oft als unentschieden empfundene Haltung und sein Lavieren zwischen den Machtblöcken und Diktaturen, vor allem zwischen Deutschland, Italien, Russland und Amerika, kritisiert - ebenso wie seine zögerlichen Stellungnahmen zur Judenverfolgung und dem Holocaust. Dies gipfelte mit der Veröffentlichung von Rolf Hochhuths Dramas "Der Stellvertreter" im Jahre 1963 und mit der darauf einsetzenden Aufarbeitung seines Pontifikats, die allerdings wissenschaftlich erst seit der sukzessiven Öffnung der vatikanischen Archive möglich wurde.

Für die Revision seiner Biographie sind unter anderem auch die Zeugnisse Eugenio Pacellis aus dessen Kindheit und Jugendzeit höchst aufschlussreich. So bietet die Veröffentlichung der Forscherin Ilse-Lore Konopatzki "Eugenio Pacelli. Pius XII. Kindheit und Jugend (Ruppichteroth 2001) durch die Auswertung zahlreicher neuer Dokumente einen Einblick in die Forschungslage und bildet die Basis einer Neubewertung der Person Pius' XII. Im Klappentext dazu heißt es: "In diesem Buch wird der Versuch gewagt, die innere Biographie eines jungen Menschen, der später Papst wurde, anhand seiner eigenen Aussagen nachzuzeichnen. Durch eine glückliche Fügung ist aus der Kindheit und Jugend Papst Pius' XII. eine Fülle von Handschriften-Material erhalten geblieben, das die Autorin erstmalig sichten und auswerten durfte...".

Einen kleinen Teil seines Nachlasses, u. a. einige der besagten Jugendschriften, vermachte Pius XII. als Erbe der Madre Pascalina Lehnert (1894-1983). Diese aus dem bayerischen Ebersberg stammende Ordensdame gehörte den "Schwestern vom Heiligen Kreuze" an und wurde schon 1917 von Eugenio Pacelli für seine Münchner Nuntiatur in Dienste genommen. Jahrzehnte lang übernahm sie dann die Haushaltsführung des Papstes in München, Berlin und in Rom, wo sie als die erste Vertraute und Assistentin des Papstes seine Regierungsgeschäfte wie sein Privatleben treu begleitete. Von ihr gingen die Objekte dann in den Besitz ihrer Freundin, der o.g. Papstbiographin Konopatzki. Einige der Devotionalien stammen auch aus dem Besitz der Madre Pascalina selbst, die auch als Leiterin des "Magazzino", eines internationalen päpstlichen Hilfswerks, tätig war und zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des Vatikan gehörte.

Im Zentrum des Teilnachlasses steht die Sammlung von ca. 60 autographen Schulheften des späteren Papstes, die dieser in den Klassen I-III führte: "Classe 1 Liceale", "Classe 2 Liceale" und "Classe 3 Liceale". Es sind eigenhändige Mitschriften des Schülers in einer sorgfältigen Sepia-Tinte in Quart-Heften (je 20 x 13 cm), alle oben rechts signiert "Eugenio Pacelli". Wie überaus genau Eugenio studiert hat, kann man eindrucksvoll nicht nur an der sorgfältigen, feinen, leserlichen Handschrift, sondern auch an den zahlreichen Unterstreichungen, Korrekturen, Kommentaren und Zusätzen von der Hand desselben ermessen. Vorhanden sind die Hefte der Schulfächer "Storia" (Quaderno I-XXIV), "Storia Moderna" (Quaderno I-XXXI), ferner ein Heft "Carattere generale del Cinquecento" (wohl die Reinschrift einer eigenen Arbeit), vier Hefte "Filosofia", drei Hefte "Storia della Letteratura italiana Quaderno I-III" und weiteres, alles in italienischer Sprache.

Vorhanden sind ferner: ein versilberter und vergoldeter Bilderrahmen mit dem Porträt Pius' XII. (Postkarte, aus dem Besitz der Madre Pascalina), eine nachtblaue Samtkissenschatulle (5 x 23 x 14 cm) mit weißer Seiden- und Goldbrokatbordüre, enthaltend zahlreiche Heiligenbildchen, oft mit Fotos des Heiligen Vaters, ca. 18 Medaillen, teils als Anhänger (Durchmesser 1-6 cm), vier Lebend-Reliquien des Papstes, darunter 2 "Ex indumentis" (vergoldete bzw. versilberte Mini-Reliquiare als Anhänger mit hinter Glas gefassten Stücken des Gewandes Pius' XIII.) sowie 2 "Ex capillis" (versilberte zylinderförmige Reliquiare mit einer Haarreliquie des Heiligen Vaters "Ex capillis S.S. Pius XII"). Ferner die silberne, mit hellblauer, transparenter Emaille gefasste Halskettenuhr der Madre Pascalina an einer silbernen Kette mit türkisfarbenen Perlen, eine weitere Uhr, ein Reisewecker. Runder Wecker mit Standfuß Marke "Westclox Baby Ben", ferner die überaus seltene massive Silbermedaille von Mistruzzi, "PIVS XII ROMANVS PONTIFEX MAXIMVS" mit dem Porträt des Papstes und verso einem Jesuitenkloster. Eine Schachtel mit ca. 800 Andachtsbildern mit dem Porträt Pius' XII. (gedruckt 1965). Rembrandt-Bibel. 4 Bände. Schwarze Pappe. München 1921. Eine blutrote Saffianledermappe mit dem goldgeprägten Supralibros des Papstes (Rücken gebrochen, Deckel lose).

Die Objekte des Nachlasses wurden durch Madre Pascalina eigenhändig verbürgt: in 2 Karton-Billets mit blauer Tinte, die in ein Kuvert eingelegt wurden und in einem hübsches, reich gezierten Messing-Schmuckkästchen erhalten sind. Sie beziehen sich auf verschiedene Indumenta des Papstes Pius XII. Bekanntlich war die Farbe Weiß dem Heiligen Vater vorbehalten: 1) Weiße Soutane mit weißem breiten Gürtel und 8 Elfenbein-Tellerknöpfen. - 2) Zwei weiße Talare aus reinster Baumwolle mit den Initialen "EP" für "Eugenio Pacelli". - 3) Kopfkissenbezug des Papstes Pius XII. mit dem aufgestickten Papstwappen (gekreuzte Schlüssel und Tiara). - Ferner die originale 4) Mozetta (Schulterüberwurf) aus weißer Schafswolle mit Futter aus feinster Seide, und 5) die goldenen Seidenschuhe von Pius XII. Die genagelten Kalbslederschuhe (Absatz mit Kreuznagelung!) sind innen mit roséfarbener Seide ausgestattet und außen mit goldener Brokatseide bezogen, an den Kanten mit einem feinsten Silber-Goldgeflecht gesäumt. Auf dem Spann erscheint das Pacelli-Wappen mit der weißen Taube mit Ölzweig auf dem Dreiberg und dem weißen, rot konturierten Streifen. Um das Wappenschild das Kreuz der Johannesritter und darüber der rote Kardinalshut mit den 30 "Fiocchi", den Quasten.

Während die Kleidungsstücke teils etwas vergilbt, teils fleckig, wenige minimal mottenstichig, sind die goldenen Schuhe nahezu ungetragen, die kostbaren Ledersohlen kaum berieben. Madre Pascalina schreibt: "Ich bestätige: dass dieser weisse Wollteppich lange Zeit unserem Heiligen Vater Pius XII. Sel. Andenkens gedient hat. Sr. M. Pascalina" und "Ich bestätige dass der Haustalar lange von unserem Heiligen Vater Pius XII. hl. Andenkens getragen wurde. Sr. M. Pascalina" (beiliegen Billets).

Zu dem Material, mit Hilfe dessen Ilse-Lore Konopatzki ihre ebenfalls beiliegende Biographie (s.o.) erstellte, gehört auch ein Brief mit eigenh. Unterschrift des "Mons. Pedro Lˇpez Quintana, Assessor" vom 7. Mai 1999, in dem seine Heiligkeit Papst Johannes Paul Wojtyla der Autorin "für dieses Zeichen der Wertschätzung sowie für Ihr Buch" dankt. Für ihre Biographie Pius' XII. ist folgendes Arbeitsmaterial und Literatur vorhanden:
Discorsi e Radiomessaggi di Sua Santità Pio XII. Mischauflage. Bände I-XX und Indice delle Materie, in 21 Bänden OBroschur (Band VII ohne), 1960f. - Lettres de Pie XII aux évŕques allemands 1939-1944. 1966. Sekundärwerke: Raimundi Lulli. Opera latina. 1959. - Alphons Maria Rathgeber. Pastor Angelicus. Ein Lebensbild des Papstes Pius XII. 1960. - Pius XII. Gebete des Heiligen Vaters. 4. Aufl. 1955. - Renée Casin. Mensonges et silences sur Pie XII. 1965. - Le Saint Siège et la Guerre en Europe. 1965. - Rudolf Graber. Papst Pius XII. 1968. - W. A. Purdy. Die Politik der katholischen Kirche. 1966. - Johannes Stöhr. Die theologische Wissenschaftslehre des Juan de Perlin SJ. 1967. - Quirino Paganuzzi. Pro Papa Pio. 1970. - Burkhart Schneider. Pius XII. Friede, das Werk der Gerechtigkeit. 1968. - Jean-Jacques Thierry. Journal sans titre. 1970. - Herbert Schambeck. Pius XII. zum Gedächtnis. 1977.

Ferner vorhanden: 2 Agfa Lnx90 Cassetten (MC) wohl mit Papstreden, zahlreiche Kleinschriften und Broschuren, darunter weitere Studien von Ilse-Lore Konopatzki (Grimmelshauses Legendenvorlagen (3-fach vorhanden) sowie Andruck-Exemplare ihres Werkes über Pius XII. (ungebundene Fahnen). – Teils Gebrauchsspuren, meist aber wohlerhalten.

Stima
€ 6.000   (US$ 6.600)



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Piranesi, Giovanni Battista
Le AntichitÓ Romane.

Lotto 1264

Wohl Präsentationsband der Accademia di San Luca in Rom - auf dem besten Papier mit dem besonderen Lilienwasserzeichen
Piranesi, Giovanni Battista. Le Antichità Romane ... divisa in quattro tomi. 4 Bände. Mit gestochenem Porträtfrontispiz von Polanzani, 6 großen gestochenen Initialen, 2 Textkupfern und 210 (statt 215; davon 112 doppelblattgroßen und 8 mehrfach gefalteten) num. Tafeln (inklusive Titel, Frontispize und Indices) mit 270 Kupfern. 52,5 x 39 cm. Rotbraunes modernes Kalbsleder im Stil d. Z. mit 2 goldgeprägten grünen Leder-RSchildern, Lederecken und Kleisterpapier-Deckelbezügen. Rom, Angelo Rottilo, 1756.

Hind 83. Focillon 224. Volkmann 38, Wilton-Ely 279-528. Hyde Minor 2001, 417. Campbell 83. Coutu 108-109. – Erster Druck der ersten Ausgabe auf besonders luxuriösem und bemerkenswert starkem Papier mit dem seltenen Lilienwasserzeichen, das die Vermutung nahelegt, es handele sich um das Präsentations-Exemplar der Accademia di San Luca in Rom, wo Piranesi das Werk für potentielle Subskribenten ausstellen ließ. So sind nur ganz wenige Piranesi-Drucke auf dieser Papiercharge nachgeweisen, die das Wasserzeichen der stilisierten Lilie mit dem Lanzettenkopf, den beiden Abspreizern und dem ovalen Gürtel tragen. Das Wasserzeichen ist abgebildet und beschrieben bei Andrew Robison (Piranesi - Early Architectural Fantasies, A Catalogue Raisonné of the Etchings, 1978, Zeichen 5), der bemerkt, dass neben einigen Veduten und den 'Carceri' nur ein Exemplar der vier Bände der "Antichità romane" dieses Zeichen im Papier haben: nämlich die sogenannten "Presentation Volumes" der Accademia. Die Datierung des Papiers lässt sich zwischen 1748 und 1760 eingrenzen, also genau in den Zeitraum des Druckes. Robinson schreibt: "all fourteen earliest known impressions of 'Vedute' ... 'Carceri' and AR (Antichità Romanae) in Piranesi's presentation volumes to ASL (Accademia di San Luca, Rom)". Für das Präsentations-Exemplar, in dem die potentiellen Kaufinteressenten unter Aufsicht blättern konnten, wählte Piranesi ein ungewöhnlich festes, fast kartonstarkes und damit besonders dauerhaftes Papier.

Die doppelblattgroße gestochene Widmung im ersten Band ist folgendermaßen von Piranesi tituliert: "Nobilissimo viro utilitati publicae nato Iacobo Caulfield Vicecomiti de Charlemont regni hiberniae patricio...". Der irische Staatsmann und Kunstmäzen James Caulfield, 4. Viscount und dann 1st Earl of Charlemont (1728-1799) hatte ein Projekt Piranesis ab 1752 finanziell unterstützt, wurde aber vom Künstler über den Umfang desselben getäuscht, dass er sich schon 1754 zurückzog, worauf Piranesi nach dem Erscheinen des päpstichen Imprimatur vom 25. Januar 1756 und der Ausgabe der ersten Exemplaren an die Accademia di San Luca die Widmung zurückzog und für alle weiteren Exemplare änderte. Piranesi schrieb: "Se la cosa è tale in effetto, io son pronto a cancellar l'epigrafe, ed il rispetto profondo che professo a. v. g. mi asterrà dal far cosa che possa recarle del dispiacere" (Wrigtht-Gilbert 1891, I, 234, 50). Exemplare mit der Widmung an Charlemont, also in dem ersten Plattenzustand sind von größter Seltenheit ("Le edizioni delle Antichità Romane con questa dedica sono di incredibile rarità").

Im zweiten Band ist die Widmung neben zahlreichen anderen Angaben zum Druck und Autorenschaft in der großen Tafel der Via Appia mit den phantasievoll rekonstruierten Grabmäler "versteckt". Sie findet sich etwa in Bildmitte auf einer schräg an einen Sockel (hinter einer Theatermaske mit Leier), wo es trunkiert heißt: "IACOPO CAVFIE VICECOMI CHARLEM REC". Diese Widmung allerdings fiel nicht der Condamnatio memoriae Piranesis anheim, wahrscheinlich war sie zu klein und lohnte nicht die Mühe der Plattenüberarbeitung.

Auch im vierten Band findet sich noch die Widmung an Charlemont auf der ersten Doppeltafel (in der Attica der Tempelarchitektur), "with dedication to Lord Charlemont in rare early copies" (Hind S. 83). Vgl. auch die Ausführungen von Scott: "Consequently, apart from the seventy copies issued at first, Piranesi held up distribution of the work, including two-hundred copies ordered for Paris, while he ... resolved to copy the example of antiquity and erase the inscription to Charlemont from the title page just as Caracalla had hacked away the name of his murdered brother, Geta, from the arch of Septimius Severus in the Forum. He therefore reworked the dedicatory plate of the first volume, deleting Charlemont's name and excising his coat of arms, leaving only the crest and coronet untouched; Charlemont's name was also removed from two of the other three dedicatory plates" (Jonathan Scott, Piranesi, 1975, S. 112). Zum Streit Piranesis mit seinem Mäzen vgl. die ausführliche Abhandlung von Doris H. Lehmann "Ein Künstlerpamphlet und seine Bildpolemik. Giovanni Battista Piranesis Lettere di giustificazione, in: Vom Streit zum Bild, 2017, S. 146-168.

Die Kupfertafelfolge des Monumentalwerks des Giovanni Battista Piranesi (1720-1778) präsentiert beinahe vollständig in vier Imperialfolianten die Ruinen der antiken Grabanlagen in Rom und Umgebung. "Der Wert dieser Sammlung liegt in den aufgemessenen Grundrissen, den genau nachgezeichneten Gesimsen und Profilen, also einem Gebiet, das dem Laien weniger sagt, das aber für die Geschichte der römischen Baukunst von ungeheurem Wert ist" (Volkmann). Wenige Tafeln aus Band III sind nicht von Piranesi selbst, wie Tafel XXI (Künstler unbekannt) und Tafel XXIII-XXVI (G. Rossi).

Die "Antichità Romane" hatten nach dem Erscheinen eine durchschlagende Wirkung in nahezu ganz Europa. Piranesi erhielt Bestellungen aus Schweden, Frankreich und England, selbst die russische Zarin bestellte das Werk (vgl. Wilton-Ely, Piranesi Vision und Werk, S. 69). Die 'Society of Antiquaries in London' wählte ihn zum Ehrenmitglied.

Zur Kollation:
Band I:
Porträtfrontispiz Piranesis von Polanzani (1750), typogr. Titel, Widmungsblatt an Charlemont (= Tafel I), 2 Bl. mit gestochener Initiale, Tafeln (II-VII), S. 1-40, 30 Tafeln (VIII-XXXVII) mit 60 Kupferstichen, Tafel XXXVIII, XI S., Tafel XXXIX-XL, iii S., Tafeln XLI-XLIII, Indice S. i-iv, Tafel XLIIII, Indice S. i-iii, 1 Bl. "Repertorio".
Typographische Blätter mit zus. 6 gestochenen Initialen und 2 Textkupfern.
Band II: Kupfertitel (= Tafel I), Tafel II, Tafel III (= gestochener "Indice"), Tafeln IV-LXIII (fehlen Tafeln XXIV, LVII), also zus. 61 (statt 63; 41 doppelblattgroße, 1 mehrfach gefaltete).
Band III: Kupfertitel (= Tafel I), Tafeln III-LIV (fehlen Tafeln II, XL und XLIV), also zus. 51 (statt 54; 42 doppelblattgroße, 1 mehrfach gefaltete).
Band IV: Kupfertitel (= Tafel I), Tafel II (= Frontispiz, hier mit der Widmung an Charlemont), Tafel III ("Indice"), Tafeln IV-LVI, also zus. 56 (24 doppelblattgroße, 5 mehrfach gefaltete). – Es fehlen lediglich fünf Tafeln: Band II, Tafel XXIV ("Grand'Urna di porfido), Tafel LVII ("Urne, cippi, e vasi"). Dem Band III fehlen die Tafeln II (Frontispiz "Antiquus circi martial."),Tafel XL ("Veduta della Piramide di Caio Cestio") sowie Tafel XLIV ("Spaccato della Piramide di Caio Cestio"). Die in den Bibliographien aufgeführte Tafel LVII ("Avanzi di un Collegio di Silvano Aureliano") war nie Teil der ersten Ausgabe. So führt der "Indice" im Band auch nur 56 Tafeln auf.

Im dritten Band wurden wenige der römischen Tafelziffern sauber radiert, ganz wenige Tafeln mit alt hinterlegten Randeinrissen bzw. vereinzelten kleinen restaurativen Eingriffen an den weiten Rändern, kaum Knickspuren oder Falze. Von meist nur blassen, kaum ins Gewicht fallenden Braunfleckchen bzw. unwesentlichen Feuchtschatten abgesehen, handelt es sich um ein durchgehend wohlerhaltenes und bemerkenswert frisches Exemplar mit ausgezeichneten, prachtvollen Drucken mit ganzem Rand auf dem besten und stärksten Papieren, die jemals für Plattenabzug vorgesehenen waren. Dieser Druck ist in keiner deutschen Sammlung nachweisbar. Ausführliche Dokumentation in Fotokopien (mit Ausschnitten aus der Literatur) beiliegend.

Stima
€ 45.000   (US$ 49.500)



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Sanquirico, Alessandro
Raccolta di Varie. Mailand 1827-32

Lotto 1276

Persönliches Widmungsexemplar der Erzherzogin und Vizekönigin Maria Elisabetta von Savoyen
(Sanquirico, Alessandro. Raccolta di varie decorazioni sceniche, inventate ed eseguite per il Regio Teatro alla Scala di Milano). 2 Teile in 1 Band. Mit aquarelliertem Widmungs-Frontispiz, kalligraphisch-handschriftlichem Widmungsblatt, 41 kolorierten Aquatintatafeln und 15 Umrissradierungen, alle nach Alessandro Sanquirico. Quer-Folio. 38 x 46 cm. Blutroter Saffianlederband d. Z. (nahezu unberieben) mit besonders reicher Rücken-, Deckel-, Steh- und Innenkantenvergoldung in moderner Leinenkassette. (Mailand, Vasalli, 1827-32).

Ferrero 1983, 91-140. Wurzbach XXVIII, 196. Nagler XVI, 135. – Erste und einzige Ausgabe der Theaterentwürfe des berühmten Bühnenbildners Alessandro Sanquirico (1777-1849), hier in einem Luxusexemplar in fürstlichem Kolorit und Saffian-Prachtband für die Habsburger Erzherzogin Maria Francesca Elisabetta von Savoyen (1800-1856), Vizekönigen von Lombardei-Veneto.
"Alessandro Sanquirico studierte mit allem Eifer die Architektur und zeichnete in Rom fast alle alten und neuen Werke der Baukunst. Dann besitzt er auch genaue Kenntniss des griechischen, romanischen, maurischen und gotischen Stils, sodass er, mit einer ausserordentlich reichen Phantasie begabt, auf dem Theater alla Scala seit Jahren durch einen immerwährenden Reichtum neuer Schöpfungen gesteigerte Bewunderung erregte. Er ist ein Meister in der Perspektive und auch als Maler vom feinsten Geschmacke im Stande, durch Farbe und Licht magische Effekte hervorzubringen. Jede seiner Dekorationen hat neuen Zauber und reiche Mannigfaltigkeit der Erfindung. Es verging daher keine Oper oder ein anderes pomphaftes Schauspiel, in welchem Sanquirico neben den gefeierten Sängern und anderen Bühnenhelden nicht ebenfalls seinen Triumph feierte. Dieser Künstler fing 1818 an, ein Werk herauszugeben, welches die vorzüglichsten der von ihm verfertigten Theaterdekorationen enthält, in Umrissen radiert, dann sehr sauber ausgetuscht und koloriert. Es kam nicht in den Handel" (Nagler).
"La grandiosa collezione del Sanquirico, in fogli di grande formato, stampati e colorati con estrema cura, era evidentemente destinata a clienti 'facoltosi'. Alcune serie furono dedicate a personaggi importanti" (Ferrero).
So enthält das vorliegende Exemplar statt dem Titelblatt ein vom Künstler Sanquirico aquarelliertes Widmungsblatt auf Bleistift- und Federzeichnung mit der Allegorie der Weisheit als Pallas Athene auf dem Thron, umgeben von Kandelabern mit Attributen der Künste. In der Mitte erscheint das ligierte Monogramm "ME" im Strahlenkranz mit einer großen, edelsteinbesetzten Krone. Die umgebende Bordüre ist in Gold und Silber gemalt. Es folgt die Widmung in Sepia-Kalligraphie, ebenfalls aus der Feder des Künstlers: "A Sua Altezza Imperiale La Serenissima Signora Arciduchessa Maria Elisabetta Vice-Regina del Regno Lomb-Veneto ... Questo Saggio di sue Sceniche Composizioni Il Pittore Allessandro Sanquirico Milanese umilmente Consacra".
Die in Mailand residierende Herzogin war die wichtigste Förderin des Künstlers, der sein ihr gewidmetes Exemplar mit zusätzlichen, nicht in der normalen Ausgabe enthaltenen Tafeln versah. Der französische Schriftsteller Stendhal lobte das Werk Sanquiricos als "une terrible imagination; décorations divines; la perfection d'un art". Die Bühnenbildentwürfe gehören tatsächlich zu den zauberhaftesten, höchst suggestiven und nicht grandioser vorstellbaren ihres Genres, "qui sostenne la fama e il prestigio della scuola scenografica milanese e conferý valore artistico e culturale alla Scala" (Ferrero).
Sanquirico war zwischen 1817 und 1832 der künstlerische Leiter am Teatro della Scala in Mailand, wo seinerzeit die bis heute unübertroffenen Opern der größten Komponisten uraufgeführt und wiederaufgeführt wurden: La Clemenza di Tito von Wolfgang Amadeus Mozart, L'Otello von Salvatore Viganˇ, La Gazza Ladra von Gioacchino Rossini, L'Escule di Granata von Giacomo Meyerbeer, Chiara e Serafina von Gaetano Donizetti, La Vestale von Gaspare Spontini und viele mehr.
So setzte der Künstler mit seiner Publikation nicht nur den Inszenierungen, sondern letztendlich auch dem musikalischen Welterbe ein Denkmal, das in dem vorliegenden Exemplar - in der Einheit von Tafeln, Einband, Widmung und Provenienz - seine Apotheose erfährt. – Vordergelenk gebrochen, dadurch aquarelliertes Widmungsblatt geringfügig eingerissen, kalligraphisches Widmungsblatt stärker knittrig, die Seidenhemdchen ebenfalls knittrig und fleckig, die Tafeln aber nur unwesentlich gebräunt oder fleckig, durchgehend sauber und in dem feinsten Kolorit mit leuchtenden Farben gestaltet. Erschienen waren insgesamt über 80 Tafeln, die in unterschiedlich umfangreichen Exemplaren zusammengebunden wurden. Hier vorhanden sind 36 kolorierte Aquatinten und 15 Umrisskupfer sowie ferner 5 zusätzliche, anderen Exemplaren nicht beigebundene Aquatinta Tafeln. Diese fünf zusätzlichen Tafeln sind handschriftlich mit Sepia unter der Darstellung bezeichnet: "Interno di una Serra" (Elerz e Zulmida), "Tempio di Minerva" (La Morte d'Ettore), "Luogo delizioso contiguo alla Reggia" (Ottavia), "Luogo destinato ai Sepolcri dei re di Danimarca" (Amleto), "Giardino" (La Sciocca). Alle anderen Tafeln mit den gestochenen Angaben der Szene, der Oper, des Komponisten, der Saison und der Jahresangabe der Aufführung.

Stima
€ 45.000   (US$ 49.500)



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Roth, Joseph
Manuskript mit Namenszug

Lotto 2621

Roth, Joseph, österr. Schriftsteller (1894-1939). Eigh. Manuskript mit Namenszug "Joseph Roth" beim Titel. 11/2 S. auf 2 Bl., in Roths bekannt mikroskopisch kleiner Schrift (Tinte und Bleistift auf liniiertem Papier). 4to. O. O. (wohl 1930).

"Kritisches Tagebuch". Vollständige, umfang- und gedankenreiche, wortmächtige Rezension von Annette Kolbs Buch "Kleine Fanfare", das 1930 bei Rowohlt erschienen war: "In ihrem jüngsten Buch erzählt Annette Kolb von Menschen, Städten, Begegnungen. Während ich ihre Zeilen las, erschienen sie mir eher geschmiedet als geschrieben, geschmeidig und immer noch warm von der Glut, in der sie Guß und Formung erfahren hatten. An Waffen erinnerten sie mich, diese Sätze. Und es war mir, als berichte [er] von seinen Turnieren, deren er so viele mitgemacht hat, der einzige weibliche Ritter unserer Litteratur. Frau Annette Kolb ficht, wenn sie schreibt. Sie macht einen Ausfall, sie pariert einen Angriff. Sie hat viel zu verteidigen und Vieles anzugreifen. Denn sie liebt Vieles: Mit jener ritterlichen Liebe, die den Degen zieht, wenn das Herz es befiehlt; und sie verachtet Vieles: mit jener ritterlichen Verachtung, die das Verächtliche umbringt, noch ehe es den Gnadenstoß erhalten hat. Kleine Fanfare, die von wichtigen Turnieren kündet, kleine große Fanfare ...".
Anläßlich eines Kapitels über Isabella die Katholische und eines Ausspruchs von ihr: "Ich komme mit solchen Leuten nie zusammen", schreibt Roth: "... Mit solchen Leuten kommen wir leider täglich zusammen, seitdem der Fortschritt den Schlagriemen schwingt und der Radikalismus der Barbaren, bei denen Rechts und Links das Gleiche ist, das gottlose Reich errichtet und der Menschlichkeit spottet. Dennoch ist all den Gasmasken unverzüglich der Garaus gemacht, wenn ein Mensch, wie Annette Kolb, von ihnen als von 'solchen Leuten' spricht. Einer der Augenblicke, in dem die Noblesse des Privatmenschen identisch wird mit der stilistischen Schlagkraft des Schriftstellers. Im Nu, und sozusagen in weniger als einem Nu, im Bruchteil eines Nu, sind die muskelstrotzenden Box-Gespenster der Schlagriemen-Zivilisation zurückgejagt in die heimischen Urgründe ihres barbarischen Heidentums ... Jeder, mit dem diese Frau zusammenkommt, erwirbt zu dem Adel, den er besitzt und der die Voraussetzung seiner Begegnung mit der Schriftstellerin ist, noch die adelnde Auszeichnung, mit distanzierender Liebe beschrieben zu werden: Adolf Hildebrand, Alexander Hohenlohe, Romain Rolland, Gerhart Hauptmann, Kurt Eisner, Monseigneur Duchesne, Busoni, Toscanini, der Maler Habermann und manche andere aus dem engen Kreis, innerhalb dessen die paar Edlen verschanzt sind, die letzten lebendigen und verstorbenen Helden einer mächtigen und bedrängten Festung ...". - Zum Schluß die Bemerkung: "Ich wünschte, ich besäße die kreuzbrave Gradheit jener Rezensenten, die schreiben können: ich nahm das Buch in die Hand und konnte es nicht wieder weglegen. Man gestatte mir dieses Zitat. Es entspricht vollkommen den Tatsachen und ist wirksam, wie man sagt. Für dieses Buch riskiere ich gern eine etwas blamable Anleihe." - Mit zahlreichen Streichungen, Verbesserungen und Einschüben. - Einrisse in der Querfalte unauffällig unterlegt. - Solche vollständigen Manuskripte von Joseph Roth sind im Autographenhandel sehr selten geworden.

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€ 6.000   (US$ 6.600)



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Einstein, Albert
Brief 1945

Lotto 2688

"Meine Lieblinge sind Bach, Vivaldi und Mozart"
Einstein, Albert, Physiker, Nobelpreisträger, Schöpfer der Relativitätstheorie (1879-1955). Brief m. U. "A. Einstein". In deutscher Sprache. 1 S. Mit Einsteins Adresse in Princeton als Briefkopf in Blindprägung. Gr. 4to. Knollwood, Saranac Lake N. Y., 13.VII.1945

An Miss Vera Halleman. "... Ich bekomme sehr viele Briefe aber selten einen, der so hübsch und natürlich ist wie der Ihrige. Sie haben ganz recht, dass es am besten ist, das einzelne Geschöpf zu sehen und zu nehmen wie es ist, und nicht erst in Schubladen einzureihen mit nichtssagenden Etiketten. Es freut mich auch, dass Sie am Geigen Vergnügen haben; mit meiner Geigerei ist nicht mehr viel los. Dem Saint Saens kann ich allerdings nicht viel Geschmack abgewinnen, überhaupt nicht der Musik des 19. Jahrhunderts. Meine Lieblinge sind Bach, Vivaldi und Mozart ...". - 1 Faltenriss verso mit Tesafilm repariert, mit entsprechend durchschlagender Verfärbung.

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€ 6.000   (US$ 6.600)



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Friedrich II., der Gro▀e
Eigenhńnd. Gedicht an Voltaire

Lotto 2760

Gedicht an Voltaire
Friedrich II., der Große, König von Preußen (1712-1786). Eigh. Gedichtmanuskript m. U. "Federic". 22/3 S., eng beschrieben. 4to. (Rheinsberg) 26.XI.1737.

Eigenhändiges, am Schluß signiertes Briefgedicht an Voltaire. 106 Zeilen, wovon 2 gestrichen und 2 andere am Rand eingefügt sind. Die umfangreiche Dichtung in subtil ironischem Ton erinnert an die zweite Satire von Boileau. Die folgenden Zitate sind in der mangelhaften Orthographie des Originals wiedergegeben, die später in der Werkausgabe von 1846 korrigiert wurde. "à Mons de Voltaire. - Dis nous Divin Voltaire ou ton esprit sublime / aprit à renfermer le bonsens dans la rime / quel tresort te fournit ces mots harmonieux / dont le concours heureux de sons Melodieux / enchantant les esprits et chatouillant l'oreille / par un plaisir nouveau sans cesse nous reveille ... On me veroit bient˘t prandre un rapide esor / et m'élever aux Cieux, saisi d'un doux transport / m'asurant du soutiens de tes sublimes ailes / abandoner la terre aux faibles irondelles / tel traversant les airs et s'élevant au cieux / L'aigle pointe au soleil son vol audacieux / soutenant ses eglons, sous ses ailles agiles / qu'il instruit à mouvoir leurs ailerons débilles / et tel, en m'éllevant sur le mon des neuf sœurs / inspire à mes esprits tes Divines fureurs / et que l'expretion s'aliant à la rime / avec l'invention m'amènent au sublime / que les mots, à leur lieu tout prŕts à se placer / sans se faire chercher soient prŕs à s'arranger ...". Am Schluß heißt es: "... assuré des bons vers don ton bras me repond / je mes tout mon espoir en ton savoir profond / en tentant avec toi les vents et les orages / j'opose au flots émus Voltaire et ses ouvrages." - Schönes, charakteristisches Gedicht des 35jährigen Kronprinzen über Voltaires und eigene Poesie. - In bearbeiteter Form gedruckt in: Oeuvres (1846), Band 14, S. 38-42.

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€ 12.000   (US$ 13.200)



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Friedrich II., der Gro▀e
Deutscher Brief an Fredersdorf

Lotto 2762

"Gott bewahre Dihr"
- Eigh. Brief m. U. "Fr." (Paraphe). In deutscher Sprache. 1 S. 4to. Ostritz (Sachsen) 27. (XI.1745).

Aus dem Feldlager an seinen Kammerdiener Michael Gabriel Fredersdorf. Zwischen den siegreichen Schlachten bei Soor (30. Sept.) und Kesselsdorf (15. Dez.) berichtet der König an seinen engsten Vertrauten in Berlin in einem ungewöhnlich umfangreichen Brief über die Vertreibung des Prinzen Karl von Lothringen aus der Lausitz: "Hier Seindt wihr fertig und ist alles aus, überhaubt haben wihr drei Starke Magazine gekrigt 1600 gefangene über 40 officirs, den feindt Mit größerem Schrek und Confusion aus der Lausnitz nach Böhmen gejagt als wan er 2 Battaillen verlohren hätte ... d. 23. des Nachmitags umb 2 uhr seindt wihr hier ins Landt gekommen, und heütte Nachmittach vohr 2 uhr haben wihr Sie Schon aus Zittau vertrieben, alles ist in der größten flucht. unßere hußaren haben beßere equipage als kein officir von der armée. Sie schlepen Sich mit Magnifiquen pferde, und Kutschen herumb, und ist alles vohr Spotgeldt zu haben; wan es nuhr den fürsten in etwas gelücket So Seindt wihr oben darauf, die gantze kurtzweille kostet uns nicht 30 Tohten und 70 bleßirten, dießes Landt ist wohlfeiller erbeütet, als wie eine fourage auf einen Tag in Böhmen. Die östreicher haben keine bleibende Stähte und laufen ohne zu Rasten ... in drei Tagen So gehen unßere Patrolen bis Dressen [Dresden], denke welcher Schreken es ihnen Seindt wirdt; waren wihr unglüklich geweßen vieleicht wehre es nuhn ebenso zu Berlin. Gott seie Dank darvohr, es gehe uns nuhr weitter guht undt Sonderlich bei Halle. Sonsten helffen unßere anstalten und angewante Sorgen doch nichts ... Gott bewahre Dihr. Fr." - Bei dem "Fürsten" handelt es sich um den "Alten Dessauer", den Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau, der dann am 15. Dezember den letzten entscheidenden Sieg dieses Krieges über die Sachsen davontrug und damit die Voraussetzung für den Friedensschluß von Dresden schuf. Mit der Erwähnung von Berlin spielt der König auf die Gefahr an, die vor kurzem der in Richtung Berlin vordringende österr. General Graf Grünne gebildet und die das Berliner Gouvernement veranlaßt hatte, die wichtigsten geheimen Archivalien nach Stettin und Spandau zu verlagern. - Der Brief ist zwar bei Joh. Richter (Die Briefe Friedrichs des Großen an seinen vormaligen Kammerdiener Fredersdorf) unter Nr. 15 abgedruckt, aber nicht nach dem Original, weil es sich um einen von 8 Briefen handelt, die Richter nicht vorlagen, so dass er sie nach der Ausgabe der Oeuvres von 1846 drucken mußte, in der bekanntlich alle Texte orthographisch korrigiert und grammatikalisch geglättet wurden. - Das hier vorliegende Original haben wir in der charakteristischen, fehlerhaften Form der deutschen Briefe des Königs zitiert. - Die Briefe an Fredersdorf kommen im Handel nur noch äußerst selten vor.

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Honecker, Erich
Manuskript "Politische Handlungen"

Lotto 2771

"die DDR ein Rechtsstaat"
Honecker, Erich, kommunistischer Politiker, SED-Generalsekretär, Staatsratsvorsitzender der DDR (1912-1994). Eigh. Manuskript m. U. "E Honecker". 5 1/4 S. Gr. 4to. (Moskau 1991).

"Politische Handlungen gelten international als absolutes Auslieferungshindernis ...". So beginnt das Manuskript, bei dem verräterischerweise zunächst das Wort "Delikte" für "Handlungen" stand und von Honecker mit neuer Tinte geändert wurde. Es handelt sich um den im Moskauer Exil niedergeschriebenen Entwurf einer Erklärung, mit welcher die Unrechtmäßigkeit des Auslieferungsersuchens der Bundesrepublik Deutschland dargestellt und somit Honeckers drohende Abschiebung international als völkerrechtswidrig gebrandmarkt und letztlich verhindert werden sollte. "... Dieses Recht nehme ich ohne Einschränkung in Anspruch. Es begründet hinreichend meinen Anspruch, nach dem Beschluß der Regierung der Russischen Föderation vom 15. November 1991, in ein Land meiner Wahl aus dem Territorium der R. F. ausreisen zu können. Das Ansinnen, nur nach Deutschland ausreisen zu können, ist völkerrechtswidrig. Die Regierung der BRD hat offen erkennen lassen, daß sie mit ihrem Auslieferungsersuchen politische Ziele verfolgt, das Ziel die politische und militärische Führung der Ex-DDR vor Gericht zu zerren, um mit 'dem Unrechtregime' abzurechnen ...". Versucht dann in einem historischen Exkurs darzustellen, daß seit 1945 die Innen- und Grenzpolitik Mitteldeutschlands und der DDR "von Moskau" diktiert, die Staatsgrenze auch von der Bundesrepublik anerkannt worden sei. "... Die jetzige Regierung der BRD hat keinerlei rechtliche Handhabe mit Hilfe ihrer Justiz Geschichte in ihrem Sinn umschreiben zu wollen. Die DDR konnte für sich ebenso wie die BRD für sich das Prädikat in Anspruch nehmen, ein 'Rechtsstaat' zu sein. Ihre gleichzeitige und gleichberechtigte Teilnahme an der Konferenz von Helsinki über Sicherheit und Zusammenarbeit Europas und die Unterzeichnung der Schlußakte sind nur eine Bekräftigung dafür ...". Im übrigen habe die DDR 1982 für ihre Grenztruppen die gleichen Waffengebrauchsbestimmungen eingeführt, "wie sie auch in der BRD Geltung haben ... Das Gesetz wurde nach verfassungsgerechter Prüfung durch mich, in meiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt der DDR ... in Kraft gesetzt." - Nicht ohne Geschick, aber in der Argumentation letztlich inkonsequent und unglaubhaft, führt Honecker immer abwechselnd die Oberhoheit der sowjetischen Besatzungsmacht oder die anerkannte Souveränität der DDR für die Zustände an der deutsch-deutschen Grenze ins Feld. - Mit diversen Streichungen, Verbesserungen und Einschüben. - Gelocht; stellenweise gering fleckig. - Denkwürdiges Dokument einer Zeitenwende, viel unmittelbarer und bedeutsamer als so manche der kostspieligen Bemühungen um Berliner Mauergedenkstätten.

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€ 6.500   (US$ 7.150)



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