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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Catalogue Manuscripts, Incunables » to the Book Department
Manuscripts, Incunables Catalogue Price EURO 15,00
Auction Date Tue Apr 16, 16:00 CET


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Main Image Description Status
Dietrich, Veit
Agend-Büchlein, für die Pfarrherren auff dem Land

Lot 831

Im Wappeneinband der Stadt Nürnberg
(Dietrich, Veit). Agend-Büchlein, für die Pfarrherren auff dem Land. 88 nn. Bl. Titel in Rot und Schwarz. Mit ornamentaler Holzschnitt-Titelbordüre und Holzschnitt-Wappenvignette auf dem Titel sowie 2 Blatt Notendruck. 19,5 x 14,5 cm. Blindgeprägter Schweinslederband d. Z. (etwas fleckig und berieben, Rückenbezug mit kleiner Wurmspur) mit goldgeprägtem Wappensupralibros auf dem VDeckel und 2 intakten ziselierten Messingschließen. Nürnberg, Nicolaus Knorr, 1586.

VD 16 A 654. – Erster Nürnberger Druck von Nicolaus Knorr. Das von Vitus Dietrich (1506-1549) im Auftrag des Nürnberger Rats verfasste Handbuch der evangelischen Liturgie erlebte allein im 16. Jahrhundert mehr als 15 Ausgaben und blieb bis ins 19. Jahrhundert die Grundlage für die Liturgie der bayerischen evangelischen Kirche. Der Erstdruck erschien 1543. – Vereinzelte geringe Flecken, fünf Blatt im oberen Bug mit kleinem Feuchtigkeitsrand. Wohlerhaltenes Exemplar, der intakte zeitgenössische Einband mit Heiligenrolle und goldeprägtem Wappen der Stadt Nürnberg auf dem Vorderdeckel, der Rückdeckel mit großer Arabeske als Mittelplatte. Exemplar aus dem Besitz des Nürnberger Juristen und Historikers Benedikt Wilhelm Zahn (belegt um 1775-1799), mit dessen gestochenem Exlibris auf dem Innenspiegel.

Estimate
€ 750   (US$ 854)


Hammer Price
€ 550 (US$ 627)


Du Préau, Gabriel
De vitis, sectis, et dogmatibus omnium haeretic...

Lot 832

Du Préau, Gabriel. De vitis, sectis, et dogmatibus omnium haereticorum, qui ab orbe condito, ad nostra usque tempora, et veterum et recentium authorum monimentis proditi sunt, elenchus alphabeticus ... 46 Bl., 519 S. Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. 21 x 16 cm. Reich blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (leicht abgegriffen, etwas gerieben, wenige Kratzer, kleine alt ergänzte Bezugsfehlstelle auf dem Rückdeckel) über abgefasten Holzdeckeln mit 1 (von 2) Messingschließen. Köln, Erben Johann Quentel, 1583.

Nicht im VD16, auch nicht in der Online-Version. Vgl. Adams D 1149 und STC 258 (alle Ausgabe 1581). – Überaus seltene Titelauflage des 1581 erschienenen Drucks (dieser VD16 D 2990) mit dem Kolophon der Ausgabe von 1581 und dem geänderten Titelblatt mit der Jahreszahl 1583 "Anno M.D.LXXXIII.", wir können über den KVK nur eine einzige Ausgabe davon in Belgien nachweisen. Es ist somit die Titelauflage der zweiten Ausgabe dieses erstmals 1569 erschienenen Ketzerlexikons. Gabriel du Préau (lat. Prateolus; 1511-1588) unterrichtete Theologie an der Sorbonne und behandelt hier neben den älteren Häretikern u. a. auch Calvinisten, Flagellanten, Hussiten, Juden, Lutheraner, Mathematiker, Melanchthonianer, Mennoniten, Mohammedaner, Oecolampadier, Polygamisten, Satanisten u. Zwinglianer. – Titel mit 2 kleinen hs. Besitzvermerken "Liber S. Crucis in Donauuerdt", demnach das Buch wohl einst im Besitz der Benediktinerabtei vom Heiligen Kreuz in Donauwörth war. Sehr sauber, kaum fleckig, wohlerhalten und frisch. Der Einband mit einer hübschen Erlöserrolle mit Christi Taufe, Kreuzigung und Auferstehung einer süddeutschen Werkstatt, wahrscheinlich des Hans Pfister zu Nürnberg. Besonders bemerkenswert ist auf dem vorderen Innendeckel ein handgemaltes, farbig gouachiertes Wappenexlibris mit vertikaler Teilung schwarz-gold und jeweils einem 6-zackigen Stern im Schild sowie im Papsthut und Krummstab im Gesprenge.

Estimate
€ 800   (US$ 911)


After-Sales Price
€ 500   (US$ 570)


Ein erschroeckenliche Newe Zeytung
so geschehen ist dem 1542. jar, in einem Stetle...

Lot 833

Ein erschroeckenliche Newe Zeytung, so geschehen ist den 12. tag Junij, in dem 1542. jar, in einem Stetlein Schgarbaria genent, 16. Welsch meyl wegs von Florentz gelegen. Da haben sich grausamer Erdbidem siben in einer stundt erhaben... Ein andere zeytung, geschehen in des Türcken land, von einer Stat, welche versuncken ist, das auch nit ein mensch daruon ist kommen. 4 Bl. Mit Titelholzschnitt. 18,5 x 13,5 cm. Neuere Broschur. (Nürnberg), Johann Vomberg und Ulrich Neuber, 1542.

VD16 E 3837. – Einer von zwei Nachdrucken der Flugschrift, in der der anonyme Reisende über die Verheerungen berichtet, die sich am 12. Juni 1542 während sieben Erdbeben in der Region Florenz ereigneten. Im Anhang auch mit dem knappen Hinweis auf ein weiteres, wohl ebenfalls durch ein Erdbeben verursachtes Unglück in der Region des von den Osmanen beherrschten Thessaloniki, wo "ein Stat ... ist versuncken in grundt, unnd keyn mensch darvon kommen". – Im unteren Bug etwas gelöst, leicht fingerfleckig, Schlussblatt vero mit schwacher Rostspur.

Estimate
€ 240   (US$ 273)


Hammer Price
€ 340 (US$ 387)


Erasmus von Rotterdam, Desiderius
Colloquiorum familiarium opus

Lot 834

Erasmus von Rotterdam, Desiderius. Colloquiorum familiarium opus. 22 Bl., 866 S. Mit Holzschnitt-Titelvignette. 17,5 x 10 cm. Blindgeprägtes Schweinsleder d. Z. (vorderes oberes Gelenk eingerissen, Rücken mit Klebeschild, stärker berieben, etwas fleckig). Frankfurt, Erben Egenolff, 1562.

VD16 E 2411. Nicht bei Adams. – Etwas spätere Ausgabe des erstmals 1519 erschienenen Werkes. Der Schweinslederband mit einer Prophetenbordüre um das Mittelfeld, das auf dem Vorderdeckel das Porträt Martin Luthers, auf dem Rückdeckel das Melanchthons zeigt. Beide Porträts sind von einer Rundbogenädikula überfangen und unten mit einem Motto in Versalien begleitet. Zu Luther: "Nosse cupis faciem Lutheri - hanc cerne tabellam; Si mentem, libros consule certus eris" und zu Melanchthon "Forma Philippe tua est sed mens tua nescia pingi est ante bonis et tua scripta docent", was den Einband sehr wahrscheinnlich als Arbeit der Werkstatt des bedeutenden, in Erfurt geborenen Braunschweiger Hofbuchbinders und Bibliothekars Lukas Weischner (1550-1609) identifizierbar macht, dessen Werkstatt sich im Kloster Riddagshausen befand, bis er zuerst nach Helmstädt und dann in sein Heimatland Thüringen zurückging und in Jena weiter wirkte (vgl. EBDB p001263. Haebler I, 494-495. Hermann Herbst, Der Braunschweiger Hofbuchbinder Lukas Weischner. JdE I, 1927, S. 87-111. Hellmuth Helwig, Lukas Weischner und sein Vater Johannes Weischner als Buchbinder und Bibliothekare der Jenaer Universitätsbibliothek. In: AfB 36, 1936, S. 25-28, 36-37). – Titel etwas fleckig. Zu Beginn und am Schluss etwas feuchtrandig. Stellenweise braunfleckig, leicht gebräunt.

Estimate
€ 600   (US$ 683)


Hammer Price
€ 350 (US$ 398)


Erastus, Thomas
De occultis pharmacorum potestatibus

Lot 835

Erastus, Thomas. De occultis pharmacorum potestatibus: quid, et quotuplices eae sint, quibus in morbis, quomodo, quando, quem in curationibus usum habeant. 4 Bl., 194 S., 8 Bl. (le. w.). Mit kleiner Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. 20,9 x 15 cm. Flexibles Pergament des 18. Jarhrhunderts (fleckig, geworfen, kleines Löchlein, spätere RSchilder abgeplatzt). Basel, Peter Perna, 1574.

VD16 E 3688 und E 3691. Adams E 907. STC 285. Hirsch-Hübotter II, 422. Durling 1380. – Erste Ausgabe der Augenheilkunst des Theologen und Mediziners Thomas Erastus, die auch noch ein weiteres Werk, nämlich desselben "Disputatio de medicamentorum purgantium facultate" (VD16 E 3688) enthält. Erastus (1524-1583) wurde unter seinem deutschen Namen "Thomas Liebler" in Badenweiler geboren, studierte in Basel Theologie, dann in Bologna und Padua auch noch Medizin. So konnte er als reformierter Theologe und Mediziner die Leibarzt des Grafen von Henneberg werden - und wurde dann im Jahre 1558 sogar als persönlicher Arzt des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz angestellt. Daneben konnte er auch noch Lehrtätigkeiten als Professor der Medizin an der Universität Heidelberg wahrnehmen: "Authore Thoma Erasto, Heidelbergensis Scholae professore", wie es auf dem Titel seiner Schrift heißt. Erst 1611 wurde das seltene Werk in Frankfurt wieder aufgelegt. – Vordergelenk offen, Titel und im Block alt gestempelt, wenige Blätter am Anfang und Ende leicht brüchig zum Rand hin und vereinzelt etwas fleckig und unfrisch, insgesamt aber gutes Exemplar. Sehr selten, kaum jemals auf Auktionen gehandelt.

Estimate
€ 500   (US$ 570)


Hammer Price
€ 300 (US$ 341)


Fabricius ab Aquapendente, Hieronymus
Anatomices Et Chirurgiae In Florentissimo Gymna...

Lot 836

Dem VD17 unbekannte Titelvariante
Fabricius ab Aquapendente, Hieronymus. Anatomices et chirurgiae in florentissimo gymnasio patavino professoris olim publici primarii supraordinarii, tractatus quatuor. 2 Teile in 1 Band. 6 Bl., 83 S.; S. [85]-113; [115]-140; [141]-158, 5 Bl. Mit breiter gestochener Titelbordüre (mit falscher Jahreszahl "M.DC.XLIV." statt "M.DC.XXIV.") und 26 (12 doppelblattgroße), meist beidseitig bedruckten Kupfertafeln mit 42 ganz- (12 doppelseitigen) Kupfern (I-XXXIII, I, I-VIII) mit ca. 100 Figuren. 30 x 19 cm. Halbziegenleder um 1700 (etwas fleckig, beschabt und bestoßen) mit hs. RSchild. Frankfurt, Jakob de Zetter, und Hartmann Palthenius, "1654" (d. i. 1624).

VD17 12:176826L. – Erste Ausgabe, jedoch möglicherweise als Titelauflage erst 1654 herausgegeben (?). Nicht im VD17 verzeichnet mit diesem Titelblatt, in dem die Jahreszahl "M.DC.XXIV." durch "M.DC.XLIV." ersetzt wurde. Die einzelnen vier Bücher gliedern sich, wie folgt: "Quorum I. De Formato Foetu. II. De Locutione & eius instrumentis. III. De Loquela Brutorum. IV. De Venarum ostiolis, loquitur; Duplici Indice donati, Figurisque aeneis ornati" (Titel).
Die großformatigen Kupfer zeigen sehr detailliert und höchst exakte anatomische Darstellungen von Menschen und Tieren. – Titelblatt eingerissen und älter hinterlegt, kleiner Wurmgang von oben, etwas gebräunt und braunfleckig, vereinzelte Wasserränder, leicht angestaubt, meist aber sehr ordentlich erhalten. Selten.

Estimate
€ 400   (US$ 455)


Hammer Price
€ 2.000 (US$ 2.280)


Gotischer Bucheinband
Westliches Mitteldeutschland (Köln?) um 1460.

Lot 837

Gotischer Buchkasten. Bucheinband im Imperialfolio-Format mit schwarzbraunem, reich blindgeprägten Kalbslederbezug, teils mit Lederschnitt-Ornamenten. Ca. 60 x 41 cm. Mit 16 gehämmerten, punzierten und gestempelten Messingblechbeschlägen, 2 geschmiedeten, punzierten Sternbeschlägen auf der Deckelmitte, 16 mehrfach durchbrochenen geschmiedeten Rosettenbeschlägen mit sechseckigen Buckelbeschlägen, auf dem Vorderdeckel als konische Hexagonalprismen, 6 kleineren Rosettenbeschlägen sowie Kanten mit 36 (statt 38) Halbkugelnägeln zwischen 39 (statt 60?) Stiften aus sechseckigen Pyramidal-Frusta, 2 verschiedenen durchbrochenen Schließzapfen-Beschlägen auf dem VDeckel. Westliches Mitteldeutschland (Köln?) um 1460.

Spätgotischer Bucheinband, der zu einem Buchkasten umgearbeitet wurde. Einst wohl Einband für eine liturgische Handschrift oder einen liturgischen Druck zur Verwendung in der Heiligen Messe. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um ein sog. "Antiphonale" mit den Texten der gregorianischen Gesänge des "Graduale Romanum" der römisch-katholischen Kirche, in dem die Gemeinschaft des Klerus die das Kirchenjahr begleitenden Texte mit der entsprechenden Musiknotation fand.

Die Gesänge "de tempore & de Sanctis", also für die Sonn- und Festtage vom Advent bis zum Totensonntag des "annus ecclesiasticus" sind üblicherweise in einen Winter- und einen Sommerteil ("pars hiemalis, pars estivalis") gegliedert. Auf dem unter einem, an fünf kleinen Nägeln aufgebrachten, gelblich-transparenten Hornblatt-Sichtfensterfragment erscheinenden Schildchen auf dem Vorderdeckel kann man noch die gotischen Buchstaben "estiva", wohl für "estivalis" ausmachen.

Die schweren Eichenholzdeckel sind mit schwarzbraunem Kalbsleder bezogen, das auf dem Vorderdeckel mit Bahnen aus Lederschnittriefeln verziert wurde, in denen florale Knotenmuster mit Blütenköpfen schwach zu identifizieren sind. Der (im Leder teils ausgebessserte, teils noch stärker brüchige und daher im Ornament etwas schwerer erkennbare) Rückdeckel ist vollständig blindbeprägt: In einem vierfachen Filetenrahmen, in den die Schnäbel der Eckbeschläge gerade noch hereinragen, sind mit Palmettenstempeln zwei konzentrische Kreise geprägt, die den Mittelbeschlag umgeben (was darauf hindeutet, dass dieser, wie auch die anderen Beschläge, zeitgenössisch ist!). Zwischen Filetenrahmen und der Wellenkontur der Beschlagsbleche sieht man ein feines Guillochemuster, das sich aus geschwungenen Schriftbänder mit dem Namen der Muttergottes "MARIA" zusammensetzt.

Vorder- und Rückdeckel sind an den Rändern komplett ummantelt mit breiten Beschlägen aus punziertem und gehämmerten Messingblech, die vollständig um die Kanten der schweren, leicht abgefasten Holzdeckel gelegt sind. Jeweils vier dieser Beschläge (zwei schmalere für die Schmal-, zwei längere für die Längsseiten) sind radial zur Mitte hin mit einer Reihe von kleinen Halbrundköpfen geziert, zwischen denen dann jeweis ein Rundstempel eingehämmert ist, der mit einem erhabenen Korbflechtrand den Bechlag zum Spiegel hin in Wellenbögen abschließt. Im Wechsel zeigen diese Rundstempelchen jeweils eine 5-blättrige Blüte (10 mm) und das Christusmonogramm "ihs" (ca. 10 mm) mit Kreuz. Dabei entsprechen Größe und Darstellungsweise einigen bei Schunke abgebildeten Buchbinderstempeln, die dem Rheinland, der Eifel, Köln oder der Gegend um Mainz zuzuordnen wären, was jedoch die Einbandforschung unbedingt noch bestätigen oder widerlegen sollte (vgl. etwa Schunke 261 und 282 etc.).

Über die Ecken des Einbandes sind vier konzentrisch in die Mitte weisende, in Kreuzpfeilbäumen endende Beschläge aufgehämmert, die ebenfalls mit jeweils 10 Rundstempelchen ornamentiert sind, darunter wiederum das Christusmonogramm, eine kleinere Sternblüte (Durchmesser ca. 9 mm) sowie ein größerer Stempel (ca. 2 mm) mit einer Madonna mit Kind (vgl. Schunke 198f.).

Auf den Eckbeschlägen sowie mittig auf den Flankenbeschlägen findet sich jeweils ein großer, vielfach durchbrochener (mit Trinangel-Punkten und Schlüsselloch-Mustern) massiv gegossener und geschmiedeter Rosettenbeschlag (Durchmesser ca. 54 mm), aus dessen Mitte ein erhabenes Fustum, also ein auf sechseckigem Grund sich (um ca. 16 mm auf 18 mm Grundfläche) erhebender und sich verjüngender, oben abgeflachter Pyramidenstumpf aufragt - als Stützbuckel zum Schutz des Buches beim Aufklappen desselben. Auf dem Rückdeckel sind diese Buckel kürzer und weitaus weniger ausgreifend (ca. 4-8 mm). Zum Schutz - und zur Zier - der Einbandkanten sind im Wechsel kleine Rundbuckelnägel und ebenfalls kleine Sechseck-Pyramidal-Fusta aufgebracht (jeweils ca. 8 x 10 mm). – Das Bezugsleder ist stärker brüchig mit dem üblichen Krakelée spätgotischer Inkunabeleinbände, einige Fehlstellen vor allem auf dem Rückdeckel wurden schon vor einigen Jahrhunderten mit restauriert, der Rücken wohl alt erneuert. Auf dem Rückdeckel findet sich unten im Zentrum ein Loch, hier fehlt wohl ein Beschlag zur Anbringung einer Kette o.ä. Wenige der acht Rosettenbeschläge sind wohl späteren Datums, die Blechbeschläge teils wellig und mit Druckstellen, etwas abgeschabt und verbogen, Rückdeckelbeschläge mit kleinen Fehlstellen und Läsuren an der Längsseite zum Rücken hin. Die Buckelbeschläge sind möglicherweise etwas später (vielleicht wurden sie in späterer Zeit ersetzt, sie können allerdings auch gut zeitgenössisch sein), wenige Fusta der Kantenbeschläge sind ausgebrochen und fehlen, ebenso die beiden Schließbänder (von denen eines als Fragment im Kasten beiliegt. Der Buchkasten ist aus Holz gezimmert und mit (teils lädiertem) türkischen Marmorpapier ausgelegt. Im "Schnitt" ist der Buchkasten mit rotem Papier bezogen.

Der Vorderdeckel thematisiert mit dem Christusmonogramm "IHS" die christologische Erlöserikonologie, der auf dem Rückdeckel mit dem Namen der Muttergottes im Schriftband "MARIA" sein Pendant gegenübergestellt wird - was der üblichen Einbandikonographie der Spätgotik entspricht, die hier in einem außergewöhnlich aufwendig gestalteten Einband besonders eindrucksvoll vor Augen geführt wird. Spätgotische Einbände dieser Qualität und in dieser bemerkenswert guten Erhaltung (es fehlen nur ganz wenige Beschläge) sind von allergrößter Seltenheit.

Estimate
€ 5.000   (US$ 5.699)


After-Sales Price
€ 3.000   (US$ 3.419)


Güthel, Caspar
Jhesus Quadragesimal oder etliche fastenpredig...

Lot 838

Die Pfingstpredigten des "frommen Dr. Kasper" (Luther)
Güthel, Caspar. Jhesus Quadragesimal oder etliche fastenpredig, auß den Episteln und Evangelien, Nach Goetlichem erkentnus, Dem Hochwirdigsten vater ... herren Albrecht zu Mentz unnd Madburgk etc. Ertzbischoff. 7 Teile in 1 Band. 4, 188 nn. Bl. Mit 7 Holzschnitt-Titelbordüren. 17,8 x 14,4 cm. Pergament des 18. Jahrhunderts mit rotem goldgeprägtem RSchild und Rotschnitt. Zwickau, Johann Schönsperger d. J., 1523.

VD16 G 3986. – Sehr seltene Erstausgabe der Sammlung von Pfingstpredigten aus der Feder des Münchner Theologen Kaspar Güthel (auch Guttel, Güttel, Güettel, Güettell, Güthel, Guthell; gest. 1542), ein Zeitgenosse Martin Luthers und wie dieser im Orden der Augustiner-Eremiten. Er wurde von seinen Obersten "1514 oder 1515 nach Neustadt-Eisleben gesandt, um daselbst ein Augustinerkloster aufzurichten. Er wandte sich aber bald der evangelischen Lehre zu und verkündigte dieselbe mit großem Eifer an verschiedenen Orten wie in Zwickau, Arnstadt, Brix in Böhmen. Schon 1518 trat er, unmittelbar von Staupitz angeregt, in seinem 'Büchlein von Adam's Werken und Gottes Gnaden' für das alleinige Vertrauen auf die Gnade Gottes in Christo Jesu ein ... 1522, schlägt er, wie Luther in der Schrift an den Adel, vor, Kurfürst Albrecht möchte sich als Primas durch ganz Germanien an die Spitze der Bewegung stellen und eine deutsche Kirche gründen helfen. Da er 1517 in Leipzig Doctor der Theologie geworden war, traten die Leipziger Theologen heftig gegen ihn auf. Dagegen nennt ihn Luther nur den frommen Dr. Kasper" (ADB X, 225-226). – Titelblatt mit kleinen Abschabungen, winziges Risslöchlein, Titel alt hinterlegt, die folgenden drei Blätter ebenfalls mit kleinem Bruchloch, letztes Blatt der ersten Lage ebenfalls verstärkt, vereinzelt etwas fleckig, nur selten leicht angeschmutzt, mit mehreren interessanten, zeitgenössischen interlinearen bzw. marginalen Anmerkungen in sauberer Röteltinte einer geübten humanistischen Theologenhand. Anfangs einige roten Kapitalstrichelungen, letzte Seite etwas stärker angeschmutzt. – Beigebunden: 1) Derselbe. Uber das Evangelion Johannis, da Christus seyne Muetter auch seine Junger, waren auff die Hochtzeyt geladen, Waß mit worten und wercken daselbst gehandelt. Eyn Sermon dem Ehlichen, standt fast freudesam und nuetzlich. 8 nn. Bl. Mit großem Titelholzschnitt. (Ebenda) 1524. -
VD16 G 3997. - 2) Martin Luther. Drey Sermon uber dz Evangelion Matthei am. xij. Von dem zaichen Jona. Johannis am. iiij. Von deß königi||schen Son. Luce. am .xix. Auff denn Palm tag. 16 nn. Bl. Mit vierteiliger Holzschnitt-Titelbordüre. Wittemberg. M.D. xxiij (d. i. Nürnberg, Johann Stuchs, 1523). - VD16 L 6248. Benzing 45. Weitere Nummern: VD16 L 6240, VD16 L 6245. Die letzte zu Lebzeiten des Reformators gedruckte, seit dem Erstdruck von1523 (Benzing 39) die siebte Ausgabe, die zwei Werke enthält, nämlich den Sermon über das Evangelion Johannis am IIII., von des königischen Sohn (VD16 L 6240) und den Sermon über das Evangelion Lucae am XIX., auf den Palmtag. (VD16 L 6245). - Beide Beibände ähnlich erhalten, gering fleckig und gebräunt.

Estimate
€ 1.800   (US$ 2.052)


After-Sales Price
€ 1.200   (US$ 1.367)


Homer
Ilias

Lot 839

Homer. Ilias, seu potius omnia eius quae extant opera. Studio & cura OB. Giphanii I. C. quam emendatissime edita, cum eiusdem scholiis & indicibus novis. 893 S., 3 Bl., (l. w.). Mit Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel. 16,5 x 10,5 cm. Pergament d. Z. (fleckig und berieben, mit hs. RTitel) mit ornamental punziertem Rotschnitt. Straßburg, Theodosius Rihel, (um 1588 oder um 1590).

VD 16 H 4659 oder 4660. – Einer von zwei kollationsgleichen Straßburger Drucken. Griechisch-lateinischer Paralleltext in der Edition des aus dem Gelderland stammenden Philologen und Juristen Obertus Giphanius (1534-1604). Die Ausgabe erschien während seiner zwölfjährigen Straßburger Zeit, in der Giphanius als Professor für Ethik und Logik an der dortigen Universität wirkte und sich intensiv mit Platon und Aristoteles beschäftigte. Aus der engen Zusammenarbeit mit dem Drucker Thedosius Rihel gingen zahlreiche Editionsprojekte hervor, darunter die vorliegende Homer-Ausgabe, ferner ein Cicero-Lexikon sowie eine Übersetzung des Titus Livius. Die Widmungsschrift von Giphanius an Graf Gottfried von Oettingen (1554-1622) datiert auf das Jahr 1572. – Titel fingerfleckig, mit schwachen Wasserflecken und kleineren Tintenwischern, ferner mit verschiedenen Besitzeinträgen und Ziffernsignaturen, im Bug verstärkt und mit dem Vorsatz verklebt (dieser ebenfalls mit altem Besitzeintrag), auch der Falz zwischen Seite 32 und 33 mit Japan verstärkt. Insgesamt etwas braunfleckig, einige Lagen gebräunt, wenige Blatt mit sehr kleiner restaurierter Fehlstelle durch Wurmspur im oberen Rand, stellenweise mit sehr kleinen, verblassten Wasserrändern ebenda. Mit einigen Unterstreichungen und Marginalien. Hinteres Innengelenk verstärkt, der Innenspiegel mit montiertem Exlibris.

Estimate
€ 300   (US$ 341)


Hammer Price
€ 220 (US$ 250)


Honigmacher, Bernhard
Abdruck Eins Jnstruments

Lot 840

Eine Entführungsgeschichte während der Augsburger Konfession
(Honigmacher, Bernhard). Abdruck Eins Jnstruments, Sachsischer sprachen, darinn eygentlich vermeldt, inn was gestalt weilent der hoch gelart Doctor Cunradt Dellinghusen, der Stat Goßlar Advocat und diener, so durch heymlich practicken und anschlege Hertzog Heinrichs, der sich genennet hat den Jüngern von Braunschweig, in Keyserlichem Geleyd, nidergeworffen, hinweg gefürt und bößlich umpracht, zu Scheynungen im Schloß in dem wal, in gegenwirtigkeyt viler trefflicher leutt gefunden, außgraben, und daselbst in die pfarkirchen ehrlichen getragen, und zur erden bestattet sei. 6 nn. Bl. Loser Druckbogen ohne Einband in modernem Pappumschlag. (Marburg, Christian Egenolff d. Ä., 1542).

VD16 H 4752. – Seltener einziger Druck des detaillierten Berichts über die Ereignisse, die zum Verschwinden von Konrad Dellinghusen führten. Dellinghusen führte während der Augsburger Konfesssion 1530 als Abgeordneter und Syndikus der Freien Reichsstadt Goslar die Verhandlungen zwischen den protestantischen Ständen und dem katholischen Fürsten Heinrich dem Jüngeren zu Braunschweig-Wolfenbüttel. Seine Vermittlungsversuche scheiterten jedoch, und Dellinghusen wurde auf dem Rückweg in die Heimat von mutmaßlichen Gefolgsleuten des Herzogs überfallen und auf das Schloss Schöningen verschleppt, wo er kurz darauf starb. Nach einigen weiteren Übergriffen auf Goslarer Bürger kam es 1539 zu einem Rechtsstreit zwischen Goslar und Heinrich vor dem Reichskammergericht. Der Bericht wurde von dem kaiserlichen Schreiber Bernhard Honigmacher verfasst und entstand zur Zeit der Eroberung von Heinrichs Herzogtum durch den Schmalkaldischen Bund, dem die Stadt Goslar seit 1531 angehörte. – Wohlerhalten.

Estimate
€ 350   (US$ 398)


After-Sales Price
€ 250   (US$ 285)



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