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Lot 6073 Stieler, Joseph Karl
Bildnis der Tochter Ottilie Stieler mit dem Str...
Sold
Overview of Extra Images

6073_10 6073_11


Bildnis der Tochter Ottilie Stieler mit dem Strohhut.
Öl auf Leinwand, auf Platte aufgezogen. 72,5 x 58,6 cm. (1845-48).

Nach zwei anfänglichen Lehrjahren in Würzburg geht Joseph Karl Stieler 1800 nach Wien. Während der dortigen Weiterbildung unter Heinrich Füger erhält der Achtzehnjährige bereits zahlreiche Porträtaufträge des osteuropäischen Adels. Die Jahre 1807/08 verbringt Stieler in Paris. Hier erhält er die für seine zukünftige Arbeit entscheidenden Impulse unter Führung des David-Schülers François Gérard. Ab 1809 verbringt er mehrere Jahre in Italien, kommt 1812 erstmals, von König Max I. Joseph wohlwollend empfangen, nach München. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Wien, wo er - im Auftrag des bayerischen Königs - Kaiser Franz und die Kaiserin porträtiert, lässt er sich 1820 endgültig in München nieder. Unter Ludwig I. zum Hofmaler ernannt, wird er mit Aufträgen von Königen und Kaisern überhäuft. Weltberühmt sind aber auch seine Bildnisse herausragender Geistesgrößen und Künstler wie Ludwig van Beethoven 1819, Johann Wolfgang von Goethe 1828 und Alexander von Humboldt 1848, sowie die berühmte, zwischen 1827 und 1850 im Auftrag König Ludwigs I. geschaffene Schönheitengalerie in Schloss Nymphenburg, die ursprünglich 36 Bildnisse umfasste (das Porträt von Luise Freiin von Neubeck ist seit 1936 verschollen).
Als beinahe Siebzigjähriger geht Stieler mit dem vorliegenden Gemälde einen großen Schritt über sein bisheriges Schaffen hinaus. Das Bildnis seiner vierten Tochter aus erster Ehe „Ottilie Stieler mit dem Strohhut“ ist 1848 in der Münchner Kunstausstellung zu sehen. Stieler gerät damit erneut in den Brennpunkt der zeitgenössischen Kritik. Zurecht wird es in der künstlerischen Nachfolge berühmter Bildnisse gesehen, beginnend mit dem „Le Chapeau de Paille“ genannten Porträt der Helene Fourment von Peter Paul Rubens (National Gallery, London), dem darauf beruhendem Bildnis der Lavinia Countess Spencer von Josua Reynolds (Earl Spencer Althorp Collection, Northamptonshire), und dem um 1715 entstandenen „Mädchen mit einem Gemüsekorb“ von Antoine Pesne (heute in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung Schloss Schleißheim). In Aufzeichnungen der Enkelin Dora Stieler ist überliefert, dass Stieler das Bildnis im Sommer im Garten seines Hauses am Tegernsee, und nicht wie üblich in seinem Atelier, angefertigt hat. Im Gegensatz zu den eher kühlen, sehr klaren und linienbetonten Bildnissen früherer Jahre, die noch ganz der napoleonischen Porträtkunst verpflichtet waren, gibt der Maler hier seine hübsche Tochter atmosphärisch im strahlenden Gegenlicht der Sonne wieder, das schräg von rechts über ihren Rücken fällt und die rechte Schulter und beide Arme seitlich streift. Mit der linken Hand, die ein Spitzentuch hält, zieht sie sich die breite Krempe des Strohhutes ein wenig ins Gesicht, welches, wie der Oberkörper, ganz im Schatten liegt. Trotz des Schattens gelingt dem Maler durch Spitzen, Stickereien und zum Plissée geraffte Gewandfalten eine beeindruckende Stofflichkeit. Die früher so scharfen Konturen sind mit breitem Pinsel in fließendem Auftrag wesentlich weicher modelliert, die Umrisse beginnen beinahe zu flimmern. Bemerkenswerterweise verzichtet er auch in der überlieferten Kreidevorzeichnung (Graphische Sammlung München, Inv.Nr. 1918: 207. Vgl. Von Hase 1998, S. 143, Kat.Nr. 238, Abb.), die bereits die Idee der an die Hutkrempe fassenden Linken erfasst, ebenso auf klare Konturlinien. Überliefert ist, dass ein Windstoß das soeben vollendete Bildnis von der Staffelei wehte und das noch feuchte Porträt im Kies landete. Stieler hat es erst ein Jahr später von den Steinen befreit und die entsprechenden Stellen übermalt. Trotzdem wird es als eines der frühesten in der freien Natur entstandenen Bildnisse in der Folgezeit eines seiner bekanntesten Werke. Die Kunstanstalt Stengel in Dresden veröffentlichte das Gemälde Anfang des 20. Jahrhunderts als Ansichtskarte (Nr. 29987).

Provenienz: Aus dem Nachlass des Künstlers.
Seitdem in Familienbesitz.

Literatur: Verkaufsverzeichnis Joseph Stielers aus den Jahren 1818-1858, Nr. 229.
R. Marggraff: Nachruf, im: "Abendblatt" der "Neuen Münchner Zeitung" 1858, Nr. 149.
L. Schorn: Kunstblatt, Stuttgart und Tübingen 1848/59.
M. Sauerlandt: Der stille Garten, Leipzig 1911, Abb. S. 80.
R. Oldenbourg, H. Uhde-Bernays: Die Münchener Malerei im neunzehnten Jahrhundert, München 1922, S. 88.
K. A. v. Müller, Der Hofmaler Joseph Stieler, in: Unbekanntes Bayern, Bd. 3, München 1959, S. 189.
H. Bünemann: Von Runge bis Spitzweg (Die Blauen Bücher), Königstein/T. 1961, Abb. S. 44.
H. Schindler: Große Bayerische Kunstgeschichte, München 1963, S. 389.
Ulrike von Hase: Joseph Stieler 1781-1858. Sein Leben und sein Werk. Kritisches Verzeichnis der Werke, München 1998, S. 86 ff., S.143 f., Kat.Nr. 239 mit Abb.

Estimate
€ 35.000   (US$ 39.549)


Hammer Price
€ 74.000
(US$ 83.619)
(GBP 65.860)
(CHF 82.880)



» Paintings (15th to early 20th Cent.)
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