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Lot 1013 Epistole di Falaride, di Marco Bruto, di Diogene
Lateinische Handschrift auf Pergament.
Sold
1013) » enlarge

Bis dato unbekanntes Renaissance-Manuskript mit Texten antiker Autoren
Epistole di Falaride, di Marco Bruto, di Diogene tradotte dal greco etc. Großes Fragment mit Texten antiker Autoren. Lateinische Handschrift auf Pergament. 80 Bl., gez. 17-104 (recte 96). 16 Zeilen. Schriftraum: 9,8 x 5,8 cm. Format: 16,5 x 11,4 cm. Mit Kapitelüberschriften (Autorennamen) und marginalen Randziffern (Briefnummern) in Blassrot sowie ca. 114 2-zeiligen Blattgold-Initialen auf rotem und blauem Grund mit Binnenornamentik in feiner Federzeichnung. Modernes Kalbsleder (Gelenke brüchig oder offen, leicht bekratzt). Italien um 1480.

Offenbar bis dato unbekanntes Fragment einer italienischen Pergamenthandschrift mit Texten von Briefen des sizilianischen Tyrannen Phalaris von Syrakus (gest. 555 v. Chr.), des römischen Cäsarmörders Marcus Iunius Brutus (85-42 v. Chr.), des griechischen Philosophen Diogenes von Sinope (413-323 v. Chr.) und vieler anderer, meist aus dem Griechischen ins Lateinische übersetzt. Auch wenn die Texte im Allgemeinen durchaus überliefert und bekannt sind, handelt es sich bei der vorliegenden Handschrift um eine Zusammenstellung, die wir in ähnlicher Form nur in einem Manuskript der Laurenziana in Florenz nachweisen können. Der Codex wird dort folgendermaßen beschrieben: "Epistole di Falaride, di Marco Bruto, di Diogene tradotte dal greco ec. Cartac, sec. XV, di carte 78, delle quali la 71 è bianca. Scrittura italica, tutta di una mano: scritto a Pirano d'Istria nel 1471 (Cod. Ashb. 11-AsHB. 198, 19.8 275-207)", wonach es sich also um eine Papier- und keine Pergamenthandschrift handelt und der Codex mit 78 Blättern komplett ist (von dem Blatt 71 weiß blieb).

Der Codex ist ein in dem istrischen Piran, einer damals als "Pirano d'Istria" zur venezianischen Terra ferma gehörenden Adria-Stadt, entstandenes Manuskript, das eine Sammlung von Briefen antiker Autoren nach einer bestimmten Reihenfolge und Nummerierung enthält. Beide Codices, der uns vorliegende wie der der Laurenziana, gehen sicherlich auf eine wesentlich ältere (und wohl nicht mehr erhaltene) Handschrift zurück, deren ursprüngliches Vorbild wohl schon aus der Antike stammt. Insofern kommt der uns vorliegenden Handschrift eine besondere Bedeutung zu, kann sie doch im Vergleich mit dem Ambrosiana-Codex neue Lesarten enthalten, die helfen können, den Urtext weiter zu erschließen.

Dem Ambrosiana-Manuskript gehen die hier fehlenden "Epistolae Phalaris (sic) per Dnm Franciscum Aretinum de greco in latinum traduci" voran sowie ein Widmungsbrief des Übersetzers Francesco Marsuppini an Malatesta Novello.

Erfasst wurde das Ambrosiana-Manuskript wie üblich anhand der Incipit-Zeilen, die im Vergleich mit unserer Handschrift schon oftmals bemerkenswert abweichen, was die Übersetzung ins Lateinische betrifft. So findet sich in der Ambrosiana-Handschrift der Briefanfang Paurolas folgendermaßen zitiert: "Que a patre in filios", während es bei uns heißt: "Que a patre in filium", "Cum Himeram..." wird bei uns "Cum in himeram necessario venissem", "Nicaeneto Aristophonti Temeritas et iuventutis" wurde zu "Ariphradi Temeritas et iuventutus" etc.

Vorhanden sind in dem vorliegenden Fragment die Briefe 17-130 (es fehlen gegenüber dem Ambrosiana-Manuskript also ggf. die Vorstücke, die Briefe 1-16 sowie 131-138). Der Text hier hebt also erst auf Blatt 17 (der späteren; oben in der rechten Ecke mit grau-schwarzer Tinte eingetragenen) handschriftlichen Nummerierung mit dem Brief 17 des Paurole an. Es folgt Brief 18 Paurole und dann Brief 19 Erythiae auf Seite 19 etc. Zitiert werden hier nur die ersten und der letzte Brief, um einen Eindruck des Textes und seiner Organisation zu geben.

Brief 17 Fol. 17r Paurole. Maxime utrumque parentem
Brief 18 Fol. 18r Derselbe. Que a patre in filium
Brief 19 Fol. 18v Erythiae. Si nostre tyrannidis
Brief 20 Fol. 20r Paurola. Coronam abs te sexdentorum aureorum pondo
Brief 21 Fol. 21r Paurole. Cum in himeram necessario venissem
Brief 22 Fol. 22v Camarinensibus. Et in gelliam misi et ad Leontinos
Brief 23 Fol. 22v Lucino. Non recte in Leontinorum
Brief 24 Fol. 23v Leontinis. Si meum contra vos bellum solvi desideratus
Brief 25 Fol. 23v Leontinis. Leonidam quem res meas exploratum misistis
Brief 26 Fol. 24r Hieronymo. Rogasti me quibus adductus rationibus Leontinos in agrum
Brief 27 Fol. 24v Nichophemo. Quos in Leontinorum concione missabili cruciatu
Brief 28 Fol. 25r Timonacti. Vicisci bello Leontinos
Brief 29 Fol. 25v Samee. Cum mores tuos optimos et meredibilem erga omnes
Brief 30 Fol. 26r Pythagore. Phalaridis tyramni a pythagore
Brief 31 Fol. 27r Thoraci. Utrum me ipsum
Brief 32 Fol. 27v Ariphradi. Temeritas et iuventutis
Brief 33 Fol. 28r Niceneto. Quod sepenumero patri tuo scripsimus
Brief 34 Fol. 29r Antimacho. Si reddere mutuum potest et tamen
Brief 38 Fol. 29r Aristomeni. Noli egre ferre uulnera que in bello accepimus
Brief 36 Fol. 29v Xenopithi. Non me pertubant calumnie
Brief 37 Fol. 30r Catiniis. Cum ad me cives vestri captive deducerent
Brief 38 Fol. 30v Catiniis. Vos fortasse satis mihi penarum dedisse
etcetera bis
Brief 130 Fol. 104r Stesichoro. Nicocles Syracusanus non ignoras fortasse

Jeder Brief beginnt mit einer großen, 2-zeiligen Zierinitiale in aufrechter Renaissance-Antiqua, die in leuchtend-schimmernden Blattgold auf einen Grund aus blauer und roter Deckfarbe aufgetragen wurde. Dabei umspielen die wiederum mit Binnenornamentik in feinster weißer Federzeichnung reich gezierten Farbfelder die Form der Initiale äußerst abwechslungsreich: als Quadrat- und Rechteckformen, aber auch mit abgeschrägten Ecken, mit Ausläufern um die Serifen, kleinen Haken, Zacken und Bögen. Ebenso wie die bemerkenswert klare, sauber geschriebene Gotica rotunda zeugen die Initialen von der hohen Handschriftenkunst zwischen Mittelalter und Neuzeit, zwischen Gotik und Renaissance, was die Datierung des Manuskripts bestätigt.

Jede Seite ist sauber mit blassroten Linien regliert, wobei die beiden Textspiegel der Doppelseiten in die Mitte zum Bug gerückt sind und einen bemerkenswert breiten Rand lassen (an der Außenkante 4 cm, unten soger 5 cm!). Die Nummern der Briefe, die weitgehend denen im Ambrosia-Codex entsprechen, sind jeweils in die Randmarge auf Höhe der Initialen mit blassroter Tinte eingeschrieben, ebenso wie die Briefautorennamen in klaren Antiqua-Versalien.

Zu den Texten vergleiche folgende Literatur: Marco Giunio Bruto. Epistole greche. hrsg. von Luigi Torraca (Hrsg). Neapel 1959.
Muratore Davide, Le epistole di Falaride. Catalogo dei manoscritti. La Spezia 2002. Zum Ambrosiana-Codex siehe: Cesare Paoli und Enrico Rostagno (Hrsg.), I codici ashburnhamiani della R. Biblioteca Mediceo-Laurenziana di Firenze (Kompilation von C. Paoli, E. Rostagno und T. Lodi). Libreria dello Stato 1887, S. 309ff. – Die ersten vier Blätter und das letzte Blatt mit älteren Wischern bzw. Rasuren im unteren Rand, dort wohl mit Löschung älterer Besitzvermerke oder Einträge des 18. Jahrhunderts (?), was sicherlich darauf hindeutet, dass der Codex wohl schon länger nur als Fragment erhalten war), wenige minimale Löchlein im Pergament, vereinzelte Fleckchen und ganz leichte Schatten, insgesamt aber sehr gut erhaltenes, durchgehend sauberes, breitrandiges Manuskript auf prachtvoll gegerbtem, honigfarbigen Pergament zu je acht Blättern pro Lage.

Estimate
€ 8.000   (US$ 8.800)


Hammer Price
€ 15.000
(US$ 16.500)
(GBP 13.350)
(CHF 16.500)



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