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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Main Image Description Status
Honecker, Erich
Manuskript der Verteidigungsrede 1992

Lot 2410

Honecker, Erich, kommunistischer Politiker, SED-Generalsekretär, Staatsratsvorsitzender der DDR (1912-1994). Eigh. Manuskript. 37 Bl., einseitig beschrieben. (Kugelschreiber und Tinte). Gr. 4to. (Berlin, Untersuchungsgefängnis, 1992).

Eigenhändiges Konzept der großen Verteidigungsrede, die der gestürzte und wegen Beihilfe zum Totschlag angeklagte Machthaber vor dem Berliner Landgericht halten wollte und in stark veränderter Form auch am 3. Dezember 1992 dort vortragen konnte. In geschickter Argumentation versucht Honecker, den Strafprozeß als ein rein politisches Verfahren darzustellen, in dem dieselben westdeutschen Politiker, die ihn seit Jahren hofiert hätten, angeblich jetzt die Gunst der Stunde benutzten, ihn als angeblichen Totschläger politisch auszuschalten und zugleich die gesamte DDR als Unrechtsstaat zu desavouieren: "Die Prüfung der vorgelegten Materialien, Anklageschrift und Akten, läßt erkennen, daß mit dem gegen mich und meine Genossen angestrengten Verfahren die Absicht verfolgt wird, die DDR, ihre Staats- und Gesellschaftsordnung, ihre Mitgliedschaft im Warschauer Pakt in den Anklagezustand zu versetzen und zum 'Unrechtsstaat' zu erklären. Das hätte für die Bundesrepublik Deutschland, als Nachfolgestaat des III. Reiches, den Vorteil, sodann ohne Gewissensbisse alle Gesetze der DDR seit ihrem Bestehen 1949 außer Kraft zu setzen, die Mitglieder der SED und der Blockparteien, also des antifaschistisch demokratischen Blocks sowie die Mitarbeiter der staatlichen Organe für vogelfrei zu erklären, sie den Gesetzen der BRD zu unterwerfen ... Die Staatsanwaltschaft weiß, daß ich weder ein Totschläger noch ein Dieb bin. Die Bundesregierung übrigens auch. Warum hätte sie sonst so hartnäckig daran gearbeitet, daß mein offizieller Besuch als 'Staats- und Parteichef der DDR' im Jahre 1987 in Bonn zustande kam? ...". Er zählt zahlreiche Kontakte zu Bundespolitikern und deren Bemühungen um seine Person auf, um sein politisches Ansehen in der Bundesrepublik und damit den Widerspruch zu seiner jetzigen Situation zu demonstrieren. Weit ausholend beschreibt Honecker die parallele Entwicklung der beiden deutschen Staaten im Rahmen der internationalen Politik, immer bestrebt, die DDR als normalen, souveränen Staat und das Verhalten ihrer Regierung als legitimes und friedensförderndes Handeln im Verbund mit der Sowjetunion und den sozialistischen "Bruderstaaten" hinzustellen. Der Mauerbau und das Grenzregime seien unabänderlich notwendige Maßnahmen zur Stabilisierung und Friedenserhaltung in Mitteleuropa gewesen. Immer wieder hebt Honecker die internationale Akzeptanz seines Staates und insbesondere auch die vielfältigen, aus seiner Sicht "guten und einvernehmlichen" Kontakte zu Politikern der der Bundesrepublik hervor, die in krassem Gegensatz zu der jetzigen Anklage seiner Person, eines langjährigen Staatsoberhauptes, als Totschläger und gewöhnlicher Verbrecher stünden. Die Grenze der DDR und ihre Bewachung habe den internationalen Normen entsprochen. In großen Zügen wird das Entstehen der Grenzsituation durch die Entwicklung der Weltpolitik erklärt und jedes Verhalten der DDR-Regierung verteidigt. Während man Honecker zur Zeit seines Sturzes "Wirklichkeitsverlust" nachsagte, hat er bis zur Abfassung des vorliegenden Konzepts offenbar viel gelesen, zeigt sich auch in der aktuellen politischen Situation recht gut informiert und verteidigt sich nicht ungeschickt. Seine Verteidigung geht allmählich zur Anklage über und gipfelt in einer großen Generalabrechnung der Systeme und in der "Beweisführung", daß der Mauerbau letztlich die logische Konsequenz der westlichen Politik gewesen sei. - Trotz des Konzept-Charakters - gegen Ende sehr flüchtig geschrieben - liegt hier das letzte große politische Manuskript eines Staatsoberhauptes der "Ost-Hälfte" des damaligen Europa vor, ein für Deutschland besonders bedeutsames historisches Dokument aus einer Zeitenwende, in der die Welt einem grundlegenden Wandel entgegenging.

Estimate
€ 15.000   (US$ 17.550)


Hammer Price
€ 12.000 (US$ 14.040)



» Autographs
Nolde, Emil
Korrespondenz mit Arthur und Erna Katt

Lot 2456

"Es war dem Maler wohl dabei"
Nolde, Emil, Maler und Graphiker (1867-1956). Korrespondenz mit den Pfarrersleuten Arthur und Erna Katt, bestehend aus 14 Schriftstücken von Emil und Ada Nolde, 2 Brief-Abschriften von Arthur Katt und 1 eigh. Brief von Max Sauerlandt sowie mehreren von Emil Nolde signierten Beilagen. 1927-1937.

Schöne, charakteristische Sammlung von Briefen und Karten des Künstler-Ehepaares Nolde an den Pfarrer und seine Frau in Horsbüll, die zu den glühendsten Verehrer Noldes zählten. Im einzelnen liegen vor: Je 1 eigh. Brief, 1 eigh. Briefkarte und 1 eigh. Ansichtskarte von Emil Nolde; 1 Brief und 1 Briefkarte, geschrieben von Ada, unterzeichnet von Emil Nolde; 3 Briefe (1 masch.), 1 eigh. Briefkarte, 4 eigh. Ansichts-Postkarten und 1 gedruckte Einladung von Ada Nolde; ferner 2 masch. Abschriften von längeren Briefen Katts und 1 eigh. Brief von Max Sauerlandt, Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, an Arthur Katt. Dem Pfarrer hatte Emil Nolde sein Bild der "Heiligen drei Könige" geschenkt, und am 26. März 1927 bedankt sich Katt mit einem ausführlichen, geradezu hymnischen Brief, in dem er - sich für die Blasphemie entschuldigend - in dem Künstler etwas Gottähnliches sieht. "... ich brauche nur einen Augenblick vor einem Nolde stehen, ob vor Meer, Wolken, Menschen, ob vor den paar Booten und Vertäuungspfählen im Hbg Hafen oder Blumen - ach wer könnte je Ihren 'Rittersporn' vergessen ... - Friede kommt über mich, Sehnsucht nach Reinheit, Erlösung, '... ich weiss, dass mein Erlöser lebt', diese Ostermelodie klingt mir dabei immer durch die Seele". Am 12. Mai antwortet Emil Nolde mit einem eigenhändigen, gleichfalls umfangreichen Brief (7 S. 4to) aus einem Hamburger Hotel, wirft dabei vielerlei Fragen und Gedanken über Erdendasein und das Jenseits auf: "... Wenn man im Hotelzimmer sitzt und nichts hört als den einförmigen Laut einer Schreibmaschiene [!] nebenan, oder ab u. zu das Tuten der Dampfer im Hafen, dann ist einem recht einsam ... Zu Ihnen denke ich hin, wie zu einem jungen Freund, obschon ich Sie kaum kenne, so tue ich es doch u. das darf ich doch gewiß? Sie hatten so schön u. lieb uns geschrieben, u. Sie sind so herrlich jung u. Ihre Gedanken fliegen hoch. Bin auch ich jung? Jedenfalls fühle ich den Altersunterschied zwischen Ihnen u. mir nicht so sehr groß. Sie sagten, keine Briefe schreiben zu können, Sie aber können es, nur vielleicht 'übliche Schreibebriefe' nicht, u. das kann auch ich nicht. Oft kommt bei mir kein Brief zurecht, es ist dann wie ein sinnloses Umherirren in den Gedankengängen eines Labyrinths, u. oft habe ich einen Brief zerrissen, weil ich ihn nicht wegsenden mochte.
Kürzlich in einer gehobenen Stunde rief ich einem verschiedenen lieben Menschen meine Gedanken hin. Sie verklangen ins Ewige hinein, es kam keine Antwort zurück. Nun aber da ich einen Pastor zum Freund habe - das ist etwas ganz besonderes - sollen wenigstens doch Sie wissen: 'Es ging Dir so gut! So groß u. frei u. frisch warst Du! Und dann wieder ging es Dir so schlecht, so jammervoll schlecht. Die Höllentore schon auf Erden öffneten sich Dir ... Dann kam der erlösende Tod. Sage nun mir wo Du bist? Nein sage es nicht, lasse nur ganz wenig mich es ahnen, dann ist der Raum so unendlich weit. Wer kann ein Schweben verwehren. Und dann wieder geht's zur Erde nieder. Denkt der einfache unverkünstelte Mensch ans Überzeitliche? ... Was aber geht dies alles dem [!] Maler an. Lasse mir meinen lichten Sinn. Ich denke zu Ihnen hin nach Horsbüll. 'Horsbüll', wie ich doch diesen Klang so gern mag ...".

Den zweiten Teil des Briefes schreibt Nolde aus Kiel und blickt dabei mit gemischten Gefühlen nach Hamburg zurück, wo er u. a. den Hagenbeckschen Tierpark besucht hatte. "... Und ein böser Gestank bei den Raubtieren. Und bei den Papageien, wie sie so gellend schrieen, die Biester! So lange man allem nahe ist, merkt man das Unangenehme alles sehr, es verfolgt einem [!]. Späterhin, dann denkt man an all diesem [!] nicht mehr, dann sind es Erinnerungen geworden u. alles ist anders. - Das Hämmern der Werften, die mächtigen Oceandampfer, die tief ins Wasser tauchenden Pinassen, das Leben am Hafen, das alles malte ich. Und auch die herrlichen Königstiger, die Löwen , die glühenden Farben der Papageien u. die stolz-eleganten, grau-schwarzen Reiher. Es war dem Maler wohl dabei u. wie ein Schuljunge bin ich mit der Mappe, mit den vielen Blättern darinnen, nach Kiel gefahren. Niemand wußte was ich in der Mappe habe, - alles den Hamburgern weggestohlen. - Morgen kommt hier mit der Ausstellungseröffnung ein ganz anderer Tag. Eine würdige Miene werde ich mich bemühen anzunehmen! ...".

1936 und 1937 schreibt Nolde noch einmal eigenhändig an Pastor Katt, zuletzt anläßlich eines Dankschreibens für Glückwünsche zu seinem 70. Geburtstag, zu dem Ada Nolde die klein gewordene Schar der Verehrer des Künstlers mit einer gedruckten Karte eingeladen hatte. Emil Nolde schreibt eigenhändig an Katt: "es war Schade, daß Sie nicht kommen konnten, es waren viele liebe Freunde die nicht da waren, wir mußten wegen der drohenden Wolken am süddeutschen Himmel sie bitten nicht zu kommen. Nur ein kleiner Kreis Weithergereiste saßen mit uns beisammen in schöner Freude ..." [Seebüll, Mitte August 1937]. Die übrige Korrespondenz, zweimal von Emil mitunterzeichnet, führt Ada Nolde, teils aus Kopenhagen, Belgien und Berlin, mit mancherlei Mitteilungen, auch mit dankbarer Erinnerung an gelegentliches Beisammensein. - Schon 1927 hatte auch Max Sauerlandt (1880-1934), Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, Arthur Katt auf der Feier zu Noldes 60. Geburtstag kennengelernt. Am 11.VIII.1927 wendet er sich mit einem eigenhändigen Brief an Katt: "... Heut komme ich nun gleich mit einer Bitte zu Ihnen, deren Erfüllung mir sehr am Herzen liegt. Sollte es Ihnen nicht möglich sein, Näheres über Noldes's Vorfahren väterlicher- wie mütterlicherseits, und über seine nächsten Blutsverwandten festzustellen? Nicht nur die Kirchenbücher wären, meine ich, zu befragen, sondern auch die mündliche Überlieferung, so weit sie noch lebendig ist. Es wäre aber gewiß gut, solche Nachforschungen ganz unauffällig und im Stillen zu machen, um Nolde selbst nicht dadurch zu irritieren ...". Die Anfrage geschah offenbar wegen seiner bevorstehendenen Edition der Briefe Noldes aus den Jahren 1894-1926, deren Vorwort "September 1927" datiert ist (siehe unten). Sauerlandt, der auch 1933 noch unbeirrt für Nolde und die Kunst der Moderne eintrat, wurde bekanntlich von den Nationalsozialisten aus all seinen Ämtern entfernt. - Beiliegend 4 Widmungs-Exemplare von Veröffentlichungen über Emil Nolde:
1. Festschrift für Emil Nolde anlässlich seines 60. Geburtstages. Orig.-Kart. (kl. Rücken-Defekte). Dresden, Neue Kunst Fides-Verlag, 1927. - Mit Beiträgen von Ernst Gosebruch, F. G. Hartlaub, Paul Klee, Max Sauerlandt, Gustav Schiefler u. a. - Vorsatz mit eigh. Widmung: "Herrn Pastor Katt zur Erinnerung an die Dresdener Ausstellung, Febr. 27 von A u. EN." - 2. Emil Nolde / Briefe aus den Jahren 1894-1926. Hrsg. und mit einem Vorwort versehen von Max Sauerlandt. Orig.-Leinen. Berlin, Furche Kunstverlag, (1927). - Vorsatz mit eigh. Widmung: "Herr u. Frau Pastor Katt diesen kleinen Briefgruß Ihnen u. Ihnen von Ada u. Emil Nolde. Berlin 24.11.27." - 3. Kunst und Kirche. Zeitschrift des Vereins für religiöse Kunst in der Evangelischen Kirche. 6. Jg., 2. Heft, 1928. - Eingelegt in einen von Ada Nolde für den Versand beschrifteten Pappdeckel. - Umschlag mit eigh. Widmung: "Mit freundlichem Weihnachtsgruß von A u. EN.". - 4. Emil Nolde: Das eigene Leben. Orig.-Leinen. Berlin, Julius Bard, 1931. - Vorsatz mit eigh. Widmung: "An die Pastorenfreunde Katt dies Buch von ihren Malermenschen A u. EN. 21.10.31." - Ferner beiliegend eingehende biographische Informationen über die Jahre der Freundschaft zwischen den Noldes und Katts. - Seine eigenhändige Briefkarte von 1937 schließt Nolde mit den Worten: "... es sollten Briefe veröffentlicht werden, nun aber liegt alles still dahin." Heute nicht mehr: Mit der vorliegenden Sammlung läßt sich das Briefwerk Emil Noldes wertvoll ergänzen.

Estimate
€ 6.000   (US$ 7.020)


Hammer Price
€ 24.000 (US$ 28.080)



» Autographs
Brahms, Johannes
Musikal. Albumblatt

Lot 2475

Brahms, Johannes, Komponist (1833-1897). Eigh. musikal. Albumblatt m. U. "Joh. Brahms". Auf einer Karte mit Goldschnitt. 11,9 x 18,2 cm. O. O. (ca. 1892).

Die beiden Anfangstakte der Violinen (das Hauptthema) im 1. Satz von Brahms' Quintett für Klarinette, 2 Violinen, Bratsche und Violoncell in h-moll (op. 115), das 1892 im Druck erschien. - 1 Eckchen abgebrochen; geringfügig gebräunt; rückseitig Spuren ehemaliger Montage.

Estimate
€ 8.000   (US$ 9.360)


Hammer Price
€ 7.500 (US$ 8.775)



» Autographs
Wagner, Richard
Brief 1849 an Natalie Planer

Lot 2561

Wagner, Richard, Komponist (1813-1883). Eigh. Brief m. U. "Richard Wagner". 21/2 S., sehr eng beschrieben. Doppelblatt mit Adresse. Zürich, bei "Herrn Alexander Müller, Professor der Musik", 10.VII.1849.

An Natalie Planer "bei Mad: Wagner" in Dresden, die voreheliche Tochter seiner Frau Minna, die Natalie immer offiziell als ihre jüngere Schwester vorgestellt hatte. Großer, außerordentlich umfangreicher Brief des steckbrieflich verfolgten politischen Flüchtlings, der Frau und Stieftochter vor seiner Emigration in Chemnitz bei seinem Schwager Wolfram untergebracht hatte. Aus Paris zu seinem Gönner Alexander Müller nach Zürich zurückgekehrt, schreibt Wagner an Natalie, um durch ihre Vermittlung seine Frau zu erreichen und das weitgehend zerrüttete Verhältnis unter Aufwand aller Argumentations- und Überredungskunst wieder in einigermaßen erträgliche Bahnen zu lenken. Der Brief ist also eigentlich für Minna bestimmt. "... ich wende mich an Dich, um von Minna etwas zu erfahren, von der ich nicht einmal weiß, wo sie sich gegenwärtig aufhält. Was ich ihr selbst schreiben wollte, weiß ich kaum: über ihre Härte gegen mich will ich ihr keine Vorwürfe machen; meine Vertheidigung würde sie aber auch nicht verstehen wollen ... Somit bliebe mir nichts weiter mehr übrig, als ihr meine herzliche Sehnsucht nach ihr auszudrücken: dieß könnte ich aber auch wieder nicht anders, als indem ich Alles aufböte, um sie dazu zu vermögen, zu mir zu kommen, damit nicht das Traurige unrer Lage durch das größte Uebel, die Trennung, noch verschlimmert werde! Sie hat aber ausdrücklich, und namentlich auch um ihrer Gesundheit willen von mir verlangt, daß ich sie in dieser Hinsicht nicht bestürmen oder belästigen möge. Was soll ich ihr nun schreiben? ... Hierin mag sie nun zwar sehr vorsichtig und klug handeln, von Liebe finde ich aber nicht eine Spur darin, sondern nur Lieblosigkeit und Eigensinn. In meiner jetzigen Lage kann ich mich aber an Minna nur wenden, wenn ich ihrer Liebe gewiß bin: nur die Liebe kann Alles das überwinden, was jetzt zu überwinden ist, nur die Liebe kann vertheidigen, entschuldigen, erkennen und versöhnen ... Hat sie ihre Liebe zu mir verloren, so kann sie ihr von Außen her nicht wieder zugeführt werden, sondern sie kann nur aus ihrem eigenen Innern, von selbst wieder kommen ... Du, liebe Natalie, bist nun doch am meisten um Minna, - so hoffe ich wenigstens: deshalb wende ich mich an Dich, Minna genau zu beobachten u. zu lauschen, wie es mit ihrem Herzen steht u. wie sie sich über die Möglichkeit einer baldigen Wiedervereinigung mit mir äußert ... Vor allen Dingen benachrichtige mich ja genau, wie es mit Minna's Auskommen steht: sie hat durchaus verweigert, geborgtes Geld von mir anzunehmen; ich hoffte nun ihr in diesen Tagen verdientes Geld, nämlich ein Honorar für meinen Tannhäuser, aus Frankfurt, zustellen zu können, - leider erhielt ich gestern aber eine abschlägliche Antwort ... Nachdem ich auf dem Lande bei Paris Minna's für mich so sehr niederschlagenden Brief erhalten, schrieb ich augenblicklich an Liszt, er solle alle etwa wegen eines Gehaltes eingegangenen Unterhandlungen abbrechen, bei Minna auch nicht nachfragen, worum ich ihn vorher gebeten hatte ...".

Berichtet dann über sein Wohnen bei der Familie Müller und deren Gastfreundschaft. "... ich selbst würde in Müller's Hause, zumal wenn Minna käme, doch wohl nur so lange bleiben, bis meine übrigen Angelegenheiten zu Stande kämen. Ich hoffe nämlich mit einem hiesigen, sehr reichen Kunstfreunde eine Art Geschäft in der Art zu machen, daß ich ihm alle meine zukünftigen deutschen Opern im Voraus gegen ein festes Jahresgehalt verkaufe ... Schon jetzt würde es mir möglich sein, meine fertige Oper Lohengrin in Bausch u. Bogen gut zu verkaufen ... Wollte Minna kommen, so erhielte sie umgehend von mir alles nöthige Geld: die Möbel u. Sachen, die sie noch erhalten hat, müßte sie alle nachkommen lassen, denn diese sind hier theuer ... Du, liebe Natalie, müßtest jedenfalls mitkommen, denn erstlich gehörst Du zu uns u. würdest schon jetzt bei Müllers sehr nützliche Beschäftigung finden ... Ach, möchte der gute Geist, der Geist der Liebe bald wieder über Minna kommen: überwältigt sie dieses edelste u. reinste Gefühl für mich nicht bald wieder, so fürchte ich, wird sie auch nie wieder der Liebe für mich fähig sein: dann soll sie mir es sagen, daß sie mich nie wiedersehen möge, ... u. dann - leb' wohl, Kunst und Alles, was mein Leben ausmacht! Dann nehme ich meinen Wanderstab u. gehe in die weite Welt hinein, daß keiner mehr eine Spur von mir finden soll! ...". - Sämtliche Briefe, Bd III (Leipzig 1983), Nr. 11. - Randschäden durch Faltenrisse; geringer Buchstabenverlust durch das Öffnen der Versiegelung.

Estimate
€ 5.500   (US$ 6.435)


Hammer Price
€ 15.000 (US$ 17.550)



» Autographs
Meckel, Christoph
you're welcome

Lot 2609

Mit den Originalzeichnungen von Chr. Meckel
Atelier Friedemann Siebrasse. - Meckel, Christoph. you're welcome. 10 Blatt, davon sieben signierte farbige Offset-Lithographien. 44 x 32 cm. Lose Blatt in illustr. Original-Mappe (etwas lädiert). Berlin, Atelier Friedemann Siebrasse, 1969.

Spindler 97, 2 (mit Abb.). – Eines von 150 numerierten Exemplaren. Die Graphiken geben die Originalhandschriften und -zeichnungen von Christoph Meckel im Format der Original wieder (Offsetdrucke mit den von den Farblinolschnitten eingedruckten Farben). Beiliegend das kalligraphische Originalmanuskript des "Leierkastenliedes" (Tuschfeder) sowie 7 Originalzeichnungen, die Vorlagen für "you're welcome" - von Christoph Meckel (Tuschfeder, Graphit und Wachskreide auf weißem Karton) davon ein Bl. signiert und datiert (13.3.69). – Teils leicht gebräunt.

Estimate
€ 1.700   (US$ 1.988)


Hammer Price
€ 1.000 (US$ 1.170)



» Private Press Books
Bremer, Uwe
Curiosa der Galaxis

Lot 2649

Bremer, Uwe. Curiosa der Galaxis oder neun Planeten sowie Wissenswertes über das Lieben & Leiden ihrer Bewohner. Titelblatt und 9 (6 farbige) signierte Orig.-Radierungen von Uwe Bremer. 77,5 x 49 cm. OPapp-Mappe mit Marmorpapierbezug und kreisrundem Ausschnitt. O. O. u. Dr., (1967).

Eines von 21 numerierten Exemplaren der großformatigen Folge. – Titel im Rand etwas fingerfleckig. Die Graphiken sauber und wohlerhalten.

Estimate
€ 600   (US$ 702)


Hammer Price
€ 400 (US$ 468)



» Private Press Books
Edition Dieter Wagner
1984 - Diese Scheiße kommt auf uns zu

Lot 2676

Edition Dieter Wagner. - 1984. Diese Scheiße kommt auf uns zu. 668 S. 25,5 x 18 cm. OKart. mit chinesischer Schnurbindung; als Blockbuch gebunden. Berlin, Dieter Wagner, Mai 1982-März 1983.

Spindler 131, 15. – Eines von 50 Exemplaren. Bis zu fünffarbig auf schwarzes Papier gedruckte typographische Variationen unter Verwendung von Kürzeln der internatioanlen Waffensysteme. Begonnen am Geburtstag von Dieter Wagner, 584 Tage vor der am 1.1.1984 beginnenden Nachrüstung der NATO (vgl. Spindler). Die Arbeit zählt zu den bedeutendsten Pressendrucken der Nachkriegszeit, zeitlos - wie der Titel. – Wohlerhaltenes Exemplar.

Estimate
€ 1.000   (US$ 1.170)


After-Sales Price
€ 700   (US$ 819)



» Private Press Books
Neufeld, Wilhelm
Gedichte und Bilder vom Glockengießer

Lot 2859

Methusalem-Presse. - Neufeld, Wilhelm. Gedichte und Bilder vom Glockengießer. 31 Bl. Mit 8 (davon 7 signiert) mont. Original-Monotypien von W. Neufeld. 35 x 24,5 cm. OPappband mit Originalmarmorpapierbezug der 1960er-Jahre mit mont. RTitel. Chieming a. S., Methusalem-Presse, 1986.

14. Druck der Methusalem-Presse. Spindler 142, 14 (mit falscher Angabe der Anzahl der Graphiken). – Eines von 14 numerierten Exemplaren (Gesamtauflage), wobei jedes Exemplar andere Motive enthält. Druckvermerk von Neufeld signiert. Eine der wenigen Drucke der Methusalem-Presse, die in den Handel gelangten. – Tadelloses Exemplar.

Estimate
€ 1.800   (US$ 2.106)


Hammer Price
€ 1.900 (US$ 2.223)



» Private Press Books
Kafka, Franz
Betrachtung

Lot 2918

Raamin-Presse. - Kafka, Franz. Betrachtung. (Dazu drei Eintragungen aus den Tagebüchern). 32 S., 2 Bl. Mit 5 Orig.-Farbradierungen sowie einer Extrasuite mit 5 Orig.-Farbradierungen von Roswitha Quadflieg. 37 x 22,5 cm. Blindgeprägtes schwarzes OKalbleder von Christian Zwang mit grauen Seidenvorsätzen in OPapp-Schuber (leicht berieben). (Hamburg), Raamin, 1990.

19. Druck der Raamin-Presse. Quadflieg 19. Vgl. Spindler 71. – Eines von 40 nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe mit der Extrasuite von 5 von der Künstlerin signierten und nummerierten Orig.-Farbradierungen (Gesamtauflage 180) Druckvermerk von der Künstlerin signiert. "Bei Franz Kafka fand ich, was ich gesucht hatte. Meine Bilder nahmen seine Motive auf, zu den achtzehn Prosastücken der Betrachtungen, manche nur eine halbe Seite lang ... sind über Entwürfe, farbige Skizzen, zusammen mit der Gesamtkonzeption eines extrem schlanken, hochformatigen Buches, fünf ganzseitige, nicht festumrissene Bilder entstanden. Keineswegs schwarz-weiß, wie immer vermutet wird, wenn irgendwo die Rede von Bildern zu Franz Kafka ist, sondern gedämpft farbig" (R. Quadflieg). – Nahezu verlagsfrisches Exemplar in einem hervorragenden Einband des Hamburger Meisters. Exlibris.

Estimate
€ 1.500   (US$ 1.755)


Hammer Price
€ 1.000 (US$ 1.170)



» Private Press Books
Barlach, Ernst
Der Findling

Lot 3019

Barlach, Ernst. Der Findling. Ein Spiel in 3 Stücken. 77 S. Mit Holzschnitt-Titel, 20 Orig.-Holzschnitten von Ernst Barlach sowie Extra-Suite mit 20 signierten Orig.-Holzschnitten auf Japan unter Passepartout. 35 x 26,5 cm. OPergament (E. Ulber, Berlin) mit goldgeprägter Deckelvignette und KGoldschnitt in HLeinen-Schuber (dieser sehr stark lädiert). Berlin, Paul Cassirer, 1922.

Schult 172-173 und 175-192. Schauer II 116. Feilchenfeldt-Brandis 9.1. Reed 234. Raabe 15,4. – Eines von 80 nummerierten Exemplaren der Vorzugsausgabe auf Zandersbütten mit einer zweiten Folge aller Holzschnitte auf Japan, diese sämtlich signiert, ebenso im Druckvermerk vom Künstler signiert. Mit den Holzschnitten "Die Last" (Schult 172), "Haderndes Paar" (173), "Der Windschirm" (174), "Steinklopfer und roter Kaiser" (175), "Wanderndes Paar im Regen" (176), "Gruppe aus drei Figuren" (177), "Lahmer und Einbein" (179), "Wandernde Puppenspieler" (180), "Verzweifelter Puppenspieler" (181), "Elise, kniend vor der Mutter" (182), "Gruppe aus mehreren Figuren" (183), "Der Puppenspieler" (184), "Ein braver Mann muss gehn und betteln" (185), "Der Mantel ist mehr Flick als Stück" (186), "Friss, friss, Vater Kummer" (187), "Der Kessel" (188), "Der hohe Herr" (189), "Der Maulwurf" (190), "Das Kind in der Glorie" (191) und "Fort mit dem Wort vom Menschenfrass" (192).
"Der Findling" ist das dritte bei Cassirer erschienene Drama Ernst Barlachs, das dieser ein Jahr zuvor unter dem Eindruck und den Folgen des Ersten Weltkrieges verfasste. "Er nennt dieses finstere, brutalste, verzweifelste seiner Dramen ein 'Spiel' - ein kannibalisches Mysterienspiel und schauerliches Kasperl-Theater. Der Krieg, das Inferno der Flüchtlinge, der Invaliden, Hungernden und Bettler mag das auflösende 'reale Moment' für die Dichtung gewesen sein. Der Findling, das verkrüppelte, entstellte Kind eines Flüchtlingspaares, ist eine Ausgeburt der Zeit ..." (G. Sello. Ernst Barlach als Illustrator; in: Philobiblon IV,3 / 9, 1960, S. 215). – Sehr schönes und sauberes Exemplar. – Dabei: 6 Reproduktionen von Holzschnitten Barlachs.

Estimate
€ 6.000   (US$ 7.020)


Hammer Price
€ 6.000 (US$ 7.020)



» Modern Literature

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