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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Main Image Description Status
Dumont d'Urville, Jules Sebastian Cesar
Voyage de la corvette l'Astrolabe

Lot 3

Ein Markstein in der Erforschung des Pazifiks
Dumont d'Urville, Jules Sebastian Cesar. Voyage de la corvette l'Astrolabe exécuté par ordre du Roi pendant les années 1826-1827-1828-1829. 10 Textbände in zusammen 25 Teilbänden in Quarto bzw. Großquarto sowie 4 Tafelbände in Folio bzw. Großfolio. Mit zusammen 2 Stahlstichtiteln mit Vignette, lithographischem Portrait, 396 lithographischen Tafeln (von 442; davon 201 koloriert) und 51 Stahlstichtafeln (davon 1 flächenkoloriert und 26 doppelblattgroß). 26 x 16,5 bzw. 31,5 x 25,5 bzw. 53 x 36 bzw. 66,5 x 50 cm. OPappbände (21; lädiert und mit starken Gebrauchsspuren, Rücken lose oder fehlend), OBroschuren (4; mit Gebrauchsspuren, Rücken fehlend; Band IV ohne OUmschlag und die ersten 168 Seiten), HLeder d. Z. (3; berieben, ein Band abweichend gebunden) mit RVergoldung und goldgeprägtem RTitel sowie HLeder d. Z. (1; mit Schabspuren, Rücken teils restauriert, vorderes Gelenk unten angeplatzt). Paris, J. Tastu, 1830-1835.

Nissen 1199. Bagnall 1687. Ferguson 1341. Sabin 21210. Henze II, 107ff. Brunet II, 881 ("Grand ouvrage"). – Erste Ausgabe der monumentalen Publikation über die erste Expedition der Astrolabe, dessen Entdeckungsfahrt in den Jahren 1826 bis 1829 unter dem Kommando des Botanikers Jules-Sébastien-César Dumont d’Urville (1790-1842) in den Südpazifik führte. Die Route ging von Toulon aus über Teneriffa nach Australien, Neuseeland, Neu-Guinea und Ozeanien, wo Dumont d'Urville u. a. die Fidschis, die Molukken und die Salomonen erkundete. "Die Reise zählt zu den ergiebigsten wissenschaftlichen Unternehmungen in der Erschließungsgeschichte Ozeaniens... ein Markstein in der Erforschung des pazifischen Raumes" (Henze). Die prachtvoll gestochenen bzw. lithographischen Tafeln zeigen zahlreiche Ansichten, ferner Schmetterlinge, Vögel, Fische, Säuger, Fledermäuse, Schnecken, Muscheln, Weichtiere, Pflanzen, Gebräuche der indigenen Bevölkerung sowie viel Kartenmaterial der bereisten Region.

Vorhanden sind folgende Text- und Tafelbände:
I. Histoire du voyage. 5 Bände in 10 Teilbänden. 1830-1833 (komplett). - II. Botanique. 2 Bände. 1832-1834 (komplett). - III. Faune entomologique de l'océan pacifique. 2 Bände. 1832-1835 (komplett). - IV. Observations nautiques et de physique. 4 Bände. 1833-1835 (Band IV ohne die ersten 168 Seiten, sonst komplett). - V. Philologie. 2 Bände. 1833-1834 (komplett). - VI. Zoologie. Bände II, III und IV in 5 Teilbänden. 1832-1835 (ohne Band I). - Titel von Band I verso mit montiertem Stahlstich, das dort eingebundene lithographische Portrait mit Blattausschnitt im Seitenrand. Insgesamt etwas stockfleckig und teils auch wasserrandig, die Druckbogen der vier Broschuren zumeist gelockert oder lose. Unbeschnittenes und breitrandiges Exemplar mit sehr deutlichem Einbanddefekt. Der Textteil ist bis auf den ca. zur Hälfte fehlenden Teilband IV der "Observations" und Band I der "Zoologie" komplett (jedoch nicht eingehend kollationiert).

Atlas Voyage (1833) in 2 Teilbänden: Mit Stahlstichtitel mit Vignette, lithographischem Portrait, 236 lithographischen Tafeln (statt 247; davon 53 koloriert; inkl. 2 gestochenen Aquatintatafeln Nrn 109 und 211 innerhalb der Nummerierung) sowie 8 Stahlstichkarten (davon 1 flächenkoloriert und 6 doppelblattgroß). Mit 2 typographischen Bl. Index am Schluss. - Es fehlen die elf Tafeln mit den Nummern 6, 58, 171, 179, 196, 197, 201, 222, 223, 238 und 241; die Nummern 141, 145, 157 und 240 bestehen jeweils aus zwei Tafeln. Die Tafeln 19 bis 28 mit Wasserfleck in der unteren linken Ecke (außerhalb der Darstellung), die kolorierten Tafeln sowie einige weitere etwas gebräunt und braunfleckig, wenige auch stärker betroffen. Tafel 48 mit kleinem montiertem Zeitungsausschnitt, die Tafeln 23, 108, 131 und 188 mit kleinerem Randeinriss, die Tafel 178 mit unschönem, fast das gesamte Blatt durchtrennenden Riss parallel zum Bug. Sonst nur geringe Flecken und insgesamt wohlerhalten.

Atlas Zoologie: 4 typographische Bl. Index. Mit 157 lithographischen Tafeln (statt 192; davon 145 koloriert). - Es fehlen folgende Tafeln: Mammières: Nrn 2, 8, 9, 16 und 21. - Oiseaux: Nrn 1-12, 15-18, 20-21 und 23-30. - Poissons: Nr. 4. - Mollusques: Nrn 14 und 87. - Zoophytes: Nrn 1, 6, 10, 13 und 15. - Lépidoptères/Coléoptères: Nrn 1, 5-7, 9-12. Ca. 40 Tafeln stark gebräunt. In der abteilung Mollusken die Tafeln 46 und 93 mit hinterlegtem Einriss, Tafel 61 mit Randeinriss, Tafel 65 doppelt nummeriert (entspricht wohl Nr. 67). Insgesamt etwas stock- und braunfleckig. Das Kolorit kräftig und nuanciert aufgetragen.

Atlas Hydrographique (1833): 1 typographisches Bl. Index, 25 S. Mit 43 Stahlstichkarten und -plänen (davon 20 doppelblattgroß) und 3 teilkolorierte lithographische Tafeln. - Karte Nr. 3 mit Falzeinriss, Karte Nr. 6 mit Quetschfalte im Bug. Stellenweise leicht feuchtrandig. Insgesamt nur gering stockfleckig und insgesamt wohlerhalten.

Estimate
€ 9.000   (US$ 10.440)


After-Sales Price
€ 7.000   (US$ 8.119)



» Geography
Ortelius, Abraham
Theatrum orbis terrarum

Lot 10

Ortelius, Abraham. Theatrum orbis terrarum. Tabulis aliquot novis vitaq. auctoris illustratum. Editio ultima (mit Parergon und Nomenclator Ptolemaicus). 3 Teile in 1 Band. 22 Bl; 4 Bl., 2 (zwischengeb. XII, XVI) Bl.; 30 S. Mit fast blattgroßem Titelkupfer, Kupfertitel (beide in Pag.) und gestochener TVignette, blattgroßem gestochenen Wappen, Holzschnitt-Epitaph und gestochenem Porträt, mehreren Münz-Holzschnitten sowie 154 (statt 156) doppelblattgroßen Kupferstichkarten (inklusive 3 Ansichten und 2 Trachtentafeln). 43 x 29 cm. Pergament des 18. Jahrhunderts (unteres Kapitel abgeplatzt, Gelenke teils offen, leicht geworfen, beschabt und bestoßen) mit goldgeprägtem Rückentitel. Antwerpen, Joan Baptist Vrients, 1603.

Koeman III.A 31:053. Philips-Le Gear 419. – Die seltene "Editio ultima", in der gesamten Editionsreihe die vierzehnte und drittletzte, um sechs Karten erweiterte lateinische Ausgabe, die zweite bei de Vrients Erschienene. 1601 hatte der Drucker Jan (Johann) Baptist Vients die originalen Kupferplatten gekauft und damit 1602 eine spanische und 1603 eine erste lateinische Ausgabe herausgebracht. "This is the most advanced Latin edition published by Vrients" (Koeman).
"The unique position held by Ortelius' 'Theatrum' in the history of cartography is to be attributed primarily to its qualification as 'the world's first regularly produced atlas' ... Shape and contents set the standards for later atlases" (Koeman 1969, III, 29).

Das "Theatrum" enthält im Hauptteil 117 (statt 118) Karten: Welt, 4 Kontinente u. Pazifik, Europa (97 statt 98), Amerika (3), Asien (6) und Afrika (4). Im Parergon 32 (statt 33) Karten der Alten Welt, 2 Tafeln mit den Trachtendarstellungen und Wappen der Kaiser, Kurfürsten und Fürsten des Heiligen Römischen Reiches sowie 3 Ansichten ("Tempe Thessalica", "Daphne Antiochiae Suburbium" und eine Vogelperspektive des "Escorial"). – Es fehlen die Karte 114 Terra Sancta (Koeman 31:053,114) und im Parergon Karte V Abrahami Patriarchae Peregrinatio (Koeman 31:053,119). Die Weltkarte mit kleinem Falzausbruch und 2 winzigen Wurmlöchlein sowie minimalen flecken und mit kleiner Bugverstärkung im weißen Rand unten. Wenige Karten mit winzigen Dünnstellen oder kleinen, teils hinterlegten Randeinissen, teils alt hinterlegt (ca. 8 Karten mit unwesentlichen Läsuren, darunter eine mit geschlossenem Durchriss, winzigen Randlöchlein, Tintenfleck oder etwas stärker fleckig etc.) nur die Europa-Karte mit leicht gewölbtem Knickfalz, sonst durchgehend im Papier gut bis hervorragend gut erhalten, wie üblich papierbedingt gleichmäßig leicht, selten etwas mehr gebräunt, kaum Finger-, Braun- oder Stockflecke, im Block nahezu durchgehend sauber und frisch, die Karten überall in starkem, kontrastreichen und gratigen Abdruck von hervorragender Qualität und bester Detailliertheit.

Estimate
€ 36.000   (US$ 41.760)


Hammer Price
€ 28.000 (US$ 32.479)



» Geography
Galilei, Galileo
Trattato della sfera di Galileo Galilei

Lot 229

Prachtvolles, vollständiges Exemplar in zeitgenössichem Einband
Galilei, Galileo. Trattato della sfera di Galileo Galilei, con alcune prattiche intorno à quella, e modo di fare la figura celeste, e suoi direttioni, seconda la via rationale di Buonardo Savi. 296 S. Mit Kupfertitel, Textholzschnitt und typographischen Tabellen im Text, 2 Falttabellen und 2 gefalteten Kupfertafeln. 13 x 7,5 cm. Pergament d. Z. (kaum fleckig oder wellig, ohne die Bindebänder) mit 2 (etwas späteren) goldgeprägten schwarzen RSchildern, goldenen Doppelfileten auf dem Rücken und als Bordürerahmen auf beiden Deckeln, goldgeprägten Eckfleurons und Mittelvignette sowie dreiseitigem Goldschnitt. Rom, Nicolò Angelo Tinasi für Domenico Grialdi, 1656.

Riccardi I, 398. Cinti 264 (133). Carli-Favaro 252. Fahie 39. Gamba 393. Nicht bei Houzeau-Lancaster. – Erste Ausgabe von dem posthum erschienenen Traktat über die Sphären, den der italienische Astronom, Mathematiker, Philosoph und Universalgelehrte Galileo Galilei (1564-1642) in den 1590er Jahren verfasst hatte. Zu Grunde lagen die für seine Vorlesungen an der Universität zu Padua erarbeiteten Thesen, wobei es sich möglicherweise um eine Auseinandersetzung mit den Theorien des hochmittelalterlichen Astronomen Johannes de Sacrobosco (1195-1256) handelt.

So adaptierte Galilei seine Erkenntnisse für die Didaktik an den Universitäten und schuf damit eines der ersten astronomischen Lehrbücher. Daraus erklärt sich auch der umfangreiche Rekurs auf die Lehren des Claudius Ptolemaeus, dessen geozentrisches Planetensystem Galileo zunächst vorstellt - und das selbstverständlich auch bei Sacrobosco das vorherrschende, von der Kirche mich dem Schöpfungsakt der Genesis in Einklang stehende, Weltbild war. Demnach steht die von Planeten und Sternen sowie der Sonne umwanderte Erde im Mittelpunkt des Systems. Während der erste Teil damit die Einführung in die Astronomie für Studienbeginner enthält, wendet sich der Autor im zweiten Teil einzelnen astronomischen Beobachtungen und Himmelsphänomenen zu. In den Grundlagen dazu knüpft Galileo an die Forschungen des bedeutenden Astronomen und Mathematikers Bonaventura Cavalieri (1598-1647) an, der aus Mailand stammt und dem Orden der Jesuaten des Hl. Hieronymus angehörte.

Das Manuskript selbst war schon damals verlorengegangen, so dass der Text einzig auf Vorlesungsmitschriften der Jahre 1602 bis 1606 von Studenten Galileis basiert. Hinter dem sich nur als Pseudonym "Buonardo Savi" nennenden Herausgeber verbirgt sich der 1618 geborene Urbano D'Aviso, ein Schüler Galileis, der seinen Namen als Anagramm permutierte. Am Schluss des Werkes gibt er mehrere praktische Anweisungen zur Kartierung des Weltalls.
"The treatise on the Sphere ... is supposed by some authors to be apocryphal, as it teaches the Ptolemaic cosmogony, placing the earth immovable in the center, and adducing the usual arguments. But this does not necessarily make the work apocryphal, for we have it under his own hand that for some years he taught the Ptolemaic system in classes out of compilance with popular feeling, though at heart he was a follower of Copernicus" (Fahie).

Der hübsche, sehr virtuos und überaus fein radierte Kupfertitel zeigt in der Mitte einen mächtigen Sockel mit dem Wappen der Medici, wohl des Papstes Alessandro Ottaviano de' Medici, darüber der Titel: "Sfera del Galileo con le Prattiche di Buonardo Savi", auf dem Sockel eine Amillarsphäre, umstanden von vier Astronomen, von denen einer sein langes, vierfach ausgezogenes Teleskop-Fernrohr auf Mond und Sterne richtet - in Anspielung auf das Galilei-Fernrohr, das Galileo Galilei aus dem Holländischen Fernrohr des Linsenmachers Hans Lipperhey entwickelt hatte und das das wichtigste Instrument seiner Beobachtungen werden sollte. Die Kupfertafeln geben zahlreiche Instrumente wieder, mit denen sich der Astronom ausstatten solle, ferner Tabellen zu wiederkehrenden Himmelsereignissen und vieles mehr. – Vereinzelt minimal braunfleckig, einige Blätter etwas stärker, meist aber nur ganz gering gebräunt, sonst nur unwesentlich fleckig, die Falttafeln teils mit Knickspuren und wenigen Falzeinrissen. Vorsatz mit montiertem Exlibris und einem alten deutschen Stempel (wonach das Exemplar sicher schon vor 1900 in Deutschland war). Die wenigen bekannten Exemplare sind in der Kollation oft voneinander abweichend, meist fehlt der Kupfertitel. Einige von uns nachweisbare (darunter auch ein jüngst auf einer Auktion angebotenes) Exemplare wurde auch nur eine Tabelle bzw. eine Kupfer-Falttafel beigebunden.
Bei dem vorliegenden handelt es sich um ein mit allen Titeln, Tafeln und Tabellen vollständiges Exemplar, das in einen außergewöhnlich edlen, prachtvollen zeitgenössischen Einband aus reich goldgeprägtem, honigfarbenen Pergament gebunden ist.

Estimate
€ 19.000   (US$ 22.040)


After-Sales Price
€ 16.000   (US$ 18.560)



» Miscellanea
Weinmann, Johann Wilhelm
Phyntanthoza-Iconographia, Oder Eigentliche Eig...

Lot 248

Weinmann, Johann Wilhelm. Phytanthoza-Iconographia, Oder Eigentliche Eigentliche Vorstellung etlicher Tausend, so wohl Einheimisch- als Ausländischer, aus allen vier Welt-Theilen, in Verlauf vieler Jahre, mit unermüdlichem Fleiß ... gesammleter Pflanzen, Bäume, Stauden, Kräuter, Blumen, Früchte und Schwämme. 4 Bände. Mit 975 (statt 1025) kolorierten Kupfertafeln in Farbstich nach G. D. Ehret, N. Asam u. a., gestochen von Seuter, Haid und Ridinger. 39 x 24,5 cm. Blindgeprägte Schweinslederbände d. Z. mit Rückenbezug aus Kiebitzpapier über Holzdeckeln (fleckig und berieben) mit floraler RVergoldung und 2 goldgeprägten RSchildern in Rot und Grün sowie 4 (statt 8) intakten Messingschließen. Regensburg, Hieronymus Lentz (I-III) bzw. Heinrich Georg Neubauer (IV), 1735-1745.

Nissen 2126. Pritzel 10140. Sitwell-Blunt-Synge 80. Dunthorne 327. Plesch 806. De Belder 382. Stafleu-Cowan 17.050. Great Flower Books 80. – Erste Ausgabe eines der wichtigsten botanischen Werke, das von großer Bedeutung für die botanische Buchillustration werden sollte. Johann Wilhelm Weinmann (1683-1741) war Apotheker und leidenschaftlicher Botaniker, der in seinem privaten Kräutergarten über 9000, teils exotische Pflanzen und Blumen züchtete, die er dann als Vorlagen für sein Monumentalwerk nutzte und beschrieb. Die zur Zeichnung der Vorlagen verpflichteten Künstler bedienten sich dabei einer neuen Technik, der in Farben gedruckten Aquatinta, die zusätzlich dann noch mit der Hand nachkoloriert und gehöht wurde. Dadurch erreichten sie eine sehr plastische, qualitätsvolle Darstellungen der Pflanzen und Blumen - in nie zuvor erreichter Perfektion.
"The first botanical book to use colour-printed mezzotint successfully" (De Belder). Drucker der Kupfertafeln war Bartholoäus Seutter zusammen mit Johann Jacob Haid sowie anfangs auch Johann Elias Ridinger. Die Vorlagen lieferten Georg Dionysius Ehret sowie die Regensburger Blumenmalerin N. Asam u. a.
"The work may be called the first successful botanical book using color-printed mezzotint. The mezzotint plates ... retouched in transparent or opaque watercolor, need to be distinguished from the usual handcolored etchings" (Hunt).
Das Werk Weinmanns wurde vor allem mit der ersten Veröffentlichung der Zeichnungen Georg Dionysius Ehrets zu einem wichtigen Vorbild für Christoph Jakob Trews Plantae selectae (1750-1773), für das Ehret die Tafeln schuf. Auch von dem Amsterdamer Verleger Burmann kamen Vorlagen, etwa die 25 Magnolienarten.
"Zu rühmen ist ... die reichhaltige Palette sowohl der gedruckten, als auch der mit der Hand aufgetragenen Farben, die auch in der Blütezeit des botanischen Farbdruckes selten wieder erreicht wurde ... [sie] glänzen bisweilen wie satiniert, was auf Duchsetzung mit Gummi arabicum oder einem ähnlichen Fixativ schließen läßt" (Nissen).
Mit prachtvollen Darstellungen von Kakteen, Glockenblumen, Nelken, Sonnenblumen, Chrysanthemen, Wicken, Azaleen, Agaven, Tulpen, Rosen, Lilien, aber auch zahlreichen pomologischen Pflanzen, Südfrüchten, Stauden, Pilzen und vielem anderen mehr. – Von den 1025 numerierten Tafeln fehlen 50 in Band IV, dort fehlen auch Titel, Vorstücke, 174 Bl. Textanschluss sowie drei Portraits. In Band I fehlt neben dem Band- und Reihentitel auch die in anderen Exemplaren zusätzlich eingebundene, großformatige Falttafel. Alle Titel (bzw. erste Textblatt) mit Besitzeintrag, fl. vordere Vorsätze der Bände I, III und IV (in Band II entfernt) mit russischem Einfuhrstempel sowie hs. Vermerk, die festen Vorsätze mit montiertem Blanko-Etikett. Insgesamt nur ganz vereinzelt minimal fleckig, einige Tafeln etwas stärker gebräunt, teils mit Abklatsch. Während die Farbdrucke ebenso nuanciert, gratig wie zart abgezogen wurden, ist die Kolorierung überall ausgezeichnet, in leuchtenden, überzeugenden und besonders fein aufgetragenen Farben. Sehr schönes und frisches Exemplar. Zur Kollation:
Band I. 200 S. Mit "Index-Titel" in Schwarz und Rot ("Multilinguis Phytanthoza-Iconographiae Weinmannianae Index"; ohne Band- und Reihentitel). Mit 275 Tafeln "N. 1-275" (Nr. 227 gefaltet). - Tafel Nr. 68 mit kleinem Randeinriss (ca. 3,5; außerhalb der Darstellung), Tafeln Nr. 96 und 176 mit verso hinterlegtem horizontalem Riss im Rand, wenige Tafeln (Nrn. 157, 159, 177, 182, 199, 201, 211, 218, 223, 225) sowie vereinzelte Textblätter etwas stärker gebräunt. Teils mit Abklatsch, sonst nur ganz vereinzelte, unbedeutende Flecken.
Band II. 2 Bl. (lateinischer und deutscher Titel in Rot und Schwarz), 516 S. Mit 250 Tafeln "N. 276-525", davon 10 gefaltet (Nrn. 354, 442-446, 448, 453, 500, 518). - Tafeln Nr. 299 und 300 etwas stärker gebräunt, letzte Tafeln mit schmalen Wasserrändchen.
Band III. 2 Bl. (lateinischer und deutscher Titel in Rot und Schwarz), 488 S. Mit 250 Tafeln "N. 526-775", davon 2 mehrfach gefaltet bzw. doppelblattgroß (Nrn. 737 und 761). - Tafel Nr. 541 im (gefalteten) Seitenrand knickspurig und mit Läsuren, Tafeln Nr. 740 und 741 etwas gebräunt. Mit zusätzlich eingebundenen 3 Doppelblatt "Paraenesis" mit einem Verzeichnis der Tafeln zu der entsprechenden Lieferung.
Band IV. Ohne Titel. 366 (statt 540) S. ("Commentarius uber den vierdten Band"). Mit 200 (statt 250) Tafeln "N. 776-975" (Nr. 911 gefaltet). - Es fehlen die letzten 50 Tafeln "N. 976-1025"), die Titelblätter, 11 Bl. Vorstücke, 174 Blatt Textanschluss, 31 Bl. Register sowie die drei Blatt mit Portraits in Blau gedruckter Schabkunstmanier. Zusätzlich eingebunden sind 5 Bl. "Paraenesis" (ein Doppelblatt).

Estimate
€ 30.000   (US$ 34.800)


After-Sales Price
€ 20.000   (US$ 23.200)



» Miscellanea
Ptolemaeus, Claudius
Geographicae Ennarationis, Libri Octo.

Lot 579

In prachtvollem Altkolorit
Ptolemaeus, Claudius. Geographicae Enarationis, Libri Octo. Ex Bilibaldi Pirckeymheri tralatione, sed ad Graeca & prisca exemplaria à Michaele Villanovano (d. i. Servetus') secundò recogniti, & locis innumeris denuò castigati. 149 S., 1 Bl., 48 Bl. Mit großer kolorierter Holzschnitt-TVignette, 2019 (8 11-zeilige, 2000 6-zeilige und 11 3-4-zeilige) Metallschnitt-Initialen, 6 (2 ganzseitige) kolorierten Textholzschnitten und 50 (49 doppelblattgroße) kolorierte Holzschnittkarten (in Pag.). 40,5 x 28,5 cm. Halbleder d. 19. Jahrhunderts (Rückenleder teils etwas stärker berieben, leicht bestoßen) mit goldgeprägtem RTitel, RVergoldung, Blindprägung und goldenen Deckelfileten. (Vienne, Gaspar Trechsel, für) Lyon, Hugo a Porta, 1541.

STC 367. Adams P 2226. Phillips 366. Mortimer 450 Anm. Sabin 66485. Sanz 23 (auch S. 187). Alden-Landis 541/9. Baudrier XII. Shirley T.PTOL-7g. Stevens 49. Fulton, Servetus 10 (auch S. 32f.). – Die zweite Servetus-Ausgabe der "Geographicae enarrationis" in der Bearbeitung des spanischen Mediziners, humanistischen Gelehrten und Theologen Miguel Serveto y Reves (latinisiert zu Michael Servetus; 1511-1553), für dessen Brandmarkung als Ketzer sich vor allem Johannes Calvin eingesetzt hatte. Neben Medizin und Theologie hatte sich Servetus auch für Mathematik, Geographie und Astrologie interessiert, woraus die Kommentierung des großen Ptolemaeus-Atlas hervorging, die erstmals 1535 gedruckt wurde. Servetus war 1540, kurz vor der Drucklegung der vorliegenden Ausgabe als Leibarzt des Erzbischofs nach Vienne berufen worden, von wo aus er in einen Disput mit Calvin trat, der drohte, „sollte Servetus einmal nach Genf kommen, würde er nicht lebendig weggehen“ (Brief vom 26. Februar 1546 : "si venerit, modo valeat mea autoritas, vivum exire nunquam patiar"). 1553 wurde Servetus dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt, zusammen mit zahlreichen Exemplaren des 'Ptolemaeus': "The part this book played in the condemnation of its editor, Servetus, has given it fame; and since many copies were burnt by order of Calvin, it has become rare" (Winsor 17).

"Eine besondere Leistung des Ptolemaios bestand darin, für die Darstellung einer Weltkarte eine neue Projektionsmethode beschaffen zu haben. Es ging dabei um das Problem, wie eine Kugeloberfläche sinnvoll auf eine Ebene übertragen werden kann. Ptolemaios erkannte die Schwächen der seit Eratosthenes (3. Jh. v. Chr.) geläufigen Zylinderprojektionen, nach welcher sein Vorläufer Marinos in einem rechtwinkligen Koordinatensystem die Orte eingetragen hatte und die bekanntlich mit zunehmendem Abstand vom Äquator zu grossen Verzerrungen führt. Demgegenüber propagiert er eine neue, höchst geniale Methode, welche die Proportionen der Kugeloberfläche ungleich viel wahrheitsgetreuer wiedergibt: die Kegelprojektion" (Alfred Stückelberger, Der geographische Atlas des Ptolemaios).

Die Holzschnitt-Karten stammen von den originalen Stöcken der Straßburger Ausgaben von 1522 und 1525. 27 der Karten sind 'ptolemäische', also in der Interpretation des spätantiken Autors sowie 23 dem Forschungsstand der Zeit angeglichene, neuere Karten, in die die Entdeckung Amerikas mit einbezogen wurde (vgl. Burden 4), "with account of Columbus on the back" (Sabin).

Das Ende des ersten 'ptolemäischen' Teils bildet die große Weltkarte (27), am Schluss (49 und 50) dann die beiden 'modernen' Weltkarten "Tabula nova totius orbis - Tabula orbis cum descriptione ventorum" (allesamt verso ohne Text). Wie üblich ist die Lothringen-Karte verso auf die "Tabula nova Provinciarum Rheni" gedruckt worden. Albrecht Dürers Entwurf der "Armillarsphäre mit dem bewohnten Erdkreis" (Meder 262) war die Vorlage für die ganzseititige Textabbildung, die erstmals 1525 erschienen war: "Die im 6. Kapitel des 7. Buches wiedergegebene Armillarsphäre ragt an Präzision der Darstellung heraus ... Sie zeigt, wie die humanistischen Kosmographen beim Studium des Ptolemäus konsequent auf eine Vervollkomnung der kugelförmigen Projektion der Erde hingeleitet wurden. Sie erweist sich so als nachträgliche Rechtfertigung der Dürer-Stabius-Weltkarte" (Schoch 275). – Titelblatt mit geringen Randläsuren (rundum sauber im Steg verstärkt), sonst kaum Risse oder Papierläsuren (wenige Knicke und Knautschungen, zwei Blätter, S. 147-150 mit winzigem alt hinterlegten Bugausriss, winziger Marginalverlust), wenige alte Falz- bzw. Bugverstärkungen, Karten teils wohl bei Bindung säurefrei angefaltzt, gelegentlich etwas stärker braunfleckig und gebräunt, doch nur vereinzelt gering fingerfleckig, Grünfarbe wie üblich leicht durchgeschlagen, teils auch überdeckend, aber völlig ohne Farbfraß, insgesamt ein bemerkenswert gutes, vollständiges Exemplar in ausgezeichneter zeitgenössischer Farbigkeit:

Die für die Zeit typischen leuchtenden Karmesinrot, Gelb, Altgrün und Orange- sowie Roséfarben sind überall kraftvoll und sorgsam aufgetragen, die umgebenden Koordinatenrahmen jeweils in rot-gelbem Wechsel, das Meer in laviertem Blaugrün, Flüsse in minutiösen Blaustrichen, Berge in Jagdgrün etc. Hübsch sind auch die zahlreichen kleinen figürlichen Vignetten, die in die Holzstöcke der Karten eingefügt wurden, mit Wappenschildern, Zeltlagern, Königen und Prinzen, wilden Tieren wie Bär, Elephant, Naßhorn, Rindvieh. Ferner dargestellt ist ein Schlachtfest bei den Menschenfressern, ein Homme sans tête, eine indische Brautverbrennung, wilde Unholde und vieles mehr, die ebenfalls ganz im Stil der Mitte des 16. Jahrhunderts koloriert wurden.

Auf dem Kolophonblatt verso eine hübsche Bleistiftzeichnung nach dem Christo Giustiniani von Michelangelo sowie die Zeichnung eines Gesichts. Das Titelblatt unten mit einem großen Wappenexlibris in einer farbigen Gouachezeichnung: Zwei steigende Löwen halten ein vierteiliges Wappenschild mit drei Flügeln auf blauem Grund sowie zwei Flügeln auf wechselndem Gold- und Weißgrund, ferner ein Scherenband auf Roséfarbenem und ein gescheckter Windhund auf gelbem Grund.

Estimate
€ 22.000   (US$ 25.520)


Hammer Price
€ 90.000 (US$ 104.400)



» 16th Century
Cantillon, Richard
Essai sur la nature du commerce en général

Lot 1086

(Cantillon, Richard). Essai sur la nature du commerce en général. Traduit de l'anglois. 2 Bl., 430 S., 3 Bl., 11 S. 16,5 x 9,8 cm. Marmoriertes Leder d. Z. (leicht beschabt und bestoßen, Ecken minimal überarbeitet) mit goldgeprägtem RSchild und RVergoldung sowie Rotschnitt, in hellbrauner Holzkassette mit goldgeprägtem Rückentitel. "Londres" (d. i. Paris), "Fletcher Gyles" (d. i. Barrois), 1755.

STC T107260. Higgs 938. Einaudi 846. Goldsmiths 8989. INED 933. Kress 5423. New Palgrave I, 317-320 (ausführlich). – Erste Ausgabe des einzigen erhaltenen Werks des Autors, das nur in dieser "rough Franch translation" (New Palgrave) auf uns gekommen ist. Jevons nennt es "the first systematic treatise on economics" (zit. nach Higgs). Richard Cantillon (1680-1734), der zweimal für je einige Jahre als Bankmann in Paris tätig war, wurde 1734, angeblich von seinem Koch, ermordet, sein Haus anschließend in Brand gesteckt. So erklärt sich auch, dass das englische Originalmanuskript des obigen und vielleicht auch anderer Werke nicht erhalten geblieben ist. Die obige Erstausgabe gilt als eines der seltensten, wenn nicht das seltenste Werk der ökonomischen Literatur überhaupt. So wurde es auf dem deutschen Auktionsmarkt lediglich ein einziges Mal angeboten.

Das vorliegende Exemplar ist außergewöhnlich: enthalten ist der "Catalogue des livres, qui se trouvent chez Barrois, Quai des Augustins", der originale Verlegerkatalog von Barrois, der von dem japanischen Forscher Tsuda publiziert wurde. Womöglich handelt es sich dabei um die letzte Chance, diesen Katalog von Privat zu erwerben. Jüngste Untersuchungen haben die Wichtigkeit dieses Katalogs unter Beweis gestellt, vgl. etwa die Contributions to Political Economy, Ausgabe 35, 2016, S. 100 und 117-118: Daraus geht hervor, das Barrois, nicht Guillyn, wie man vormals dachte, der eigentliche Herausgeber dieses Buches war, der es dann im Jahre 1759 für 2 Livres und 10 Sous verkaufte - und in mehreren seiner Kataloge verzeichnete. Von diesen Katalogen wurde nur einzig einer, nämlich unser Druck, etwa einem halben Dutzend Exemplaren des "Cantillon" beigegeben, die sich heute nahezu alle in öffentlichen Bibliotheken befinden. Somit ist unser Exemplar das letzte in privater Hand, das diesen bedeutenden Verlegerkatalog enthält. – Ganz vereinzelte unwesentliche Fleckchen, kaum gebräunt, sehr schönes Exemplar.

English: First rare edition of the only surviving work by the famous economist Richard Cantillo, one of the scarcest works in economic literature. Cantillon died in 1734 and the work was first published in 1755 in French, not in English, as stated on title. "The 'Essai' is devoted in part to the principles of wealth and in part to those of exchange and foreign trade. Although the treatment of the latter is intelligent it was only the former which had a marked effect upon subsequent economic thought. The Physiocrats acknowledged their debt to the 'Essai'" (ESS III, 186). "The influence of the book is evidenced not by the number but by the distinction of its students, including Gournay, Quesnay, Mirabeau, Turgot, and Adam Smith. It gave birth to Mirabeau's 'L'Ami des Hommes' and apparently suggested much of the 'Tableau Oeconomique' of Quesnay and parts of the 'Wealth of Nations' (of Adam Smith)." (Palgrave I, 215).- Few unremarkable spots, slightly browned, altogether very nice copy. Bound in contemporary marbled calf (little scratched and rubbed, scuffed, corners repaired) with gilt spine label, gilt spine and red edges. In light brown wooden box with gilt title.

Probably first written between 1730 and 1734. While French libraries seem to have a total of four early manuscripts, the book was first printed in 1755. Whether it was first drafted or circulated in English or in French is unclear. Mirabeau, Quesnay, Smith and possibly Hume had read and studied it. That Smith was familiar with Cantillon in some form is documented in Smith’s own rare citations. Other contemporary economists were also familiar with the work, even to the point of plagiarizing from the unpublished version. Despite the multiple plagiarizations and the disappearance of early manuscripts, there is general agreement now that Richard Cantillon did indeed write the work; and it heavily influenced Smith and the Physiocrats as shrewdly observed by no less than Marx who found in Cantillon the origin of the famous ‘Tableau économique’. Cantillon's work became the basis of modern economic thought. Beyond that, though, all we have is the first 1755 edition, some later reprints and a few translations, of which Higgs’s one and Murphy’s recent one are the best. A critical modern edition was published by Routledge in 2015.
Our present copy is truly exceptional: it has the extraordinarily rare and crucial publisher’s catalogue of Barrois published by the Japanese scholar Tsuda. Probably the last opportunity to buy such a copy. Recent research has shown the importance of this catalogue, cf. Contributions to Political Economy, issue 35, 2016, pp. 100 and 117-118: it is there established that Barrois, not Guillyn as previously believed, was the true publisher of the book and that Barrois sold it at 2 livres 10 sols in 1759 and listed it in several catalogues, only one of which, ours, was added to a half dozen copies, almost all now in institutional libraries. Our copy may be the last copy in private hands with the catalogue''.

Estimate
€ 30.000   (US$ 34.800)


After-Sales Price
€ 28.000   (US$ 32.479)



» National Economy
Helvétius, Claude Adrien
De l'esprit. Erste Ausgabe im ersten Druck

Lot 1268

(Claude Adrien. Helvétius). De l'esprit. 2 Bl., XXII, 643 S.; 40 Bl. ("Kartonblätter" des 2. Druckes). Mit großer Holzschnitt-TVignette. 28,5 x 20,5 cm. Marmoriertes hellbraunes Leder d. Z. (unter Verwendung des ursprünglichen Materials komplett neu aufgebunden, Leder unterfüttert) mit (erneuertem) goldgeprägten RSchild, reicher RVergoldung und Goldfileten sowie Rotschnitt in moderner dunkelbrauner Maroquin-Kassette (signiert: "A. Lobstein"). Paris, Durand, 1758.

Kress 5710. Smith 332. Tchemerzine VI, 187-189. Higgs 1871. Vgl. INED 2243bis (nur 2. Druck). – Erster Druck der ersten Ausgabe des wichtigsten Buches der französischen Aufklärung "Vom Geiste", dem Hauptwerk aus der Feder des großen französischen Philosophen und Kritikers des Sensualismus und Materialismus der Aufklärung. Vorliegt hier die ursprüngliche, noch unüberarbeitete Textfassung, vorabgedruckt auf extrem schweren, festen Papier. Wohl nur etwa vier Exemplare überhaupt wurden davon hergestellt, die unter den Freunden und Gönnern des Autors verteilt wurden. Zusätzlich finden sich hier noch die 40 Kartonblätter, die erst im zweiten Druck erschienen waren - und hier beigebunden wurden.

Claude Adrien Schweitzer (1715-1771), bekannt unter seinem latinisierten Namen "Helvétius" stammt aus Paris, unterhielt fruchtbare Beziehungen zu anderen wichtigen Protagonisten der Aufklärung wie Jean Baptiste le Rond d’Alembert, Denis Diderot, Paul Heinrich Dietrich von Holbach oder Charles de Secondat, Baron de Montesquieu. Seine Frau war die berühmte Pariser Salonnière Anne-Catherine de Ligniville Helvétius. Der erste Druck seines Werkes "De l'esprit" erschien anonym und mit dem Hinweis "Avec approbation et privilè du Roi" auf dem Titel. Helvétius dedizierte ein Exemplar der ersten "Tirage" auf ebenso schwerem, festen Papier seinem König Ludwig XV., und dennoch wurde der Text dann zeitverzögert von der Zensur geprüft, verboten und Helvétius die Druckerlaubnis entzogen. Der Staatsrat beschlagnahmte die gesamt Auflage und zwang den Autor zum Widerruf. Auch die konterreformatorischen Jesuiten setzten sich gegen das als allzu frei empfundene Werk ein, und so setzte Papst Clemens XIII. es am 30. Januar 1759 auf den Index.

"De L'esprit" ist eines der Hauptwerke zur Entwicklungsgeschichte des Materialismus. Als Gegenstück zu Montesquieus "L'esprit de lois" konzipiert, erregte das Werk die Anfeindung des Klerus und des Dauphin, der das Werk offiziell verbrennen ließ. "Helvetius ist ein Vertreter der französischen Aufklärung. Als Philosoph ist er Sensualist und Utilitarist. Alle Vorstellungen entspringen aus der Sinneswahrnehmung. Das Denken (Urteilen) als Vergleichen von Empfindungen ist sinnlichen Ursprungs und erfaßt nur die Relationen der Dinge. Den Impuls zum Denken geben die Gefühle. Der Mensch ist ein hedonistisches Wesen, er strebt nach Lust und nach Vermeidung von Unlust, so daß in diesem Sinne der Egoismus die Quelle alles Handelns ist. Was in der physischen Welt das Bewegungsgesetz, ist in der geistigen Welt das Interesse. Dem sittlichen Handeln liegt aber das 'wohlverstandene Interesse' (l'intérét bien entendu) zugrunde, die Verbindung des Eigenwohles mit der Förderung des Gesamtwohles. Die Leidenschaften sind nicht zu unterdrücken, sondern zu regeln und gemeinnützig zu machen. Eine Beschränkung der Arbeitszeit, ein Recht auf Eigentum, Verbreitung von Bildung und dgl. sind soziale Forderungen" (Eisler, Philosophen-Lexikon, 1912, S. 249f.).

Der vorliegende Erstabdruck nach dem originalen Manuskript des Helvétius war schon Ende 1758 erschienen. Der zweite Druck, die sogenannte "édition cartonnée", gelangte dann erst am 27. Juli 1758 zur Auslieferung: in ihm waren 40 Blätter mit beanstandeten Stellen neu gesetzt und gedruckt worden, die hier zum Vergleich an den Schluss gebunden sind, und zwar die Seiten 1-16, 35-38, 59-62, 67-70, 75-78, 139-142, 145-154, 159-160, 169-176, 187-190, 227-230, 233-234, 239-240, 459-462, 547-550 und 603-606. – Nur ganz vereinzelt minimal stockfleckig oder gebräunt, Titel mit Braunstelle, blasser Rasur und 2 älteren Stempelchen (am Schluss wiederholt: "Le Marquis de Courtanvaux; vgl. Hoefer XII, 220), einige Seiten der Kartonblätter sowie die entsprechenden Seiten des Originaldruckes mit meist nur kurzen Bleistift-Anzeichnungen der jeweiligen Abweichungen im Zeilensatz. Sehr schönes Exemplar dieses bemerkenswert seltenen Werkes, von dem sich kaum ein Exemplar in öffentlichem Besitz befindet (vgl. KVK), gebunden in einen meisterhaft restaurierten zeitgenössischen Franzband mit reicher Vergoldung.

English: First print of the first edition of the most important work of the French Enlightenment "On Mind" (with 40 supplementary leaves of the second print). Only some very minor foxing or browning. Title browned, faint traces of scratch marks, and two small older stamps (again in the back: "Le Marquis de Courtanvaux", cf. Hoefer XII, 220). Some of the supplementary leaves as well as the corresponding pages of the original print with short pencil underlinings, marking the respective differences. Very rare work, hardly any copy in public possession (cf. KVKI). Contemporary marbled light brown calf (fully new bound, using the original material) with renewed gilt label on spine, richly gilt and red edge. Boxed in modern dark brown morocco cassette. Altogether very fine condition.

Estimate
€ 9.000   (US$ 10.440)


Hammer Price
€ 8.500 (US$ 9.860)



» National Economy
Karl Friedrich, Markgraf von Baden
Abregé des principes de l'économie politique

Lot 1306

Unbekannte Variante
Karl Friedrich, Markgraf von Baden. Abregé des principes de l'économie politique. X, 51 S., 1 w. Bl. nebst 6 Kartonblatt (vgl. unten). Mit Holzschnitt-Titelvignette und gestochener Kopfvignette. 18 x 11,5 cm. Leder d. Z. mit floraler RVergoldung und goldgeprägtem RSchild in moderner Lederkassette mit goldgeprägtem RTitel. Karlsruhe und Paris, Lacombe, 1772.

Higgs 5393. INED 170. ESS VIII, 546f. NDB XI, 221f. Nicht bei Einaudi, Goldsmiths, Humpert, Kress. – Außergewöhnlich seltene erste Einzelausgabe. War erstmals in den "Ephémerides du Citoyen" (Januar 1772) erschienen. "The 'Abregé', in which the margrave summarized his views, is nearest to pure physiocratic doctrine and reflects at the same time the rationalist conceptions of the age of Enlightenment" (ESS). "Vor allem auch seine engen Beziehungen zu Du Pont de Nemours und Mirabeau (dem Vater), zwei Hauptvertretern der physiokratischen Lehre (mit denen er eine umfangreiche Korrespondenz unterhielt), bestärkten ihn bei der Regierungstätigkeit in dem auf das Untertanenwohl gerichteten Ziel" (ADB). Karl Friedrich (1728-1811) gilt als Musterregent des aufgeklärten Absolutismus. Er schaffte die Folter ab, schuf das Pensions- und Versicherungswesen seines Landes und hob die Leibeigenschaft auf. - Beigebunden sind 6 Blatt (Kartonblätter?) eines unbekannten Drucks, und zwar ein weiteres Titelblatt ohne Verfasserangabe mit dem Impressum "a Basle M.DCC.LXXXIII." mit der gleichen Holzschnitt-Vignette wie im Originaldruck; ferner das ganze "Avis de l'éditeur" (= S. V-X, A3-5) mit etlichen textlichen Abweichungen gegenüber dem Original, die vor allem die Anonymität des Verfassers wahren, aber genau mit der zweiten Einzelausgabe von 1786 textlich übereinstimmen; schließlich die beiden ersten Blatt des eigentlichen Textes (= S. 1-4, A6-7), mit einer Holzschnitt-Kopfvignette statt der gestochenen Vignette des Originals und ebenfalls unter Auslassung des Verfassernamens auf S. 1. Da eine Ausgabe Basel 1773 nicht bekannt ist, steht zu vermuten, dass es sich um den Versuch einer 2. Einzelausgabe mit fingiertem Druckort Basel handelt, der nicht zur endgültigen Ausführung gelangte, dessen Textvarianten aber wörtlich in die 2. Ausgabe von 1786 übernommen wurden. – Schönes breitrandiges Exemplar. – Derselbe. Abregé des principes de léconomie politique. VIII, 51 S., 2 w. Bl. Umschlag d. Z., ebenfalls in der Kassette. 16 x 10 cm. Karsruhe, M. Macklot, 1786. - Einaudi 3107. Goldsmiths 13132. Higgs 5393 Anm. Kress B. 1084. Nicht bei Humpert und INED. - Zweite Einzelausgabe, ebenfalls sehr selten. - Vereinzelt schwach stockfleckig.

English: Remarkable rare separate printing of the first edition. Beautiful copy with wide margins. Contemporary calf with gilt floral patterns and gilt spine title. Boxed in modern calf cassette with gilt spine title.

Estimate
€ 16.000   (US$ 18.560)


After-Sales Price
€ 15.000   (US$ 17.400)



» National Economy
Montesquieu, Charles-Louis de Secondat
De l'esprit des loix. Genf, Barrillot, 1748

Lot 1444

(Montesquieu, Charles-Louis de Secondat). De l'esprit des loix ou du rapport que les loix doivent avoir avec la constitution de chaque gouvernement, les moeurs, le climat, la religion, le commerce, &c. 2 Bände. 4 Bl., XXIV, 522 S.; 2 Bl. 564, XVI S. Mit gefalteter Kupferstichkarte. 25 x 18,5 cm. Marmorierte geglättete Kalbslederbände d. Z. (Gelenke brüchig und wie die Kanten und einige Fehlstellen sauber restauriert) mit 2 goldgeprägten RSchildern, RVergoldung (teils abgerieben), dreiseitigem Rotschnitt und türkischen Marmorpapiervorsätzen in moderner Maroquin-Kassette mit Holz- und grünem Rochenlederintarsien sowie goldgeprägtem Rückentitel. Genf, Barrillot & Fils, (1748).

PMM 197. Tchemerzine VIII, 459. Kress 4920. Goldsmith 8375. Le Petit 495. INED 3253. – Sehr seltener erster Druck der ersten Ausgabe von Montesquieus berühmtem Werk "Vom Geiste der Gesetze". Der erste Druck weicht in der Titeltypographie leicht von dem späteren Druck des Jahres 1749 ab, dem dann noch eine Karte beigegeben wurde. Merkmale sind u. a. die Schreibung des Verlegers "Barrillot" statt "Barillot".
"In vieler Hinsicht eines der bemerkenswertesten Bücher des 18. Jahrhunderts, widersetzt sich der Geist der Gesetze hauptsächlich wegen der hohen Abstraktheit, womit seine Erkenntnisse vorgetragen werden, der Einordnung und hat sich aus diesem Grund nie einer großen Popularität erfreut ... Als das Buch vollendet war, rieten ihm nahezu alle seine Freunde von der Veröffentlichung ab. Montesquieu schenkte dem keine Beachtung und ließ das Buch im Herbst 1748 in Genf drucken ... Der ausgeprägteste Zug dieses gewaltigen Kompendiums ist seine Mäßigung ... Es ist eine auf Schritt und Tritt originale, selbstständige Überschau, die weder doktrinär, visionär, exzentrisch noch übermäßig systematisch ist ... das hier entworfene Bild einer liberalen, wohlwollenden Monarchie, die durch Sicherungen der persönlichen Freiheit eingeschränkt ist, sollte sich als ungewöhnlich einflußreich erweisen" (Carter-Muir 197).
"Montesquieu is known for the destructive criticism of French legal and political institutions contained in the Lettres persanes (1721) and for the constructive critiscism of De l'esprit des lois, in which he compared the various kinds of constitution, with special reference to the defects of the French monarchical system. He put forward a liberal and benevolent form of monarchy subject to safeguards of individual liberty. His theories deeply influenced the political thinking which led to the French and the American Revolutions" (PMM 342). – Papier teils leicht wellig, nur vereinzelt gering gebräunt oder ganz leicht sprenkelfleckig, insgesamt sehr schönes Exemplar dieses Rarissimums der Staatsphilosophie.

English: Extremely rare first print of the first edition of Montesquieu's famous work "The Spirit of the Laws". Paper slightly undulated, here and there some browning and spotting. Mottled contemporary calf (joints brittle, edges and the few damages neatly restored) with gilt spine (minimal abrasion), gilt spine title, red edges all over. Flyleaves in Turkish marbled paper. Boxed in modern morocco cassette with wooden, ray leather intarsia and gilt label. Altogether very nice copy of this rarity in state philosophy.

Estimate
€ 9.000   (US$ 10.440)


Hammer Price
€ 12.000 (US$ 13.919)



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Turgot, Anne-Robert-Jacques
Untersuchung über die Natur und den Ursprung de...

Lot 1650

Turgot, Anne-Robert-Jacques. Untersuchung über die Natur und den Ursprung der Reichthümer und ihrer Vertheilung unter den verschiedenen Gliedern der bürgerlichen Geselschaft. Aus dem Französischen übersetzt. 136 S. 18 x 11 cm. Moderner Pergamentband (VUmschlag einer früheren Broschur eingebunden). Lemgo, Meyer, 1775.

VD18 10177566. – Erste deutsche Ausgabe von Turgots für die Geschichte der Nationalökonomie epochaler Schrift, der Erstdruck erschien 1769 bis 1770 unter dem Titel Réflexions sur la formation et la distribution des richesses in Duponts Zeitschrift Ephémérides du citoyen. Turgot teilt darin die Gesellschaft in drei Klassen: die produktive oder landwirtschaftliche, die Handwerkerklasse, und die Klasse der Landbesitzer. Nach seiner Theorie des "impôt unique" sollte nur der Nettogewinn aus dem Land versteuert werden, zudem verlangte er die völlige Freiheit von Handel und Industrie. – Minimale Flecken. Wohlerhaltenes und sauberes Exemplar, unbeschnitten.

English: First German edition of Turgot's "History of National Economy", the first print dates 1769. Minimal spotting, well preserved, clean copy, uncut. Modern vellum.

Estimate
€ 10.000   (US$ 11.600)


Hammer Price
€ 8.000 (US$ 9.280)



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