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Immagine Principale Descrizione Stato
Niederländisch
Vanitasstillleben

Lotto 6014

2. Viertel 17. Jh. Vanitas-Stillleben mit Totenschädel, Schleiereule und Fledermaus.
Öl auf Leinwand, doubliert. 55 x 79 cm.

Als dieses enigmatische Stillleben 1929 Hofstede de Groot, dem eminenten Kenner niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts, als Schwarzweißfotografie vorgelegt wurde, war er dazu geneigt, es dem Friesländer Petrus Schotanus zuzuschreiben. Auch wenn die Zuschreibung auf Grundlage motivischer und stilistischer Vergleiche heute nicht mehr haltbar ist und unser Meister vorerst unbekannt bleiben muss, spricht Fred Meijer von einem „most interesting painting of excellent quality that represents seventeenth-century ideas about life and death in an extraordinary manner.“ Dass auch hochqualitative Werke wie das vorliegende anonym bleiben, ist laut Mejier nicht unüblich. Stilistische Eigenheiten wie die Lichtbehandlung, Komposition und Farbskala sprächen für eine Entstehung im zweiten Viertel des 17. Jahrhunderts: Die reduzierte Palette in warmen Brauntönen verbindet der Kunsthistoriker mit Haarlemer Stillleben aus dieser Zeit und besonders mit den monochromen Landschaften der 1630er Jahre.
Für die hohe Qualität des Werks spricht auch die motivisch ungewöhnliche sowie inhaltlich herausfordernde Ikonographie. Grundsätzlich entspricht eine Vielzahl der dargestellten Gegenstände, prominent der Totenschädel und die umgefallene, erlöschende Kerze, der Vanitas-Bildtradition - einem im frühen 17. Jahrhundert in ganz Europa aufkommenden Genre, das die Vergänglichkeit des Lebens thematisch in den Mittelpunkt stellte. Doch wird das Repertoire an kodifizierten Bildgegenständen auf unkonventionelle Weise mit toten und lebendigen Tieren, wie der streng blickenden Schleiereule, der Frösche und der bedrohlich flatternden Fledermaus, bereichert. Ganz anders als in den prunkvollen Stillleben der zweiten Jahrhunderthälfte dominieren auf diesem Werk dem Thema entsprechend niedere Wesen und einfache Gegenstände aus Zinn und Messing.
Obwohl der technisch brillante Künstler nicht den scharfen, klaren Realismus vieler nordalpiner Stillleben suchte, verzichtete er nicht auf die sorgfältige und naturalistische Wiedergabe der Oberflächen. Bestimmend ist allerdings der atmosphärische Gesamteindruck, der von der reduzierten Palette in gedämpftem Graubraun sowie von der weichen, stellenweisen diffusen Malweise evoziert wird. Gesteigert wird dies durch den Verzicht auf die Ausformulierung des Interieurs zugunsten eines ambivalenten Bildraumes - Ambivalenz, die im Hintergrund ihren Höhepunkt findet. Dort, unter der Fledermaus, ragt ein Nagel, mit hauchfeinen Spinnweben behangen aus dem, was eine Wand sein muss. Unmittelbar darüber scheint jedoch eine zweite, schemenhaft angedeutete Fledermaus in nebulöser Ferne zu flattern, was wiederum einen offenen Raum suggeriert. Es ist eine Malerei, die durch Störelemente wie dem rätselhaften Bildraum und dem Sichtbarmachen des Pinselstrichs die „Gemachtheit“ des Gezeigten zu Bewusstsein bringt. Diese Selbstreflexivität spiegelt sich auch in der Wiedergabe der Malutensilien wider. Auf der Palette befinden sich genau jene Farbtöne, die realiter dazu verwendet wurden, um das Werk zu schaffen. Gerade in Verbindung mit der Vanitas-Thematik, kann das Hervorheben der Künstlichkeit des Werks auch affirmativ gedeutet werden: Das Leben vergeht, die Kunst bleibt. Ideen über Vergänglichkeit, Leben, Tod und dem illusorischen Wesen der Malerei verdichten sich hier zu einem malerisch herausragenden und motivisch unkonventionellen Meisterwerk. - Das Gutachten von Fred G. Meijer vom 26. September 2019 ist in Kopie vorhanden.

Provenienz: Sammlung Dr. Alfred Kadisch, Wien (1859-1930).
C. J. Wawra, Wien, Auktion 22.-24. September 1930: "Die Sammlungen Dr. Alfred Kadisch und Eduard Perger", Los 49 (als "Petrus Schotanus", ohne Abb.).
Privatsammlung, Österreich.

Literatur: Seit 1929 am RKD, Den Haag in einer schwarzweiß Photographie dokumentiert.
Auktionskatalog C. J. Wawra, Wien, 22.-24. September 1930: "Die Sammlungen Dr. Alfred Kadisch und Eduard Perger", Los 49.


Stima
€ 60.000   (US$ 66.000)



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Schröder, Johann Heinrich
Bildnis der Friedrike Prinzessin von Preußen

Lotto 6029

Bildnis der Friederike Prinzessin von Preußen.
Pastell. 36,5 x 29 cm. Um 1795.

Prinzessin Friederike war eine von vier Töchtern von Karl II., Herzog von Mecklenburg-Strelitz. Sie war die jüngere Schwester der Königin Luise und heiratete wie diese am 26. Dezember 1793. Der Bräutigam ihrer Schwester war der Kronprinz und spätere König Friedrich Wilhelm III. Friederike heiratete dessen jüngeren Bruder Ludwig. Dieser starb bereits 1796, drei Jahre nach der Eheschließung. 1798 heiratete Friederike erneut, diesmal Friedrich Prinz von Solms-Braunfels, für den sie Berlin verließ. Das Portrait entstand vermutlich noch zu ihrer Berliner Zeit, also vor 1798.

Provenienz: Hannover, Herrenhausen, Schloss Marienburg (Inv.Nr. 655)
Sotheby's, Auktion auf Schloss Marienburg, am 8. Oktober 2005, Los 1769

Literatur: Alexander Dorner: Einhundert Jahre Kunst in Hannover, München 1932, S. 55 (mit Abb.).
Neil Jeffares: Dictionary of pastellists before 1800, J. 665.1219.

Stima
€ 10.000   (US$ 11.000)



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Brücke, Wilhelm
Pesca alla lampara: Nächtlicher Tintenfischfang...

Lotto 6032

Pesca alla lampara: Nächtlicher Tintenfischfang vor dem ausbrechenden Vesuv.
Öl auf Leinwand. 44,5 x 62 cm. Unten rechts signiert und datiert "W. Brücke 1849".

Kleine Lichter flammten früher zahlreich entlang der italienischen Küsten auf sobald die Nacht hereinbrach. Es waren die hellen Laternen kleiner Fischerboote, die mit dem trügerischen Tageslicht Meerestiere wie Tintenfische aus der Tiefe des Wassers in die Falle lockten. Wilhelm Brücke stellte diese uralte Fangtechnik im Vordergrund einer vom Mondlicht erhellten Ansicht des Golfs von Neapel dar. Der gewählte Standpunkt liegt im Westen in der Nähe der Scuola di Virgilio. Bei einem Felsen vor dem nach rechts ins Meer abfallenden Gebirgszug des Posillipo warten Fischer mit erhobener Harpune auf ihre Beute. Das rauchende Feuer auf dem Boot taucht den vorkragenden Stein in einen glühenden Schein und korrespondiert effektvoll mit der gewaltigen Eruption des Vesuvs im Hintergrund. Wilhelm Brücke befand sich in den Jahren 1829 bis 1834 und erneut 1839 bis 1840 in Italien. In dieser Zeit und auch später im heimischen Atelier entstanden verschiedene Ansichten der Küste bei Neapel, die Brücke auf den Akademieausstellungen von Berlin und Dresden dem interessierten Publikum erfolgreich präsentierte. Besonderes Augenmerk legte der Künstler hier auf die Wiedergabe der Reflektionen der Lichtquellen auf dem leicht gekräuselten Wasser. Hell spiegelt sich der wolkenbehangene Mond in den Wogen. Daneben ist der rötliche Wiederschein des Feuers von Fackel und Vulkan mit herausragendem Feinsinn für die Wechselwirkung von Licht, Farbe und Oberfläche eingefangen.

Stima
€ 10.000   (US$ 11.000)



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Bürde, Paul
Die Tänzerin Fanny Cerrito als "La Esmeralda" i...

Lotto 6057

Die Tänzerin Fanny Cerrito als "La Esmeralda" im gleichnamigen Ballet von Jules Perrot und Cesare Pugni, im Hintergrund die Kathedrale Notre-Dame de Paris.
Öl auf Leinwand. 46,7 x 35,6 cm.


Paul Bürdes Onkeln waren der Berliner Akademieprofessor und Tiermaler Friedrich Leopold Bürde sowie der Berliner Baurat Georg Heinrich Bürde. 1842-48 und 1856-74 war Paul Bürde auf den Ausstellungen der Berliner Akademie vertreten und bis zu seinem Tod als Genremaler sowie als Illustrator der Zeitschrift Die Gartenlaube tätig. Auch portraitierte er zahlreiche Berliner Persönlichkeiten und Künstler, u.a. 1846 seinen Lehrer Eduard Daege, des Weiteren die Sängerin Jenny Bürde-Ney, die Hofopernsängerinnen Johanna Wagner und Louise Köster, die Violinvirtuosin Teresa Milanollo, die Tänzerin Marie Taglioni und die Sängerin Marie von Marray in ihrer Rolle als Lucia di Lammermoor in Donizettis gleichnamiger Oper. Die meisten dieser Gemälde und Zeichnungen wurden als Lithographien bei L. Sachse & Co. in Berlin publiziert. So auch das vorliegende Bildnis der italienischen Balletttänzerin und Choreografin Fanny Cerrito, die in London in den Jahren 1840 bis 1848 internationale Anerkennung erreichte. Das Gemälde zeigt die Tänzerin in ihrer Rolle als "La Esmeralda" im gleichnamigen Ballet von Jules Perrot und Cesare Pugni.
Dem Ballett zugrunde liegt der 1831 erschienene Mittelalterroman Notre-Dame de Paris. 1482 (dt. Der Glöckner von Notre-Dame) von Victor Hugo. Neben dem Glöckner Quasimodo spielt die "Zigeunerin" Esmeralda eine Hauptrolle in dem Roman. In der Kindheit von Zigeunern entführt, verdient sie mit 16 Jahren ihren Lebensunterhalt als Tänzerin, in die sich viele Männer verlieben. Ständige Begleiterin Esmeraldas ist die kleine Ziege Djali mit ihrem schneeweißen Fell und den vergoldeten Hufen und Hörnern. Djali beherrscht eine Menge kleiner Kunststückchen, so auch das Bilden von Wörtern mit Buchstabensteinchen. So bildet sie beim Prozess gegen Esmeralda mit den Steinchen den Namen des vermutlich ermordeten Hauptmannes der königlichen Leibgarde „PHOEBUS“, in den Esmeralda verliebt ist. Die Richter deuten dies als Zeichen der Hexerei und der Schuld und verurteilen die "Zigeunerin" und die Ziege zum Tod durch Erhängen. Hugos Roman bildet allein im 19. Jahrhundert bereits die Grundlage für fünf Bühnenwerke. Charlotte Birch-Pfeiffer bearbeitet ihn als romantisches Drama in 6 Tableaus, uraufgeführt mit Musik am 18. März 1835 in Berlin am Königstädtischen Theater, mit dem Titel "Der Glöckner von Notre-Dame". 1836 folgt eine Vertonung als Oper La Esmeralda von Louise Bertin mit einem Libretto von Victor Hugo persönlich. 1844 das gleichnamige Ballet von Jules Perrot und Cesare Pugni, das am 9. März von The Ballet of her Majesty's Theatre in London mit Carlotta Grisi in der Titelrolle uraufgeführt wurde, aber auch von Fanny Cerrito getanzt wurde. Einer Oper von Alexandre Dargomyjski 1847 und von Arthur Goring Thomas 1883 folgen im 20. Jahrhundert 15 Verfilmungen für Kino und Fernsehen.

Stima
€ 8.000   (US$ 8.800)



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Bonvin, François
Stillleben mit Brot, Zitrone, Pfirsich und Wein...

Lotto 6107

Stillleben mit Brot, Zitrone, Pfirsich und Weinflasche.
Öl auf Leinwand. 33 x 40,5 cm. Unten rechts signiert "F. Bonvin". Verso mit dem Stempel des Künstlerbedarfs Pierre Pascal, Paris.

Obwohl heute als einer der führenden Vertreter des französischen Realismus anerkannt und bereits von Künstlerkollegen und der zeitgenössischen Kritik sehr bewundert, blieb für François Bonvin der große Durchbruch zeitlebens aus. Für den aus sehr einfachen Verhältnissen stammenden Künstler stellte in jungen Jahren ein Studium keine Option dar, weshalb er sich neben seinem Broterwerb weitestgehend autodidaktisch ausbildete. Bonvins Schule waren die Galerien des Louvre, wo ihn vor allem die niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts in ihren Bann zog - eine Auseinandersetzung, die prägend für seinen Stil werden sollte. Auch in vorliegendem Stillleben stehen das Sujet, das tonige Kolorit und der kräftige Pinselstrich in direkter Nachfolge der Meister des "Goldenen Zeitalters". Mit Anfang dreißig dann die Wende: sein Mentor François-Marius Granet ermöglichte ihm 1847 die erste erfolgreiche Teilnahme am Salon, drei Jahre darauf folgte eine Medaille. Bonvin wurde zu einem Referenzpunkt der realistischen Bewegung. Als 1859 die Arbeiten seiner Freunde und Kollegen Henri Fantin-Latour, Alphonse Legros, Théodule Ribot and James McNeill Whistler vom Salon abgelehnt wurden, stellte er sie kurzerhand in seinem als „Atelier Flamand“ bekannten Studio aus. Für den offiziellen Kunstbetrieb blieben ihm nur harsche Worte: „Zwanzig Jahre lang wurden wir von Direktoren, Senatoren, Liebhabern und Inspektoren der schönen Künste bloßgestellt, ausgezeichnet, mit Medaillen prämiert und manchmal sogar entehrt. Was haben sie mit ihrer Macht und ihrem Einfluss beigetragen?“ (Le Figaro, Ausgabe vom 21. Juni 1869, S. 2f). Um den gesundheitlich angeschlagenen Künstler zu unterstützen, organisierten seine Freunde, zu denen auch Gustave Courbet zählte, 1886 eine große Retrospektive, die er allerdings nur um wenige Monate überlebte.

Stima
€ 7.500   (US$ 8.250)



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Schreider, Egor Egorovitch
Segelschiffe vor der Küste der Krim

Lotto 6118

Segelschiffe vor der Küste der Krim.
Öl auf Leinwand, doubliert. 87,5 x 63,5 cm. Unten rechts in kyrillischer Sprache signiert, datiert und bezeichnet "E. Schreider 1868 München".

Egor Egorovitch Schreider studierte an der Akademie der Künste in St. Petersburg und zog 1870 in die ukrainische Stadt Charkiw (Russisch: Charkow). Er richtet sich dort seinen Lebensmittelpunkt ein und gründete vor Ort eine private Kunstschule für Landschaftsmalerei.
Neben landschaftlichen Motiven wie der Flusslandschaft bei Siwerskyj Donez oder den pittoresken Windmühlen aus der Umgebung Kiews, widmete sich Schreider wie auch in vorliegendem Gemälde der See. Er trifft damit den damaligen Kunstgeschmack. Inspiriert müssen Schreider wohl auch die großformatigen Marinebilder des älteren Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski haben - der Maler des Meeres in Russland zu dieser Zeit und bedeutendster Vertreter der russischen realistischen Marinemalerei. Die atmosphärische Lichtstimmung der untergehenden Sonne, der wolkenreiche Himmel sowie die Wellen des Meeres in luziden Blau- und Grüntönen stehen ganz in der Tradition dieser russischen Marinemalerei.

Stima
€ 13.000   (US$ 14.300)



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Leibl, Wilhelm
Selbstbildnis mit schwarzem Hut

Lotto 6122

[^] Selbstbildnis mit schwarzem Hut.
Öl auf Leinwand. 33 x 27 cm. Oben links in Rot signiert "W. Leibl".

Der aus Köln gebürtige Wilhelm Leibl ist einer der wichtigsten Vertreter des Realismus im 19. Jahrhundert. Nach wenigen Lehrjahren in seiner Heimatstadt bei Hermann Becker, wechselte er 1864 an die Kunstakademie nach München. Mit den Malern Theodor Alt, Rudolf Hirth du Frênes und Johann Sperl teilte er sich ab 1869 ein Atelier. Schon als Student hatte Leibl einen bewunderten Fürsprecher: Gustave Courbet. Der französische Realist zeigte sich von Leibls "Bildnis der Frau Gedon" (1868/69) tief beeindruckt. Auf Empfehlung Courbets begab sich der Maler nach Paris, wo er nicht nur die dortige Künstlerszene näher kennenlernte, sondern im Salon für sein Gemälde eine Goldmedaille erhielt. Leibl machte die einfachen Menschen aus dem Alltag, Interieurs aus seiner Umgebung, also Bauernstuben und Bauernküchen, zum Gegenstand seiner Kunst, wobei es ihm immer um die Authentizität der Sache ging. Insbesondere bei seinen Portraits lag ihm an der Wahrheit und Angemessenheit des Dargestellten. Sich selbst hat der Künstler in einer Reihe von Selbstbildnissen festgehalten, die aus unterschiedlichen Schaffensphasen stammen. Unser Portrait, das Leibl mit schwarzem Hut, Jackett und weißem Hemd zeigt, erinnert die Kleidung betreffend an die beiden gezeichneten Selbstportraits aus dem Jahr 1891 (Zürich, Kunsthaus und München, Staatliche Graphische Sammlung). Diese zeigen den Künstler frontal und bereits mit einigen Falten auf der Stirn. Auf unserer Darstellung, die den Künstler im Dreiviertelportrait mit leicht zum Betrachter geneigtem Kopf zeigt, wirkt der Maler jünger, der Bart noch nicht von weißen Härchen durchwirkt, die Gesichtshaut glatt. Über das Gesicht fällt der von der Hutkrempe ausgehende Schatten, still, konzentriert blickt der Maler uns an. Das Wahre war stets das, wonach Leibl künstlerisch gesucht hatte. Hier in diesem Selbstportrait gelingt ihm der Blick auf die Seelenessenz der Figur jenseits von Inszenierung und Stilisierung.

Provenienz: Sotheby's, Amsterdam, Auktion am 19. Oktober 2004, Los 88.

Stima
€ 15.000   (US$ 16.500)



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Busch, Wilhelm
Baumstämme mit Rotjacke

Lotto 6130

Herbstlandschaft bei aufziehendem Regen mit Rotjacke.
Öl auf Malpappe. 14,5 x 18,5 cm. Um 1885.

Die "Rotjacken" nehmen in Wilhelm Buschs malerischem Werk eine ganz besondere Stellung ein. Auf zahlreichen seiner Landschaften erscheint im Hintergrund eine rot bejackte Figur, ein Umstand der so auffällig ist, dass er von der Kunstgeschichte verschiedentlich thematisiert und interpretiert wurde. Während einige in den markanten Figuren vor allem ein malerisches Mittel zur Setzung von Akzenten sehen, führt die Rotjacke für andere weit in Buschs ganz persönliche Lebensgeschichte und stellt möglicherweise ein Schlüsselmoment für sein malerisches Werk dar: Während seines Studiums in Antwerpen war Wilhelm Busch schwer an Typhus erkrankt und befand sich in einem lebensbedrohlichen Zustand, so dass sich seine damaligen Hauswirte, das Handwerkerehepaar Maria und Jean Baptiste Timmermanns fürsorglich seiner Pflege annahmen. Als der junge Künstler wieder einigermaßen genesen war, kehrte er umgehend in seinen Heimatort Wiedensahl zurück. Zuvor schenkten ihm die Timmermanns, trotz ihrer eigenen wirtschaftlich prekären Situation zur Erinnerung noch eine warme, rote Jacke und drei Orangen. Die aufopfernde Fürsorge seiner Hauswirte und die Genesung von seiner schweren Erkrankung markierten für Busch einen Wendepunkt, der sich in den Rotjacken wie ein roter Faden auch durch seine Kunst zieht. - Wir danken Frau Brunngraber-Malottke für die wertvollen Hinweise.

Provenienz: Christie's, London, Auktion am 19.-20. Oktober 1978, Losnummer 298.
Privatsammlung Niedersachsen.

Literatur: Hans Georg Gmelin: Wilhelm Busch als Maler. Mit einem vollständigen Werkverzeichnis nach Vorarbeiten von Reinhold Behrens. Berlin 1981, WVZ-Nr. 942.

Stima
€ 8.000   (US$ 8.800)



» Dipinti
Daubigny, Charles-François
Aufgehender Mond über einer Flusslandschaft

Lotto 6134

Aufgehender Mond über einer Flusslandschaft.
Öl auf Leinwand. 38 x 68,5 cm. Unten links signiert "Daubigny".

In der Malerei von Charles-François Daubigny laufen paradigmatisch die unterschiedlichen Entwicklungen der französischen Landschaftsmalerei der ersten drei Viertel des 19. Jahrhunderts zusammen. Er erhielt seinen ersten Unterricht von seinem Vater, dem Landschaftsmaler Edmond-François Daubigny, bevor er 1835 eine Reise nach Italien antrat und schließlich an der École des Beaux-Arts unter Paul Delaroche in Paris studierte. Seine wahre Schule waren jedoch die Wälder Fontainebleaus, wo er lernte, unmittelbare, realistische Natureindrücke auf die Leinwand zu bannen. Wie seine Kollegen in Barbizon, denen er sich aber nie formal anschloss, lehnte er die sentimentalen, allzu idealisierten Landschaftskompositionen der Akademien ab, doch ging er einen Schritt weiter, indem er den Realismus durch die aufmerksame Wiedergabe natürlicher Lichteinflüsse mittels reiner Farbe bereicherte - wie hier, wo im Nachthimmel der Mond als plastisch erhabener Farbfleck leuchtet und sein Schein sich als gelbe Reflektion auf der dunklen Wasseroberfläche spiegelt. Für Daubigny einschneidend war seine Freundschaft mit Jean-Baptiste Camille Corot ab 1852, der ihn dazu ermutigte, die Wechselwirkung von Landschaften, Atmosphäre und Licht genau zu beobachten. Dafür richtete er 1857 ein Atelier-Boot ein, mit dem er die Ufer der Seine, Marne und Oise erkundete. Mit voranschreitender Zeit wurden seine Gemälde freier und die Farben zunehmend pastoser. 1865 verbrachte er die Sommermonate gemeinsam mit Gustave Courbet, Eugène Boudin und dem jungen Claude Monet in Trouville. Mit seinem Interesse an der Pleinairmalerei wurde er zu einem wichtigen Vorbild für Monet, der seinem Beispiel folgend 1872 ein eigenes Hausboot als schwimmendes Atelier erwarb. Daubignys intime Landschaften werden so zum Scharnier zwischen der naturalistischen Pleinair-Schule von Barbizon und dem sich ankündigenden Impressionismus, der Daubignys Interesse am Licht konsequent weiterverfolgte, vom Materiellen loslöste und zum eigentlichen Bildgegenstand erhob.

Provenienz: The Caroll Gallery, London, tätig von 1911-1924 (mit deren Etikett verso).
Privatbesitz Norddeutschland.

Stima
€ 12.000   (US$ 13.200)



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Mediz-Pelikan, Emilie
Wasserschlange (Seestück bei Duino)

Lotto 6164

Wasserschlange (Seestück bei Duino).
Öl auf Leinwand. 20 x 33,5 cm. Verso auf der Leinwand mit Klebeetikett, dort handschriftl. betitelt "Seestück" sowie datiert und ortsbez. "ca. 1891 Duino". 1891.

Ein düsterer Zauber scheint auf dieser raum- und zeitlosen Meerlandschaft zu liegen. In der unbestimmten Trübe sind schemenhaft die gekräuselte Wasseroberfläche sowie der nebel- und wolkenbehangene Himmel mehr zu erahnen, denn tatsächlich auszumachen. Unterbrochen wird die Unbeweglichkeit dieses geheimnisvollen Winkels von einem leuchtenden, geisterhaften Wesen - einer Schlange nicht unähnlich -, die sich aus den Tiefen emporwindend einen Weg durch die Stille bahnt. Der mythische Landschaftseindruck stammt von der oberösterreichischen Künstlerin Emilie Mediz-Pelikan, die ganz entgegen der posthumen Vergessenheit zu Lebzeiten eine hochangesehene Malerin war. In einem Nachruf wird die mit 47 Jahren plötzlich Verstorbene als „geniale, unermüdliche Künstlerin“ beschrieben, die „eigene Pfade [zu] wandeln liebte“ (Kuno Ferdinand von Hardenberg: „Emilie Mediz-Pelikan und Carl Mediz“, in: Deutsche Kunst und Dekoration: illustr. Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur [], Bd. 22 (1908), S. 229f). Zu ihrem Naturverständnis heißt es dort weiter: „Sie ließ die Kinder Floras nicht zu sich kommen, um ihr in einer irisierenden Vase als Noten zu einem Farbakkord zu dienen, sie ging zu ihnen hinaus in die Einsamkeit […]“ (Op. cit., S. 232). Ihren Weg von impressionistischen Landschaften hin zu symbolistischen Werken fand sie über ihren Mann, dem Maler Karl Mediz. Doch soll dies nicht über ihre künstlerische Unabhängigkeit hinwegtäuschen. Da Frauen der Zugang zu den Akademien verwehrt war, wurde Emilie als Privatschülerin von Albert Zimmermann ausgebildet, dem sie von Salzburg über Wien nach München folgte. Anschließend lebte sie eine Zeit lang in Dachau. Ebenso prägend waren Aufenthalte im belgischen Knokke und in Paris. Nach ihrer Heirat ließ sie sich zunächst in Wien und dann ab 1894 dauerhaft in Dresden nieder. Das Künstlerpaar nahm an der Eröffnungsausstellung der Wiener Secession teil, eine erste Überblicksschau widmete ihnen 1903 der Hagenbund. - Wir danken Roland Widder, Wien, für wertvolle Hinweise.

Provenienz: Kurt Kalb, Wien.
Privatsammlung Österreich.

Literatur: Oswald Oberhuber/Wilfried Seipel/Sophie Geretsegger: Emilie Mediz-Pelikan 1861-1908. Karl Mediz 1868-1945. Ausst. Kat. Hrsg. von der Hochschule für angewandte Kunst in Wien 1986 (mit vorläufigem Werkverzeichnis), S. 245, Nr. 174 (mit Abb., dort betitelt "Meeresstudie").

Stima
€ 7.500   (US$ 8.250)



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