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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Main Image Description Status
Korevaar, Hanny
Zwei Kokotten

Lot 8018

Zwei Kokotten
Öl auf Leinwand.
96 x 49,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Rot signiert "Hanny Korevaar".

Zwei erwartungsvolle Kokotten: Aus den dunkel blauviolett schattierten Augenhöhlen leuchten raubtierhaft die Augen hervor, unter den nur im Ansatz angedeuteten Nasen sind die Münder beider Frauen tiefrot geschminkt, die Haare hellrot und dunkelrot gefärbt. Beide Halbfiguren sind nach links gerichtet, in Erwartung möglicher Kunden. Während die vordere Frau mit dem strahlenden Farbklang von weißer Haut, grünem Kleid und roten Haaren wirbt, lockt die hintere, dunklere Kokotte mit einem offensiv exponierten runden Busen. Elegant geschwungene Konturlinien in unterschiedlichen Rottönen umreißen die Figuren vor dem dunklen Hintergrund.
Bedeutendes Gemälde Korevaars, einer wichtigen und noch wenig erforschten Vertreterin des niederländischen Expressionismus. Korevaar besuchte die Rijks Normaalschool voor Tekenonderwijs in Amsterdam, wo sie Zeichenunterricht erhielt. Dort lernte sie ihren Mitstudenten und späteren Ehemann, Armand Bouten, kennen. Die Hochzeit folgte 1922. Zwischen 1920 und 1935 reiste das Ehepaar durch Europa; mehrfach besuchten sie den Balkan und lebten einige Zeit in Budapest. Weitere Stationen waren Berlin, Marseille und Paris, wo sie von 1923 bis 1925 lebten. Von 1935 bis 1953 ließen sie sich in Brüssel nieder und kehrten, völlig verarmt, 1953 nach Amsterdam zurück.

Estimate
€ 10.000   (US$ 11.399)



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Bouten, Armand
Akt mit Katze

Lot 8027

Akt mit Katze
Öl auf Karton. 1921.
41 x 35 cm.
Oben rechts mit Pinsel in Rot signiert "Arm Bouten" und datiert.

Ein kahler, breit-ellipsoider Frauenkopf, katzenhafte, gelbe Augen in tiefdunklen Höhlen, tiefrosa Wangenkreise auf sonst hellgrauem Inkarnat, rosarote Körperkonturen: Eine irritierende, für das frühe Schaffen Boutens sehr charakteristische Frauenfigur setzt der Künstler links ins Bild, rechts eine kleine Katze, dazu ein Blumentopf. Hochinteressant ist zudem der kleine rosa Embryo, der, rot umrandet, im Schoß der Frau schlummert, inmitten ihres schwarzen Rockes liegend, als wäre er schon geboren. Das Thema Schwangerschaft und Geburt taucht immer wieder in Boutens Schaffen auf. Grelle Kontraste und kräftige, rote sowie schwarze Konturen und ein expressiver Duktus bestimmen unser Gemälde. "Es sind eigenartige, spannungsgeladene Bilder von teilweise äußerster Expressivität. Sie verweisen auf einen offenbar ruhelosen Geist und rastlosen Menschen" (Michael Neumann, Armand Bouten 1893-1965, Ausst.-Kat. Berlin 1984, S. 6).
Bouten zog mit 21 Jahren von Venlo nach Amsterdam, wo er an der Rijks Normaalschool voor Tekenonderwijs Zeichenunterricht erhielt. Dort lernte er die Malerin Hanny Korevaar kennen, die er 1922 heiratete. In den 1920er und 1930er Jahren lebten die beiden abwechselnd in Paris und Budapest, Reisen führten sie auch nach Marseille. In den 1940er Jahren hielten sie sich vor allem in Brüssel und Den Haag auf und kehrten 1953 nach Amsterdam zurück, wo sie verarmt und einsam lebten. Bouten entwickelte sich von einem frühen kubistisch-expressionistischen Stil zu einer farbstarken Malerei mit kräftigen Konturen. Die frühen Themen wie Bauern und Arbeiter wurden durch Reiseeindrücke von Jahrmärkten, Cafés und Bordelle ersetzt. Die düsteren Farben und unbehaglichen Motive in seinem Spätwerk kündigen die wachsenden politischen Spannungen und bevorstehenden Gräuel des Zweiten Weltkrieges an. Herwarth Walden lernte Boutens Schaffen 1923 in Berlin kennen und beabsichtigte, von ihm begeistert, seine Arbeiten in der Galerie "Der Sturm" auszustellen. Dazu kam es jedoch wegen der Rastlosigkeit des von Land zu Land ziehenden Künstlers, der sich dem Kunsthandel weitgehend verweigerte, nicht.

Estimate
€ 20.000   (US$ 22.799)



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Bolz, Hanns
Traum im bunten Zimmer

Lot 8036

Traum im bunten Zimmer
Öl auf Leinwand. 1910.
51,5 x 61,5 cm.
Unten mittig links mit Pinsel in Dunkelbraun signiert "Bolz", datiert und gewidmet "à Suzanne".

Träumt sie? Mit geschlossenen Augen sitzt die junge Frau mit großem Hut in dem lebendig und farbenfroh dekorierten Zimmer. Hinter ihr scheinen rosa Schweinchen, Puppe und Frack in der Luft zu schweben, rund um das mit bunten Kissen bedeckte Bett. Unser Gemälde entstand 1910, in Bolz' früher Pariser Zeit, in der er vehement mit Farben experimentierte. Bolz studierte von 1905 bis 1908 an der Kunstakademie in Düsseldorf und verbrachte anschließend drei Jahre in Paris, wo er Pablo Picassos kleines Atelier auf dem Montmartre, in der Rue Gabrielle 49 übernahm. Er war dort eng mit Max Ernst und Otto Freundlich, der auch sein Trauzeuge wurde, befreundet. Bald schon schloss sich Bolz in Paris der kleinen deutschen Künstlerkolonie an, die sich im Café du Dôme um Purrmann und Levy etabliert hatte. Dem renommierten Kunsthändler Alfred Flechtheim war es vergönnt, diesen illustren und in seinen Stilrichtungen völlig unterschiedlichen Künstlerkreis, "Dômiers" genannt, 1914 erstmals in seiner Galerie zu zeigen. Bolz lebte in den Jahren 1911 und 1912 in München, wo er als Illustrator für die Zeitschrift "Komet" tätig war. Bereits 1912 kehrte er nach Paris zurück, bezog ein Atelier auf dem Montparnasse und unternahm Studienreisen nach Madrid, London, Venedig und Oslo. Während seines Kriegseinsatzes im Ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet und 1917 fast blind aus dem Wehrdienst entlassen. Er widmete sich in seiner kurzen Lebensspanne nach dem Krieg fast ausschließlich dem Modellieren.

Estimate
€ 20.000   (US$ 22.799)



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Birkle, Albert
Schlächterwagen

Lot 8049

Schlächterwagen
Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. 1923.
47 x 71 cm.
Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin".

Nach rechts und nach links ziehen durch das Bild ausgemergelte, von der Not gezeichnete Gestalten, Menschen und Pferde, die versuchen, dem Elend und Hunger zu entkommen. Wenige Wagenlampen werfen ihren schwachen Schein in das Dunkel des Geschehens, und nur zurückhaltend setzt Birkle das Kolorit in seiner Komposition ein. Der alte Mann ganz links vorne blickt unter seiner Hutkrempe direkt zum Betrachter und ruft ihm zum Zeugen der erbärmlichen Zustände in diesem ereignisreichen Jahr der Weimarer Republik: Wegen verspäteter Reparationszahlungen besetzte Frankreich 1923 das Ruhrgebiet, die deutsche Regierung rief zu Sabotage und Streik auf, zahlte jedoch die Löhne an die Streikenden weiter und musste dafür mehr Banknoten in Umlauf bringen. So begann die dramatischste Inflation, die das Land je erleben sollte, mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung.
Birkle absolvierte nach Ende des Ersten Weltkrieges eine Lehre als Dekorationsmaler im väterlichen Betrieb, studierte von 1920 bis 1925 an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin und war Meisterschüler bei Arthur von Kampf. Er entwickelte in diesen Studienjahren einen religiös geprägten, sozialkritischen Realismus in einer formalästhetisch-neusachlichen Formensprache, der vor allem in seinen Charakterköpfen karikierende Züge vermittelte. Das Angebot einer Professur an der Königsberger Akademie lehnte der Künstler 1927 ab, um Aufträge für kirchliche Wandmalereien u.a. in Gaislingen und Kattowitz auszuführen. Im Umbruch der Machtergreifung Hitlers übersiedelte Birkle nach Salzburg, wobei er sein Berliner Atelier behielt. 1936 stellte er in der Berliner Nationalgalerie aus und vertrat Deutschland auf der Biennale in Venedig. Die dort gezeigten Bilder wurden 1937 im Haus der Deutschen Kunst in München entfernt, weitere Werke von ihm in öffentlichen Sammlungen als "entartet" beschlagnahmt und er selbst mit einem Malverbot belegt. Birkle meldete sich freiwillig zum Reichsarbeitsdienst, wodurch er vorübergehend dem Militärdienst entgehen konnte. Er arbeitete als Kriegsmaler, Kriegsberichterstatter und musste 1944 einrücken. 1946 erhielt Birkle die österreichische Staatsbürgerschaft und widmete sich vor allem sakralen Gestaltungswegen als Glasmaler. In den 1950er und 1960er Jahren entstanden bedeutende Werke auf diesem Gebiet. In seinem malerischen und zeichnerischen Spätwerk griff er in einem expressiven Stil auf die sozialkritischen Tendenzen seiner frühen Motive zurück.
Bitte Zustandsbericht erfragen.

Errata: Die vollständigen Angaben zur Technik, Signatur und Datierung lauten: Mischtechnik auf Velin, auf Unterlagepapier und ganzflächig auf Malkarton kaschiert. Unten rechts auf dem Malkarton mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und datiert, verso auf dem Malkarton nochmals mit Bleistift signiert "Albert Birkle" und bezeichnet "Berlin".

Estimate
€ 35.000   (US$ 39.900)



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Feininger, Lyonel
Das Meer von Island (Lone Ship)

Lot 8062

Das Meer von Island (Lone Ship)
Aquarell, Goldfarbe und Feder in Schwarz auf braunem Velin. 1951.
14,4 x 21,9 cm.
Unten rechts mit Feder in Schwarz signiert "Feininger" und datiert.

In lasierender Malweise zeichnet Feininger das einsame Schiff bei Island, eine Hütte im Vordergrund, in seiner typisch geometrisch-linearen Manier mit feinen schwarzen Federstrichen über einem verschwommenen, in Grau-, Grün- und Goldtönen gehaltenen Aquarellgrund. Von kristalliner Schönheit und Stille ist die kleine charakteristische Zeichnung geprägt.
Lyonel Feininger unternahm nach seinen Studien an der Hamburger Gewerbeschule und der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin zahlreiche Reisen u. a. nach Paris, Rom und London. Gleichzeitig publizierte er Karikaturen in verschiedenen Zeitungen wie dem "Narrenschiff" und den "Lustigen Blättern" und war u. a. auf der Großen Berliner Kunstausstellung 1904 und 1911 im Pariser Salon des Artistes Independants vertreten. 1909 wurde er Mitglied der Berliner Sezession. 1913 stellte Feininger auf Einladung Franz Marcs im Ersten Deutschen Herbstsalon in Herwarth Waldens Galerie "Der Sturm" aus. 1919 wurde er Mitglied des Arbeitsrats für Kunst und ging im gleichen Jahr mit Walter Gropius nach Weimar, wo er als einer der ersten Meister an das Staatliche Bauhaus in Weimar berufen wurde und bis 1925 Formmeister der Druckerei war. 1924 schloss er sich mit Alexej Jawlensky, Paul Klee und Wassily Kandinsky zur Ausstellungsgemeinschaft "Die Blauen Vier" zusammen. Nach der Beschlagnahme von nahezu vierhundert Bildern aus deutschen Museen und der anschließenden öffentlichen Diffamierung in der Femeausstellung "Entartete Kunst" in München 1937 entschied sich Feininger im gleichen Jahr zur Emigration und Rückkehr nach Amerika, wo er zunächst in Kalifornien am Mills College unterrichtete und später bis zu seinem Lebensende im Jahr 1956 in New York lebte und arbeitete. Nach seiner Rückkehr nach Amerika veränderte sich auch seine Bildsprache, zahlreiche atmosphärische Arbeiten entstanden, in denen das Hauptmotiv mit klaren Linien dargestellt ist und von Farbe umfangen wird. Auch "Lone Ship" von 1951 zählt zu diesen späten Arbeiten. Neben futuristisch anmutenden Architekturansichten von New Yorker Wolkenkratzern durchziehen geometrisierende Darstellungen von Schiffen am Meer sein gesamtes Oeuvre wie ein roter Faden.

Provenienz: Selected Artists Galleries, New York, No. 815 (mit deren Klebeetikett auf der Rahmenrückseite)

Estimate
€ 16.000   (US$ 18.240)



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Eberz, Josef
Der exotische Tanz

Lot 8065

Der exotische Tanz
Öl auf Pappe. 1917.
35 x 30,5 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Schwarz signiert "J. Eberz" und datiert.

Ein Ausdruck der Fülle und des Glücks ist "Der exotische Tanz". Im Jahr 1917, als Eberz das Gemälde "Der exotische Tanz" schuf, schrieb er über seine künstlerische Entwicklung in der Selbstbiographie: "Der Schwerpunkt des künstlerischen Schaffens wurde nicht nach außen, sondern nach innen verlegt. Die inneren Gesichte bekommen im Bild die architektonische Harmonie durch die Einheit von Farben und Formen. Das ist die neue, die absolute Schönheit (...) in farbiger Glut und in Bränden möchte ich das seelische Erleben im Bilde ausklingen lassen" (zit. nach: Franz Josef Hamm (Hrsg.), Josef Eberz, Gemälde. Aquarelle. Graphik. Ausst.-Kat. Kunstsammlungen der Stadt Limburg 1995, S. 136). Das Jahr 1917 brachte Eberz nicht nur seine Eheschließung, sondern zudem in dem Wiesbadener Sammler Heinrich Kirchhoff einen großen Förderer, dessen exotischer Garten mit phantastischen Blumen den Künstler inspirierte. Vom Kriegsdienst zurückgestellt, war er bei Kirchhoff eingeladen, in diesem Paradiesgarten zu zeichnen und zu malen; diese Fülle mag in unserem Gemälde einen exemplarischen Ausdruck finden. In ebendiesem Jahr fand auch Eberz' erste große Einzelausstellung bei Hans Goltz in München statt.
Eberz studierte von 1901 bis 1903 an der Münchner Akademie bei Franz Stuck und Hugo von Habermann, danach in Karlsruhe und ab 1905 an der Stuttgarter Akademie, wo er anschließend Meisterschüler bei dem Maler und Farbtheoretiker Adolf Hölzel war. Er war Mitglied des Hölzelkreises und nahm 1912 an der großen Sonderbund-Ausstellung in Köln teil. Eberz wurde Mitglied der "Novembergruppe" und war auch als Buchillustrator tätig. Nach den Kriegs- und Nachkriegswirren zog es den Künstler und seine Frau in den Süden, zwischen 1920 und 1921 folgten Studienaufenthalte in Italien und Dalmatien sowie in Paris. In den 1920er Jahren führte Eberz mehrere Aufträge für Wandmalereien und Fresken aus und leitete Ateliers für Malerei und Grafik in den Münchner Lehrwerkstätten. Während der Zeit des Nationalsozialismus galt er als "entarteter" Künstler, viele Werke wurden nach 1933 aus den Museen beschlagnahmt. Stilistisch begann Eberz als Expressionist, der vom Futurismus und Kubismus beeinflusst war. In seinen späteren Monumentalwerken beschäftigte er sich mit der Pittura metafisica.
Verso von fremder Hand bezeichnet: "Professeur de l'Academie Munich".

Provenienz: Privatsammlung Hessen
Villa Grisebach, Berlin, Auktion 226, 30.5.2014, Losnr. 493
Privatsammlung Österreich

Ausstellung: Faszination Fremde, Museum Giersch, Frankfurt/Main 2013, Kat.-Nr. 116, Abb. S. 217

Estimate
€ 16.000   (US$ 18.240)



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Kohl, Willi
Lot und seine Töchter

Lot 8070

Lot und seine Töchter
Öl auf Leinwand. 1919.
120 x 112 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "W. Kohl" und datiert.

Expressionistische Darstellung, die wohl, entstanden direkt nach Ende des Ersten Weltkrieges, in der Situation von Flucht und Zerstörung zeitpolitische Aspekte thematisiert. 1919, im Entstehungsjahr unseres großformatigen Gemäldes, war Kohl daran beteiligt, als die junge Künstlervereinigung "Woge" der Kunstrichtung des Expressionismus in Aachen zum Durchbruch verhalf. Lot, die Hauptfigur der Erzählung vom Gottesgericht über die Stadt Sodom, nimmt zwei Engel, die in der sündigen Stadt nach Gerechten suchen, bei sich auf. Die Sodomiter fordern die Männer für sich, um über sie herzufallen, worauf Lot aus Verzweiflung der Meute seine jungfräulichen Töchter anbietet. Die Engel bewahren die Familie davor, führen sie vor die Stadt und gebieten ihnen zu fliehen, ehe die Stadt zerstört wird. Kohl zeichnet die alttestamentliche Szene in dem Moment, in dem sich seine Frau, entgegen dem Verbot der Engel, zur Stadt umblickt und zur Salzsäule erstarrt. Dunkle Konturlinien grenzen die differenziert gestalteten Farbflächen voneinander ab und zersplittern die Darstellung in ein kristallines Gefüge, das an Mosaiken oder Glasfenster erinnert.
Kohl besuchte die Aachener Kunstgewerbeschule und studierte an den Akademien in München und Stuttgart. 1926 übersiedelte der Maler nach Berlin. Als Atelierleiter des Berliner Tagblattes wandte er sich vermehrt der künstlerischen Gebrauchsgraphik zu. Ausstellungen in der Preußischen Akademie der Wissenschaften folgten. Kohl war Mitglied im Verein der Berliner Künstler sowie in der Münchner Secession. Ab 1948 wirkte er wieder in Aachen und wurde dort an der Werkkunstschule Leiter der Abteilung Gebrauchsgraphik.

Estimate
€ 18.000   (US$ 20.520)



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Spiegel, Hans
In der Sektbar

Lot 8083

In der Sektbar
Öl auf Leinwand. Um 1923.
75 x 64 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Blau monogrammiert "H. S.", verso signiert "Spiegel".

Aus tief verschatteten Augen blickt die Frau an ihrem Tisch in der Sektbar über ihren Fächer hinweg, der die untere Gesichtshälfte verdeckt. Der modische, von fortschrittlichen Frauen damals bevorzugte Kurzhaarschnitt betont mit der kessen Stirnlocke das markante Gesicht. Der etwas laszive Blick unter den halbgeschlossenen Lidern und das leuchtendrote Gewand einerseits und die abwehrend verschränkten Arme im Zusammenspiel mit dem halbversteckten Gesicht andererseits ergeben einen interessanten Zwiespalt von Verlocken und Verbergen, von Anziehen und Fortstoßen - und schließlich auch von Weichheit und Härte, denn meisterhaft lässt Spiegel aus den kristallin zersplitterten Formen den sanft geschwungenen Frauenkörper entstehen. Das effektvoll reduzierte Kolorit beschränkt sich weitestgehend auf Rot- und Blaunuancen und unterstreicht in seiner Dualität die Zwiespältigkeit der Darstellung.
Zu Spiegels malerischer Entwicklung um 1920 schrieb Rudolf Utzinger in seiner Besprechung der von der Üecht-Gruppe organisierten Herbstschau "Neue Kunst" 1920 in Stuttgart: "Spiegel hat die äußere Mathematik des kubistischen Territoriums aufgegeben, um einer paradiesisch erlebten Farbenmodulation zu weichen." (Rudolf Utzinger, in: Der Ararat. 2, 1921, Heft 1, S. 20).
Verso eine weitere, durchgestrichene Komposition von Hans Spiegel, "Frauenakt".

Estimate
€ 15.000   (US$ 17.100)



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Spiegel, Hans
Die Ruderer

Lot 8095

Die Ruderer
Öl auf Leinen (strukturierte Leinentischdecke). Um 1930.
147 x 124,5 cm.
Unten links mit Pinsel in Schwarz signiert "H. Spiegel".

Da Spiegels Frühwerk nahezu vollständig durch den Krieg zerstört wurde, ist dieses um 1930 entstandene Gemälde ein seltenes Zeitdokument und gibt einen überaus interessanten Eindruck des sich allmählich wandelnden Stils des Künstlers wieder. So sind seine wenigen frühen Arbeiten aus der Zeit der Zusammenarbeit in der Üecht-Gruppe deutlich geprägt von der Formensprache des Kubismus und des Orphismus mit seiner dominanten Farbigkeit. Bei den "Ruderern" weicht die Farbigkeit sowie die kantigen Flächen und kaleidoskopartigen Brüche zu einer deutlich in sich geschlossenen Komposition. Spiegel gelingt es vielmehr auf einer verhältnismäßig kleinen Fläche eine größtmögliche Dichte und Spannung zu erzeugen. Fast hat man den Eindruck, die unter größter Anstrengung im Sturm rudernden Figuren sprengen die Dimensionen der Leinwand. Wir sehen die muskulösen, gespannten Oberarme dreier, zum Teil angeschnittener Figuren, die sich in unterschiedlichen Richtungen bemühen, das Boot zu steuern. So mag man die "Ruderer" auch sinnbildlich verstehen als die Herausforderung, sich als Künstler zu behaupten, sich selbst als Persönlichkeit Gestalt zu geben und zugunsten der eigenen Entwicklung gegen den Strom zu rudern.


Provenienz: Ehemals Sammlung Rolf Deyhle, Stuttgart, mit dessen Sammlungsaufkleber mit der Inventar-Nr. 1167 rückseitig.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.679)



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Eberz, Josef
Landschaft bei Assisi

Lot 8101

Landschaft bei Assisi
Öl auf Leinwand. 1920.
58 x 79 cm.
Unten links mit Pinsel in Rotbraun signiert "J. Eberz" und datiert.

Malerische, dicht komponierte und farblich intensive Darstellung der Landschaft bei Assisi mit Blick auf die Stadt in Umbrien, von Westen aus gesehen, mit Blick auf die Stadtbefestigung und die Basilica di San Francesco. In geradezu glühendem Kolorit schildert Eberz die Szenerie, die aus der dunkleren Umrahmung hervorstrahlt. Das Gemälde entstand während seiner Studienreisen nach Italien und Dalmatien, bald nach dem Ersten Weltkrieg. Eberz studierte von 1901 bis 1903 an der Münchner Akademie bei Franz Stuck und Hugo von Habermann, danach in Karlsruhe und ab 1905 an der Stuttgarter Akademie, wo er anschließend Meisterschüler bei dem Maler und Farbtheoretiker Adolf Hölzel war. Er war Mitglied des Hölzelkreises und nahm 1912 an der großen Sonderbund-Ausstellung in Köln teil. Eberz wurde Mitglied der „Novembergruppe“ und war auch als Buchillustrator tätig. Nach den Kriegs- und Nachkriegswirren zog es den Künstler und seine Frau in den Süden, zwischen 1920 und 1921 folgten Studienaufenthalte in Italien und Dalmatien sowie in Paris. In den 1920er Jahren führte Eberz mehrere Aufträge für Wandmalereien und Fresken aus und leitete Ateliers für Malerei und Grafik in den Münchner Lehrwerkstätten. Während der Zeit des Nationalsozialismus galt er als "entarteter" Künstler, viele Werke wurden nach 1933 aus den Museen beschlagnahmt. Stilistisch begann Eberz als Expressionist, der vom Futurismus und Kubismus beeinflusst war. In seinen späteren Monumentalwerken beschäftigte er sich mit der Pittura metafisica.

Provenienz: Hans Goltz München (mit dessen Klebeetikett verso, dort bezeichnet)

Estimate
€ 18.000   (US$ 20.520)



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