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BASSENGE Kunst-, Buch- und Fotoauktionen

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Immagine Principale Descrizione Stato
Birkle, Albert
Schlächterwagen

Lotto 8049

Schlächterwagen
Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. 1923.
47 x 71 cm.
Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin".

Nach rechts und nach links ziehen durch das Bild ausgemergelte, von der Not gezeichnete Gestalten, Menschen und Pferde, die versuchen, dem Elend und Hunger zu entkommen. Wenige Wagenlampen werfen ihren schwachen Schein in das Dunkel des Geschehens, und nur zurückhaltend setzt Birkle das Kolorit in seiner Komposition ein. Der alte Mann ganz links vorne blickt unter seiner Hutkrempe direkt zum Betrachter und ruft ihm zum Zeugen der erbärmlichen Zustände in diesem ereignisreichen Jahr der Weimarer Republik: Wegen verspäteter Reparationszahlungen besetzte Frankreich 1923 das Ruhrgebiet, die deutsche Regierung rief zu Sabotage und Streik auf, zahlte jedoch die Löhne an die Streikenden weiter und musste dafür mehr Banknoten in Umlauf bringen. So begann die dramatischste Inflation, die das Land je erleben sollte, mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung.
Birkle absolvierte nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Lehre als Dekorationsmaler im väterlichen Betrieb, studierte von 1920 bis 1925 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und war Meisterschüler bei Arthur von Kampf. Er entwickelte in diesen Studienjahren einen religiös geprägten, sozialkritischen Realismus in einer formalästhetisch-neusachlichen Formensprache, der vor allem in seinen Charakterköpfen karikierende Züge vermittelte. Das Angebot einer Professur an der Königsberger Akademie lehnte der Künstler 1927 ab, um Aufträge für kirchliche Wandmalereien u.a. in Gaislingen und Kattowitz auszuführen. Im Umbruch der Machtergreifung Hitlers übersiedelte Birkle nach Salzburg, wobei er sein Berliner Atelier behielt. 1936 stellte er in der Berliner Nationalgalerie aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig. Die dort gezeigten Bilder wurden 1937 im Haus der Deutschen Kunst in München entfernt, weitere Werke von ihm in öffentlichen Sammlungen als "entartet" beschlagnahmt und er selbst mit einem Malverbot belegt. Birkle meldete sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst, wodurch er vorübergehend dem Militärdienst entgehen konnte. Er arbeitete als Kriegsmaler, Kriegsberichterstatter und musste 1944 einrücken. 1946 erhielt Birkle die österreichische Staatsbürgerschaft und widmete sich vor allem sakralen Gestaltungswegen als Glasmaler. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden bedeutende Werke auf diesem Gebiet. In seinem malerischen und zeichnerischen Spätwerk griff er in einem expressiven Stil auf die sozialkritischen Tendenzen seiner frühen Motive zurück.
Bitte Zustandsbericht erfragen.

Errata: Die vollständigen Angaben zur Technik, Signatur und Datierung lauten: Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin"; im Printkatalog abweichend.

Stima
€ 35.000   (US$ 39.900)


Aggiudicato per € 30.000 (US$ 34.200)


» Vergessene Moderne
Schmidt-Rottluff, Karl
Ziegelei bei Varel

Lotto 8214

Ziegelei bei Varel
Holzschnitt auf faserigem Naturpapier. 1909.
29,7 x 39 cm (34,2 x 43,2 cm).
Signiert "Schmidt-Rottluff" und (eigenhändig?) bezeichnet "Werk mit Bach".
Schapire H 7.

Herausragend ausdrucksstarker, früher Holzschnitt des Künstlers. So konsequent wie in dieser Drucktechnik setzt Schmidt-Rottluff seine expressionistischen Ideen in keinem anderen Medium um: Reduktion, Klarheit und Aufrichtigkeit.
Einen Neubeginn im Holzschnittschaffen Schmidt-Rottluffs stellt das Jahr 1909 dar, nachdem er 1905/06 bereits 20 erste Holzschnitte angefertigt hatte (die er jedoch trotz ihrer Qualität nicht in Schapires Katalog aufgenommen sehen wollte). Es folgte eine Pause von zwei Jahren, in denen er vor allem Lithographien druckte, dazu wenige Radierungen.
Unweit von Dangast an der oldenburgischen Nordseeküste, Schmidt-Rottluffs regelmäßigem Sommeraufenthaltsort der Jahre 1907 bis 1912, befindet sich der Vareler Hafen, gelegen zwischen Wilhelmshaven und Bremerhaven. Gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden der "Brücke" zog er mit Malutensilien häufig zu den kleinen Fischerhäfen der Umgebung, Ellenserdamm und Varel. Ein ungewöhnlicher Schaffensrausch erfüllte ihn in dieser Dangaster Zeit. Das Motiv, eine Ziegelei in der Nähe des Dorfes Varel südlich von Dangast, greifen sowohl Schmidt-Rottluff als auch Heckel in den Jahren von 1907 bis 1909 häufig auf. Der lange, niedrige Gebäudekomplex mit Schuppen, der in einem Schornstein endet, erstreckt sich vom linken Bildrand bis in den Hintergrund. Vom linken Vordergrund bis zum Horizont verläuft rechts ein kleiner Bach, in dem die verzerrte Spiegelung des Schornsteins zu sehen ist. Die radikale Vereinfachung der Form und die Unterdrückung der Perspektive zugunsten des Rhythmus' der Oberfläche machen die Gruppe der Holzschnitte von 1909 zu den abstraktesten und interessantesten Drucken, die von einem Mitglied der "Brücke" produziert wurden. Linien und Flächen in dichtem Schwarz und einem von den Halbtönen der Stege gelegentlich durchbrochenen Weiß erzeugen eine schwingende Bewegung in der Komposition.
Ganz selbstverständlich liegen alle Produktionsschritte in Schmidt-Rottluffs eigener Hand, von der Idee bis zum Abzug. Hier ist es das weiche, kaum gemaserte Holz der amerikanischen Pappel, in das er sein radikal vereinfachtes Motiv schneidet. Schapire zufolge wurde der Holzschnitt, wie alle Arbeiten Schmidt-Rottluffs zwischen 1906 und 1912, vom Künstler selbst gedruckt; selten erreichten sie eine Auflagenhöhe von zehn Exemplaren. Die Struktur der pastosen Druckfarbe auf dem Naturpapier ist bis heute erkennbar. Brillanter, tiefschwarzer, im Vordergrund teils ganz leicht aufgehellter Druck des bedeutenden Blattes mit kleinem, wohl dem vollen Rand. Von äußerster Seltenheit.

Provenienz: Heddergott & Maaß, Berlin, Katalog 1, 1991, Nr. 126

Stima
€ 35.000   (US$ 39.900)


Aggiudicato per € 34.000 (US$ 38.760)


» Meistergraphik deutscher Klassiker
Nolde, Emil
Prophet

Lotto 8217

"Prophet"
Holzschnitt auf Velinkarton. 1912.
32 x 22,6 cm (40 x 30,7 cm).
Signiert "Emil Nolde" und betitelt. Auflage 20-30 Ex.
Schiefler/Mosel 110.

Das asketische, grüblerische Gesicht des "Propheten" konfrontiert uns mit einer unmittelbaren, tiefen Emotion, die keinen Zweifel an seiner Spiritualität lässt. Seine verschatteten, tiefliegenden Augen, die Stirnfalten, die eingefallenen Wangen und das ernste Gesicht drücken eine tiefe Versunkenheit aus. Drei Jahre zuvor hatte Nolde nach schwerer Krankheit eine religiöse Transformation erlebt. Im Anschluss daran begann er, sich in Gemälden und Druckgraphiken religiösen Themen zu widmen.
Nolde war 1906 der "Brücke" beigetreten und brachte seinen Kollegen die Radiertechnik bei, während sie ihn in die Holzschnittechnik einführten. In dem für Emil Nolde hinsichtlich seiner Holzschnitte besonders schaffensreichen Jahr 1912 entstanden insgesamt 21 Porträtköpfe. Mit seinem eindringlichen Ausdruck und den kraftvollen Kontrasten im hageren Gesicht hebt sich der "Prophet" unter den Blättern jenes Jahres besonders hervor und ist wohl Noldes bekanntestes druckgraphisches Werk. "Die Holzschnittreihe von 1912 verleiht dem gefundenen Zeichen nun eine tiefere Intensität. In der Reihe der Köpfe, dem ständigen Thema der Holzschnitte Noldes, kann nun, wie im 'Propheten', die dramatische Ikone entstehen." (Werner Haftmann, Holzschnitte von Emil Nolde, Bremen 1947). Grob ausgefräste Bereiche, geradezu unheimlich ausgefranst, gezackte Linien und die strukturierte Maserung des Holzes verbinden sich zu einer Inkunabel des deutschen Expressionismus und der überzeugenden Darstellung eines glühenden Gläubigen.
Schiefler/Mosel erwähnen mindestens 20-30 Exemplare. Brillanter und gegensatzreicher, ungewöhnlich reich und differenziert aufgelichteter Druck mit bemerkenswert deutlicher Reliefwirkung, mit breitem Rand, rechts mit dem Schöpfrand. Die in den Schwarzflächen wunderbar mitdruckende Langholzmaserung verleiht dem Druck ein zusätzliches expressives Moment. Partiell druckt in den Weißflächen der Stockgrund blind mit. Verso sind die Reibespuren deutlich sichtbar und ein kräftig durchgepresstes Relief.
Eines der Hauptblätter der Graphik des deutschen Expressionismus, in den letzten Jahren selten geworden.

Stima
€ 30.000   (US$ 34.200)


Aggiudicato per € 34.000 (US$ 38.760)


» Meistergraphik deutscher Klassiker
Barlach, Ernst
Lesender Klosterschüler

Lotto 8310

Lesender Klosterschüler
Bronze mit goldbrauner Patina. 1930/nach 1938.
31 x 20 x 12 cm.
Seitlich rechts am Sockel signiert "E. Barlach", verso mit dem Gießerstempel "H. Noack Berlin". Auflage 7 num. Ex.
Laur II 462.

Laur erwähnt sieben unnumerierte Abgüsse der Bronze, entstanden nach 1938; dieses Exemplar, anders als bei Laur angegeben, mit Numerierung. Im Staatlichen Museum Schwerin befindet sich ein weiterer Abguss. Vorbild für diese bedeutende und äußerst seltene Bronze war Barlachs knapp unterlebensgroße Holzplastik von 1930, entstanden für den Güstrower Fabrikanten Richard van Tongel, ursprünglich gedacht als figürlicher Aufsatz für einen Graphikschrank, heute in der Gertrudenkapelle, Güstrow, sowie ein Gipsmodell dieser Plastik (Schult 366, Laur II 459).
Die gotische Holzfigur des Apostel Johannes im Güstrower Dom, entstanden um 1430, die Barlach sicher bekannt war, zeigt kompositorisch einen engen ikonographischen Bezug zum "Klosterschüler".
Barlachs Skulpturenmotiv stellt ein zentrales Element in Alfred Anderschs 1957 erschienenem Roman "Sansibar oder der letzte Grund" dar. Die Existenz der in der Kirche ausgestellten Plastik ist durch die nationalsozialistischen Machthaber bedroht, ist sie doch in der Liste von Kunstwerken verzeichnet, die nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt werden dürfen. Der "Lesende Klosterschüler" fasziniert die fünf Protagonisten des Romans aus unterschiedlichen Gründen. Andersch beschreibt die fiktive Rettungsaktion der Skulptur, die sie von Rerik an der mecklenburgischen Ostseeküste mit einem Fischkutter nach Schweden führt. Die Plastik dient im Roman als Reflexionsfläche der Protagonisten und steht als Sinnbild für Wahrhaftigkeit und Freiheit des Geistes. Der Autor lässt Gregor, den KPD-Funktionär, im Angesicht der Figur sinnieren: "Was tat er eigentlich? Er las ganz einfach. Er las aufmerksam. Er las genau. Er las sogar in höchster Konzentration. Aber er las kritisch. Er sah aus, als wisse er in jedem Moment, was er da lese. Seine Arme hingen herab, aber sie schienen bereit, jeden Augenblick einen Finger auf den Text zu führen, der zeigen würde: das ist nicht wahr. Das glaube ich nicht." (Der Bildhauer Ernst Barlach. Skulpturen und Plastiken im Ernst Barlach Haus - Stiftung Hermann F. Reemtsma, Hamburg 2007, S. 164, zit. nach ernst-barlach-stiftung.de, 23.4.2019).
Ausgezeichneter Guss mit schön differenzierter, schimmernder Patina. Sehr selten.

Stima
€ 15.000   (US$ 17.100)


Aggiudicato per € 24.000 (US$ 27.359)


» Arte Moderna I
Ernst, Max
Chéri Bibi

Lotto 8343

Chéri Bibi
Bronze mit grünlicher Patina auf Bronzeplinthe. 1973.
33,2 x 18,5 x 17 cm.
Hinten seitlich an der Bronzeplinthe signiert "max ernst" und mit dem Gießerstempel "Valsuani" (schwer leserlich). Auflage 175 num. Ex.

Bedeutende Skulptur aus dem Spätwerk von Max Ernst. Abstrahiert, dennoch deutlich erkennbar setzt sich der kreisrunde scheibenförmige Kopf - die Augen und der Schnabel - eines Kükens von der hochrechteckigen Platte ab. Das Vögelchen scheint in dieser strengen Form wie in einem Vogelkäfig gefangen. Die Füße der abstrakt-geometrischen, ausgewogenen Figur verschwimmen ihrerseits mit dem massiven Sockel. Das Motiv des Vogels taucht in dem Werk von Max Ernst immer wieder auf. Mit dem Titel "Chéri Bibi" greift Ernst den gleichnamigen dreiteiligen Kriminalroman von Gaston Leroux von 1913 auf. Darin bricht der Titelheld Chéri Bibi, der namentlich bereits in dem weltberühmten Roman "Das Phantom der Oper" auftrat, immer wieder aus einem Gefängnis aus.
"In der Bronze von Max Ernst ist der Standort der Figur nicht sicher. Der Sockel besteht aus zwei verschieden großen und gegeneinander gesetzten Halbkugeln, wodurch die fatale Situation des Helden abstrakt, aber eindeutig umgesetzt ist. Das Rechteck des Körpers hinterfängt die kreisrunde Silhouette des Kopfes so massiv und vollständig, daß der Eindruck einer wuchtigen Körperlichkeit entsteht. Das Gesicht selbst ist nicht plastisch ausgebildet, sondern in die tellerförmige Fläche des Kopfes eingeprägt. Gleichzeitig wird mit der herausgestreckten Zunge aber auch die unbekümmerte Gelassenheit des Helden zum Ausdruck gebracht. Max Ernst vereint in der Plastik den spannungsreichen Gegensatz der literarischen Vorlage, die unsicheren Lebensumstände und die trotzdem selbstbewußte Haltung der fiktiven Figur." (Jürgen Pech, Lieber Bibi, in: Max Ernst - Plastische Werke, Köln 2005, S. 206).
Die Bronze entstand 1973 nach einem Gipsmodell von 1964. Es wurde eine Auflage von 175 Exemplaren, 15 Künstlerexemplaren und einigen Probegüssen in grüner, brauner und schwarzer Patinierung bei Valsuani, Paris, gegossen. Schöner Guss mit glatter, grünlich patinierter Oberfläche.

Provenienz: Privatsammlung Norddeutschland

Literatur: Jürgen Pech, Lieber Bibi, in: Max Ernst - Plastische Werke, Köln 2005, S. 206 (Abb. S. 207)

Stima
€ 13.000   (US$ 14.819)


Aggiudicato per € 20.000 (US$ 22.799)


» Arte Moderna I
Hofer, Karl
Mädchen en face

Lotto 8387

Mädchen en face
Öl auf Leinwand. 1954.
57 x 42 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Weiß monogrammiert "CH" und datiert, verso auf dem Keilrahmen bezeichnet "Birnen im Korb" und auf Klebeetikett "250".
Wohlert 2698 B.

Hofers ganz eigenartig entrückte Mädchenbildnisse gehören zu seinen eindringlichsten Werken. Die Beseeltheit des Menschen ist der immer wiederkehrende Ausdruck, den Hofer in seinen Bildnissen einzufangen versucht. Seine Figuren sind keine Individuen; über seine Modelle gibt der Künstler kaum verbindliche Auskunft. Durch den melancholisch-entrückten Ausdruck gelingt es Hofer, Distanz zu schaffen und doch den Blick ins Innere zu öffnen. 1931 schrieb der Dichter Alfred Mombert in einem Brief an Hans Reinhart: "Er ist selbstverständlich kein 'Portrait'-Maler. Es kommt ihm ja nicht darauf an, ein Stück Welt (in diesem Falle einen bestimmten homo) festzulegen, sondern Alles ist ihm Ausdrucksmittel zur Erkenntnis seiner Psyche. Es ist ein dämonischer Ringkampf; für mich höchst verehrungswürdig." (zit. nach: Jürgen Schilling, Karl Hofer, Unna 1991, S. 23). Etwas summarisch behandelt Hofer die Figur, aus den abstrahierten Formen und Farbflächen artikuliert sich ein überzeugend plastisch-räumlich erscheinendes Bildnis, und zugleich konzentriert sich der Blick auf das Wesentliche der Darstellung. Unser "Mädchen en face" besticht mit dem feinsinnig abgestimmten, in delikaten Kontrasten gestalteten Kolorit von Antlitz, Kleidung und Hintergrund. Es ist in seiner flächenhaften Gestaltung und der verhaltenen Präsenz der Dargestellten, diesem beinahe meditativen Innehalten, charakteristisch für Hofers Werkgruppe zartfühlend gemalter, ins Allgemeingültige gehobener Mädchenbildnisse.

Provenienz: Nachlass des Künstlers
Galerie Schüler Berlin 1957/58 (mit deren Fotodokumentation)
Privatbesitz Berlin

Stima
€ 30.000   (US$ 34.200)


Aggiudicato per € 25.000 (US$ 28.499)


» Arte Moderna I
Kollwitz, Käthe
Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit...

Lotto 8424

Studie einer auf einem Stuhl sitzenden Frau mit herabhängender Hand
Feder in Schwarz, teils laviert, auf festem Velin. 1890.
26,5 x 23,6 cm.
Unten links mit Bleistift datiert.

Es war das zeichnerische Talent, das Käthe Kollwitz' Vater dazu bewog, seiner Tochter 1881 eine Ausbildung bei dem Kupferstecher Rudolf Mauer zu ermöglichen. Indem sich Kollwitz um 1890 immer mehr der Radierung zuwandte, nahm die Zeichnung zwangsläufig eine zentrale Stelle in ihrem Schaffen ein. In den frühen Studien, wie auch in unserer, wählte die Künstlerin oftmals sich selbst zum Modell. Ganz der akademischen Tradition gegen Ende des 19. Jahrhunderts verpflichtet, zeichnet sie - wie ihre Künstlerkollegen Menzel, Leibl, Feuerbach und Klinger - sorgfältig jedes einzelne Detail, jede einzelne Bewegung und Gebärde durch. Dass Kollwitz sich um 1890/91 mit der Figur einer Sitzenden intensiv auseinandersetzt, zeigen zwei weitere Zeichnungen (Nagel/Timm 35 und 36). Die Detailstudien zur Haltung der Hand heben die Eleganz und Anmut, mit der unsere Hand gezeigt wird, hervor. In vorliegender Arbeit erkennt man deutlich Käthe Kollwitz' Blick als Radiererin: delikat und dicht werden einzelne Flächen durch parallele Schraffuren voneinander abgesetzt, diagonale Liniengeflechte erzeugen Lebendigkeit, Schatten und Tiefe. Ein Meisterwerk der Zeichenkunst!


Provenienz: Auktion Ketterer, Sammlung Tremmel, Nr. 282, 06. Mai 2003, Losnr. 503

Stima
€ 30.000   (US$ 34.200)


Aggiudicato per € 25.000 (US$ 28.499)


» Arte Moderna I
Nolde, Emil
Venedig, Santa Maria della Salute

Lotto 8483

Venedig, Santa Maria della Salute
Aquarell auf Japanbütten. 1924.
34,6 x 45 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "Nolde".

Die venezianische Szenerie im Abendlicht entstand wahrscheinlich 1924 auf Noldes Reise nach Venedig, Rapallo, Arezzo und Wien. Sie zeigt deutlich Noldes einmaliges aquarelltechnisches Können, sein virtuoses Gespür für Farben und Strukturen. Die Verläufe und Formen der nebeneinanderstehenden und sich miteinander vermischenden violetten, grünen, gelben und blauen Töne bestimmen die Bildkomposition mit der barocken Kirche an der Einfahrt zum Canal Grande. Emil Noldes expressive Bildsprache nährte sich wie bei kaum einem anderen Künstler seiner Zeit so direkt aus dem subjektiven Empfinden des Malers, seinen Erlebnissen und visuellen Erfahrungen, die er unvermittelt auf Leinwand und Papier zu übertragen vermochte. Das Aquarell bot ihm hierfür die perfekten technischen Möglichkeiten wie Manfred Reuther zusammenfasst: "Mit vollgetränktem, schwerem Pinsel und in raschen Bewegungen, aus Unregelmäßigkeiten, Flecken und Verläufen - dem kontrollierten Zufall - wachsen die Bilder eruptiv hervor. Die Eigenart der Wasserfarben, das bildnerische Verfahren des Naß-in-Naß-Malens kamen Noldes Streben nach Spontaneität, das den Verstand im Schaffensvorgang auszuschalten und wesentlich dem Instinkt zu folgen trachtete, und unmittelbarer Ausdrucksweise entgegen." (Manfred Reuther, Emil Nolde. Aquarelle und Graphik, Ausst.-Kat. Leipzig 1995, S. 17).
Ein Gutachten von Prof. Dr. Martin Urban, Nolde-Stiftung Seebüll, vom 9. Februar 1999 liegt vor.

Provenienz: Galerie Bassenge Berlin, Auktion 73, Mai 1999, Losnr. 6717
Privatbesitz Berlin

Stima
€ 40.000   (US$ 45.599)


Aggiudicato per € 26.400 (US$ 30.095)


» Arte Moderna I
Purrmann, Hans
Kamelienstilleben

Lotto 8509

Kamelienstilleben
Öl auf Leinwand. 1949.
32 x 24 cm.
Unten links mit Pinsel in Weinrot signiert "H. Purrmann".
Lenz/Billeter 1949/13.

Hans Purrmann begann bei seinem Vater eine Lehre als Stubenmaler. Er wechselte jedoch bald zur Kunstgewerbeschule in Karlsruhe und studierte ab 1897 an der Akademie der Bildenden Künste München, zunächst in der Zeichenklasse Gabriel von Hackls, dann in der Malklasse Franz von Stucks. Dort lernte er Paul Klee, Wassily Kandinsky, Rudolf Levy und Albert Weisgerber kennen. Purrmann wurde 1905 durch Vermittlung Max Liebermanns in die Berliner Secession aufgenommen und seitdem von der Galerie Paul Cassirer vertreten. Er ging 1906 nach Paris, wo er in dem Künstlertreffpunkt des Café du Dôme seine alten Künstlerfreunde Weisgerber und Levy wiedertraf. Bei Gertrude Stein lernte er Pablo Picasso und Henri Matisse kennen, mit denen er in der Folge die "Académie Matisse" aufbaute. Von Matisse erhielt er seine abschließende Ausbildung und entwickelte seinen ganz eigenen Stil, beeinflusst durch die Werke von diesem und zudem von Cézanne und Renoir. 1912 heiratete er die Malerin Mathilde Vollmoeller. Das Paar, ansässig in Paris, musste durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges nach Deutschland zurückkehren und lebte von 1914-1916 im Unteren Schloss von Robert Vollmoeller in Beilstein. Von 1916 bis 1935 wohnte Purrmann überwiegend in Berlin, ab 1921 verbrachte er die Sommermonate in Langenargen am Bodensee, von 1923 bis 1928 zeitweilig in Rom. Durch die NS-Kunstpolitik wurde das Werk Purrmanns 1937 als "entartet" deklariert und 36 Bilder aus deutschen Museen beschlagnahmt. Zudem wurde er mit Lehr- und Ausstellungsverbot belegt. Dies geschah während Purrmanns Abwesenheit in Florenz, wo er von 1935 bis 1943 als ehrenamtlicher Leiter der deutschen Stiftung "Villa Romana" eingesetzt war. 1943 wurde seine Berliner Wohnung zerstört. Nach dem Sturz Mussolinis floh Purrmann in die Schweiz und ließ sich im Tessiner Montagnola nieder. Dort entstand eine enge Freundschaft mit Hermann Hesse. Er starb 1966 in Basel und wurde in Langenargen am Bodensee beigesetzt.
"Seine Malerei ist der Ausdruck einer besonderen zeichnerischen und farblichen Geistigkeit. Wenn diese auch in fast jedem Bilde in Erscheinung tritt, die künstlerische Wirkung entscheidend mitbestimmt, so ist sie doch schwer mit Worten und Begriffen zu erfassen." (Gotthard Jedlicka, in: Der Maler Hans Purrmann. Ölgemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Graphik von 1898-1960, Ausst.-Kat. Kunstverein Hannover, 1960, S.16).
Unser kleines Blumenstilleben entstand in Montagnola und strahlt die sonnendurchflutete Atmosphäre des Südens aus. Purrmann wählte für den blühenden Kamelienzweig in einer Glasvase eine ausgewogene warme Farbpalette aus verschiedenen Rosa- und Violetttönen, die sehr schön mit den Grüntönen der Blätter und des Hintergrundes kontrastieren.

Provenienz: Sammlung H. M.
Privatbesitz Norddeutschland

Stima
€ 25.000   (US$ 28.499)


Aggiudicato per € 24.000 (US$ 27.359)


» Arte Moderna I
Ramos, Mel
The pause that refreshes

Lotto 8510

The pause that refreshes
Aquarell über Bleistift auf schwerem genarbten Velin. Um 1975.
41 x 41,5 cm.
Unten mittig mit Bleistift signiert "MelRamos" (ligiert).

Eine unbekleidete Frau in Rückenansicht greift mit den Händen in ihr blondes Haar. Sie sitzt am Unterrand einer rot-weißen kreisrunden Fläche, die in ihrer Gestaltung und ihrem Schriftzug jedem augenblicklich bekannt ist - das eingängige und überall verbreitete Logo der Getränkemarke Coca Cola.
Der Körper der Dargestellten wird mit wenigen künstlerischen Griffen - der Akzentuierung durch Licht und Schatten, der klaren Kontur ihrer Figur, den betont wenigen "Accessoires" wie dem Lidschatten und dem roten Nagellack - erfasst und darüber hinaus vor allem in seiner Weiblichkeit betont. Er ist sowohl stilisiert als auch natürlich, bewegt sich zwischen Ideal und Wirklichkeit. Pointiert wird er mit einer Prise erotischer Inszenierung. Die Bildfigur ist die pure Verkörperung des Weiblichen, sie ist schön und verführerisch. Zugleich wird sie mit dem sie begleitenden Konsumgut verknüpft. Dabei wird sie ihm nicht nur passiv hinzugesetzt, sondern unterstützt es vielmehr aktiv in seiner Werbewirkung. Das Hinzuziehen der auf Reize setzenden Frau zur verkaufssteigernden Aussage des angebotenen Produkts ist ein verbreiteter Marketinggriff, der insbesondere in den USA ab den 1950er Jahren anzutreffen ist.
Als Kenner seines Genres bringt der amerikanische Pop-Art-Künstler Ramos Zeitgeist und Lebensgefühl einer konsumorientierten Gesellschaft durch das Sichtbarmachen und Verschränken von Körperkult und Konsum in seinen Werken stereotypisch und ikonenhaft zum Ausdruck. Indem er weithin bekannte, inzwischen so alltägliche Motive der Popkultur entnimmt und sie in seine stilisierte Bildwirklichkeit transferiert, tritt er nicht nur in den Dialog mit der Massenkultur und führt ihn in seiner signifikanten Eingängigkeit fort, sondern er avanciert dabei selbst zu einem ihrer gefeierten Helden. Mel Ramos zählt neben Andy Warhol, Roy Lichtenstein und Tom Wesselmann zu den wichtigsten und einflussreichsten Vertretern der Pop-Art seit ihrer Entstehung in den späten 1950er Jahren in den USA. Im Rückgriff auf Pin-Up-Girls, Werbeartikel und Waren in immer wieder variierender Motivauswahl schafft Ramos neben dem inhaltlich seriellen Charakter seiner Arbeiten einen ganz eigenen, hohen Wiedererkennungswert.
Unser Aquarell orientiert sich an Ramos‘ gleichnamigem Gemälde von 1967.

Stima
€ 12.000   (US$ 13.679)


Aggiudicato per € 22.000 (US$ 25.079)


» Arte Moderna I