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BASSENGE Kunst-, Buch- und Fotoauktionen

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Immagine Principale Descrizione Stato
Frond, Jean-Victor
Brazil pittoresco.

Lotto 54

Frond, Victor, und Charles Ribeyrolles. Brazil pittoresco. Album de vistas, panoramas, paisagens, monumentos, costumes, etc. com os retratos de Sua Majestade imperador Don Pedro II et da familia imperial, photographiados por Victor Frond, lithographiados pelos primeiros artistas de Paris. 1 typographisches Titelblatt, 4 Porträts a. a. China und 75 (55 ganzseitige, 20 halbseitige), Lithographien, teils in Tondruck, auf insgesamt 69 Tafeln. 66,5 x 52 cm. Blindgeprägte dunkelbraune Leinenmappe d. Z. (Rücken an Gelenken leicht aufgegangen, zwei kleine Fehlstellen im Bezug, etwas beschabt, bestoßen und angestaubt) mit goldgeprägtem VDeckeltitel. Paris, Lemercier, 1861.

Borba de Moraes II, 737. Garraux 256. Sabin 70809. – Erste und einzige Ausgabe des überaus seltenen Vedutenwerks über Brasilien, in feinster, detailreicher Lithographie umgesetzt von L. Noel, Sabatier, Tirpenne, P. Benoit, Jaime, V. Adam und Lebreton, nach meisterhaften Fotografien von Jean-Victor Frond (1821-1881). Vorhanden sind vier Porträts seiner Majestät Dom Pedros II. (Dom Pedro de Alcântara João Carlos Leopoldo Salvador Bibiano Francisco Xavier de Paula Leocádio Miguel Gabriel Rafael Gonzaga de Bragança e Habsburgo; 1825-1891), der von 1831 bis 1889 als Kaiser von Brasilien herrschte und seiner Familie.
Es folgen die grandiosen Ansichten Brasiliens, eine Panorama-Gesamtansicht von Rio de Janeiro in sechs einzelnen Tafeln, ferner Veduten von Pétropolis, Saint-Christophe, Bahia, Parahyba. Enthalten sind auch Darstellungen von Kostümen und Moden der Eingeborenen wie der portugiesischen Eroberer.
Die Vorlagen für die Lithographien stammen von Victor Frond, der 1851 nach dem Staatsstreich Napoleons III. in Algerien gefangen genommen wurde, jedoch nach England fliehen konnte. Als überzeugter Republikaner befreundete er sich mit anderen Verbannten wie Charles Ribeyrolles oder Victor Hugo.
1857 emigierte er nach Rio de Janeiro, wo er sich als Verleger und Fotograf mit einem eigenen Fotostudio niederließ und sich als Hoffotograf unter dem besonderen Schutz des Kaisers Peter II. befand. Sein Freund Victor Hugo hatte ihn wärmstens an den Kaiser persönlich empfohlen, und so konnte Frond dann auf eigene Kosten zusammen mit seinem Freund, dem Schriftsteller und Journalisten Charles Ribeyrolles (1812-1860), das Magnum opus "Brazil pittoresco" realisieren. Ihm ging es vor allem um die Darstellung der Größe und Schönheit des südamerikanischen Landes, das er wie kaum jemand anderes in seinen Bildern einfangen konnte. Der Text des Ribeyrolles wurde sowohl in französischer wie portugiesischer Sprache gesetzt. – Lediglich zwei weniger bedeutende Tafeln am Schluss etwas stärker fleckig, sonst nur ganz vereinzelt leicht braunfleckig, kaum gebräunt, wenige Gebrauchsspuren, kaum Knicke, die Darstellungen fast durchgehend sauber und überaus frisch, gerade die Veduten in grandios guter Erhaltung. Sehr schönes Exemplar von größter Seltenheit. Vollständige Exemplare sind kaum zu finden.

Stima
€ 30.000   (US$ 34.200)


Aggiudicato per € 29.000 (US$ 33.060)


» Geografia
Hamilton, William
Campi phlegraei

Lotto 98

Vollständiges Exemplar des prachtvollen Vedutenwerks
Hamilton, William. Campi phlegraei. Observations on the volcanos of the two Sicilies as they have been communicated to the Royal Society of London [und:] Supplement to the Campi Phlegraei being an account of the great eruption of Mount Vesuvius in the month of August 1779. 3 Teile in 2 Bände. 1 Bl. (Titel), 90 S., 1 Bl., 1 Bl. zwischengebunden (Tafelerklärung); 1 Bl. (Titel), 29 S., 5 Bl. zwischengebunden (Tafelerklärung), 1 Bl. (Titel). Mit 2 kolorierten gestochenen Titelblättern, 59 kolorierten Kupfertafeln von J. Guerra nach Fabris und kolorierter, doppelblattgroßer Kupferstichkarte. 45 x 31,6 cm. Weinrotes modernes Maroquin mit goldgeprägtem RTitel und Kasten-Filetenvergoldung zwischen 7 Bünden mit aufkaschierten, reich vergoldeten Lederdeckeln d. Z. (diese gebräunt, mit Randläsuren, teils fragmentarisch), mit Goldschnitt. Neapel, Pierre Fabris, 1776-1779.

Brunet III, 31. Graesse III, 205. Kissner 193. Ebert 9246. Lewine 232. Poggendorff I, 1009. Furchheim 73f. DSB VI, 84f. Nicht bei Cicognara und Fossati Bellani. – Erste Ausgabe des mit berühmtesten Prachtwerks über die Vulkane Süditaliens, vom Vesuv bis zum Ätna, der den großen Ausbruch des Vesuvs vom 8. Juli bis 29. Oktober 1767 ebenso wie die nach Drucklegung der ersten beiden Teile erfolgte Eruption vom August 1799 im Supplement dokumentiert, beschreibt und in außergewöhnlich suggestiven, ebenso intensiv farbigen wie duftig atmosphärischen Kupfertafeln abbildet.

Sir William Hamilton (1730-1803) war seit 1764 englischer Gesandter in Neapel, wo er sich neben der Diplomatie archäologischen und naturwissenschaftlichen Studien widmete. Seine Gattin, die bezaubernd hübsche Lady Emma Hamilton, war die Geliebte Lord Nelsons - eine der von den zeitgenössischen Künstlern am meisten portraitierten Frauen.

Die prächtigen, durch das sorgfältige Kolorit wie Aquarelle wirkenden Tafeln zeigen den Vesuv und den Monte Somma - teils in Ansicht, teils schematisch erklärt -, verschiedene Ausbrüche, um seine ständig sich verändernde Gestalt darzustellen, ferner die Liparischen Inseln, Neapel, die Solfatara, Monte S. Angelo, Capri, Procida, Ischia, den Lago d'Agnano, Nisida, Pozzuoli, den Lago d'Averno, die Campi Flegrei, Catania mit dem Ätna, Pompeii, Gesteinsproben usw. Die doppelblattgroße Karte mit dem Golf von Gaeta und dem Golf von Neapel. Die Tafeln in Umrissradierung von gemäldehafter Wirkung und in bemerkenswert farbfrischem und kräftigem Kolorit. Die Erläuterungsblätter mit englisch-französischem Paralleltext. "The purpose of this publication was manifold. It provided a clearer, more precise and useful explanation of volcanic activity than ever published before, which underlined Hamilton's own theories about volcanoes being creative forces and enabled him to answer in one publication the lists of questions about volcanoes and rocks he had been receiving from correspondents all over Europe" (Cat. Vases and Volcanoes 1996, S. 166).

Kollation:
Der erste Band besteht aus zwei Textteilen mit jeweils 1 typographischen Titelblatt sowie 1 Kupfertitel und 90 bzw. 29 Seiten Text. Am Schluss jedes Teils jeweils 1 Widmungsblatt. Zwischengebunden sind im ersten Teil 1 und im zweiten Teil 5 Blätter mit "References to Plates", römisch nummeriert (I sowie I-V). Die 6 kolorierten Kupfertafeln sind jeweils nach den "Reference"-Blatt eingebunden.
Der zweite Band enthält ein typographisches Titelblatt und 53 (II-LIV) Blätter "References to Plates" sowie 53 kolorierte Kupfertafeln (Tafel I dieses Teils ist in Band I miteingebunden). Alle Tafeln sind in feinsten, abwechslungsreichen, minutiös aufgetragenen Farben sorgfältig koloriert, die Darstellungen um den Plattenrand mit einem breiten schwarzen Rahmenstrich eingefasst. Die Ränder sind durchgehend grau laviert.
– Textblätter ganz vereinzelt minimal angestaubt, fingerfleckig oder mit fast unsichtbaren Feuchträndern, Tafeln durchgehend sauber und in grandiosem zeitgenössischen Kolorit. Titel teils minimal fleckig, mit kleinem gekrönten Ligaturstempel, Blindstempelchen und Rasur, einstiges Exemplar der Yorkshire Philosophical Society mit deren Fiche, vorderes Innengelenk teils angeplatzt. LostArt geprüft. Bemerkenswert breitrandig. Vollständige Exemplare sind von größter Seltenheit.

Stima
€ 45.000   (US$ 51.299)


Aggiudicato per € 30.000 (US$ 34.200)


» Geografia
Merian, Maria Sibylla
Over de voortteeling Surinaamsche Insecten [und...

Lotto 285

Merian, Maria Sibylla. Over de voortteeling en wonderbaerlyke veranderingen der Surinaamsche Insecten. 4 Bl., 51 S. Mit koloriertem gestochenen Frontispiz von J. Oosterwijk nach F. Ottens, gestochener TVignette und 72 kolorierten Kupfertafeln. [beigebunden:] Dieselbe. De europische Insecten, Naauwkeurig onderzogt, na't leven geschildert, en in print gebragt. 2 Bl., 84 S. Mit 1 kolorierten gestochenen Schlussvignette und 184 kolorierten Kupfern auf 47 Tafeln. 2 Werke in 1 Band. 51,6 x 35,6 cm. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (wenige Fehlstellen alt restauriert bzw. Kanten ersetzt, etwas fleckig und berieben, Gelenke hinterlegt und neu aufgebunden) mit reicher Rücken- und etwas Stehkantenvergoldung (Kapital angesetzt, ohne das RSchild). Amsterdam, Jean Frédéric Bernard, 1730.

Pfeiffer B6, A9. Horn-Schenkling 14991, 14993. Hunt 484, 483. Vgl. BMNH III.1290. Nissen 1341-1342. Dunthorne 205. Great Flower Books 67. Landwehr 136. Nicht bei Plesch und De Belder. – Eines der prächtigsten, am üppigsten illustrierten und grandios kolorierten Blumen- und Schmetterlingsbücher der Kupferstecherin und Blumenmalerin Maria Sibylla Merian (1647-1717), hier in der vierten Ausgabe seit dem ersten Erscheinen 1705, der dritten niederländischen. Die "Europäischen Insekten" hier in der ersten holländischen Ausgabe. Der Amsterdamer französische Buchhändler, Autor, Übersetzer, Drucker und Verleger Jean Frédéric Bernard (1680-1744) hatte die originalen Druckplatten nach dem Tode der Maria Sibylla erworben und diese dann für die monumentale, zweiteilige "Gesamtausgabe" der "Insektenkunde", also beider Teile der "Surinamschen" sowie der "Europäischen Insekten" verwendet. Dabei übernahm Bernard auch die bemerkenswert knappen, präzisen Texte mit den Beschreibungen der Flora und Fauna, die aus der Feder der Merian stammen und die sich ausschließlich auf deren eigene Beobachtungen stützen. Die Kupferplatten des ersten Teils sind ganzseitig und messen 38,5 x 258,5 cm, die des zweiten Teils 14,5 x 11 cm (I-CLI) bzw. 20,5 x 15 cm (CLII-CLXXXIV).
Maria Sibylla Merian war die Tochter des berühmten Topographen Matthäus Merian. Schon im Kindesalter war sie als begabte Zeichnerin von Pflanzen und Insekten aufgefallen, studierte dann in den Naturalienkabinetten in Amsterdam die Sammlungen und entschloss sich 1699, eine große Reise nach Südamerika in die niederländische Kolonie Surinam (Niederländisch-Guayana) anzutreten. Ihre Forschungen über die Verwandlungen (Metamorphosen) der Raupen zu Larven und Schmetterlingen beschreibt sie in ihrem großen Werk. Die Künstlerin legte sogar eigene Zuchtstöcke für Raupen an, um deren Verwandlungen genau zu untersuchen und zu dokumentieren. Die Früchte ihrer Arbeit plante sie in einem Prachtwerk niederzulegen, dessen Konzeption sie 1702 abschloss.
Die Vorlagen für die 60 Tafeln, in denen Sibylla Merian die Schmetterlinge und Raupen in ihrer natürlichen Umgebung an den exotischen Pflanzen der Urwälder Südamerikas zeigt (auf dem Titel der lateinischen Ausgabe heißt es: "in plantas, flores & fructus collocatis, in quibus reperta sunt"), waren große Zeichnungen auf Pergamentblättern, die die Künstlerin nach der Natur kolorierte. Sie übertrug drei ihrer Zeichnungen selbst auf die Kupfertafeln (Nummern XI, XIV und XXXV), während die übrigen Platten von Künstlern des Verlags nach den Vorlagen Merians gestochen wurden, u. a. Pieter Sluyter (35 Tafeln), Joseph Mulder ( 21 Tafeln) und Daniel Stoopendael (1 Tafel).
Die einführenden Texte verfasste Maria Sibylla Merian selbst in Zusammenarbeit mit dem Direktor des Amsterdamer Botanischen Gartens Caspar Commelin (1668-1731), der auch Kommentare hinzufügte. Das Verlegen und der Druck geschah unter ihrer Aufsicht.
„Ich habe keine Kosten bei der Ausführung dieses Werkes gescheut. Ich habe die Platten von den berühmtesten Meistern schneiden lassen und habe das beste Papier dazu genommen, damit ich sowohl den Kennern der Kunst als auch den Liebhabern der Insekten und Pflanzen Vergnügen und Freude bereite, wie es auch mich dann freuen wird, wenn ich höre, dass ich meine Absicht erreicht ... habe“ (zit. nach Maria Sibylla Merian, Das Insektenbuch. Metamorphosis insectorum surinamensium. Frankfurt am Main und Leipzig 1991, S. 7).
"Ihre schon beim Raupenbuch erwiesene Meisterschaft, den Pflanzen und Tieren bei der Darstellung ihre Eigentümlichkeit zu erhalten, und sie trotzdem in eine wirksame Bildkomposition hineinzubauen, hat mit dem Surinam-Werk einen unvergleichlichen Höhepunkt erreicht. Es gehört nicht nur zu den besten alten naturwissenschaftlichen Werken, sondern st eines der prachtvollsten illustrierten Bücher, die je geschaffen wurden" (E. Rückert). – Innengelenke verstärkt, Vorsätze neu aufkaschiert, Vorsatz mit geklebten Riss, wenige Blätter mit winziger Stauchspur am Anfang und Ende, Tafel 34 mit geklebtem Einriss, sonst nahezu keine Papierläsuren, kaum fleckig und nur vereinzelt ganz leicht gebräunt. Prachtexemplar mit überaus feinem, präzisen und minutiös den feinen Stichlinien folgendem Kolorit in leuchtend kraftvollen Farben. Kleines modernes Exlibris.

KORREKTURVERMERK: Entgegen zu unserer Angabe im Katalog handelt es sich nicht um die Ausgabe "mit den wohl von Merian eigenhändig kolorierten Umdrucktafeln", dieser Hinweis bezog sich auf eine die Aufnahme eines vormals von uns angebotenen und nicht auf das hier angebotene Exemplar, wofür wir uns sehr entschuldigen. Die übrige Beschreibung ist wiewohl zutreffend.

Stima
€ 40.000   (US$ 45.599)


Aggiudicato per € 55.000 (US$ 62.699)


» Libri vari
Ludwig, Fürst zu Anhalt-Köthen
Der fruchtbringenden Geselschaft Nahmen, Vorhab...

Lotto 635

"Eines der schönsten deutschen Kupferwerke des 17. Jahrhunderts"
(Ludwig, Fürst zu Anhalt-Köthen). Der fruchtbringenden Geselschaft Nahmen, Vorhaben, Gemählde und Wörter: Nach jedes Einnahme ordentlich in Kupfer gestochen, und in achtzeilige Reimgesetze verfasset. 6 Bl. (Titel und Vorstücke) und 400 nn. Bl. Text mit in der Platte numerierten emblematischem Textkupfer sowie 4 (wiederholten) Frontispize von Matthäus Merian. 20 x 16 cm. Pergament d. Z. (fleckig und berieben, unteres Kapital mit geschlossenem Einriss, mit hs. RTitel). Frankfurt, Matthäus Merian, 1646.

VD17 23:283550L. Dünnhaupt IV, S. 2611 Nr 6.6. Goedeke III, 6. Faber du Faur I, 166 und 166a. Jantz I, 1673. Landwehr 402. Praz 342. Wüthrich 22 (mit Verzeichnis der Kupfer). – Letzte und vollständigste Ausgabe. "Endgültige Fassung; enthält wieder den 'Kurtzen Bericht', gefolgt von den Pflanzenkupfern bis Mitgliedsnummer 400 mit den Gesellschaftsreimen in echten Stanzen von Ludwig und Werder" (Dünnhaupt); der Erstdruck erschien 1628 als reine Textausgabe, die erste um die schönen Kupfer erweiterte Fassung folgte 1630 unter neuem Titel. Als botanisches Prachtwerk, künstlerisch hochstehendes Emblembuch und Dokument der deutschen Barockliteratur von gleich hohem Rang, Das Werk enthält (in chronologischer Folge) die vollständige Reihe der bis zum Erscheinungsjahr aufgenommenen Mitglieder mit ihren Sinnbildern, Namen, Wahlsprüchen in Kupferstichwiedergabe des jeweiligen "Gesellschaftsgemäldes". "Neben seiner eminenten historischen Bedeutung ist das Buch eines der schönsten deutschen Kupferwerke des 17. Jahrhunderts" (Karl Wolfskehl in Katalog Manheimer).
Die Sinnbilder, jeweils ein schönes botanisch-emblematisches Kupfer in landschaftlich-architektonischer Kulisse, enthalten jeweils einen beigedruckten Achtzeiler. "Jedes Blatt trägt oben das Losungswort, unten das als Antwort geltende Stichwort, das der Teilnehmer als Übernahme der Gesellschaft trug. Er mußte um das Stichwort selber einen Vers von acht Zeilen schmieden. Dazu hatte er eine Pflanze zu wählen, die das Stichwort symbolhaft vertritt" (Wüthrich).

Die Fruchtbringende Gesellschaft (auch "Palmenorden" genannt nach dem Bild der allseitig verwendbaren Kokospalme) wurde 1617 in Anhalt-Cöthen gegründet. Vorbild war die 1582 in Florenz gestiftete Accademia della Crusca, in die im Jahre 1600 das erste Oberhaupt der Fruchtbringenden Gesellschaft, Fürst Ludwig von Anhalt-Köthen, aufgenommen worden war. Ursprünglich eher ein Unternehmen des Adels, öffnete sich die Fruchtbringende Gesellschaft doch sehr bald auch bürgerlichen Gelehrten und Literaten, die ihr erst zu ihrem Ansehen als einer weithin berühmten und in Literatenkreisen umworbenen Autorität verhalfen. Neben den stets in erdrückender Überzahl eingeschriebenen Adeligen finden sich in den Mitgliederverzeichnissen auch bürgerliche Namen wie Schottel, Birken, Gryphius, Harsdörffer, Logau, Moscherosch, Opitz oder Rist. Wie ihre erlauchten Mitgesellschafter erhielten sie bei ihrer Aufnahme zumeist der Pflanzenwelt entstammende Gesellschaftsnamen, welche die offensichtlich als unproduktiv erachteten Standesunterschiede im persönlichen und brieflichen Verkehr vergessen machen sollten. Nach 1680 ist die Existenz des Ordens nicht mehr bezeugt - wenn auch noch ein Jahrzehnt später Kaspar Stieler sein Wörterbuch unter seinem Gesellschaftsnamen "Der Spate" herausbringen konnte. – Titel, "Kurtzer Bericht" und Kupfertitel im unteren Bug aus der Bindung gelöst sowie mit kleineren Randläsuren. Insgesamt etwas stock- und fingerfleckig, vereinzelt im Rand auch etwas gebräunt. Wenige Blatt am Schluss mit kleinem Wasserfleck im unteren Rand. Kupfer Nr. 1 teils mit Tinte ausgemalt (etwas durchschlagend), Kupfer Nr. 3 mit Randeinriss, wenige Blatt mit Bleistiftgekritzel verso. Die ersten 25 Kupfer mit hs. Aufschlüsselung der Monogramme des jeweiligen Mitglieds.

Stima
€ 9.000   (US$ 10.260)


Prezzo post-asta
€ 6.000   (US$ 6.839)



» Letteratura
Biblia latina
Lateinische Handschrift auf Papier. Süddeutschl...

Lotto 806

Vom Rubrikator datiertes vollständiges Vulgata-Manuskript
aus der Bibliothek der Grafen zu Schönborn-Buchheim

Biblia latina. (Biblia Sacra juxta Vulgatam versionem, Vetus et novum Testamentum). Lateinische Handschrift auf Papier. 2 Bände. 317; 354 nn. Bl. 2 Spalten. 50 Zeilen. Bastarda als Textschrift und Textura gotica als Auszeichnungsschrift. Schriftraum: 21 x 15 cm. Format: 29,5 x 21 cm. Mit 1 farbigen Initiale in Rot und Türkisgrün, mit über die Kolumne ausgreifenden Ranken in Grün und Blau am Textanfang (Prologus) sowie einigen großen Schmuckinitialen in Blau mit rotem Knollenblattwerk und überaus phantasievollem, reichem Federwerk, oft über die gesamte Kolumne greifend, vollständige Rubrizierung mit Hunderten von roten und blauen Lombarden, roten Kapitalüberschriften sowie Kapitalstrichelung, roten Kolumnentiteln und marginalen Konkordanzverweisen. Reich blindgeprägtes Kalbsleder des 19. Jahrhunderts (kaum berieben). Süddeutschland-Österreich 1475-1500.

In sich abgeschlossene 2-bändige lateinische Bibelhandschrift des deutschen Spätmittelalters, wohl aus Bayern oder dem westlichen Österreich. Geschrieben in einer sauberen braunschwarzen Bastarda-Schrift von mehreren Händen, mit großen kalligraphischen Überschriften der einzelnen Kapitel und Bücher des Pentateuch, der historischen Bücher und der Propheten. Auffallend ist im ersten Band die ungewöhnliche Abfolge der Texte: auf den Pentateuch folgen das Buch Ruth und Baruch, erst dann Josua, Richter und die weiteren historischen Bücher des Alten Testaments. Enthalten sind auch apokryphe Schriften wie das dritte Buch Esra - und eben die Pseudepigraphie Baruch, das dann an seiner ursprünglichen Stelle im Kanon der Prophetenbücher wiederholt wird.
Interessant ist die Handschrift vor allem auch durch die Datierungen des Schreibers (bzw. auch Rubrikators, möglicherweise von derselben Hand) auf das Jahr 1475 (Band II, Blatt 320recto) sowie die Angabe der Vollendung des Magnum Opus Manuscripti 1500 (Band I, Blatt 354verso): "Finit Anno domini 1500 in dominica letare".

Die zweibändige, in flüssiger Bastarda geschriebene Bibel muss als Gebrauchshandschrift angesehen werden; auch die Ausstattung des biblischen Textes durch Rubrizierung und einfache Initialen entspricht diesem spätmittelalterlichen Standard. Lediglich einige Buchanfänge sind mit minierten Initialen im süddeutschen, gotischen Stil des späten 15. Jahrhunderts ausgezeichnet worden. Die Bibel gliedert sich, wie folgt:

Band I.
Beschreibung des Textes: Band I: fol. 1r-5rb: Hieronymus: Epistola ad Paulinum presbyterum: fol. 5va-30vb: Genesis; fol. 31r-52rb: Exodus; fol. 52va-66vb: Leviticus; fo. 67ra-87rb: Numeri; fol.87va-105rb: Deuteronomium; fol. 105va-107rb: Ruth; fol. 107va-111ra: Baruch (mit Argumentum): fol. 111va-125ra: Josue (mit 2 Prologen); fol. 125ra-138ra: Liber iudicum (ohne Titel); fol. 138rb-139rb: Prologus in libros Regum; fol. 139rb-157va: I. Regum: fol. 157vb-172va: II. Regum; fol. 172vb-190rb: III. Regum: fol. 190vb-207ra; IV. Regum; fol. 207rb-222vb: I Paralipomenon (mit Prolog) - fol.222vb-242.rb: Paralipommon: fo1.242va-248rb: I. Esdras (mit Prolog) und II. Esdras (Nehemias); fol. 248va-264vb: Esdras II (= Esdras III, apokryphes Buch); fol. 265ra-270va: Tobias (mit Prolog); fol. 270vb-278rb: Judith (mir Prolog); fol.278va-285va: Esther (mit Prolog); fol. 285vb-304rb: I. Machabaeorum (mit Prolog); fol. 304va-317ra: II. Machabaeorum; fol. 317rb-317v: leer.

Band II.
Fol. 1ra-1va: Hieronymus: Prologus ins translationem scundum hebraicam veritatem; fol. 1va-35rb: Psalterium iuxta hebraeos; fol. 35v: leer; fol. 36ra-47vb: Proverbia; fol. 48ra-51va: Ecclesiastes; fol. 52rb-54rb: Canticum canticorum; fol. 54va-62vb: Sapientia (Prolog); fol. 62vb-85va: Ecclesiasticus; fol. 85vb-99vb: Job; fol. 100ra-125vb: Isaias; fol. 126ra-155vb: Jeremias (mit Prolog); fol. 155vb-158rb: Lamentationes Jeremiae; fol. 158rb-161va: Baruch (mit Argumentum); fol. 161vb-187vb: Ezechiel (mit zwei Prologen); fol. 188ra-199vb: Daniel (mit zwei Prologen); fol. 199vb-200ra: Hieronymus: Prologus in duodecim prophetas minores; fol. 200ra-204ra: Oseas (mit 2 Prologen); fol. 204ra-205vb: Joel (mit 2 Prologen); fol. 206ra-209rb: Amos (mit 2 Prologen); fol. 209rb-210ra: Abdias (mit 2 Prologen); fol. 210rb-211va: Jonas (mit 2 Prologen); fol. 211vb-214ra: Michaeas (mit Prolog und Argumentum); fol. 214ra-215rb: Nahum (mit Prolog und Argumentum); fol. 215rb-217ra: Habacuc (mit Prolog und Argumentum); fol. 217rb-218vb: Sophonias (mit Prolog und Argumentum); fol. 218vb-219vb: Aggaeus (mit Prolog); fol. 219vb-224rb: Zacharias (mit Prolog); fol. 224rb-225vb: Malachias (mit 2 Prologen); fol. 226ra-242vb: Matthaeus-Evangelium (mit 2 Prologen); fol. 243ra-253rb: Markus-Evangelium (mit Prolog); fol. 253va-271rb: Lukas-Evangelium (mit Prolog); fol. 271va-284rb: Johannes-Evangelium (mit Prolog); fol. 284va-320rb: Corpus Paulinum (mit Argumenta zu den einzelnen Briefen); fol. 320va-338rb: Actus Apostolorum (mit Prolog und Argumentum); fol. 338rb-346rb: Septem Epistolae Catholicae (mit Prolog); fol. 346rb-354va: Apocalypsis. – Die ersten elf Blätter des ersten Bandes mit starken Feuchtigkeitsspuren, die Schrift oftmals unleserlich verwischt, ebenso die farbige Initiale. Band II durchgehend etwas wasserrandig, ab etwa der Mitte bis in den Text reichend, auch hier ist der Text teils verschwommen und unleserlich. Sonst nur hier und da leicht fleckig. Vollständige handschriftliche Bibel sind am Ende des 15. Jahrhunderts von großer Seltenheit, gab es schon einige Drucke, die inzwischen - nach Gutenbergs B-42 erschwinglich waren. Die unendliche Mühe einer gesamten Handschrift, die - wie hier eindrucksvoll aufgrund der Datierung - nachvollzogen werden kann, mindestens zwölf Jahre dauerte, wurde nur noch selten unternommen. Insofern handelt es sich um ein Manuskript von höchstem wissenschaftlichen Interesse, das der detaillierten textkritischen Erfassung noch harrt (Vulgata-Vorbilder der Abschrift, genauere Datierung, Lokalisierung, Rubrikator, Schreiber etc. - können als offene Fragen formuliert werden).

Provenienz: Das Exemplar stammt aus der aufgelösten fürstlichen Bibliothek derer Grafen zu Schönborn-Buchheim mit deren Bibliothekschildchen und Signatur (roter schreitender Löwe): "Manuscr. 13", deren Stempel "Gräfl. Schönbornsche Bibliothek" und gestochenem Wappenexlibris: "Bibliotheca Domini Comitis a Schönborn Buchheim" auf dem Innendeckeln.

English: First 11 leaves of vol. I with strong water stains, letters and coloured initial blurred and mostly unreadable. Starting in the middle part, vol. II throughout with slight damp stains in the margins, text also partly blurred and unreadable. Otherwise only some minor stains. - Provenance: Copy from the dissolved baronial library of the Counts of Schönborn-Buchheim with their bookmark and shelfmark (red lion).

Stima
€ 15.000   (US$ 17.100)


Aggiudicato per € 15.000 (US$ 17.100)


» Libri del Cinquecento
Horae Beatae Mariae Virginis
Stundenbuch. Handschrift auf Pergament. Bourges...

Lotto 809

Hochzeitsgeschenk von dem "Procurateur Général" des Königs von Bourbon
Horae Beatae Mariae Virginis. Lateinische Handschrift mit Kalender in französischer Handschrift auf Pergament. 114 Bl. 23 Zeilen. Schriftraum: 10,3 x 6,2 cm. Format: 17,3 x 11,2 cm. Mit hunderten 1-2-zeiligen Schmuckinitialen in blau- und rotgefüllten Kästen aus Pinsel- und Blattgold, zahlreichen Zeilenfüllern in Rot-blau mit weißem Federwerk, Kalendarium in roter, blauer und brauner Tinte, 5 Seiten mit reichen ornamentalen, floralen und grotesk-belebten breiten Schmuckbordüren in Gold und Farben sowie 5 kleinen und 11 ganzseitigen Miniaturen in Gold und Farben, diese jeweils mit dreiseitigen, überaus reich gestalteten belebten Bordüren. Pergament der Mitte des 17. Jahrhunderts (nur minimal abgegriffen, kaum fleckig) mit spanischen Kanten und 4 (erneuerten) Lederlitzen als Bindebänder. Bourges, Val de Loire, Ende des 15. Jahrhunderts.

Vollständiges, hübsch illuminiertes Stundenbuch aus der Gegend um Bourges im Val de Loire, worauf einige der im Calendarium aufgeführten lokalen Heiligen verweisen, beispielsweise Perpétue und Félicité, die in Saint-Georges-sur-la-Prée verehrt werden oder Saint Blanchard aus Nesle-la-Reposte, ferner Saint Boutoul, Saint-Thibault, Saint Famboux, Saint Hilaux, Saint Policarpe etc. Auch der Margeneintrage (s. u.) des Henry de Lapelin deutet auf diese Gegend und das Tal der Loire hin.

Inhalt

Blätter 1-12 Kalender mit traditionellem Heiligenbestand der Livres d’heures der Zeit in Rot-Blau-Braunschrift, 13-18 Evangelienlesungen aus Johannes, Lukas, Markus und Matthäus sowie den Orationes Mariae. Es folgen die Stundengebete.

Buchkünstlerische Ausstattung und Illumination
Das Kalendarium wurde mit brauner, roter und brauner Tinte in französischer Sprache geschrieben, wobei die Farben jeweils den Heiligen nach ihrer Hierarchie zugeordnet wurden (Bl. 1-12).
Es folgen die fünf kleinen 6-7-zeiligen Miniaturen mit den vier Evangelisten und Maria, jeweils im Rechteck (ca. 3,3 x 2,6 bzw. 3,6 cm). Diese Seiten sind jeweils mit einer reich geschmückten Bordüre begleitet, mit zahlreichen Blumen, Blüten, Ranken und Girlanden sowie 2 Vögeln und 3 apotropäischen Monsterchen.

Die 11 ganzseitigen Miniaturen sind jeweils in einem rot- oder goldlinigen Korbbogen gezeichnet, der die Szene, je nach ihrer Bedeutung umfängt. Eingefasst werden die jeweils ca. 9,2 x 6,4 großen szenischen Darstellungen von einer breiten Bordüre mit rot-blau-goldenen Akantusschlingen und verschiedenen Blumen auf goldenem Pinselgrund, jeweils im Wechsel als schräg versetzte Bänder gestaltet oder als Wellenbänder, als wuchernde Hecke, mit großen Goldpunkten- bzw. -blasen etc. In diesen köstlichen Bordüren finden wir neben dem floralen Ornament auch Vögel und phantasievolle Fabelwesen in amüsanten Farbverläufen, von Dunkel- über Hellblau zu Orange oder ein Monster in blauem Hermelin-Zottelpelz mit Reißern, Mähne und Goldborsten. Ein marineblaues Wesen mit goldenem Rücken, gelbgrünen Bauch und ins Azurblau changierenden Hals züngelt, den weiten Hals gereckt, nach einer rot-goldenen Rose, während ein erdfarbenes unten ein mit goldenen Nieten besetztes rotes Halsband trägt und sich zum Grasen anschickt.
Die Miniaturen sind bemerkenswert fein und nuanciert gemalt, wobei der Maler nicht nur mit seinen leuchtenden Gouachefarben, sondern auch mit den unterschiedlichen Arten des Goldauftrags geschickt jongliert: So benutzt er meist Pinselgold, mit dem er Höhungen der Gewänder, Heiligenscheine und Details räumlich herausgearbeitet, während er teils im selben Bild die Nimben der Maria und des Jesusknaben beispielsweise mit Blattgold unterlegt.

Kleine Miniaturen
1) Johannes auf Patmos, in der Natur auf seiner Insel.
2) Lukas mit dem Stier im Gehäuse
3) Markus mit dem Löwen im Gehäuse.
4) Matthäus mit dem geflügelten Menschen.
5) Die Jungfrau Maria mit dem Kinde als Eleusa.

Ganzseitige Miniaturen
1) Verkündigung Mariae
, stehend im Gehäuse, der Engel kniet, darüber die bemerkenswert große weiße Taube vor gotischem Maßwerkfenster.
2) Heimsuchung. Maria und Elisabeth stehen vereint in einer weiten Berg- und Seenlandschaft ohne weitere Vegetation.
3) Geburt Christi in einem kahlen Hof, der von einer braunen Mauer umgeben wird. Auch das die Gottesmutter schützende Gehäuse sieht eher nach dem Schilderhaus einer Kaserne aus, während der Heiland auf dem harten Boden liegt.
4) Verkündigung an die Hirten durch einen roten Engel, der der Luft vor einer Wasser-, Fels- und Burgenlandschaft schwebt und die drei Hirten blendet, während die weißen Schafe ruhig weitergrasen.
5) Epiphanias mit der Anbetung der Drei Könige, die dem Jesusknaben, kostbare Geschenke darbringen. Die breite Bordüre hier besonders hübsch mit einem orange-blauen Monster und einem hübschen gold-blauen Vögelchen.
6) Darbringung im Tempel. Vor drei farbig marmorierten Säulen in Blau, Rosé und Braungrau wird das Jesuskind dem Hohepriester überreicht. Auch hier ist die breite florale Bordüre bemerkenswert hübsch ausgestaltet, unten mit einem blauen Ungeheuer mit schwarzgoldnem Pelz.
7) Flucht nach Ägypten. Maria hält das streng gewickelte Jesusknäblein mit Kreuzesnimbus in ihren Armen, während sie schrägt auf dem Esel sitzt, der von Joseph vorangeführt wird. In der Bordüre ein phantasievolles graues Monster mit rotem Goldreif und oben ein hellblaues Monster mit gelb-grün-blauem Bauch.
8) Krönung Mariae. Blau gewandet kniet die Muttergottes mit großer Goldkrone vor Gottvater und Christus, die in roséfarbenen, schweren Mäntel in einer Halle mit goldenen Wänden und goldenen Maßwerk-Triforien sitzen. Jesus hat die Kreuzkugel als himmlischen Reichsapfel in der Hand, die ebenso wie die Nimben in schillerndem Blattgold gehalten sind.
9) Kreuzigung Christi mit Maria und Johannes, im Hintergrund die Türme der hochgebauten Stadt Jerusalem, in der Bordüre ein orangefarbenes Ungeheuer und ein prächtiger radschlagender Pfau.
10) Pfingsten mit der Ausgießung des Heiligen Geistes: Maria führt die Schar der Jünger Jesu an. Im Rand ein Pfau und ein braunes Ungeheuer.
11) Betender König David im Hof seines Palastes. Die Mauer ist dieselbe der Geburtsszene, links der mächtige Palast mit Türmen und Toren. Oben schwebt der Engel mit dem Schriftband.

Die Miniaturen stammen von einem noch näher zu bestimmenden Meister oder aus einer noch zu identifizierenden Schule der Gegend um Bourges. Sie fallen durch ihre malerische Qualität und überaus nuancierte Farbigkeit auf, etwa in den abwechslungsreichen Gesichtern mit verschiedenen Bärten und Haaren, die oftmals goldgehöht sind oder mit mehreren schwarzen, grauen und braunen Haarpinselstrichen akzentuiert wurden (z. B. bei der Darbringung, der Marienkrönung, der Flucht). Auch die Gestaltung der Hintergründe mit Landschaften, Architekturen und Innenräumen verdient besondere Betrachtung. Die Farbpalette weitet sich von satten roten, blauen, grünen Tönen zu zahlreichen Mischfarben, wie Purpurrot, Altrosa, Rosé, Gelb, einem leuchtenden Orange, alles immer wieder mit Pinselgold gehöht. Besonders schön sind die Einsprengsel des reflektierenden, schimmernden Blattgoldes, mit dem die Heiligenschein, aber auch der Reichsapfel und anders ausgezeichnet sind.

Auf den letzten 9 weißen Blättern am Schluss finden sich noch Texte von Gregorianischen Chorälen, von einer anderen Hand: der "Versus alleluiaticus" mit dem "Canta Laurentius bonum opus operatus est, qui per signum crucis caecos illuminavit...", ferner "Salva Regina": "Omnipotens sempiterne Deus, qui gloriosae Virginis Matris Mariae corpus et animam", auch die Antiphona "Deus, propitius esto mihi peccatori..." findet sich sowie "Amicus Dei Nicolaus pontificali decoratus insula omnibus se amabilem". Es folgen weitere Gesänge "De sancta magdalena": "Maria ergo accepit libram unguenti nardi pistici pretiosi unxit pedes Iesu et extersit capillis suis pedes eius et domus impleta est ex odore unguenti", "De sancto Sebastiano", "De Sancto rocho", "De sancta barbara", "De sancta margaretha". Auf dem letzten Blatt recto: "Orationes beati gregorii pape".
– Nur vereinzelt minimal gebräunt oder braunfleckig, insgesamt sehr sauber und frisch erhalten, unwesentliche Farbabplatzungen oder Oberflächenläsuren, alt beschnitten (wenige zeitgenössische Einträge teils leicht überschnitten). Das pergamentene Vorsatzpapier mit Sepiaeinträgen des 18. Jahrhunderts mit französischen Gebetversen und einem ligierten Monogramm des Henry de Lapelime & Susanne de Laval. Das Stundenbuch wurde wohl schon 1650 stilvoll eingebunden in einen schlichten Pergamentband, um einem hohen französischen Adelingen als Hochzeitsgeschenk zu dienen. So findet sich auf Seite 8verso des Calendariums ein 21-zeiligem Randeintrag in Sepiatinte aus dem Jahre 1650, in dem eine Hochzeit angekündigt wird, bei der der oberste Gerichtsvorsteher, der Procurateur Général des Königs von Bourbon, Henry de Lapelin sich mit Susanne Delaval vermählt:. Dieser Eintrag ist die Marge ausnutzend, nicht wie die wenigen älteren Einträge überschnitten, d. h. dass er sicherlich direkt nach der Neubindung geschrieben wurde:
„Le 21. Aoust mil-six cents et cinquant furent accordés et fiancés Henry de Lapelin proc[ureu]r g[é]n[éra]l[e] du Roy en Bourbonoys et Susanne Delaval le contract passé … en la maison du sieur de Laval cap[itai]ne du parc les moulins, où astoient mon[sieu]r de Masaron senechal du diet par le sieur de Laubuspin lieutenant sul audict pays oncle du diet sieur du lapelin quy porta la parolle les s[ieu]re coyffiers, oncle Bardon … et autres“.

Stima
€ 18.000   (US$ 20.520)


Aggiudicato per € 20.000 (US$ 22.799)


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Horae polscae Beatae Mariae Virginis
Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament,...

Lotto 822

Horae polscae Beatae Mariae Virginis. Polnische Stundenbuchhandschrift auf Pergament. Geschrieben in einer gebrochenen Gotica Textura in schwarzer Tinte auf rot durchreglierten Spiegeln. 86 nn. Bl. (davon d. e. und die 3 le. w.), handschriftlich später nummerierte 1-172. 1-2 Spalten. 25 bzw. 17 Zeilen. Schriftraum: 10 x 6,2 cm. Format: 16,4 x 12 cm. Mit zahlreichen großen Initialen und Hunderten von Zeilenfüllern in Gold und Farben, durchgehender Rubrizierung mit kleinen Initialen in Gold, in Rot und Blau mit Federwerk sowie gelber Versalstrichelung. Mit 25 großen, bis zu 18-zeiligen Initialen in Farben und meist auf Goldgrund, 19 (1 großen, 18 kleineren) szenisch-figürlichen Vignetten, 8 großen szenischen Darstellungen sowie 6 ganzseitigen, 7 großen und 22 kleinen Miniaturen, ferner 38 großen Figuren von Heiligen etc. an den Randern, rahmendes Rankenwerk um jede Seite mit Goldpunkten, floralen Elementen und reich belebt mit Menschen und Tieren, alles großzügig in Blatt- und Pinselgold sowie feinsten, leuchtenden Gouache-Farben. Pergament der Zeit über abgefasten Holzdeckeln mit reicher geometrischer Rückenvergoldung und blinden Innenkantenriefeln sowie 2 Messingschließen, ferner auf den beiden Deckeln jeweils eine massive, reich gezierte, teils vergoldete, teils versilberte Messingplatte, auf dem Rückdeckel mit vier Rundbuckeln aus hellroten petrifizierten Korall-Edelsteinen. Polen, Posen (Poznań) um 1910.

Polnisches Stundenbuch im Stil der französischen "Livre d'heures" in überaus reicher, verschwenderischer Luxus-Illumination, die sich allerdings von den üblichen Vorbildern im mittelalterlichen Herbst in der Ile-de-France oder den Niederlanden abhebt und zu eigener künstlerisch Interpretation findet. So ist auch die Anordnung der Texte teils individuell eingerichtet, ein Kalendarium gibt es nicht, ebenso das Totenoffizium. Den Textspiegel flankieren von den phantasievollen Bordüren einbezogen zahlreiche Darstellungen von Heiligen mit ihren Attributen, wobei vor allem typische polnische Schutzheilige erscheinen, darunter Bogumil, Florian, Jadwiga, Jacek, Kunigunda und viele mehr. Die sechs ganzseitigen Miniaturen zeigen eine Sacra Conservatione mit Maria, von Heiligen umgeben, ferner Christus in Gethsemane, die Kreuzigung Christi auf Golgatha, Sankt Stanislaus, Mariae Verkündigung, und die Assumption, die Himmelfahrt Mariae mit ihrer Aufnahme in den Himmel und Krönung durch Gottvater, Sohn und Heiligem Geiste.
Die großen Miniaturen (ca. 8,5 x 6 cm) mit Szenen wie Darbringung im Tempel, Verkündigung an die Hirten, Gemeinschaft der Pharisäer, Jesus reiten nach Jerusalem am Palmsonntag (sehr suggestive, perspektivische Szene), Verklärung Christi auf dem Berg Tabor, das letzte Abendmahl, Kreuzigung mit Maria und Johannes etc.

Von den 22 kleinen Miniaturen sind 14 als Lunettenminiaturen (ca. 4,5 x 6 cm) in den Ornamentbogen der Kapitelanfänge einbeschrieben, sie zeigen Szenen wie die Taufe Christi, die Opferung Isaaks, Johannes auf Patmos, König David mit der Lyra, Christi Geburt, Auferstehung als Christus Triumphans, der lehrende Christus im Tempel... Hinzu kommen die als Endstücke gestalteten Miniaturen im Querrechteck (ca. 5,2 x 8,4 cm), darunter die Kreuztragung, Himmelfahrt Mariae ... Auch die großen und kleineren Initialen sowie die Goldvignetten sind meist noch mit weiteren entzückenden biblischen Szenen ausgestaltet wie etwa Verrat Petri, Pfingstwunder aber auch zu Andachtsbildern verkürzte Szenen wie die Madonna Galaktotrophusa, der Gnadenstuhl, Segnender Heiland und so weiter. Eine Seite ist mit einem kleinen Totentanz ausgestattet in 8 Bildern, darunter 6 Vignetten und 2 Initialen: Der Sensenmann als Gerippe holt den Ritter, den Handwerker, den Wucherer, die hübsche Jungfrau ebenso wie den alten Bettler, den Papst ebenso wie den Kaiser ins Reich der Toten ab.

Nicht zuletzt verdienen auch die fein ausgestalteten Bordüren besondere Beachtung, winden sich in den Akanthusschlingen, in den Blatt- und Knospenwerk doch nahezu unzählige kleine apotropäische Gestalten, Monster, Teufelchen, Mönche und Nonnen, Kinder und Menschen, die wiederum zu kleinen biblischen Szenen gruppiert sind - wie etwa die Hochzeit zu Kana, Christus als Hirte, Anbetung des Kreuzes durch die himmlischen Heerscharen, Christus in der Vorhölle, Lamm Gottes auf dem Weihaltar oder etwa Christi Wohnstube, in der Maria am Spinnrad sitzt, während der kleine Jesusknirps seinem Vater bei Tischlerarbeiten zuschaut und dahinter ein Engel den Boden fegt.

Die Illumination ist zumeist in kostbarsem Blattgoldgrund hinterlegt, aber auch Pinselgold kam für die winzigen Szenen zum Einsatz sowie die gesamte Palette der leuchtendsten, frischesten Farben von Nacht- zu zartem Himmelblau, Rot, hin zu Orange, feinstem, tonigen Lila und Violett, allen möglichen Grüntönen etc., immer wieder durchsetzt von Goldpunkten, Goldbuchstaben und ornamentalen Mustern.

Am Schluss wird um den Segen der obersten polnischen Kirchenherren - und seiner Heiligkeit des Papstes Pius X. (1835-1914) gebeten, was die Datierung zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts erlaubt: "Florayana der Bischof von Gnesen und Bischof von Posen, der Heilige Bozicielko und die Heiligen Patrone von Polen mögen für uns beten Amen" (Floryana arcybiskupa gnieźnieńskiego biskupa Poznanskiego. Swieta Boza Bodzicielko i Swieci Patronowie Polski modlciesie za nami Amen).

Einband:
Die überaus reich gezierten, massiven Deckelplatten aus Messing zeigen auf dem Vorderdeckel ein Gitter aus Kreuzblumenbändern (Tempelritterkreuze im Korbreif mit kleinem Mittelkreis), die die Platte außen umgeben und in den Ecken jeweils ein Feld umgrenzen. In jedem dieser vier Felder erscheint ein reliefgearbeitetes, vergoldetes Evangelistensymbol für Matthäus (unten links der geflügelte Mensch), Markus (oben links der geflügelte Löwe), Lukas (oben rechts der geflügelte Stier) und Johannes (unten rechts der Adler).

In dem kreuzförmigen Raum dazwischen ist Christus am Kreuz dargestellt, das Kreuz vergoldet, ebenso der Lendenschurz und das Suppedaneum, während der Leib des Gekreuzigten selbst versilbert wurde, ebenso das "INRI"-Schild sowie oben die Büste Gottvaters und unten die Taube als der Heilige Geist. Links und rechts unter dem Kreuz füllen wilde Akanthusschlingen den punktgehämmerten Grund, auf ihnen sitzt jeweils ein Paradiesvogel (wohl Pelikan) und unten zwei Wildtiere (wohl Rehe), allesamt Symbole für die Reinheit des Herren, für sein Martyrium und seine Auferstehung (vgl. die entsprechende christologische Ikonographie).

Den Rückdeckel bestimmt die Rautenform mit der Gestalt der thronenden Maria nach der Ikonologie der byzantinischen Hodegetria-Darstellungen: Die in Silber gegebene Maria hält den ebenfalls versilberten kleinen Jesusknaben im Schoß, während der Thron in Gold gehalten wurde. Der Bildgrund besteht hier aus einem durch Doppelfileten gezogenen silbernen Muster von Rauten, die jeweils eine stilisierte Blume und einen Stern zeigen. In den Außenzwickeln erscheinen vier weitere Fabeltiere, und auf den radial in die Ecken weisenden Bändern ist mittig jeweils ein korallfarbener Edelstein eingelassen, rund-oval gefasst von Korb- und Blütenreif.
Der Einband ist unten im Rand und auf dem Rückdeckel im linken unteren Zwickel signiert: "BLACHIAK". – Wohlerhalten und kaum mit Gebrauchsspuren, durchgehend sauber, kaum Farb- oder Goldabplatzungen, grandios frisch und in bester Gesamterhaltung. Der massiv versilberte Einband ist teils leicht oxidiert, jedoch kaum berieben (nur ganz vereinzelt kleine Silberabreibungen), alles ist vorhanden (auch die Buckeledelsteine sind vollständig) und nahezu wie im Urzustand erhalten - ein Meisterwerk der polnischen Schmiede-, Handwerks- und Juwelierkunst am Anfang des 20. Jahrhunderts.

Stima
€ 12.000   (US$ 13.679)


Aggiudicato per € 8.000 (US$ 9.120)


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Luther, Martin
Passional Christi vnd Antichristi.

Lotto 856

(Luther, Martin). Passional Christi und Antichristi. 14 nn. Bl. Mit breiter Holzschnitt-TBordüre und 26 großen Textholzschnitten von Lucas Cranach d. Ä. und Werkstatt. 20,1 x 15 cm. Geheftet mit neuerem Heftstreifen am Rücken. Wittenberg, Johann Rhau-Grunenberg, 1521.

VD16 L 5586. Benzing, Luther, 1016. Muther 1582. Dodgson II, 324, Fairfax Murray 255. Lipperheide Cg 14. Hollstein VI, 66, a-j, k1, l-z. Koepplin-Falk 218. Kind 529 & 529a. – Erste Ausgabe von Martin Luthers Cranach-Passionale, des äußerst seltenen Holzschnittwerkes mit der Gegenüberstellung von Christi Werk und Leiden und den bösen Taten des Papstes als Antichrist. Hier in der dritten Druckvariante.
Der Text ist wahrscheinlich in Zusammenarbeit von Luther und Melanchthon entstanden (vgl. Dommer S. 125). Die großen Holzschnitte werden von Dodgson II, 324, 3 dem Hans Cranach zugeschrieben, stammen aber der neueren Forschung zufolge von Lucas Cranach d. Ä. "Eines der wirksamsten Kampfbilder gegen Rom war die eindrucksvolle Gegenüberstellung von Christus und Papst. Es sind 13 Doppelbilder: der Darstellung aus dem Leben und Leiden des Heilands folgt jeweils ein Gegenbild aus dem weltlichen und pomphaften Leben des Papstes. Die Idee fußt auf einem hussitischem Vorbild, von dem Luther wahrscheinlich durch eine tschechische Bilderhandschrift aus dem Besitz des Kurfürsten (jetzt in der Prager UB) Kenntnis erhielt. Anregung und Plan stammen von Luther, Ausführung von Cranach, Texte von Melanchthon, der sie aus der Bibel und den kanonischen Schriften auswählte, um darzutun, wie wenig die Hlg. Schrift und päpstliches Recht zueinander stimmen". (Zit. nach Gerd Rosen, Slg. Neufforge Nr 58). -
"In dreizehn antithetischen Bilderpaaren, mit kurzen Textbeigaben unter jedem Holzschnitt, wird der Lebenslauf Christi mit dem Leben des Papstes und den Gebräuchen der Kurie kritisch verglichen. Die erste Ausgabe dieser Reformations-Kampfschrift erschien kurz nach dem Wormser Reichstag, wohl noch im Mai 1521. Ausser mehreren deutschen Neuauflagen in diesem Jahr (wie gesagt vier) ist auch eine lateinische Ausgabe (Übersetzung: Benzin 1024) bekannt. Die Kommentare aus der Bibel bzw. den päpstlichen Dekretalen stammen von Philipp Melanchthon und dem Juristen Johann Schwertfeger, das kurze Nachwort vielleicht von Luther selbst" (Kopplin & Falk).

Die Variantenmerkmale des vorliegenden Exemplars (VD16 L 5586. Benzing, Luther, 1016) sind: ohne Signatur auf Blatt B3r, Fehlstelle im Rahmen oben links des Holzschitts auf Blatt B1v, kein stärkerer Riss in B1v (Ausschluss der anderen Drucke Benzing 1014-1017). – Titel mit winziger Rasurstelle, durchgehend etwas fingerfleckig, gleichmäßig gebräunt, mit blassen Wasserrändern aber kaum sonstigen Flecken, wenige Blätter am Rand unwesentlich fransig, insgesamt schönes, vollständiges, wohlerhaltenes und breitrandiges Exemplar.

Stima
€ 9.000   (US$ 10.260)


Aggiudicato per € 10.000 (US$ 11.399)


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La Guépière, Pierre-Louis-Phillipe de
Recueil d'esquisses d'architecture représentant...

Lotto 915

La Guépière, (Pierre-Louis-Phillipe de). Recueil d'esquisses d'architecture représentant plusieurs monuments de composition dont partie sont construits par le sieur de La Guêpière. 5, 2 Bl. Mit 56 Kupfern bzw. Radierungen auf 51 (17 doppelblattgroßen, 2 vielfach gefalteten) Tafeln. 49 x 34 cm. Weinrotes geglättetes Kalbsleder d. Z. (Kapitale leicht abgeschürft, Kanten und Bünde beschabt, kaum Kratzer, etwas bestoßen) über 6 Zierbünden mit goldgeprägtem RTitel und reicher RVergoldung, breiten goldgeprägten Deckelbordüren und dreiseitigem Goldschnitt. Stuttgart, Cotta, o. J. (1759).

NDB XIII, 413. – Der aus Sceaux bei Paris stammende Architekt Philippe de La Guêpière (1715-1773) wurde im Jahre 1752 als Hofarchitekt des Herzogtums Württemberg angestellt, wo er sein Hauptwerk, den "Recueil d'esquisses d'architecture" vollenden konnte, an dem er schon seit 1750 arbeitete: "Eingeführt in die Baukunst durch seinen Onkel Jacques, studierte La Guépière an der Pariser Académie d'Architecture ... Um 1750 stand er in Verbindung mit dem Reformkreis um den Marquis de Marigny und J. G. Soufflot, der sich gegen die Übertreibungen des Louis-XV-Stils in der Architektur wandte. La Guépière zeichnete und stach damals die ersten Entwürfe für seinen „Recueil d'Architecture“ und bildete Architekten aus. Seit 1752 nahm er durch seinen Schüler A. F. v. Kesslau wesentlichen Einfluß auf den Bau des Karlsruher Schlosses.

Durch seine Entwürfe wie durch ein Projekt für eine Militärschule empfahl er sich dem jungen Herzog Carl Eugen von Württemberg, der ihn 1752 in der Nachfolge von Leopoldo Retti als Oberbaudirektor berief. La Guépière hatte das 1747 von Retti begonnene Neue Schloß in Stuttgart weiterzuführen. Er errichtete den linken Flügel, wobei er die Stadtfassade in betont einfachen Formen hielt. Bis 1763 schuf er die Innenausstattungen, von denen die Repräsentationsräume in den Formen des 'goût grec', das Treppenhaus mit seinen Nebenräumen, der Marmorsaal, die Aeneasgalerie und der Weiße Saal nach dem 2. Weltkrieg wiederhergestellt werden konnten" (NDB).

In den teils doppelblattgroßen, teils mehrfach gefalteten prachtvollen Kupfertafeln, die von der kleinsten Platte ca. 7 x 9,6 cm bis zur größten auf der vielfach gefalteten Tafel 102,6 x 142 cm (!) misst, sind zahlreiche Architekturen in Grundriss, Aufriss und verschiedenen Querschnitten dargestellt, darunter der Monumentalplan mit dem Stuttgarter Schloss "Haupt-Grund-Riss Façade und Profils ... des neuen fürstlichen residenz gebäudes so Ihro hochfürstl. Durchlaucht der jezo glorwürdigst regierende Herr Herzog Carl zu Württemberg in dero Residenz und Haupt-Statt Stuttgardt auf dem selbst gnädigst ausgesuchten Plaz ... fortsezen lassen".

Dargestellt sind Entwürfe für Brunnen "Elevation d'une petite Fontaine public", ein Stadttor "Porte de Ville", ein Triumpfbogen "Arc de Triomphe avec son plan au bas", ein prachtvolles, schlossartiges Rathaus "Elévation d'un Hôtel de Ville", Parkpavillons "Plan d'un Belvedere", "Plan [und] Elévation d'un Belvedere Projetté pour les jardins du Palais de Louisbourg" (Ludwigsburg bei Stuttgart), "Un petit Temple dédié à Mars", Kirchen "Eglise pricipale ou Metropolitaine", "Temple dédié à la Paix" mit Gräbergruft "Plan d'un Tombeau" und "Elévation du Tombeau" mit einer von Säulen umstandenen Pyramide, das Bühnenhaus eines Operntheaters "Coupe d'un avant Scène d'Opéra", aber auch zahlreiche einzelne Bauformen und Elemente wie Fensterädikulen "differentes cases de croisée".

Die zwei zwischengebundenen Blätter zum "Chasteau de Stuttgardt avec l'explication de sa distribution sur le plan général", mit der vollständigen Legende zum Monumentalplan und den zahlreichen Detailplänen, die folgen (Radierungen 35-56). Zwei der Tafeln zum Schloss mit an Falzen aufmontieren, ausklappbaren Grundrissvarianten. – Vorsatz in türkischem Marmorpapier, der fliegende stärker knittrig, mit Exlibris "Charles Frederic Architecte" und einem weiten gestochenen Blättchen mit leerem Rahmen. Vorsatz und Titel mit winzigem Rotstempelchen, nur vereinzelt minimal angestaubt, kaum gebräunt, der große Faltplan am Schluss mit wenigen kleinen Falzrissen, gering knittrig vereinzelt minimal fleckig und gebraucht. Sonst sind die Textblätter und Tafeln fast vollständig fleckenfrei, sauber und nahezu "druckfrisch" zu nennen, die Kupfer und Radierungen in starkem gratigen und überaus präzisen Abdruck, kontrastreich und scharf. Bemerkenswert schön gebunden.

Stima
€ 12.000   (US$ 13.679)


Aggiudicato per € 10.000 (US$ 11.399)


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Watteau, Antoine
Figures de differents caractères, de paysages, ...

Lotto 933

Watteau, Antoine. Figures de differents caractères, de paysages, & d'études dessinées d'après nature par Antoine Watteau peintre du roy en son Académie royale de peinture et sculpture gravées à l'eau forte par des plus habiles peintres et graveurs du temps. Tirées des plus beaux cabinets de Paris. Tome premier [-second]. 2 Bände. Mit Kupfertitel, 2 gestochenen Titeln mit Text, Porträtfrontispiz von François Boucher nach Antoine Watteau. 5 Bl. mit 9 gestochenem Seiten "Abrégé", 1 S. "Avertissement" und 350 meist ganzseitigen Kupfern, meist von François Boucher nach Antoine Watteau auf 221 Tafeln. 49 x 31,5 cm. Grünes Halbleder d. Z. (an Kanten beschabt und bestoßen, etwas berieben) mit goldgeprägten RSchild und RVergoldung, breiten Lederecken,Marmorpapier-Deckelbezügen und dreiseitigem Goldschnitt. Paris, Audran und Chéreau, o. J. (1721-1735).     

Cohen-de Ricci 1054-1064. – Das graphische Werk des Antoine Watteau (1684-1721), zusammengestellt von Jean de Jullienne (1686-1766) und herausgegeben von François Chéreau (1680-1729) sowie von Jean und Benoit Audran (1698-1772), der auch selbst in Kupfer stach.
"Quoique la vie de Watteau ait été fort courte, le grand nombre de ses ouvrages pouroit faire croire qui'elle auroit été très-longue, au lieu qu'il montre seulement qu'il étoit très-laborieux; en effet, ses heures même de récréation et de promenade ne se passoient point sans qu'il étudiât la nature et qu'il la dessinât dans les situations où elle lui paroissoit plus admirable. La quantité de desseins qu'a produits son étude, et dont on a fait choix pour les faire graver et en former une oeuvre, est une preuve de cette vérité" (Guilmard 149).
Der wohl prominenteste Stecher der Sammlung, die im Todesjahr des Malers begonnen wurde, ist freilich François Boucher (1703-1770), ferner arbeiteten François Baillieul (1697-1754), Laurent Cars (1699-1771), Charles-Nicolas Cochin (1688-1754), Louis Desplaces (1682-1739), Charles Dupuis, (1685-1742), Edme Jeaurat, (1688-1738), François-Bernard Lépicié (1698-1755), Nicolas Charles de Silvestre (1699-1767), Pierre-Charles Tremolière (1703-1739) und Carle Van Loo (1705-1765). – Etwas gebräunt und leicht braunfleckig, wenige Tafeln stellenweise mit etwas stärkeren Fleckchen, meist aber sauber und wohlerhalten, die Kupfer durchgehend in allerbestem Zustande und kontrastreichem, starken Druck. Sehr selten, auf dem deutschen Markt ist kein Exemplar seit Jahrzehnten nachzuweisen. Mit gestochenem Wappenexlibris "Foley".

Stima
€ 8.000   (US$ 9.120)


Aggiudicato per € 9.000 (US$ 10.260)


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