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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Main Image Description Status
Fleischmann, Adolf
Abstrahierte Tiere

Lot 8144

Abstrahierte Tiere
Öl auf Leinwand. Um 1930.
69,5 x 46,5 cm.
Rückseitig unten rechts mit dem Nachlaßstempel und der Wvz.-Nr.
Wedewer Nr. 3 (F A30/6).

Die "Abstrahierten Tiere" ist eine der frühesten Leinwandarbeiten, bei der Fleischmanns intensive Beschäftigung mit der Formensprache des Kubismus, auch die inhaltliche Adaption gegenständlicher Sujets, zum Ausdruck kommt. Man kann hier den Übergang von noch Gegenständlichem zur reinen Abstraktion ablesen. Die meisten Werke dieser frühen Schaffensphase Fleischmanns sind dem Krieg zum Opfer gefallen, sodass dieses Bild ein wichtiges Frühwerk und seltenes Dokument darstellt. Das hier zitierte Tier-Wesen gibt sich nur andeutungsweise zu erkennen. Der einem Notenschlüssel oder der Form einer Violine ähnliche Schwung, wie ihn die Kubisten Braque oder Picasso in ihren Gemälden einzusetzen wussten, die Körperlinie mit dem anmutig geschwungenen Hals, läuft im unteren Bereich zur Pfote, zum Huf aus. Andeutungen von Fellhaftem, einem Schweif gleich, akzentuiert Fleischmann durch die mehrfach parallel verlaufenden Schraffuren. All diese runden, weichen Formbögen platziert er in ein geometrisches Gerüst prismatisch klargeschnittener Felder. Dabei gibt Fleischmann entlehnte Elemente des französischen Kubismus nicht bloß wieder, sondern kreiert schon sehr früh seinen eigenen Stil.

Provenienz: Nachlass Adolf Fleischmann
Sammlung Rolf Deyhle

Ausstellung: Adolf Fleischmann, Gedächtnisausstellung zum 100. Geburtstag, Galerie Schlichtenmaier, Grafenau 1992, Nr. 13
Figur und Abstraktion in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, Sammlung Rolf Deyhle, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf Schleswig, 1995, Kat.-Nr. 123, S. 186 (mit Abb.)


Literatur: Alfred M. Fischer, Adolf Fleischmann, Diss. Tübingen 1976 (mit Wvz.), Nr. A 30/6
Rolf Wedewer, Adolf Fleischmann, Stuttgart 1977, Nr. 3 (F A30/6)
Heinz Spielmann (Hrsg.), Figur und Abstraktion in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts, Sammlung Rolf Deyhle, Band II, Ausst.-Kat. Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf Schleswig, 1995, Kat.-Nr. 123, S. 186 (mit Abb.)

Estimate
€ 15.000   (US$ 17.700)


Hammer Price
€ 20.000 (US$ 23.600)



» Modern Art I
Grützke, Johannes
Beim Graben

Lot 8164

"Beim Graben"
Öl auf Leinwand. 1979.
182 x 206 cm.
Unten links mit Pinsel in Rotbraun monogrammiert "JG" und datiert, verso signiert "Johannes Grützke" und betitelt.

Der Mann - es ist Grützke selbst - hebt in makellos weißer Hose eine breite Grube aus. Dabei blickt er, den Spaten geschultert, über seine linke Schulter hoch zu der nackten Frau, der damaligen Lebensgefährtin des Künstlers, mit einem Grützke wie aus dem Gesicht geschnittenen Kind im Arm, die rechts auf halber Höhe zwischen Grubenboden und Erdoberfläche kniet. Dann klettert der Mann aus der Grube heraus und verlässt die Szenerie. Simultan zeigt Grützke ein und dieselbe Person, den Mann mit der weißen Hose, in verschiedenen Posen: beim Graben, beim Herausklettern aus der Grube und beim Fortgehen nach hinten in die Landschaft. Der Handlungsablauf wird also in mehrere Phasen aufgesplittert. Damit verlässt Grützke die Einheit von Raum und Zeit.
Immer wieder nutzt Grützke historische Szenerien für seine zeitgenössisch gestalteten Bildbühnen, mischt historische mit zeitgenössischen Figuren, verknüpft Realität und Fiktion. Hier sind es Anklänge an Grablegungen, mit denen der Künstler spielt, so dass eine Art modernes Historienstück entsteht. "Die Kunstgeschichte ist für Grützke kein abgeschlossener, toter Prozess, an dessen Denkmälern man sich nur noch akademisch schulen kann, sondern er stellt sich selbst bewusst in eine Tradition, die er programmatisch erneuern möchte." (Ekkehard Schenk zu Schweinsberg, Versuch zur Bildsprache von Johannes Grützke, in: Holeczek S. 7f).
1979 beginnt die langjährige Zusammenarbeit mit dem Regisseur Peter Zadek, für dessen Inszenierungen er Bühnenbild- und Prospektentwürfe fertigt. "Beim Graben" zeigt uns dementsprechend eine Bühne, eine etwas rätselhafte Inszenierung.

Estimate
€ 25.000   (US$ 29.500)


Hammer Price
€ 22.000 (US$ 25.960)



» Modern Art I
Grützke, Johannes
Vier alte Männer von einer Frau durchwoben

Lot 8165

Vier alte Männer von einer Frau durchwoben
Öl auf Leinwand. 1989.
155 x 205 cm.
Unten rechts mit Pinsel in Grau monogrammiert "J.G." und datiert.

Vier Greise mit entblößten Oberkörpern und weißen Leinenhosen teilen sich die Last einer jungen nackten Frau, die sie auf ihren Schultern tragen. Das Gewicht verlagern sie dabei auf hölzerne Gehstöcke, die zusätzlich zu den verfallenden Oberkörpern das hohe Alter der Protagonisten unterstreichen. Grützke verwendet oft historische Motive als Inspirationsquelle für seine Gemälde: Hier versetzt er die Szenerie in eine moderne und erotisch aufgeladene Interpretation des heiligen Christophorus. Gleich von einer vierfachen Ausführung des Heiligen wird die junge Entblößte getragen. Der Fluß, den Christophorus in der biblischen Version durchwatet, ist hier einer wolkenähnlichen Landschaft gewichen. Auch durch die Lichtsetzung, mit der Grützke den jungen weiblichen Körper wie durch Sonnenlicht modelliert, unterstreicht den überirdischen Charakter der Szenerie. Entgegen den vorherrschenden Konventionen, in denen das Alter häufig als Defizit angesehen wird und die Spuren des Alterns größtenteils ausgeblendet werden, stellt Grützke hier die positiven Aspekte des Alterns in den Vordergrund: Erfahrung, Lebensweisheit, Kontemplation, Lebenslust und Triumph über gesellschaftliche Konventionen. Auch wenn es vier Männer dieses Alters benötigt, um die junge Frau zu tragen, so bildet das Alter und die Lebenserfahrung das Fundament, auf dem sich die Jüngere ausruhen und führen lassen kann. Abschließend schafft Grützke wieder eine Synthese aus Realität und Fiktion, indem er seine damalige Lebensgefährtin und sich selbst, allerdings deutlich gealtert, in diesem, wie ein Bühnenbild anmutenden Gemälde verewigt.



Provenienz: Privatsammlung Hamburg

Ausstellung: Die Kraft des Alters, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2017

Literatur: Stella Rollig und Sabine Fellner (Hrsg.), Die Kraft des Alters, Ausst.-Kat. Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2017 (Abb. S. 14-15)

Estimate
€ 30.000   (US$ 35.400)


Provisional Sale
€ 24.000 (US$ 28.320)



» Modern Art I
Heldt, Werner
Stilleben am Fenster I (Stilleben vor Häuserwand)

Lot 8178

"Stilleben am Fenster I" (Stilleben vor Häuserwand)
Kohle, Aquarell und Deckweiß auf Bütten. 1950.
56 x 68 cm.
Unten rechts mit Bleistift monogrammiert "WH" und datiert, verso signiert "Werner Heldt" und betitelt sowie numeriert "80".
Seel 657.

Künstlerisch bedeutsames, charakteristisches und koloristisch wirkungsvolles Stilleben, eines der Hauptmotive Heldts der Nachkriegszeit. Mit vereinfachten, geometrisierten Formen und harten Schwarz-Weiß-Kontrasten zeichnet Werner Heldt das "Stilleben am Fenster". Er beschränkt sich auf wenige, klare Farben und setzt vor die geschlossene Häuserwand einen wogenden Streifen in leuchtendem Grün. Das Arrangement im Vordergrund wirkt monumentalisiert, die Häuser scheinen selbst Teil des Stillebens, der Gegensatz zwischen Innen und Außen ist beinahe aufgehoben. Der Hintergrund ist streng gegliedert durch die Vertikalen der Hausfassaden und das rhythmische Zickzack der Dachformen.
"Ich habe in meinen Bildern immer den Sieg der Natur über das Menschenwerk dargestellt. Unter dem Asphalt Berlins ist überall der Sand unserer Mark. Und das war früher einmal Meeresboden. Aber auch Menschenwerk gehört zur Natur." (Werner Heldt, zit. nach Wieland Schmied, Werner Heldt, Köln 1976, S. 66). Das Berlinbild Werner Heldts machte von den romantisch-melancholischen Anfängen der 1920er Jahre bis hin zu den kargen Fensterausblicken der Nachkriegszeit eine grundlegende Entwicklung durch, geprägt vom Lebensweg eines einsamen, von Depressionen heimgesuchten Künstlers, der ganz in seinem Werk aufging. Sein Schaffen "bewahrt das Bild einer zum Stilleben gewordenen Stadt, leer, fremd und nicht ohne Magie, einen der irdischen Geographie entrückten Ort, ein 'Berlin am Meer'" (Wieland Schmied, Werner Heldt, Köln 1976, S. 62).
Die quadrierte Zeichnung diente Heldt als direkte Vorlage für sein Ölbild "Stilleben auf dem Balkon" (Seel 648), 1950. Der Hintergrund, der Krug und der Bilderrahmen wurden fast unverändert übernommen, während die Tischdecke im Gemälde Streifen hat und das Obst links umgezeichnet wurde. Seel betitelt das Blatt "Stilleben vor Häuserwand".

Estimate
€ 15.000   (US$ 17.700)


Hammer Price
€ 40.000 (US$ 47.200)



» Modern Art I
Jawlensky, Alexander
Kopf (hingebend II)

Lot 8196

Kopf (hingebend II)
Lithographie und farbige Kreiden auf gelblichem Similijapan. 1922.
27,4 x 23,5 cm (50,3 x 39 cm).
Signiert "AJawlensky".
Rosenbach 31.

Das menschliche Antlitz, das wichtigste Motiv in Jawlenskys Schaffen, bricht der Künstler hier auf die wichtigsten Grundelemente herunter und schafft - auch aufgrund des nach innen gewendeten Blickes hinter den geschlossenen Lidern - ein gleichsam spirituelles Bild. Das Oval des Kopfes findet seinen Widerhall in den geschwungenen Lidern, dem Nasenbogen und dem sparsam angedeuteten Hals. Die Wellenformen der umrahmenden Locken und der Oberlippe des Mundes finden ein Gegengewicht im scharfen Winkel der Nase. Auf der Stirn, zwischen den Augen leuchtet in Weiß, nur im Streiflicht erkennbar, das "Dritte Auge" als Zeichen spiritueller Weisheit. Blaugrüne, gelbe und rötliche Nuancen akzentuieren die Linien der Gesichtszüge, "es ist ein Farbhauch, der das schwarze Liniengerüst zum Klingen bringt. Bei diesen Arbeiten Jawlenskys handelt es sich keinesfalls um eine Kolorierung im eigentlichen Sinne, sondern es sind Kunstwerke von einmaliger Schönheit und ganz eigenem Charakter entstanden, obwohl die Farbe sich stets auf eine farbliche Unterstützung der stets linearen Zeichnung beschränkt" (Rosenbach S. 80-82).
Nach seinem Studium an der St. Petersburger Kunstakademie, wo Jawlensky Ilja Repin und durch diesen auch Marianne von Werefkin kennenlernt, zieht der Künstler 1896 mit Werefkin nach München. Hier begegnet er Wassily Kandinsky. Auf seinen Reisen nach Frankreich lernt er die Kunst der französischen Avantgarde kennen und ist tief beeindruckt von Cézanne, Gauguin und van Gogh. Im Schweizerischen Exil und ab 1921 in Wiesbaden entwickelt Jawlensky seinen meditativen Stil mit reduzierten und stark abstrahierten, doch stets dem Gegenständlichen verhafteten Formen.
Rosenbach verzeichnet lediglich drei Exemplare des Druckes, darunter zwei aquarellierte. Laut Rosenbach gibt es nur einzelne Probedrucke, es wurde keine Auflage gedruckt. Das extrem seltene Blatt in einem prachtvollen Druck mit dem vollen Rand.

Estimate
€ 8.000   (US$ 9.440)


Hammer Price
€ 13.000 (US$ 15.340)



» Modern Art I
Kirchner, Ernst Ludwig
Tänzerin mit Kopfputz

Lot 8203

"Tänzerin mit Kopfputz"
Bleistift auf Velin. 1912.
53,7 x 38,6 cm.
Unten links mit Bleistift signiert "ELKirchner", verso zweifach betitelt. Mit dem Basler Nachlaßstempel verso, dort bezeichnet "B Be/Ba 5" sowie mit den Nummern "1130" und "1495".

Die Mitglieder der Künstlergemeinschaft "Brücke" lehnten die Arbeit mit professionellen Modellen ab. In Berlin, wohin er im Herbst 1911 aus Dresden umgezogen war, fand Ernst Ludwig Kirchner seine Modelle im Milieu der Varietétheater und Nachtlokale. In einem Tingeltangel-Lokal lernte er dann auch im Sommer 1912 die beiden Schwestern Erna und Gerda Schilling kennen, damals Tänzerinnen. Beide spielten künftig für ihn eine wichtige Rolle, Erna als seine Lebensgefährtin bis zu seinem Freitod 1938, und auch Gerda war ihm einige Jahre lang ein beliebtes und häufig gezeichnetes Modell.
Die Zeichnung zeigt wohl Erna Schilling im Bühnenkostüm mit Stirnreif. Schwungvoll und energisch skizziert der breite, weiche Bleistift das Bildnis in einem Raum. Dunkle Schraffuren markieren den kurzen Haarschnitt sowie die sensibel erfasste Augenpartie, und mit beeindruckender Finesse zeichnet der Künstler die schmale Nase und den elegant geschwungenen Nasenflügel in je einer Linie rechts und links. Das breite, vorne mit einem sternförmigen Ornament geschmückte Stirnband umfasst die markante Frisur und durchbricht die dunkle Fläche der Haare. Der Körper ist mit nur sparsamen, sicheren Bleistiftzügen erfasst, der Hintergrund zwar mit einem Gerüst aus wenigen kantigen Linien durchgestaltet, jedoch kaum eindeutig erkennbar.
Stilistisch hatte sich Kirchner seit etwa 1910 von den schlichten Umrisszeichnungen gelöst und setzte nun gezielt schräge Strichlagen ein, um Plastizität, Schattenbildung und Räumlichkeit darzustellen. Auch bedingt durch seinen Umzug in die unruhige Großstadt Berlin wurde sein Strich zunehmend nervöser und schneller, die Formen nun auch tendenziell spitzer.
Kirchners Ziel in der Zeichnung war nicht ein naturgetreues, genaues Porträt der jungen Frau, sondern vor allem die Wiedergabe ihrer psychischen Verfassung; Erna war bekannt für ihren melancholischen Charakter, den der Künstler hier mit dem leicht abwärtsgerichteten Blick der Augen, den schweren Oberlidern und den dunklen Schattierungen unter den Augen zum Ausdruck bringt.
In der Sammlung Hermann Gerlinger befindet sich mit dem Blatt "Erna und Gerda im Atelier" (1912) eine vergleichbare Bleistiftzeichnung, dort die beiden Schwestern nebeneinander dargestellt, eine mit Stirnband.
Die Sammlung Hans Kinkel, ausgestellt 2017 im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg beinhaltet u. a. Kirchners Bleistiftzeichnung " Kopf Erna mit Stirnreif", 1912, dort die Tänzerin im Bühnenkostüm und mit unserem Blatt ganz ähnlichem Ausdruck.
Verso eine weitere Bleistiftzeichnung Kirchners, "Frauenkopf im Profil nach rechts", durchgestrichen.

Provenienz: Galerie Nierendorf, Berlin
Privatsammlung Berlin

Ausstellung: Galerie Nierendorf, Berlin 1972

Estimate
€ 12.000   (US$ 14.160)


Hammer Price
€ 22.000 (US$ 25.960)



» Modern Art I
Knoebel, Imi
Anima Mundi 81-3

Lot 8209

[*] Anima Mundi 81-3
3 Collagen, jeweils Acryl auf Kunststoff, mehrteilig, auf Aludibond montiert. 2010/11.
Jeweils ca. 36,5 x 29 cm.
Alle Arbeiten verso auf einem Etikett bezeichnet "Imi Knoebel/ Anima Mundi 81-3 II. Ed." und numeriert.

Imi Knoebel zählt mit Imi Giese und Blinky Palermo zu den Schülern von Joseph Beuys, die sich in den 1960er Jahren einer minimalistischen Formensprache verschrieben. Zunächst setzte Knoebel sich mit dem Konstruktivismus von Kasimir Malewitsch auseinander, der jegliche Abbildfunktion von Kunst ablehnt, die Farbe reduziert und mit geometrischen Formen operiert. Nach dem Tod Blinky Palermos 1977 integriert Knoebel nun auch Farbe in seine Werke. Als Hommage an den verstorbenen Freund betitelt er seine nächste Ausstellung „24 Farben - Für Blinky“. Geometrische Struktur, malerische Farbigkeit und manuelle Ausführung bilden die weiteren Grundlagen seines Schaffens. Trotz serieller Entstehung besitzt jede Arbeit Unikatcharakter. „Der Titel „Anima Mundi“, Weltseele, weist zusätzlich darauf hin, dass Knoebel das Zusammenspiel von Form, Farbe und Materialität als programmatisch ansieht, nicht nur für sein eigenes Schaffen, sondern für die Kunst im Allgemeinen.“ (aus: Texte zur Kunst, Heft Nr. 86 / June 2012 „The Curators“).

Estimate
€ 15.000   (US$ 17.700)


Hammer Price
€ 16.000 (US$ 18.880)



» Modern Art I
Mappenwerke
Erfurter Ateliergemeinschaft

Lot 8253

Erfurter Ateliergemeinschaft
Mappenedition mit 10 Folgen, jeweils in Velinumschlägen, mit insgesamt 18 Textblättern und ca. 106 druckgraphischen Arbeiten auf verschiedenen Papieren sowie beigefügt Dokumentationsmaterial, dabei Texte und ca. 40 originalgraphisch gestaltete Einladungskarten und 6 Fotografien. Lose in Orig.-Leinenportfolio. 1964-73.
Bis 48,5 x 36,5 cm.
Die Druckgraphiken meist signiert bzw. monogrammiert und teils datiert. Auflagen 30 - 50 Ex.

1963 gründeten Waldo Dörsch, Rudolf Franke, Günter Laufer, Alfred Mörstedt, Helmut Senf und Johannes Sönnichsen die Erfurter Ateliergemeinschaft. Von Waldo Dörschs Dachatelier als inoffizieller Galerie aus organisierten sie zehn Jahre lang ungestört, in einer weitgehend geschlossenen Gesellschaft Gleichgesinnter, unbehelligt von der Stasi insgesamt 45 Ausstellungen und gaben Graphikmappen, sogenannte "Jahresgaben" mit jeweils zehn Blättern heraus. Die Veranstalter verzichteten auf jeglichen Anteil am Verkaufserlös aus Ausstellungen, waren also offiziell nur als Vermittler tätig und schufen so ein freies und kompetentes Podium für die vom Regime der DDR nicht geförderten bzw. ausgegrenzten Künstler. Dabei Arbeiten von Gerhard Altenbourg (9 Bl., Janda L 93, L 133, H 97, H 101, H 133 2, H 149 2, L 156 1 (von 2), L 157 II.2, H 165 2 (von 4)), Christian Butter (1), Rolf Dieß (1), Waldo Dörsch (3), Rudolf Franke (10), Achim Freyer (4), Ev Grüger (2), Heinz Günther (4), Günter Jahn (4), Horst Jährling (3), John (1), Ingo Kirchner (2), Günter Laufer (4), Roger Loewig (9), Alfred Mörstedt (10), Hermann Naumann (6), Philip Oeser (8), Robert Rehfeldt (5), Hanfried Schulz (4), Helmut Senf (10), Peter Sylvester (5) und Tucholke (1). In diesem Umfang wohl einmalige Sammlung zur "Erfurter Ateliergemeinschaft".

Estimate
€ 3.500   (US$ 4.130)


Hammer Price
€ 10.000 (US$ 11.800)



» Modern Art I
Picasso, Pablo
Salomé

Lot 8295

Salomé
Radierung auf Van Gelder Zonen-Velin. 1905.
34,7 x 40 cm (49 x 64 cm).
Auflage 250 Ex.
Bloch 14, Baer 17 III b. 2. (von c).

Die Suite der "Saltimbanques", eine Serie von fünfzehn lose zusammengestellten Radierungen und Kaltnadelarbeiten, entstanden Ende 1904 bis 1905, war eines von Picassos frühesten druckgraphischen Werken und steht in engem Zusammenhang mit seinen Gemälden und Zeichnungen aus derselben Zeit. Auch das Blatt "Salomé" zeichnet sich durch die erstaunliche Ökonomie und Eleganz der Linie aus, die bereits in diesem frühen Stadium seiner Karriere Picassos immens raffiniertes Auge offenbaren.
Der König Herodes Antipas hatte der biblischen Erzählung nach seine Schwägerin Herodias geheiratet, was Johannes der Täufer scharf kritisierte. Die gekränkte Herodias wünschte den Tod des Johannes, doch Herodes weigerte sich, ihn töten zu lassen. Bei Herodes' Geburtstagsfeier führte Salomé, die Tochter der Herodias, einen Tanz auf, mit dem sie die Anwesenden derart in Verzücken versetzte, dass Herodes ihr schwor: "Um was du mich auch bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reiches." (Mk 6,23). Das Mädchen fragte ihre Mutter, was sie sich wünschen solle, und diese flüsterte ihr das eigene Begehren ein: Den Kopf des Johannes solle sie verlangen. Diesem Wunsch konnte sich Herodes Antipas nicht verweigern, ließ Johannes köpfen und das Haupt auf einer Schale der Tänzerin bringen.
Picasso macht aus dieser Szene eine Zirkusgeschichte, mit dem dicken Herodes als Hofnarr, hinter ihm Herodias und in der Bildmitte die tanzende Salomé als Akrobatin. Einzig die Dienerin mit dem Haupt vorne rechts fällt aus der Zirkuswelt heraus. In einem fast leeren Raum versammelte Picasso sein Personal, mit einer erstaunlichen Balance von Distanziertheit und Verbundenheit.
Ob es eine Artistentruppe an der Esplanade des Invalides in Paris war, die Picasso inspirierte, oder der Circus Medrano am Fuß des Montmartre - die Welt der Gaukler interessierte Picasso in diesen Jahren besonders. Das Motiv der tanzenden Salomé, das etwas aus den Gauklerdarstellungen der Folge herausfällt, bildet einen Anknüpfungspunkt an die Dichtung Guillaume Apollinaires. Picassos Freund Apollinaire hatte ihm 1905 Auszüge aus seinem 1913 erschienenen Gedichtband "Alcools", nämlich die beiden Gedichte "Saltimbanques" und "Crépuscule", zugesandt. Diese Verse und ihre lyrischen Bilder vom fahrenden Volk mögen Picassos Interesse für artistische Themen verstärkt haben. Beide Künstlerfreunde beeinflussten sich damals gegenseitig, denn Apolinaire schrieb ebenso Gedichte über Picassos "Saltimbanques" wie dieser Motive Apollinaires in seinen Radierungen aufgriff.
Das Hauptblatt der Serie "Saltimbanques", gedruckt 1913 bei Louis Fort, erschienen bei der Edition Vollard, in einem ausgezeichneten Druck mit breitem Rand.

Estimate
€ 7.500   (US$ 8.850)


Hammer Price
€ 8.000 (US$ 9.440)



» Modern Art I
Uecker, Günther
Wind

Lot 8353

"Wind"
Prägedruck auf schwerem Bütten. 1999.
102,5 x 74 cm (118,5 x 80 cm).
Signiert "Uecker", datiert und betitelt. Auflage 90 num. Ex.

Prachtvoller, nahezu blattfüllender Prägedruck.

Estimate
€ 6.000   (US$ 7.080)


Hammer Price
€ 12.000 (US$ 14.160)



» Modern Art I

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