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Ring-Steinkabinett
Ring-Steinkabinett mit 52 Ringsteinen und Goldring

Lotto 6212

Steinkabinett mit 52 Ringsteinen.
Je ca. 14 x 22 mm, im ovalen Cabochonschliff. Ringschiene mit Steinfassung Gold 585/000, entspricht 14 Karat. Der Ring max. 2,3 cm lang. Die Steine auf drei mit Samt bezogenen Tabletts in kleinen Vertiefungen liegend, in originalem Holzkästchen, bezogen mit türkisfarbenem, geprägten Papier mit Akanthusranken, der Innendeckel des Kästchens mit Seide ausstaffiert. Maße 16,2 x 10,8 x 3,5 cm. Anliegend das handschriftliche Verzeichnis der 52 Steine in deutscher Sprache. Dresden oder Augsburg, um 1790.

Labradorit aus Amerika, Marmor aus Florenz, Chalcedon aus Island, Jaspis aus Sibirien und versteinertes Holz aus Transsilvanien: Die hier in einem Steinkabinett zusammengetragenen Mineralien verführen zu einer Reise um die Welt. Aber auch zu einer Reise in die Zeit der späten Aufklärung und des Aufblühens der Wissenschaften. Aus der zunehmenden Systematisierung fürstlicher Wunderkammern nach wissenschaftlichen Ordnungsprinzipien gingen reichbestückte Kabinette hervor, die beanspruchten, Abbild der materiellen Welt zu sein. Mineralien eigneten sich mit ihren bizarren, aber doch Regel gehorchenden Erscheinungsformen, ganz besonders, um Wissensdurst, Sammelleidenschaft und Freude am ästhetisch Besonderen zu nähren. Gerade auch Johann Wolfgang von Goethe zogen sie Zeit seines Lebens in ihren Bann. Der Literat war mit der geologisch-mineralogischen Forschung seiner Zeit vertraut und legte sich für eigene Studien eine umfangreiche Materialsammlung an: "Nötigte ein widerwärtiges Wetter die Naturfreunde ins Zimmer, so hatten sich auch da so viele Musterstücke gehäuft, an denen man das Andenken der größten Gegenstände wieder beleben, und die auch den kleinsten Teilen zu widmende Aufmerksamkeit prüfen und schärfen konnte." (J. W. v. Goethe: Beschreibung der karlsbader müllerischen Steinsammlung: zur Kenntniß der böhmischen Gebirge, Karlsbad 1852 (1807), S. 4).
Das Interesse an Gesteinen brachte so erstaunliche Objekte wie das vorliegende Ring-Steinkabinett hervor. Diese seltenen, im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert hergestellten Kästchen enthielten einen oder mehrere Ringe und eine vielfältige Auswahl an Mineralien als praktisch austauschbare Einlagen. Sie vereinten den Bildungsanspruch des rigorosen Mineralsammlers mit der Lust an der sinnlichen Schönheit von Farben und Strukturen. Unser Kabinett beherbergt 52 Steine auf drei mit Samt überzogenen Tabletts im originalen Holzkästchen, welches mit türkisfarbenem Papier überzogen ist. Eine durchgehende Aussparung in der Mitte der Tabletts dient dem Ring als Halterung. Im beiliegenden, originalen "Verzeichniss von den 52 Ringsteinen" sind handschriftlich Herkunft und Bezeichnung der vollständig vorhandenen Steine aufgeführt. Aufgrund der außerordentlichen Seltenheit von Ring-Steinkabinetten stellt unser Kästchen eine wertvolle Ergänzung der kleinen Gruppe von bislang 21 bekannten Exemplaren dar (Simone und Peter Huber: "A "Lithological Amusement" Ringstein-Kabinette (cabinets of stones for rings)" und "Ringstein-Kabinette", in: Gold, Jasper and Carnelian. Johann Christian Neuber at the Saxon Court, hrsg. von Alexis Kugel, London 2012, besonders S. 381-383, Kat. RK1-RK21).
Herstellungszentrum dieser kostbaren Objekte war der sächsische Hof, wo sich zunächst der Goldschmied und Hofjuwelier Johann Christian Neuber darauf spezialisierte. Zur gleichen Zeit entstanden Ring-Steinkabinette auch in Augsburg von der Hand des dorthin übersiedelten Dresdner Goldschmieds Heinrich Gottlob Lang. Da keines der erhaltenen Exemplare zweimal die gleiche Zusammenstellung an Mineralien vorweist, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei diesen Kästchen um individuelle Auftragsarbeiten handelte (op.cit., S. 94). Aufschluss über die Herkunft kann neben formalen Vergleichen auch die Auswahl der Steine geben: Mit neun Stücken stellt in unserem Fall Sachsen die am gewichtigsten vertretene Region dar. Doch reicht die Sammlung weit über diese geographische Grenze hinaus. Von Sibirien bis Amerika sind mineralische Kostproben aus der ganzen Welt zusammengetragen und bilden ein Kabinett, dass gleichsam Zeugnis des Geisteslebens und des Bedürfnisses nach luxuriösen Objekten der Goethezeit ist.

Stima
€ 18.000   (US$ 19.800)



» 'Fernweh'
Piranesi, Francesco
La Girandola

Lotto 6231

Fuoco artificiale detto la Girandola.
Farbradierung in Braun und Rotbraun gedruckt, nach Louis-Jean Desprez. 51,2 x 76,7 cm. Um 1790. Nicht bei Le Blanc, Wollin 3 II. Wz. Doppeladler mit Blume auf der Brust und Nebenmarke "Schrift".

Die Komposition zeigt eine Darstellung der Girandola, einem berühmten Feuerwerk über der Engelsburg. Es wurde zweimal jährlich zu Ostern und am 28. Juni, dem Vorabend des Festes der Heiligen Peter und Paul, sowie während der Krönung eines neuen Papstes abgehalten. Das fantastische Spektakel war sowohl bei den Römern als auch bei den Besuchern der Stadt beliebt und zog riesige Menschenmengen an. Es wurde erstmals 1471 inszeniert und galt jahrhundertelang als das spektakulärste Feuerwerk seiner Art in Europa. Der Autor der Komposition, Louis Jean Desprez, hatte ein phänomenales Gespür für dramatische Inszenierungen und stellt den Höhepunkt des Ereignisses, das eindrucksvolle Finale, dar. Francesco Piranesi hat das Original von Desprez auf brillante Weise in das Medium der Druckgrafik übertragen und eine farbige Radierung geschaffen, die ein technisches Meisterwerk ist. - Prachtvoller, kräftiger und harmonischer Druck mit ca. 2,5 - 4 cm breitem Rändchen ringsum. Die subtile Kombination von Schwarz und Eisenrot, die in zarten Abstufungen ineinander übergehen, vermittelt kongenial den grandiosen Eindruck des nächtlichen Feuerwerks über der Engelsburg. Vereinzelte, kaum wahrnehmbare, geschlossene Randeinrisse am rechten und im unteren Rand, winzige Quetschfalte vom Druck am unteren Rand, leichte Mittelfalte, weitere minimale Altersspuren, sonst in ganz vorzüglicher Erhaltung. Selten.

Stima
€ 8.000   (US$ 8.800)



» 'Fernweh'
Mayer, Auguste-Étienne-François
Lavasee im Inneren des Vesuvkraters; Ascheregen...

Lotto 6266

Lavasee im Inneren des Vesuv; Ascheregen über dem Vesuv.
2 Gemälde, je Öl auf Leinwand. Je ca. 18 x 24,5 cm. Verso auf den Keilrahmen mit alten Etiketten, auf diesen mit Feder in Braun bezeichnet "Interieur du Cratére Le 30. Juillet 1803 a minuit / F. No.", sowie "Malen lassen und gekauft von Comtesse Therese Wruba zu (Neapel?) 1837" bzw. "Eruption du 3. Aout 1838 a 8 heures du matin", sowie "Malen lassen u. gekauft von Comtesse Therese Wruba...".


Stima
€ 7.500   (US$ 8.250)



» 'Fernweh'
Piranesi, Giovanni Battista
Différentes Vues de Pesto

Lotto 6267

Différents vues de quelques Restes de trois grands Edifices qui subsistent encore dans le milieu de l'ancienne Ville de Pesto autrement Posidonia qui est située dans la Lucanie.
21 Radierungen inkl. Titel, gebunden in einem Halblederband des 19. Jh. (Ecken und Kanten berieben und leicht bestoßen, gebrauchsspurig) mit goldgeprägtem RSchild "Œuvres de Piranesi / Ville de Paestum". Je ca. 47,5 x 67,5 cm (Plattenrand); 58,4 x87,3 cm (Blattgröße). (1778). Focillon 583-599 I (von II), Wilton-Ely 717-737. Wz. Taubenschlag.

Piranesis letzte Arbeiten gelten zugleich als eine seiner bedeutendsten und klarsten architektonischen Folgen und hatten einen nicht zu unterschätzenden, nachhaltigen Einfluss auf die Wertschätzung der eigenständigen Schönheit der griechischen Antike in der neoklassizistischen Architektur. In den Jahren 1777 und 1778 fertigte Piranesi zahlreiche Studien vor Ort an und wurde dabei sowohl von seinem Sohn Francesco, als auch von seinem Assistenten Benedetto Mori und dem Architekten Augusto Rosa begleitet. Die aus diesen Vorstudien entstandene Folge erschien schließlich am 15. September 1778, nur zwei Monate vor Piranesis Tod und bildet einen späten Höhepunkt in seinem Schaffen. Einige Autoren nehmen an, dass die Ausführung der Stiche zumindest in Teilen von seinem Sohn Francesco unterstützt wurde. Zumindest bei den letzten drei Platten scheint einigen Forschern eine Beteiligung Francescos wahrscheinlich; so ist dessen Stil zum Beispiel in der Ausführung der Figuren dieser letzten Darstellungen erkennbar (vgl. dazu Wilton-Ely S.777f). - Vor den arabischen Nummern. Die vollständige Folge in ganz ausgezeichneten bis prachtvollen Drucken mit breitem Rand bzw. mit dem Schöpfrand. Vertikale Mittelfalten, bedingt durch die Albummontierung, insgesamt etwas stockfleckig, partiell leicht gebräunt, vereinzelte Rostfleckchen, weitere kleine Alters- und Gebrauchsspuren. Die vollständige Folge des graphischen Hauptwerkes Piranesis hier in einheitlicher und ganz vorzüglicher Erhaltung. Mit dem Exlibirs „N. 239 / Ex Libirs / L.V. Gesta Tolosa [wohl Louis-Victor Gesta de Toulouse]“.

Stima
€ 18.000   (US$ 19.800)



» 'Fernweh'
Himmelsglobus
Islamischer Himmelsglobus

Lotto 6292

Islamischer Himmelsglobus.
Nahtloser Messing Guss, die ca. 1022 Sterne in Silber eingelegt. Sternbilder, Äquator und Ekliptik eingraviert, mit arabischer Beschriftung. Durchmesser ca. 24,5 cm. Gewicht 4000 gr. Ohne Gestell, rechteckige Ausschnitte am Himmelsäquator, zwei kleinere runde Löcher am Himmels-Nord- und Südpol. Um 1670.

Himmelsgloben gehören zu den ältesten wissenschaftlichen Instrumenten. Der Beobachter blickt von außen auf den Globus, daher stellen sie den Sternenhimmel spiegelbildlich mit seinen Fixsternen und Sternbildern auf einer scheinbaren Himmelskugel dar. Die Erde ist im Zentrum der Kugel gedacht. Zwei Besonderheiten unterscheiden islamische Himmelsgloben von westlichen Globen: Erstens sind die Sternbilder so dargestellt, dass die Gesichter der Personen immer aus dem Globus heraussehen und nie, wie auf einigen westlichen, in den Globus hinein. Zweitens sind auf den Globen immer nur die 48 klassischen Sternbilder nach dem Almagest des Claudius Ptolemäus bzw. dem 964 auf Arabisch erschienenen Buch der Fixsterne des persischen Astronomen Abd ar-Rahman as-Sufi aufgeführt. Zu diesen Sternbildern sind die in dieser Literatur erwähnten, ca. 1022 Sterne in unterschiedlichen Größen zur Darstellung unterschiedlicher Sternhelligkeiten in Silber eingelegt. Um den Himmelssüdpol findet man auf diesen Globen keine Sternbilder. Auf allen sind heute nicht mehr gebräuchliche Ekliptik-Breitenkreise vorhanden, d.h. senkrecht zur Ekliptik werden die Tierkreiszeichen in 12 Teile à 30° eingeteilt. Sowohl die Ekliptik als auch der Himmelsäquator haben eine Fünf-Grad- und eine Ein-Grad-Unterteilung. Die Globen können in Arabisch, wie in vorliegendem Fall, aber auch in Persisch, Türkisch, Sanskrit oder sogar ganz in Englisch beschriftet sein. Bis 2017 waren 290 islamische Himmelsgloben bekannt, die sich in drei Gruppen einteilen lassen: Globen aus bemalten Holz- oder Papiermaché-Kugeln, des Weiteren Metall-Globen aus zwei zusammengesetzten, gegossenen oder gehämmerten Halbkugeln und schließlich, wie bei unserem Exemplar, metallische Hohlkugeln ohne Naht, die im aufwendigen Wachsausschmelzverfahren (frz. cire-perdue, „verlorenes Wachs“) hergestellt wurden. Emilie Savage-Smith vertritt die Auffassung, dass diese zuletzt genannte Art der Herstellung erstmals Ende des 16. Jahrhunderts in Nordwest-Indien angewandt wurde und ein Kennzeichen aller Werkstätten in Punjab und Kashmir bis zum 19. Jahrhundert sei. Die Darstellungen der Sternbilder unseres Globus haben große stilistische Ähnlichkeiten mit einem Globus in Oxford (Museum of the History of Science, Inv. No. 45247). Dieser ist von Diyâ' al-dîn Muhammad aus Lahore signiert und in das Hijrî-Jahr 1074 (= 1663/1664) datiert. Diyâ' al-dîn Muhammad entstammt der berühmtesten, über vier Generationen von 1560 bis 1680 in Lahore in Nordindien (heute Pakistan) tätigen Instrumentenbauer-Dynastie, die hauptsächlich nahtlose Metall-Globen im Wachsausschmelzverfahren und Astrolabien herstellten.
Wir danken Prof. Dr. Stefaan Missinne, Wien, für freundliche Hinweise.

Literatur: Weiterführende Literatur siehe
Emilie Savage-Smith, Andrea P. A. Belloli: "Islamicate Celestial Globes: Their History, Construction, and Use", in: Smithsonian Studies in History and Technology, 1985, S. 1-354.
Emilie Savage-Smith: "The Classification of Islamic Celestial Globes in the Light of Recent Evidence/ Die Einteilung Islamischer Himmelsgloben im Lichte neuer Erkenntnisse", in: Der Globusfreund, Nr. 38/39, November 1990, S. 23ff.
Emilie Savage-Smith: "Gerard Turner Memorial Lecture: Of Making Celestial Globes There Seems No End", in: Scientific Instrument Society Bulletin, 132, März 2017, S.2ff.

Stima
€ 8.000   (US$ 8.800)



» 'Fernweh'
Corrodi, Hermann David Solomon
Abendstimmung am Ufer des Nils

Lotto 6310

Abendstimmung am Ufer des Nils.
Öl auf Leinwand. 38 x 70,5 cm. Unten links signiert und bezeichnet "H. Corrodi. Roma".

Der bei Rom geborene Corrodi war Mitglied der Accademia di San Luca. Thematisch konzentrierte er sich anfangs auf Ansichten von Rom, Landschaften aus der Campagna und Genrebilder, bis er durch wiederholte Reisen nach Ägypten, Syrien, Konstantinopel, Montenegro und Korsika eine Fülle frisch aufgefasster Studien heimbrachte. Von da an avancierte er zu einem der glänzendsten Schilderer des Orients. In unserem Bild verbindet Corrodi seine Fähigkeiten als Landschaftsmaler mit denen seiner Genremalerei. Vor der dramatischen Kulisse des Sonnenuntergangs porträtiert er die am Ufer des Nils sitzenden Einheimischen im Gespräch. Die ausgewogene Komposition mit dem Rhythmus von Segeln, Palmen und Gebäuden, den zarten Farbabstufungen und der Verteilung von Licht und Schatten zeigen Corrodis Geschick für die malerische Dokumentation.

Stima
€ 12.000   (US$ 13.200)



» 'Fernweh'
Wittmer, Johann Michael
"Ponte delle caravane a Sm?rna": Rast der Karawane

Lotto 6314

"Ponte delle caravane a Smyrna": Rast der Karawane.
Öl auf Leinwand. 46,3 x 61,7 cm. Auf der Holzkiste rechts signiert "M. Wittmer f." und verso auf der Leinwand bezeichnet und signiert "Ponte delle caravane a Smӱrna M. Wittmer f." sowie mit dem Stempel des englischen Künstlerbedarfs "T[homas] B[rown], High Holbron, London" und einer Inventarnummer "429". Um 1840.

Smyrna, das heutige Izmir, war bereits in der Seldschukenzeit und im osmanischen Reich der wichtigste Handelsplatz Kleinasiens. Direkt an der Ägäischen Küste gelegen, waren die Handelsvoraussetzungen ideal. Im Laufe der Jahrhunderte siedelte sich eine Vielzahl von Bevölkerungsgruppen an und brachte ein internationales Flair mit verschiedensten kulturellen Einflüssen in die Hafenstadt.
In vorliegendem Gemälde sehen wir die steinerne „Ponte delle Caravane“ über den Fluss Meles, an dem sich die Reisenden auf dem Weg nach Burnaba gerne niederließen, um sich im Schatten der Bäume bei Tee und Wasserpfeife zu erholen.
In Berichten britischer Handelsreisender wird die „Caravane Bridge“ als beliebter Versammlungsort beschrieben: „Abgesehen vom Basar war die Karawanenbrücke ein Ort großer Anziehung für die Reisenden. Der Name ist einfach erklärt: Die Kamelkarawanen, die auf dem Weg nach Anatolien waren, wurden hier zusammengeführt, wie an einem modernen türkischen Busbahnhof; die steinerne Brücke war ursprünglich ein römisches, möglicherweise byzantinisches Aquädukt, die noch immer existiert und nach nur einem kurzen Spaziergang im Norden der Stadt liegt; die Einwohner von Smyrna schlenderten abends gerne dorthin, man fand dort eine große Anzahl von Personen, die auf Stühlen saßen und im Schatten der Kaffeehausbäume Erfrischungen zu sich nahmen ... ein Ort, von dem aus man das Tableau des osmanischen Gesellschaftslebens beobachten konnte. Die Szenerie dieses " Smyreischen Paradieses" bestand aus einem kleinen Bach, in der Antike der Fluss Meles, Kaffeegärten, Picknickplätzen, einem Friedhof voller hoher Zypressen und der alten Brücke […]“ (Übersetzung aus dem Englischen aus Reinhold Schiffer: Oriental Panorama. British Travellers in 19th Century Turkey, 1999, p. 128).
Wittmer liefert uns hier eine visuelle Beschreibung dieser Berichte. Er zeigt uns mit romantischem Blick das Treiben an der Brücke, wo die osmanischen Reisenden in ihren bunten Gewändern und traditionellen Turbanen, mit ihren Familien und Lastenkamelen in der städtischen Idylle rasten. Die warmen Farbtöne, die klaren formalen Strukturen - ganz im Sinne der nazarenischen Kunstauffassung - verdichten die einzelnen Szenen zu einem großen Ganzen.
Eine Vielzahl von Zeichnungen und Skizzen sind von Wittmers Reisen überliefert. Von seiner Orientreise haben sich unter anderem auch zwei Aquarelle erhalten, die eben genau diesen Beobachtungs-Blickwinkel auf die „Ponte delle Caravane“ zeigen - eines betitelt und datiert „Die Caravanen-Brücke außerhalb Smyrnas auf dem Wege nach Burnaba - 1. Juni 1833“ (Salmen op. cit. Abb. 53, 54 (WL 44-46), siehe auch S. 104 ff.).
Wittmer, der in Murnau geboren ist, studiert ab 1820 an der Münchner Akademie der Künste zunächst bei Johann Peter von Langer, dann bei Peter Cornelius und auch Heinrich Maria Hess. Die Malklassen waren zunehmenden geprägt von nazarenischen Gestaltungsprinzipien, die mit der Ernennung Peter Cornelius 1825 zum Direktor der Akademie einhergingen. Cornelius vermittelte Wittmer auch einige Aufträge, beispielsweise die Mitarbeit an den Wandmalereien der Glyptothek in München (Salmen op. cit. S. 23).
Im Jahr 1828 ermöglichte ihm ein erstes Stipendium eine Reise nach Rom. Weitere Stipendien folgten. Rom sollte seine neue Heimat werden und er schloss sich dem Kreis der Nazarener an. Vor Ort arbeitete er auch eine Zeit lang intensiv mit Joseph Anton Koch zusammen, der 1833 sein Schwiegervater wurde. Trotz Aufträgen und der Stipendien hatte Wittmer bis 1832 jedoch Mühen sich finanziell über Wasser zu halten. Erst die Vermittlung seines Freundes Graf Franz von Pocci an keinen geringeren als den Kronprinzen Maximilian von Bayern, der spätere König Maximilian II. Joseph von Bayern, brachte ihm schließlich auch die finanzielle Stütze (Salmen op. cit. S. 24-29). Wittmer erhielt fortlaufend Aufträge vom Kronprinzen und durfte ihn schließlich 1833 auf seine Orientreise begleiten (Salmen op. cit. S. 31). Wittmers Aufgabe war es „[…] Reiseskizzen zu machen, die später auch der künstlerischen Ausstattung in Maximilians Schloß Hohenschwangau dienen sollten“ (Salmen op. cit. S. 31, siehe auch S. 33).
Auch nach dieser Reise war Wittmer für das Königshaus tätig und reiste regelmäßig nach München. Das Angebot einer Professur an der Akademie München lehnte er seiner Familie zu liebe jedoch ab. Er wollte ihnen - und sich - den Umzug ersparen und blieb bis zu seinem Tode im Jahr 1880 der Ewigen Stadt treu.

Provenienz: Ehemals in der Sammlung des Erzherzogs Ferdinand Maximilian Joseph Maria von Österreich (Kaiser Maximilian I. von Mexiko) (siehe Bötticher).
Österreichische Privatsammlung.

Literatur: Friedrich von Boetticher: Malerwerke des neunzehnten Jahrhunderts, Nr. 16 "Ponte delle caravane a Smyrna".
Vgl. Brigitte Salmen: Johann Michael Wittmer (1802-1880). Studien zu Leben und Werk, Diss., Universität Passau 2007 (online urn:nbn:de:bvb:739-opus-1004).

Stima
€ 28.000   (US$ 30.800)



» 'Fernweh'
Schlobach, Willy
Abendstimmung über den Auasbergen in der namibi...

Lotto 6326

Abendstimmung über den Auasbergen in der namibischen Steppe bei Windhoeck.
Öl auf Leinwand. 85,5 x 125,5 cm. Unten links signiert "W. S[chlo]bach".

Willy Schlobach gilt als einer der bedeutendsten Protagonisten des belgischen Impressionismus. Er studierte an der Académie Royale des Beaux-Arts in Brüssel und fand früh zu einer atmosphärischen Landschaftsmalerei, die auch von George Seurat hochgelobt wurde. Seurat sah in Schlobach „den besten belgischen Divisionisten“ (Stefan van den Bossche: Zuiver en ontroerend beweegloos: prerafaëlitische sporen in de Belgische kunst en literatuur, Antwerpen 2016, S. 388). 1883/84 gründete er zusammen mit einer Reihe von belgischen Künstlern, etwa mit Théo van Rysselberghe, James Ensor, Willy Finch und Fernand Khnopff die Künstlergruppe „Societé de Vingt“, kurz „Les XX“. Die avantgardistische Gruppe war darauf bedacht, junge Künstler zu fördern und setzte sich für den künstlerischen Austausch zwischen Frankreich und Belgien ein.
In vorliegendem Gemälde zeigt Willy Schlobach uns eindrucksvoll, ganz im Sinne der impressionistischen Farbpalette, das breite Farbspektrum der namibischen Steppe. Inmitten dieser Steppenlandschaft liegt die Stadt Windhoeck, umgeben von den Erosbergen im Osten, den Auasbergen im Süden und dem Khomashochland im Westen und Norden. Zwei Reiter traben hier auf einem kleinen Weg, der sich durch die karge, weitestgehend flache, menschenleere Ebene schlängelt, auf die am Horizont liegenden Auasberge zu. Die untergehende Sonne taucht die sanften Erhebungen der Bergkette in ein faszinierendes Wechselspiel von Zartviolett, diffusem Rosa, Blassblau und kräftigem Türkis und verleiht ihnen zusammen mit dem wolkenfreien, blauen Himmel gleichsam eine Gloriole. Die unwirtliche Steppenlandschaft mit den Reitern in differenzierten Erdtönen kontrastiert den von dunklen Tönen befreiten Hintergrund. Schlobachs neo-impressionistischer Einfluss ist hier deutlich zu spüren, wenngleich er die formalen Strukturen nicht gänzlich pointillistisch auflöst, sondern in einer lockeren Pinselführung mit kurzen und prägnant gesetzten Strichen verbleibt.

Stima
€ 20.000   (US$ 22.000)



» 'Fernweh'
Orlik, Emil
An der Seine in Paris

Lotto 6351

An der Seine in Paris.
Öl auf Leinwand. 53 x 48 cm. Signiert und datiert unten rechts "orlik, 10". Auf der Leinwand verso mit dem Stempel des Pariser Künstlerbedarfsladens Sennelier.

Der gebürtige Prager Emil Orlik zählt nicht nur zu den vielseitigsten, sondern auch zu den kosmopolitischsten und reisefreudigsten deutschsprachigen Künstlern um 1900. Aufgrund seines malerischen Talents wird ihm bereits während des Studiums an der Münchner Akademie ein eigenes Atelier zur Verfügung gestellt. Zeitgleich absolviert er eine Ausbildung als Druckgrafiker. Orliks Karriere gleicht einem kometenhaften Aufstieg: bereits kurz nach Beendigung des Studiums erscheinen seine Werke in den Kunstzeitschriften Jugend, Pan und Ver Sacrum. Ebenso macht der junge Künstler auf den vielbeachteten Ausstellungen im Münchener Glaspalast sowie der Wiener Secession auf sich aufmerksam. Bald darauf verfassen einflussreiche Kunstschriftsteller wie Richard Muther und der mit Orlik befreundete Rainer Maria Rilke Aufsätze über seine Kunst. Es folgen Einzelausstellungen seiner Werke in renommierten deutschen und österreichischen Galerien wie dem Kunstsalon Cassirer in Berlin, dem Kunstsalon Emil Richter in Dresden oder dem Salon Pisko in Wien. Nach Stationen in München, Prag und Wien wird Orlik 1904 als Professor der Staatlichen Lehranstalt des Kunstgewerbemuseums nach Berlin berufen. Bis zu seinem Tod 1932 bleibt die preußische Hauptstadt, deren Kunstszene in dieser Zeit einen enormen Aufschwung erlebt, Orliks Wahlheimat. Orliks Etablierung im Kunstbetrieb der Jahrhundertwende geht einher mit zahlreichen Reisen, die der schier rastlose Künstler auf der Suche nach immer neuen Inspirationsquellen durch Europa unternimmt. 1898 fährt er nach England, Schottland, Holland und Frankreich. Drei Jahre später bricht Orlik nach Japan auf, um sich in der Holzschneidekunst zu perfektionieren (siehe Lose 6349 & 6350). Seine unter dem Eindruck der Japanreise entstandenen Werke zählen bis heute zu den originellsten Beiträgen der europäischen Druckgrafik um 1900.
Nicht weniger wichtig für Orliks künstlerische Entwicklung ist die Auseinandersetzung mit der Pariser Kunstszene. Zwischen 1898 und 1913 ist er sieben Mal in der französischen Hauptstadt, wo er engen Kontakt zu den deutschen Künstlern aus dem Umfeld des Café du Dôme pflegt. Durch sie kommt er mit dem Bildhauer Auguste Rodin, der Sammlerin Gertrude Stein, dem Kunstschriftsteller Julius Meier-Graefe sowie dem Kunsthändler Wilhelm Uhde in Berührung. Inspiration für sein eigenes Schaffen zieht Orlik aus den Werken von Paul Cézanne, Kees van Dongen und Henri Matisse, von denen er Werke für seine Privatsammlung erwirbt. Seinen Briefen an Marie von Gomperz (Emil Orlik an Marie v. Gomperz. Briefe, 1902 - 1932, Wien 1997) lässt sich entnehmen, dass er im April und September 1910 in Paris war und dort meist im Hotel Quai Voltaire wohnte, wie auch eine Radierung "Treppenhaus im Hotel Quai Voltaire" von 1911 belegt. Am 28. September schreibt er: "Eben beim verlassen des Hotels, an einem wundervollen Pariser Herbstmorgen (wir haben hier herrliche Tage)...(...) Ich schreibe in der "pariseristen" Situation, mit der Füllfeder auf einem Grand Boulevard, vor mir ein Fluten und Drängen von buntem Getriebe. (...) Ich bin voll von Kunst: voll von Plänen. es geht mir sehr gut und meine Seele ist heiter: (...)." Der Stempel auf der Rückseite der Leinwand verweist auf den nur ein paar Häuser vom Hotel entfernten Künstlerbedarfsladen Magasin Sennelier Frères (seit 1887) am Quai Voltaire 3, das bis heute besteht und in dem schon Cézanne, Bonnard oder auch Picasso ihre Farben kauften.
Dank handwerklicher Perfektion, technischer Experimentierfreude und motivischer Vielfalt gelingt es Orlik in allen Schaffensphasen Kritiker, Sammler und Galeristen von sich zu überzeugen. Neben seiner Tätigkeit als Buchillustrator, Plakatentwerfer und Bühnenbildner profiliert er sich zudem als Grafiker mit Porträts prominenter Zeitgenossen aus der Literatur-, Musik- und Kunstwelt. Gerhard Hauptmann, Gustav Mahler und Ferdinand Hodler sind nur einige von vielen Beispielen. Mit der für ihn charakteristischen Verbindung aus zeichnerischer Prägnanz und psychologischer Durchdringung erfasst Orlik ihre Persönlichkeit. Daneben steht ein umfangreiches malerisches Werk. Es zeichnet sich durch einen gleichermaßen lebendigen wie eigenwilligen Stilpluralismus aus, der in weiten Teilen Orliks Vorliebe für die Strömungen der französischen Moderne erkennen lässt. - Wir danken Dr. Birgit Ahrens für ihre Hinweise zu Emil Orlik und dessen Reisen nach Paris.

Stima
€ 40.000   (US$ 44.000)



» 'Fernweh'
Ruff, Thomas
16h 08m/ -25°

Lotto 6396

16h 08m/ -25°
Chromogener Abzug. 140 x 93 cm (Darstellung); 155 x 109 cm (Blattgröße). Verso signiert, datiert und nummeriert, zusätzlich verso auf der säurefreien Rückwand erneut signiert. Auflage 30 Ex. zzgl. 4 A.P. und 4 DR. 1992 /2016.

Wie seine Lehrer Bernd und Hilla Becher konzentriert sich Thomas Ruff in seinem Œuvre auf motivisch eng umrissene Werkgruppen, die zwar als Serien angelegt sind, denen jedoch durch die häufig sehr großen Formate immer die mögliche Selbstständigkeit des Einzelbildes zu eigen ist. Die Serie "Sterne" ist zwischen 1989 und 1992 entstanden, wenig überraschend, denn Ruff wollte eigentlich einmal Astronom werden. Es habe ihn immer fasziniert, dass wir Sterne sehen, "deren Licht vor vier Jahren, acht Millionen oder achtzehn Milliarden Jahren gestartet ist", und die jetzt "alle gleichzeitig auf dieser lichtempfindlichen Platte erscheinen". Für diese Serie verzichtet er auf die eigene Produktion von Fotografien zugunsten der Arbeit mit vorhandenem Material - fotografische Readymades sozusagen. Die Negative anonymer Fotografen übernimmt er aus dem frei zugänglich Online-Archiv des „European Southern Observatory“, der Europäischen Südsternwarte in den chilenischen Anden (http://archive.eso.org/dss/dss). Indem der Künstler einen hochrechteckigen Ausschnitt bestimmt, diesen unter Umständen auch dreht, vergrößert und rahmt, formt er das ausgewählte Motiv zu einer abstrakten Schwarz-Weiß-Struktur von hohem ästhetischem Reiz um. Mit dieser künstlerischen Entscheidung überführt er die Bilder aus ihrem wissenschaftlichen Entstehungskontext in den Bereich der Kunst: Aus Fotografien, die in astronomische Forschungszusammenhänge eingebunden waren, werden Objekte künstlerischer Betrachtung. Der Titel unseres Bildes verweist auf ein Sternfeld ca. 4° westlich des Antares im Sternbild Skorpion.
Aus der Edition der American Friends of Museums in Israel.

Provenienz: Privatsammlung Berlin.

Stima
€ 8.000   (US$ 8.800)



» 'Fernweh'

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