Please enter search terms:

BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

Sprache / Lingua / Language


Highlights

Highlights of the Current Auction » Browse Printed Catalogues

1 2 3 4   first pagerewindprevious pagenext pagefast forwardlast page

Main Image Description Status
Vergilius Maro, Publius
Die Eclogen

Lot 3072

Vorzugsausgabe auf Pergament
Cranach-Presse. - Vergilius Maro, Publius. Die Eclogen. In der Ursprache und deutsch übersetzt von Rudolf Alexander Schröder. Mit Illustrationen gezeichnet und geschnitten von Aristide Maillol. 3 Bl. (das 1. w.), 110 S., 4 Bl. (das l. w.). Mit 43 Original-Holzschnitten von Aristide Maillol, Titelblatt und 17 Initialen in Original-Holzschnitt von Eric Gill, letztere ornamentiert von A. Maillol. 32 x 24 cm. Beigefarbener Maroquinband d. Z. (sign.: EvG) auf 5 unechten Bünden mit goldgepr. quadratischen Linienmuster auf beiden Deckeln, RVergoldung, vergoldeten Deckel- und Steh- und Innenkantenfileten und dreiseitigem Goldschnitt. In Pappschuber (dieser etwas lädiert). Leipzig, Insel, 1926.

Eclogen und Georgica, Band I. Müller-Krumbach 40 (mit Abb.). Brinks 63. Sarkowski 1813. Schauer II, 73. Garvey 172. Gill 328. Rauch 138 Anm. Guérin 15-59. Adolph 88. – Die laut Druckvermerk auf 8 Exemplare beschränkte Vorzugsausgabe auf Pergament, ("nummeriert von A-H"), hier jedoch im Druckvermerk mit "K" bezeichnet (Gesamtauflage der deutsch-lateinischen Ausgabe: 292 Exemplare, davon 36 Ex. auf Kessler-Maillolschem "Seide-Papier" und 250 Ex. auf Bütten). Von Walter Tanz aus der Jenson-Antiqua und Johnston-Kursiv gesetzt. Die Druckleitung lag bei H. Graf Kessler und James H. Mason. Die Holzschnitte entstanden zwischen 1912 und 1914 und wurden, nach einer durch den Weltkrieg bedingten Unterbrechung, erst 1925 fortgeführt. Der Druck erfolgte auf ungewöhnlich starkem, schneeweißem Pergament aus marokkanischen Ziegenfellen. Zur Kollation: 1 weißes Bl., Bl. 1: Vortitel mit Pressensignet (recto weiß), Bl. 2: Vortitel mit Initiale, verso: Druckvermerk in Latein, S. (1): Titel mit Holzschnittvignette (verso [S. 2] weiß), S. (3): Widmung an Emery Walker, S. 4-(111): lateinischer und deutscher Text, S. (112): Index Eclogarum, S. (113): Inhaltsverzeichnis, S. (114): Anmerkungen zur Druckgeschichte, 1 Bl. Auflagenvermerk (verso weiß), 1 w. Bl. Das Buch gilt als eines der Hauptwerke der Cranach-Presse und als eines der schönsten des 20. Jahrhunderts, 1927 wurde es auf der Leipziger Buchkunst-Ausstellung ausgezeichnet. Die im Reihentitel angekündigten "Georgica" (Bd. II) erschienen nicht mehr in der Cranach-Presse. – Vor allem im Rand teils etwas gebräunt, Vorsätze mit Ausfärbung der inneren Lederkante. Fl. Vorsatz mit Besitzvermerk, die nachfolgende Seite (das 1. weiße Bl. recto) mit ausladender, leider vom Zeitgeist gefärbter Widmung in breiter blauer Tintenfeder (datiert "Berlin, im August 1944"); einige Pergamentblätter leicht gewellt, ansonsten sehr gut erhalten.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.200)



» Modern Literature
Gide, André
Paludes

Lot 3120

Ausnahmeexemplar von unikalem Charakter
Gide, André. Paludes. 52 nn. Bl. Mit 6 Original-Lithographien auf Tafeln von Robert de la Fresnaye. 24 x 19 cm. OUmschlag in grüner Maroquinkassette mit Deckelillustration in einem intarsierten Holzrahmen, dieser auf der Rückseite wiederholt, mit vergoldetem RTitel. Paris 1921.

Carteret IV 183. Skira 163. The Artist & the Book 154. – Ausnahmeexemplar von unikalem Charakter mit einer zweiten Folge der 6 Lithographien auf Japanpapier und bis auf eine Illustration vom Künstler monogrammiert und nummeriert 18/20. Die letzte Lithographie im "Japanexemplar" vor der Schrift. In dieser Form durch uns weder in einer Bibliographie noch im Handel nachweisbar. "The only book with original illustrations by La Fresnaye. The simplified, monumental figures recall his earlier adherance to Cubism ..." (Artist & the Book). – Tadelloses Exemplar.

Estimate
€ 5.000   (US$ 5.500)



» Modern Literature
Klein, Yves
Monochrome und Feuer

Lot 3207

Mit zusätzlichem Monochrome in Gold
Klein, Yves. Monochrome und Feuer. Ausstellungskatalog des Museums Haus Lange in Krefeld vom 14. Januar - 26. Februar 1961. 6 Bl. Mit 2 Farbserigraphien in Blau und Rosa und zwei Blatt mit Goldfolie auf leichtem Karton. 32 x 23,5 cm. Lose in Orig.-Umschlag (Ränder minimal gebräunt; Vorderumschlag am unteren Rand mit kleinem Einriss). Krefeld, Museum Haus Lange, 1961.

Fiedler S. 141. Restany S. 247. – Erste Ausgabe. Katalog zur ersten deutschen Gesamtausstellung des Künstlers vom 14. Januar bis 26. Februar 1961 im Museum Lange in Krefeld. Für Yves Klein (1928-1962) war sie die erste institutionelle Auslandsausstellung, die auch die einzige öffentlich museale Ausstellung zu Lebzeiten des Künstlers blieb. Der goldfarbene Karton wurde von Yves Klein mit Blattgold belegt. Dieses Exemplar mit zwei deiser Kartons. – Der pinkfarbene Karton mit winziger Ablösung am unteren Rand; der blaue Karton mit minimalen Bereibungen, die rechte untere Ecke mit Bestoßung (4 x 4 mm) die Farbe hier fehlend. Die beiden Monochromes in Gold tadellos.

Estimate
€ 5.000   (US$ 5.500)



» Modern Literature
Lasker-Schüler, Else
Theben. Gedichte und Lithographien

Lot 3234

Eines von 50 kolorierten Exemplaren außerhalb der Nummerierung
Lasker-Schüler, Else. Theben. Gedichte und Lithographien. Mit 10 signierten handkolorierten Original-Lithographien, eine mit Glitzerpapier-Element. 32 x 24 cm. Blaues OLeinen als Blockbuch gebunden mit geknoteter Bastschnur (Kanten ganz minimal berieben, nur ganz unwesentlich gebräunt, kaum bestoßen) mit großer goldgeprägter Vignette auf VDeckel und goldgeprägtem Signet auf Rückdecke (Golddruck minimal oxidiert). Frankfurt und Berlin, Querschnitt-Verlag, 1923.

24. Flechtheimdruck. Raabe 182, 15. Jentsch 136. Lang 217. Rodenberg 24. Schauer II, 118. Bauschinger 214. – Von Else Lasker-Schüler handkoloriertes Exemplar außerhalb der ersten 50 Exemplare (Gesamtauflage: 250), bei dem sie auch alle 10 Lithographien in Bleistift signierte, der Druckvermerk ebenfalls von ihr signiert. "Ich schrieb die Verse dieses Buches und zeichnete die Bilder dazu auf den Stein bei A. Ruckenbrod in Berlin, der das Buch in 250 Exemplaren für die Querschnitt-Verlags Aktiengesellschaft in Frankfurt am Main druckte. Die Zeichnungen der ersten 50 Bücher colorierte ich mit der Hand. Das Buch erscheint als 24. Flechtheim Druck" (Druckvermerk).
"Eines ihrer schönsten Bücher, das beiden Seiten ihrer Begabung voll Rechnung trug, ... der kostbare Band Theben, in dem jeweils eines ihrer schönsten Gedichte einer entsprechenden Zeichnung gegenübergestellt ist. Hier zeigt sich, welch enge Beziehungen sowohl ikonographisch als auch formal bei ihr zwischen Wort und Bild bestehen" (Erika Klüsener, Lasker-Schüler. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten). – Kaum Gebrauchsspuren, koloriert in ausgezeichneter, leuchtender Farbigkeit. Interessant sind die - teils von koloriertem zu koloriertem Exemplar - leicht unterschiedlichen Muster (etwa der Hosen, Überhänge, Strickpullover, Jacken und Schuhe der Figuren), die die Else Lasker-Schüler mit Wachskreiden virtuos gestaltete, wobei sie Kringel, Zickzacklinien, Herzchen etc. in verschiedenen Farbkreiden aneinander setzte und damit überzeugende Texturen schuf. Auf ihrem Selbstbildnis ist der Ohrring mit einem Stückchen Glitzerfolie unterlegt.
Zur Provenienz: Das Exemplar stammt aus der Sammlung von K. B. Fischer und davor aus dem Nachlass des vor allem in Potsdam tätigen Architekten Walter Sartorius (1875-1937), der ein aktiver Zeitzeuge der Berliner Bohème war und u. a. in Döblins "Berlin Alexanderplatz" erwähnt wird.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.200)



» Modern Literature
Morand, Paul
Fermé la Nuit

Lot 3300

"Ensemble rare, recherché et coté" mit signierten Extrasuiten
Pascin, Jules. - Morand, Paul. Fermé la Nuit. 238 S., 2 Bl. Mit 5 farbigen Orig.-Radierungen und 36 Illustrationen von Jules Pascin. 25 x 19,5 cm. OUmschlag sowie Extrasuite. In 53 x 34,5 cm großer, roter Original-Mappe und Maroquinkassette aus rotem und blauem Leder mit vergold. Rückentitel. Paris, N.R.F., 1925.

Carteret IV, 293. Skira 280. Strachan S. 55. – Die Broschüre erschien in 350 nummerierten Exemplaren. Unser Exemplar in der Vorzugsausgabe von lediglich 10 Exemplaren auf Vieux Japon Teinté, mit der doppelten Folge der Radierungen auf Whatman und Japan sowie einer doppelten Folge der Textillustrationen auf 66 Tafeln. Beide Suiten durchgehend vom Künstler signiert und mit "G" bezeichnet. "Ensemble rare, recherché et coté" (Carteret). "The N.R.F. had added Pascin to their list of artists, with Paul Morand's Fermé la Nuit in 1925" (Strachan). Signierte und nummerierte Folgen der Radierungen und Illustrationen sind nur für die Exemplare der Vorzugsausgaben vorgesehen (insgesamt 37 Exemplare), die signierten Folgen der Illustrationen auf Tafeln sind aber im Impressum überhaupt nicht vermerkt. Ein Exemplar einer Vorzugsausgabe mit den signierten Graphiken in der Mappenausgabe konnten wir weder im Handel noch in einer Bibliothek oder in einem Museum nachweisen. – Sauberes Exemplar; von großer Seltenheit.

Estimate
€ 6.000   (US$ 6.600)



» Modern Literature
Schwitters, Kurt
Die Kathedrale

Lot 3372

Schwitters, Kurt. Die Kathedrale. 8 Bl. Mit 8 (inkl. Umschlag) Orig.-Lithographien. 22,5 x 14,3 cm. Illustr. OBroschur mit Verschlußstreifen. In priv. moderner schwarzer Maroquin-Kassette mit intarsiertem Mittelfeld auf der Vorderseite und mont. Kurt-Schwitters-Briefmarke. Hannover, P. Steegemann, (1920).

Die Silbergäule 41/42. Schmalenbach-Bolliger VII 251. Motherwell-Karpel 278. Verkauf 182. Meyer 85. Raabe 163. The Artist and the Book 278. Katalog "Die Zwanziger Jahre in Berlin" 3/268. – Einzige Ausgabe dieser zu den wichtigsten zählenden Dada-Veröffentlichung. Mit dem Umschlagtitel "Merz 8". "Die Graphiken der 'Kathedrale' sind zweifellos die schönsten und originalsten, die Schwitters in dieser Zeit hervorgebracht hat, und dürfen einen Ehrenplatz in der Geschichte der neueren Graphik beanspruchen" (Schm.-B.). Die 8 Orig.-Lithographien gehören zu den frühesten "Merz"-Arbeiten Schwitters. Mit dem seltenen Verschlußstreifen, Schwitters' Retourkutsche für seine Ächtung durch den Berliner Dada-Kreis, der ihn von der "Ersten Internationalen Dada-Messe" zurückgewiesen hatte. Daraufhin ließ Schwitters im Juni 1920 in der Kunsthandlung Burchard auf das gerade im befindliche Heft den Verschlußstreifen anbringen. Auf der Vorderseite mit der lithographierten Aufschrift: "Aus sanitären Gründen zugeklebt. Vorsicht: Anti-dada", auf der Rückseite: "Man weise aufgebrochene Exemplare zurück. K. S. Merz. 1920." – Der Verschlussstreifen ist - wie immer - aufgebrochen und vorne an der rechten Ecke angesetzt (3 x 1 cm), ansonsten sehr gutes, wohlerhaltenes Exemplar.

Estimate
€ 6.500   (US$ 7.150)



» Modern Literature
Tableaux de Paris
Textes inédits - Lithographies et gravures

Lot 3389

Exemplar auf Japan
Tableaux de Paris. 2 Bl., VI, 1 Bl., 259 S., 2 Bl. Mit 20 teils farbigen Orig.-Graphiken und einer Extrasuite. 33 x 25 cm. OBroschur in OPappdecke (Rücken ausgeblichen) mit RSchild. In zweifarbigem OPappschuber (berieben und etwas lichtrandig). Paris, Éditions Émile-Paul Frères, 1927.

Monod II 10552. Skira 365. Carteret IV 374. – Eines von 25 nummerierten Exemplaren (Gesamtauflage 225 Ex.) auf Japan Impérial mit einer separaten Suite aller Graphiken auf Velin arches. Enthält zahlreiche Erstveröffentlichungen von Cocteau, Giraudoux, Max Jacob, Valéry u. a. sowie Lithographien und Radierungen, entstanden 1925/27, von Bonnard ("La Rue", Roger-Marx 92), van Dongen ("Boîte de Nuit"), Dunoyer de Segonzac ("La Mêlée"), Foujita ("Le Café de la Rotonde"), Marie Laurencin ("Frivolités"), Marquet ("Notre Dame"), Martin ("La Tour Eiffel", Farb-Aquatintarad.), Matisse ("Le Pont St. Michel"), Pascin ("Au Bal"), Rouault ("Le Cirque", Rouault 350), Utrillo ("Rue de l'Abreuvoir"), Vlaminck ("Rue Soufflot", v. Walterskirchen 232) u. a. – Schöner breitrandiger Pressendruck in Blau und Schwarz. Sehr schönes, frisches Exemplar.

Estimate
€ 4.500   (US$ 4.950)



» Modern Literature
Tzara, Tristan
La première aventure céleste de Mr Antipyrine

Lot 3395

"Dada est notre intensité"
Tzara, Tristan (d. i. Samuel Rosenstock). La première aventure céleste de Mr Antipyrine. Avec des bois gravés et coloriés par Marcel Janco. 8 Bl. Mit 7 (davon 6 ganzseitig und zweifarbig) Original-Holzschnitten von M. Janco. 22,5 x 15 cm. OBroschur mit Umschlagtitel in Holzschnitt. (Zürich), Collection Dada, 1916.

Artist and the Book 135. Motherwell-K. 414. Bolliger, Dokumentations-Bibliothek II, 52. Verkauf S. 12. – Erste Ausgabe des ersten Buches von Tristan Tzara, "gleichzeitig die erste Buchpublikation der Zürcher Dadaisten" (Bolliger). Das Stück wurde 1920 in der Soirée "Manifestation Dada" uraufgeführt. Breitrandiger Druck von J. Heub erger, Zürich, auf weißem Vergé. "Dichtung, Typographie (besonders des Umschlages) und die seltsam-schönen, farbigen Holzschnitte sprechen eine völlig neue Sprache und ergeben eine grossartige Einheit ... Von größter Seltenheit." (Bolliger). – Die erste Lage unaufgeschnitten; der Umschlag am Rücken und am Rand etwas restauriert; innen frisch, wenngleich mit minimalen Knickspuren. Insgesamt wohlerhaltenes Exemplar der sehr seltenen, höchst fragilen Publikation.

Estimate
€ 5.500   (US$ 6.050)



» Modern Literature
Hartwig, Josef
Bauhaus-Schachspiel 'XVI',

Lot 3430

Bauhaus - Hartwig, Josef. Bauhaus-Schachspiel Modell XVI Ahorn. 32 Spielsteine, davon je 16 naturlackiert und 16 in schwarzem Lack, Größen im Kubus: 2 x2 x 2 cm (16 Figuren), 2,7 x 2,7 x 2,7 cm (12 Figuren) bzw. 5 x 2,7 x 2,7 cm (4 Figuren). In OAhornholz-Kassette mit Deckel an 2 Messingscharnieren und 3-teiliger Pendelschließe. 6,2 x 13,6 x 13,3 cm. Bezeichnet mit Holzprägestempel im Innendeckel "HARTWIG GES.GESCH." Weimar, Bauhaus, 1924.

Bobzin-Weber, Das Bauhaus-Schachspiel von Josef Hartwig, S. 19. Hahn, Experiment Bauhaus, Dessau 1988, S. 401; Bauhaus-Archiv, Sammlungskatalog, Berlin 1987, S. 149-50, Kat.-Nr. 288; Ausst.-Kat. Bauhaus 7, Galerie am Sachsenplatz, Leipzig 1991, Abb. S. 43, Kat.-Nr. 134. – Das Bauhaus-Schachspiel des Bildhauers Josef Hartwig (1880-1955), der zwischen 1921 und 1925 als Werkmeister in der Stein- und Holzbildhauerei am Staatlichen Bauhaus in Weimar lehrte. Von den beiden Modellreihen ist vor allem die Nummer VIII und XVI in jeweils kleinen Auflagen mit der Hand gefertigt worden, ganz nach der ursprünglichen Maxime der Gründerjahre "Kunst und Handwerk", die dann später durch "Kunst und Industrie" ersetzt werden sollte. Tatsächlich wurde das Bauhaus-Schachspiel dann in Serie hergestellt, wovon das vorliegende Exemplar allerdings weit entfernt ist.

Nur bei den wenigen Prototypen brachte die handwerkliche Bearbeitung des Holzes dabei höchst individuelle Anfertigungen zustande, wodurch sich jedes der wenigen heute noch vorhandenen Spiele dieser Reihe voneinander unterscheidet. Das vorliegende Schachspiel gehört wohl zu den allerersten Anfertigungen der Modellreihe XVI, bei dem der Künstler die Steine per Hand aus dem Holz sägte, drechselte und verleimte sowie zunächst nur mit seinem eigenen Namen zeichnete und mit "Hartwig ges. gesch." in Versalien den Innendeckel beprägte (vgl. Bobzin-Weber S. 24, nennt alle Stempel). Später wurde dann ein neuer Stempel "Hartwig Bauhaus Weimar ges. gesch." geprägt. Die farbige Luxusversion in Weiß-Grün bekam dann noch auf den Mittelsteg, der die Klötzchen der Bauern-Figuren trennt, ein aufgeschraubtes Messingschild mit dem Bauhaus-Signet, dem Silhouettenkopf Oskar Schlemmer und der runden Umschrift "Staatliches Bauhaus Weimar".

Ferner sind die aus Ahornholz gefertigten Figuren allesamt leicht abweichend in Größe und Form (teils Abweichungen bis zu einem knappen Millimeter). "Während die hausinterne Produktion für Verpackungen und Schachbretter dokumentiert ist, fehlen entsprechende Belege für die Anfertigung der Spielfiguren am Bauhaus. Mit Sicherheit stellte Hartwig selbst die frühen Fassungen und wohl auch weiterhin Einzelanfertigungen oder 'Luxusspiele' in der von ihm als Werkmeister geleiteten Werkstatt für Holzbildhauerei her". Erst 1924 wurde die Produktion dann ausgelagert an die Weimarer Tischlerei Robert Toll. Die Beschaffenheit der hier enthaltenen Steine sprechen in allem für eine handarbeitliche, recht uneinheitliche Fertigung, die auf die individuelle Bauhausproduktion schließen lassen.

Vorhanden sind wie stets jeweils acht kleinere Würfel in Schwarz und Holzfarbe als die "Bauern" des Schachspiels, es folgen in der Hierarchie jeweils zwei derselben Farbe: Springer, Läufer, Türme sowie jeweils Dame und König. Die ebenso in ihrer Reduktion sowie der augenscheinlichen Funktionalität überzeugend gestalteten Figuren entsprechen damit wie kaum ein anderes Objekt den Maximen des von Walter Gropius 1919 in Weimar gegründeten Bauhauses. So ist es Josef Hartwig meisterhaft gelungen, die Figuren rein aus ihrer Funktion heraus zu entwickeln, wobei sich die Unterscheidungsmerkmale der sechs verschiedenen Steine auf das Minimalste beschränken.

Die Bauern sind kleine Würfel, sie bewegen sich - ebenso wie die Türme, die Hartwig als größere Würfel gestaltete - ausschließlich orthogonal über das Brett. Die Läufer dürfen nur diagonal gezogen werden, also schuf Hartwig Figuren auf dem Grundriss eines Kreuzes mit abgeschrägten (immer in denselben Würfel passenden) Kanten. Sie geben die Richtung vor, die Diagonale ist der Figur inhaerent ist. Ebenso intuitiv wird der Springer dem Spieler die Richtung weisen: Sie sind als Würfel mit je zwei ausgeschnittenen kleineren Achtelwürfel gestaltet, wodurch sich - wie man sie auch immer dreht und wendet, von allen Seiten ein Winkel ergibt. So "springt" die Figur auch optisch: erst geradeaus und dann links oder rechts.

König und Königin sind noch um eine (Modul-)Stufe größer. Auf einen Würfel ist ein weiterer kleinerer, 45 Grad gedrehter Würfel gesetzt - auch hier steht das Würfelsymbol wieder für die Orthogonale, also die beiden Richtungen, in die der König laufen darf. Die versatile Dame hingegen hat auf ihren Würfelleib eine Kugel wie einen Kopf montiert bekommen - sie kann in alle Richtungen schauen und gehen.

"Während sich die Gestaltung von König, Turm oder Springer seit der Verbreitung im Mittelalter mehr oder weniger an der Realität orientiert, ging Hartwig 1923 einen originellen anderen Weg: Der Bildhauer aus München reduzierte die Spielsteine auf die stereometrischen Grundkörper Kubus und Kugel, die je nach Größe und Wert und - das war der eigentliche Clou - durch ihre Ausformung die Spielzüge veranschaulichen ... Das Spiel kam hervorragend an und wurde von der Bauhaus GmbH in einer luxuriösen und in einer preisgünstigen Gebrauchsvariante in Serie hergestellt" (Christa Sigg, Bayerns frühe Schwäche fürs Bauhaus, in Arsprototo 1-2019, S. 54f.). – Gelenkstifte der Scharniere fehlen, Messingschließen und Scharniere etwas locker, die Kassette etwas fleckig und leicht angestaubt, Verzapfung teils leicht gelöst. Die Figuren vereinzelt leicht angestaubt oder minimal fleckig, mit wenigen Gebrauchsspuren, leichten Bereibungen, wenigen Kratzern oder Flecken, der schwarze Lack immer noch sehr kontraststark, insgesamt von sehr guter Gesamterhaltung, vollständig und überaus selten (ein Spielbrett war meist nicht mitgegeben worden, bei den Prototypen ohnehin nicht).

Estimate
€ 9.000   (US$ 9.900)



» Modern Literature
Tschernichow, Jakow Georgijewitsch
Architektonische Fantasien

Lot 3584

Tschernichow, Jakow (Georgijewitsch). Architektonische Fantasien. 101 färbige Tafel (sic) - 101 architektonische Miniaturen. Unter Mitarbeit von D. Kopanitzin und E. Pawlowa. 102 S. Mit 103 Miniaturabbildungen im Text in Schwarz-weiß, 12 ganzseitigen Schwarz-weiß-Abbildungen und 101 farbigen Tafeln auf Kunstdruckpapier. 30 x 20,5 cm. OLeinen (minimal berieben) mit blindgepr. Deckel- und Rückentitel. Leningrad, Meshdunarodnaja Kniga, 1933.

Holstein 105, 342. MoMa 1022. – Erste Ausgabe, hier in der russischsprachigen Version mit den Titelblättern in Russisch, Deutsch, Französisch und Englisch. In unerreichter Qualität und mit großem technischen Aufwand in Berlin gedruckt, ist das Buch eines der berühmtesten (und zugleich seltensten) Architekturwerke des nachrevolutionären Russland, vielleicht des ganzen Jahrhunderts. In diesem Opus magnum des russischen Konstruktivisten (1889-1951) werden Entwürfe und Texte vorgestellt, die Tschernychows Genialität als Graphiker und Architekt unter Beweis stellen. Mit entsprechender Wirkung: Seine Visionen weisen weit voraus zu den Innovationen von Bernard Tschumi oder Zaha Hadid.
Die zwischen 1927 und 1933 veröffentlichten Architekturbücher Tschernychows entfalten eine ungeheure imaginäre Kraft. Das gilt in besonderem Maße für die Architektonischen Fantasien. Sie gehören zu den letzten Büchern der Avantgarde, die in der Stalin-Ära in Russland publiziert werden konnten. Obwohl er weiter unterrichten und Vorträge halten durfte, stand Tschernychow unter Verdacht. Kaum einer seiner Entwürfe wurde realisiert. Eines der wenigen, von ihm ausgeführten und noch erhaltenen Bauwerke ist der Turm der "Fabrik Rote Nelke" in St. Petersburg. In der 1979 im Centre Pompidou gezeigten Ausstellung "Paris - Moscow 1900-1930" wurden 9 Entwürfe aus Architektonische Fantasien präsentiert (siehe Katalog S. 535, Abb. S. 304). – Exlibris; wohlerhaltenes, sauberes Exemplar; es fehlt wohl ein Vortitel (oder w. Bl. vor dem ersten, russischen Titelbl.), sonst vollständiges Exemplar dieses leider von der "Plünderung" bedrohten Werkes. - Reste des Original-Schutzumschlags beiliegend.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.200)



» Modern Literature

1 2 3 4   first pagerewindprevious pagenext pagefast forwardlast page