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BASSENGE Kunst- und Buchauktionen

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Main Image Description Status
Mercator, Gerhard
Atlas sive cosmographicae meditationes

Lot 23

Mercator, Gerhard. Atlas sive cosmographicae meditationes de fabrica mundi et fabricati figura. De novo multis in locis emendatus et appendice auctus studio Judoci Hondii. 4 Bl., 684 S. Mit gefaltetem Kupfertitel (in Pag.), gestochenem Portrait, Holzschnitt-Druckermarke am Schluss sowie 135 (statt 179) blattgroßen Kupferstichkarten. 17,5 x 22,5 cm. Kalbleder des späten 19. Jahrhundert (berieben, Kanten und Kapitale schwach beschabt) mit RTitel. Amsterdam, Johannis Cloppenburg, (1632).

Koeman III B, 353:11. – Erste Ausgabe der sogenannten Cloppenburg-Edition, hier in einem Exemplar der lateinischen Ausgabe, die zwei Jahre nach der französischen erschien: "This edition of Mercator's Atlas was a competitive edition. Its newly engraved maps were of a size (ca. 19 x 25 cm) that fell in between the folio maps in the Mercator-Hondius Atlas (ca. 35 x 50 cm) and the Atlas Minor (ca. 15 x 20 cm). Most opf the maps were engraved (anew) by Peter van den Keere ... The Cloppenburch edition seems to have been suppressed after 1636" (Koeman).
Enthält eine Weltkarte in zwei Hemisphären, eine Polkarte, vier Erdteilkarten, ansonsten zumeist Karten von Europa, einige Karten aus Asien und Amerika sowie im Anhang u. a. Karten vom Heiligen Land ("Paradisus"), eine weitere Weltkarte, die Wanderung des Apostels Paulus, das Imperium Romanum, die Eroberungen Alexanders des Großen sowie die Reise des Aeneas aus Troja. Zusätzlich eingebunden ist eine private, wohl etwas spätere Federzeichnung mit einer vakaten Barokkartusche, flankiert von zwei Medaillonportraits von Hondius und Mercator. – Es fehlt der typographische Titel, Portrait vollständig aufgezogen. Vorstücke mit kleinem Randeinriss, anfangs und am Schluss mit Wasserrand, die letzte Karte mit vertikaler Quetschfalte und minimalem Randeinriss. Zwei Karten ("Liefland" und "Terra sancta") etwas unsauber eingedruckt, dadurch mit etwas Verlust am Plattenrand. Die Kartusche mit Adam und Eva auf der "Paradisuskarte" mit Sepiatinte teils ausgemalt. Etwas gebräunt oder braunfleckig, insgesamt wohlerhalten. Das Blatt mit der Vorrede von Hondius mit Besitzeintrag eines Jesuitenkollegs von 1744.

Estimate
€ 7.500   (US$ 8.250)



» Geography
Place, Victor
Ninive et l'Assyrie

Lot 102

Place, Victor. Ninive et l'Assyrie. Avec des essais de restauration par Félix Thomas. Ouvrage publié d'après les ordres de l'empéreur. 2 Textbände und 1 Tafelband, zusammen 3 Bände. 2 Bl., VIII, 324 S.; 1 Bl. (ohne den Titel), 323 S.; 2 Bl., VIII S. Mit 88 auf 87 (10 doppelblattgroßen und 15 pochoirkolorierten) meist gestochenen Tafeln. 63 x 45 cm. Halbleder d. Z. (Gelenke und Bünde teils angeplatzt, Stehkanten stärker berieben, etwas bestoßen, unterer Rücken des dritten mit Leder überklebt) mit goldgeprägtem RTitel. Paris, Imprimerie Impérial, 1867(-1870).

Vicaire VI, 698. Avery, Architectural Library 790. – Einzige Ausgabe des prächtigen und umfangreichen Werkes zur Altorientalistik von dem nur hundert Exemplare in den Handel gelangten: "cent exemplaires seulement ont été mis dans le commerce" (Vicaire). Die Nationalversammlung bewilligte 1851 weitere Gelder zur Fortsetzung der von Paul-Émile Botta von 1843 bis 1844 durchgeführten Ausgrabung in Dur Šarrukin, wo Botta archäologische Pionierarbeit leistete. Im selben Jahr wurde Victor Place (1818-1875) zu seinem Nachfolger, zum Konsul von Mossul ernannt und mit den archäologischen Ausgrabungen betraut. Neben einer Karte von Assyrien zeigen die Tafeln verschiedene Pläne und Grundrisse. Ebenso werden die Ausgrabungsfunde detailliert dokumentiert sowie Rekonstruktionen dargestellt. – Der zweite Band ohne Titel. Mit mehreren überstempelten Rasuren auf den Titelblättern und am Schluss "Bibliothek von Eichen". Titel und Vortitel des ersten Bandes sowie der Vortitel des zweiten Bandes mit kleinem Ausriss im unteren Rand. Blatt 1 und 2 des zweiten Bandes im Bug mit Montierungsresten. Band drei zu Beginn im oberen Rand mit Tintenflecken. Die Tafel 70 in der Darstellung mit Einriss. Die vorhandenden Abdeckblättchen oftmals knitter- und quetschfaltig. Gelegentlich leicht fingerfleckig, im Rand leicht gebräunt.

Estimate
€ 6.000   (US$ 6.600)



» Geography
Zeiller, Martin
Superiores Saxoniae, Thuringiae, Misniae, Lusat...

Lot 228

Merian, Matthäus. - Zeiller, Martin. Topographia Superiores Saxoniae, Thuringiae, Misniae, Lusatiae etc.: Das ist Beschreibung der Vornehmsten und Bekantesten Stätt, und Plätz, in Churfürstenthum Sachsen, Thüringen, Meissen, Ober- und Nider-Laußnitz ... S. 3-196, 6 Bl. Mit Kupfertitel (in Pag.), 61 (29 doppelblattgroßen und 30 gefalteten) Kupfertafeln mit 91 Ansichten und 5 doppelblattgroßen Kupferstichkarten. 32 x 20 cm. Pergament d. Z. (etwas berieben, leicht bestoßen) mit goldgeprägtem RSchild (vollständig oxidiert). Frankfurt, Matthaeus Merian, 1650 (d. i. 1690).

Schuchhard 59 B. Wüthrich 56. – Zweite Ausgabe, die 1690 erschienen war und gegenüber der ersten Ausgabe von 1650 einige zusätzliche, von W. Ritter gestochene Kupfer enthält. Mit Ansichten von Altenburg, Annaberg, Bautzen, Belzig, Chemnitz, Dresden, Eisenach, Eisleben, Clausthal, Erfurt, Freiberg, Leipzig, Merseburg, Naumburg, Pirna, Weimar, Wittenberg, Zittau, Zwickau und vielen weiteren. - Die schöne Tafel des Elbstroms um Dresden ist als Leporello eingebunden. – Die Tafel des Elbstroms mit längerem Randeinriss, wenige weitere Blätter mit Randeinrissen. Stellenweise im Rand leicht braun- und stockfleckig. Die Kupfer in sehr guten, ebenso scharfen wie kraftvollen und kontrastreichen Abdrucken. Innenspiegel mit zwei Exlibris. – Nachgebunden: Derselbe. Topographia Electoratus, Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae etc. das ist Beschreibung der Vornembsten und bekantisten Stätte und Plätz in dem hochlöblichsten Churfürstenthum und March Brandenburg; und dem Hertzogtum Pommeren ... 3 Teile in 1 Band. 1 Bl., 129 S., 3 Bl. (Register); 53 S., 1 Bl.; 36 S., 2 Bl. Mit Kupfertitel, 2 (von 4) Kupferstichkarten und 56 (von 74; 5 doppelblattgroßen und 44 gefalteten) teilweise Kupfertafeln. (Frankfurt), Erben Merian, o. J. (1680). - Schuchhard 61 B. Wüthrich 58. - Zweite Auflage mit Kupferstichtitel der ersten Ausgabe. Mit Ansichten u. a. von Anklam, Eberswalde, Frankfurt, Fürstenwalde, Greifswald, Pritzwalk, Riga, Schönfließ, Schwedt, Spandau, Stettin, Stralsund, Tangermünde, Templin, Thorn, Wittstock, Wolgast, Wriezen u. a. - Es fehlen die Kupferstichkarten von Brandenburg und Preussen sowie die Tafeln mit den Ansichten von Zehden, Berlin 1 und Berlin 2, Kürtow, Kallies, Körlin, Küstrin 2, Badingen bei Gransee, Altdamm, Neudamm, Neuwedell, Drossen, Falkenburg in Pommern, Friedeberg, Königsberg (2 x), Lychen, Köpenick, Liebenwalde, Alt Ruppin, Neuruppin, Salzwedel, Strausberg. Gelegentlich mit Randeinrissen, gering braunfleckig.

Estimate
€ 6.000   (US$ 6.600)



» Geography
Brehm, Christian Ludwig
Monographie der Papageien

Lot 450

Brehm, Chr(istian) L(udwig). Monographie der Papageien oder vollständige Naturgeschichte aller bis jetzt bekannten Papageien mit getreuen und ausgemalten Abbildungen. 1 Bl., 60 S. Mit 73 (statt 75) kolorierten gestochenen und lithographischen Tafeln nach F. Levaillant. 41,5 x 26 cm. Etwas späterer HLeinenband (etwas fleckig, berieben und bestoßen) mit goldgeprägtem RTitel. Jena, August Schmid und Paris, Treuttel und Würz, 1842(-1855).

Nissen 142. Nicht bei Anker und Zimmer. – Seltene einzige Ausgabe des wohl prächtigsten Illustrationswerkes über Papageien, sicher eines der schönsten ornithologischen Werke überhaupt. Das Werk erschien insgesamt in 15 Heften mit zusammen 75 kolorierten Tafeln. Der evangelische Pfarrer und Ornithologe Christian Ludwig Brehm (1787-1864) war der Vater des ungleich bekannteren Zoologen Alfred Brehm (1829-1884), dem Autor der Tierenzyklopädie Brehms Tierleben. Papageien gehörten im 18. Jahrhundert als repräsentative Ziervögel und 'Botschafter' des Exotischen zur Ausstattung eines jeden anspruchsvollen Schloss- oder Gartenraumes. Der Schriftsteller, Landschaftsarchitekt, Orientreisende und exzentrische Lebemann Graf Pückler-Muskau (1785-1871) hielt sich auf seinem Schloss Branitz bekanntlich mehrere Exemplare, die ihn auch auf seinen Reisen begleiteten. Seine Fürsorge ging indes soweit, dass ein Berliner Delikatessenhändler gar Ameiseneier für seine Lieblinge exklusiv nach Branitz lieferte. – Leicht stockfleckig, der Textteil etwas stärker betroffen. Mehrere Vakatblatt beigebunden, darunter zwei mit einer privaten farbigen Papageienzeichnung.

Estimate
€ 6.000   (US$ 6.600)



» Miscellanea
Stanislas
Principaux oiseaux de l'Australie

Lot 471

Stanislas. "Principaux oiseaux de l'Australie dessinés sur nature par frère Stanislas, pensionnat des Frères Maristes". Hs. Titel und 13 Gouachen. Ca. 43,5 x 19,5 cm bzw. 18,5 x 13,5 cm. Auf 9 Trägerkartons montiert. 58,5 x 41,5 cm. Weinrotes Halbchagrinleder (leicht berieben, etwas fleckig, Rückdeckel mit gewelltem Feuchtigkeitsfleck) mit RVergoldung und goldgeprägtem Vorderdeckeltitel. Sydney, um 1899.

Die neun Gouachen zeigen die wohl schönsten australischen Vögel, die alle namentlich bezeichnet sind: "Eopsaltria Australis" (Goldbauchschnäpper), "Rhipidura Motacilloides Australia" (Stelze), "Gymnorhina Tibicen Australia" (Flötenvogel), "Amadina Guttata Australia" (Zebrafink), "Malarus Melanocephalus Australia" (Rotrücken-Staffelschwanz), "Dacelo Gigas Australia" (Jägerlieste), "Menura Superba Australia" (Graurücken-Leierschwanz), "Melopsittacus Undulatus Australia" (Wellensittich), "Zonaeginthus Oculus Australia" (Tropenfink), "Malurus Elegans Australia" (Silberkopf-Staffelschwanz), "Alcyone Azurea Australia" (Eisvogel), "Sericulus Melinas Australia" (Gelbnacken-Laubenvogel) sowie "Petroica Goodnovii Australia" (Rotkehlchen). Die Vögel werden in ihrer natürlichen Umgebung dargestellt und sitzen im Nest, sind mit der Brutpflege betraut, suchen nach Futter oder halten Ausschau nach möglichen Feinden.
Die detailliert und mit besonderer Kunstfertigkeit sowie ornithologischer Kennerschaft ausgeführten Gouachen wurden von einem gewissen, nicht weiter bekannten, 'Stanislas' ausgeführt. Dieser war, wie er selbst auf dem Titel angibt, Mitglied der römisch-katholischen Ordensgemeinschaft der Maristen-Schulbrüder ('Fratres Maristae a Scholis'). Die Maristen waren seit 1872 auch in Australien tätig und mit Ausnahme von Tasmanien haben sie in allen australischen Bundesstaaten und Territorien gearbeitet. Damals wie heute ist ihr oberstes Ziel Jugendliche in allen Formen der Bildungs- und Erziehungsarbeit zu unterrichten.
Der Stempel auf dem Titel weist eine weitere Besonderheit auf. Das vorliegende Werk wurde 1900 auf der Pariser Weltausstellung gezeigt und mit einer Goldmedaille ausgezeichnet "Exposition Universelle PARIS - 1900 Union des Frères enseignant MEDAILLA D'OR". – Die Gouachen häufig stark braun- und stockfleckig bzw. gebräunt. Auch die Trägerkartons stärker gebräunt sowie fleckig. Die Farben frisch und leuchtend.

Estimate
€ 13.000   (US$ 14.300)



» Miscellanea
Epistole di Falaride, di Marco Bruto, di Diogene
Lateinische Handschrift auf Pergament.

Lot 1013

Bis dato unbekanntes Renaissance-Manuskript mit Texten antiker Autoren
Epistole di Falaride, di Marco Bruto, di Diogene tradotte dal greco etc. Großes Fragment mit Texten antiker Autoren. Lateinische Handschrift auf Pergament. 80 Bl., gez. 17-104 (recte 96). 16 Zeilen. Schriftraum: 9,8 x 5,8 cm. Format: 16,5 x 11,4 cm. Mit Kapitelüberschriften (Autorennamen) und marginalen Randziffern (Briefnummern) in Blassrot sowie ca. 114 2-zeiligen Blattgold-Initialen auf rotem und blauem Grund mit Binnenornamentik in feiner Federzeichnung. Modernes Kalbsleder (Gelenke brüchig oder offen, leicht bekratzt). Italien um 1480.

Offenbar bis dato unbekanntes Fragment einer italienischen Pergamenthandschrift mit Texten von Briefen des sizilianischen Tyrannen Phalaris von Syrakus (gest. 555 v. Chr.), des römischen Cäsarmörders Marcus Iunius Brutus (85-42 v. Chr.), des griechischen Philosophen Diogenes von Sinope (413-323 v. Chr.) und vieler anderer, meist aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt. Auch wenn die Texte im Allgemeinen durchaus überliefert und bekannt sind, handelt es sich bei der vorliegenden Handschrift um eine Zusammenstellung, die wir in ähnlicher Form nur in einem Manuskript der Laurenziana in Florenz nachweisen können. Der Codex wird dort folgendermaßen beschrieben: "Epistole di Falaride, di Marco Bruto, di Diogene tradotte dal greco ec. Cartac, sec. XV, di carte 78, delle quali la 71 è bianca. Scrittura italica, tutta di una mano: scritto a Pirano d'Istria nel 1471 (Cod. Ashb. 11-AsHB. 198, 19.8 275-207)", wonach es sich also um eine Papier- und keine Pergamenthandschrift handelt und der Codex mit 78 Blättern komplett ist (von dem Blatt 71 weiß blieb).

Der Codex ist ein in dem istrischen Piran, einer damals als "Pirano d'Istria" zur venezianischen Terra ferma gehörenden Adria-Stadt, entstandenes Manuskript, das eine Sammlung von Briefen antiker Autoren nach einer bestimmten Reihenfolge und Nummerierung enthält. Beide Codices, der uns vorliegende wie der der Laurenziana, gehen sicherlich auf eine wesentlich ältere (und wohl nicht mehr erhaltene) Handschrift zurück, deren ursprüngliches Vorbild wohl schon aus der Antike stammt. Insofern kommt der uns vorliegenden Handschrift eine besondere Bedeutung zu, kann sie doch im Vergleich mit dem Ambrosiana-Codex neue Lesarten enthalten, die helfen können, den Urtext weiter zu erschließen.

Dem Ambrosiana-Manuskript gehen die hier fehlenden "Epistolae Phalaris (sic) per Dnm Franciscum Aretinum de greco in latinum traduci" voran sowie ein Widmungsbrief des Übersetzers Francesco Marsuppini an Malatesta Novello.

Erfasst wurde das Ambrosiana-Manuskript wie üblich anhand der Incipit-Zeilen, die im Vergleich mit unserer Handschrift schon oftmals bemerkenswert abweichen, was die Übersetzung ins Lateinische betrifft. So findet sich in der Ambrosiana-Handschrift der Briefanfang Paurolas folgendermaßen zitiert: "Que a patre in filios", während es bei uns heißt: "Que a patre in filium", "Cum Himeram..." wird bei uns "Cum in himeram necessario venissem", "Nicaeneto Aristophonti Temeritas et iuventutis" wurde zu "Ariphradi Temeritas et iuventutus" etc.

Vorhanden sind in dem vorliegenden Fragment die Briefe 17-130 (es fehlen gegenüber dem Ambrosiana-Manuskript also ggf. die Vorstücke, die Briefe 1-16 sowie 131-138). Der Text hier hebt also erst auf Blatt 17 (der späteren; oben in der rechten Ecke mit grau-schwarzer Tinte eingetragenen) handschriftlichen Nummerierung mit dem Brief 17 des Paurole an. Es folgt Brief 18 Paurole und dann Brief 19 Erythiae auf Seite 19 etc. Zitiert werden hier nur die ersten und der letzte Brief, um einen Eindruck des Textes und seiner Organisation zu geben.

Brief 17 Fol. 17r Paurole. Maxime utrumque parentem
Brief 18 Fol. 18r Derselbe. Que a patre in filium
Brief 19 Fol. 18v Erythiae. Si nostre tyrannidis
Brief 20 Fol. 20r Paurola. Coronam abs te sexdentorum aureorum pondo
Brief 21 Fol. 21r Paurole. Cum in himeram necessario venissem
Brief 22 Fol. 22v Camarinensibus. Et in gelliam misi et ad Leontinos
Brief 23 Fol. 22v Lucino. Non recte in Leontinorum
Brief 24 Fol. 23v Leontinis. Si meum contra vos bellum solvi desideratus
Brief 25 Fol. 23v Leontinis. Leonidam quem res meas exploratum misistis
Brief 26 Fol. 24r Hieronymo. Rogasti me quibus adductus rationibus Leontinos in agrum
Brief 27 Fol. 24v Nichophemo. Quos in Leontinorum concione missabili cruciatu
Brief 28 Fol. 25r Timonacti. Vicisci bello Leontinos
Brief 29 Fol. 25v Samee. Cum mores tuos optimos et meredibilem erga omnes
Brief 30 Fol. 26r Pythagore. Phalaridis tyramni a pythagore
Brief 31 Fol. 27r Thoraci. Utrum me ipsum
Brief 32 Fol. 27v Ariphradi. Temeritas et iuventutis
Brief 33 Fol. 28r Niceneto. Quod sepenumero patri tuo scripsimus
Brief 34 Fol. 29r Antimacho. Si reddere mutuum potest et tamen
Brief 38 Fol. 29r Aristomeni. Noli egre ferre uulnera que in bello accepimus
Brief 36 Fol. 29v Xenopithi. Non me pertubant calumnie
Brief 37 Fol. 30r Catiniis. Cum ad me cives vestri captive deducerent
Brief 38 Fol. 30v Catiniis. Vos fortasse satis mihi penarum dedisse
etcetera bis
Brief 130 Fol. 104r Stesichoro. Nicocles Syracusanus non ignoras fortasse

Jeder Brief beginnt mit einer großen, 2-zeiligen Zierinitiale in aufrechter Renaissance-Antiqua, die in leuchtend-schimmernden Blattgold auf einen Grund aus blauer und roter Deckfarbe aufgetragen wurde. Dabei umspielen die wiederum mit Binnenornamentik in feinster weißer Federzeichnung reich gezierten Farbfelder die Form der Initiale äußerst abwechslungsreich: als Quadrat- und Rechteckformen, aber auch mit abgeschrägten Ecken, mit Ausläufern um die Serifen, kleinen Haken, Zacken und Bögen. Ebenso wie die bemerkenswert klare, sauber geschriebene Gotica rotunda zeugen die Initialen von der hohen Handschriftenkunst zwischen Mittelalter und Neuzeit, zwischen Gotik und Renaissance, was die Datierung des Manuskripts bestätigt.

Jede Seite ist sauber mit blassroten Linien regliert, wobei die beiden Textspiegel der Doppelseiten in die Mitte zum Bug gerückt sind und einen bemerkenswert breiten Rand lassen (an der Außenkante 4 cm, unten soger 5 cm!). Die Nummern der Briefe, die weitgehend denen im Ambrosia-Codex entsprechen, sind jeweils in die Randmarge auf Höhe der Initialen mit blassroter Tinte eingeschrieben, ebenso wie die Briefautorennamen in klaren Antiqua-Versalien.

Zu den Texten vergleiche folgende Literatur: Marco Giunio Bruto. Epistole greche. hrsg. von Luigi Torraca (Hrsg). Neapel 1959.
Muratore Davide, Le epistole di Falaride. Catalogo dei manoscritti. La Spezia 2002. Zum Ambrosiana-Codex siehe: Cesare Paoli und Enrico Rostagno (Hrsg.), I codici ashburnhamiani della R. Biblioteca Mediceo-Laurenziana di Firenze (Kompilation von C. Paoli, E. Rostagno und T. Lodi). Libreria dello Stato 1887, S. 309ff. – Die ersten vier Blätter und das letzte Blatt mit älteren Wischern bzw. Rasuren im unteren Rand, dort wohl mit Löschung älterer Besitzvermerke oder Einträge des 18. Jahrhunderts (?), was sicherlich darauf hindeutet, dass der Codex wohl schon länger nur als Fragment erhalten war), wenige minimale Löchlein im Pergament, vereinzelte Fleckchen und ganz leichte Schatten, insgesamt aber sehr gut erhaltenes, durchgehend sauberes, breitrandiges Manuskript auf prachtvoll gegerbtem, honigfarbigen Pergament zu je acht Blättern pro Lage.

Estimate
€ 8.000   (US$ 8.800)



» 16th Century
Horae Beatae Mariae Virginis
Lateinische und teils französische Handschrift ...

Lot 1019

Horae Beatae Mariae Virginis. Lateinische und teils französische Handschrift auf Pergament. 146 nn., 2 w. Bl. 16 Zeilen. Schriftraum: 10,8 x 6,4 cm. Format: 16,8 x 11,6 cm. Mit Rubrizierung, Zeilenfüllern und mit zahlreichen 1-5-zeiligen Zierinitialen in Gold und Farben, davon 7 große figürliche Initialen, 8 Längsrandleisten mit Akanthusblattwerk in Gold und Farben, 6 breiten Bordüren mit Blüten und Früchten, Blättern und Akanthus auf Pinselgoldgrund sowie 6 Miniaturen. Rosébrauner Samteinband vom Ende des 19. Jahrhunderts (leicht abgegriffen, kaum berieben, Rücken mit rotem Samt erneuert) mit breiten samtenen Innenkanten, Goldpunktfileten und blauen Moiréseidespiegeln sowie Vorsätzen, mit schlichter dreiteiliger Schließe aus Silberblech, Goldschnitt. Wohl Ile-de-France um 1500.

Besonders üppig mit bemerkenswert qualitätsvollen Miniaturen illuminertes, sicherlich in der Gegend um Paris entstandenes Livre d'Heures, hauptsächlich in lateinischer Handschrift und mit einigen späteren Zusätzen in Französisch am Schluss.

Das Stundenbuch beginnt wie üblich mit dem Heiligenkalender, je ein Blatt für einen Monat, teils nicht ausgefüllt. Im Kalendarium wird eine Anzahl Heiliger hervorgehoben, die auf eine westfranzösische Provenienz deuten können, wie z. B. Albinus (Angers), Briccius (Tours), Eutropius (Saintes) oder Hilarius (Poitiers), die meisten jedoch haben Bezug auf den norosfranzössichen Raumn, darunter Dionysius (Paris), Eligius (Noyon), Germanus (Paris), Ivo (Chartres), Ludwig der Heilige (Paris), Medardus (Noyon und Soissons), Remigius (Reims), Rufinus (Soissons) und Theobald (Provins).

Auf die 12 Blätter Kalendarium folgen die Evangelienstücke und die Gebete "Obsecro te" (Fol. 17v) und "O intemerata" (Fol. 21r). Daran schließen sich Fürbittegebete zum heiligen Christophorus (Fol. 24r), zum heiligen Sebastian (Fol. 26r), zur heiligen Barbara (Fol. 27v) und zur heiligen Anna (Fol. 28r). Auf Fol. 29r beginnen die Stundengebete zur Ehren der Jungfrau Maria mit der Matutin, dann den Laudes (Fol. 39v). Diese brechen jeoch mitten auf der Seite (Fol. 47v) ab, ohne Antiphon "Sancti Dei omnes..." bis inklusive der Oratio "Et pacem tuam...". Die weiteren Stundengebete zu Ehren der Jungfrau Maria werden übersprungen, die Handschrift fährt dann auf Fol. 48r mit den Stundengebeten zur Verehrung des heiligen Kreuzes fort.

Diesen folgt auf Fol. 83r die Bußpsalmen. Auf Blatt 94r hebt die Litanei an, Fol. 99r beginn das Totenofficium. Dieses endet 138r. Abschließend (Fol. 139r bis 140v) einige weitere Gebete. Daran schließt sich von späterer Hand die "L'oreison de sainct augustin" an sowie die L'oraison que feit Manasses, luy estant en captiuité en Babi(lon)" (Fol. 140v bis 146v). Fol. 147 und 148 sind weiß geblieben.

Zur Illumination:
Das ganze Stundenbuch ist sehr hübsch einheitlich von einem geschickten, künstlerisch gebildeten Minaturenmaler illuminiert. Die Randleisten und Bordüren mit Ranken, Blumen und Beeren, darunter Vögel, Schnecke, Fabelwesen, Erdbeeren etc. Eine der größeren Initialen mit reizendem Blumenschmuck. Die vier Evangelisten stellte der Maler jeweils mit ihrem Symboltier als figürliche Initialen dar. Alle vier sind tief in die Lektüre bzw. in das Schreiben der Evangelientexte vertieft.
Johannes Evangelista mit Adler, schreibend im Buch, vor Sternenhimmel (Fol. 13r), Lukas mit dem Stier, fast vollständig verdeckt hinter einem Lesepult, konzentriert auf die Lektüre (Fol. 14r), Matthäus in Diskussion mit dem geflügelten Menschen über einem Folianten (Fol. 15v) und Markus beim Entziffern eines Manuskripts, das auf ein Dreieckpult gelegt wurde, hinter dem der goldgehöhte Löwe den Betrachter anblickt (Fol. 16v).
Initiale mit der anbetenden Madonna (Fol 17v), Blüten-Initiale auf Goldgrund (Fol. 21r), Barbara mit dem Turm (Fol. 27v), Heilige Anna (Fol. 28r),

Die Miniaturen zeigen:
1) Heiliger Christophorus (Fol. 24r)
2) Heiliger Sebastian (Fol. 26r)
3)
Verkündigung Mariae (Fol. 29r)
4) Kreuzigung Christi (Fol. 48r)
5) König David (Fol. 83r)
6) Memento mori, Darstellung des Todes auf dem Friedhof (Fol. 99r) – Wenige unwesentliche Farbwischer, Farbabplatzungen und Bereibungen, hier und da leicht gebräunt, aber kaum fleckig, insgesamt in sehr schöner Erhaltung. Vorsatz mit modernem Exlibris "John Rancis Neylan", erstes Blatt mit altem Stempel-Monogramm.

Estimate
€ 14.000   (US$ 15.400)



» 16th Century
Heures a lusage de Paris
Paris, Guillaume Eustache, 1509

Lot 1020

"Heures à lusage de Paris toutes an long sans riens requerir: imprimez nouvellement pour Guillaume eustache demourant a Paris en la rue de la iuifrie au deux sagitteres: ou au pallaiz au troysieme pillier". Spätmittelalterliches gedrucktes Stundenbuch auf Pergament. 123 (statt 128) Bl. Satzspiegel 12,8 x 8,2 cm. Format 16,4 x 10,8 cm. Mit großer kolorierter und goldgehöhter Holzschnitt-Druckermarke auf dem Titel, Hunderten von 1-3-zeiligen Initialen in Gold auf blauem oder rotem Grund, Zeilenfüllern und jeweils einer individuell gestalteten breiten Zierleiste sowie 14 (statt 19?) ganzseitigen Miniatur-Holzschnitten und 12 viertelseitigen Holzschnitten, alle reich illuminiert in deckenden Farben und mit Gold, teils auch mit Silber. Schwarzes Maroquin vom Anfang des 17. Jahrhunderts (Rücken mit wenigen winzigen Fehlstellen, leicht bestoßen) mit reicher floraler RVergoldung, dreifachen goldgeprägten Deckelfileten und feinsten Eckfleurons. (Paris, Guillaume Eustache, 1509).

Sehr seltenes, für uns nicht in öffentlichen Bibliotheken nachweisbares gedrucktes und überaus reich illuminiertes Stundenbuch nach dem Gebrauch von Paris. Die prachtvolle Druckermarke des Guillaume Eustache zeigt zwei mit Schilden und Bogen gewappnete Kentauren, die unter einem Baum mit goldenen Früchten, den Wappenschild mit der ligierten Marke des Druckers "GE" präsentieren.
Auch wenn Brunet die zumeist fehlende Bordüren- und Randleistenausstattung der späteren, vor allem der gedruckten Stundenbücher bedauert ("Quoiqu'elles soient presques toutes dépourvues de bordures, les heures de ce librairie sonst encore justement recherchées ..."), so bildet das unsrige eine prachtvolle Ausnahme - und gibt ein Beispiel dafür, dass die hohe Kunst der Illumination, auch der eigenständigen (denn hier sind die Bordüren nicht als Holz- oder Metallschnitte eingefügt) Illumination immer noch perfekt beherrscht wurde.

Den Stundengebeten geht der Heiligenkalender auf 14 Jahre ("Almanach pour xiiii ans"voraus (fol. 1v-7v)
Vom Text her interessant sind vor allem die "Quatrains" zum Kalendarium und eine "Orayson de saint fiacre" am Schluss. Vor einem Pariser Gasthaus, das mit dem Bilde dieses Stadtheiligen geschmückt war, pflegten sich die ersten Pariser Mietsdroschken aufzustellen, woher der Namen Fiaker rührt, der sich dann europaweit ausbreitete. Der heilige Fiacrius von Meaux (auch Fiacrius von Brie, Fiacre, Fèfre, Fèvre, Fiachra, Fiachrach) lebte ungefähr von 590 bis 670 als Einsiedler, der im 7. Jahrhundert aus Irland nach Frankreich gekommen war um dort zu missionieren und das sog. „grüne Martyrium“ zu finden.

Die illuminierten Holzschnitte im Einzelnen:
Verlegermarke (fol. 1r), Martyrium Johannes des Täufers (8v), Verrat Christi mit dem Judaskuss (11v), Verkündigung Mariae (16v), Augustinus und die tiburtinische Sybille (26v), Geburt Christi (34v) Verkündigung an die Hirten (38v), Anbetung der Heiligen Drei Könige (41v), Darbringung im Tempel (44v), Krönung Mariae (51v), David und Uria (54v), David und Bathseba (55r), Jesus und Lazarus (63v), Trinität (84r),
Die kleineren Holzschnitte mit Szenen aus den Vitae Sanctorum, dem Kampf des heiligen Michael mit dem Teufel (91v), Enthauptung Johannes des Täufers durch Salomé (92r), die heilige Barbara mit Turm und Kelch (92r), Ahasver for David? (92v), Enthauptung des Apostels Jakob (93r), heiliger Nikolaus (94r), heiliger Claudius (94v), heiliger Antonius (95r), heilige Anna mit der kleinen Maria (96r), Maria Magdalena (96v), heilige Margarete (97r), heilige Barbara (97v),

Über die Seltenheit des vorliegenden Drucks vgl. schon einen Eintrag der Revue des sociétés savantes: "M. Lhuillier, dans un travail court et substantiel, a fait connaître un livre d'heures imprimé en 1509 sur vélin en liettres gothiques, dont l'exemplaire, conservé à Melun chez un particulier, est peut-être unique. Ce livre a une date, il port un nom d'éditeur (Guillaume Eustache, demeurant à Paris, rue de la Juiverie), mais il manque de nom d'imprimeur" (Revue des sociétés savantes de la France et de l'étranger Band V, 1867, S. 161). – Es fehlen vermutlich fünf Blätter (C8, D1, E8, M1-2), sicherlich mit weiteren ganzseitigen Miniaturen. Im Kanon der Gebetsbuchillustrationen fehlen Mariae Heimsuchung, Kreuzigung, Grablegung, Beweinung und Auferstehung, zentrale Szenen des Heilsgeschehens. Blatt 26 (Sybille) mit winzigem Loch (im blauen Gewand des Augustinus), kaum fingerfleckig oder mit Gebrauchsspuren, lediglich etwas knapp beschnitten im 17. Jahrhundert (leichte Randverluste der Bordürenleisten), insgesamt sehr sauber und frisch und mit den Illuminationen in leuchtenden Farben und feinstem Pinselgold (kaum Abplatzungen). Blatt 26r ein wohl zeitgenössischer handschriftlicher Besitzeintrag einer bürgerlichen (!) Dame "Clemence Cordier femme de ysaac basille marchant de provins". Ein weiterer Besitzvermerk findet sich auf dem Titel: "A. Grillon D. M. 1678". Vor den Block vorne sind noch zwei weitere Pergamentblätter eingebunden mit vier Seiten liturgischen Gesängen auf rotem Vierliniensystem mit schwarzer Quadratnotation zum Osterfest: "In die Sanctissimo Pascha", hinten entsprechend weitere 12 Pergamentblätter und folgend noch 4 Papierblätter, darauf weitere liturgische Gesänge für den Advent, zum Officium des Heiligen Theobald, der "Missa Sancti Rochi" und Vespergesängen, alles aus dem 16. Jahrhundert. Die vier Papierblätter enthalten zusätzliche Stundengebete in französischer und lateinischer Sprache. Auch die marmorierten Vorsätze sind auf den weißen Rückseiten als Textträger gebraucht. Interessant ist hinten auf den Pergamentblättern 8 und 9 ein hs. Bericht über eine Prozession, die in Provinz (einer Gemeinde im heutigen Département Seine-et-Marne in der Region Île-de-France) am 14. VII. 1675 stattfand, und bei der ein "Eustache Grillon Medecin" genannt wird. Ein dritter Besitzer, eine "Citoyen Piar", hat einen Kaufvermerk vom 13. IV. 1793 auf dem 7. Pergamentblatt eingetragen. Modernes Exlibris auf dem hinteren Innendeckel.

English: Very rare printed and richly illuminated book of hours, never recorded in any public library. With larg coloured and gilt woodcut printers device on title page, some hundres of 1-3 line gold initials, illuminated line filler bars, broad ornamental strips and 14 (instead of probably 19?) full-page miniatures in woodcut, furthermore 12 quarter-page woodcuts, all lavishly illuminated in beautiful colours, partly with gilding and silver. Bound in black Morocco of the beginning of the 17th century (back cover with few minimal losses, slightly scuffed). With rich floral gilt spine, threefold golden cover fillets and corner fleurons.
Five leaves are probably missing (C8, D1, E8, M1-2), presumably on which we once met further full page miniatures, as compared with the usual sequence of mediaeval book of hours there is no depiction of the St. Mary’s Visitation, Crucifixion, Entombment, Lamentation and Resurrection. Leaf 26 (Sybille) with small hole, hardly any fingerstains of signs of wear. In the 17th century, the block seems to be cut a little bit narrowly to edge (minimal loss of marginal borders), altogether a very clean, fresh and beautiful copy with the wonderful, shiny illustration in luminous colouring and finest brush gold (hardly any rubbing).

Leaf 26r with an autograph entry of a bourgeois lady "Clemence Cordier femme de ysaac basille marchant de provins". Another entry on title page: "A. Grillon D. M. 1678". On two, at beginning bound-in parchment leaves we find four pages with liturgical chants: "In die Sanctissimo Pascha", at the end some more 12 parchment leaves with further vocals, e. g. for the “Officium of Saint Theobald, "Missa Sancti Rochi" and vesper chants of the 16th century Jahrhundert. Added are some additional prayers for the hours. On leaf 8 and 9 we find a report about a procession in the provinz of today’s Département Seine-et-Marne in the region Île-de-France), which took place the 14th July 1675, mention among others a certain "Eustache Grillon Medecin". A third owner is the "Citoyen Piar" with a buyer’s entry of 13th April 1793 (leaf 7).

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.200)



» 16th Century
Was glücklich wohl ergangen...
. 9 Handschriften-Fragmente eines spätmittelalt...

Lot 1023

"In ebig zeitt onzertrent - bis das dij welt hab ein ennelt"
"Was glücklich wohl ergangen...". 9 Handschriften-Fragmente eines spätmittelalterlichen Epos. Frühneuhochdeutsche Handschrift in Sepiatinte auf Papier. 9 Bl. 2 Spalten. 354 (von ?) Verse in 354 Zeilen. Schriftraum: Breite ca. zwischen 7 und 11 cm. Format: 10,5 x 16,2 cm. Bayrisch-süddeutscher Raum Mitte des 16. Jahrhunderts.

Umfangreiches, wohl bis dato nicht bekanntes, nicht publiziertes spätmittelalterliches Heldenepos in neun Fragmenten, die als Makulatur verwendet wurden und daher einige Ausschnitte, Risse, Bräunungen, Leimspuren etc. aufweisen. So sind Textpartien teils unleserlich oder von Leim überdeckt, die meisten Teile jedoch gut lesbar. Ausschnitte (um die Buchbünde) bilden ebenfalls Textverluste. Dennoch bleibt ein recht großes Corpus des spätmittelalterlichen, neuhochdeutschen Textes erhalten.

Daraus geht hervor, dass es sich um ein frühneuhochdeutsches episches Gedicht mäßiger literarischer Qualität handelt, aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Es geht um Kriegsführung und militärische Vorbereitungen eines Sultans und Kalifen zu einem großen Krieg. Erzählt wird aus der Perspektive eines Gastes im Hause des Sultans, der als Ich-Erzähler auftritt und von den ritterlichen Abenteuern berichtet.

Abgefasst in Paarreimen (jeweils zwei Zeilen bilden ein Reimpaar) handelt es sich um eine gegenüber der Vorlage verbesserte Fassung mit zahlreichen vom Schreiber hinzugefügten Neuformulierungen, Ergänzungen, Zeilen- und Wortstreichungen, Korrekturen und Änderungen.

Vorhanden sind neun, jeweils beidseitig beschriebene Fragmente aus Doppelblättern, die mit einer sehr dekorativ geschwungenen bayrisch-süddeutschen Bastarda beschrieben wurden. Als Wasserzeichen erkennt man (beispielsweise auf Blatt 2) eine Bügelkrone mit Kreuz.

In welcher Reihenfolge sich die Blätter befanden, ist nicht mehr auszumachen, fehlen doch auch dazwischen immer wieder Passagen. So wurden die Blätter von willkürlich, bzw. nach möglichst sinnfälliger Reihenfolge durchnummeriert und womöglich transkribiert (Fehlstellen durch Ausschnitte, Überschnitte, aber auch durch Unleserlichkeit sind mit […] markiert. Transkription auf Anfrage erhältlich).

Auf den neun beidseitig beschriebenen Blattfragmenten sind insgesamt 354 Verse bzw. Versfragmente erhalten. Die Urfassung der Verserzählung sowie die von Schreiberhand eingefügten Neuformulierungen von etlichen Versen, auch die Nachträge und Zusätze, ist allenthalben von mäßiger dichterischer Qualität, wiewohl sie ein höchstinteressantes, bis dato wohl noch nicht an das Licht der Öffentlichkeit gehobenes Sprachmonument des frühen Neuhochdeutsch darstellt.

Blatt 1 recto:
Was glicklich wol ergangen
Von pald ab er gefangen
Dem hoch … Inn dem here
Het er mitt seiner were
Richterlichen erstatten.
Verhawen tieff geschniten

Seinen spies mitt dem swertl
Zerprochen gar hochgeert
Ward er zer selben zeiten
Ver nachend und auch weittend
Wurden potten ußgesandt
Uber all [gestrichen: Inn dy landt; ersetzt durch:] und auch zehandt

Dem konig brieff geschihett
Wie es dem gasst gelijhett
… hett es wol erganngen
Dem sold […] am pald gfangen
Dem haub […] von Babilon

Blatt 2 recto
Nit nach geeylt so werend all
In den galeren Mit schall
[…] davon hin komen
Die konig sy da all nomen
In gefencknuß furtens dan
und [gestrichen] dar zu gan man herman
von haidenischer arte
plib tod von dem vil zaren
ligen … tieffe verhawen

Mit freuden war (sach) man wchawen
Am anndern tag, frue morgen
Den … gaste an sorgen
Her ziehen mitt den Gfanngen
Er was Im wol ergangen
Dann was er P… mitt dem swerlt – Ein Blatt (7) verso auf dunkelbraunes Leder aufgezogen, mit Fehlstellen und dort durchscheinenden Textpassagen, d. h. das Blatt war auch verso beschriftet. Mehrere Durchstreichungen von Passagen aber auch ganze Kolumnen wurden durchgestrichen mit X-Linien. An den Margen wurden dann in andererer Hand und anderer Tinte Korrekturen angebracht, Einfügungen, Ergänzungen hinzugefügt etc. Es handelt sich wohl um einen Text, an dem noch gearbeitet wurde. Alles in allem ist die Schrift jedoch meist recht gut lesbar und mit hübschen kalligraphischen Schwüngen und den üblichen Kringeln und Ausläufen in Federwerk geziert worden.

Estimate
€ 12.000   (US$ 13.200)



» 16th Century
Brant, Sebastian
Navis stultifera

Lot 1075

Brant, Sebastian. Navis stultifera primum edificata et lepidissimis teutonice lingue rithmis decorata. Deinde ab Jacobo Lochero philomuso latinitate donata et demum ab Jodoco Badio Ascensio vario carminum genere non sine eorundem familiari explanatione illustrata. CVII fol., 1 nn. Bl. Titel in Rot und Schwarz. Mit Titelholzschnitt und 114 (2 blattgroßen) Textholzschnitten von Albrecht Dürer sowie Holzschnitt-Druckermarke am Schluss 19,5 x 13,5 cm. Pergament um 1700 (gering fleckig) mit hs. RTitel. Basel, Nikolaus Lamparter, 15. März 1507.

VD16 B 7079. IA 111.497 (unter Badius). Adams B 2672. Goedeke I, 387, 7. Meder S. 276. – Seltene fünfte lateinische Ausgabe seines Narrenschiffs, mit den von den Originalstöcken von 1494 gedruckten Dürer-Holzschnitten, die zweite Ausgabe bei Lamparter, der die Stöcke von Bergmann übernommen hatte (Schramm XXII, 1109ff.). Diejenigen Holzschnitte (wohl 73), die dem jungen Dürer zugeschrieben werden, sind kenntlich an den mit Schellen besetzten Narrenkappen. Die Übersetzung aus dem Deutschen ins Lateinische besorgte der in Ingolstadt wirkende Schüler Brants Jakob Locher (1471-1528). Er verhalf dem bislang nur regional bekannten Werk damit zu internationaler Verbreitung, seine lateinische Übertragung bildete die textliche Grundlage für fast alle fremdsprachigen Ausgaben. – Titel etwas fingerfleckig, mit kleiner restaurierter Fehlstelle im weißen Bug, die rechte obere Ecke in den Rändern fachmännisch restauriert. Der blattgroße Holzschnitt auf dem Titel verso (verhalten) ankoloriert, das erste Textblatt mit Kapitalstrichelung in Rot. Die letzten acht Blatt in der oberen rechten Ecke unauffällig angestückt, die letzten vier Blatt im Seitenrand restauriert, das Schlussblatt etwas breiter. Blatt LXIX mit gechlossenem Randeinriss. Fl. Vorsatz mit Monogrammschildchen, Initialstempel sowie hs. Besitzeintrag ("John Burns"). Schönes und wohlerhaltenes Exemplar.

Estimate
€ 7.500   (US$ 8.250)



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