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Catalogue Manuscripts, Incunables, Theology » to the Book Department
Manuscripts, Incunables, Theology Catalogue Price EURO 15,00
Auction Date Tue Apr 17, 16:00 CET


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Lot 1029 Reiter, Bartholomäus
Wappenbuch mit 12 goldgehöhten farbigen Aquarel...
Sold
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Mit seltenen Originalgouachen des Münchner Malers Bartholomäus Reiter
Reiter, Bartholomäus. Wappenbuch mit 12 goldgehöhten farbigen Gouachen des bekannten Münchner Malers Bartholomäus Reiter (auch Reuter, Reitter, Reyter). Deutsche Handschrift auf Papier. Ca. 140 nn. Bl. Mit mit ca. 75 Eintragungen und 52 farbigen Wappendarstellungen und 12 ganzseitigen farbigen Aquarellen mit Gold und Silberhöhung (teils aufmontiert). 13,2 x 8,2 cm. Honiggelbes Pergament d. Z. (Gelenke leicht brüchig, eines offen, kleine Fehlstellen und Fleckchen, einstige Vergoldung abgerieben bzw. oxidiert, geglättet und neu aufgezogen, Vorsätze neu) mit reich punziertem dreiseitigen Goldschnitt. München, Süddeutschland und Italien 1568-1621.

Stamm- und Wappenbuch, "Album Amicorum" des begabten Münchner Malers Bartholomäus Reiter (1570-1622), der es mit zwölf meisterhaften Aquarellen bzw. Gouachen schmückte, die zu den wenigen erhaltenen des Malers gehören. Reiter gehört zur Münchner Schule der Renaiassancemaler um Hans Ostendrofer d. J.

Nagler berichtet über Reiter, der schon 1599 als Meister bekannt war: "Der Künstler war in diesem Jahre schon einer der Führer, und als solcher bei der Zunftprüfung. Hans Ostendorfer nahm ihn 1583 in die Lehre, und A. Henenberger sprach ihn 1598 frei, da Ostendorfer vor Ablauf der Lehrzeit gestorben war. Jetzt machte Reiter sein Probestück, welches in einem mythologischen Bilde bestand, und bald sass er in der Zunftstube auf der Meisterbank. Dieser Bartholomäus Reiter war einer der vürzüglichsten Münchner Künstler seiner Zeit, aber vergebens suchten wir nach einem seiner Gemälde; nur einige, und zwar sehr werthvole Blätter finden sich von ihm ... Der Meister starb 1622. Die Blätter dieses Künstlers sind im Allgemeinen ziemlich selten, besonders die guten Abdrücke", resümiert Nagler (Neues allgemeines Künstler-Lexicon Band XI, 41) und führt ganze 11 Positionen mit Kupferstichen bzw. Kupferstichzyklen auf, die allesamt entweder mit "BRF" (Bartholomäus Reiter Fecit) oder mit "BR" monogrammiert sind und deren allegorisch-mythische Themen den Gouachen in unserem Buch entsprechen. Die Gouachen im Einzelnen:

1) Schlacht von Salamis. Darstellung einer Antiken Seeschlacht mit historischen Galeren, vielfach bemannt mit exotischen Kämpfern (wohl den Karthagern) und antik gewandeten römischen Legionären. Zwei Schiffe im Vordergrund sind schon gesunken, im Hintergrund brennt ein weiteres, links ragen die stolzen Paläste Karthagos auf den Ausläufern des Atlasgebirges auf. Die phantasievollen Schiffe sind vielfach goldgehöht. Monogrammiert "BR".
2) Europa mit dem Stier. Die phönizische Königstochter Europa wird von dem sich in einen Stier verwandelten Göttervater Zeus von den Gestaden Sidons entführt. Im Hintergrund die Paläste Agenors und der Telephassa.
3) Die Häutung des Marsyas. Der in einer golden schimmernden Rüstung eines antiken römischen Legionärs gekleidete Gott Apollon mit grünem Lorberkranz und goldenem Strahlennimbus hat den überheblichen Verlierer des Sängerwettbewerbs, den Satyrn Marsyas, an den Baum der Kybele aufgehängt und häutet ihn, während sich links die als Schiedsrichter aufgerufenen Musen vor Grausen abwenden und sich rechts die Gruppe der beistehenden Satyrn wieder in Bäume und Büsche verwandeln.
4) Geißelung Christi auf dem Weg nach Golgatha. Die Hände auf den Rücken gebunden wird Jesus von den römischen Soldaten und von einer aufgebrachten, mit Weidenruten und Schlagstöcken bewaffneten Menge zur Kreuzigung getrieben. Links der Hauptmann auf einem Rappen, rechts ein weiterer Wachsoldat - und im Hintergrund die hohe Stadtmauer Jerusalems.
5) Antike Feuerprobe. Vor den Zelten hält ein Feldherr mit großem bunten Federharnisch sein Schwert mit dem Heft in die Flamme, die auf einem Dreifuß brennt, während ein weiterer Krieger links verwundet und sterbend zu Boden gesunken ist. Schilde und Spitzhelme deuten auf eine Szene der antiken Kämpfe zwischen dem Orient und dem Okzident.
6) Der Lacus Curtius auf dem Römische Forum. Während rechts eine Repoussoir-Figur warnend seine Hand erhebt, sprengt der Reiter Marcus Curtios in voller Rüstung und mit wehendem blauen Mantel und erhobenem Schwert auf seinem Schimmel in den sich der Legende nach um 362 v. Chr. auf dem Forum aufgetane Feuerschlud, um sich für die Republik zu opfern.
7) Antike mythologische Szene mit einem die Lyra oder eine große Harfe spielenden Gott auf einem Walfisch vor verblauender Berglandschaft mit einem Felsentor.
8) Hubertuslegende mit einem der sieben Nothelfer, dem Heiligen Hubertus, der der Überlieferung nach auf der Jagd auf einen mächtigen Hirsch traf, der im Geweih ein goldenes Kruzifix trug. Der so zum Christentum bekehrte Hubertus kniet in einer grünen Waldlandschaft vor den beiden edlen und kostbar geschirrten Rössern. Vor ihm der stolze Hirsch, im Hintergrund eine Stadtlandschaft.
9) Der Raub der Sabinerinnen. Die jungen Römer rauben die jungen Mädchen der Sabiner, nachdem Romulus 753 die Stadt gegründet hatte. In der Mitte ein Römer in Rückenansicht, der eine junge Frau mit wehenden Haaren entführt, während ein Sabiner mit phrygischer Mütze und Krummsäbel von rechts zur Hilfe eilt. Im Hintergrund einige römische Bauten, in denen man die Cestius-Pyramide, die Aurelianische Stadtmauer, das Pantheon oder einen anderen Zentralbau etc. erkennen kann. Monogrammiert "B.R.F".
10) Apoll und Daphne. Vor dem Hintergrund einer weiten Seenlandschaft mit großartiger Phantasiearchitektur verfolgt der Gott Apollon mit wehendem roten Mantel die Bergnymphe Daphne, die sich auf ihr flehentliches Bitten zu ihrem Gottvater Peneios in einen Lorbeerbaum verwandelt.
11) Der Tod der Lucretia, dargestellt in einer großen Halle mit Biforium: Betrauert und beweint sinkt Lucretia nieder, nachdem sie sich den Dolch in die rechte Brust gerammt hat, um der Schande zu entgehen, die ihr die Vergewaltigung des Tarquinius gebracht hatte. Diese Szene wird synoptisch rechts in klein dargesellt.
12) Caritas Romana. Die junge, hübsche Pero mit goldenem Haarputz nährt im Gefängnis heimlich ihren Vater Cimon mit ihrer Brust, um ihn vor seinem Todesurteil durch Aushungern zu bewahren. Einzig dieses Blatt ist kleiner im Format (9,4 x 7,2 cm) - und wurde in das Büchlein einmontiert.

Die preziöse Malweise Reiters ist in leuchtenden Farben und immer wieder mit feinsten Gold- (an Rüstungen, Harnischen, den Schiffsbalken) und Silberhöhungen (an den Wolkenbändern, Schilden etc.) besonders fein und miniaturistenhaft ausgeführt. Fast ohne gravierende Gebrauchsspuren, nur in Bild 7 eine kleiner Farbabrieb unten links, sonst kaum Läsuren oder Flecke. Zum Künstler vergleiche auch Wilhelm Schmidt "Reiter, Bartholomäus", in: Allgemeine Deutsche Biographie XXVIII (1889), S. 159. Von den Wappenmalereien stammen wohl viel auch aus der Hand Bartholomäus' Reiters, wie es minutiöse Textur, die Linienvirtuosität, das Kolorit und die Gold- und Silberhöhungen nahelegen.

Einige der Wappen und hs. Einträge sind teils auf die leeren Blätter montiert, auch wurde das Buch wohl durch einige feine handgemalte Wappen aus anderen Stammbüchern ergänzt. Die ausgeschnittenen und montierten Eintragungselemente und bildlichen Darstellung legen die Vermutung nahe, dass hier verschiedene Stammbücher mit wenigen vorhandenen Eintragungen zur Rekonstruktion eines Stammbuchs (tirolischer Provenienz) herangezogen wurde. Möglicherweise handelt es sich hier aber auch um eine Zusammenstellung von Stammbüchern eng zusammenhängender Provenienz.
Mehrere Eintragungen lassen einen Zusammenhang mit der Familie Wolkenstein-Trostburg vermuten. Eine Eintragung aus dem Jahre 1584 nennt als Stammbuchhalter explizit Engelhard Dietrich Freiherrn v. Wolkenstein (1566 - 1647): "Haec illustri ac generoso d(omi) no Engelhardo Theoderico Baroni in Wolkenstain in sui memoriam scripsit Georgius Villingen Baro in Schönenberg die 27 Aprilis Anno ut sup(ra)". Folgende Eintragungen liegen u. a. vor: Wappen des Christoph Freiherrn v. Spaur, (Bischof von Gurk); Wenzel Berka v. Duba, Philipp Freiherr v. Spaur, Darstellung einer Seeschlacht, Johann Jakob Freiherr v. Lamberg, Ludwig v. Mollart, Jakob Freiherr v. Fugger, Konrad Vintler v. Platsch, Anton Freiherr v. Spaur, Gaudenz Freiherr v. Madruzzo, Oberst v. Urschenbeck, Johann Meltzer, N. N. v. Mollart, Ulrich Desiderius Proskowsky v. Proskau, Heinrich und Froben Grafen Truchsess von Waldburg, Christoph und Johannes Freiherr v. Wolkenstein-Rodenegg (ohne Wappen), Hans Kaspar und Helena Kässler v. Boymont, Anna v. Welsperg, geb. v. Vintler (ohne Wappen), Wappen der Freiherren Wolkenstein-Rodenegg, Ladislaus Freiherr v. Törring, Graf Wolfgang von Montfort, Georg Villingen Freiherr v. Schönenberg (s. o.), Hans Morenberg d. J., Hl. Hubertus (Eustachius?), Markus Sittikus Freiherr v. Wolkenstein-Trostburg, Hans Christoph v. Schaffgotsch, Johannes v. Thun, Freiherr Nikolaus v. Firmian, Wappen der Grafen Trautson, Karl Gaudenz Freiherr v. Madruzzo; Wappen der Herren v. Rehlingen, Christoph Franz v. Wolkenstein-Trostburg, Jakob Philipp v. Mörl u.v.a. – Wenige Blätter im Bund etwas locker und im Schnitt leicht ausgebunden. Hier und da etwas fleckig, jedoch kaum mit Papierläsuren. Insgesamt sehr schön erhalten und eine überaus reiche Quelle für die historische Forschung zu den Geschlechtern der Renaissance und ihrer Wappen - ebenso wie für die kunsthistorische Forschung zu Bartholomäus Reiter. Exlibris Walter Amoun.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.799)


Hammer Price
€ 10.000
(US$ 11.500)
(GBP 9.000)
(CHF 11.399)


Lot 1029 Reiter, Bartholomäus
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