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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Main Image Description Status
Lismann, Hermann
Wanderer

Lot 8013

Wanderer
Öl auf Malpappe. 1920.
70,5 x 99,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Grün signiert "H. Lismann" und datiert.

Der rastende Wanderer liegt in einer hügeligen Landschaft, hinter ihm Bäume und Felsen, vor ihm der abgelegte Wanderstock und sein Rucksack. Den Kopf stützt der dunkelhaarige junge Mann in die rechte Hand, der Blick unter den halbgeschlossenen Lidern ist gelassen zum Betrachter gerichtet. Im Bereich des Inkarnats löst sich der Künstler vom Lokalkolorit zugunsten rot-grüner Schattierungen. Kantige, oft kristallin zersplitterte Formen bestimmen die Komposition und rücken sie stilistisch in die Nähe des Expressionismus. In seinen Bildern setzt Lismann sich immer wieder mit den zeitgenössischen, insbesondere post-impressionistischen Strömungen der Malerei auseinander.
Er wurde als Sohn des Kupferhütten- und Walzwerkbesitzers Benjamin Lismann geboren und studierte von 1898 bis 1903 in München und Lausanne Philosophie und Kunstgeschichte. Parallel dazu war er Privatschüler des Malers Heinrich Knirr. Ab 1903 besuchte er die Malklasse von Franz von Stuck an der Münchner Akademie und lebte bis 1904 in Rom. Danach verbrachte er zehn Jahre in Paris, wo er im Kreis deutscher Künstler im Café du Dôme mit Rudolf Levy und Wilhelm Uhde Kontakt hatte. 1911 malte er mit Lodewijk Schelfhout gemeinsam in Südfrankreich. Nach seinem Einsatz als Soldat und Mitarbeiter des Roten Kreuzes im Ersten Weltkrieg, beteiligte sich Lismann 1921 an der Ausstellung "Deutsche Kunst in Baden-Baden" und schrieb Aufsätze, Gedichte, Feuilletons sowie Theater- und Musikkritiken. In den 1920er Jahren hatte er ein eigenes Atelier im Städel, eine Malschule und leitete Kurse und "Städelaufführungen". Seit 1931 hatte er einen Lehrauftrag an der Universität Frankfurt inne: für Technik der Malerei und Philosophie der Kunst und Ästhetik. Er war nicht nur ein erfolgreicher Maler und ein sorgfältig beobachtender Denker, sondern auch ein ausgezeichneter Violinspieler. Viele seiner Bilder befanden sich in Privatbesitz und in Museen. Als Jude erhielt er dann jedoch Berufsverbot; da die Nationalsozialisten seine Bilder als „entartete Kunst“ aus den Museen entfernten, gelten etliche Werke als verschollen. Er emigrierte 1938 schließlich über Paris nach Tours, wo er nach Kriegsbeginn interniert wurde. Lismann konnte aus dem Lager fliehen und nach Montauban in das unbesetzte Gebiet entkommen. 1942 wurde er in das Lager Gurs verschleppt und 1943 in das KZ Majdanek deportiert, wo er noch im selben Jahr ermordet wurde.

Estimate
€ 8.000   (US$ 9.040)


Hammer Price
€ 17.000 (US$ 19.210)



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Korevaar, Hanny
Zwei Kokotten

Lot 8018

Zwei Kokotten
Öl auf Leinwand.
96 x 49,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert "Hanny Korevaar".

Zwei erwartungsvolle Kokotten: Aus den dunkel blauviolett schattierten Augenhöhlen leuchten raubtierhaft die Augen hervor, unter den nur im Ansatz angedeuteten Nasen sind die Münder beider Frauen tiefrot geschminkt, die Haare hellrot und dunkelrot gefärbt. Beide Halbfiguren sind nach links gerichtet, in Erwartung möglicher Kunden. Während die vordere Frau mit dem strahlenden Farbklang von weißer Haut, grünem Kleid und roten Haaren wirbt, lockt die hintere, dunklere Kokotte mit einem offensiv exponierten runden Busen. Elegant geschwungene Konturlinien in unterschiedlichen Rottönen umreißen die Figuren vor dem dunklen Hintergrund.
Bedeutendes Gemälde Korevaars, einer wichtigen und noch wenig erforschten Vertreterin des niederländischen Expressionismus. Korevaar besuchte die Rijks Normaalschool voor Tekenonderwijs in Amsterdam, wo sie Zeichenunterricht erhielt. Dort lernte sie ihren Mitstudenten und späteren Ehemann, Armand Bouten, kennen. Die Hochzeit folgte 1922. Zwischen 1920 und 1935 reiste das Ehepaar durch Europa; mehrfach besuchten sie den Balkan und lebten einige Zeit in Budapest. Weitere Stationen waren Berlin, Marseille und Paris, wo sie von 1923 bis 1925 lebten. Von 1935 bis 1953 ließen sie sich in Brüssel nieder und kehrten, völlig verarmt, 1953 nach Amsterdam zurück.

Estimate
€ 10.000   (US$ 11.299)


Hammer Price
€ 10.000 (US$ 11.299)



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Bolz, Hanns
Traum im bunten Zimmer

Lot 8036

Traum im bunten Zimmer
Öl auf Leinwand. 1910.
51,5 x 61,5 cm.
Unten mittig links mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "Bolz", datiert und gewidmet "à Suzanne".

Träumt sie? Mit geschlossenen Augen sitzt die junge Frau mit großem Hut in dem lebendig und farbenfroh dekorierten Zimmer. Hinter ihr scheinen rosa Schweinchen, Puppe und Frack in der Luft zu schweben, rund um das mit bunten Kissen bedeckte Bett. Unser Gemälde entstand 1910, in Bolz' früher Pariser Zeit, in der er vehement mit Farben experimentierte. Bolz studierte von 1905 bis 1908 an der Kunstakademie in Düsseldorf und verbrachte anschließend drei Jahre in Paris, wo er Pablo Picassos kleines Atelier auf dem Montmartre, in der Rue Gabrielle 49 übernahm. Er war dort eng mit Max Ernst und Otto Freundlich, der auch sein Trauzeuge wurde, befreundet. Bald schon schloss sich Bolz in Paris der kleinen deutschen Künstlerkolonie an, die sich im Café du Dôme um Purrmann und Levy etabliert hatte. Dem renommierten Kunsthändler Alfred Flechtheim war es vergönnt, diesen illustren und in seinen Stilrichtungen völlig unterschiedlichen Künstlerkreis, "Dômiers" genannt, 1914 erstmals in seiner Galerie zu zeigen. Bolz lebte in den Jahren 1911 und 1912 in München, wo er als Illustrator für die Zeitschrift "Komet" tätig war. Bereits 1912 kehrte er nach Paris zurück, bezog ein Atelier auf dem Montparnasse und unternahm Studienreisen nach Madrid, London, Venedig und Oslo. Während seines Kriegseinsatzes im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet und 1917 fast blind aus dem Wehrdienst entlassen. Er widmete sich in seiner kurzen Lebensspanne nach dem Krieg fast ausschließlich dem Modellieren.

Estimate
€ 20.000   (US$ 22.599)


Hammer Price
€ 18.000 (US$ 20.339)



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Kuhfuss, Paul
Die Piazza San Marco, Venedig

Lot 8044

Die Piazza San Marco, Venedig
Öl auf Leinwand. Um 1929.
63 x 78 cm.
Unten rechts zweifach mit Pinsel in Rosa und in Rot signiert "Kuhfuss".

Paul Kuhfuss unternahm 1928 eine Studienreise nach Italien; mit vielen anderen Künstlern seiner Generation teilte er eine Italienbegeisterung, die ihn dort mit fieberhafter Produktivität intensiv arbeiten ließ. Seine Eindrücke von Venedig hielt er in zahlreichen Zeichnungen und Ölbildern fest. Mit souveränem, lockerem Duktus und in leuchtendem Kolorit malt er in nachexpressionistischem Stil den Dogenpalast am Markusplatz, im Hintergrund die Kirche St. Giorgio Maggiore. Seine Skizzenbücher von dieser Venedig-Reise zeugen von einer erstaunlichen Produktivität: "(...)10 Tage Venedig haben meinem Vorrat an Studien gut getan. Venedig ist herrlich, obgleich ich nicht das Renaissance-Venedig, sondern das des 18. Jahrhunderts gesucht und gefunden habe." (Paul Kuhfuss, Aus dem Skizzenbuch Italien 1929, Nachlass-Archiv Paul Kuhfuss Berlin-Pankow 1991, zit. nach Röske, S. 14). Im Jahr 1929 entstand ein weiteres, motivisch sehr ähnliches Gemälde der Piazza San Marco von Paul Kuhfuss (vgl. Hellwich/Röske 29/22). Unser Gemälde darf als eines der exemplarischen Hauptwerke dieser Reise gelten.

Estimate
€ 6.000   (US$ 6.779)


Hammer Price
€ 8.000 (US$ 9.040)



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Birkle, Albert
Schlächterwagen

Lot 8049

Schlächterwagen
Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. 1923.
47 x 71 cm.
Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin".

Nach rechts und nach links ziehen durch das Bild ausgemergelte, von der Not gezeichnete Gestalten, Menschen und Pferde, die versuchen, dem Elend und Hunger zu entkommen. Wenige Wagenlampen werfen ihren schwachen Schein in das Dunkel des Geschehens, und nur zurückhaltend setzt Birkle das Kolorit in seiner Komposition ein. Der alte Mann ganz links vorne blickt unter seiner Hutkrempe direkt zum Betrachter und ruft ihm zum Zeugen der erbärmlichen Zustände in diesem ereignisreichen Jahr der Weimarer Republik: Wegen verspäteter Reparationszahlungen besetzte Frankreich 1923 das Ruhrgebiet, die deutsche Regierung rief zu Sabotage und Streik auf, zahlte jedoch die Löhne an die Streikenden weiter und musste dafür mehr Banknoten in Umlauf bringen. So begann die dramatischste Inflation, die das Land je erleben sollte, mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung.
Birkle absolvierte nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Lehre als Dekorationsmaler im väterlichen Betrieb, studierte von 1920 bis 1925 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und war Meisterschüler bei Arthur von Kampf. Er entwickelte in diesen Studienjahren einen religiös geprägten, sozialkritischen Realismus in einer formalästhetisch-neusachlichen Formensprache, der vor allem in seinen Charakterköpfen karikierende Züge vermittelte. Das Angebot einer Professur an der Königsberger Akademie lehnte der Künstler 1927 ab, um Aufträge für kirchliche Wandmalereien u.a. in Gaislingen und Kattowitz auszuführen. Im Umbruch der Machtergreifung Hitlers übersiedelte Birkle nach Salzburg, wobei er sein Berliner Atelier behielt. 1936 stellte er in der Berliner Nationalgalerie aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig. Die dort gezeigten Bilder wurden 1937 im Haus der Deutschen Kunst in München entfernt, weitere Werke von ihm in öffentlichen Sammlungen als "entartet" beschlagnahmt und er selbst mit einem Malverbot belegt. Birkle meldete sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst, wodurch er vorübergehend dem Militärdienst entgehen konnte. Er arbeitete als Kriegsmaler, Kriegsberichterstatter und musste 1944 einrücken. 1946 erhielt Birkle die österreichische Staatsbürgerschaft und widmete sich vor allem sakralen Gestaltungswegen als Glasmaler. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden bedeutende Werke auf diesem Gebiet. In seinem malerischen und zeichnerischen Spätwerk griff er in einem expressiven Stil auf die sozialkritischen Tendenzen seiner frühen Motive zurück.
Bitte Zustandsbericht erfragen.

Errata: Die vollständigen Angaben zur Technik, Signatur und Datierung lauten: Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin"; im Printkatalog abweichend.

Estimate
€ 35.000   (US$ 39.549)


Hammer Price
€ 30.000 (US$ 33.900)



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Graf, Gottfried
Nach dem Bade

Lot 8055

Nach dem Bade
Öl auf Leinwand. Um 1923.
121 x 70 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "G. Graf", verso auf Klebeetikett typographisch bezeichnet und betitelt "Der Bademantel" sowie mit der Nummer "66".

Die Figur der badenden Frau links tritt klar hervor, umgeben von zersplitterten, geschichteten Farbflächen, die rechts weitere Frauengestalten andeuten. Die leuchtende Farbflächenarchitektur strahlt im Bildzentrum in warmen Rot- und Gelbtönen und wird zur Peripherie hin dunkler. Zersplitterte, kantig-geometrische Formen fügen sich zu einem Gerüst, in dessen Mitte die gerundete Frauenfigur mit ihrem abstrakt ornamentierten Bademantel sitzt. So sind die Figuren zwar weitestgehend geometrisch umgesetzt, Graf erlaubt sich bei der linken jedoch wenige weiche Formen, die anatomische Gegebenheiten wie Bein, Torso, erhobenen Arm und Kopf zwar mit einer starken Abstraktion der Umrisse, aber doch eindeutig figurativ schildern. Eine Räumlichkeit der Komposition entsteht aus der Farbperspektive, den Fluchtlinien und der Staffelung heraus, die Farbfelder in sich bleiben zumeist völlig flächig gestaltet. Zwischen 1921 und 1925 orientiert sich Graf zuvorderst an Albert Gleizes und dessen synthetischem Kubismus, den sein System der Flächenschichtungen in unserem Gemälde "Nach dem Bade" beispielhaft umsetzt.

Estimate
€ 10.000   (US$ 11.299)


Hammer Price
€ 13.000 (US$ 14.689)



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Spiegel, Hans
Die Ruderer

Lot 8095

Die Ruderer
Öl auf Leinen (strukturierte Leinentischdecke). Um 1930.
147 x 124,5 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "H. Spiegel".

Da Spiegels Frühwerk nahezu vollständig durch den Krieg zerstört wurde, ist dieses um 1930 entstandene Gemälde ein seltenes Zeitdokument und gibt einen überaus interessanten Eindruck des sich allmählich wandelnden Stils des Künstlers wieder. So sind seine wenigen frühen Arbeiten aus der Zeit der Zusammenarbeit in der Üecht-Gruppe deutlich geprägt von der Formensprache des Kubismus und des Orphismus mit seiner dominanten Farbigkeit. Bei den "Ruderern" weicht die Farbigkeit sowie die kantigen Flächen und kaleidoskopartigen Brüche zu einer deutlich in sich geschlossenen Komposition. Spiegel gelingt es vielmehr auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche eine größtmögliche Dichte und Spannung zu erzeugen. Fast hat man den Eindruck, die unter größter Anstrengung im Sturm rudernden Figuren sprengen die Dimensionen der Leinwand. Wir sehen die muskulösen, gespannten Oberarme dreier, zum Teil angeschnittener Figuren, die sich in unterschiedlichen Richtungen bemühen, das Boot zu steuern. So mag man die "Ruderer" auch sinnbildlich verstehen als die Herausforderung, sich als Künstler zu behaupten, sich selbst als Persönlichkeit Gestalt zu geben und zugunsten der eigenen Entwicklung gegen den Strom zu rudern.


Provenienz: Ehemals Sammlung Rolf Deyhle, Stuttgart, mit dessen Sammlungsaufkleber mit der Inventar-Nr. 1167 rückseitig.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.559)


Hammer Price
€ 11.000 (US$ 12.429)



» Modern Artists Retrieved from Oblivion
Klinger, Max
Eine Mutter II

Lot 8200

"Eine Mutter II"
Radierung auf Japan. 1883.
45,4 x 32 cm (55 x 35,2 cm).
Signiert "M. Klinger", datiert, betitelt und bezeichnet "2. état: 2me épreuve", sowie "Dramen Rad. Op. 9 No. 4.".
Singer 150 II (von IX).

Blatt 4 aus der Folge "Dramen", Opus IX. Beeinflusst von der französischen naturalistischen Literatur, insbesondere von den Schriften Émile Zolas, wollte Klinger mit den Drucken der Folge "Dramen" eine exakte und unmittelbare Transkription der sozialen Realität erreichen - ein literarischer Ansatz, von dem er sich später distanzierte. In "Die Mutter II" zeigt er am Kanalufer die verzweifelte Frau, die nach ihrem selbstmörderischen Sprung in das Wasser gerettet werden konnte, ihr Sohn jedoch nicht. Indem Klinger im Hintergrund an der Fassade rechts die Schriftzüge "Akademie" und "Deutsche Kunst" erkennbar macht, übt er möglicherweise Kritik am offiziellen Akademiebetrieb, der sich mit den sozialen Problemen der Zeit zu wenig oder gar nicht auseinandersetzte. Brillanter, äußerst seltener Probedruck vor aller Schrift und vor allen Auflagen, mit herrlich zeichnender Plattenkante und mit breitem Rand.

Provenienz: Sammlung Heinrich Stinnes, mit dessen Sammlerstempel (Lugt 1376a) in der unteren linken Ecke

Estimate
€ 4.500   (US$ 5.084)


Hammer Price
€ 13.000 (US$ 14.689)



» Masterpieces of German Printmakers
Schmidt-Rottluff, Karl
Ziegelei bei Varel

Lot 8214

Ziegelei bei Varel
Holzschnitt auf faserigem Naturpapier. 1909.
29,7 x 39 cm (34,2 x 43,2 cm).
Signiert "Schmidt-Rottluff" und (eigenhändig?) bezeichnet "Werk mit Bach".
Schapire H 7.

Herausragend ausdrucksstarker, früher Holzschnitt des Künstlers. So konsequent wie in dieser Drucktechnik setzt Schmidt-Rottluff seine expressionistischen Ideen in keinem anderen Medium um: Reduktion, Klarheit und Aufrichtigkeit.
Einen Neubeginn im Holzschnittschaffen Schmidt-Rottluffs stellt das Jahr 1909 dar, nachdem er 1905/06 bereits 20 erste Holzschnitte angefertigt hatte (die er jedoch trotz ihrer Qualität nicht in Schapires Katalog aufgenommen sehen wollte). Es folgte eine Pause von zwei Jahren, in denen er vor allem Lithographien druckte, dazu wenige Radierungen.
Unweit von Dangast an der oldenburgischen Nordseeküste, Schmidt-Rottluffs regelmäßigem Sommeraufenthaltsort der Jahre 1907 bis 1912, befindet sich der Vareler Hafen, gelegen zwischen Wilhelmshaven und Bremerhaven. Gemeinsam mit seinen Künstlerfreunden der "Brücke" zog er mit Malutensilien häufig zu den kleinen Fischerhäfen der Umgebung, Ellenserdamm und Varel. Ein ungewöhnlicher Schaffensrausch erfüllte ihn in dieser Dangaster Zeit. Das Motiv, eine Ziegelei in der Nähe des Dorfes Varel südlich von Dangast, greifen sowohl Schmidt-Rottluff als auch Heckel in den Jahren von 1907 bis 1909 häufig auf. Der lange, niedrige Gebäudekomplex mit Schuppen, der in einem Schornstein endet, erstreckt sich vom linken Bildrand bis in den Hintergrund. Vom linken Vordergrund bis zum Horizont verläuft rechts ein kleiner Bach, in dem die verzerrte Spiegelung des Schornsteins zu sehen ist. Die radikale Vereinfachung der Form und die Unterdrückung der Perspektive zugunsten des Rhythmus' der Oberfläche machen die Gruppe der Holzschnitte von 1909 zu den abstraktesten und interessantesten Drucken, die von einem Mitglied der "Brücke" produziert wurden. Linien und Flächen in dichtem Schwarz und einem von den Halbtönen der Stege gelegentlich durchbrochenen Weiß erzeugen eine schwingende Bewegung in der Komposition.
Ganz selbstverständlich liegen alle Produktionsschritte in Schmidt-Rottluffs eigener Hand, von der Idee bis zum Abzug. Hier ist es das weiche, kaum gemaserte Holz der amerikanischen Pappel, in das er sein radikal vereinfachtes Motiv schneidet. Schapire zufolge wurde der Holzschnitt, wie alle Arbeiten Schmidt-Rottluffs zwischen 1906 und 1912, vom Künstler selbst gedruckt; selten erreichten sie eine Auflagenhöhe von zehn Exemplaren. Die Struktur der pastosen Druckfarbe auf dem Naturpapier ist bis heute erkennbar. Brillanter, tiefschwarzer, im Vordergrund teils ganz leicht aufgehellter Druck des bedeutenden Blattes mit kleinem, wohl dem vollen Rand. Von äußerster Seltenheit.

Provenienz: Heddergott & Maaß, Berlin, Katalog 1, 1991, Nr. 126

Estimate
€ 35.000   (US$ 39.549)


Hammer Price
€ 34.000 (US$ 38.420)



» Masterpieces of German Printmakers
Nolde, Emil
Prophet

Lot 8217

"Prophet"
Holzschnitt auf Velinkarton. 1912.
32 x 22,6 cm (40 x 30,7 cm).
Signiert "Emil Nolde" und betitelt. Auflage 20-30 Ex.
Schiefler/Mosel 110.

Das asketische, grüblerische Gesicht des "Propheten" konfrontiert uns mit einer unmittelbaren, tiefen Emotion, die keinen Zweifel an seiner Spiritualität lässt. Seine verschatteten, tiefliegenden Augen, die Stirnfalten, die eingefallenen Wangen und das ernste Gesicht drücken eine tiefe Versunkenheit aus. Drei Jahre zuvor hatte Nolde nach schwerer Krankheit eine religiöse Transformation erlebt. Im Anschluss daran begann er, sich in Gemälden und Druckgraphiken religiösen Themen zu widmen.
Nolde war 1906 der "Brücke" beigetreten und brachte seinen Kollegen die Radiertechnik bei, während sie ihn in die Holzschnittechnik einführten. In dem für Emil Nolde hinsichtlich seiner Holzschnitte besonders schaffensreichen Jahr 1912 entstanden insgesamt 21 Porträtköpfe. Mit seinem eindringlichen Ausdruck und den kraftvollen Kontrasten im hageren Gesicht hebt sich der "Prophet" unter den Blättern jenes Jahres besonders hervor und ist wohl Noldes bekanntestes druckgraphisches Werk. "Die Holzschnittreihe von 1912 verleiht dem gefundenen Zeichen nun eine tiefere Intensität. In der Reihe der Köpfe, dem ständigen Thema der Holzschnitte Noldes, kann nun, wie im 'Propheten', die dramatische Ikone entstehen." (Werner Haftmann, Holzschnitte von Emil Nolde, Bremen 1947). Grob ausgefräste Bereiche, geradezu unheimlich ausgefranst, gezackte Linien und die strukturierte Maserung des Holzes verbinden sich zu einer Inkunabel des deutschen Expressionismus und der überzeugenden Darstellung eines glühenden Gläubigen.
Schiefler/Mosel erwähnen mindestens 20-30 Exemplare. Brillanter und gegensatzreicher, ungewöhnlich reich und differenziert aufgelichteter Druck mit bemerkenswert deutlicher Reliefwirkung, mit breitem Rand, rechts mit dem Schöpfrand. Die in den Schwarzflächen wunderbar mitdruckende Langholzmaserung verleiht dem Druck ein zusätzliches expressives Moment. Partiell druckt in den Weißflächen der Stockgrund blind mit. Verso sind die Reibespuren deutlich sichtbar und ein kräftig durchgepresstes Relief.
Eines der Hauptblätter der Graphik des deutschen Expressionismus, in den letzten Jahren selten geworden.

Estimate
€ 30.000   (US$ 33.900)


Hammer Price
€ 34.000 (US$ 38.420)



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