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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Catalogue Manuscripts, Incunables, Theology » to the Book Department
Manuscripts, Incunables, Theology Catalogue Price EURO 15,00
Auction Date Tue Apr 17, 16:00 CET


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Main Image Description Status
Johannesevangelium
"Ich bin das Licht der Welt". Einzelblatt aus e...

Lot 1001

HANDSCHRITEN UND EINZELBLÄTTER
Johannesevangelium. "Ich bin das Licht der Welt". Einzelblatt aus einer spätkarolingischen Handschrift. Lateinische Handschrift in karolingischer Minuskel mit brauner Tinte auf Pergament. Mit 4 großen Initialen in braunen Doppelstegen mit Rotfüllung und Kapitalstrichelung in Blassrot. Schriftraum: ca. 22,6 x 14,4 cm. Blattgröße: ca. 24,8 x 14,2 cm. Deutschland (Westfalen?) 10. Jahrhundert.

Einzelblatt aus einer spätkarolingischen Liturgie-Handschrift auf Pergament mit einer der berühmtesten Passagen aus dem Johannes-Evangelium, der Jesusrede "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben…“ (Johannes 8, 12).
Verso findet sich ein Textfragment aus dem Paulusbrief an die Hebräer (Hebräer 9, 11), der - auf der Fleischseite des Pergamentblattes jedoch etwas mehr abgerieben und daher schwerer lesbar ist. Die Texte sind jedoch allesamt mit hs. Transkriptionen von dem bedeutenden niederländischen Paläographen Johan Peter Gumbert (1936-2016) auf beiliegenden Blättern (in Tinte und in Bleistift) versehen.
Recto hebt der Text aus Johannes an mit "[Iterum ... locutus est Iesue dicens: Ego] sum lux mundi qui sequitur me non ambulat in tenebris sed habebit lucem vute: dixerunt ergo ei pharisei: tu de te ipso testimonium perhibes testimonium tuum non est verum..." (Da redete Jesus abermals zu ihnen und sprach: Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wir das Licht des Lebens haben).
Der Text recto aus Hebräer fängt an mit „X[re = Christus] autem adsistens pontifex futurorum bonorum per amplius & perfectius tabernaculum non manufactum id est non huius creationis …“ („Christus aber ist gekommen, damit er sei ein Hoherpriester der zukünftigen Güter, und ist durch eine größere und vollkommenere Hütte, die nicht mit der Hand gemacht, das ist, die nicht von dieser Schöpfung ist …“). – Das Blatt ist einst als Einbandmakulatur verwendet worden mit entsprechendem Knick links, rechts knapp beschnitten, oben und unten Ränder etwas knapp (jeweils kein Textverlust). In den Ecken mehrfache Wurmgänge, meist aber nur im weißen Rand (winziger Buchstabenverlust), knittrig und leicht abgerieben, die Rectoseite jedoch sehr gut lesbar, verso etwas schwieriger mit vereinzelt stärkerem Textabrieb. - Aus der Sammlung des bedeutenden Paläographen Johan Peter Gumbert. Beiliegen 3 Blätter mit dessen eigenhändigen Transkriptionen und Anmerkungen

Estimate
€ 1.000   (US$ 1.230)


Hammer Price
€ 2.200 (US$ 2.706)


Gregor der Große
Moralia in Job. Einzelblatt aus einer Handschrift

Lot 1002

Gregor der Große. Moralia in Job. Einzelblattfragment aus einer Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Doppelblatt mit 4 Kolumnen (teils fragmentarisch). Mit Kolumnentitel und 4 Minuskelinitialen in Orangerot. Kolumne: ca. 31,5 x 9 cm (unten abgeschnitten), Schriftspiegel: ca. 20 x 31,5 cm. Blattgröße (Fragment) ca. 35,6 x 50,6 cm (maximal). Italien um 1100-1150.

Großes Fragment einer frühen hochmittelalterlichen Handschrift mit einem Text aus den Moralia in Job, dem großen Hiobkommentar des heiligen Papstes Gregors, Gregorius Magnus (540-604), der in ganzen 35 Büchern den biblischen Text seiner Exegese unterzieht, indem er den Dreiweg wählte: erstens der Interpretation der "literalen", also wörtlichen Bedeutung des Bibeltextes, zweitens der "tropologischen" Interpretation, also der Übertragung der Worte des Urtextes unter Gesichtspunkten der Moral, etwa, wie der individuelle Mensch sich zu verhalten habe, was er von Hiob lerne etc. Drittens legt Gregor den Text allgorisch aus, indem er ihn auf die Werke Christi und dessen Heilsversprechen im Neuen Testament bezieht - und im Sinne des Augustinus eine Typologie erstellt. Neben Hieronymus, Augustinus und Ambrosius gehört Gregorius damit zu den vier lateinischen Kirchenvätern.

Die vier Kolumnen, von denen die erste seitlich zu 1/3 abgeschnitten ist und die allesamt unten mit Verlust einiger weniger Zeilen beschnitten wurden, enthalten in einer sehr gut lesbaren, sauberen Rotunda Teile aus dem Liber XXXIII, 23 und Liber XXXIV, 2-3 des überaus umfangreichen Kommentars zu Hiob. Die Texte - und ihre handschriftlichen Abweichungen bzw. Besonderheiten des vorliegenden Blattes - sind von dem bedeutenden Paläographen Johann Peter Gumbert (1936-2106) identifiziert und zugewiesen sowie mit Bleistiftkommentaren versehen worden (in Fotokopien beiliegend), wobei er auch die Lokation des Blattes in der womöglich verschollenen Handschrift vornahm (beiliegendes Blatt mit Gumberts eigenhändigen Mikrogrammen und einer kleinen Zeichnung).

Der Text hebt in der linken der beiden Recto-Kolumnen an: "[Vultusque eius] non sunt amplius in diversa mutati, quia videlicet mens eius nequamquam post preces inepta laetitia lasciviendo perdidit, quod orationis suae tempore gemituum rigor exquisivit..." bis XXVI: "Portas vultus eius quis aperiet? Portae vultus eius sunt iniqui doctores, qui idcirco portae vultus eius vocati sunt, quia per ipsos quisque ingreditur, ut Le[viathan iste quasi in potestatis suae principatu videatur]". Auch der Text der Verso-Kolumnen ist zugewiesen (und in den beiliegenden Fotokopien vermerkt: S. Gregorii Magni. Moralia in Iob. Ed. M. Adriaen, 1985, S. 1711-1736). – Das Fragment eines Doppelblattes, das nur einseitig beschrieben worden war, war als Einbandmakulatur verwendet worden, mit den entsprechenden Läsuren. So ist es links und rechts sowie unten beschnitten, ferner sind die Ecken abgeschrägt (jeweils mit mehr oder minderem Textverlust). Die linke Kolumne der rechten Seite hatte sich um den Rücken gelegt, wodurch es zu größeren Fehlstellen und Ausrissen kam (hier alt hinterlegt), sonst nur gelegentliche Löchlein, Ein- und Ausrisse (oben ein größerer im Rand). Der Text sonst ist generell sehr gut erhalten und wunderbar lesbar, das in einer sehr regelmäßigen, sauberen Rotunda geschrieben. Aus der Sammlung des bedeutenden Paläographen Johan Peter Gumbert, der die Provenienz auf einem beiliegendne Zettelchen nennt, nachdem das Fragment aus dem Einband der Inkunabel HC 3461 bzw. GW 4643 stammt (Guido Bonatus, Decem tractatus astronomiae. Augsburg, Erhard Ratdolt, 26.III.1491).

Estimate
€ 2.500   (US$ 3.075)


After-Sales Price
€ 1.500   (US$ 1.845)


Salve, crux sancta
Fragment einer Homilienhandschrift

Lot 1003

Salve, crux sancta. Fragment aus einem hochmittelalterlichen Homiliar. Lateinische Handschrift auf Pergament. Karolingische Minuskelschrift in Braun und Rot mit sechs 3-4-zeiligen Majuskel- und Minuskel-Initialen in Rot. 2 Kolumnen. 31 Zeilen. Schriftspiegel: 18,3 x 25,5 cm. Format: ca. 32,5 x 20,5 cm. Italien (?) um 1120.

Folioblatt in karolingischer Minuskel aus dem frühen 12. Jahrhundert mit dem Text aus einem Homiliar, darunter das vollständige Kapitel "Salve, crux sancta" mit dem Hymnus: "Salve, crux sancta, salve mundi gloria, / vera spes nostra, vera ferens gaudia, / signum salutis, salus in periculis, / vitale lignum vitam portans omnium. / Te adorandam, te crucem vivificam, / in te redempti, dulce decus sæculi, / semper laudamus, semper tibi canimus, per lignum servi, per te, lignum, liberi". – Das Fragment war als Einbandmakulatur verwendet worden und ist dementsprechend knapp beschnitten, bzw. aus zwei Fragmentteilen mit älteren Litzen wieder zusammenmontiert, links knapp beschnitten und dort auch etwas fleckig. Unterer Rand verso stärker fingerfleckig und etwas gebräunt, knickspurig und mit kleinen Einschnitten, sonst aber im Text nahezu vollständig und wohlerhalten. Eine sehr saubere, gut lesbare Handschrift, möglicherweise aus einer italienischen Schreibwerkstatt. Das Blatt stammt aus dem Besitz des großen Paläographen Gumbert (1936-2016).

Estimate
€ 600   (US$ 738)


Hammer Price
€ 550 (US$ 676)


Sankt Petronius
Fragment einer gotischen Handschrift um 1250

Lot 1004

Sankt Petronio. - Bischoff mit Stadtmodell. Gotische Handschriftenminiatur in kolorierter Federzeichnung auf Pergament. Fragment ca. 15,5 x 7,6 cm (maximal). Wahrscheinlich Norditalien (Bologna?) um 1240.

Fragment aus einer hochmittelalterlich-gotischen Handschrift mit der Darstellung eines Bischofs mit einem Stadtmodell. Das feste Pergament, die klare, lineare Malweise, das Kolorit, die Auffassung der Figur weisen, wie schon der einstige Sammler, Prof. Dr. Johann Peter Gumbert (1936-2016) bemerkte, auf Norditalien im 12.-13. Jahrhundert.
Der Bischof steht dem Betrachter frontal auf einer Plinthe entgegen, wobei sein Blick ganz leicht nach rechts (vom Betrachter links) gedreht ist. Unter dem weitausladenden schweren Paludamentum, seinem Bischofsmantel, der außen Rot mit gelber (goldener) Borte - und im Innenfutter dunkelblau gearbeitet ist, trägt der Bischof eine hell-türkisblaue Tunika, die in zarten, feinst ausstaffierten Falten bis zu seinen roten gotischen Schuhen herabfällt und unten mit einer Spitzenborte (hier in Punktmanier getupft) endet.
Über der Brust ist der schwere Vespermantel mit einer Fibel zusammengehalten, auf dem Kopf trägt er die hochaufragende Mitra pretiosa mit weiß-hellblauem Vertikalband auf rotem Grund und dunkelblauem Innensaum.
Die langfingrige Rechte ist zum Segensgestus erhoben, und in seiner linken Ellenbogenkehle lehnt der mächtige Krumstab, der hier gelb koloriert wurde, um das Gold anzudeuten. In seiner Linken trägt er ein großes Stadtmodell, das mit dunkelbrauner Feder sehr fein ausgestaltet ist und in dem der Betrachter mehrere hoch aufragende Türme im Hintergrund erkennen kann, vor denen Häuser und im Zentrum eine Kirche stehen.
Die Assoziation der Türme mit den oberitalienischen Geschlechtertürmen liegt nahe, sind diese doch in derselben Zeit, zwischen dem 12. und dem 13. Jahrhundert, also in der Epoche des Investiturstreits von den einflussreichsten Familien errichtet worden.
Die prominenteste Darstellung eines Bischofs mit Stadtmodell jener Zeit war sicherlich die des Heilige Petronius von Bologna, dessen Ikonographie und Attribute mit unserer Darstellung deckt. Die Reliquien des Bischofs aus dem 5. Jahrhundert waren von Benediktinern im Jahre 1141 entdeckt worden, woraufhin 1180 eine vollständige, wiewohl weitgehend "angedichtete" Vita erstellt wurde. Als Gründungsbischof der Stadt soll Petronius die Basilika Santo Stefano in Anlehnung an das Heilige Grab in Jerusalem errichtet haben, so dass seine Darstellung mit einer Grabeskirche (dem Anschein nach handelt es sich bei der Darstellung in der Handschriftenminiatur tatsächlich eher um einen Zentralbau) vor der "modernen" Stadtsilhouette naheliegend war - Thesen, die die Forschung allerdings noch zu erhärten hätte. – Mehrere, meist nur winzige Wurmlöchlein, minimal wellig, links und rechts jeweils knapp über den Mantel beschnitten, die Oberfläche teils etwas stärker abgeschabt und mit Farbabplatzungen und kleinen Brüchen, das feste Pergament recto (Haarseite) gekalkt, wie in Italien üblich, jedoch fleckig und gebräunt (die Fleischseite verso stärker braun), insgesamt aber von bemerkenswert schöner Gesamterhaltung. Die minutiöse Ausführung des Stadtmodells ist ebenso auffällig (wohl auch nicht retuschiert), wie die Zeichnung der überaus feinen Gesichtszüge des Bischofs.

Estimate
€ 1.800   (US$ 2.214)


Hammer Price
€ 1.100 (US$ 1.353)


Trier
Siegelurkunde eines Testaments des Dekans Burch...

Lot 1005

Hochmittelalterlich gotische Handschrift mit einem Trierer Testament
Trier. Siegelurkunde eines Testaments des Dekans Burchard von St. Paulus. Lateinische Handschrift in schwarzbrauner Tinte auf Pergament. Ca. 40,6 x 25,2 cm. Mit kalligraphischer Initialzeile, Regesten, angehängtem Wachssiegel und weiterem, an das Siegel angehängtem Schriftstück auf Pergament derselben Zeit. Dieses ca. 6 x 18,8 cm. Trier 8. XII. 1240 bzw. 13. XII. 1240.

Bedeutende Trierer Urkunde aus dem Besitz des niederländischen Paläographen und Kodikologen Johann Peter Gumbert (1936-2016). Es handelt sich um das Testament des Dekans Burchard der Abtei von Sankt Paulus in Trier, eines romanischen Klosters, dessen Nachfolgebau am 5. November 2017 profaniert wurde (was groß durch die Tagespresse ging).
Die Urkunde ist in einer kalligraphischen Kanzleischrift abgefasst, sie beginnt mit den Zeilen: "In nomine patris et filii et spiritu sancti (kalligraphisch ausgezeichnet). Ego Burchardus Decanus sancti Paulini Trevirensis infirmus copore sanus autem mente condo testamentum meum in hunc modum Statuo ut domus mea que est in panis platea quam behelinus inhabitat. et vinea mea aput utrum que wana (sic) est...".
Unten endet die Urkunde mit dem Datum "Anno domini m cc xl quinto Idus Januarij", was also dem 9. Januar 1240 entspricht. Die kleine, an das Siegelband angehängte Gegenzeichnung ist entsprechen dann auf die Iden des Januar (= 13. Januar) datiert: "datum anno domini m cc xl per die idus Januarii".

Eine alte Regeste verso liest sich: "Testamentum Burchardi decani Sancti Pauli", eine moderne Regeste in einer Handschrift des 19. Jahrhunderts verso lautet "Testamentum Burcharde Decani Sti. Paulini cujus executores instituuntur Dominus Cantor et Dominus Cellerarius Majoris Ecclesia et Jacobus civis Treverensis nexo Codicillo in separata scedula con sigillo appendente, in quo favorabiliter desponit idem Testator pro majore Ecclesia Treverensis". – Links mit einigen Ausbrüchen (etwas Textverlust, älter hinterlegt), rechts einige Einrisse, unten im weißen Rand teils stärker, sonst nur vereinzelt etwas fleckig. Das angehängte gelbgraue Wachssiegel ist an allen Seiten abgebrochen, man sieht jedoch noch gut die Gestalt der Maria Annuntiata mit einem Buch in Händen. Beiliegt ein eigenhändiger Transkriptionsentwurf des Paläographen Gumbert. – Pos. 8

Estimate
€ 3.800   (US$ 4.674)


Hammer Price
€ 2.800 (US$ 3.444)


Étienne de Tournai
Summa de decreto

Lot 1006

Étienne de Tournai. Summa de decreti. Einzelblatt aus einer gotischen Texthandschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. 2 Kolumnen. 63-64 Zeilen. Schriftspiegel: 22 x 14 cm. Format: 36,5 x 24,5 cm. Mit zahlreichen roten und blauen Initialen, teils Textzeilen in Rot und Rubrikation sowie umfangreichem Klammerkommentar in Sepia. Frankreich 13. Jahrhundert.

Ein dekoratives Einzelblatt aus einer Handschrift der "Summa Decreti" des Étienne de Tournai (1128-1203), eines hochmittelalterlichen Regularkanonikers von Saint-Victor in Paris, der sich als Kirchenschriftsteller auch mit dem kanonischen Recht auseinandersetzte und in seiner Hauptschrift, der "Summa decreti" oder "Summa de decreto" eine große Reihe von kirchenrechtlichen, päpstlichen Erlassen und Mandaten zusammenfasste, die für die folgenden Jahrhunderte maßgeblich wurden.
Das Blatt ist ein besonders dekoratives Beispiel der hochmittelalterlichen gotischen Textura mit ausführlichen zeitgenössischen Kommentaren in einer winzigen braunen Perlschrift. Aus der Summa sind die Textstellen der folgenden Kapitel auf unserem Fragment enthalten: XII.2.10-68 und XVI.1.61-16.3. Besonders interessant sind die zahlreichen Kommentarmarginalien von einer Hand, die der Forschung sicherlich bis dato unbekannt sind. Da das Blatt nicht lange nach der Urhandschrift, nach dem Tod des Autors Etienne de Tournai, zu datieren ist, handelt es sich bei den Kommentaren um nahezu zeitgenössische Einträge, deren wissenschaftliche Auswertung noch vorzunehmen wären. – Einige Randläsuren, wenige winzige Löchlein und eine Nahtspur, eine alt hinterlegte Stelle mit kleinen Wurmlöchlein im Rand, verso mit braunen Leimspuren am Rand. Aus der Sammlung des bedeutenden Paläographen Johan Peter Gumbert (1936-2016).

Estimate
€ 900   (US$ 1.107)


Hammer Price
€ 1.100 (US$ 1.353)


Notariatsurkunde
Siena 13. Jahrhundert, vonn1267

Lot 1007

Notariatsurkunde aus Siena. Lateinische Handschrift in Sepia-Kanzleischrift auf Pergament. 1 Fol.-Bl. Mit Federwerk-Initiale "I". Ca. 36 x 22 cm. Wohl Siena, 28. Dezember 1267.

Interessantes Dokument über die Finanzen und der Verwaltung eines norditalienischen Stadtstaates, höchstwahrscheinlich von Siena. In feiner, kalligraphischer Kanzleischrift auf honiggelbem Pergament bestätigt der Notar Nikolaus Magnus den Beschluss des Stadtrats, der durch die Rathausglocken herbeigerufen wurde, den Steuereintreiber Ventura de Tortorio erst dann von seinen Pflichten zu entbinden, wenn die vollständige Summe in der Stadtkasse eingegangen ist. Am Textanfang eine Initiale "I" als Flechtwerk-Säule mit Kreuzknoten (gering abgrieben).
Aus dem Besitz des Paläographen Johan Peter Gumbert (1936-2016) und mit einer hs. Übersetzung bzw. Interpretation des Textes von einem Archivar mit Namen "R. Hipper": "Rechnungsablage des aus seinem Amte scheidenden Steuereintreibers ("Colector") Ventura de Tortorio, Sohn Rainers d. T., vor dem "mit Glocken" zusammengerufenen Rat ("in consilio de pampana congregato" der Kommune durch den Richter Jacobus Guirardi und den Syndikus und Prokurator Ugolini Peliparii über eine von den Schätzern ("estimatores") Amatore und Jacobus Bicci, Filippus Benegnoli und Bonaventura de Arezzo eingeleitete gemeindliche Zwangsanleihe ("prestantia").
Die Einnahmen ("introhitus") betragen 1647 Pfund 8 Schilling, die Ausgaben ("expensae"), die durch den Betrag bezahlt werden, 1646 Pfund 8 Schilling, so daß Ventura de Tortorio der Gemeinde noch 21 Schilling herauszuzahlen hat. Daraufhin erfolgt Entlastung.
Die Verkündigung des Rechtsgeschäftes findet im Rathaus ("in palatio communis") statt nach der üblichen Weise unter Glockengeläute und Trompetenschall ("ad sonum campane et tube") in Gegenwart von Amatore Angilerio, Ranerio Rigitti, Beningrado Conbatuti, Beneviduto Marini, Bürgern, Stadtknechten satt, gezeichnet von "Nicolaus Magni, Notar: "Ego nicholaus Magni auctoritate".
Die Übersetzung durch R. Hipper schließt mit einer Anmerkung: "Die Gemeinde ist in dem Schriftstück nicht angegeben und daher auch nicht mit Sicherheit festzustellen. Ob der Ausdruck 'in consilio de campana', der für den Rat von siena typisch ist, auf Siena als Entstehungsort der Urkunde hindeutet, soll dahingestellt bleiben. Die Jahresbezeichnung ist nach dem sog. stilus Pisanus (Beginn des Jahres am 25. März), so daß nach unserer Jahresrechnung dei Urkunde im Jahre 1267 ausgestellt ist. Dr. R. Hipper, Archivreferendar" – Einbandmakulatur mit entprechenden Falzknicken umlaufend, wellig, knittrig und mit einigen Löchlein, Randein- und Ausrissen (an der "Rückenstelle" tiefer) , gering fleckig, teils abgeschabt, nur weniger Textverlust.

Estimate
€ 800   (US$ 984)


After-Sales Price
€ 400   (US$ 492)


Clemens III. Papa
Decreta. Fragment einer juristischen Handschrif...

Lot 1008

Clemens III. Papa. Decreta. Fragment einer juristischen Handschrift des Hochmittelalters. Lateinische Handschrift auf Pergament. 1 Blatt. 2 Kolumnen. Gotische Textura. 50 Zeilen. Mit Klammerglosse in Perlschrift. Schriftraum Kolumnen: 19,2 x 10,2 cm. Schriftraum mit Glossen: 22,5 x 20,5 cm. Format: 32,8 x 23,4 cm. Mit 8 roten und blauen 4-zeiligen Initialen und einer großen 14-zeiligen Zierinitiale "P" in Rot und Blau mit Federwerk, Schrift in Braunschwarz und Rot, Rubrizierung. Frankreich um 1270.

Umfangreiches Textfragment einer hochmittelalterlichen Rechtshandschrift in typischer Erscheinung mit dem Text in zwei Kolumnen sowie ausführlichen Klammerglossen in einer winzigen Perlschrift. Texte mit braunschwarzer Tinte in einer regelmäßigen, sehr feinen "Gotica textualis", unterbrochen nur von einigen roten Zeilenfüllern (MN-Stäben) oder blauen Initialen, die in über die Kolumne ausgreifendem Federwerk auslaufen.

Verso beginnt der Text mit dem Incipit "De constitutionibus - Preterea de lege illa vel errore quam cives tuos asseris statuisse" mit der großen Initiale "P" und dem durch wechselnd rote und blaue Versallettern hervorgehobenen Wort "Preterea". Es handelt sich um eine Passage aus den "Decreta" des Papstes Clemens III. (1130-1191) über das Erbrecht und die Praxis der Vererbung von Gütern, die sich mehr als 30 Jahre in Privatbesitz befinden - und dann nicht an die Kirche zurückfallen, sondern im Besitz der Bürger verbleiben: "De constitutionibus - Preterea de lege illa vel errore quam cives tuos asseris statuisse, videlicet, ut si quis teneret per xxx annos possessiones alicujus ecclesiae, nec reddidisset canonem constitutum non ideo caderet ad pensionem possessionis illius, nihil certi tibi pessumus respondere, donec constitutionem illam ab ipsis factam nobis verbo ad verbum expositam studeas destinare".

Der reichhaltige Kommentar liefert dann eine ausführliche Exegese dieser Textstelle, die etwa bei Migne in der Patrologiae Latina abgedruckt ist (vgl. Jacques-Paul Migne, Patrologiae cursus completus seu bibliotheca universalis ... omnium ss. patrum, doctorum scriptorumque ecclesiasticorum, sive latinorum, sive graecorum, Paris 1855, Band CCIV, Sp. 1477ff.). – Recto etwas stärker fleckig und angeschmutzt, berieben und mit Leimflecken sowie einer gezeichneten Siegelmarke des 15. Jahrhunderts und einem Eintrag "de constitutionibus" des 19. Jahrhunderts. Einbandmakulatur verwendet mit ensprechenden Knickspuren, beschnittenen Ecken oben (geringer Textverlust der Glosse), Bereibungen (teils geringer Abrieb des Textes), winzigen Löchlein etc. Die Versoseite sehr viel sauberer und wohlerhalten.

Estimate
€ 800   (US$ 984)


Hammer Price
€ 1.000 (US$ 1.230)


Septem Dona Spiritus Sancti
2 Blätter mit Fragmenten aus einer hochmittelal...

Lot 1009

Septem Dona Spiritus Sancti (Die sieben Gaben des Heiligen Geistes). 2 Blätter mit Fragmenten aus einer hochmittelalterlichen Handschrift. Lateinische Handschrift auf Pergament. Gotica textura in schwarzbrauner Tinte. 2 Kolumnen. 36 Zeilen. Schriftspielgel: 19,3 x 11 cm. Format: ca. 30,6 x 22 cm. Mit 7 2-zeiligen roten bzw. blauen Lombarden mit blauem bzw. rotem, an der Kolumne ausgreifendem Federwerk, einige Zeilen in Rot und durchgehend rubriziert. Italien 13. Jahrhundert.

Die "Septem Dona Spiritus Sancti", die Sieben Gaben des Heiligen Geistes umfassen nach Jesaja XI, 2 bestimmte Fähigkeiten, Charaktereigenschaften und Begabungen, die der Heilige Geist bestimmten Menschen verleiht, darunter die Tugenden "sapientia", "intellectus", "consilium", "fortitudo", "scientia", "timor Dei" und "pietas". Diesen "Charismata" widmet sich das Kapitel XXXIIII der vorliegenden Handschrift, das als Fragment vorhanden ist: "De septem donis spiritus sankti". Die Handschrift ist eine sehr saubere, regelmäßige "gotica textura" mit bemerkenswert hübschem Federwerk. – Als Einbandmakulatur teils mit Montageresten und Klebespuren, etwas oberflächenberieben, teils mit Abrieb des Textes, mit Braunstellen rundum (von der Einbandklebung), ein Blatt mit Ausrissstellen links zum Bug hin (weniger TVerlust der Marginalien), meinst nur wenige fleckig. Teils mit kleinen späteren Federproben, etwas angestaubt und stellenweise stärker wellig, mit interessanten alten Marginalien in Sepia.

Estimate
€ 500   (US$ 615)


Hammer Price
€ 1.000 (US$ 1.230)


Claes von Compostela
Charter Utrecht 1358.

Lot 1010

Claes von Compostela. Utrecht Charter. Verkaufsurkunde einer Tochter von Lichtenberg mit der notariellen Beglaubigung eines Claes von Compostela. Niederländische Handschrift auf Pergament. Ca. 28 x 19,5 cm. Gotische Bastarda Kanzleischrift. Wohl Utrecht 1484.

Paläographisches Beispiel aus der Sammlung des bedeutenden Paläographen Johan Peter Gumbert (1936-2016), dessen eigenhändige Transkription beiliegt, demnach es sich hier um eine Verkaufsurkunde handelt: "Ick Aüsse jans tochter van Lichtenbercj joots ... wedne van der mye belye ende kenne dat ick vercoft hebbe johan bolle ... tyen mergen lants ... Item noch dre twee deel van dire mergen lants, dair Anthonia voirs dat derde derdenden off". Und unten: "In kennysse hier off hebbe is gebeden claes von compostell dessen breiff ... dusent vierhondert vier unde tachtich".
Interessant ist vor allem die Transkription Gumberts, die dessen Abreitsweise gut vor Augen führt. – Etwas abgerieben und verblasst, daher sehr schwer lesbar. Pergamentfragment als Einbandmakulatur verwendet, daher mit entsprechenden Falzen, Montage- und Knickspuren, Wellungen, ein Rötel-Zeichen. Ein Löchlein, ungerade beschnitten (teils mit Textverlusten). Beiliegen Materialien zur Transkription.

Estimate
€ 400   (US$ 492)


After-Sales Price
€ 200   (US$ 246)



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