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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Valuable Books Catalogue Price EURO 15,00
Auction Date Tue Apr 7, 15:00 CET


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Main Image Description Status
Taschenantiphonale
Lateinische Handschrift auf Pergament.

Lot 1011

Taschenantiphonale. Antiphonarium Romanum. Lateinische Handschrift auf Pergament. 105 nn. Bl. Antiqua romana in Rot und Schwarz mit romanischer Quadratnotation auf 4-linigem rotem System, Antiqua-Initialen in Rot und Blau, mit Kapitelüberschriften in goldenen Versalien. Prinzipal- und Versoseiten regliert in Rot bzw. in Gold. Schriftraum 19,2 x 12,2 cm. Format 26,2 x 20 cm. Weinrotes geglättetes Maroquin d. Z. (Rücken brüchig mit kleinen Bezugsfehlstellen, Eck- und Kantenverlusten, beschabt, bestoßen und ohne die Schließbügel - älter, sehr fachmännisch restauriert bzw. neu aufgebunden unter Aufkaschierung des originalen Materials) mit goldgeprägtem Rücken und Filetenvergoldung auf den Deckeln in zwei umeinander gelegten Bordürerahmen aus jeweils drei feinsten Goldfileten mit vier arabesken Eckfleurons (nur minimal abgerieben). Frankreich um 1690.

Kleines Quart-Antiphonale zum Gebrauch eines Priesters während der heiligen Messe. Im Gegensatz zu den üblichen liturgischen Büchern, die im Folio- oder Imperialformat angefertigt wurden und auf die monumentalen Pulte im Zentrum der Chöre spätmittelalterlicher Kirchen zur allseitigen Sichtbarkeit für die gemeinsamen Gesänge ausgelegt wurden, handelt es sich hier um ein "mobiles" bzw. "Taschenantiphonale", das der Priester nach dem Lesen der Messe und den Wechselgesängen des Kirchenjahres wieder mitnehmen und einschließen - bzw. auch in Ledertaschen mit auf Reisen nehmen konnte. Das erklärt einerseits die verhältnismäßig kostbare, wiewohl schlichte, sachliche Aufmachung, andererseits aber auch die gute Erhaltung, in der sich das Antiphonale befindet.
Die übliche Gliederung fängt mit der "DOMINICA PRIMA ADVENTUS", dem Responsorium für den ersten Adventssonntag an, wobei in roter Kursivschrift immer die genauen Anweisungen an den die Messe feiernden Priester gegeben werden, beispielsweise fängt der Vorsänger ("Dominus Cantor") auf der Kanzel ("an seinem Ort") mit dem ersten Wechselgesang an ("incipit primum responsorium"), die Gemeinde singt: "Aspiciens" ("Sehend"), worauf der Priester singt: "Die ihr Erstgeborene seid, ihr Söhne der Menschen, alle zusammen, reich oder arm...".
"D. Cantor in suo loco incipit Primum Responsor. ut sequitur. 'Aspiciens'. Postea annuit Antiquioribus Canon Secund & Tertium Vers. deinde in suo loco cant. Primum. 'Quique terrigenae & filii hominum simul in unum dives & pauper".
Es folgen (jeweils mit prächtigen Überschriften in Goldlettern): "In festo, conceptionis, B. V. Mariae", "In vigilia nativitatis Domini", daraufhin zum Fest des Heiligen Stephanus, in wechselnd rot und blauen Versalien dann "In epiphania domini", "In festo purificationis", "In festo annunciationis Beatae Mariae Virginis" und so weiter, bis schließlich die Gesänge zu Omnisancti und zur Totenmesse das Antiphonale beschließen: "In festo Ominium Sanctorum" und "In commemoratione Defunctorum" (hier hat sich der sonst sehr exakte, sehr geschickte und sauber arbeitende Schreiber einmal verschrieben. Die erste Überschrift liest sich: "In Commemoratioratione (sic) Defunct." – Wenige Goldbuchstaben etwas abgerieben, sonst ist die Schrift durchgehend in guter, kraftvoller roter und schwarzer Tinte auf das bemerkenswert feste, saubere und fast knorpelfreie teure Pergament gesetzt und bestens erhalten, kaum Fingerflecke oder Gebrauchspuren.

Estimate
€ 1.200   (US$ 1.380)


Seebach, Johann Wilhelm von
und Handlung einer neu erfundenen Bombarde

Lot 1012

Eine "Bombarde" für Zarin Elisabeth I.
Seebach, Johann Wilhelm von. "Beschreib und Handlung einer neu erfundenen Bombarde. Der man sich im Kriege bey allen vorkommenden Entreprisen zu Waßer und Lande mit Nutzen und Vortheil gebrauchen kan. Durch behörige Figuren und beygefügte Erklährungen deutlich vorgestellet". Deutsche Handschrift auf Papier. 10 (2 w.) nn. Bl. mit hs. Text. Mit Titel in Sepia-Kalligraphie in großer radierter Rahmenbordüre, hs. Widmungsblatt in Federkunst-Kalligraphie mit gezeichneter Adler-Vignette und 53 Bl. Tafeln mit Federzeichnungen von Soldaten mit Waffen sowie 52 Bl. mit hs. Titeln und Erklärungen. 37 x 24,6 cm. Dunkelbraunes Kalbsleder d. Z. (brüchig, mit Läsuren, Bezug teils nur als Fragment erhalten, restauriert und komplett neu aufgezogen) über schweren Holzdeckeln mit Resten von RVergoldung und goldgeprägter Deckelbordüre. Gotha, den 10. Augusti 1746.

Der Zarin Elisabeth I. (1709-1762) gewidmetes handschriftliches Exemplar eines reich illustrierten Traktats zur Vorstellung einer neuen Schusswaffe, einer "Bombarde", mit der die Ausrüstung der Kaiserlich Russischen Armee erheblich verbessert werden sollte. Autor ist der Artilleriegeneralmajor und Oberst Johann Wilhelm von Seebach (1678-1757) aus dem Herzogtum Sachsen-Gotha und Sachsen-Altenburg, der zum Kommandanten von Gotha und Schloss Friedenstein befördert worden war.

Bei dem Manuskript handelt es sich um eine in wohl mehreren Abschriften hergestellte Werbungsschrift für seine Erfindung, die an mehrere Potentaten geschickt werden sollte. Zumindest ist uns ein weiteres Exemplar (in ähnlicher Aufmachung und nahezu exakt gleichem Umfang) bekannt, das der niederländischen Armee zugedacht, jüngst für 15.000 Euro verkauft werden konnte.

Unser Exemplar ist der Zarin Elisabeth I. persönlich vom Autor gewidmet: "Der Allerdurchlauchtigsten Großmächtigsten Czaarin und Großen Frauen Elisabeth Petrowna Kayserin des Großen und Kleinen Reußlandes Aller Reußen selbst Erhalterin ec. ec. Meiner Allergnädigsten Kayerin Czaarin und Großen Frauen" (darüber das gekrönte Zarenwappen mit dem doppelköpfigen Adler; Fol. 2).

Nach diesem kalligraphischen Widmungsblatt folgt die ausführliche Ansprache an die Kaiserin (Fol. 3-5; mit Spatium, in das wohl noch eine Wappenmalerei o. ä. eingemalt werden konnte). Der handschriftliche deutsche Text in schwarzer Feder endet: "Ew. Kayserl. Maj. wollen gegenwärtiges Buch sich nur allerunterthänigst zu Füßen gelegt seyn laßen, worinnen durch Figuren die Handhabung mit obgedachten Gewehr vorgestellet, und die Übung in demselben sichtbar gemacht worden. Weder die Hand des Künstlers soll dabey von einiger Würkung seyn, noch der Nutzen obgedachter Maschine dadurch in einiges Licht gesetzt werden, hingegen hat dadurch einigen Schwürigkeiten abgeholfen werden sollen, welche wider der Bombarde und deren Einführung gemacht werden können, ich aber suche nur mein Verlangen zu befriedigen, Ew. Kayserl. Maj. meine allerunterthänigste Ehrfurcht zu gezeigen: und einer Monarchin meine neuerfundene Waffen zu widmen, welche durch die Gewichtigkeit ihrer Handlungen … durch die Mäßigkait ihrer Absichten durch eine eine mehr als mütterliche Liebe gegen Länder und Unterthanen zu dann Künsten und Wißenschaften und endlich durch die ansehnlichste Macht zu Waßer und zu Lande zu einer Beschützerin der Freyheit von Europa, und einer Bewunderung der Welt gemacht hat …"

Eigenhändig von dem Autor unterschrieben (Fol. 5r): "Gotha d. 10. Augusti 1746 - aller unterthänigster Knecht Johann Wilhelm Von Seebach. General Mayor u. Oberst d’artillerie". Es folgt eine ausführliche "Weise Kriege zu führen" mit einer Anleitung, wie die "Bombarde" zu führen und zu bedienen sei. (Fol. 7r-9v) sodann 52 nummerierte Figuren in schwarzer, brauner und schwarzbrauner Federzeichnung, jeweils mit einem vorgeschalteten Beschreibungsblatt, auf dem verso in brauner Sepiatinte Anleitungen zum Exerzieren, Kommandieren, Salutieren mit der Waffe gegeben werden: "Das Gewehr Hoch. Der Soldat beginnt mit beyden Händen das Gewehr hoch wie bey dem ersten Tempo, wie die Figur No. 11 zeiget" etc.

Bei der "Bombarde" handelt es sich um eine Art Vorderlader-Trichtergewehr, die beim Schießen mit der Pike (Hellebarde) gestützt wird, wie es etwa schon im Jahre 1729 von dem Gothaer Hofbüchsenmacher Tobias Gräfenstein erfunden wurde (vgl. seine Modelle in der Dresdener Rüstkammer unter Inv. Nr. G 1570), der eine ähnliche "Bombarde", eine Art Granatwerfer entwickelt hatte. Die hübschen, meist wohl von einer Hand stammenden Illustrationen zeigen jeweils eine Figur, einen Grenadier beim Gebrauch der Waffe, woran die fachgerechte Verwendung eingeübt werden soll. Allerdings geht es bei den Darstellungen sichtlich auch mehr um die dekorative Qualität als um eine reine Gebrauchsanleitung - was ebenfalls für den Charakter der Schrift als Werbung für den Erwerb der Waffe spricht. – Vorhanden sind 53 Darstellungen (1-52, 47 doppelt vergeben) mit 52 Erklärblättern. Einst stärker lädiertes, braun-, stock-, spor-, feucht- und wasserfleckiges Exemplar, das komplett restauriert, gewaschen, ergänzt und neu aufgebunden wurde (unter Verwendung neuen Vorsatzpapiers etc.). So sind viele Blätter mit Fehlstellen, Ausrissen etc. teils ergänzt, angesetzt, teils auch angefasert, was zu einem insgesamt erstaunlich gutem Resultat geführt hat. Die Schriftteile sind nahezu komplett erhalten und gut lesbar, ebenso sind die Darstellungen fast durchgehend gut sichtbar und in guter Erhaltung, strichsicher und konstrastreich. Interessantes Forschungsmaterial für die Militärgeschichte Deutschlands im 18. Jahrhundert.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.799)


Memento mori
2 spätbarocke Gouachen auf Pergament + 1 auf Pa...

Lot 1013

Mit dem Partezettel der Äbtissen des Klosters du Verger in Cambrai
Memento mori. 2 spätbarocke Gouachen mit sepulkralen Stilleben und Text auf Pergament. Gouachefarben und mit Chrysographie. Ca. 18,5 x 23 cm. Fest montiert auf flexiblem Karton. Frankreich um 1790.

Eindrucksvolle, recht großformatige Memento-mori-Tafeln. Die beiden Quertafeln dienten wohl als Bilder der persönlichen Andacht, möglicherweise in einer Privatkapelle oder einem Andachtsörtchen. Die erste, "Pensez y bien" zeigt einen großen Totenschädel auf einem Altartisch mit heruntergebrannter Kerze und Sanduhr, darunter der Text "Apprenez de la Mort à mépriser la Vie; Comme elle est un faux bien, la mort n'est pas un mal: Vous devez même aimer son affreuse Copie, Puisque vous en ferez un jour l'Original". Der Text ist mit Blattgold gehöht, wie auch das andere Blatt, das wohl von demselben Künstler stammt:

"Quittez tout ce qui se passe, & ne cherchez que ce qui est Eternel. - St. August." Auf einem massiven Altartisch aus rotem Marmor mit aufragender Säule sind zahlreiche Gegenstände vor einem schweren grünen Vorhang drapiert:, darunter Blumen, eine Sanduhr, ein Totenschädel, eine Glaskugel und eine Uhr. Alles symbolisiert die Vergänglichkeit des menschlichen Strebens, des Geistes und der Schönheit des Lebens wie Kunst, Literatur und Musik. So finden sich auch zwei Saiteninstrumente, ein Notenblatt, ein Buch, eine Theatermaske, eine Malerpalette und ein Blatt mit einer lustigen Kopfstudie.

"Foible Condition, misérable Nature, / Tu n'es que Vanité, que Vent, que Pourriture, / Tu n'as rien d'assuré dans ce bas élément"; / Tes molles voluptez, & tes trésors sans nombre / Coulent ainsi que l'air, & passent comme une ombre, / Et tu finis plûtot, que ne fait un moment". – Nur gering angestaubt oder fleckig, etwas geworfen. – Beiliegt: Partezettel. 1 weitere Gouache mit Memento-mori-Motiven und Text. Farbige Gouache und Aquarell auf Papier. Ca. 19,2 x 15,2 cm. Frankreich 1791. - Hübsch mit Totenkopf und zwei Wappen geschmückter Partezettel für die 94 Jahre alt gewordene Äbtissin des Zisterzienserklosters Notre-Dame du Verger in der Diözese Cambrai, Victoire Lansiarre (auch Lanciarre oder Lansiarre; 1697-1791): "L'an 1791 le 3 de mars est décédée munie des Sacrémens de l'Eglise la respectable Dame, madame Victoire Lanfiarre Abbesse du Verger l'espace de 37 ans; dans la quatre vint-dix-neuf années de son age, & la Soixante-Seize de Sa Profession religieuse. Requiescat in pace".

Estimate
€ 500   (US$ 575)


Castelli, Bartolomeo
Christi Kreuztragung. Bildnisminiatur in Gouach...

Lot 1014

Castelli, Bartolomeo (?). - Christi Kreuztragung. Bildnisminiatur in Gouachefarben auf Karton. 23 x 18 cm. Montiert auf Eichenholzplatte. Italien um 1840.

Christi Kreuztragung auf dem Weg nach Golgatha, wohl entsprechend der 9. Kreuzwegstation. Das schwere Holzkreuz auf der linken Schulter, getrieben von den Soldaten und Landsknechten, bricht Jesus zum dritten Mal unter der schweren Last zusammen. Die Turba der Soldaten ist hier als bunte Menge von Landsknechten dargestellt, die ihm mit der Hilfe des Hauptmanns, hier mit Helm, das Kreuz wieder auf die Schultern setzt, während sich Christus mit der Rechten auf einen runden Stein stützt. Links flankieren zwei minutiös gemalte Bäume die Szene, hinter der sich ein weiter bergiger Hintergrund öffnet. Rechts am Horizont sieht man eine wild gestikulierende Menge.
Das Blatt ist unten links auf dem Stein signiert "B. Castelli" (Bartolomeo Castelli?). – Oben links mit stärkeren Läsuren durch Wurmfraß, sonst nur leichter Farbabrieb, etwas beschabt und berieben, sehr dekoratives Blatt ganz im Stile der Nazarener.

Estimate
€ 300   (US$ 345)


Abraham mit Isaak
Auf dem Weg zum Brandopfer. Miniaturmalerei in ...

Lot 1015

Abraham mit Isaak auf dem Weg zum Brandopfer. Miniaturmalerei in Gouachefarben auf Karton, unten bezeichnet: "genes. XXII, v.s.". Ca. 14,6 x 20 cm. Mit weinrotem Samtpassepartout unter Glas in vergoldeter Holzleiste gerahmt. Deutschland um 1820.

Hervorragende, von einem reifen Künstler sowohl im Bildvorwurf wie in der minutiösen Ausführung kongenial ausgeführte Bildnisminiatur, die den wohl schwersten Gang der ganzen biblischen Geschichte illustriert: Abraham lädt seinem geliebten Sohne Isaak das Feuerholz auf die Schultern, um diesen auf dem Brandaltare dem gestrengen, ihn auf die Probe stellenden Gott zu opfern. Im Vordergrund links die beiden Knechte mit dem Esel und rechts, in den Mittelgrund schreitend Abraham, der seinen, mit einem schweren Holzstoß beladenen Sohn Isaak nach dem Opferaltar vor sich hertreibt, wie es in der Genesis heißt:

"Nach diesen Geschichten versuchte Gott Abraham und sprach zu ihm: Abraham! Und er antwortete: Hier bin ich. Und er sprach: Nimm Isaak, deinen einzigen Sohn, den du lieb hast, und geh hin in das Land Morija und opfere ihn dort zum Brandopfer auf einem Berge, den ich dir sagen werde. Da stand Abraham früh am Morgen auf und gürtete seinen Esel und nahm mit sich zwei Knechte und seinen Sohn Isaak und spaltete Holz zum Brandopfer, machte sich auf und ging hin an den Ort, von dem ihm Gott gesagt hatte. Am dritten Tage hob Abraham seine Augen auf und sah die Stätte von ferne.
Und Abraham sprach zu seinen Knechten: Bleibt ihr hier mit dem Esel. Ich und der Knabe wollen dorthin gehen, und wenn wir angebetet haben, wollen wir wieder zu euch kommen. Und Abraham nahm das Holz zum Brandopfer und legte es auf seinen Sohn Isaak. Er aber nahm das Feuer und das Messer in seine Hand; und gingen die beiden miteinander. Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham: Mein Vater! Abraham antwortete: Hier bin ich, mein Sohn. Und er sprach: Siehe, hier ist Feuer und Holz; wo ist aber das Schaf zum Brandopfer? Abraham antwortete: Mein Sohn, Gott wird sich ersehen ein Schaf zum Brandopfer. Und gingen die beiden miteinander" (1. Mose, Kapitel 23). – Kaum Oberflächenläsuren, alles in leuchtenden Gouachefarben und in mehreren Schichten höchst fein aufgetragen.

Estimate
€ 240   (US$ 276)


Dieter, Friedrich Wilhelm
Tage-Buch 1815

Lot 1016

"Tage-Buch für Friedrich Wilhelm Dieter Neu-Ruppin den 27ten Aprill 1815." Deutsche Handschrift auf Papier. 22 Bl. 16,5 x 10 cm. Ohne Einband, Fadenheftung. 1815.

Tagebuch eines einfachen, vielleicht auch einen unteren Offiziersrang innehabenden Soldaten aus den letzten Monaten der Napoleonischen Kriege. Das Tagebuch ist von bleierner Monotonie gekennzeichnet und ist höchstwahrscheinlich im Nachhinein als Erinnerungsstütze verfasst worden. In sauberer, gut leserlicher Handschrift werden die einzelnen Stationen des Marschs nach Frankreich festgehalten, meistens in der Form: Datum, "marschieren wir nach ...". Die "Truppenbewegung" beginnt in Ruppin am 28. April 1815 und führt über Gardelegen, Hildesheim, Hameln, Paderborn nach Köln, Aachen, Lüttich bis Namur. Bei Charleroi kommt es am 16. Juni zur Begegnung mit den Franzosen ("und haben uns mit ihnen bis Abends 9-10 Uhr geschlagen"), kurz darauf erneut bei Waver. Über zahlreiche Stationen gelangt Dieter schließlich bis nach Jouy. Am 29. September ist er "in Dienstgeschäften in Paris", ein Hinweis, dass Dieter doch eine übergeordnete militärische Funktion innehatte, an der Marne entlang geht es schließlich Ende Oktober zurück in die Heimat, über Metz, Forbach, Spichern, schließlich nach Saarbrücken, Kaiserslautern, Groß Gerau, Hanau, Schlitz, Eisenach (mit Besichtigung der Wartburg), Weimar, Oßmannstedt (mit Besuch des Grabes von Wieland), Naumburg, Halle, Gräfenhainichen, Brandenburg nach Neu-Ruppin, wo Dieter am 4. Januar 1816 eintrifft. Am 18. Januar hält er sich in Wittstock zur Feier des Friedensfestes auf. Damit endet das Tagebuch. – Gebräunt und fleckig.

Estimate
€ 150   (US$ 172)


Persischer Bucheinband
mit Malereien auf Goldgrund

Lot 1017

Persischer illuminierter Bucheinband. Einbanddecke einer persischen Handschrift mit Lederrücken und zwei Pappdeckeln in Polsterwölbung mit vergoldetem Grund und höfischen Szenen aus dem Firdousi. 20 x 28 cm. Persien um 1800.

Seltenes Beispiel eines hübsch verzierten Bucheinbandes mit persischen Miniaturen. Die beiden festen Pappdeckel sind zur Mitte hin leicht gewölbt, verso schwarz lackiert und mit einem flexiblen dunkelbraunen Kalbslederstück als Rücken verbunden. Beide Deckel sind mit warmen, rotgelb schimmernden Pinselgold grundiert und mit ornamentalen Miniaturen in Lackfarben bemalt. Auf beiden Deckeln findet sich jeweils eine höfische Szene, wie sie hundertfach etwa im persischen Nationalepos, dem "Schahname" des Firdousi beschrieben werden.
In einer phantasievollen, ornamentalen Baldachin-Architektur, die den Blick auf einen mit hohen Blumen bepflanzten Garten freigibt, erscheint jeweils ein Herrscherpaar in vertrautem Stelldichein, begleitet von Musikern, die einen Tamburin und ein Saiteninstrument spielen. In den durch kleine Balustraden abgetrennten Feldern unten finden dazu künstlerische Darbietungen, wohl Tänze und ähnliches statt.
Der persische Dichter Abu l-Qasim Firdausi (940-1020) schuf mit seinem monumentalen, etwa 60.000 Verse umfassenden Epos "Schahname", dem "Buch der Könige", das Nationalepos der persischsprachigen Welt und damit das weltgrößte Epos eines Einzeldichters überhaupt. Es wurde - und wird - in zahlreichen Handschriften und Drucken überliefert. Die einzelnen Szenen boten eine unendliche Möglichkeit zur Illustration. – Rücken etwas knittrig, Deckel stellenweise gering abgerieben und Lackauftrag vereinzelt leicht brüchig, insgesamt aber nahezu ohne Bildverlust. Leicht gebräunt bzw. etwas gedunkelt, mit wirkungsvoller Patina. Die Decke kann einen hier nicht mehr vorhandenen Buchblock von ca. 18,5 x 12,5 x 1,8 cm tragen. Persische Bucheinbände dieser Qualität sind höchst selten zu finden.

Estimate
€ 500   (US$ 575)


Äthiopisches Gebetbuch
Ge'ez Handschrift auf Pergament. Um 1840

Lot 1018

Äthiopisches Liturgie- und Gebetbuch. Ge’ez-Handschrift auf Pergament. 145 Bl. 19 Zeilen. Text in Schwarz und Rot. 18,5 x 16,5 cm. Holzdeckelband d. Z. (Rückdeckel gebrochen mit 3 Hanfschnurbindungen) mit Lederrücken (mit Rissen, Naht, kleinen Fehlstellen und Läsuren, beschabt). Äthiopien Mitte 19. Jahrhundert.

Nordafrikanisches Liturgie- und Gebetbuch mit Bibeltexten, Gesängen und Gebeten, aber auch einigen Beschwörungsformeln etc. Reine Texthandschrift in hellroter und schwarzer Tinte auf grobgegerbtem Kalbspergament mit Ritzlinien und 19 Zeilen. Die Ge’ez Schrift sehr sauber und ordentlich. – Die ersten beiden Vorsatzblätter auf Pergament minderer Qualität mit Knorpellöchern und späteren Einträgen in Ge'ez von mindestens 2 unterschiedlichen Händen (fein um die Löcher herumgeschrieben). Teils mit stärkeren Gebrauchsspuren, die ersten Lagen mit Randausbrüchen, Randläsuren, Ein- und Ausbrüchen, mehrere Risse im unteren Rand teils hinterlegt, mit Pergament und Hanfschnurlitzen geflickt und zusammengehalten, ein sehr interessantes Beispiel pragmatischer Restaurierung für eine Gebrauchshandschrift des 19. Jahrhunderts. Einige Blätter teils stärker gebräunt und fleckig, das letzte Blatt stärker angeschmutzt (mit kleinem Textverlust). Der zeitgenössische Einband ebenfalls mit interessanten Restaurierungen. Wenige modernere Einträge in blauer Tinte.

Estimate
€ 280   (US$ 322)


Thora-Rolle
Ashkenasische Quadratschrift. Um 1890

Lot 1019

[*] Thora-Rolle. Aschkenasische Quadratschrift in schwarzbrauner Tinte auf Pergament zu 52-54 Zeilen pro Spalte. 32 x 1600 cm. Auf 40 aneinandergenähten Pergament-Stücken und aufgerollt auf lädierte Holzspindel (ohne Köpfe, mit Splitterung). Wohl Osteuropa um 1880.

Vollständige Thora auf 40 unterschiedlich großen aneinandergenähten Pergamentsegmenten, die ausgerollt eine Länge von 16 m zu 32 cm Höhe ergibt. Vorhanden ist der gesamte Tanach, die hebräische Bibel, die aus fünf Büchern besteht, weshalb sie im Judentum auch "chamischa chumsche tora" ("Die fünf Fünftel der Tora") genannt wird. Entsprechend den deutschen christlichen Bibelübersetzungen handelt es sich dabei um die fünf Bücher Mose, den "Pentateuch". – Mit einigen alten Lochergänzungen im Pergament, teils etwas wellig, mit Knicken, Knickspuren, nur leichten Feuchträndern und wenigen Gebrauchsspuren, der Text fast durchgehend sehr gut erhalten, kontrastreich und kaum berieben. Ein entweihtes, aber sehr dekoratives, in seiner immensen Länge eindrucksvolles Beispiel jüdischer Frömmigkeit, das nicht nur wegen der üppigen Materialität (eine ganze Herde Kälber wird für das Pergament das Leben gelassen haben) bemerkenswert ist.

Estimate
€ 800   (US$ 919)


Biblia aethiopica
Ge'ez Handschrift auf Pergament. Um 1840

Lot 1020

Biblia aethiopica. Äthiopischer Codex mit Evangelientexten. Ge'ez-Handschrift auf Pergament. 138 (statt ?) nn. Bl. 2 Spalten. 19-23 Zeilen. Text in Schwarz und Rot. Schriftraum 11,8 x 8,5 cm. Format ca. 17 x 11 cm. Mit ganzseitiger Kreuzigungs-Miniatur. Holzdeckelband d. Z. (Rückdeckel alt gesprungen und mit Hanfschnüren durch Löcher fixiert, ohne Bezug) in zugehörigem zweiteiligen Lederfutteral-Schuber mit breitem Lederriemen). Äthiopien Ende des 19. Jahrhunderts.

Texte der Evangelien des Neuen Testaments in ordentlichem, gut lesbaren Ge'ez-Duktus in schwarzer und roter Tinte auch Pergament. Bewahrt in einem zweiteiligen Futteralschuber, dessen beide Teile mittels eines durch Schlitze in dem über die Seiten gezogenen aufgenähten Bodenleder-Ledergurts zusammengehalten werden. Das innere Futteral schmiegt sich der Handschrift perfekt an, kann oben mit zwei Flankenlaschen und einer langen Klapplasche geschlossen werden und an dem seitlichen Lederriemen in das äußere Futteral geschoben werden. Somit wurde das Buch vor allem Unbill der Steppe und den Fährnissen des Lebens der Wüstenbewohner geschützt. Der Riemen diente gleichzeitig zur Befestigung am Sattelknauf oder an dem Gürtel des Beduinengewandes (der Riemen ist vollständig erhalten und oben vernäht). Zu den Handschriften vgl. E. Hammerschmidt, Illuminierte Handschriften der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz, Graz 1977, S. 19.

Die Pergamentseiten der Handschrift sind durchgehend regliert: zunächst wurden die Zeilen durch kleine Nadelstiche am äußeren Rand vorgegeben, wobei man beim Durchstich gleich mehrere Bögen bearbeiten konnte. Sodann wurden die Linien mit einem Falzbeil gezogen. Bei den Texten handelt es sich wohl um Teile der Evangelien Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Die Incipits, Nomina sacra, Überschriften und wichtige Passagen wurden mit roter Tinte eingesetzt.

Bemerkenswert hübsch ist die ganzseitige bis zu den Rändern eingemalte Kreuzigungsminiatur eines recht begabten Künstlers, der die Physiognomien Christi, der Maria und des Johannes eindrucksvoll inszenierte, wobei die beiden letzteren als Pleurants Tränenstriche unter den Augen haben. – Bindung gelöst, einige Lagen lose, möglicherweise fehlen auch Blätter. Mit mehreren späteren Zusätzen, wohl Gebeten, eingeschrieben mit roter und violettfarbener Tinte. Vier Spalten sind ausgerieben, die Miniatur in besonders schöner, stimmungsvoller Farbigkeit, kaum Läsuren, kleiner Überstrich, wenige Abplatzungen. Meist sauber.

Estimate
€ 600   (US$ 690)



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