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Lot 579 Ptolemaeus, Claudius
Geographicae Ennarationis, Libri Octo.
Sold
579) » enlarge

In prachtvollem Altkolorit
Ptolemaeus, Claudius. Geographicae Enarationis, Libri Octo. Ex Bilibaldi Pirckeymheri tralatione, sed ad Graeca & prisca exemplaria à Michaele Villanovano (d. i. Servetus') secundň recogniti, & locis innumeris denuň castigati. 149 S., 1 Bl., 48 Bl. Mit großer kolorierter Holzschnitt-TVignette, 2019 (8 11-zeilige, 2000 6-zeilige und 11 3-4-zeilige) Metallschnitt-Initialen, 6 (2 ganzseitige) kolorierten Textholzschnitten und 50 (49 doppelblattgroße) kolorierte Holzschnittkarten (in Pag.). 40,5 x 28,5 cm. Halbleder d. 19. Jahrhunderts (Rückenleder teils etwas stärker berieben, leicht bestoßen) mit goldgeprägtem RTitel, RVergoldung, Blindprägung und goldenen Deckelfileten. (Vienne, Gaspar Trechsel, für) Lyon, Hugo a Porta, 1541.

STC 367. Adams P 2226. Phillips 366. Mortimer 450 Anm. Sabin 66485. Sanz 23 (auch S. 187). Alden-Landis 541/9. Baudrier XII. Shirley T.PTOL-7g. Stevens 49. Fulton, Servetus 10 (auch S. 32f.). – Die zweite Servetus-Ausgabe der "Geographicae enarrationis" in der Bearbeitung des spanischen Mediziners, humanistischen Gelehrten und Theologen Miguel Serveto y Reves (latinisiert zu Michael Servetus; 1511-1553), für dessen Brandmarkung als Ketzer sich vor allem Johannes Calvin eingesetzt hatte. Neben Medizin und Theologie hatte sich Servetus auch für Mathematik, Geographie und Astrologie interessiert, woraus die Kommentierung des großen Ptolemaeus-Atlas hervorging, die erstmals 1535 gedruckt wurde. Servetus war 1540, kurz vor der Drucklegung der vorliegenden Ausgabe als Leibarzt des Erzbischofs nach Vienne berufen worden, von wo aus er in einen Disput mit Calvin trat, der drohte, „sollte Servetus einmal nach Genf kommen, würde er nicht lebendig weggehen“ (Brief vom 26. Februar 1546 : "si venerit, modo valeat mea autoritas, vivum exire nunquam patiar"). 1553 wurde Servetus dann auf dem Scheiterhaufen verbrannt, zusammen mit zahlreichen Exemplaren des 'Ptolemaeus': "The part this book played in the condemnation of its editor, Servetus, has given it fame; and since many copies were burnt by order of Calvin, it has become rare" (Winsor 17).

"Eine besondere Leistung des Ptolemaios bestand darin, für die Darstellung einer Weltkarte eine neue Projektionsmethode beschaffen zu haben. Es ging dabei um das Problem, wie eine Kugeloberfläche sinnvoll auf eine Ebene übertragen werden kann. Ptolemaios erkannte die Schwächen der seit Eratosthenes (3. Jh. v. Chr.) geläufigen Zylinderprojektionen, nach welcher sein Vorläufer Marinos in einem rechtwinkligen Koordinatensystem die Orte eingetragen hatte und die bekanntlich mit zunehmendem Abstand vom Äquator zu grossen Verzerrungen führt. Demgegenüber propagiert er eine neue, höchst geniale Methode, welche die Proportionen der Kugeloberfläche ungleich viel wahrheitsgetreuer wiedergibt: die Kegelprojektion" (Alfred Stückelberger, Der geographische Atlas des Ptolemaios).

Die Holzschnitt-Karten stammen von den originalen Stöcken der Straßburger Ausgaben von 1522 und 1525. 27 der Karten sind 'ptolemäische', also in der Interpretation des spätantiken Autors sowie 23 dem Forschungsstand der Zeit angeglichene, neuere Karten, in die die Entdeckung Amerikas mit einbezogen wurde (vgl. Burden 4), "with account of Columbus on the back" (Sabin).

Das Ende des ersten 'ptolemäischen' Teils bildet die große Weltkarte (27), am Schluss (49 und 50) dann die beiden 'modernen' Weltkarten "Tabula nova totius orbis - Tabula orbis cum descriptione ventorum" (allesamt verso ohne Text). Wie üblich ist die Lothringen-Karte verso auf die "Tabula nova Provinciarum Rheni" gedruckt worden. Albrecht Dürers Entwurf der "Armillarsphäre mit dem bewohnten Erdkreis" (Meder 262) war die Vorlage für die ganzseititige Textabbildung, die erstmals 1525 erschienen war: "Die im 6. Kapitel des 7. Buches wiedergegebene Armillarsphäre ragt an Präzision der Darstellung heraus ... Sie zeigt, wie die humanistischen Kosmographen beim Studium des Ptolemäus konsequent auf eine Vervollkomnung der kugelförmigen Projektion der Erde hingeleitet wurden. Sie erweist sich so als nachträgliche Rechtfertigung der Dürer-Stabius-Weltkarte" (Schoch 275). – Titelblatt mit geringen Randläsuren (rundum sauber im Steg verstärkt), sonst kaum Risse oder Papierläsuren (wenige Knicke und Knautschungen, zwei Blätter, S. 147-150 mit winzigem alt hinterlegten Bugausriss, winziger Marginalverlust), wenige alte Falz- bzw. Bugverstärkungen, Karten teils wohl bei Bindung säurefrei angefaltzt, gelegentlich etwas stärker braunfleckig und gebräunt, doch nur vereinzelt gering fingerfleckig, Grünfarbe wie üblich leicht durchgeschlagen, teils auch überdeckend, aber völlig ohne Farbfraß, insgesamt ein bemerkenswert gutes, vollständiges Exemplar in ausgezeichneter zeitgenössischer Farbigkeit:

Die für die Zeit typischen leuchtenden Karmesinrot, Gelb, Altgrün und Orange- sowie Roséfarben sind überall kraftvoll und sorgsam aufgetragen, die umgebenden Koordinatenrahmen jeweils in rot-gelbem Wechsel, das Meer in laviertem Blaugrün, Flüsse in minutiösen Blaustrichen, Berge in Jagdgrün etc. Hübsch sind auch die zahlreichen kleinen figürlichen Vignetten, die in die Holzstöcke der Karten eingefügt wurden, mit Wappenschildern, Zeltlagern, Königen und Prinzen, wilden Tieren wie Bär, Elephant, Naßhorn, Rindvieh. Ferner dargestellt ist ein Schlachtfest bei den Menschenfressern, ein Homme sans tęte, eine indische Brautverbrennung, wilde Unholde und vieles mehr, die ebenfalls ganz im Stil der Mitte des 16. Jahrhunderts koloriert wurden.

Auf dem Kolophonblatt verso eine hübsche Bleistiftzeichnung nach dem Christo Giustiniani von Michelangelo sowie die Zeichnung eines Gesichts. Das Titelblatt unten mit einem großen Wappenexlibris in einer farbigen Gouachezeichnung: Zwei steigende Löwen halten ein vierteiliges Wappenschild mit drei Flügeln auf blauem Grund sowie zwei Flügeln auf wechselndem Gold- und Weißgrund, ferner ein Scherenband auf Roséfarbenem und ein gescheckter Windhund auf gelbem Grund.

Estimate
€ 22.000   (US$ 25.079)


Hammer Price
€ 90.000
(US$ 102.599)
(GBP 79.200)
(CHF 102.599)



» 16th Century
Lot 579 Ptolemaeus, Claudius
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